Waldwiese

38. Jenaer Kernberglauf 2014

Geschrieben von Thomas Delling.

18.10.2014 - 11.00 Uhr - 27 km / 460 Hm+ / 460 Hm-

Kopie_von_DSC081361.515 Teilnehmer bei der 38. Auflage des Kernberglaufes

Nach meinem verletzungsbedingten Aussetzen beim Kernberglauf 2013, steht dieser Klassiker, trotz aller sportlichen "Rückschläge", in diesem Jahr wieder dick angestrichen im persönlichen Laufkalender. Meine Kernberglauf-Bestzeit will (und kann) ich dabei natürlich nicht knacken, es geht mir viel mehr um den "Genuß" dieses einzigartigen Landschaftslaufes.

Der Startblock ist wie immer gut gefüllt - knapp 390 Teilnehmer der 27er Strecke, 730 vom 15-Kilometer-Lauf und 105 Läufer des Fünfers drängen sich auf der Tartanbahn hinter dem Startbogen. Der obligatorische Anruf wegen der Straßenfreigabe der B88 gibt kurz nach 11 Uhr grünes Licht und die Masse setzt sich nach dem Startschuß von Speerwurf-Olympiasiegerin Petra Felke in Bewegung, anfangs nur stockend und sehr langsam. Als dann alles in Schwung zu kommen scheint, bleibt der direkt vor mir dahintrabende "Papi" plötzlich stehen, um seine am Rand als Zuschauer stehenden Kinder zu herzen - schön für die Kinder, schlecht für die hinter ihm Laufenden.

Die ersten Kilometer sind relativ flach und so kann ich mich im Feld Stück für Stück nach vorn arbeiten. In Wöllnitz verlassen die 5-Kilometer-Läufer den Pulk Richtung Ziel, für den Rest beginnt der langgezogene Anstieg durch das Pennickental zum Fürstenbrunnen. Dort trennen sich dann die Wege der 15- und 27-Kilometer-Läufer. Es wird jetzt richtig steil, hoch zum Wöllmisseplateau. Früher gab es am Ende des Anstiegs mal eine "Bergwertung", jetzt ist nur noch eine Getränkestelle oben am Holzplatz.

Ein "Greift zu, es wird warm heute!" schallt uns entgegen, als wir zu Viert die Wasserstelle erreichen. Ich will aber lieber auf dem folgenden steil nach unten führenden Pfad freie Sicht auf's Geschehen und laufe am Tisch mit den Wasserbechern vorbei. Kurz vor mir huscht jedoch noch ein Läufer auf die Piste, überholen geht auf dem engen Waldweg nicht, also muß ich "blind" hinterher. Eine scharfe Linkskurve beendet die steile Abfahrt und zur Johannisberg-Horizontale wird es angenehmer. Der enge Weg schlängelt sich am Johannisberg entlang, meist leicht wellig und später mit einer phantastischen Sicht auf Lobeda.

Leider verliere ich an einem Anstieg den Anschluß an meine Tempogruppe, aber ich habe sie noch im Blickfeld und versuche den Abstand nicht größer werden zu lassen, was mir auch bis zum Verpflegungspunkt "Sommerlinde" gelingt. Dort nehme ich mir je einen Becher Wasser und Cola, dazu ein kleines Stück Banane. Die Gruppe ist, aufgrund des Stopps, endgültig zerrissen und ich muß mich (tempomäßig) anderweitig orientieren.

Weiterhin dominieren schmale Pfade den weiteren Streckenverlauf auf der Kluger Horizontale. Dort bin ich 2012 nach einer Kurve mal ein Stück den Hang 'runtergerutscht - diese Stelle erkenne ich auch sofort wieder, obwohl sie mitten im Wald liegt. Zum Wegrutschen bin ich heute viel zu langsam. Bei Kilometer 15 habe ich meinen Kilometerschnitt schon auf 5:03 Minuten geschraubt. Das wird wohl heute noch schlechter werden, als vor zwei Jahren? Egal, ich bin erstmal froh, daß sich die Rücken- und der Ischiasschmerz heute sehr dezent zurückhalten und so ein (angenehmes) Laufen überhaupt möglich ist.

Kopie_von_DSC08141Kopie_von_DSC08146Torsten Hentsch (2:25:46 h) 500 Meter vorm Ziel.      Ute gibt vorm Ernst-Abbe-Sportfeld nochmal Gas!

