Waldwiese

6. Lauf "Rund um Chemnitz" 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

25.04.2015 - 8:06 Uhr - 61,6 km / 1.035 Hm+ / 1.035 Hm- (kein Wettkampf)

Kopie_von_ruc2015Mein heutiger Sprung an die Spitze der "Rund um Chemnitz"-Statistik (Szene: unterhalb Totenstein).

Es gibt in der Geschichte der Chemnitz-Umrundung gerademal drei Personen, welche alle bisherigen fünf Veranstaltungen zu Fuß in Angriff nahmen: die beiden Organisatoren Tilo und Siggi sowie der Autor dieses Artikels. Jedoch nur Siggi und ich haben auch alle (möglichen) Kilometer und Höhenmeter absolviert. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann einer von uns beiden schwächelt und dem anderen somit den Weg zum alleinigen Herrscher der "Ruhmeshalle des RUC" ebnet ...

Im fünften Jahr des Bestehens des Gruppenlaufes "Rund um Chemnitz" hat sich zwangsläufig auch jede Menge Statistikmaterial aufgetürmt - eine lückenlose Erfassung der Teilnehmerdaten, ebenso die Zwischenergebnisse der Bergsprintwertung in Heinersdorf, sowie die komplette Übersicht auf die zurückgelegten Kilometer. Bei den ersten beiden Austragungen 2010 und 2011 wurde zudem noch der "Gesamtsieger" ermittelt. Damit wurde jedoch das Konzept des angedachten Gruppenlaufes ad absurdum geführt, da jeder siegambitionierte Teilnehmer ab der Verpflegungsstation Adelsbergturm sein schnellstmögliches Tempo zum Besten gab. Ein langgezogener Zieleinlauf und zweimal der selbe "Sieger". Das konnte beim besten Willen der Veranstaltung nicht gut tun - die Organisation zog dementsprechend die Reißleine und ein gemeinsamer Zieleinlauf des gesamten Teilnehmerfeldes ist nun zwingend vorgeschrieben.

Warum jedoch die legendäre "Finisher-Banane" für jeden Zielankömmling abgeschafft wurde, ist nicht hinreichend belegt. Fakt ist jedoch, daß Bananen als Zwischenmahlzeit bei der Chemnitz-Umrundung einen ganz schweren Stand genießen und regelrecht "marktschreierisch" von den VP-Mädels unters Laufvolk gebracht werden müssen. Sei's drum! Es hat sich in den letzten fünf Jahren einiges geändert und doch ist der Lauf "Rund um Chemnitz" im Gesamtpaket ein Erfolg (und Erlebnis) geblieben! Es gab kleine Veränderungen an der Streckenführung (Wittgensdorf, Röhrsdorf, Rabenstein, Kleinolbersdorf und Euba), der Start- und Zielbereich wechselte (vom IFA-Sportplatz zum "Jungborn"), ebenso die Ausgabe des Mittagsessens (von der mittlerweile geschlossenen "Leuchtmooshütte" zur "Totenstein-Alm"). Neuerdings kann man seine Sympathie zur Veranstaltung mit dem Tragen eines entsprechenden Laufhemdes bekunden und es gibt seit 2013 Startnummern sowie einen exklusiven Stempel für eine erfolgreiche Zielankunft.

Für die diesjährige Auflage wurde der Anmeldebeginn auf den 2. Januar 2015 (Wittgensdorfer Zeit) festgelegt, um einen "Ausverkauf" der Startplatzkarten innerhalb eines Tages zu vermeiden. So war es nach der 2013er Runde gekommen, als am Tag nach dem Lauf die Anmeldung öffnete und sich jeder (im Überschwang des Erlebten) für 2014 sofort wieder anmeldete. Für eventuelle "Neukunden" war somit die Chance am läuferischen Durchstreifen der Chemnitzer Peripherie teilzunehmen, faktisch auf Null gesunken. Zwar regelten danach diverse Rückzieher diese Situation, mit der zeitlich distanzierten Einschreibephase 2015 sollte dies jedoch von vorn herein in Grenzen gehalten werden.

