Waldwiese

33. Küchwaldlauf Chemnitz 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

12.04.2015 - 10:00 Uhr - 10 km / 80 Hm+ / 80 Hm-

Kopie_von_DSC08953Start der Laufsaison in Chemnitz: traditionell mit dem Rundendrehen auf der Eisbahn und im Küchwald.

Mit dem Küchwaldlauf beginnt nicht nur die Chemnitzer Laufsaison, sondern in diesem Jahr auch mein persönlicher Einstieg ins Wettkampfgeschehen, wenn man mal vom Leipziger Wintermarathon absieht, der ja durch den "Gruppenzwang" so eine Art "betreutes Laufen" darstellt und deshalb immer nur als "lockerer" Trainingslauf abgehandelt wird. Im Küchwald dagegen gehen die Uhren anders, nämlich schneller! Da gibt es keine Ausreden für zu langsames Eintrudeln im Ziel!

Aus diesem Grund wurde unter Federführung von Jens Mende der Zweckverband "JMJM" ins Leben gerufen. Einerseits sollte diese wöchentliche Trainingseinheit für Jens eine Küchwald-Zielzeit von unter einer Stunde garantieren, andererseits sollte es mir nach dem "verkackten" Wintermarathon aufzeigen, daß es noch schwächere Probanden gibt und ich daher nicht mit aller Macht nach Höherem streben müsse. So verging das erste Quartal (die Trainingsrunde wurde mittlerweile mit Bruno ergänzt) ohne großartige Leistungsschübe meinerseits und ich hatte den Eindruck, daß Jens' Leistung ebenfalls stagniert. Das interne Ziel U60 für den Fast-M60-Läufer schien zu wackeln!

Der Tag der Wahrheit rückte nun immer näher und das große "Muffensausen" begann. Mit einer verbindlichen Teilnahmeverpflichtung hielt ich mich bewußt bedeckt, obwohl Jens Klarheit zu diesem Thema forderte. Soll er doch allein sein Desaster "ausbaden"! Ich hatte keinen Bock mich irgendwelcher Wettkampfhärte zu stellen und bot Jens einen Kuhhandel an, bei dem ich mich auf der sicheren Seite fühlte. Wenn er am Sonnabend zu Martins Fußballspiel gegen Aue kommt, bin ich tagsdarauf im Küchwald dabei. Und da Jens noch nie in dieser Saison als Zuschauer an der Beyerstraße gesehen wurde, war der Küchwaldlauf für mich ad acta gelegt.

Kopie_von_IMG-20150412-WA000Kopie_von_DSC08950Anspannung nicht nur unter dem Hemd: Trainingsgruppe JMJM (Joggen mit Jens Mende). Rechts: Willy.

Der Sonnabend bietet Kaiserwetter vom Feinsten, demzufolge findet sich Jens auch, entgegen meiner Erwartung, auf dem Sportplatz ein und besticht fortan mit messerscharfen Analysen zum Spielgeschehen.  Das Ergebnis des Kicks wird hier allerdings unter Verschluß gehalten, da es nicht dem wahren sportlichen Kräfteverhältnis zwischen der Sportstadt Chemnitz und der Stadt an der Zwickauer Mulde entspricht.

Mir bleibt nun keine andere Wahl, ich muß mich Sonntagmorgen aus den Federn schälen und den Wettkampf annehmen. Gegen 8:15 Uhr verlasse ich (zu Fuß) das Haus Richtung Schloßchemnitz. Eine halbe Stunde später werde ich im Stadtpark von der Mende'schen Fahrradtroika eingesammelt. Sie sollen mich gleich mit anmelden, da es bei mir mit der Zeit zu knapp wird. Als ich jedoch 9:10 Uhr (nach 11 Kilometern in 55 Minuten) am Eisstadion nach meinen "Nachmeldern" suche, kann ich sie im Getümmel nicht finden und entschließe mich daher, selbst eine Startnummer zu kaufen.

