Rundenhatz

1. Heiligabend-Marathonlauf im Chemnitzer Stadtpark 2016

Geschrieben von Thomas Delling.

24.12.2016 8:01 Uhr 42,195 km + So-gut-wie-Marathon
10 Hm+ 10 Hm-
  9:00 Uhr 21,0975 km + Schnuppermarathon 5 Hm+ 5 Hm-

Kopie von 20161223 132645Stadtparkteich (Aufnahme vom 23. Dezember 2016)

Irgendwann im Spätsommer kursierte die Idee einen Zweiundvierziger am Heiligabend zu laufen - ohne dabei bis in den südwestlichen Teil von Rheinland-Pfalz zum "Bärenfels Heiligabend Marathon" fahren zu müssen. Was lag also näher, als auf dem schnellen Stadtparkterrain (in Anlehnung an den ehemaligen "Karl-Marx-Stadt-Marathon") für dieses Unterfangen die Laufschuhe zu schnüren? Schließlich liegt auf diesem Geläuf der Rekord bei 2:11 Stunden und mit einer Zielzeit von 2:16 ist man in den Annalen dieser Veranstaltung gerade noch so in der "Top 100" ...

Insgesamt 23 Ausgaben des international stark besetzten "Stadtpark-Marathonlaufes" gab es zwischen 1967 und 1990 auf Rundkursen von 4.893 bzw. 5.228 Metern. Am 28. April 1990 wurde diese Veranstaltung mit nur 69 teilnehmenden Läufern bei kühlem Wetter mit böigem Wind und Regenschauern "zu Grabe getragen". Auch wenn immerhin 9.737 Tage zwischen diesem Eliterennen und unserem Neuzeitprojekt liegen, hat sich doch das Wetter nahtlos angepasst. Es ist mit nur 4°C sogar noch etwas frischer und an manchen Stellen der Streckenführung lauern sogar noch versteckte Eisreste. Die Originalrunde von damals kann aufrund der baulichen Veränderungen sowieso nicht 1:1 von uns abgelaufen werden, da der ehemalige Ascota-Sportplatz mit den Gebäuden und Parkplätzen des "Sportparks am Stadtpark" versiegelt wurde. Ebenso ist ein mehrfaches Überlaufen der Scheffelstraße ohne Sperrung nicht möglich. Daher mußte nun eine Seite des Stadtparks für den "persönliche-Bestzeit-fähigen Marathonlauf ohne Sehenswürdigkeiten am Streckenrand" herhalten. In der Nähe des "Rosariums" wurde anfangs der Start- und Zielbereich favorisiert. Die Distanz einer Runde entlang der gleichnamigen Kleingartenanlage, dem Otto-Werner-Garten und der Schumannstraße bis zur Heinrich-Lorenz-Straße und auf dem Heinrich-Sturm-Weg zurück, beträgt mit 3.138,2 Metern eine eher schlecht zu verarbeitende Größe. Mit einer zusätzlichen 1.150,1-Meter-Schleife sowie weiteren Meßpunkten wurde dieses Problem für die Aufteilung des Halben (Start 31,9 m nach Rundendurchlauf + 2x 1.150,1 m + 6x 3.138,2 m) und des Marathon (248,3 m + 1x 1.150,1 m + 13x 3.138,2 m) relativ gut gelöst.

Doch dann platzte eine Zeitungsmitteilung Anfang Dezember in die schon abgeschlossenen Vorbereitungen. Demnach beabsichtigt die Stadt den Wirtschaftsweg zwischen Scheffelstraße und Otto-Werner-Garten grundhaft auszubauen, inklusive diverser Baumfällungen und Sträucherrodungen. Kurz darauf stehen auch schon die ersten Schilder und damit die nun dafür bereitstehenden Fördergelder nicht verfallen, werden ja traditionell kurz vor Jahresende noch ruckzuck Baustellen eröffnet und so der gute Wille symbolisiert. Um diesem eventuell drohenden Szenario aus dem Weg zu gehen, galt es nun die gegenüberliegende Stadtparkseite für unsere Zwecke zu vermessen. Mit letztlich zwei ermittelten Strecken von 1.037,9 und 2.216,8 Metern ergeben sich dabei sogar noch handlichere Rundeneinteilungen. So hat der Marathonläufer 19 große Runden und einige Zusatzmeter zu absolvieren. Für die halbe Distanz reicht nun eine kleine und neun große Runden, plus die fehlenden Meter.