An jenem Freitag, der für viele noch arbeitsfrei ist, wird vielerorts der Rechner deshalb schon zeitig am Morgen hochgefahren, um danach erstaunt festzustellen, daß bereits 8 Uhr fünf Personen (aus dem Dunstkreis des Burgstädter Laufvereins) ihre (niedrige) Startnummer gebucht haben. Dabei stand eine Person gleich doppelt in der Liste. Wie ein Gewitter an einem sonnigen Sommertag zerstört diese Tatsache die "heile Welt" rund um diese bisher sooo "blütenreine" Veranstaltung! Etwa Vetternwirtschaft? Gar Korruption? Die PR-Abteilung des RUC hat danach keine ruhige Minute und hat alle Hände voll zu tun. Es dauert nicht lang und die "dunklen Wolken" über dem "Ponyhof" können mit viel Überzeugungsarbeit in bester juristischer Manier vertrieben werden - wir sind ja auch alle soooo gutgläubig!

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Weniger Startnummern als im Vorjahr ... ... trotzdem ein ganz schöner Pulk!

Die Organisatoren geben sich danach erstaunlich handzahm und das Vertrauen, seitens der Interessenten, in die Veranstaltung wächst wieder. Bis zu deren Beginn fließt noch ausreichend Wasser den Kappelbach hinunter und Mitte April ist alles vergessen. Diese Rechnung um Mathematik-Krösus Siggi geht voll auf und die Vorfreude auf den "läuferischen Jahreshöhepunkt" steigt, nicht nur bei mir, von Tag zu Tag. Meinen Rückenschmerzen vom vorherigen Wochenende wird mit physiotherapeutischer Behandlung erfolgreich entgegengewirkt und so bleibt noch die Hoffnung auf einen wettermäßig akzeptablen Tag.

Mit 12°C schon am frühen Morgen müssen wir uns heute wieder auf eine der "wärmeren" Chemnitz-Runden einstellen. Der ausgeschriebene Startzeitpunkt von 8 Uhr verzögert sich gering, aber das gehört mittlerweile zum guten Ton - ebenso die Führungsarbeit einer dreiköpfigen Frauengruppe, die (erwartungsgemäß) an der ersten Weggablung nach rund 300 Metern die falsche Richtung einschlägt. Das erhöht natürlich den "Gute-Laune-Faktor" der gehässigen männlichen Verfolgertruppe, die es an einigen "kritischen" Punkten im Zeisigwald und der darauffolgenden Kleingartensparte mit (irreführenden) Zwischenrufen weiter versucht, Unsicherheit in die weibliche Streckenfindung zu streuen.

Es gibt aber auch die "guten Seiten" in der gut 20-köpfigen Läufer- mit Begleitradlertruppe. Obwohl die Körper von den kräftezehrenden ersten Kilometern schon arg gezeichnet sind und die erste Verpflegungsstelle (in Hilbersdorf am "Schnellen Markt") quasi in Sichtweite ist, wird die stark vom sonnabendlichen Einkaufsverkehr frequentierte Frankenberger Straße vorbildlich an einer Lichtsignalanlage (hieß früher "Ampel") überquert - natürlich erst, nachdem sie auf "grün" geschaltet hat. Man weiß allerdings nicht, wie der Mob reagiert hätte, wenn nicht dieser ca. fünfjährige Junge an dem Übergang gestanden hätte. Hätte man sich dann auch im allgemeinen Futterwahn an der Stelle ausbremsen können?

