Rundenhatz

4. Heiligabend-Marathonlauf im Chemnitzer Stadtpark 2019

Geschrieben von Thomas Delling.

24.12.2019 8:00 Uhr 42,195 km 40 Hm+ 40 Hm-
9:01 Uhr 21,0975 km 20 Hm+ 20 Hm-
9:01 Uhr 10,0135 km 10 Hm+ 10 Hm-

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Mit einem verdammt bitteren Nachgeschmack geht der 4. Heiligabendmarathon im Chemnitzer Stadtpark in die Annalen des Laufsports ein: War es nun aber nur weihnachtliche Nächstenliebe oder Vetternwirtschaft, welche gegen die klar formulierten Regularien der Veranstaltung verstießen? Gab es von Seiten der Entscheidungsträger eine Portion zu viel Mitleid oder waren es ganz einfach die Auswüchse herkömmlicher Korruption? Fragen, mit denen sich nun die Sportgerichtsbarkeit über die Feiertage herumschlagen muß. Fakt (und Novum) ist: ein Teilnehmer, dem familiäre Verbindungen in den Stab der Zeiterfassung nachgewiesen werden konnten, blieb als erster Mensch über der Vier-Stunden-Begrenzung und fand trotzdem Erwähnung in der Ergebnisliste des Marathonlaufes. 

Jede Menge Ärger und negativer Gesprächsstoff wurden also noch kurzfristig in die besinnlichen Stunden der Weihnachtszeit gestreut. Die Ethik des Laufes hat gelitten. Dabei begann alles, wie immer: der bange Blick auf die Entwicklung des Wetters wurde erst kurz vor Veranstaltungsbeginn mit einem Ende des naß-ungemütlichen Dauerzustandes in ein Lächeln umgewandt. Fortan bestimmten ein nur leicht bewölkter Himmel und ein Temperaturanstieg bis 9°C das Drumherum. Bei diesen sommerlichen Begebenheiten dürfte allerdings auch die Grundlage für weitere Streckenrekorde entzogen sein, die es im Vorjahr (bei bestem Bestzeitenwetter!) zu Hauf gab. 

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Wie schon 2018 umfaßt das Marathon-Feld auch in diesem Jahr neun Starter. Acht von ihnen standen ebenfalls im Vorjahr schon 8 Uhr zum Frühstart an der Startlinie. Nur Ute wird sich erst eine Stunde später auf den Rundkurs begeben, da sie gesundheitlich auch noch etwas zu knaupeln hat. Dafür rückt mit Klaus-Peter ein absoluter Marathon-Neuling nach. Doch dies erfahren seine Mitstreiter mal so ganz nebenbei auf der Strecke. Ein paar Halbmarathons hat er schon in den Ergebnislisten des Umlandes untergebracht, nun ist also die doppelte Distanz fällig - und diese Premiere wird extra auf den Heiligabendlauf gelegt. Das ehrt und verpflichtet!

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Vier Stunden Zeit (weil ein Marathon unter vier Stunden immer geht!) verbleiben nun für die 19 handvermessenen Runden. Genügend Zeit, welche bisher noch nie vollends in Anspruch genommen werden mußte. Vorjahressieger Marco macht gleich von Beginn an ernst - für ihn gibt es kein sanftes "Einlaufen" gepaart mit Taktik-Gequatsche oder Dresscode-Abgleich. Es sieht ganz danach aus, als ob er seinen Streckenrekord aus dem Vorjahr (3:02:25 h) nun gleich mal ganz sicher unter die Drei drücken will. Ein klares Signal an die Konkurrenz, welche ihm bedacht und mit stets größer werdendem Abstand folgt. Noch weiter hinten trabe ich über den Asphalt, gezogen von Steffen und Klaus-Peter. Meine Erwartungen sind nicht zu hoch gesetzt - ein Finish unter Vier würde mir schon reichen. Ich will nur nicht eher von der Strecke, obwohl mein Gesundheitszustand dringend dazu verpflichten würde. Zehn Runden plus "X" ... wobei "X" ja von Runde zu Runde kleiner wird und damit die Tagesaufgabe lösbarer erscheinen läßt. Die Unvernunft wird sich schon durchsetzen!

