Waldwiese

23. Städtelauf Plauen - Hof 2014

Geschrieben von Thomas Delling.

09.08.2014 - ab 8:30 Uhr - 33 km / 600 Hm+ /545 Hm- (Gruppenlauf)

Kopie_von_DSC07384Städtelauf Plauen - Hof: vom Elstertal ins Saaletal, vom Vogtland nach Franken.

Um das Sommerloch im Trainingstagebuch nicht allzu groß werden zu lassen, müssen eben Laufveranstaltungen die zur Zeit bestehende Trainingsfaulheit etwas eindämmen. So kommt der "Städtelauf" für diese Form des selbstverordneten Laufzwangs nicht ganz ungelegen, da es sich um einen Gruppenlauf in verschiedenen Tempogruppen handelt und eine Wettkampfbelastung schon mal nicht bevorsteht.

Keine Hatz und keine Eile - alles läuft also entspannt ab! Bei der Anmeldung hatte ich uns vorsichtshalber mal in die mittlere Tempogruppe, die 10-km/h-Kategorie, eingeschrieben. Im Nachhinein eine kluge Entscheidung, denn die Vorwochenendveranstaltung im Harz war ja nicht nur "eitel Sonnenschein" und meine dort zugezogenen Muskelunstimmigkeiten hielten sich auch die Woche über hartnäckig im Oberschenkel. So blieb mir nur noch der schon obligatorische Gang zur "Physiotherapeutin meines Vertrauens" zum Abkleben der betroffenen Stellen mit Kinesiotape am Freitag-Nachmittag. Der Zauber der bunten Klebestreifen scheint bei mir immer noch nicht verflogen zu sein und so hilft deren fachgerechte Anwendung erstmal wieder beim schmerzfreien Gehen.

Kopie_von_DSC07367Kopie_von_DSC07370Startort: der Sportplatz des SV Concordia Plauen.       SR2-Denkmal in Kürbitz.

Kurz nach 8 Uhr finden wir uns auf dem Concordia-Sportplatz im Plauener Stadtteil Reinsdorf ein. Ab 8:30 Uhr starten die ersten Läufer Richtung Hof, sie werden einen Schnitt von 8 km/h laufen und vom Sprecher Rainer Zimmermann liebevoll als der "Bummelzug" bezeichnet. Dieser wird 8:55 Uhr vom "D-Zug" (10 km/h) und 9:20 Uhr vom "ICE" (12 km/h) verfolgt. Auf dem "Umsteigebahnhof" in Krebes (nach absolvierten 16,5 Kilometern) kann dann jeder Teilnehmer seine Tempogruppe neu wählen, denn dort starten ab 10:55 Uhr die drei Leistungsklassen leicht zeitversetzt zum Bewältigen des Rest's der Strecke. Da dort die Schnellsten beginnen, kann man sich bei zu starkem Leistungsabfall in die langsameren Gruppen zurückfallen lassen, denn es soll ja nicht in einen Wettkampf ausarten. Zu jeder Gruppe gibt es Führungs- und Schlußläufer, welche das jeweilige Feld beisammen halten werden.

Kurz vor 9 Uhr bricht also "unsere" Abteilung auf. Einmal um den Block, das Rot der Baustellenampel ignorierend verschwinden wir unterhalb des Sportplatzes im Gelände. Über Wiesen und durch Wälder, entlang des Milmesbaches Richtung Messbach ist es recht kurzweilig. Später führt der Weg durch das Naturschutzgebiet Burgholz und mit Kürbitz ist der Ort der jährlichen, legendären SR2-Treffen erreicht. Sogar ein Denkmal vom Kult-Moped ziert die Ortsmitte. Ebenso wird einem Ritter aus dem Bayrischen gehuldigt, erlegte er doch anno dunnemals den bösartigen Lindwurm zum Schutze der Dorfbevölkerung und bezahlte diese Heldentat mit seinem Leben.

Am Ortsausgang wird nach 7,7 Kilometern die erste Erfrischung angeboten: Wasser, Tee und Iso, bevor es auf dem Jakobsweg oberhalb von Weischlitz weitergeht. Am zweiten Verpflegungspunkt "Deichselberg" nach 11,6 Kilometern gibt es neben den Getränken auch Apfel- und Bananenstücke, dazu eine gute Aussicht zur markanten Autobahnbrücke bei Pirk.

