Berglauf

3. Tor des Geants - Endurance-Trail della Valle d' Aosta 2012

Geschrieben von Thomas Delling.

09.09.2012 - 10:00 Uhr - 332,538 km / 23.775 Hm+ / 23.775 Hm-

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Die "Tour am Fuße der Giganten" Mont Blanc, Grand Paradiso, Monte Rosa und Matterhorn, den bedeutendsten Viertausendern der Alpen, verläuft auf den beiden Höhenwegen Alta Via 1 und 2 mit Start und Ziel in Courmayeur. Höchster Punkt ist dabei der Col Losson bei Kilometer 89,8 mit 3.299 m üNN, der tiefste Punkt liegt nach 148,7 Kilometern mit 330 m üNN in Donnas. Es sind 25 Gebirgspässe über 2.000 Meter Seehöhe zu queren und 30 Bergseen werden passiert. Über 1.200 freiwillige Helfer betreuen an der Strecke die rund 600 Läufer, welche die Distanz von ca. 200 Meilen in 150 Stunden absolvieren müssen.

Die Anmeldung startete am 1. Februar um 12 Uhr und sollte bis 1. August möglich sein. Der Ansturm war jedoch so groß, das nach 27 Minuten schon 601 anstatt der 550 "genehmigten" Läufer ihre 350 Euro Startgeld überwiesen hatten. Die nächsten 600 Interessenten wurden auf eine Warteliste gesetzt. Als 354. Anmelder war ich nach einigen kleinen Problemen bei der Geldüberweisung um 12:11 Uhr gelistet - Glück gehabt!

Nach den witterungsbedingten Streckenverkürzungen am vorhergehenden Wochenende beim "benachbarten" Ultra-Trail du Mont-Blanc fuhren wir natürlich mit gemischten Gefühlen ins Aostatal. Die Schneereste am Großen Sankt Bernhard zeugten dabei noch vom Kälteeinbruch in diesem Gebiet. Aber die Woche über besserte sich das Wetter zunehmend und das Thermometer erreichte bei fast wolkenlosem Himmel mittags die 30°C-Marke. Beste Bedingungen also, um sich mit diversen Streckenabschnitten des TDG vertraut zu machen, dabei wurden natürlich auch die im Vorjahr beim UTMB zurückgelegten Abschnitte um Courmayeur (bei 3 Tageswanderungen a 9 Stunden) nicht vernachlässigt.

Am Sonnabend ab 14 Uhr gibt es im Sport-Center von Courmayeur die Startunterlagen. Der Auflauf ist groß und so dauert es fast 2 Stunden bis wir "durch" sind. Die Startnummer bekommt man nur gegen Vorlage des Personalausweises und zum Abschluß wird man noch für die Unterlagen fotografiert! Die wichtigen Dinge zum Lauf werden dann am Abend besprochen (beim sog. "Briefing"), dummerweise überschneidet sich dabei der Wetterbericht für die nächsten Tage mit der Essensausgabe der "Pasta-Party". Die Sicht auf die Wetterdaten ist deshalb, durch aufgescheuchte hungrige Trailer, stellenweise stark eingeschränkt, den italienischen und französischen Erläuterungen können wir aber nur bedingt folgen. Nach Abschluß der Unterweisungen erinnern die Warteschlangen im Saal an die Startnummernausgabe vom Nachmittag. Da es aber schon 20:45 Uhr ist, lasse ich meine Essenmarke verfallen und wir begeben uns auf den Weg ins Hotel.

Settore 1: Courmayeur - Valgrisenche / 48,606 km / 3.750 Hm+ / 3.295 Hm-

Wir machen uns gegen 9 Uhr vom Hotel in Pre-Saint-Didier auf den Weg zum Start bei der Kirche in Courmayeur (1.224 m). Für Ute ist es heute besonders schwer, da sie diesmal auf der anderen Seite, bei den Zuschauern steht. Das Spektakel ist groß und die Stimmung ist ausgelassen. Zwei Drohnen filmen von oben den Startgarten. Ich verabschiede mich von Ute "bis zum Abend", denn da will ich die "Base Vita" in Valgrisenche erreicht haben, die Ute mit dem Auto ansteuert.

Endlich geht es los! Durch die anfangs engen Gassen Courmayeurs, die mit Zuschauern vollends verstopft sind, ist nur ein schneller Wanderschritt möglich. Die Zuschauerreihen lichten sich kurz darauf aber und die Straße wird breiter, am Busbahnhof und am Sportcenter vorbei führt der Weg nach Dolonne. Dort geht´s ins Gelände. Den Weg hinauf zum Col d'Arp (2.571 m) sind wir erst in der Vorwoche abgelaufen und ich weiß daher, das er sich ewig zieht. Zwei Hubschrauber kreisen wechselnd über dem sich schon lang auseinandergezogenen Teilnehmerfeld. Die Sonne lacht und nur vereinzelte Wolken zieren den blauen Himmel!

Oben am Paß steckt, neben der TDG-Markierung, sogar noch das UTMB-Fähnchen, das ich vorige Woche am Col Youlaz gefunden und am Wegweiser befestigt hatte. Der folgende Abschnitt führt über Youlaz (2.051 m) hinab nach La Thuile (1.458 m). Dort warten hunderte Zuschauer auf die ankommenden Läufer, nach einem Festsaaldurchlauf (Verpflegungspunkt) geht es am Fluß Torrent du Rutor hinauf nach La Joux (1.613 m) und Glacier (2.160 m) zur Refugio Alberto Deffeyes (2.500 m). Der Aufstieg fällt mir, auch aufgrund der Wärme, schwer. Ich nutze fast jede Wasserstelle, um mich zu erfrischen. An der Hütte gibt´s den ersten Stempel in mein Buch und nach einer ordentlichen Stärkung mache ich mich Richtung Col Haut Pas (2.857 m) auf.

Nach der Paßüberschreitung geht´s standesgemäß wieder steil bergab. Die Steine aus den Schuhen müssen raus und ein paar der zahlreich am Wegesrand stehenden Mirtilli (Heidelbeeren) müssen natürlich auch probiert werden. Vor dem Biwak in Promoud (2.017 m) empfängt Kuhglockengeläut die Läufer. Und nach einer kurzen Stärkung am Essensstand müssen wir wieder hoch - zum Col de la Crosaties (2.829 m).  Im oberen Teil sind Seilsicherungen angebracht und ein Flötenspieler sorgt für die nötige Unterhaltung.

Wieder schlängelt sich der "Weg" steil bergab zum Lac du Fond (2.439 m), einem größeren Bergsee. Über ein Plateau führt der Pfad an den Überresten der Alm Baraques du Fond (2.338 m) vorbei. Kurz vor Erreichen der Baumgrenze wird die ehemalige Alm Benevy (1.950 m) passiert. Ein Steilstück nach La Clusaz (1.694 m) verursacht, durch die auf ca. 20 Personen angewachsenen Läuferschlange vor mir, fast eine Staublunge. Beim Blick ins Tal vermute ich stets Valgrisenche, als den dort unten liegenden Ort. Es ist aber erst Planaval (1.517 m), der Verpflegungspunkt bei Kilometer 43. Von dort geht es vornehmlich auf Straßen- und breiten Wegabschnitten am Fluß Valgrisenche entlang zum gleichnamigen Ort (1.662 m).