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3,1382 km auf der zuerst angedachten Runde 2,2168 und 1,0379 km lassen sich besser rechnen

Da unser "sportlich ambitionierter Jahresausklang" auch keine Kopie zu vorangegangenen Marathonveranstaltungen in Chemnitz werden soll, gibt es a) eine Begrenzung des Starterfeldes und b) eine Limitierung der angebotenen Strecken. Der "Heiligabend-Marathonlauf" wird demzufolge als Einladungslauf deklariert, zu dem verdiente Sportler und Lauffreunde angeschrieben wurden. Leider ließ sich Punkt b) mit nur zwei Distanzen nicht ganz so recht umsetzen. Auch wenn es nicht zur (derzeit beliebten) inflationären Umsetzung des Begriffs "Marathon" kommt (Viertelmarathon, Achtelmarathon, Kindermarathon, Minimarathon, Staffelmarathon, Spaßmarathon, Rückwärtsmarathon, Zehn-Kilometer-Marathon, Dreier-Marathon, usw.), bleiben aufgrund des Prinzips von Angebot und Nachfrage ("der Kunde ist König") immerhin vier "Marathonläufe" zur Auswahl. Der Klassiker mit seinen 42,195 Kilometern wird als Marathonlauf angeboten, dazu gesellen sich der Halbmarathon (21,0975 Kilometer), der Schnuppermarathon (alle Distanzen bei Rundendurchlauf bis Halbmarathon) und der So-gut-wie-Marathon (alles zwischen Halbmarathon und Marathon). Zur Dokumentation dieses ganzen Kuddelmuddels haben sich Bruno und Martin bereit erklärt, mal etwas eher aufzustehen und rund vier Stunden in der Kälte auszuharren, um die Daten des Vormittags niederzuschreiben. Bei dieser Gelegenheit sind sie auch noch Bevollmächtigte über den Verpflegungspunkt am Rundendurchlauf, der mit warmen Tee, Wasser, Obst, Nüssen, Rosinen und Schokolade die läuferische Grundversorgung garantiert.

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Startblock 8:01 Uhr  (© Tilo Kozlik) Startblock 9:00 Uhr   (© Tilo Kozlik)

Am Freitagnachmittag wird die Strecke zwischen Feierabend und Weihnachtsbaumschlagen noch spartanisch markiert. Abends folgt die offizielle Pastaparty auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt mit dem Verzehr von gebührenpflichtigen Rostern, Fischbrötchen, gebrannten Mandeln und Glühwein. Diese Position ist nämlich nicht im (nicht erhobenen) Startgeld der Veranstaltung enthalten und muß von jedem Teilnehmer selbst getragen werden. Deshalb ist die Beteiligung mit drei Personen auch ziemlich dürftig. Ab 7 Uhr morgens werden dann die letzten Handgriffe beim weihnachtlichen Not-Dekorieren und beim Aufbau der "Versorgungsstation am Rundendurchlauf" getätigt, ehe es pünktlich 8 Uhr mit dem ersten Start des Marathonlaufes und des So-gut-wie-Marathons auf die Runden gehen soll. Alle Läufe haben Wettkampfcharakter - flache Strecke, es gibt nichts zu bestaunen und auch nur eine minimale Überlebensration am Verpflegungspunkt. Die Uhr läuft gnadenlos und die "Müller-Buben" Bruno und Martin werden wie eine elektronische Rundenerfassung funktionieren. So erschallt auch der 8-Uhr-Startschrei pünktlich, während wir vier (Ute, Gunter, Sören und ich) noch auf dem Weg zur Startlinie sind. Deshalb wird das Zeremon eine Minute später noch einmal wiederholt und ab 8:01 Uhr ist der "Erste Heiligabend-Marathonlauf im Chemnitzer Stadtpark" im Gange. Während Ute und Gunter sowieso nur rund 30 Kilometer abspulen wollen, steht für Sören und mich eine 3:30er Marathon-Zielzeit auf dem weihnachtlichen Wunschzettel. Und wer das Jahr über schön artig war und brav seine Trainingspläne abgearbeitet hat, dem werden diese Wünsche auch erfüllt.

Leider fehlt mir nun zur Überprüfung meiner Laufgeschwindigkeit die Unterstützung seitens meiner Uhr. Sie nimmt zwar die Gesamtzeit und auch die manuellen Zwischenzeiten zeigt sie mir an - sie befindet sich allerdings im Modus "25 Meter Bahnschwimmen". Das paßt zwar wiederum zum Wetter, hilft mir aber nicht weiter. Dafür habe ich Sören an meiner Seite, der auch ständig mahnt, daß wir für dreieinhalb Stunden zu flott sind. So vergehen die ersten Runden auch verhältnismäßig schnell. Die Zwischenzeiten von 47:31 bei 10 Kilometern und 1:42:42 beim Halbmarathon (beides GPS-Messung) lassen die Trainingsvorgabe realistisch erscheinen. Doch ab Runde 11 werden die Schmerzen im Rücken stärker - bedingt auch durch einige, bis ins Rückenmark schmerzende Ausfallschritte auf dem vereisten Fußweg an der Scheffelstraße. Mein fehlender Trainingsfleiß, bzw. die sportliche Gesamtsituation machen sich nun immer aufdringlicher bemerkbar, denn auch hier im Stadtpark gilt: ein Marathon ist nicht zwei Halbmarathons, auch wenn mathematisch vieles darauf hin deutet. Sören soll ab Kilometer 28 einfach sein Tempo zu Ende laufen. Ich kann und will ihn dabei nicht länger ausbremsen.