Bevor es also in den Ebersdorfer Wald geht, kreisen die Trinkbecher in der Runde und lautes Geschmatze vertreibt die letzten Wildschweine im nahen Gebüsch. Der weitere Weg ist also frei von störendem Kleinstgetier und zusätzlich noch sehr gut markiert. Organisator Siggi hatte sich hier einmal in der Wegewahl geirrt, was ihm nun jedes Mal auch wieder vorgehalten wird. Damit seiner Orientierungsschwäche etwas auf die Sprünge geholfen werden kann und das ständige Aufwärmen von allzu menschlichen Fehlern ein Ende hat, haben vorausschauend agierende Waldarbeiter einem sog. Hochstubben der Marke Rotbuche die RUC-Initialen ins Holz geschnitzt - allerdings in rund vier Metern Höhe, was eine gewisse Sehschärfe voraussetzt. 

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Malerisch ... Strommast inklusive! Nicht die einzige Ungereimtheit beim "Heinersdorfer Bergsprint".

Es folgt die Etappe durch die Ebersdorfer Flur, hier beginnt beim ambitionierten Läufer das Kribbeln im Gebein, denn nach der nächsten Verpflegungsstelle in Draisdorf steht der gefürchtete "Heinersdorfer Bergsprint" auf der Tagesordnung. Es ist keine normale Rast, die nun unweit der Heinersdorfer Kläranlage abgehalten wird. Die jetzt etwas reißen wollen, essen hier (fast) nichts und trinken noch weniger! Sie unterhalten sich in Wortfetzen und beäugen stattdessen intensiv die Konkurrenz, studieren deren Fitnesszustand und wägen ihre Chance ab. Doch heute geschieht Unglaubliches! Während stets die rund 400 Meter lange Gerade eine gewisse "Vorsortierung" des Feldes (durch leicht steigendes Tempo) vornahm und der Bergsprint wirklich erst am Fuße des Anstiegs begann, zieht der spätere "Sieger" bereits am VP "volles Ballett" los!

Zehn Meter hat er durch diese ungewöhnliche Taktik zwischen sich und seine Mitstreiter gebracht. Unmöglich diesem jungen Hüpfer nun Paroli zu bieten. Ich befinde mich an zweiter Position im dreiköpfigen Verfolgerfeld. Durch Parolen, geprägt vom tiefsten Zweckpessimismus, versuche ich nun zumindest meinen Vordermann auszubremsen. Boykott! Streik! Nicht mit uns! ... Wir laufen trotzdem Sören hinterher und müssen neidvoll diese deftige Niederlage schlucken - Sven wird Zweiter, Gunter kommt auf der undankbaren Vier am Heusteig an. Es brodelt! Ein falsches Wort und ... ich lege Protest ein! Ja, ich bin so einer, der sportliche Niederlagen nicht immer akzeptiert! Wofür gibt es denn Sportgerichte? Mein Bergsprint-Hattrick 2010-12 war sauber. Sörens Dreifachsieg 2013-15 hat zumindest einen unsportlichen Anstrich, obwohl er es sicherlich auch mit fairen Mitteln geschafft hätte.

Natürlich dauert es nun eine ganze Weile, bis sich das übrige Teilnehmerfeld oben im Zielbereich versammelt - genügend Zeit um die Wogen halbwegs zu glätten. Hier sind nähmlich ein paar Personen (oder doch nur eine?) ganz schön sauer und das lassen sie Sören auch wissen. Da aber Handgreiflichkeiten ausbleiben und es den Rest des Feldes sowieso nicht interessiert, was da eben an der Heinersdorfer "Alpe d'Huez" passierte, trotten alle weiterhin friedlich nebeneinanderher auf dem Kornweg Richtung Wittgensdorf. Vielleicht macht ja Siggi sein Versprechen wahr und findet in seinem Rechenlabor doch noch eine dieser kryptischen Umrechnungsformeln, die die Reihenfolge im Zieleinlauf noch einmal kräftig durcheinanderwirbelt. Ein Gewichts- oder Altershandicap in die Zeitdifferenz einzubauen, würde da schon einiges bewirken!