Es wird schon langsam dunkel, ich will aber die Stirnlampe nicht noch vor der großen Station aus dem Rucksack kramen und so kommt es, das ich Ute für einen Streckenposten halte, als ich an einer Brücke an ihr vorbeilaufe. Es ist noch ungefähr ein Kilometer bis zur "Base Vita", dem Ende des ersten Sektors. Ute erzählt mir von ihrer Tagestour zum Col Fenetre und wie die Wegbeschaffenheit dorthin ist.

Beim Betreten des Verpflegungszeltes kotzt ein Japaner zweimal ausgiebig in den Gang zwischen dem "Ristoro"-Bereich und den aufgetürmten Läufertaschen. Das ist natürlich ein Empfang! Die Helfer haben alle Hände voll zu tun und sind trotz des Durcheinanders stets freundlich und hilfsbereit. Ich lasse mir meine Tasche geben und ziehe mir neue Oberteile an, auch eine längere Unterhose kommt unter die Laufhose. Die Socken werden ebenfalls gewechselt, da sich schon Blasen an den Füßen abzeichnen - Na Klasse und das nach noch nicht einmal 50 absolvierten Kilometern!

Nach der Neueinkleidung hole ich mir im "Speisesaal" ein paar Nudeln, die ich mit zwei Eiern und einer Büchse Bier hinunterdrücke. Zuvor hatte ich mir schon aus meinen Vorräten eine Portion Haferschleim gegönnt. Nun will ich aber Ute nicht länger vor dem Zelt warten lassen und "logge" mich aus, indem mein Armband abgescannt wird.

Settore 2: Valgrisenche - Cogne / 53,535 km / 4.137 Hm+ / 4.268 Hm-

Es ist 21:15 Uhr, als ich mich mit Ute auf den weiteren Weg begebe. Über dem Staudamm des Lac de Beauregard blitzt und donnert es, aber das Gewitter tobt sich dann doch in einem Nachbartal aus. Ab Mondanges (1.680 m) gehe ich dann allein weiter, ich komme gut bergauf voran und überhole einige Läufer. Es ist wiederum ein Japaner, der nachdem ich ca. 500 Meter vor ihm bin, die Stille der Nacht im dichten Nadelwald mit erbärmlichsten Brechlauten zerstört. "Die meisten Teilnehmer überschätzen sich." - hatte ich im Vorfeld des TDG gelesen, also schön ruhig bleiben und ganz normal den Anstieg meistern, ohne zu überdrehen!

Am Chalet de L'Epee (2.366 m) gibt's neben dem Hüttenstempel zwei Tassen warmen Tee und mit einem anderen Läufer teile ich mir eine Büchse Bier. Die Pflichtausrüstung schreibt einen Liter Wasser vor, den ich permanent in der Trinkblase des Rucksacks habe. Zum "Vertun" auf der Strecke habe ich noch eine 0,33- und eine 0,75-Liter-Flasche, welche ich mir hier mit Tee auffülle.

Es ist kurz nach Mitternacht, die neue Woche bricht an und stehe auf dem Col Fenetre (2.854 m). Der folgende Geröllhang ist steil, sehr steil bergab - höchste Konzentration im Dunkeln, "Kaffeebohnen" und maximaler Stockeinsatz. Ein Italiener hinter mir nimmt allerdings in diesem Gelände ein Telefonat entgegen (nachts 0:15 Uhr!) und quatscht und quatscht und quatscht. Will der mich verarschen? Ist das hier psychologisches Mürbemachen? Will er, das ich mir sage: "Schon gut, ich hab's kapiert. Macht ihr mal Euer Ding hier, das ist nichts für mich!". Während ich mit allen Mitteln um meine Gesundheit kämpfe, telefoniert der Typ beim Abstieg!

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Rhemes-Notre-Dame (1.738 m) folgt der Anstieg zum Col Entrelor (3.002 m) und damit auch der Eintritt in den Parco Nazionale del Gran Paradiso. Schön sieht man auf der gegenüberliegenden Seite des Tales, wie sich eine endlos lang erscheinende Lichterschlange vom Col Fenetre hinab zum Verpflegungsposten quält. Doch kurz darauf, so ab 2.800 Metern, quäle auch ich mich. Einer Engländerin geht es auch nicht viel besser, wir müssen immer öfterer im Anstieg stehen bleiben, um Kräfte zu sammeln. Nachdem sie eine "Schlafpause" am Weg hält, entscheide ich mich ebenfalls für ein kurzes Nickerchen. Vorbeikommende fragen aber ständig "Va bene?" oder "Ca va?", um eventuell Hilfe leisten oder holen zu können und lassen so ein Ausruhen nicht zu. Außerdem wird es verdammt kalt, ich muß also wieder los, um nicht auszukühlen.

Es ist 4:20 Uhr und ich habe den ersten Dreitausender der Runde geschafft! Der folgende Abstieg gestaltet sich immer schwieriger, da die Blasen an den Füßen mich immer mehr bremsen. Im nächsten Talort, Eaux Rousses (1.654 m), lasse ich mir nach längerem Zögern die Füße von einer Ärztin behandeln. Das "Wartezimmer" ist voll, daher bekomme ich einen Freilufttermin. Ich sitze auf einem Stuhl neben dem Zelt und die Ärztin handiert mit Skalpell, Kanüle und Desinfektionsmittel an meinen dreckigen Füßen herum. Sechs Blasen sind es mittlerweile und ich muß an den UTMB denken, damals hatte ich "nur" 70 Kilometer damit zu kämpfen, hier hab ich allerdings erst 79 Kilometer weg und noch 253 vor mir.

In weiten Kehren folgt nun der Anstieg zum nächsten Dreitausender. Unschön das es da Leute gibt, die den direkten Weg vorziehen und nicht erst die lästigen Schleifen laufen wollen, wie der Träger der Startnummer xxx, der generell die kürzeste Strecke wählt. Das ist nicht nur unfair den anderen Sportlern gegenüber, sondern ist bestimmt im Nationalpark auch Wanderern nicht erlaubt.

An der Unterkunft der Parkwächter, Levionaz Inferiore (2.289 m), vorbei führt die Strecke in ein langgezogenes Tal. Danach wird es wieder steiler, in Serpentinen (nicht für alle Teilnehmer!!) schlängelt sich der Pfad hoch zum Col du Loson (3.299 m). Ich bin wieder total am Ende, bis ca. 2.800 Höhenmeter hatte ich überhaupt keine Probleme und nun mache ich zehn, zwölf Schritte und bin platt wie nach einem 400-Meter-Lauf.

Während einer meiner Zwangspausen höre und sehe ich an der gegenüberliegenden Felswand den Abgang mehrerer großer Gesteinsstücke, welche ordentlich Fahrt aufnehmen und im unteren Teil der Wettkampfstrecke landen. Einige Läufer retten sich in letzter Sekunde vor den heranfliegenden Steinen.

Die Sicht vom Col ist großartig, nur Zeit zum Verweilen bleibt nicht. Ute war mir von Cogne aus entgegengelaufen und auf halber Strecke zur Rifugio Vittorio Sella (2.585 m) treffen wir uns. An der Berghütte wird erstmal ordentlich gerastet und ich versuche eine halbe Stunde in der Mittagssonne zu schlafen.

