Waldwiese

1. Fichtelberg Ultra 2014

Geschrieben von Thomas Delling.

31.05.2014 - 7:00 Uhr - 54,8 km / 1.598 Hm+ / 715 Hm-
                        16:15 Uhr - 55,3 km / 735 Hm+ / 1.618 Hm- (der Heimweg)

Kopie_von_IMG_00002278Scheibenberg (links) und Fichtelberg (rechts) vom Strecken-Kilometer 29,5 aus gesehen.

Im Herbst 2013 flatterte eine E-Mail ins Haus, der ich besondere Aufmerksamkeit widmete. Sören schrieb mir damals, daß sein Vereinskamerad Ronald einen (Wett)Lauf von Chemnitz zum Fichtelberg plane. Das weckte bei mir natürlich besonderes Interesse, da ich ja ab und zu in dieser Richtung unterwegs bin/war. Ich blieb also an der Sache dran und kurz nachdem die Anmeldung eröffnet war, standen auch schon Ute und ich, mit den Startnummern 1 und 2, in der Starterliste.

Nach und nach wurden immer mehr Details zum Lauf auf der Internetpräsenz des "Fichtelberg Ultra" publik gemacht und auch die Teilnehmerliste füllte sich rasant. Zum persönlichen Fichtelberg-Training war auch noch über ein halbes Jahr Zeit, nur habe ich es nicht einmal in diesem langen Zeitraum geschafft, einen weiteren Trainingslauf auf das "Dach Sachsens" einzuschieben.

Ronald's Streckenführung orientiert sich am Kurs des Fichtelbergmarsches. Daher sind mir bis Oberscheibe die Wege "geläufig", nur der Gipfelanstieg dieser Version ist mir neu, da ich bisher nur die Varianten über Firstenweg, Eckbauer oder Joachimsthaler Straße genutzt habe.

Am Freitagabend finden im Wasserschloß Klaffenbach die Startnummernausgabe, die obligatorische Pasta-Party und das Streckenbriefing statt. Schon hier bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack von der Professionalität, welche hinter dem (in verhältnismäßig kleinem Rahmen stattfindenden) Ultralauf steckt.

Obwohl das Wasserschloß an diesem Wochenende mit Töpfermarkt und Vereinsfest allerlei besucherwirksame Veranstaltungen bereit hält, findet der Start des "1. Fichtelberg Ultra" fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Nur ein paar Angehörige der Teilnehmer und ein paar (auf dem Parkplatz in Autos nächtigende) Aussteller wohnen dem Treiben der Ultras bei. Vielleicht ist es aber auch nur die relativ zuschauerunfreundliche Startzeit von 7 Uhr, welche die Leute nicht hinter ihren Öfen hervorlockt?

Eine halbe Stunde eher macht sich schon der als Führungsradfahrer vorgesehene Uwe Bleimeier auf den Weg, um die Strecke nachzumarkieren. Hatte doch der Regen am Vatertag der Streckenzeichnung keine Chance gegeben und sie mehr oder weniger unkenntlich gemacht.

Am hinteren Ende des Parkplatzes vollzieht sich der Start, 46 Teilnehmer machen sich nun auf den Weg zum höchsten Berg Sachsens. Ich finde mich in der Einsortierungsphase hoch zum Eisenweg in einer Gruppe mit Dirk, Ralf, Hans-Dieter und Torsten wieder. Das Tempo ist moderat - das kommt mir entgegen, denn ich will ja nicht schon wieder so "schnell" loslaufen wie zum Rennsteiglauf und mir somit den nächsten Dämpfer abholen.

Ab dem Abzweig hinab nach Burkhardtsdorf ist die Strecke dann auch zusätzlich mit den Zeichen des in der Vorwoche stattgefundenen Fichtelbergmarsches (FBM) versehen. Ein Verlaufen ist jetzt nahezu unmöglich! Im Ort stehen (zu unserer Verwunderung) sogar vereinzelt Leute an der Straße oder schauen aus den Fenstern um uns Beifall zu spenden. Wurde dieses Szenario etwa von Ronald organisiert?

Kopie_von_DSC06387

Kopie_von_DSC06391Rundwanderweg um Auerbach.                                  An der Gifthütte, der Jugendherberge Hormersdorf.