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Mit einer einminütigen Verspätung gehen 9:01 Uhr die 18 Kurzstreckler auf die Piste. Auch hier spürt man den Drang nach Rekorden. Ganz vorn dabei: Friedmar, der letztendlich die Bestmarke auf dem Zehner um fast vier Minuten auf 41:05 Minuten drückt. Auch Carsten und Rouven sind recht flott im Geschehen dabei. Sie kämpfen um den Sieg auf dem "Halben". Beide werden unter einer anderthalben Stunde bleiben, den Bestwert aus dem Rekordjahr 2018 (1:28:07 h) jedoch verfehlen. Dafür egalisiert Ute den Uralt-Rekord der Frauen im Halbmarathon von 2016 um über zehn Minuten auf 1:53:40 Stunden. Wunschkonzerte rund um den Stadtparkteich und das Ascota-Sportcenter werden trotz des besonderen Datums allerdings nicht veranstaltet. Dies mag vor allem denjenigen Sportlern sauer aufstoßen, welche hier bisher in der Lage waren, ihre persönlichen Minimalziele kaltlächelnd-arrogant vorzutragen und schlafwandlerisch umzusetzen. Jens, z.B., erlebt sein Armageddon, während er die 10-km-Distanz abwackelt. Wie er sich auch müht - die Eins steht! Erstmalig! Ein "Verbleib auf der Strecke" von einer Stunde und einer anderthalben Minute werden für ihn beim Zieldurchlauf notiert - ein fieser Nackenschlag für seinen enormen Trainingsfleiß! Viel hilft eben nicht viel und gar nichts ist dann schon wieder fast etwas zu wenig!

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Auch bei mir ist während des Rundendrehens ein rasanter körperlicher Verfall nicht mehr zu kaschieren. Während so gut wie alle Körperfunktionen auf null zurückgefahren sind, funktioniert einzig der Großrechner im Hirn und der "weiß" schon sechs Runden vor dem Ende, daß es mit der Allerweltsmaßgabe "unter 4 Stunden" nichts mehr wird. Es gibt zwar ein Aufbäumen gegen diese Tatsache, aber die Rundenzeiten untermauern die düstere Prognose par excellence. In der letzten Runde habe ich gerade die kleine Schleife am Südring hinter mich gebracht, da schaltet die Uhr auf 4:00:00 Stunden um - Zielschluß! Ich gehe sofort in den (fast gleichschnellen) Wanderschritt über und das 12-Uhr-Glockengeläut der nahen St.-Michaelis-Kirche von Altchemnitz nimmt mir nun auch die letzte Hoffnung. Ich bin raus! DNF! 

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Die letzten Meter vor dem Ziel trabe ich wieder. Es gibt verhaltenen Applaus am Verpflegungspunkt - logisch, maximal vier Stunden waren ausgemacht und jetzt kommt der endlich angetorkelt. Überstunden am Heiligabend müssen ja nun wirklich nicht sein! Doch darum ging es der Crew am VP gar nicht. Nach mir kommt noch Klaus-Peter, der heute seinen ersten Marathon läuft und diesen nach 4:17:18 Stunden auch im Jubel der Anwesenden beendet - Sonderregelung für Marathon-Neulinge, siehe Kleingedrucktes! 

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Wie auch immer das Urteil zum Ü4-Fauxpas ausfällt - die Schuld liegt zu 100% beim Verursacher, dem "Läufer"! Man kann nicht die Leute am VP, welche über vier Stunden Dienst hatten und in einer Kurzschlußreaktion den Namen des Sünders in die Kartei aufnahmen, pauschal mitverurteilen! Das wäre unfair! Ein großer Dank geht daher an Kathi, Stefanie, Bruno und Martin für die Betreuung und die Erfassung der statistischen Details, sowie an Bienei und Ines für die Bereitstellung von Bildern. 

Leistungsnachweis (10 km / Halbmarathon / Marathon):

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Der 5. Heiligabend-Marathonlauf im Chemnitzer Stadtpark findet voraussichtlich
am 24. Dezember 2020 statt.

 

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