Berglauf

13. Nebelhorn-Berglauf Oberstdorf 2012

Geschrieben von Thomas Delling.

01.07.2012 - 9:15 Uhr - 10,5 km / 1.410 Hm+ / 5 Hm-

UDG1

"Härtester Berglauf Deutschlands" und "1.405 hm in 10,5 km - Zu hart für Dich?" - so steht es in der Ausschreibung des Nebelhorn-Berglaufes. Das klingt ehrfurchtsvoll. Ein Urteil kann man sich aber nur bilden, wenn man selbst mal die Strecke vom Oberstdorfer Marktplatz (815 m üNN) hinauf zur Gipfelstation der Nebelhorn-Bergbahn (2.220 m üNN) gelaufen ist. Um "mitreden" zu können, meldeten Ute und ich frühzeitig für die Veranstaltung an.

Damit es für uns auch nicht zu einfach wird, gibt es am Vortag den Schneekopflauf zum Eingewöhnen und eine, durch Unwetter bedingte, längere Nachtanfahrt ins Allgäu mit einer Ankunftszeit von 2 Uhr in Oberstdorf. Vier Stunden Schlaf im Fahrzeug dürften genügen, da ab 7 Uhr die Startunterlagen am Eisstadion ausgegeben werden. Das Finisher-Shirt gibt es schon vor dem Start, also ist ein Ankommen im Ziel Pflicht.

Kurz vor 9 Uhr füllt sich der Marktplatz immer mehr mit Läufern und der Sprecher gibt die (unvorstellbaren) Streckenrekorde als Richtlinien zum Besten: 1:00:30 bei den Männern und 1:11:06 bei den Frauen. Allerdings sei damals das Wetter nicht so gut gewesen wie heute. Die Sonne drückt schon um diese Tageszeit recht ordentlich, so das die Schattenplätze rund um den Startbereich belegt sind. Das Interesse am Lauf ist dennoch groß, für fünf nachgemeldete Läufer müssen noch Startnummern "gemalt" werden, welche sie kurz vor dem Start noch ausgehändigt bekommen.

Bis zum Schattenberg-Skistadion müsse man dem Polizeiauto als Führungsfahrzeug hinterherlaufen, dann wird es steiler und man könne endlich "Gas geben", so der Sprecher. Ich halte mich trotz dieses Hinweises am "Schanzenanstieg" (Straßenserpentinen neben dem Auslauf) etwas zurück, bis zum ersten Verpflegungspunkt (Wasser+Iso) an der Seealpe (1.280 m üNN) bei Kilometer 5 habe ich schon 32:38 Minuten auf der Uhr stehen. Ein flaches "Erholungsstück" folgt. Doch der Anstieg am Latschenhang zieht mir endgültig den Zahn, eine angestrebte Zielzeit von unter 1:30 zu erreichen.

Ich nutze die gesamte Wegbreite um im Zickzack diesen Abschnitt für mich "wanderbar" zu machen. An der zweiten Verpflegung auf 1.700 Metern Höhe ist der Streckenrekord schon durch, ich habe aber noch ca. 3 Kilometer zu absolvieren. Markus Merk, der ehemalige FIFA-Schiedsrichter überholt mich an dieser Stelle und wird bis zum Ziel noch fast drei Minuten auf mich herauslaufen. Aber er ist nicht der Einzige der an mir vorbeizieht, es ist schon deprimierend, wie man hier durchgereicht wird.

Nach 1:18 Stunden nehme ich am Höfatsblick (1.932 m üNN) alles an Getränken, was mir angeboten wird. So stehe ich plötzlich mit vier Bechern da (zweimal Wasser, einmal Iso, einmal Cola). Das Zeug verdampft aber regelrecht beim Eingießen in die Kopföffnung. Gut hydriert wird jetzt der Gipfelanstieg in Angriff genommen. Eine Stunde steht auf einem Wegweiser, letztendlich benötige ich für die verbleibenden rund 1,8 Kilometer aber "nur" 20 Minuten. Aufziehender Nebel vermindert kurzzeitig die Sonneneinstrahlung und mit dem Schnee am Wegesrand kühle ich mir den Kopf. Das macht mich aber trotzdem nicht schneller und ich werde weiterhin fleißig überholt. Die letzten zehn Meter zum Ziel gehen glücklicherweise bergab, so sieht meine Zielankunft doch recht schwungvoll aus - hoffe ich zumindest!

Die Zielverpflegung nehme ich für zwei Personen in Anspruch, vielleicht braucht ja Ute nichts und kann auf ihren Teil verzichten? Kurz darauf kommt sie auch schon den Berg hochgeschnauft. Sie nimmt allerdings auch an der Läuferversorgung teil, so das ich schon fast ein schlechtes Gewissen bekomme.

Kurz nach 13 Uhr findet am Höfatsblick die Siegerehrung statt, die wollen wir uns noch anschauen, bevor wir wieder auf der Wettkampfstrecke talwärts laufen. Im Edmund-Probst-Haus überbrücken wir die Zeit bis dahin mit einem ausgiebigen Mittagsessen (Spätzle mit Gulasch).

Unser Fazit als "Flachländer": Hart war es schon, aber nicht gesundheitsgefährdend!


Ergebnis Männer: 200 Teilnehmer

1. Uebel, Steffen (LAZ Birkenfeld) - 1.M20 - 1:05:55
2. Barz, Michael (TSV Durach) - 1.M35 - 1:06:59
3. Dr. Hirschberg, Alexander (TV Jahn Kempten) - 1.M30 - 1:07:56
4. Charles-Mangeon, Benoit (SG Stern Stuttgart) - 2.M20 - 1:09:18
5. Schädler, Philipp (Dynafit) - 3.M20 - 1:10:11
6. Benz, Joachim (LG Brandenkopf) - 1.M45 - 1:10:16

130. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 23.M40 - 1:38:49

Ergebnis Frauen: 35 Teilnehmerinnen

1. Besler, Heidrun (2XU/Der Laufladen Axel Reusch) - 1.W55 - 1:24:22
2. Hagspiel, Alexandra (TV Immenstadt) - 1.W30 - 1:24:36
3. Eimannsberger, Karoline (TSV Sonthofen) - 1.W40 - 1:31:03
4. Merdian, Sabine (Allgäu Outlet Raceteam) - 1.W45 - 1:33:00
5. Ricke, Sandra (TSV 1850/09 Korbach) - 2.W30 - 1:33:51
6. Bauer, Annegret (LT Urban) - 2.W45 - 1:35:21

21. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 7.W45 - 1:50:09

Veranstalterseite: www.nebelhornberglauf.de

Bilder gibt es hier!

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