Berglauf

Trainingslauf "Kilomètre Vertical Chamonix" 2018

Geschrieben von Thomas Delling.

24.08.2018   10:55 Uhr  4,3 km 1.040 Hm+  5 Hm-  (Trainingslauf)

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Heute hielt das Urlaubs-Animationsprogramm, als Teil der Höhenanpassung für die Mont-Blanc-Besteigung, die Bergtour zu den Dômes des Miage (3.670 m) parat. Jedoch macht anhaltender Starkregen gegen 4 Uhr diesen Plan zu nichte und es muß nach dem Ende der Intensivbewässerung schnell eine alternative Belastungsmöglichkeit gefunden werden. Mit dem direkt vor der Haustür liegenden Kilomètre Vertical, der jährlich im Rahmen des Marathon du Mont Blanc unter Wettkampfbedingungen ausgetragen wird, findet sich allerdings schnell ein halbwegs adäquater Zeitvertreib oder besser gesagt, ein für mich interessanter Tausender zum Wiedereinstieg ins Lauftraining.

Der Start für den nach oben führenden Kilometer ist der Place Balmat im Zentrum von Chamonix, etwas unterhalb des legendären UTMB-Start- und Zielbogens am Place du Triangle de l'Amitié. Ohne große Umschweife geht es auf fast direkter Linie durch den Ort zum Waldrand, wo der Kurs für uns unter der Trasse der Seilbahn im Zickzack steil nach oben führt und oberhalb der Bergstation des besagten Sesselliftes nach etwas mehr als 1.000 Höhenmetern endet. Die offizielle Version ist dabei mit 3,5 Kilometern Wegstrecke ausgeschrieben und der Streckenrekord liegt bei rund 34 Minuten, während das Gros der Teilnehmer zwischen 55 Minuten und 1:10 Stunden den Wettkampf beendet.

Nun widerstrebt es mir ja, mitten im Touristengetümmel des Vormittags, mit einem sportlich ambitioniert inszenierten Start den Kurs in Angriff zu nehmen, um dann nach den ersten Höhenmetern, noch im urbanen Gelände, für einen Untrainierten stilvoll zu kapitulieren. Die Uhr wird also aktiviert und der Schlenderschritt nur unmerklich angezogen. Ein Wiedereinstieg ins Lauftraining sollte ja nun auch nicht gleich mit vollem Engagement erfolgen und so hält der schleichende Beginn eine klasse Ausrede parat.

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Wir eilen auf dem 2014er PTL-Intro hoch zur Talstation der Bergbahn und vergessen dabei, in Erinnerungen schwelgend, den Abzweig unter die Seilbahntrasse (1.160 m) zu nehmen. So laufen wir weiter, wie damals bei der großen Mont-Blanc-Umrundung. Erst viel zu spät - also zum Umkehren, viel zu spät, bemerke ich den Fauxpas. Daher muß der Bogen bis zur nächsten Spitzkehre noch ausgelaufen werden, um dann zurück Richtung Seilbahn zu gelangen. Dabei führt der Weg noch ein paar Meter bergab, ehe es auf 1.265 Metern Seehöhe auf den Pfad mit seinen engen Serpentinen nach oben unter die Seilbahn geht.

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Monoton schlängelt sich nun der Zick-Zack-Weg gen Himmel. Ab 1.720 Metern ist die Strecke zusätzlich mit Kletterstellen "aufgewertet" und weiter oben sichern Seile den Kurs ab. In 2.000 Metern Höhe ist die Bergstation auf Planpraz erreicht, welche man nun über eine Treppe verläßt und auf dem breiten Fahrweg Richtung der Bergbahnstation Parsa (2.075 m) fortsetzt. Dort stoppe ich am Wegweiser nach einer Stunde und elf Minuten die Uhr.

Bevor wir unseren Abstieg in Angriff nehmen, unterhalten wir uns noch mit einem Trupp Franzosen, welcher Richtung Le Clocher de Planpraz (2.412 m) unterwegs ist, über die richtige Schuhwahl in den Bergen, denn da gehen auch mal die gut eingelaufenen Arbeitsschuhe, um Blasen an den Schuhen zu vermeiden. Einer von ihnen praktiziert nämlich diese These und ist dabei mit seinen Malerschuhen hochzufrieden. Unser weiterer Weg bringt uns hoch zum Col du Brévent (2.368 m), so wie wir ihn 2014 zum PTL gelaufen sind. Danach biegen wir jedoch nicht Richtung Refuge Moede-Anterne ab, sondern steuern den Gipfel des Brévent an.

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Nach zwei größeren Pausen am Refuge du Brévent (2.525 m - 75 Minuten) und dem Refuge Bellachat (2.152 m - 40 min) nehmen wir den endgültigen Abstieg ins Tal: über Plan Lachat (1.650 m) und Les Moettieux (1.140 m) gelangen wir nun zurück zur Kirche von Chamonix.

Das Fazit nach diesem ersten Trainingslauf seit längerer Zeit fällt einstimmig aus: die Heidelbeeren an den Hängen des Brévent (unterhalb der Bellachat-Hütte) sind wesentlich größer und geschmacklich besser, als ihre Artgenossen auf der gegenüberliegenden Hangseite im "Schatten" des Mont Blanc - deshalb ist auch der Weg zu ihnen "beschwerlicher"!!

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