Waldwiese

42. Rennsteiglauf 2014

Geschrieben von Thomas Delling.

17.05.2014 - 6:00 Uhr - 72,7 km / 1.470 Hm+ / 969 Hm-

Kopie_von_DSC06310Auch die Olsenbande ließ sich die 42. Auflage des Rennsteiglaufes nicht entgehen.

Der Laufklassiker im Thüringer Wald gehört seit 2009 zu unserem jährlichen Pflichtprogramm. Während Ute damals gleich mit dem "langen Kanten" begann, versuchte ich mich, wegen der Salomon-Trailrunningcup-Wertung auf der Halbmarathondistanz. Dieses Jahr wollten wir, aufgrund unseres schlechten Trainingszustandes und der Wehwehchen an Bewegungsapparat und Rücken den Rennsteiglauf mal auslassen. Aber geht das überhaupt? Darf man das machen und entgegen dem alten Sprichwort "Einmal Rennsteig - Immer Rennsteig" handeln?

Wir hielten uns im Vorfeld also bedeckt, was eine Teilnahme am Supermarathon betraf. Doch kurz vor knapp einigten wir uns auf eine Anreise am Morgen des Wettkampftages. Am Vorabend ließ ich mir noch von Simone den Rücken und den Oberschenkel mit Kineseoband zukleben, während ich den (Zielzeit-)Erwartungen von Jens lauschte. Ute's rebellischer Fuß schmerzte mit und auch ohne Bewegung gleichbleibend stark vor sich hin und somit bestand ihr internes Ziel nur im "Ankommen".

Bis 2 Uhr gibt uns der Wecker Zeit zur Ruhe. Dann wird der Laufkrempel im Fahrzeug verstaut und kurz vor 3 Uhr geht es ab nach Eisenach, wo ab 4 Uhr die Startnummernausgabe geöffnet hat. Gegen 4:50 Uhr stehen wir in der Schlange der Nachmelder im Gebäude der Stadtverwaltung in unmittelbarer Startnähe. Für uns gibt es allerdings (aufgrund der großen Nachfrage) keine normalen, sondern handgemalte Startnummern auf schwarz-weiß kopierten Untergrund. Die Legende berichtet jedoch, daß die letzten Nachmelder ihre Nummer mit Edding auf den Unterarm geschrieben bekamen, weil die Vordrucke ausgegangen waren.

Kopie_von_DSC06249Kopie_von_DSC06265Exklusive Startnummer.                               Das Warten auf den Startschuß.

Da ja Eisenach nun nicht gerade zu den Weltstädten zählt und sich das Supermarathon-Starterfeld mit gerade einmal "nur" 2.198 Teilnehmern präsentiert, ist ein Aufeinandertreffen mit den Lauffreunden von "Rund um Chemnitz" (trotz größter Vorsichtsmaßnahmen unsererseits) regelrecht vorprogrammiert. Nun wissen sie es also auch, daß wir zwei hier am Start sind. Ein "Überraschungsangriff" auf der Strecke hätte mir natürlich mehr gefallen. So kann ich aber gleich vom Start weg mit Sven sein "Projekt U7h" angehen, denn auch ich würde mich diesmal riesig über eine 6:59er Zielzeit freuen. Das wäre zwar nochmal 10 Minuten schlechter als mein bisheriger Minusrekord, würde mich aber bei der mäßigen "Vorbereitung" völlig zufriedenstellen.

Dementsprechend defensiv stehen wir auch im Startblock und büßen dies erwartungsgemäß mit ersten Wandereinheiten durch die Eisenacher Innenstadt und anschließenden Intervall-Läufen im Anstieg zum Rennsteig. Um es aber vorweg zu nehmen: während Sven sein persönliches Ziel schaffen wird, rächt der Rennsteig meine Trainingsfaulheit auf das Übelste. Im Ziel werde ich zwar eine Medaille für das läuferische Bewältigen der Strecke überreicht bekommen, eine Wandernadel mit dazugehöriger Bestätigung im Wanderpaß hätte ich mir allerdings eher verdient gehabt.

Wie oft hat in den vorangegangenen Trainingswochen der innere Schweinehund gesiegt? Keine oder maximal eine (zwar etwas längere) Laufeinheit pro Woche - das reicht eben nicht! Diese Erkenntnis wurde mir hier auf brutale Weise präsentiert! So oft wie in der "Vorbereitung" siegte auch während des Laufes der Schweinehund - Wandern, Trotten und längerer Aufenthalt an den Verpflegungspunkten. Ich könnte zwar auch meine "Gebrechen" als Grund für mein schlechtes Abschneiden angeben und diesen Sachverhalt auch noch mit haarsträubenden Geschichten umschreiben, aber das konnte ein früheres Mitglied der Altchemnitzer Laufgruppe viel besser und unglaubwürdiger als ich. Daher belasse ich es, das Dilemma an meinem Trainingsdefizit festzumachen. Auch eine "Streckenvermessung" mit unsanfter Landung auf steinigem Boden nach 19 Kilometern fließt nicht mit in die Ursachenforschung ein.