Bis zur nächsten Verpflegung bei Kilometer 18 ist das "heiße" Thema dann endgültig abgehakt. Wir passieren noch den grooooßen Einkaufspark namens "Chemnitz Center", der ehemals zur beschaulichen Gemeinde Röhrsdorf gehörte, bevor wir unsere eigene Versorgung in Anspruch nehmen können. Röhrsdorf wurde übrigens 1999 vorsorglich von Chemnitz eingemeindet, weil der überdimensionierte Einkaufspark für die kleine Gemeinde den Stadtoberen viel zu groß erschien. Solch' tolle Gesten gibt es heutzutage nur noch selten - höchstens am mobilen Imbiß der offiziellen Chemnitz-Runde. Da wird stets von ganzem Herzen gegeben. Selbst die ehemalige DDR-Bückware "Banane" kommt hier in großer Stückzahl mit auf den Präsentationstisch - zumindest habe ich sie an den ersten beiden VP's gar nicht wahrgenommen. Die bescheidene Zurückhaltung der Läufer gegenüber diesem rein pflanzlichen Produkt bedarf intensiver Überredungskunst von Simone, Kathrin und Heike.

Ob es auf dem weiteren Weg hinüber nach Rottluff und weiter zu den Felsendomen Rabenstein (unserer nächsten Nahrungsaufnahmemöglichkeit) irgendwelche Besonderheiten gibt, vermag ich nicht zu beurteilen, denn seit 10:30 Uhr bin ich via Funktelefon im "Liveticker" von Martins Fußballspiel gegen Stahl Riesa dabei. Dabei sein bedeutet (für mich) dann auch "dabei sein"! Sonst bin ich der Verantwortliche, der die Spielinformationen an die daheimgebliebenen Eltern und Sympathisanten weiterleitet - heute bin ich auf diesen Service angewiesen. Daher bin ich meist nur mit "Kopf unten" und dem starren Blick auf Display und Wegbeschaffenheit unterwegs. Felsendome, Halbzeit - 3:0! Da kann ich beruhigt am Eßtisch Platz nehmen. Die zweite Halbzeit hinüber zum Totenstein verläuft dann, aufgrund dieses Resultates, für mich wesentlich entspannter. Auf 6:0 wird an der Beyerstraße noch erhöht, während wir die Ausblicke von Hoppberg und Viadukt auf die Stadt Chemnitz genießen. 

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Eiligen Schrittes dem Mittagessen entgegen! Verdauungsspaziergang auf den Josefa-Turm.

Nach rund 28 Kilometern ist schon wieder Pause und zwar die "Große" am Totenstein. Dort gibt es die obligatorischen Teigwarenteller für die gesamte Teilnehmerschar und die ersten, mit Hopfen angereicherten Wässerchen für die wahren "Genußläufer". Rund eine Stunde Aufenthalt ist hier Usus - u.a. Zeit für die Besteigung des 30 Meter hohen Maria-Josefa-Turmes. Der war im Juli 2013 "über Nacht" für den Publikumsverkehr gesperrt worden, "weil eine der Stützen schadhaft" war. Mittlerweile scheint sie ja wieder voll funktionsfähig zu sein, denn der Zugang ist jedermann möglich. Nur mit der Fernsicht (von oben) hapert es heute.

Für 12:50 Uhr ist die Fortsetzung des Laufes angesetzt, so steht es zumindest im offiziellen Reiseführer von Tilo und Siggi. Noch ein Dank an die Wirtsleute der "Totenstein-Alm" für ihre Bemühungen und schon schlängelt sich der Mob hinab nach Grüna. Der Weg ist "steiler" als üblich und schon nach wenigen Metern liegt der erste flach! Natürlich einer der zwei Neueinsteiger (welche nur die sog. Chemnitzer Südhalbkugel laufen) - hat sich wohl nicht richtig warm gemacht? ... und schon passiert's! Man kann es ja nicht oft genug herunterpredigen, daß eine ordnungsgemäße Erwärmung zum Sport dazu gehört. Die "Nordic Walker" machen es doch über Jahre hinweg erfolgreich vor, da hat man auch noch nie etwas von Stürzen, Muskelrissen, Knochenbrüchen oder ähnlichem gehört.