Diese kurze Ruhephase tat mir gut. Mit neuem Elan und im Laufschritt machen wir uns auf die Socken hinab nach Cogne (1.531 m). Eine Gruppe Kinder steht kurz vor dem Ort und sie freuen sich, die vorbeilaufenden Sportler abklatschen zu können.

Dieses Mal kommt Ute mit ins Versorgungszelt. Erst wird sich um das "leibliche Wohl" gekümmert, bevor es in den Schlafsaal geht. Aus angestrebten 2 Stunden wird allerdings nur eine knappe Stunde Schlaf. Danach wird der Arzt des Zeltes kontaktiert, er kümmert sich um das Elend in meinen Socken. Gegen 18 Uhr verlasse ich die zweite "Base Vita".

Settore 3: Cogne - Donnas / 46,595 km / 1.383 Hm+ / 2.600 Hm-

Ute begleitet mich auf meiner "dritten Etappe" bis nach Lillaz (1.611 m) und weiter durch den Wald bis auf ca. 1.750 Meter. Dann dreht sie um, da leichter Nieselregen einsetzt. Am Verpflegungspunkt Goilles Inferior (1.833 m) ist der Niederschlag schon wieder vorbei und der weitere Weg wird sehr angenehm werden, da er nicht so steil steigt, sind immer mal wieder Laufpassagen dabei. Es macht richtig Spaß. Die Dunkelheit setzt ein und anhand der Lichter vor mir versuche ich mir einen groben Plan der weiteren Strecke zu machen. Die Berghütte Sogno di Berze al Peradza (2.534 m) ist das nächste Ziel.

Beim Betreten der Gaststube lautet die erste Frage, ob ich ein Nachtlager in Anspruch nehme. Naja, normal ja! Aber ich bin doch im Wettkampf und habe doch auch schon mindestens zwei Stunden geschlafen, also Kopfschütteln! Der Kamin ist in Betrieb, davor stehen zwei Sofas, auf denen es sich Läufer bequem gemacht haben. Das Bufett ist reichhaltig. Es gibt sogar Kartoffeln! Ich lasse mir etwas Bouillon in einen Becher und nehme mir so nach und nach vier große Kartoffeln dazu. Mit Rispentomaten und Weinbeeren, dazu eine Büchse Bier und zwei Becher Kaffee verwöhne ich mich am Ende dieses zweiten Tages.

Das Weitermachen fällt aufgrund der angenehmen Wärme im Raum schwer. Beim Verlassen der Hütte werde ich noch um einen Eintrag ins Gästebuch gebeten, ich bedanke mich schriftlich in Italienisch, Französisch und Deutsch. Ein anschließender Blick in den Computer verrät mir noch meinen derzeitigen 186. Platz im Gesamtklassement. Jetzt aber raus in die Kälte! Es ist nicht mehr allzuweit bis zum Col Fenetre de Champorcher (2.827 m), dem Eingang zum Parco Regionale del Mont Avic. Kurz nach 23 Uhr stehe ich vor der Rifugio Miserin (2.588 m), ein TDG-Schild mit der Kilometer-Angabe 120,7 ist auch dran, nur offen ist sie nicht. Die nächsten 3,3 Kilometer bis zur Rifugio Dondena (2.151 m) sind wieder eine Qual für mich, mein Hinterteil ist durch die Hose aufgescheuert und die Blasen an den Füßen lassen ein flüssiges Laufen nicht zu. Bis Chardonney (1.450 m) hat sich zumindest dank Hirschtalg die Lage am Gesäß normalisiert.

Im Verpflegungszelt des Ortes verarzte ich meine Füße so gut es geht selbst. Nebenbei verfolge ich auf der Leinwand die Zwischenergebnisse des Wettkampfes. Außerdem bemerke ich, das mein Funktelefon (Pflichtausrüstung!) "spinnt" und urplötzlich die SIM-Karte nicht mehr akzeptiert. Ein wenig Bastelei und der Kasten funktioniert wieder, ich kann also Ute anrufen und von meinem baldigen Eintreffen in Donnas berichten. Aber noch sind es ja rund 19 Kilometer, vornehmlich bergab.

Der nächste Abschnitt auf einem Pfad oberhalb des Torrent Ayasse macht mir Angst. Ich laufe auf einem Weg in einem Gebiet, wo ich noch nie zuvor gewesen bin und trotzdem weiß ich im Dunkeln genau wie die Wegführung weitergeht. So sehr ich mich auch bemühe, ich finde keinen Zusammenhang zu irgendeinem früheren Lauf o.ä., es ist einfach nur unbegreiflich. Das Phänomen schwindet aber mit zunehmender Strecke immer mehr.

Dafür werden die Wege jetzt "laufbarer", Asphalt und angenehme Wald- und Wiesenwege lassen mich immer schneller werden. Auch die zwischenzeitlichen Anstiege gehen wie von allein. Zwischen Pontboset (791 m) und Bard (390 m) kommt mir Ute entgegen und die restlichen 5 bis 6 Kilometer bis Donnas (330 m) bestreiten wir gemeinsam. Malerische Altstadtgassen und die Forte di Bard (die Festung von Bard) hoch über dem Fluß Dora Baltea sind die Sehenswürdigkeiten kurz vor Donnas.    

Kurz nach 6 Uhr erreichen wir die große Verpflegungsstelle am Ende des dritten Sektors. So wie ich mich an den Tisch in der Halle setze, schlafe ich ein. Eine Stunde Schlaf dürfte es dann doch gewesen sein. Danach gibt es zwei "Blechbroteln" (hochdeutsch: Blechbrötchen, sinngemäß für Bierbüchse) und eine Ladung Makkaroni mit Thunfisch. In der Zwischenzeit bereitet sich ein Japaner mit dem Leeren von 4 RedBull-Büchsen (hintereinander!) auf sein Weiterlaufen vor. Andere Länder - andere Sitten!

Ich muß mich allerdings, bevor es weitergehen kann, nochmals in ärztliche Behandlung begeben. Es ist allerdings gerade Schichtwechsel und so sitze ich fast eine Stunde, bis die Füße neu zerstochen, desinfiziert und verbunden sind.

Settore 4: Donnas - Gressoney Saint Jean / 53,154 km / 4.584 Hm+ / 3.585 Hm-

Die Sonne lacht, als wir die Halle gegen 10:30 Uhr verlassen. Es geht über einen Weinberg nach Pont-Saint-Martin (345 m). Der örtliche Schokoladenhersteller betreibt dort einen Erfrischungsstand - zwei Tafeln Zabaione muß ich mitnehmen, sonst bekomme ich Ärger mit dem Teufel, welcher um den Stand herum die Läufer mit seinem Dreizack "bedroht".

Schnell gewinnen wir danach wieder an Höhe, auf der Alta Via 1 verläuft die Tour profiliert oberhalb des Lys-Tales Richtung Perloz (663 m). Dort empfängt ein fünfköpfiges Kuhglocken-Team mit seiner "Musik" die ankommenden Teilnehmer. Es gibt für mich einen Becher Rotwein und auch Ute wird von den freundlichen Helfern zum Picknick eingeladen. Die obligatorische Unterschrift auf dem dort hängenden TDG-Plakat ist beim Verlassen des Punktes wie überall schon zur Pflicht geworden.

