Berglauf

Swiss Alpine Davos - K78 2009

Geschrieben von Thomas Delling.

swiss alpine marathon 2009 426

25.07.2009 - 8:00 Uhr - 78,5 km / 2.260 Hm+ / 2.260 Hm-

Es ist der Morgen des 25. Juli, die letzten Minuten bis zum Start des K78 im Rahmen des 24. Swiss Alpine Marathon Davos werden mit “Conquest Of Paradise” überbrückt. Vereinskamerad Jens Mende und ich stehen inmitten von Läufern der Kategorien K31, C42 und K78 und warten sehentlichst auf das erlösende Signal des Starters.
Mit dem Ziel den Lauf halbwegs vernünftig zu beenden waren wir zwei nach Graubünden gefahren. Mehrere längere Einheiten und ab und zu einen Wettkampf in der Vorbereitung sollten Grundlage genug sein um dies zu verwirklichen. Es ging nicht vordergründig um Zeit und Plazierung sondern darum diese für mich “neue” Distanz von 78,5 Kilometern im stellenweise hochalpinen Gelände zu bewältigen. Außerdem ist man ja nicht täglich in den Schweizer Alpen unterwegs, da will man auch mal das ein oder andere Foto schießen und so die Eindrücke vom Geschehen festhalten.

Es galt natürlich auch den Lauf nicht zu schnell zu beginnen, was natürlich bei der Begeisterung, von der man sich letztendlich mitreißen lässt, nicht gelingt. Die ersten 5 km durch Davos waren für den selbstgesteckten Zeitplan viel zu schnell. Doch bald fand auch ich meine Tempogruppe und so ging es meist auf Straßen oder Waldwegen leicht profiliert und letztlich bergab zum mit knapp 1.000 m tiefsten Punkt der Strecke nach Filisur, dem Ziel der K31-Läufer. Dort bogen die C42er nach Tiefencastel ab, für uns mit den den roten Startnummern hieß es die nächsten 20 km ca. 1.600 Höhenmeter zu überwinden. Bei km 39 in Bergün wähnte man sich bei einer Pyrenäenetappe der Tour de France, zahlreiche Zuschauer und die K42-Teilnehmer, welche kurz darauf in Bergün starteten, machten die engen Gassen des Bergdorfes noch enger. Durch ein Spalier von tobenden Leuten wurden die Läufer durch den Ortskern “getrieben”. Den Fotoapparat ließ ich in diesem Moment stecken um den Augenblick zu genießen.

Kurz darauf bog die Strecke wieder in die Einsamkeit ab und man war mit seinen Problemen wieder allein: die Beine wurden langsam schwer und das Gelände immer unwegsamer. In dieser Situation kam auch noch Sportfreund Mende an mir vorbei und ließ den Abstand zwischen uns stetig wachsen. Ich war mental und körperlich total am Boden. Wieso der ganze Trainingsaufwand, warum überhaupt noch weiterlaufen, so schoss es mir durch den Kopf. Ich weiß nicht mehr was mich noch weitermachen ließ, aber ich merkte, das es den anderen Sportlern ähnlich erging. Kurz vor der Keschhütte (2.632 m) hatte ich auch Jens wieder im Blickfeld und merkte das sich unser Abstand verkleinerte. Eine halbe Minute trennte uns noch beim Überqueren der Meßmatte an der Hütte nach 52,9 km. Dieser Abstand vergrößerte sich jedoch gleich wieder, da ich mir von der verdutzten Hüttenwirtin noch den Hüttenstempel geben ließ, dafür gab´s noch eine Ansichtskarte gratis dazu.
Auf  Fels- und Steinbrocken, welche oft auch glitschig nass waren, ging es zur Platta Naira, Hier trennten sich die Wege der 78er und 42er für die nächsten 4,4 bzw. 5,2 km. Während die Marathonläufer hinunter zur Alp Funtauna mußten, konnten wir weiter über den Panoramatrail und büßten so nicht die mühsam erkämpften Höhenmeter wieder ein. Der Weg war stellenweise schlammig und es gab auch ständig kleine Bergbäche zu überqueren, kurz vor dem Scalettapass führte die Strecke noch über zwei Schneefelder. Ich war Schlußläufer einer Vierergruppe und man musste schon jeden Schritt genau überlegen um nicht zu straucheln. Außerdem kostete das Auflaufen zur Gruppe nach dem Fotografieren immer wieder Kraft. Trotzdem lief es bei mir recht gut, Jens hatte ich schon zwischen  Keschhütte und Platta Naira überholt und baute den Vorsprung immer mehr aus.
Mit Erreichen des Scalettapasses (2.606 m) wusste  man, das die letzten 18,4 km nur noch bergab gingen, was man natürlich nicht unterschätzen sollte. Vor allem das Stück bis Dürrboden hatte es in sich. Danach wurde es flacher und der Kampf gegen die Uhr begann. Bei km 67,3 in Rin merkte ich, das ich mit etwas Glück noch unter 8 Stunden im Ziel ankommen könnte, also blieb der Fotoapparat im Rucksack und die letzte Verpflegungsstelle ignorierte ich auch. Selbst eine ca. 250 Meter lange Steigung kurz vor Davos bremste mich nicht in meinem Optimismus.
Auf den letzten 2,3 km traf man noch auf Läufer des  K21-Halbmarathons. Der Weg ins Ziel fiel mir immer leichter und so schaffte ich es auch noch knapp unter 8 Stunden zu bleiben, Jens kam kurz darauf im Davoser Sportzentrum an.
Fazit: ein phantastischer Lauf mit genügend Verpflegungsstellen, auch das Zeitlimit von 12 Stunden ist für jeden Trainierten machbar.

Alle Bilder findet ihr hier.

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