Unterhalb des Naturfreundehauses "Dachsbaude" passieren wir die Stelle, an der uns im Vorjahr RUC-Urgestein Jens in Empfang nahm. Er war das Lehrbeispiel des "Unvollendeten" der ersten beiden Chemnitz-Umrundungen. Jens war für dieses Ereignis immer in seiner bestmöglichen sportlichen Verfassung - die großen Titel blieben ihm jedoch verwehrt: Zweiter beim Bergsprint und nur Vize beim Zieleinlauf! Diesmal wartet er nicht mit dem Rad auf uns, wir halten jedoch an jenem historisch bedeutvollen Weidezaunpfahl für kurze Zeit inne. Vielleicht ist er ja heute bei der Konkurrenz, beim KKH-Lauf im Stadtpark? Dort, wo ein gewisser Dieter Baumann (als Zugpferd) die knapp 2.000 Teilnehmer über die Gefahren des unkontrollierten Zähneputzens informieren wird und das Funktionshemd der Veranstaltung im Startpreis inbegriffen ist. Jens ist ein Fuchs, er weiß, wo man sich am besten in Szene setzt und das ist nun mal nicht der "Rund um Chemnitz"-Lauf, wo er sich erfahrungsgemäß mit dem ersten Verliererplatz schmücken müßte. "Leider hat uns diese terminliche Überschneidung mit dem Krankenkassenlauf gut und gerne einige hundert Teilnehmer gekostet.", so wird es hinterher in der Pressemitteilung von Tilo und Siggi zu lesen sein und Jens ist zumindest ein Teil dieser Verschwörungstheorie!

Danach ist es wie im Vorjahr. Ich laufe mit Siggi und zwei weiteren Läufern dem Feld (mit kontrollierendem Blick) durch Grüna hinterher. Die 2014er Szene vom Simmel-Parkplatz stets in Erinnerung, beobachten wir, ob es nach den angekündigten Gegenmaßnahmen wieder zu Streckenabkürzungen kommt oder ob sich ein laut geäußerter Gedanke über Disqualifikation und Ausschluß vom Lauf beim Volk durchsetzt. Es hilft, es gibt keine Anzeichen von getätigten Abkürzungen und somit ist der innere Frieden gewahrt!

Kopie_von_DSC09086Kopie_von_DSC09093Kompetente Betreuung und Beratung in Sachen "leistungsfördernde Zwischenmahlzeiten".

Freudestrahlend nähern wir uns dem "Wiesengrund", der traditionsreichen Grünaer Fußball-Spielstätte. Siggi fordert von mir mal wieder historische Details zum dortigen Ballsport, da entdecke ich auf dem Ansetzungsplakat das für Sonntag angeschriebene Aufeinandertreffen des FSV Grüna-Mittelbach mit der Spielvereinigung Viktoria 03 Einsiedel. Dort habe ich von 1982 bis 2004 mal einen Spielerpaß gehabt, daher habe ich den Verein als "Ehemaliger" noch immer gut im Blick, wohingegen "Viktorianer" René (im vorderen Teil des Feldes laufend) vom angekündigten Duell der einstigen Erstligisten keine Notiz nimmt. Während einst der SV Grüna 12 zwei Spielzeiten als Gauligist erstklassig war (1937/38 und 1944/45), konnte der Sportverein Viktoria 03 nur eine (kurze, weil abgebrochene) Saison Erstligaluft schnuppern (1944/45). Zu einem direkten Aufeinandertreffen der beiden personell arg geschundenen Vereine kam es in dieser letzten Spielzeit jedoch nicht, da Einsiedel in der "Sächsischen Kriegsklasse, Abteilung Chemnitz - Staffel A" mit der SG Ordnungspolizei Chemnitz (dem legendären Polizeisportverein), dem BC Hartha, der Kriegsspielgemeinschaft Mittweida (Vereinigung von SV Germania 1897 und MBC/FC 1899), dem Turnverein Erfenschlag und dem FC Preußen Chemnitz die Vorrunde um die "regionale Kriegsmeisterschaft" austrug und mit 14:69 Toren und 6:14 Punkten den 5. Platz belegte. Grüna hatte es damals in der Staffel B mit dem CBC (Chemnitzer Ballspielclub), dem SC Limbach, dem SV 01 Chemnitz (VfB Chemnitz), dem Döbelner SC 1902 und Germania Schönau zu tun. Die Endplazierung der Wiesengrund-Elf ist mir leider nicht bekannt. Dafür kann ich Siggi noch die 37/38er Gauliga-Daten der Grünaer benennen: mit 25:76 Toren und 5:31 Punkten gelang ihnen nicht ein Sieg. Es gab fünf Unentschieden daheim gegen den späteren Gaumeister BC Hartha (3:3), den Dresdner SC (2:2), den Planitzer SC (2:2) und die SpVgg. Leipzig-Lindenau (3:3), sowie auswärts beim VfB Leipzig (1:1). Ja, das waren damals allesamt "Erstligisten" - Grüna in der folgenden Saison logischerweise nicht mehr!