Für 9 Euro (3+3+3) erhalte ich beim 33. Küchwaldlauf die Nummer 333! Das verpflichtet zwar für eine Zeit von 33:33, welche im besten Fall noch den 3. Platz beschert - so die Empfehlungen. Die Realität sieht wesentlich trister aus. Zwar hab' ich der Radstaffel um Jens und Willy Mende im "Anstieg" zum Eissportkomplex ein paar Minuten abgenommen, was von ihnen auch staunend honoriert wird, jedoch habe ich noch keinen richtigen Zeitplan für den Lauf.

Jens mit seinem Gefasel von "unter einer Stunde" fällt für mich schon mal weg, heute ist er voll auf sich allein gestellt. Heute kann er zeigen, was von unseren Laufübungen hängen geblieben ist - ich will es jedenfalls gar nicht sehen. Da bliebe noch Willy. Ein Viereinhalb-Minuten-Tempo könne er gerade so mitgehen und ich bin froh, einen Laufpartner für die zwei Küchwaldrunden gefunden zu haben.

Leicht verwundert registriere ich dabei zwar seine offensive Startaufstellung auf der Außenbahn in zweiter Reihe und seine Empfehlung, danach auf die Innenbahn zu stoßen. Gedanken mache ich mir erst, als es in die zweite Stadionrunde geht. Weit unter vier Minuten - nein, nicht mit mir! Ich lasse mich dezent in meinen Leistungsbereich zurückfallen und bin nach den drei Runden auf dem Eisoval beim Einlauf in den Park dann auch in meinem "Wohlfühlbereich" angekommen.

Kopie_von_DSC08963Kopie_von_DSC08968Die ersten Drei der Gesamtwertung.              Willy (noch) vor der Gesamtsiegerin der Frauen.

Ute ist heute mal nicht im Wettkampfmodus, sie ist eine halbe Stunde nach mir, ebenfalls zu Fuß, zum Küchwald aufgebrochen und beschränkt sich heute aufs Fotografieren und Anfeuern (?). Wobei ich in der zweiten Runde meine Rundum-Anfeuerung in persona Tino Hünig vom "Laufgott" an die Seite gestellt bekomme. Er war am Vortag Landesmeister im Halbmarathon in der Altersklasse und in den Mannschaftswertungen Männer und Senioren geworden und lauert mich nun am Ausgang des Eisstadions im Dickicht auf, da er heute keinen weiteren Wettkampf laufen will.

Von nun an ist es für mich mit der "ruhigen Kugel" vorbei! Jetzt gibt es Dampf! Der Außenstehende vermutet sicherlich einen "Drill Instructor", der sein Opfer gerade maximal runderneuert oder einen Kampf um Platz eins oder zwei. Und damit Tino nicht nur zu nörgeln hat, befolge ich den einen oder anderen (laut vorgetragenen) Rat von ihm auch. Es hilft sogar - in seinem "Schlepptau" kann ich ab und zu ein paar Plätze gut machen. Ein Widersprechen minimiert sich von Kilometer zu Kilometer, da sich plötzlich vergessen geglaubte Probleme im Bewegungsapparat auftun. Ja, das kenne ich noch von früher, als ich mich noch quälen konnte! Lange ist es her und nun brauche ich schon einen Motivator dafür.

Kopie_von_DSC08994Kopie_von_DSC08977Mit Tino (als Antreiber) wird Runde 2 zur Tortur!         ... kraftvoller geschmeidiger Antritt von Jens.

Am Stadioneingang verläßt Tino mich mit den letzten gut gemeinten Tips wieder, denn die "Gefahr von hinten" ist für eine entspannte Zielankunft gebannt. Als Gesamt-60. nehme ich die Zielmedaille und den Obstbeutel mit Urkunde entgegen. Meine Zeit erfahre ich erst später aus der Ergebnisliste - mit 43:33 Minuten zwar mein absoluter Minusrekord, aber die drei Dreien waren die Anstrengung im zweiten Teil wert! Nun heißt es Warten auf Jens. Als 158. im Gesamtklassement überquert er glücklich und zufrieden die Ziellinie. Seine Zeit pulverisiert seine persönliche Vorgabe um über zehn Minuten! Ein Vierteljahr voller Entbehrungen und zielgerichtetem Lauftraining bringen den erwünschten Erfolg: 49:25 Minuten!

