Bergfahrt

Piz Linard (3.410 m üNN) 2009

Geschrieben von Thomas Delling.

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Mit seinem markanten, pyramidenähnlichen Gipfelaufbau präsentiert sich uns der höchste Berg der Silvretta auf der Fahrt nach Davos zum K78. Schon im voraus hatte ich Jens von einer Aklimatisierungstour zum "König des Unterengadin" über die Weilenmannrinne in der Südwand überzeugen können. 

Mit dem zeitigen Aufstehen hat Jens ein Problem, gerade im Urlaub. Daher einigen wir uns auf 5 Uhr. Ein kleines Frühstück, dann auf die Fahrräder und von der Schatzalp hinab nach Davos. Hier fährt Jens einen beachtlichen Vorsprung heraus, nützt aber nichts, da ich den Fahrzeugschlüssel habe. Mit dem Auto flux über den Flüelapass nach Lavin (1.412 m), unserem Startort. Ein Parkplatz in der Ortsmitte ist noch frei. Mit den Rädern fahren wir 7 Uhr los und soweit es geht dem Gipfel entgegen um "verschlafene" Zeit wieder 'rauszuholen. Im Wald auf ca. 1.700 Metern Höhe setzen wir unsere Tour dann zu Fuß fort. Über Plan dal Bügl (1.962 m), durch den Wald God Laret und an dessen Ende im Val Glims führt der Weg recht bequem zur Chamanna dal Linard, der Linard-Hütte (2.327 m).

Es ist schon 8:30 Uhr und für einen Gipfelaufstieg ziemlich spät. Da wir auch nur bedingt Werkzeug (Pickel oder Steigeisen fehlen, dafür pro Person ein Trekkingstock!) mithaben, wollen wir den Hüttenleuten auch nichts von unserem Vorhaben erzählen. Unser Interesse am Piz Linard läßt sich jedoch nicht ganz verheimlichen und so kommen wir mit ihnen ins Gespräch. Drei Mann sind heute früh hoch und befinden sich gerade im Abstieg, berichten sie uns, da sie die Situation am Linard mit dem Fernglas ständig beobachten. Wir beruhigen sie mit einer Wanderung nur hoch bis zu den Bergseen Lai da Glims (2.563 m).

Gegen 9:15 Uhr erreichen wir diese nach 25 Minuten Marsch von der Hütte aus und sehen uns die Dreierseilschaft im unteren Schneefeld entgegenkommen. Im späteren Gespräch mit ihnen sehen sie das Fehlen der Steigeisen nicht so tragisch und meinen, da kommt man auch so hoch. Schnee- und Geröllfelder folgen, den weiteren Weg weisen uns die Spuren der drei Mann und gegebenenfalls Steinmänner. Es folgt der Einstieg in die untere Rinne, welche mit zunehmenden Verlauf immer steiler (40°) wird. Der Schnee darin erspart uns zwar so manche "Kletterei", er ist aber auch sehr kraftraubend, da wir ständig bis über die Knie einsinken. Auch hier eilt Jens voraus, obwohl ich ihm versichert habe, das oben (in Anspielung auf den bevorstehenden Wettkampf) keine Zeitmeßmatte liegen wird. Der befürchtete Steinschlag findet somit für Jens garnicht und für mich im Nachstieg nur gering statt, da wir uns zur Zeit auch nur zu zweit am Gipfel versuchen. Bei einem größeren Menschenauflauf ist die Situation bestimmt heikler.

Das nächste Geröllfeld wird gequert und die steilere und engere obere Rinne (45°) folgt. Jens erreicht dann auch zuerst den Südwestgrat, welcher hinauf zum höchsten Punkt führt. Es ist 11:45 Uhr, wir stehen oben und können einen phantastischen Rundumblick genießen: Weißfluhgruppe, Garner Alpen, Berner Alpen, Walliser Alpen, Bündner Oberland, Flüela, Albula, Bergell, Bernina, Ortler, Samnaunberge, Allgäuer Alpen, usw. Eine Stunde verweilen wir, in der Zwischenzeit kommt aus dem Nachbartal Val Lavinuoz eine weitere Seilschaft herauf.

Der Abstieg erfolgt auf der uns bekannten Aufstiegsroute durch die Südflanke. Jens rutscht die Schneefelder auf seinem Arsch hinab, das ist mir allerdings zu heiß, da doch ab und zu Gestein aus dem Schnee spießt. Er ist vielleicht deshalb eine halbe Stunde vor mir an der Linard-Hütte, da ich mich (über-)vorsichtig mit meinem Stock, als Bremse, den Berg herunterstochere. Für uns gibt es dann an der Chamanna ein nachgeholtes Gipfelbier zur Belohnung. Mit den Hüttenleuten reden wir nicht über unseren Gipfelerfolg, aber sie werden es ja am Fernglas mitverfolgt haben.

Hinab ins Tal gehen und fahren wir dann wieder gemeinsam, nach einer Stunde sind wir 16 Uhr am Auto.

PS: Klug ist, wer seine Kräfte richtig einteilt! Fünf Tage später beim K78 bin ich 13 Minuten vor Jens auf der entscheidenden Zeitmeßmatte im Ziel von Davos! Ausreden zählen da nicht und der "Sieg" am Piz Linard ist Schall und Rauch!

Bilder gibt es hier!





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