Kurz darauf erreicht mich dann noch (passend zum Thema) die Meldung, daß Brunos Elf gegen eine Spielgemeinschaft der Gleichaltrigen aus Grüna, Mittelbach und Reichenbrand nach einer 3:1-Führung noch 3:6 verloren hat - ärgerlich!

Die Streckenlängen zwischen den ausgeschriebenen Versorgungspunkten belaufen sich, hier im Westen von Chemnitz, auf rund fünf Kilometer - eine Distanz, die man gerade so noch ohne Nachschub überbrücken kann. Dann gilt es jedoch zuzuschlagen: Cola, Iso, Apfelschorle, Tee, Kaffee und Wasser; dazu vier verschiedene Kuchensorten, Salzgebäck, Schokoriegel und Rosinen. Ach ja, Bananen natürlich auch noch! Gerüchte besagen, daß es schwer wird, hier gewichtsmäßig mit der "schwarzen Null" 'rauszukommen. Es ist fast wie "All inclusive", nur die persönlichen Trinkbecher müssen dann noch selbst (!!) aufgewaschen werden, bevor sie in die Transportkiste für den nächsten VP einsortiert werden.

Auf dem Weg von Mittelbach nach Stelzendorf zieht sich das Feld nicht ganz so weit auseinander, wie man es von den vorherigen Läufen gewohnt war. Es bilden sich zwei "Leistungsgruppen", die zeitlich trotzdem eng beieinander liegen. Einer kommt jedoch etwas verspätet an der Luthereiche oberhalb Stelzendorfs an: es ist Organisator Siggi. Er hat Probleme mit dem rechten Bein - ein "Ordnungsgong" vom Göltzschtalmarathon, wo Siggi mit den "falschen" Schuhen gelaufen war. Will er mir hier "kampflos" (durch Ausscheiden und Beenden des RUC im Auto) den Kilometer-Rekord der Chemnitz-Runde überlassen?

Kopie_von_DSC09088Kopie_von_DSC09089Trotz "Physio to go": Der Anfang von Siggis "Ende".    Die "Schlucht der ewigen Gefahr".

Aber da ist ja noch René - mit ihm habe ich nicht umsonst jahrelang die Schulbank geteilt. Jetzt ist er Physiotherapeut. Ein kurzer Blick meinerseits genügt und er weiß, was er jetzt zu tun hat. Fachmännisch setzt er unter den staunenden Blicken der anderen die ersten Griffe in Siggis Bein. Das es die völlig falschen sind, fällt niemanden auf. Warum auch? Es ist ja kein weiterer Krankengymnast dabei! Auch Siggi wähnt sich kurz darauf wieder im Reich der Läufer - der 800-Meter-Läufer, um genau zu sein. Denn nach 800 Metern muß mein ärgster Konkurrent dann doch ins Auto steigen. Der Weg für mich ist also frei und ich werde mich bei René dafür noch erkenntlich zeigen. 