Nächster Anlauf ist die Ponte Moretta (490 m), die Brücke zahlreicher Legenden und damit auch beliebtes Fotomotiv im Wald unterhalb von Tour d'Hereraz (585 m). Auf dem weiteren Anstieg zur Etoile du Berger in Sassa (1.305 m) muß ich mich dann erstmal am Wegrand plazieren und versuche etwas zu schlafen, was natürlich nicht gelingt. Gegen 15 Uhr erreichen wir die Verpflegungsstelle unter dem frenetischen Glockengeläut der Betreiber des Standes. Ute wird jetzt wieder talwärts zum Auto nach Pont-Saint-Martin laufen, während ich mich zum weiteren Anstieg zur Refugio Coda (2.224 m) aufmache.

Unterhalb des Col de Carisey (2.124 m) komme ich ins Gespräch mit einem TDG-Organisator/Helfer. Er erkundigt sich nach meinem Befinden und erzählt von Regen zwischen 4 und 6 Uhr in der Nacht. Da ich Blasen an den Füßen habe, rät er mir, um die zusätzliche Nässe in den Schuhen zu umgehen, zu einer Übernachtung auf der Berghütte Coda, zumal ich genügend Vorsprung auf das Zeitlimit habe. An der Hütte herrscht jedoch große Aufbruchstimmung. Es sind noch 6,5 Kilometer bis zur nächsten Herberge, also mache ich mich mit auf den Weg.

Über den Colle Sella (2.240 m) fällt der Weg steil hinab zu den Lacs de Gaudin und weiter über diverse Almen zum Lago Vargno (1.686 m). An der dortigen Raststätte lodert ein Lagerfeuer und mehrere Läufer haben in der Behausung ihr Nachtquartier aufgeschlagen. Ich stopfe mich mit drei großen Schinken-Käse-Sandwiches und zwei Büchsen Bier voll. Gut gestärkt geht es in die nächste Runde. Es ist bereits dunkel, als ich 20:20 Uhr den Stützpunkt verlasse.

Ich laufe geradewegs los und bemerke erst nach einer Viertelstunde das Fehlen der Markierungen. Ich nehme den Fotoapparat zur Hilfe. Da ich meist die Wegweiser abgelichtet habe, bemerke ich meinen Fehler schnell. Statt auf der Alta Via 1 zu bleiben war ich auf die Ausweichroute 2/2B geraten. Kurz darauf kommt mir ein Läufer entgegen, der sich ebenfalls verlaufen hat. Gemeinsam finden wir jedoch den rechten Weg und er bedankt sich mit "Thank you, my friend!".

Kurz darauf setzt dann, viel zu zeitig, der angekündigte Regen ein. Ich befinde mich an der Alm von Marmontana (2.137 m), dort stehen die alte Hütten zum Unterstellen bereit, aber ich entschließe mich letztendlich für die Toilette an einem Baucontainer. Im Waschbecken stelle ich den Rucksack ab und auf der Schüssel mache ich es mir bequem. Der Regen trommelt auf das Blechdach und im Nu bin ich eingeschlafen. Vielleicht waren es anderthalb Stunden "Schlaf", die Kälte und der nachlassende Regen lassen mich dann gegen 22:45 Uhr weitermachen.

Über den Colle Marmontana (2.358 m) zum nächsten Biwak am Lago Chiaro (2.096 m) und wieder hoch zum Crenna dou Leui (2.340 m) - der Weg ist alles andere als ein Weg. Nur die gelb-weiße Markierung und die TDG-Fähnchen geben einem das Gefühl richtig zu sein. Ständig bergauf oder bergab, zwischen Felsbrocken und glitschigem Gras macht die Sache natürlich keinen richtigen Spaß. Am Biwak des Colle della Vecchia (2.184 m) erklärt mir ein Helfer den restlichen Weg nach Niel: hoch zum Paß, dann die Traverse hintenrum und dann alles nur noch bergab! Klingt gut, nur bergab beinhaltet eben hier noch so nebenbei ca. 100 bis 150 Höhenmeter im Anstieg.

Weiter unten im Tal setze ich mich wieder etwas abseits vom Weg in den Wald und versuche zu schlafen. Die Kälte jagt mich jedoch nach nicht allzulanger Rast wieder hoch. Dann ein Wegweiser (für Wanderer) "Restaurant ... 13 minuti", das ist die nächste Verpflegungsstelle, aber da wurde höchstwahrscheinlich der bestehende Streckenrekord angeschrieben, denn ich benötige fast die dreifache Zeit! In Niel (1.573 m) halte ich mich von 5:30 bis 6 Uhr auf. Dann geht es endlich wieder bergauf, da schmerzen die Blasen nicht so und ich komme wesentlich besser voran.

Bevor ich den Colle Lazouney (2.400 m) erreiche, zeigt mir meine Uhr 33.333 verbrannte Kilokalorien an (nach 68:59 Stunden) - ein Grund den Fotoapparat zu zücken. Oben am Paß steht eine Kiste mit zwei ausgelöffelten Melonenhälften, sonst gibt es nicht viel zu berichten. Gemächlich fällt der Weg hinab ins Tal nach Gressoney. Hier sollen noch ca. 1.000 Bewohner so eine Art Deutsch sprechen. Am nächsten Halt in Ober Loo (2.081 m) komme ich dann auch bei Wein (ein Becher) und Bier (eine Büchse) ins Gespräch mit einem Walser. In der Hütte hockt Vorjahres"sieger" Marco Gazzola (er wurde 2011 disqualifiziert, da er die letzten 6 Kilometer einen anderen Weg gelaufen war) und ich werde gezwungen von den reichlichen Käsespezialitäten zu probieren. Mit den besten Wünschen wird der "tedesco" dann ins Tal verabschiedet und kurz darauf kommt mir auch Ute entgegen.

Der Himmel ist zur Abwechslung mal grau und gegen 9:45 verschwinden wir in der Sporthalle von Gressoney (1.329 m). Am Tisch schlafe ich erstmal eine Runde, bevor ich mich mit Makkaroni und Thunfisch sättige. Die Blasenbehandlung wird diesmal selbst durchgeführt, da die Mediziner gerade beim Essen sind. An der Wand hängen die Starterlisten - 105 Teilnehmer sind schon durchgestrichen, davon 12 Frauen!

Settore 5: Gressoney S.J. - Valtournenche / 36,018 km / 2.749 Hm+ / 2.676 Hm-

Gemeinsam mit Ute laufe ich am Lys flußaufwärts an einem Golfplatz vorbei nach Tschemenoal (1.417 m). Den Weg nach Grossalbezo, wo mit der Rifugio Alpenzu Grande (1.770 m) die nächste Verpflegung wartet, säumen Lärchen, welche über 500 Jahre alt sind. Oberhalb der Ortschaft steht zudem noch ein 300 Jahre alter Bergahorn. Ute begleitet mich noch bis Ondermonte (2.007 m), bevor sie dem Regenbogen unten im Tal entgegen läuft.