Im folgenden Anstieg hoch zum "Tisch'l" (einst Rastplatz des Abtes und seines Jagdgefolges) und weiter zum "Kohlweg" (dem ehemaligen überregionalen Transportweg für Holzkohle) herrscht dann wieder gewohnte Ruhe. Nur vereinzelte Gespräche untereinander und das Gezwitscher der Vögel sind zu vernehmen. An der Straßenüberquerung oberhalb Auerbachs ist der erste Verpflegungspunkt aufgebaut - 17 Kilometer sind jetzt geschafft und ein erster Imbiß ist da natürlich willkommen. Das Angebot ist breitgefächert und völlig ausreichend: Wasser, Iso, Cola dazu Gel's, Salzgebäck, Wurst, Käse, Rosinen, Apfel- und Bananenstücke, Riegel, Kuchen, Brot, Gurke und Salz.

Veranstalter Ronald Gasch ist ja auch "gelernter" Ultraläufer, daher weiß er, nach was es den Herrschaften gelüstet, wenn es an die Verpflegungstische geht. Und noch etwas hat er genial gelöst: Das "Noch 200 Meter"-Schild vor dem Verpflegungspunkt steht nur etwa 100 Meter davor. Das ist auf alle Fälle humaner, als in den südlichen Ländern, wo der dort angezeigte halbe Kilometer die Länge einer Meile zu haben scheint.

Gut gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Unsere Gruppe ist mittlerweile auf vier Mann geschmolzen, denn Torsten hat sich schon in Burkhardtsdorf nach hinten von uns verabschiedet. Wir passieren die Jugendherberge und nehmen die eintönigen, schnurgeraden Schneisen I und II. Abwechslung gibt es erst wieder am Fernsehturm von Geyer. Dort warten auf dem Parkplatz die ersten Nordic-Walker auf ihre Artgenossen, welche just im Augenblick unseres Vorbeilaufens in Scharen per Fahrzeug dazustoßen. Das ist unser Glück, denn im Auto haben sie nur zu zweit nebeneinander Platz, aber im Wald nutzen sie stets die gesamte Wegbreite und die würden sie bestimmt auch heute für ein paar Läufer mit Startnummer nicht freiwillig hergeben.

Mit der nächsten Straßenquerung am Dreilagenstein sind wir wieder allein auf den Forstwegen namens "Heuschuppenweg" und "Filzweg" unterwegs. Der zweite Rastplatz bei Elterlein folgt nach der nächsten Straßenpassage bei Kilometerpunkt 29. Es gibt das übliche Angebot und dazu noch Informationen zu den Zwischenzeiten der ersten Läufer. Kurz darauf gönnt man uns den ersten Blick auf das heutige Ziel, den Fichtelberg.

Während sich Dirk und Ralf auf dem Abschnitt über Jägersruh, Scheibenberg und Oberscheibe nach vorn absetzen, halte ich mich lieber an die Tempovorgabe von Hans-Dieter. In Oberscheibe nutze ich am Ortseingang den alten Insidertip von Sören und erfrische mich kurz an einer (für das Läuferauge nicht sichtbaren, weil etwas versteckt liegenden) "Quelle".

Kopie_von_DSC06396Kopie_von_DSC06402Trotz bester körperlicher Verfassung ...                     ... warten in Oberscheibe die Geier auf uns.

Auf der Anhöhe nach dem Ort beginnt dann für mich "läuferisches Neuland". Die Strecke biegt leicht rechts ins Tal der Mittweida ab, und dort kenne ich nur einen winzigen Abschnitt von der damaligen (einmalig ausgetragenen) Fichtelbergstaffel. Damals war die Streckenmarkierung jedoch so schlecht, daß ich mich zweimal ordentlich verhauen habe. Das passiert mir heute nicht, auch wenn ich mittlerweile allein unterwegs bin.

Nach Obermittweida beginnt der finale Gipfelanstieg, unterbrochen von der dritten Verpflegung bei Kilometer 42. Nach 3:51 Stunden erreiche ich diese und fasse mich mit 2 Minuten Aufenthalt sehr kurz. Jetzt, im endlosen Bergauf, wird es sich zeigen, wie gut oder schlecht man wirklich drauf ist. Und ich bin gar nicht so unzufrieden mit mir! Eine Zielzeit von unter fünfeinhalb Stunden geistert mir noch durch den Kopf. Jedoch weiß ich auch um die Zeiteinbuße am Reitsteig, der einem, kurz vor der Gipfelankunft, die letzten Kraftreserven nehmen wird.

Zwei-, dreimal gehe ich nach diesem (eben erwähnten) steilen Stück noch in den Laufschritt über, für die letzten 200 Meter (wo man normalerweise für die "Galerie" läuft) reicht es aber dann doch nicht mehr und so komme ich nach 5 Stunden, 24 Minuten und 8 Sekunden ins Ziel gewandert - das bedeutet Platz 7 in der Ergebnisliste.