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Verpflegungspunkt und Zeitnahme ... ... beim Rundendurchlauf. (© Tilo Kozlik)

Nun muß ich beißen, könnte allerdings auch bei jedem Rundendurchlauf aussteigen. Letzteres ist jedoch nicht zu verantworten, da es sonst nur einen Marathon-Finisher gäbe. Meine Rundenzeiten triften von ehemals zehneinhalb Minuten bis knapp über 14 Minuten ab - ich schleiche mittlerweile mehr, als daß ich läuferische Eleganz vermittle.

Vom Feld der 9 Uhr gestarteten zehn Teilnehmer sind Jens, Siggi und Heiko als erste durch. Sie werden als Zieleinläufer des Schnuppermarathons in die Datenbank aufgenommen. Die restlichen sieben Akteure kämpfen sich wacker bis zum Erreichen der Halbmarathonmarke durch. Ute läuft nach 31,111 Trainingskilometern noch eine Runde (außerhalb der Wertung) aus. Auch Gunter hat letztendlich etwas mehr als 33 Kilometer ins Protokoll gelaufen. Sören überrundet mich noch und knackt mit einer Zeit von 3:26:52 Stunden locker die 3:30er Vorgabe. Nun warten alle verbliebenen Läufer am Verpflegungspunkt noch auf einen: auf mich.

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Gunter Blaas  (© Tilo Kozlik) Protokoll der Durchgangszeiten vom Marathon

Nach 3:44:03 Stunden Rundengedrehe gelingt mir zwar eine neue persönliche Jahresbestleistung, zu Freudensprüngen bin ich jedoch nicht mehr in der Lage. Eine Viertelstunde vor Zielschluß hat der letzte Läufer damit die Ziellinie passiert und der Abbau des Rundendurchlaufes kann beginnen. Statistisch gesehen wurden von den 14 Startern insgesamt 328,7686 Kilometer zurückgelegt, was einer Strecke vom Chemnitzer Stadtpark bis Kassel-Wilhelmshöhe entspricht. Pro Nase wurden somit 23,4834 Kilometer erlaufen - das sind fast 59 Stadionrunden. Die Gesamtlaufzeit betrug 30:01:23 Stunden - gleichzusetzen mit der früheren wöchentlichen Trainingszeit von Jens. Der Anteil der Marathonläufer und der So-gut-wie-Marathon-Finisher lag mit jeweils 14,3 Prozent in der angestrebten Veranstaltungsprognose. Die Schnuppermarathon-Läufer machten allerdings mit ihren anteiligen 21,4 Prozent weit mehr, als erwünscht aus. Diese gilt es bei der nächsten vorweihnachtlichen Rundenhatz in die 50 Prozent der Halbmarathonis einzugliedern. Insgesamt sicherten drei aktive Helfer diesen Lauf ab - sie waren verantwortlich für die Versorgung, die manuelle Rundenerfassung, die Seelsorge, stellten sich als Streckenposten zur Verfügung und machten auch noch mehrere Standbildaufnahmen. Ihnen gebührt der Dank der Veranstalter (Laufverein "Lauffaul sein" Altchemnitz im LV Limbach 2000 e.V.) und der Teilnehmer (wie aus mehreren schriftlichen Meldungen hervorging).

Danke Tilo!      Danke Bruno!      Danke Martin!

Ein Dankeschön an den SV Grün-Weiß Mohsdorf für die Bereitstellung der Startnummern!

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Protokoll der Durchgangszeiten des Halbmarathon Jens und Siggi  (© Tilo Kozlik)

Leistungsnachweis:

Stnr. Name Verein Strecke Leistung
19 Mende, Jens KIM / Geflügelhof Harthwald   7,7967 km 53:43 min
23 Stockhecke, Heiko Salomon-Treppenlauf-Team Firmenich 12,2303 km 1:04:40 h
17 Beyer, Siegfried Burgstädter Laufverein 12,2303 km 1:18:07 h
22 Steinert, Steffen Burgstädter Laufverein 21,0975 km 1:49:12 h
27 Dr. Voigt, Carsten Burgstädter Laufverein 21,0975 km 1:49:12 h
20 Kleinert, Sven Burgstädter Laufverein 21,0975 km 1:55:30 h
21 Zieger, Jochen Burgstädter Laufverein 21,0975 km 1:55:30 h
24 Wötzel, Harry SG Neukirchen/Erzgeb. 21,0975 km 2:03:14 h
25 Rüger, Detlef Niederwiesa 21,0975 km 2:04:03 h
26 Irmscher, Jeanette Burgstädter Laufverein 21,0975 km 2:04:03 h
30 Herfurt, Ute Laufverein "Lauffaul sein" Altchemnitz 31,1110 km 2:44:42 h
40 Blaas, Gunter Postsportverein Chemnitz 33,3278 km 3:08:50 h
44 Schramm, Sören Chemnitzer LV Megware 42,1950 km 3:26:52 h
45 Delling, Thomas Laufverein "Lauffaul sein" Altchemnitz 42,1950 km 3:44:03 h

Voraussichtlicher Termin des "2. Heiligabend-Marathonlaufes" ist der 24.12.2017.

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Ute beim Vermessen Urkunde zur Abrechnung bei der Krankenkasse
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