Jetzt gilt es, die Schritte bewußt und ohne Fehler auf den Asphalt zu setzen. Ich kann es nur noch selbst vermasseln! Nach dem Heckert-Wohngebiet geht es hinunter nach Klaffenbach, zur "Brücke des Todes", welche über die "Schlucht der ewigen Gefahr" führt. Hier gilt es, besonders behände die schon seit Jahren baufällige Bachquerung zu nehmen. Kein Problem für den angehenden Rekordhalter und dessen Jagd nach dem Lorbeerkranz geht unvermindert weiter.

An der Würschnitz in Harthau gibt es die nächsten Nahrungsmittel - Zwischenstopp an der Holzbrücke. Ein paar langsamere Läufer entscheiden sich hier für ein früheres Aufbrechen, um etwas Vorsprung zu erarbeiten. Derweil muß ein weiterer Kanditat vom Laufschritt an der frischen Luft auf die Sitzposition im beengten Wagen umsatteln.

Der Anstieg durch die Alte Harth ist lang und beschwerlich, deshalb zerfällt hier das Teilnehmerfeld total. Allein oder in Zweiergruppe kämpft man sich zum Aussichtspunkt "Pappel", dem "Olymp" von Einsiedel. Hier fanden in grauer Vorzeit schon sportliche Wettkämpfe statt. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrtausends traf sich hier die Einsiedler Jugend, um im berauschten Zustand ihre Sieger im Kugelstoßen oder Speerwurf zu ermitteln. Laufveranstaltungen gab es damals noch nicht! Heutzutage beschränkt sich der Nachwuchs dann eher auf den Rückbau von unnützen Wegweisern am Scheitelpunkt von Würschnitz- und Zwönitztal.

Kopie_von_DSC09102Kopie_von_DSC09104Zwischen "Pappel" und "Angst 'n Bang".                     Wassertreten und Kaffeetrinken in einem.

Im Zwönitztal angelangt, wird das Kneippbecken im Einsiedler Niederwald angesteuert. Hier gibt es neben der therapeutischen Form der Wasserplanscherei (denn niemand der Gruppe führt die Kneipp'schen Wassertretregeln korrekt aus!) auch noch die reich gedeckte Kaffeetafel mit Kuchen abzuarbeiten. Wer sich jedoch nicht vorschriftsmäßig im Wasserbecken bewegte, bekommt im endlos langen Anstieg zur Zschopauer Straße die Quittung für dieses Fehlverhalten. Mit Erfrierungen an den Unterschenkeln läuft es sich nun mal verdammt schlecht und so siecht und kriecht die Truppe nun mehr schlecht als recht nach oben. Ein paar wohldosierte Regentropfen verschaffen dabei ein angenehmeres Gefühl in der bisher recht trockenen Luft.

Danach wird es wieder bequemer und nur leicht profiliert wird der höchste natürliche Punkt der Strecke anvisiert, der 508,4 Meter hohe Adelsberg. Dort ist die letzte Verpflegungsstelle der Tour auf dem etwas tiefergelegenen Parkplatz aufgebaut, denn dort ist die Luft nicht so dünn, wie oben am Gipfel. Während sich alle Teilnehmer hier die finale Stärkung geben, muß Tilo eine Entscheidung für die Streckenwahl der letzten rund sechs Kilometer treffen - Radweg Euba oder Naturschutzgebiet Eibsee?

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Chemnitz - "Stadt der Mode(rne)" und ehem. Textilindustriehochburg: geflammte Optik der Laufhemden als innovative Begleiterscheinung der Chemnitz-Umrundung.