Bis zum Col Pinter (2.777 m) kann ich ordentlich Dampf machen, nur im Abstieg habert es  wieder, so das der herausgelaufene Vorsprung schnell wieder schwindet. Trotzdem überhole ich zwei schnelle Wanderer, welche mir Feigen zur Stärkung anbieten, welche ich natürlich nicht ausschlage. Dafür lasse ich in Cuneaz (2.057 m) die mir freundlich angebotenen Getränke aus. Noch 10 Minuten bis Crest, sagt mir einer der Herren. Ja, vielleicht mit dem Auto, aber doch nicht zu Fuß!

Bevor ich die Rifugio Vieux Crest (1.935 m) erreiche, ist ein Banner über die Strecke gespannt. "C'EST VOUS LES GEANTS" steht darauf, wir Läufer sind also die Giganten! Na dann mal weiter, um der Aussage wenigstens halbwegs gerecht zu werden. Der Weg führt im ständigen Auf und Ab zu den Berghütten in Resy (2.082 m). Es folgt der steile Abstieg nach Saint-Jacques (1.689 m) und wieder kommt mir das alles wie schon einmal erlebt vor.

Den Kontrollpunkt verfehle ich und muß zurück, nur kurz zum Aufschreiben der Startnummer gehe ich in das Eckhaus. "Cinque, cinque, cinque" (5 - 5 - 5) rufe ich dem Protokollant zu, ein winziges Stück Käse nehme ich mir von der Theke und bin wieder verschwunden. War bestimmt unhöflich, aber ich war gerade stinksauer auf mich und wollte verlorene Zeit wieder gut machen! Im Anstieg muß ich selbst über meinen Blödsinn lachen, als käme es hier auf ein paar Minuten an.

Der Aufstieg  über die Almen Croues (1.871 m), Nannaz Inferior (2.035 m) und Nannaz Superior (2.193 m) zur Refugio Grand Tournalin (2.535 m) ist mir bekannt. Warum, weiß ich nicht? Ich bin definitiv zum ersten Mal hier und trotzdem kann ich mit großer Sicherheit den Weg und das Geschehen vorausahnen. Das Licht der Alm, das Hundegebell, die Schafe - alles schon mal dagewesen! Nur damals mit Jens und Mario, wir waren an der Alm, um uns den Hüttenstempel geben zu lassen. Der Hund hat uns aber davongejagt, also bleibe ich diesmal lieber auf dem Weg und versuche diese Hirngespinnste zu verdrängen.

Jeder Gast wird auf der Hütte mit Glockengeläut angekündigt. Es ist aber ganz schön windig, besser gesagt stürmig geworden, daher will ich mich nicht lange in der Tourmalin aufhalten, da Ute mir zum Col de Nannaz entgegenkommt. Zwei Becher Kaffee und drei Früchtebecher genehmige ich mir, bevor ich wieder in die eiskalte Nacht verschwinde. Das einzige Licht, welches den Berg herunter kommt, muß Ute's Stirnlampe sein. Sie ist ganz schön erfroren, ich habe aber (noch) heißen Tee in der Flasche und so kann sie sich wenigstens etwas aufwärmen.

Am Col de Nannaz (2.773 m) und am Col des Fontaines (2.695 m) ist die Hölle los - Sturm, der die kalte Nacht noch kälter erscheinen läßt, macht uns zu schaffen. Bergab machen mir dann die Blasen wieder ein schnelles Laufen nicht möglich, dadurch gerät Ute's Zeitplan, auf den ich mich trotzdem berufe, durcheinander und so erreicht unsere Stimmung langsam den Nullpunkt. Sie sinkt aber noch tiefer, je tiefer wir kommen und so ist es für das Allgemeinwohl wohl doch am besten, das ich im Zelt von Valtournenche (1.526 m) sofort am Tisch einschlafe.

Nach einem Nickerchen geht's auf Ute's Anraten hin zum Arzt, zuvor wasche ich mich aber noch gründlich, Duschen ist unmöglich da ich die Kompressionsstrümpfe nicht über die (geschwollenen) Füße bekomme. Es ist ein Kinosaal in dem ich "operiert" werde - eine Stunde lang, der Doc ist sehr gründlich und ich danke ihm vielmals. Ein anderer Teilnehmer präsentiert mir seine aufgeschnittenen Schuhe. Sie sind an den Zehen und am Rist geöffnet, um den Druck von den Füßen zu nehmen. Ich selbst habe zwar fünf Paar Schuhe mit (im Auto, das genau vorm Zelt parkt), ich komme aber nur in meine Salomon Crossmax, die ich schon die gesamte Zeit anhabe, ohne Probleme hinein.

Der Wettkampf ist mittlerweile unterbrochen, das heißt, das niemand aus dem Zelt auf die Strecke gelassen wird. Ein Japaner dreht deshalb fast durch. Der Wetterbericht sagt aber starken Sturm voraus und so ist auf 3.000 Meter die "wahrgenommene" Temperatur bei -13 bis -18°C. Im Schlafsack mache ich es mir deshalb auf den Holzbänken bequem und hole verpassten Schlaf nach. Zum Frühstück gibt es Nutella auf Weißbrot, dazu Suppe und Blasen- und Nierentee, da ich beim Wasserlassen stets Blut im Urin habe.

Settore 6: Valtournenche - Ollomont / 44,161 km / 3.404 Hm+ / 3.534 Hm-

Gegen 9:10 Uhr ist die Sperre aufgehoben, ein großes Läuferfeld macht sich auf den Weg Richtung Valmartin (1.492 m). Bis zur Rifugio Barmasse (2.157 m) am Staudamm des Lac di Cignana hat sich jedoch alles auseinandergezogen und so ist der Andrang am Kontrollposten nicht zu groß. Auf dem weiteren Weg über Cortina Inferiore (1.971 m) und Ersa Dessus (2.136 m) hat man einen herrlichen Blick hinüber zum Monte-Rosa-Massiv. Die höchstgelegene Alpenhütte, die Capanna Regina Margherita auf 4.554 Metern Meereshöhe kann man sogar erkennen. Bei meinem Aufstieg von Saint-Jaques zur Grand Tourmalin in der vorhergehenden Nacht war sie durch ihr Licht noch besser auszumachen.

Ein Stück des "Weges" führt dabei durchs Unterholz, die frisch geschlagenen Birken- und Lärchenstämmlinge säumen den Rand. Am Col Fenetre d'Ersa (2.290 m) lauert mal wieder ein Fotograf auf die Läufer. Von uns zweien macht er dann auch noch ein Bild mit meinem Apparat, bevor wir weiter Richtung Vareton (2.267 m), der nächsten Verpflegungsstelle, ziehen. An der Alm Gran Raye (2.352 m) und dem Lac de Tzan (2.459 m) vorbei geht es hoch zum Fenetre du Tsan (2.736 m). Dort machen wir noch ein paar Fotos von uns und Ute dreht wieder um Richtung Valtournenche.

Am Biwak Reboulaz (2.585m) am Lac de Luseney sind 100 Stunden seit dem Start vergangen. Die Uhr schaltet sich mit den Hinweisen "Speicher voll" und "Trainingsziel erreicht" ab. Bei mir dagegen ist der Speicher permanent leer und das Trainingsziel habe ich mit gerade einmal 252 zurückgelegten Kilometern noch lange nicht erreicht. Also rein ins Biwak und den Magen füllen! Meinen Rucksack lasse ich in der Zwischenzeit vor der Hütte, als wieder raus komme ist er allerdings von Kühen umlagert. Hauptsache nicht vollgeschissen, denke ich und habe Glück.