Kopie_von_DSC07393Kopie_von_DSC07405"Umsteigebahnhof" Burgstein/Krebes nach 16,5 km.    VP Blosenberg an der ehemaligen Grenze.

Das nachfolgende Burgsteingebiet war früher Sperrgebiet, zu Zeiten der innerdeutschen Grenze von 1961 bis 1990 konnte es daher nicht von Otto Normalbürger besucht werden. Das ist heute unvorstellbar, tummeln sich doch in Krebes neben den in drei Schüben ankommenden 33-Kilometer-Läufern auch noch die Starter der 16,5-Kilometer-Strecke. Nach einer ausreichenden Stärkung und etwas Plausch setzen sich die Gruppen kurz vor 11 Uhr Richtung Hof in Bewegung. Die "Schnellen" vorweg, wobei deren Gruppenstärke durch die dazugestoßenen Kurzstreckler den größten Zuwachs erfährt.

Bei Heinersgrün wird die BAB72 unterquert und der weitere Weg führt Richtung ehemalige Grenze. Nach Blosenberg biegen wir für rund 300 Meter auf die B173, wo in der Nähe des ehemaligen Grenzturmes bei Ullitz (Kilometer 24,7) dann auch schon wieder der nächste Verpflegungsstand auf uns wartet. Über den einstigen Kolonnenweg erreichen wir den Freistaat Bayern. Der Personalausweis muß für diesen Grenzübertritt schon lange nicht mehr vorgezeigt werden, jedoch werden bei mir schon diverse Erinnerungen an die "Wendezeit" 1989/90 wieder aufgewühlt: u.a meine abenteuerliche Zugfahrt zu einem Fußballspiel nach Hof, wo ich nie ankam, weil mein Rucksack (mit meinen Papieren und dem Geld) durch eine Unachtsamkeit aus dem fahrenden D-Zug geschleudert wurde und ich per Fuß am Gleis entlang die Suche danach wieder aufnahm. Auch die damals jeweils dreistündige Anfahrt von Chemnitz nach Münchberg zum Aufarbeiten von Windbruch im Forst ist mir noch gut im Gedächtnis. Da ging es in der Nacht 3 Uhr los und 21 Uhr war man dann (mit ein paar D-Mark "mehr") wieder daheim. Und das alles soll schon wieder 24, 25 Jahre her sein?

Auf Radwegen kommen wir nun zügig nach Gumpertsreuth (Kilometer 27,5). Dort gibt es neben dem gewohnten Angebot an Getränken auch Bier. Der Großteil der Gruppe ist zum Zeitpunkt des offiziellen Ausschankes jedoch schon wieder mit dem Aufbruch vom VP beschäftigt, so bleibt dieser Genuß nur einem kleinen Personenkreis vorbehalten. Ich muß mich allerdings danach mit einer kleinen "Tempoverschärfung" wieder an die Gruppe heranarbeiten.

Kurz vor Hof wird der Radweg verlassen, durch ein Maisfeld und über eine Wiese kommen wir in den Eichelberg-Wald. Dort gibt es (so erzählt es mir ein langjähriger Teilnehmer) eine Streckenänderung. Anstatt eines weiteren Asphaltstückes führt ein Waldweg entlang des Lettenbaches Richtung Ziel. Dieser verjüngt sich zunehmend und endet in einem ca. 150 Meter langen Himbeer- und Brennesselbusch, durch den nur ein minimaler Pfad führt. Das "Tempo" ist beim Durchqueren der inoffiziellen "Verpflegungsstelle" (nur Himbeeren im Angebot) sehr gering und es stockt immer mal wieder. Nach diesem "Hindernis" werden die Wege wieder breiter.

Kopie_von_DSC07422Kopie_von_DSC07428Durch Brennesseln und Himbeeren führender Pfad.     Zielbereich am Eisteich in Hof.

Nach 3 Stunden und 28 Minuten Laufzeit biegt unser Tross am Eisteich in Hof-Vorstadt ein. Der dort beheimatete Schwimmverein richtet im Rahmen des Städtelaufes ein kleines Sommerfest aus und somit ist (neben der offiziellen Zielversorgung) für das oft zitierte "leibliche Wohl" bestens gesorgt. Wer also mal nicht allzu ambitioniert unterwegs und "unter Leuten" sein will, dem sei diese Veranstaltung ans Herz gelegt.

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Veranstalterseite: www.staedtelauf-plauen-hof.de


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