Kopie_von_DSC06447Kopie_von_DSC06455Geschafft! Zieleinlauf von Mandy und Ute.                  Noch 500 Meter - Siggi, Tilo und Harry.

Danach geht es Schlag auf Schlag, auch Ute läßt nicht mehr lange auf sich warten und kommt mit Mandy Herold nach 6:13 Stunden ins Ziel. Auch Siggi, Tilo und Harry schlagen eine weitere halbe Stunde später am Gipfel an (Zielzeit 6:46 Stunden). Die Sonne strahlt mit den drei Supermarathonis um die Wette und so fällt es schwer, das vorbereitete Ziel-Buffet im "Guck" des Fichtelberghauses aufzusuchen.

Dort findet im Anschluß an den Schmaus auch die Siegerehrung statt. Dabei werden die ersten drei Männer und Frauen mit Sachpreisen ausgezeichnet. Das stets begehrte "Finisher-Shirt" (in diesem Fall wohl doch eher "nur" Teilnehmerhemd), gab es allerdings schon bei der Startnummernausgabe am Vorabend - als Verpflichtung und Motivation! Denn wer trägt schon gern ein Hemd mit den Distanz- und Höhenmeterangaben, die er gar nicht bewältigt hat, durch die Gegend? Alle hielten sich dann auch an diesen Ehrenkodex und konnten von Ronald auf dem Fichtelberg begrüßt werden.

Ein Reisebus bringt die Teilnehmer im Anschluß dieser Veranstaltung wieder zurück nach Klaffenbach ...

Fazit: ein rundum sehr gut organisierter Lauf; Verpflegung und Streckenmarkierung waren bestens! Vielen Dank allen Mitwirkenden für diesen wunderbaren Tag!

Ergebnis Männer:  38 Starter

1. Schwarz, Stephan (Ditzingen/schwarz-running.de) - 4:50:20
2. Lauckner, Rene (LB 90 Schwarzenberg) - 5:08:32
3. Schramm, Sören (Chemnitzer LV Megware) - 5:10:30
4. Schreiber, Dirk (RLSG Leisnig) - 5:20:48
5. Schibalski, Ralf (Picardellics Dresden) - 5:23:05
6. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 5:24:08

Ergebnis Frauen:  8 Starterinnen

1. Müller, Antje (LFV Oberholz) - 5:23:36
2. Naumann, Annett (RLSG Leisnig) - 5:35:54
3. Pella, Juliane (SG Adelsberg) - 5:43:29
4. Herold, Mandy (Chemnitzer LV Megware) - 6:13:36
5. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 6:13:37
6. Vincent, Chloe (Cafe Flax - USA) - 6:16:47

Veranstalterseite: www.fichtelbergultra.wordpress.com

Kopie_von_DSC06474Tilo bei den Vorbereitungen für unserem "Heimweg".

Wie beim Fichtelberglauf (Termin immer am ersten Oktober-Wochenende) schon Usus, sollte auch dieser Wettkampf zum Fichtelberg ohne Bustransfer zum Ausgangsort von uns beendet werden. Denn auch nach diesen 9,1 Kilometern im Wettkampfmodus wurde stets das "Auslaufen" zurück zum Startort Neudorf gelegt. Nur wollten wir dieses Mal eine Nacht zwischen den zwei Laufeinheiten einbauen. Im Fichtelberghaus bekam Ute jedoch kein Zimmer für eine Übernachtung, also gaben wir unser Zelt und unsere Schlafsäcke bei Kathrin im Fahrzeug auf.

Der Grundgedanke dieser Aktion war, die sich anbietende "Komfortzone Bus" nicht zu nutzen und eine Art Doppelbelastung zu trainieren. Letztendlich siegte zwar doch die Bequemlichkeit, denn wir wußten nicht so recht wo wir unser Zelt aufbauen konnten, wie das Wetter sich entwickelt und wie lange wir überhaupt im Zelt ausgehalten hätten. Daher entschlossen wir uns kurzerhand noch am späten Nachmittag die Heimreise zu Fuß anzutreten. Das ist zwar jetzt auch nicht die klassische Warmduscher-Aktion, kommt uns aber erstmal wesentlich angenehmer vor.

Also werden alle unnützen Sachen bei Kathrin und Tilo im Fahrzeug verstaut und nur das wichtigste Equipment in den Laufrucksack gepackt. In der Zwischenzeit markiert Tilo noch den "Startgarten" und unter großem Hallo und LaOla werden wir zwei wenig später vom Gipfel getrieben. Wir wählen die Wettkampfstrecke als unseren heutigen Heimweg.