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Nachdem wir uns im Pulk immer weiter nach vorn gearbeitet haben, trennt uns eine Pinkelpause von Sven. Ich soll nicht auf ihn warten und allein weiterlaufen. Obwohl wir (für Sven's Empfinden) sehr zügig unterwegs sind, hinken wir (oder später ich allein) den erzielten Zwischenzeiten der Vorjahre doch ordentlich hinterher. Die ersten 5-Kilometer-Abschnitte weisen 27:58, 25:42, 25:30 und 27:46 Minuten auf der Uhr aus. Noch ist alles möglich, jedoch gibt es für mich beim langgezogenen Anstieg zum Großen Inselsberg den ersten Wink (34:32 Minuten), was mich danach noch en masse erwarten wird. Straffer Wanderschritt meinerseits läßt Sven bis zum Gipfel wieder herankommen. Kraftvoll, wie ein Eishockey-Spieler sehe mein Tun von hinten aus, so seine messerscharfe Analyse. Die Zeitmeßmatte für die Bergwertung überqueren wir gemeinsam nach 2:22 Stunden, ebenso den steilen Abstieg zur nächsten Verpflegungsstelle an der Grenzwiese bei Kilometer 26,8.

Dort kündigt der Sprecher den erfolgreichsten deutschen Skiläufer aller Zeiten, Axel Teichmann, an. Er war zweifacher Weltmeister und Gesamtsieger im Skilanglauf-Weltcup und beendete mit den diesjährigen olympischen Winterspielen seine Karriere. Noch sind wir vor ihm! Beim Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen nach einer kurzen Stärkung, merke ich jedoch, daß ich Sven's Tempo nicht mitgehen kann und schicke ihn auf die Reise. Der Riemen ist 'runter, ich kann mich zwar noch einige Kilometer im "Dunstkreis" vom thüringer Spitzensportler aufhalten, die Tendenz geht aber ganz klar nach unten. Der Schnitt liegt zwar bis Kilometer 30 bei 23:27 Minuten, ist jedoch auf das humane Streckenprofil dieses Abschnittes zurückzuführen.

Kopie_von_IMG_1324Kopie_von_DSC06270Während Ute ein "Köstritzer" genießt, kämpfe ich aussichtslos mit meiner Situation!

Meine Zwischenzeiten der Vorjahre habe ich im Hinterkopf. Ich kann aber beim besten Willen keinen Optimismus mehr hegen, was eine Endzeit von unter 7 Stunden betrifft. Dafür müßte ich zum Ende hin noch ordentlich Körner für eine "Schlußattacke" übrig haben, ich weiß nur nicht wo ich sie denn hätte. An der Ebertswiese will ich wenigstens nach dreieinhalb Stunden durch sein. Ich überquere nach 3:28 Stunden die Meßmatte und bin auch wirklich zwei Minuten später wieder auf dem Kurs. Zur Motivation gibt es allerdings vom Sprecher noch ein "der führende Läufer ist hier vor einer Stunde mit riesigem Vorsprung durch" mit auf den Weg.

Jetzt beginnt auch die Phase, in der ich Platz für Platz nach hinten durchgereicht werde. Die wenigen Überholvorgänge, die mir gelingen, sind an den Fingern abzuzählen.

Kopie_von_IMG_1319Kopie_von_IMG_1320Anstiege nimmt die Mehrzahl im Wanderschritt ...       ... um auf den Geraden wieder Fahrt aufzunehmen.

Der Drops ist gelutscht! Jetzt kann ich auch "etwas" länger an den Verpflegungen "verweilen". Das persönliche Normalprogramm von zwei Bechern Wasser zum Duschen und Tee, Cola und Schleim zum Auffüllen, wird durch Zitronenstücke und Bier erweitert.

Ich pegel' mich zeitmäßig immer weiter hinten ein. Der Abschnitt zwischen Kilometer 60 und 65 ist mit 44:40 Minuten knapp unter der 9-Minuten-Marke, hat aber auch mit dem Großen Beerberg (973 m) den höchsten Punkt der Strecke aufzuweisen. Dort oben liegt sogar noch Schnee. Doch wo soll der nach diesem milden Winter herkommen? Ein beliebtes Fotomotiv ist es allemal.