Beim VP "Steinkreuz" treffen wir auf die 15-km-Strecke. Hier gibt es zum vollen Verpflegungsprogramm zusätzlich Schleim, so ruft es ein Helfer zumindest in die Runde. Ich nehme von allem Angebotenen nichts, da es ja nur noch 8,9 Kilometer bis zum Ziel sind. Ein Hohlweg führt nun hinab zur Ziegenhainer Horizontale. Dort habe ich im Vorjahr, als mich der "Herbstzyklus" meines Bandscheibenvorfalls vom Kernberglauf(en) abhielt, zum Fotographieren gestanden. Der Ausblick auf Jena ist großartig und unten im Universitätssportzentrum sind die ersten der langen Runde schon längst im Ziel, während ich hier oben noch gegen die Uhr kämpfe.

Durch einen Buchenwald geht es hinab zur unteren Kernberg-Horizontale. Am Anfang einer Kleingartenanlage ist die letzte Getränkestation des Wettkampfes plaziert. Noch vier Kilometer sind es jetzt bis zum Ziel, genau der richtige Zeitpunkt sich mit einem Bier auf den bald folgenden Asphaltabschnitt einzustimmen. Ich nehme mir gleich zwei Becher - einen mit hellem und einen mit dunklem Hopfensaft. Es folgt zwar noch der sehr steile Wiesenabschnitt nach Wöllnitz, der ist aber schon "trockengerannt" und somit auch für leicht angetrunkene Personen kein Problem.

Auf einer Fußgängerbrücke wird die Stadtrodaer Straße gequert und es folgt der langatmigste Abschnitt des Kernberglaufes. Nur noch flach auf asphaltierten Fußwegen bis zum Ernst-Abbe-Sportfeld. Dort biegt die Strecke für die letzten 600 Meter auf das Vereinsgelände des USV Jena - erst Wiese, dann Tartan und dann ist auch schon Schluß: 2 Stunden, 12 Minuten und 33 Sekunden - so schlecht war ich hier noch nie! Aber was soll's, mir tut nichts weh und das ist doch schon mal was.

Kopie_von_DSC08151Kopie_von_DSC08154"Was? 2:38:05? Will die mich verarschen?"                 Heute nur 27 km - die 2014er PTL-Teilnehmer.

Auch bei Ute dauert es heute etwas länger als gewohnt.  Die Achillesferse hat heute bei ihr mehr als deutlich eine längere Auszeit angekündigt. Da bleibt ihr nun wohl der Gang zum Mediziner nicht erspart.

Alles in allem ist der Kernberglauf für mich der schönste Geländelauf dieser Größenordnung in der "näheren" Umgebung. Er garantiert (auch bei schlechten Laufergebnissen) einen erlebnisreichen Tag im Thüringischen, der für uns noch mit Kaffee und Kuchen bei PTL-Leidensgefährte Torsten in Hermsdorf ausklingt.

Ergebnis 27 km - Männer:   331 Zieleinläufer

1. Seiler, Christian (Rennsteiglaufverein) - 1. M30 - 1:41:27 h
2. Flade, Matthias (DJK LC Vorra) - 1. M35 - 1:45:06 h
3. Heisch, Philipp (SG Adelsberg) - 2. M30 - 1:46:53 h
4. Willbrandt, Maik (LG Albatros Kiel) - 1. M20 - 1:48:48 h
5. Bergmann, Sebastian (SV TU Illmenau) - 2. M20 - 1:50:42 h
6. Neidhardt, Stephan (Rennsteiglaufverein/LG Süd) - 1. M40 - 1:53:32 h

50. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 9. M40 - 2:12:33 h

Ergebnis 27 km - Frauen:   51 Zieleinläuferinnen

1. Jakob, Anja (Klingenthal/Vogtland) - 1. W35 - 2:07:26 h
2. Härtl, Anke (Rennsteiglaufverein/LG Süd) - 1. W45 - 2:17:14 h
3. Müller, Antje (LFV Oberholz) - 1. W40 - 2:18:17 h
4. Jurkschat, Uta (Rennsteiglaufverein) - 2. W45 - 2:19:40 h
5. Hanft, Judith (Zatopeks Erben) - 2. W40 - 2:23:50 h
6. Rudorfer, Carola (Rennsteiglaufverein) - 3. W45 - 2:31:13 h

10. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 2. W50 - 2:38:05 h

Kopie_von_IMG_00003629IMG_00003626_editAndrea Zange vor Ute in der Altersklasse.    Früher Europacup, jetzt Viertligatristesse - der FC Carl Zeiss.

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