Waldwiese

Geburtstagsrunde 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

09.04.2015 - 13:10 Uhr - 34,25 km / 850 Hm+ / 850 Hm- (Trainingslauf)

Kopie_von_DSC08888"Zurück zu den Wurzeln": Trainingslauf im Tätigkeitsbereich meiner Lehrausbildung.

Meine 2015er Geburtstagsrunde findet logischerweise nicht im Wirtshaus statt, auch wenn es sich um einen "Schnapszahl"-Geburtstag handelt. Stattdessen steuern Ute und ich mit dem Auto mein ehemaliges vogtländisches Lehrausbildungsrevier rund um Morgenröthe-Rautenkranz an. 

Zwischen 1987 und 1989 befand ich mich in der Berufsausbildung zum "Facharbeiter für Forstwirtschaft" (heute: Forstwirt) - den Großteil meiner Lehre verbrachte ich dabei in der "Betriebsberufsschule des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Eibenstock" (heute: Forstliche Ausbildungsstätte des Staatsbetriebes Sachsenforst) in Morgenröthe. Erst einmal war ich seitdem wieder vor Ort - 2005 als Zuschauer bei der 7. Deutschen Waldarbeitsmeisterschaft, welche im Ortsteil Rautenkranz stattfand.

Trotz frühem Beginn des Urlaubstages verstreicht der Vormittag mit den üblichen Tätigkeiten (dazu kommt noch der "Telefondienst" meinerseits) wie im Fluge. Erst kurz vor Mittag kommen wir daheim weg und somit ist der "Ausflug" ins Vogtland doch zeitlich etwas eingeschränkt.

Wir starten unsere Runde auf dem Parkplatz der deutschen Raumfahrtaustellung in Rautenkranz, wo man sein Gefährt noch unentgeltlich/unbegrenzt abstellen kann. Die Sonne hat sich mittlerweile durch die dicke Wolkenschicht des Vormittags gekämpft und mit 12°C ist es angenehm frühlingshaft warm.

Kopie_von_DSC08875Kopie_von_DSC08879Start- und Zielort Rautenkranz                                   Pyratalweg nach Morgenröthe

Auf dem Pyratalweg entlang der Großen Pyra zieren jedoch in den Waldabschnitten immer wieder nasse Schneefelder den Pfad. Die Schuhe erhalten also schon auf den ersten Metern einen kleinen Vorgeschmack auf das Szenario der kommenden Stunden. Nach rund anderthalb Kilometern nehme ich dann, auf einem Gefällestück, auch noch (unfreiwillig) eine Streckenvermessung vor, welche auf dem matschigen Untergrund zu meinem Glück sehr glimpflich verläuft. Die neue Laufhose (welche erst seit ein paar Stunden in meinem Besitz ist) besteht ihre Bewährungsprobe dabei bestens.

An der Heßmühle wechseln wir zum Zinnberg auf die andere Uferseite und nehmen einen Pfad, der uns direkt hinter die Forstschule in Morgenröthe bringt, wo seit 1956 Lehrlinge für ihre Arbeit im Wald befähigt werden. Doch die Tage der Einrichtung sind gezählt, soll doch die Ausbildung ab 2017 nach Bad Reiboldsgrün verlegt werden.

Wir legen eine kurze Besichtigungspause ein - das Gebäude hat sich seit dem Neuanbau 1989 nicht wesentlich verändert, auch die Garage (wo damals die Rücketraktoren DFU 45 und LKT 81 ihren Platz hatten) gibt es noch. Auf dem weiteren Weg zum Naturschutzgebiet "Drei Bächle" erzähle ich Ute die üblichen Schwänke aus der damaligen Zeit, in der nicht alles regelkonform zuging. 

Kopie_von_DSC08883Kopie_von_DSC08887Sächsische Forstschule Morgenröthe                           Naturschutzgebiet "Drei Bächle"

An einer breiten Lichtung beginnt das Naturschutzgebiet. Mit einer Blockhütte und einem ausgestellten Fichtenstammquerschnitt, an dessen Jahresringen bedeutende Ereignisse gekennzeichnet und erläutert sind, wird hier der Wanderer empfangen. Dieser Altbaum stammt aus der Naturwaldzelle "Drei Bächle" (heute: Drei Bächel) und entstand 1784 aus Naturverjüngung. Er fiel 2007 dem Jahrhundertsturm "Kyrill" zum Opfer. Hier am Zusammenfluß des Diebsbach, Markersbach und des Cunitzbaches (784 m) kann man auf einem Pfad den mit 230 Jahren ältesten Fichtenbestand Sachsens begehen. Wir entscheiden uns, aufgrund der Schneelage, für ein Weiterlaufen hinüber nach Sachsengrund (752 m). Dieser Weg ist zwar auch nicht schneefrei, ist aber mit gut laufbaren Fahrspuren durchzogen.