Kopie_von_DSC06267Kopie_von_DSC06275(Angekarrter) Schnee auf dem Großen Beerberg ...    ... der Rest der Strecke ist in bestem Zustand.

Jetzt beginnt der langgezogene Abschnitt zum Ziel nach Schmiedefeld, doch mein Tempo kommt auch hier nicht mehr groß unter 6 Minuten (die Pausen mal 'rausgerechnet). Das persönliche Ziel habe ich mittlerweile auf U7:30 korrigiert und das sollte mir auch gelingen!

Der Bogen mit der Aufschrift "noch 1.086 Meter" steht zwar an gewohntem Ort, ist aber zur Seite gedreht. Auch das 72-Kilometer-Schild steht eine Biegung und rund 300 Meter eher, ist also die Strecke heute durch die kleinen Streckenverlegungen länger geworden? Höchstwahrscheinlich nicht, denn der Streckenrekord wurde von Christian Seiler um 20 Minuten auf 4:50 Stunden verbessert. Das entspricht einem Schnitt von 4:00 Minuten pro Kilometer - unvorstellbar! Dazu 50 Minuten Vorsprung auf Platz 2, damit degradiert er den Rest des Feldes regelrecht zu Statisten.

Ich schiebe mich übrigens nach 7:25 Stunden über die Ziellinie, 35 Minuten hinter Sven. Aber ich hege keinen Groll auf mich und meine laxe Laufvorbereitung. Nein, im Gegenteil, ich bin froh, daß wir uns kurzfristig noch für eine Teilnahme entschieden haben, da der Rennsteiglauf stets ein unvergessliches Ereignis ist. Das Wetter war optimal - erst frisch und neblig, dann sonnig und angenehm warm. Ein herrlicher Tag!

Kopie_von_DSC06282 Kopie_von_DSC06285Nur noch (offiziell) 2,7 Kilometer ...                            ... das "schönste Ziel der Welt" in Schmiedefeld.    

Ute beendet ihren Lauf nach 8:13 Stunden. Respektabel bei ihrem nicht endenwollenden Fußproblem! Den Rest des Tages vertun wir uns traditionell mit dem Anfeuern der ankommenden Supermarathon-Läufer. Das Wetter lädt zum Rumlümmeln auf dem Sportplatz ein und das Mitfahrangebot von Tilo zurück nach Eisenach gibt uns auch noch die Möglichkeit des Party-Besuchs im Festzelt, wo in gewohnter Art und Weise die müden Knochen (beim Auf und Ab auf Bänke und Tische) noch einmal auf's Gröbste beansprucht werden.

Wie im Vorjahr gibt es auch heute wieder das Aufeinandertreffen der zur Zeit stärksten deutschen Fußballmannschaften. Der FC Bayern und Borussia Dortmund stehen sich diesmal allerdings "nur" im DFB-Pokalfinale gegenüber. Den 2:0-nach-Verlängerung-Sieg der Münchner bekommen wir auf dem Rückweg nach Eisenach nur lückenhaft mit. Während unsere Chauffeure Tilo und Siggi noch eine Übernachtung in der Wartburgstadt gebucht haben, begeben wir uns zurück in die Heimat, wo wir nach einer zwischenzeitlichen Schlafpause gegen 3:30 Uhr ankommen.

Bilder vom Rennsteiglauf.

Ergebnis Supermarathon - Männer:  1.768 Finisher

1. Seiler, Christian (GutsMuths RSLV) - 1. M30 - 4:50:56 (Streckenrekord)
2. Lynas, Matthew (GutsMuths RSLV - NOR) - 1. M45 - 5:40:52
3. Jurkschat, Wolf (GutsMuths RSLV) - 1. M40 - 5:44:06
4. Blasbichler, Josef (SG Eisacktal) - 2. M45 - 5:45:51
5. Zimmermann, Achim (F.C. Ebershausen) - 3. M45 - 5:46:43
6. Drilling, Carsten (Non-Stop-Ultra) - 2. M40 - 5:47:16

306. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 58. M 40 - 7:25:53

Ergebnis Supermarathon - Frauen:  377 Finisher

1. Kern, Karin (LAV Stadtwerke Tübingen) - 1. W45 - 6:16:47
2. Jakob, Anja (Klingenthal) - 1. W35 - 6:22:25
3. Wagner, Carola (Dellingser SC) - 2. W45 - 6:23:13
4. Schinköthe, Petra (Wiesbaden) - 3. W45 - 6:23:13 (Betrug)
5. Haans, Mildred (Lommel) - 1. W40 - 6:36:53
6. Friedrich, Nicole (Dresden) - 1. WHK - 6:45:16

59. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 5. W50 - 8:13:21


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