Beim Weitermarsch zum Col Terray (2.775 m) vergesse ich die Stöcke, die noch an der Berghütte lehnen. Also zurück, denn spätestens beim Abstieg vom Paß werden sie wieder dringend gebraucht. Der weitere Weg zur Rifugio Cuney (2.652 m) ist dann jedoch unschwierig. Es ist Donnerstag 15:50 Uhr als ich die Berghütte erreiche.

Als ich hinter der nächsten Felskuppe auf dem Weg zum Col Chaleby (2.653 m), von der Geräuschkulisse her, eine Kuhherde vermute, kommt mir Marco Gazzola entgegen. Er hat eine Glocke über der Schulter hängen und lärmt damit für mehrere. Wir kommen ins Gespräch, als er merkt, das ich Deutscher bin, spricht er dann perfekt Deutsch mit mir. Wir fotografieren uns gegenseitig mit meinem Apparat und bevor er weiter zieht, rät er mir, ich solle den Lauf genießen! Recht hat er, das Wetter, das Panorama und das Flair - einfach einzigartig!

Am Bivacco Rosaire Clermont (2.700 m) die üblichen Floskeln: "Ca va?", "Ca va bien." Erstaunte Rückfrage: "Bien???", ich muß lächeln und relativiere meine Aussage mit einer schüttelnden Handbewegung. Mein Gegenüber nickt bejaend, denn wem sollte es hier gut gehen? Nach Verlassen des Biwaks habe ich dann auf einmal Nasenbluten, welches sich auch nicht so schnell bändigen läßt. Also mit blutverschmiertem Gesicht über den Col de Vessonaz (2.793 m) ins Tal hinab nach Oyace-Close.

Unterhalb der Arp Vieille (1.944 m) habe ich wieder diese Halluzinationen, ich kenne die Strecke, bin sie früher mit meinem Bruder bis zum Fluß Torrent Buthier abgelaufen. Der Gegenanstieg nach Close (1.463 m) ist mir wiederum durch eine Tour mit Jens, allerdings in die Gegenrichtung, bekannt. Es wird also höchste Zeit dem verwirrten Geist etwas Ruhe zu gönnen. Es ist am Dämmern als ich die als Verpflegungspunkt dienende Turnhalle erreiche. Auf ihr befindet sich ein hell beleuchteter Fußballplatz. Ich esse Kekse und Käse, dazu lasse ich mir eine Lasagne schmecken. Ute kann ich allerdings aufgrund des fehlenden Funknetzes nicht von meinem Zwischenstop informieren.

In der Halle werden zwar Liegen mit Decken angeboten, ich entscheide mich aber für den Fußboden, die zusammengelegte Regenjacke dient dabei als Kopfkissen. Im Nu bin ich eingeschlafen. Gegen 4 Uhr wecke ich auf, eine Rettungsfolie hatte man mir übergeworfen, doch davon habe ich überhaupt nichts mitbekommen. Ich esse noch einige Kleinigkeiten, inzwischen macht es sich Marco Gazzola ebenso spartanisch wie ich auf dem Fußboden bequem.

Es ist kurz nach halb 5, als ich Close verlasse. Der Weg schlängelt sich den Berg hoch, an der verfallenen Brison l'Arp (2.091 m) bewirtschaften zwei jüngere Männer den kleinen Verpflegungsstand. Der eine erkennt in Leo, dem Maskottchen meiner Kinder, das hinten aus dem Rucksack guckt, "Snoopy". Ich nicke seine "Behauptung" einfach ab, da ich so früh am Morgen noch nicht in Erzähllaune bin.

Es wird wieder ein phantastischer Tag, die Silhouetten der Berge zeichnen sich im Halbdunkel am Horizont ab. Den Sonnenaufgang erlebe ich auf dem Col de Brison (2.480 m). Es ist zu schön um weiterzulaufen! Ich beneide die zwei Helfer, die hier oben ihre Biwakschachtel stehen haben. "Cinque, cinque, cinque" - "Aah, Cinquecentocinquantacinque!", freut er sich über meine Schnapszahl. Ich versuche mich auf dem folgenden steilen Abstieg auch einmal mit Telefonieren. Es gelingt, der Weg ist zwar steil, aber laufbar. Ute erzählt mir allerdings nichts Gutes ...

Sie begleitete einen Ungarn auf der Strecke, der ihr von einer Streckenverkürzung erzählte. Er zeigte ihr auch noch die Kurzmitteilung vom Veranstalter auf seinem Telefon. Der Malatra-Paß kann nicht mehr überquert werden, somit ist das Ziel für alle restlichen Läufer in Saint-Rhemy-en-Bosses nach 303,159 Kilometern. Das ist für mich der GAU, 29 Kilometer vor Beendung der Runde ist Schluß! Zum dritten Mal endet für mich in diesem Jahr ein Lauf irgendwo auf der Wiese, im Ort xy aber nicht im Ziel! Das ist so frustrierened, zumal man nichts dagegen machen kann. Ute beruhigt mich, indem sie mir sagt, das wir trotzdem als Finisher gewertet werden. Das ist mir aber egal, ich wollte die ganze Tour und nicht nach über 90% der bewältigten Strecke von der Runde gewunken werden, das ist wie wenn der erste Marathon plötzlich nach 40 Kilometern endet.

Dementsprechend verläuft für mich auch der restliche Wettkampf. Es ist alles einfach nur Sche..e! Das Verpflegungszelt Berio Damon (1.942 m) lasse ich aus und rufe nur zur Registrierung meine Startnummer zum herausschauenden Posten. In Ollomont (1.396 m) beginnt gerade der Tag, auf dem Straßenabschnitt zur letzten "Base Vita" hupen mir Fahrzeuge zu, da ich vor Wut in einem schnelleren Laufschritt bergauf unterwegs bin.

Ute sitzt im Warmen, sie wurde von den freundlichen Helfern auf einen Kaffee eingeladen. Alles läuft in der Verpflegung durcheinander, es ist als würde man ständig aneinander vorbeireden. Normale Dinge, wie das Abscannen (des schon lange nicht mehr funktionierenden Armbandes) oder das Willkommensgeschenk einer jeden großen Verpflegungsstation am Ende eines Sektors (Anstecker mit Ortsangabe) benötigen hier anscheinend einen größeren bürokratischen Aufwand. Vielleicht liegt es auch daran, das ich genervt bin, zumal ich auch noch keine SMS von der Streckenverkürzung bekommen habe. Der Aufenthalt jedenfalls dauert gerademal 37 Minuten. Ein letzter Blick in den Computer verrät mir meinen 218. Platz im Klassement - also unter 200 muß doch noch möglich sein!

Settore 7: Ollomont - Courmayeur / 49,081 km / 2.905 Hm+ / 3.104 Hm-

Von Rey (1.393 m) führt der Steig hoch zu den Almen Prumayes (1.621 m), Champillon (2.057 m), Pessinoille (2.151 m) und Tsa de Champillon (2.300 m). Ich überhole dabei einige Läufer und an der letztgenannten Alm einen Wandertrupp, der mich lautstark anfeuert. Meine Laune bessert sich wieder, es gehen mir Gazzolas Worte immer wieder durch den Kopf, den Lauf zu genießen und genau das versuche ich jetzt. Ich genieße die wunderbare Aussicht, denn bald ist es vorbei. An der Berghütte Rifugio Letey Champillon (2.375 m) hole ich mir nur den Hüttenstempel und lasse mich von einer freundlichen Frau vor der Hütte fotografieren.