Kopie_von_DSC09012Kopieren__2_von_IMG-20150412-WA001Beim 33. Küchwaldlauf erreicht die Startnummer 333 nach 43:33 Minuten das Ziel.

Auch wenn so ein Meilenstein von sportlichem Erfolg schon bald wieder Schall und Rauch ist, dieser Moment der inneren Zufriedenheit wird heute ausgiebig bei einem Kasten Bier genossen. Und so kommt es, daß der LV Limbach (auch wenn wir heute, wegen eventueller Regreßforderungen seitens des Vereins, wegen unseres sportlichen Zustandes, unter der Vereinsbezeichnung "Chemnitz" angetreten sind) mal wieder das "Schlußlicht" bei einer Laufveranstaltung darstellt.

Während die anderen Teilnehmer sicherlich daheim schon die dritte Portion Klöße mit Rouladen vertilgen, lassen wir noch ordentlich Luft in die letzten bereitgestellten Bierflaschen. Gegen 13 Uhr müssen wir das Feld dann doch räumen, da hier eine "besenreine" Übergabe des Eissportkomplexes durch den veranstaltenden Postsportverein stattfindet.

Mit Jens als Radbegleiter machen wir uns nun heimwärts durch Küchwald, Schönherrpark und Stadtpark. Um eine Laufauswertung kommen wir dabei nicht herum und so erfahren Ute und ich noch taktische Details zu Jens' Rekordlauf (von dem allerdings niemand, außer uns, Notiz genommen hat). Mit 26 bzw. 35 zurückgelegten Kilometern beenden wir unsere heutigen "Laufeinheiten". Jens kann dagegen "nur" 10 Kilometer notieren - diese hatten es aber in sich!

Kopie_von_DSC09011Kopie_von_IMG_20150412_122825Wolfgang gewinnt die Altersklasse 75.                        So wie früher: stets die "letzten Gäste"!

Vielleicht hat Jens, aufgrund seines Paukenschlages, Blut geleckt? Vielleicht mimt er in diesem Jahr seine große Auferstehung, denn es steckt noch jede Menge Potential in diesem Kerl! Ich konnte heute nur froh sein, daß sich Tino bei seiner "Motivationsarbeit" für mich und nicht für Jens entschieden hat. Wer weiß, welch' packendes Fotofinish es sonst zwischen uns beiden gegeben hätte?


Ergebnis Männer:   244 Teilnehmer

1. Heisch, Philipp (SG Adelsberg) - 1. M30 - 34:38 min
2. Khales, Tarik (Chemnitz) - 1. M20 - 35:18 min
3. Flegel, Christian (SG Adelsberg) - 2. M20 - 35:28 min
4. Seidel, Stefan (SG Adelsberg) - 3. M20 - 36:30 min
5. Kirmse, Andre (Laufen gegen Leiden) - 1. M40 - 36:51 min
6. Bleimeier, Uwe (Chemnitzer LV Megware) - 1. M35 - 37:05 min

37. Mende, William (Chemnitz) - 6. M30 - 41:38 min
58. Delling, Thomas (Chemnitz) - 4. M40 - 43:33 min
140. Mende, Jens (Chemnitz) - 14. M50 - 49:25 min

Ergebnis Frauen:   69 Teilnehmerinnen

1. Rodriguez Pérez, Ana (LAC Erdgas Chemnitz) - 1. W20 - 40:17 min
2. Schmidt, Cathleen (Chemnitzer LV Megware) - 2. W20 - 41:59 min
3. Gründler, Anne (SG Adelsberg) - 3. W20 - 43:57 min
4. Hölzel, Kristin (Die nach dem Weg fragen) - 1. W30 - 44:23 min
5. Küttner, Franziska (Lauf KulTour) - 4. W20 - 46:45 min
6. Never, Vivien (SG Adelsberg) - 1. W35 - 46:52 min



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