Kopie_von_DSC06480Kopie_von_DSC06497Erstmal wieder klare Gedanken fassen!                      Zwischen Obermittweida und Oberscheibe.

Die ersten Kilometer gehen natürlich locker von der Hand. Am Willy-Brunnen kommen wir ins Gespräch mit Wanderern, welche am Morgen ebenfalls in Klaffenbach gestartet waren. Sie erkennen uns als Läufer des Ultras wieder (vielleicht liegt es auch an den Startnummern, welche noch an unseren Rucksäcken befestigt sind?) und fragen uns natürlich (mit überdurchschnittlichen Lauf-Fachwissen) aus. Auch die Frage, warum wir denn nun zurücklaufen würden, taucht dabei auf. Ich beantworte sie mit einem kurzen "Wir haben den Bus verpasst!". Das sorgt natürlich bis zur Aufklärung des Scherzes für entgeisterte Blicke.

Kopie_von_DSC06501Kopie_von_DSC06512Fast wären wir noch zum Scheibenberg gelaufen.        Man darf auch mal erschöpft sein!

Gegen 18:15 Uhr steuern wir unseren ersten Verpflegungspunkt, den Penny-Markt in Scheibenberg, an. Dort werden Erdbeertorte vom Bäcker sowie Apfelschorle und Biermischgetränk gereicht. Wir lassen uns Zeit, denn erste kleine Verschleißerscheinungen deuten sich jetzt bereits an. Da uns auch sonst nichts drängt, gönnen wir uns in der warmen Abendsonne auch immer öfters eine Pause, genießen die Aussicht oder sehen Dinge, die bei der Wettkampf-Hast einfach von uns übersehen worden sind.

Wir verlassen aber auch einmal kurz die uns vorgegebene Route, um der König-Johann-Tanne einen Besuch abzustatten. Desweiteren nutzen wir die Jugendherberge in Hormersdorf als zweiten Verpflegungsposten. Dort sind wir bei der Herbergsmutter schon bekannt und so entwickelt sich zum eisgekühlten Bier wieder eines dieser längeren Gespräche mit dem Angebot der Übernachtung im Haus. Wir lehnen aber dankend ab und verabschieden uns nach einer dreiviertel Stunde "bis zum nächsten Mal" in die einsetzende Nacht.

Das Laufen im dumpfen Schein der Stirnlampen macht uns nun nicht gerade schneller, zudem folgen die Pausen zum Wechseln der langen mit den kurzen Sachen immer häufiger, die Anstiege werden straff gegangen - aber wir haben ja keine Eile!

Kopie_von_DSC06525Kopie_von_DSC06542Stehimbiß in der Jugendherberge Hormersdorf.           Ankunft am Startort Wasserschloß Klaffenbach.

Eine Sternschnuppe über Burkhardtsdorf muntert unseren müden Zwei-Mann-Trupp nochmal auf. Unsere Wünsche bleiben geheim, da sie ja sonst nicht in Erfüllung gehen. Und anfangs dachte ich noch, es handelt sich um einen, im Ort einschlagenden Komet. Der Kopf spielt eben auch nicht mehr so richtig mit, daher wird es Zeit hier schnellstmöglich einen Haken an diesen "Heimweg" zu setzen.

Am Eisenweg dröhnt uns Musik entgegen. Ach ja, im Wasserschloß ist noch das Rahmenprogramm zum "Fichtelberg Ultra" im Gange! Es ist allerdings Geschmackssache, jenes Konzert der "Erbschleicher". Jedoch verstummen diese bei unserem Eintreffen kurz vor halb eins - 8:12:09 Stunden nach unserem Start haben wir den Lauf somit ein zweites Mal beendet.

Fazit: vielleicht ist unser "Auslaufen nach Hause" nicht für jedermann nachvollziehbar, jedoch haben Spiegeleier mit Tomate und Zwiebel auf Brot noch nie so gut geschmeckt, wie in dieser Nacht gegen 2 Uhr!

Bilder vom "Fichtelberg Ultra" und vom "Heimweg"

... Siegfried Beyer hat auch einige Bilder "vertont" (SBS ist heilbar!)

... der Lauf mit den Worten des Drittplazierten, Sören Schramm

... und so sieht der Sieger, Stephan Schwarz, den Fichtelberg Ultra

... auch Tilo Kozlik hatte eine Stehbildkamera beim Wettkampf am Mann

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