Kurz vor 11 Uhr bin ich am Paß - Col de Champillon (2.709 m), jetzt geht es nur noch auf knapp 14 Kilometern bergab (zumindest grob bergab, einige kleinere Gegenanstiege sind schon noch dabei). Erst geht es wie immer steil hinab, dann wird es flacher und ich laufe, was die müden Beine noch hergeben. An der letzten Verpflegungsstelle gibt es Spaghetti. Verdammt sehen die lecker aus, aber ich will doch noch unter die ersten 200. Also belasse ich es beim Nennen der Startnummer, zumal gerade ein größerer Trupp Italiener von der Raststätte aus aufbricht. Ich laufe ihnen davon, sehe sie aber noch zweimal vor mir, da sie die weitausladenden Serpentinen (an deren Eckpunkten auch die Markierungsfähnchen stehen) einfach abkürzen. Und hier sind es gleich ein paar hundert Meter Raumgewinn, den sie jedesmal lächelnd vorweisen. Ich hasse sie! Ich koche vor Wut! Und mir tut die Läuferin mit der Startnummer 642 leid, der es genau wie mir geht.

Wieder lautes Glockengeläut - Gazzola & Co. kommen zur Motivation auf der Strecke entgegen. Von oben kann man den Zielbogen in Saint-Rhemy-en-Bosses schon sehen, aber zuerst gibt es noch eine Schleife über die Paßstraße zum Großen Sankt Bernhard. Ich überhole zuletzt den Franzosen mit der 505, er hält gegen und erzählt mir irgendwas vom gemeinsamen Passieren des Malatra. Will er etwa auch zu Fuß nach Courmayeur? Mein Entschluß zum Weitermachen steht schon lange fest, wenn noch jemand mitgeht umso besser.

Ute kommt mir auf den letzten Metern entgegen, ich bin wesentlich früher da, als erwartet. Aber ich habe Wut, Wut auf die, die abkürzen und trotzdem keine Schuldgefühle haben. Der Zieleinlauf wird für mich nicht so, wie ich mir es vorgestellt hatte. Für mich ist es kein Zieleinlauf! Ich bin genervt und gereizt! Es ist Freitag, 13:13 Uhr und 15 Sekunden (Wo hab ich nur die 2 Sekunden liegen lassen?). Schnell noch die Unterschrift auf's Plakat und dann zu Ute. Aber auch sie fängt nur meine angestaute Wut ab und so dauert es eine Weile bis ich mich beruhigt habe. Wir nehmen an einer der Biertischgarnituren Platz und ich habe fast wieder Normalpuls. Die Pause fällt lang aus - drei Büchsen Bier, mehrere Schinken- und Käse"brote".

Der Franzose hat das mit dem Weitermarsch wohl falsch verstanden und kneift. Ute will aber mitkommen, das Auto bleibt derweil vor Ort und kann am nächsten Tag geholt werden. Eine ältere Frau sprich perfekt Deutsch, über sie erfahren wir viel und sie besorgt sogar die Busverbindungszeiten nach Bosses. Nur unseren Plan vom Lauf nach Courmayeur durchschaut sie nicht. Ute packt für sich noch einen Laufrucksack zusammen. Es fällt nach so einer langen Pause natürlich schwer, wieder in Tritt zu kommen. Ein letzter Besuch auf dem WC und das Urinal färbt sich wieder rot. Ich will aber unbedingt nach Courmayeur, dann müssen wir es eben etwas langsamer angehen.

Es ist mittlerweile 16:30 Uhr als wir uns aufmachen. Wir laufen hoch zur Alm Tsa de Merdeux (2.273 m), die TDG-Markierung ist tatsächlich von den Kühen teilweise abgefressen worden, aber im Hellen kann man die Streckenführung noch erahnen. Außerdem pfeift uns schon hier "unten" der Wind mächtig um die Ohren. An der Alm machen wir uns deshalb auch wetterfest. Die Hütte Refuge du Lac "Pier Giorgio Frassati" (2.540 m) ist im Bau, daher ist dort auch kein Stempel zu ergattern.

Den Paß Col de Malatra (2.925 m) wollen wir unbedingt noch im Hellen schaffen, der Anstieg ist leicht mit Schnee bedeckt und an einigen Stellen vereist. Es war schon richtig vom Veranstalter hier keinen Wettkampf mit über 300 Mann mehr drüberzuleiten.

Es ist 19:35 Uhr und wir sind auf dem letzten Paß der Tour. Es ist großartig, der Mont Blanc, der Grand Combin, usw., sie alle zeigen sich noch einmal in ihrer vollen Schönheit. Der Sonnenuntergang am Malatra, wir sind in unserer eigenen Welt, aber wir müssen weiter, so lange wir noch etwas sehen. Der weitere Weg ist "einfach". Über Geröll hinab ins Val Malatra, den Rest kennen wir! Wir kennen ihn wirklich von unseren Wanderungen in der Vorwoche und vom vorjährigen UTMB.

Ungläubige Blicke empfangen uns an der Rifugio Walter Bonatti (2.025 m), wir treten ein und bestellen uns etwas zu essen. Die Startnummer, die ich am Rucksack gelassen habe (die vordere Nummer hängt im Auto), verrät den TDG-Teilnehmer. Davon haben sie schon einen auf der Hütte, er ist Franzose, er schläft aber schon und will am nächsten Tag weitermachen. Wir unterhalten uns mit der Hüttenwirtin in Englisch. In einem Telefonat mit dem Veranstalter gibt sie meine "555" weiter. Das aufgetischte Essen ist reichlich, dazu je ein Bier und ein Kaffee. Als wir bezahlen wollen, winkt die freundliche Frau ab. Es ist ihr eine Ehre uns bewirten zu dürfen und sie freut sich, das wir ihre Gäste waren. Wir bedanken uns vielmals und machen uns auf die Schlußetappe.

Der Weg ist normalerweise einfach und vom UTMB bekannt. In Arminaz (2.033 m) verpassen wir im Dunkel der Nacht die Flußüberquerung und so marschieren wir immer weiter Richtung Col Sapin. Mir kommt die Sache komisch vor, also irgendwo über den Bach und dann beginnt ein scheinbar endloses Gestochere im Matsch, in den Heidelbeersträuchern und am Hang ca. 30 Meter oberhalb des Gebirgsbaches. Ute wundert sich über mein Koordinationsvermögen, gerade in meinem angeschlagenen Zustand. Dann ist es soweit - der Weg hat uns wieder! Ute gibt ein hohes Tempo vor und so erreichen wir 1 Uhr die Rifugio Giorgio Bertone (1.989 m). Der nächtliche Blick auf die beleuchtete Mont-Blanc-Tunnel-Einfahrt und auf Courmayeur - es sind Eindrücke, die haften bleiben.

