Waldwiese

Wintersonnenwend-Marathon 2014

Geschrieben von Thomas Delling.

21.12.2014 - 11:55 Uhr - 42,34 km / 980 Hm+ / 980 Hm- (Trainingslauf)

DSC08160Wenn der DLV-Laufkalender keinen Marathon zur Gesunderhaltung bereit hält, muß improvisiert werden.

Stürmische naßkalte Tage sorgen auf Arbeit und bei meinem (minimalen) Feierabend-Laufprogramm für die ersten Vorboten einer sich anbahnenden Erkältung - die Nase tropft und der Hals gibt komische Geräusche von sich. Da heißt es nun klug gegenzusteuern, am besten mit einem Marathonlauf. Denn dieser ist, laut einer Aussage von Dr. Thomas Wessinghage, "das Gesündeste, was man machen kann". Diese (mir bis dato unbekannte) Weisheit stand vor einigen Wochen in der Tageszeitung und ziert seit dem meinen 2014er Laufkalender als Motivation für die Stärkung des Immunsystems.

Nun ist es jedoch so, das der DLV ausgerechnet für das Wintersonnenwend-Wochenende keine Marathon-Veranstaltung für kränkelnde Läufer bereithält. So muß ich mich notgedrungen selbst um eine Runde kümmern, die der 42,195-Kilometer-Distanz gerecht wird. Ich entscheide mich dabei für eine Landpartie Richtung Augustusburg. Der verkaufsoffene vierte Advent in Chemnitz zieht zudem einen Großteil der Sonntagsspaziergänger aus den Wäldern in die Geschäfte der Stadt und beschert mir so freie Wald- und Feldwege.

Von Altchemnitz geht es wie gewohnt nach Erfenschlag (328 m) zum Steinberg (429 m), durch den Niederwald hoch zur Zschopauer Straße bis zum Gasthaus "Goldener Hahn". Dort biege ich in den Einsiedler Wald und erreiche die Siedlung "Ruhebank". Oberhalb der Häuser nehme ich am Parkplatz (511 m) den Weg durch das Waldstück Schwarzes Holz Richtung Spitzberg (504 m). Nach 65 Minuten im (noch) recht flotten Laufschritt stehe ich nun zum ersten Mal in meinem Leben auf diesem "Gipfel" inmitten meines näheren Wohnumfeldes. Direkt verpasst habe ich durch das bisherige Ignorieren dieser Anhöhe nichts, denn die Sicht auf das Adelsberg"massiv" und das vorgelagerte Kleinolbersdorf hat man hier auch von den umliegenden Wiesen und Feldern. Ein Trampelpfad (so hießen die heutigen "Singletrails" früher) über die bewaldete Bergkuppe und etwas Querfeldein bringen mich weiter zu einem Waldstück oberhalb von Dittmannsdorf. Eine Quelle an einer Holzhütte lädt dort zur Erfrischung ein, welche ich auch nicht auslassen kann, da ich weder Wasser noch Geld für Getränke dabei habe.

Im Ort (318 m) quere ich dann die B180 und nehme den teiweise recht steilen Anstieg hinauf zum Kammweg (420 m). Dort war ich erst vor ein paar Wochen mit Sören unterwegs und bin sofort wieder im Bilde, was die weitere Streckenwahl betrifft. Ich entscheide mich daher auf der Kuppe (343 m) zwischen Kunnersdorf und Hennersdorf für die längere Variante über die Holzbrücke (296 m) und den Zschopautalweg hinauf zum Kunnerstein (438 m).

Kopie_von_IMG_00004610Kopie_von_IMG_00004622Spitzberg: persönliche Erstbesteigung!                       Unterhalb des Kunnersteins.

Der Halbmarathon ist an der Kunnerstein-Schutzhütte hoch über der Zschopau nach 2:05 Stunden erledigt. Die Hälfte des Gesundheitstrips ist somit geschafft, eine Verbesserung des körperlichen Verfassung spüre ich jedoch noch nicht. Ich fühle mich eher etwas ausgelaugt und matt, was vielleicht an der fehlenden Flüssigkeitszufuhr liegt. Hätte ich mal lieber ein paar Pfennige eingepackt, dann könnte ich mir oben auf Schloß Augustusburg (515 m) ein Getränk gönnen und so das vermutete Defizit wieder ausgleichen. So statte ich der 1421 gepflanzten Schloßlinde nur einen kurzen Besuch ab, bevor ich mich auf der Winterrodelbahn hinab nach Erdmannsdorf (285 m) begebe. Der Weg ist vom nassen Laub sehr schmierig und ich habe mit meinen profillosen "adidas energy boost" ganz schön gegen die Schwerkraft zu kämpfen. Mit kleinen schnellen Tippelschritten kann ich jedoch einen Sturz auf den steinigen Forstweg verhindern.

Mit Entsetzen muß ich jedoch feststellen, daß im Zuge von sogenannten Verkehrssicherungsmaßnahmen die Rotbuchen zwischen dem viel begangenen Wanderweg und der Drahtseilbahnstrecke im Dutzend auf Hochstämme zurückgesetzt wurden. Es sieht einfach grausam aus, wenn das gesamte Kronendach über dem tief eingeschnittenen Tal des Baches fehlt und nur noch ein paar "Holzsäulen" die Landschaft zieren. Zwar habe ich hier auch schon mal vor Jahren riesige Buchen zur Wahrung der Verkehrssicherheit gefällt und dabei ein schlechtes Gewissen gehabt, aber dieser Frevel ist doch etwas zu unverhältnismäßig.

Im Zschopautal angelangt, nehme ich den Weg der gleichnamigen Laufveranstaltung in entgegengesetzter Richtung nach Kunnersdorf (296 m). Am unteren Ende des Sternmühlentals kann ich dann an der Heimatquelle meinen doch schon arg gebeutelten Körper mit Wasser auffüllen. Der folgende langgezogene Anstieg zum Adelsberg (509 m) vollzieht sich dann meist im straffen Wanderschritt, getreu dem alten Läufer-Motto: "Laufe bis nichts mehr geht. Gehe bis es wieder läuft!".

Kopie_von_IMG_00004630Kopie_von_IMG_00004636Augustusburg mit Schloßlinde.                                   Auf dem Adelsberg.

Auch der restliche Weg hinab nach Kleinolbersdorf (493 m) und weiter durch das Schösserholz nach Adelsberg (376 m) verschleppt die Durchschnittsgeschwindigkeit immer mehr, vor allem der nochmalige Anstieg zur Zschopauer Straße (433 m) ist nur noch im 10-Minuten-Tempo machbar. Entlang des Südrings nehme ich dann trotz massiver Schwächung noch den kleinen Umweg über Bernsdorf (360 m) und das Sportforum, da sonst am Ende nur 41 Kilometer auf der Uhr stehen würden. Da ich aber gesund bleiben/werden will, muß es ja die gesamte Marathondistanz sein und die ist letztendlich nach 4:52 Stunden absolviert. Eine Zeit mit der man nicht unbedingt hausieren gehen muß und auch Ute hat bei meiner Ankunft nur ein ungläubiges Kopfschütteln für mich übrig - aber was tut man nicht alles für seine Gesundheit.

Full Review William Hill www.wbetting.co.uk