Kopie_von_DSC08895Kopie_von_DSC08902Sachsengrund                                                           Auf dem Lochweg zur Kammloipe

Ab der Kleinstsiedlung Sachsengrund geht es über Kohlanger und Lochweg hinauf zur Kammloipe. Das Laufen wird von nun an immer mehr durch kurze Gehpassagen unterbrochen, da der Schnee immer höher und kräftezehrender wird. Deshalb machen wir auch am Sattel (935 m) zwischen Rammelsberg (963 m) und Hirschberg (959 m) eine kurze Rast, denn Ute muß ihren Fuß mal wieder durchkneten. Ich befasse mich derweil mit der weiteren Streckenplanung, welche uns entlang der Kammloipe zum Aschberg bringen wird.

Neben der Loipe des Internationalen Kammlaufes, die von Mühlleithen nach Johanngeorgenstadt (und zurück) führt, kämpfen wir uns nun durch den Tiefschnee. Als 16-jähriger habe ich 1988 einmal an der 50-Kilometer-Tortur teilgenommen. Startreihe 22 von 23 bei ca. 1.600 Teilnehmern, deshalb minutenlanges Warten nach dem Start, dazu Bretter, die bergab maximalen Stockeinsatz forderten und im Anstieg keinen Halt gaben - Ergebnis: irgendwo zwischen vier und fünf Stunden (ich weiß es nicht mehr so genau!).

IMG_20150409_150511Kopie_von_DSC08909Neben der Kammloipe entlang der deutsch-tschechischen Grenze zum Aschberg.

Vom Kammweg biegen wir etwas später auf den Fernwanderweg Eisenach-Budapest. An der deutsch-tschechischen Grenze laufend, erreichen wir so den auf deutscher Seite liegenden Aschberg (917 m), dessen Hauptgipfel etwas östlicher auf böhmischer Seite liegt und 19 Meter höher ist. Wir besteigen den 32 Meter hohen Wanderaussichtsturm "Otto Hermann Böhm", der 1999 gebaut wurde und holen uns in der 70 Jahre älteren Jugendherberge den "Hüttenstempel" fürs Buch, bevor wir den weiteren Weg ins Tal, besser gesagt nach Klingenthal, antreten.

Kopie_von_DSC08914Kopie_von_DSC08917Der Aussichtsturm "Otto Hermann Böhm" auf dem Aschberg und die Sicht Richtung Klingenthal.

Nachdem wir bergab die Markierung des Weges verloren haben, fragen wir einen Einheimischen nach Rat. Seine Kilometerangaben erscheinen mir allerdings etwas zu hoch angesetzt, aber sein Tip, daß auch noch Busse fahren war "Weltklasse". Etwas später gönnen wir uns in einem Gasthaus jeder ein Radler. Die Wirtschaft ist klein und dunkel, der Stammtisch jedoch voll Männern mit Sitzfleisch - wir trinken unser Bier daher auf den Stufen des Kneipeneingangs in der Sonne.

Den geplanten Abstecher ins tschechische Schwaderbach (Bublava) beenden wir an den Grenzschildern, da uns das "Personal" vor dem einzeln stehenden Haus gleich hinter der Grenze suspekt erscheint. Folglich kehren wir wieder um und passieren auf dem blau gekennzeichneten Wanderweg den Klingenthaler Ortsteil Sachsenberg-Georgenthal. An der Kirche verfehlen wir jedoch den Abzweig Richtung Großschanze und hängen somit den Zipfel über den Königsplatz an unsere Tour an.

IMG_20150409_170333Kopie_von_DSC08935Vogtland-Arena Klingenthal              Schneckenstein

Dazu kommt noch eine kleine Ehrenrunde durch Brunndöbra, ehe wir die 2006 eröffnete und 30.000 Zuschauer fassende Vogtland-Arena erreichen. Durch den gegenüberliegenden Wald kämpfen wir uns nun durch verschlammte Waldwege zum Schneckenstein (883 m). Dort bietet sich uns noch einmal eine phantastische Sicht, die wir bei je einem Snickers und etwas zu Trinken genießen.

Kopie_von_DSC08936DSC08937Der Holzeinschlag hinterläßt nun mal so seine Spuren (Vollernter John Deere 1470 D).

Auf dem weiteren Weg zwischen der Bebauung Schneckenstein und Tannenbergsthal sind die Wanderwege wieder stark vom Holzeinschlag gezeichnet. Die durch den Schnee gesäuberten Schuhe nehmen nun wieder ordentlich Dreck auf und das Tempo leidet unter dem ständigen Pfützengespringe zusätzlich.

Kopie_von_DSC08940Kopieren__2_von_DSC08944Kirche in Tannenbergsthal                Klingenthaler Straße zwischen Jägersgrün und Rautenkranz.

Ab Tannenbergsthal werden die Wanderwege wieder besser laufbar - der Schnee ist hier schon länger der milden Temperatur gewichen und somit ist der Rest der Tour über Jägersgrün nach Rautenkranz ein Genuß, auch wenn es viel an Straßen entlang geht. Kurz vor dem Einbiegen in unseren Zielort treffen wir wieder auf die Radiumquelle, an der wir zu Beginn unserer Runde auf den Pyratalweg abgebogen sind. Dort erfrischen wir uns noch kurz, bevor ich Glückwunsch-Telefonat Nummer (???) entgegennehme ...

Kopie_von_DSC08945Kopie_von_DSC08947Zurück in Morgenröthe-Rautenkranz.                          Kirche in Rautenkranz

Full Review William Hill www.wbetting.co.uk