Es folgt der steile Abstieg von der Berghütte zum Zielort. Es wird wohl der langsamste Abstieg in der Geschichte des Bergsports. Ich bin total übermüdet und ich gönne mir zwischendurch eine "Schlafpause" auf dem Weg. Ute überbrückt die Zeit, indem sie irgendwelche Texte ins Telefon tippt, um sie danach wieder zu löschen.

Courmayeur ist menschenleer, die TDG-Strecke biegt kurz vor dem Ziel in einen Park ab. Ich muß mal schnell noch hinter einen Busch zum "Entwässern" - doch was war das für ein Geräusch? Auf einmal gehen im gesamten Park die Rasensprenkler an und ich bin wieder hellwach. Wir lachen über die Geschichte und "flüchten" vor den Wasserstrahlen, die auch über die Wege des Parkes gehen.

Der Zielgarten steht noch, nur der rote Teppich ist verdreht. Für mein Zielfoto lege ich ihn noch richtig hin. Es ist 3:06 Uhr, nach 137:06:00 Stunden habe ich die Runde beendet. Und während ich auf meine Stöcke gestützt unter dem Start-/Zielbogen auf den Schnappschuß warte, bastelt Ute am Fotoapparat herum. Es dauert. Inzwischen tauchen zwei Carapinieri auf, die das Geschehen mißtrauisch mustern. Einer hat dann mal den Mut zu fragen: "Italiano?, Francaise?". Ich antworte: "Tedesco.", er meint: "Aha, Deutsche!" und verschwindet zum Streifenwagen. Dort gibt er meine Startnummer durch und als wir am Auto vorbeilaufen, fällt auch mein Name.

Jetzt will ich aber nur noch schlafen, deshalb geht's auch so schnell wie möglich ins Sportcenter. Dort stehen Feldbetten bereit, das Einschlafen fällt nicht schwer. Nach dem Ausschlafen wird endlich geduscht. Ute ist da schon unterwegs, um das Fahrzeug aus Saint-Rhemy zu holen. Sie ist im TDG-Organisationsbüro und ist mittendrinn im großen "Endspurt" der 2012er Ausgabe des Ultratrails. Sie bekommt Videos und Ergebnislisten gezeigt, obwohl die Organisatoren den Kopf mit anderen Dingen voll haben. Einer der Helfer nimmt sie mit zum Ziel nach Bosses. Dort erlebt Ute dann sogar die Ankunft des letzten Läufers. Mit Musik und großem Tamtam wird er ins Ziel begleitet. Als "Gegenleistung" und Entlastung für die Organisation nimmt Ute den Japaner Take mit zurück nach Courmayeur. Dafür wird sie wieder von dem Helfer eingeladen, der sonst den Japaner zurückgebracht hätte und nun nicht die Fahrt auf sich nehmen mußte: Rotwein, Kräuterlikör, Brot, Schinken und Speck - so sieht das Frühstück von Ute aus.

Der Gutschein für die Hinterher-Massage verfällt genauso wie der "Buono Pasto". Wir machen es uns in der Mittagssonne vor dem Sportcenter bequem und essen unsere restlichen Vorräte auf. Danach macht Ute noch ein Zimmer in "unserem" "alten" Hotel klar ...

Siegerehrung am Sonntag:

Die Siegerehrung setzt der gesamten Veranstaltung die verdiente Krone auf. Es beginnt mit einer Art Marsch der Teilnehmer vom Rathausplatz zum Jardin de l'Ange. Dort findet eine Ehrung der Besten, aber auch der Letzten statt. Nachdem die Pokale und Gaben feierlich unter's Volk gebracht wurden, begann die Ausgabe der Finisher-Sweater. Dabei wurde von Platz 392 rückwärts jeder Zielankömmling (egal ob Courmayeur oder Bosses) namentlich mit Nennung der Nation durch ein Spalier nach vorn gerufen, um sein Präsent überreicht zu bekommen. Eine große Veranstaltung mit einem grandiosen Finale. Ein "Aperitivo di chiusura", ein "Aperitif de cloture", also ein Abschlußgetränk in Form von Fruchtsaft, Rot- oder Weißwein wurde den Teilnehmern dann noch gereicht. Dabei wurde die Kapazität des Bechers jedesmal von den Kellnern voll ausgereizt ...


Fazit:

Der Haken ist dran! Aber nur, weil ich mit Ute die restlichen 29 Kilometer bis Courmayeur noch (in Eigenverantwortung) in Angriff genommen habe. Deshalb ist für mich die Zielzeit von Saint-Rhemy-en-Bosses (123:13:15 Std. - Platz 182) auch nur eine Zwischenzeit! Das Ziel hieß für mich immer "Ankommen in Courmayeur" und dies erreichte ich letztendlich mit Ute's Hilfe. Danke Ute! Danke für die über 150 Kilometer, die Du zu Fuß, bei Tag oder Nacht für mich zurückgelegt hast. Es gab nur wenige Frauen, welche auch an den Pässen und nicht nur in den Verpflegungspunkten auf ihre "Schützlinge" warteten. Du hast mir tatkräftig bei der Verwirklichung meines Abenteuers geholfen!

Danke den vielen Helfern und der nimmermüden "Organizzazione"! Danke den Unterstützern, die dies alles möglich machten! Danke den Ärzten und deren Helfern! Danke den vielen Zuschauern für ihr Anfeuern! Danke dem "Wettergott"! Danke für diese unvergessliche Woche, mit all ihren Höhen und Tiefen!

Teilnehmer: 629 - Finisher: 392 (73 in Courmayeur, 319 in Saint-Rhemy)

Ergebnis Männer:

1. Peres, Oscar (Spanien) - 75:56:31 (Courmayeur)
2. Millet, Gregoire (Frankreich) - 78:50:03 (Courmayeur)
3. La Saux, Christophe (Frankreich) - 80:14:14 (Courmayeur)
4. Criado Toca, Pablo (Spanien) - 83:37:29 (Courmayeur)
5. Colle, Franco (Italien) - 84:15:59 (Courmayeur)
6. Saroglia, Marco (Italien) - 97:47:42 (Courmayeur)

170. Delling, Thomas - 86.M40 - 123:13:15 (Saint-Rhemy) / 137:06:00 (Courmayeur)

Ergebnis Frauen:

1. Canepa, Francesca (Italien) - 99:13:56 (Courmayeur)
2. Clarey, Sonia (Italien) - 104:45:54 (Courmayeur)
3. Penza, Patricia (Italien) - 106:00:15 (Courmayeur)
4. Suzuki, Hiroko (Japan) - 111:35:54 (Courmayeur)
5. Devine, Keri (Neuseeland) - 106:24:59 (Saint-Rhemy)
6. Gardner, Julie (Großbritannien) - 111:32:48 (Saint-Rhemy)

Bilder:
Courmayeur bis Valgrisenche, Kilometer 0 bis 48,6
Valgrisenche bis Cogne, Kilometer 48,6 bis 102,1
Cogne bis Donnas, Kilometer 102,1 bis 148,7
Donnas bis Gressoney-Saint-Jean, Kilometer 148,7 bis 200,3
Gressoney-Saint-Jean bis Valtournenche, Kilometer 200,3 bis 236,3
Valtournenche bis Ollomont, Kilometer 236,3 bis 283,5
Ollomont bis Courmayeur, Kilometer 283,5 bis 332,5
Siegereherung

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