Seine Entscheidung fällt auf letztgenannte Variante. Sie ist nicht so monoton, wie der asphaltierte Radweg und hat einige schöne kleine Pfade zu bieten, welche jedoch unseren beiden Begleitradlern Petra und Harry etwas zu schaffen machen. Zudem verläuft der Kurs auch mal im Nichts und dann geht es eben zwangsläufig durchs Gestrüpp und nicht zurück. Von 1930 bis 1992 wurde dieses Gebiet militärisch als Standortübungsplatz genutzt, davon ist heutzutage kaum noch etwas zu erkennen.

Am Ortsschild von Chemnitz sammeln wir uns bei genau 60 absolvierten Kilometern und der Zieleinlauf durch den Zeisigwald beginnt. In der amtlichen Bekanntmachung ist der Gruppenlauf "Rund um Chemnitz" mit 61,3 Kilometern angegeben. Und genau an jenem geodätischen Punkt wartet der lauffaule (?) Siggi auf uns gut gelaunte Läuferschar. "Links ins Ziel, rechts in die zweite Runde!", so seine kurze Ansage. Jetzt gibt es trotz "Zieleinlauf" eine Sonderschicht von rund 350 Metern, denn am Gasthaus "Jungborn" zeigt mein Chronometer 61,65 Kilometer an (und da sind die Stufen hoch zum Josefa-Turm gar nicht mit erfaßt).

Stefan aus Berlin hatte die Ausschreibung ganz genau gelesen und sich infolgedessen nur auf die veranschlagte Streckenlänge vorbereitet. Er drohte den Organisatoren deshalb mit juristischem Ungemach. Bleibt zu hoffen, daß die vielbeschäftigte Rechtsabteilung des RUC diese Klage abschmettern kann, damit auch im nächsten Jahr diese Veranstaltung wieder stattfindet. Wobei eine genaue Streckenvermessung einzufordern wäre. Vielleicht zieht Stefan ja auch seine Beschwerde zurück, da die Veranstalter für die 2016er Ausgabe bereits Zugeständnisse in Sachen "Bereitstellung des persönlichen Lieblingskuchens" gemacht haben.

Kopie_von_DSC09114Kopie_von_DSC09121Noch diese kleine Hucke hoch, damit die Schnitzelchen im "Jungborn" auch munden.

Der Abend klingt gemütlich in der Gartenkneipe "Jungborn" beim Genuß von tellergroßen Schnitzeln, verdünnt mit Henkeltöpfen voller Gerstensaft aus. Und ganz nebenbei steht noch eine Krönung ins Haus. Der Titelträger des "ARUCK", des "Aktuellen Rund-um-Chemnitz-Königs" wird zähneknirschend von Siggi verkündet: es ist der Teilnehmer, der bisher alle 366 Kilometer der Veranstaltung zurückgelegt hat. Seine Kinder haben urplötzlich einen König als Vater und Physiotherapeut René einen gutbezahlten Posten als Medikus am Hofe des neuen Herrschers.

Kopie_von_IMG_20150426_191200_editDa verblasst selbst Ute's grüne PTL-Finisher-Weste (re.): der Glanz der Krönung zum "ARUCK"!

Ehrentafel "Rund um Chemnitz" - Männer:

1. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 6 Teilnahmen - 366 km
2. Kozlik, Tilo (Chemnitz) - 6 Teilnahmen - 347 km
3. Beyer, Siegfried (Burgstädter LV) - 6 Teilnahmen - 343 km

Ehrentafel "Rund um Chemnitz" - Frauen:

1. Pella, Juliane (SG Adelsberg) - 5 Teilnahmen - 305 km
1. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 5 Teilnahmen - 305 km (+ 61 km Rad)
1. Spillecke, Antje (LAC Erdgas Chemnitz) - 5 Teilnahmen - 305 km

Ehrentafel "Heinersdorfer Bergsprint":

2010   Delling, Thomas (LV Limbach 2000)
2011   Delling, Thomas (LV Limbach 2000)
2012   Delling, Thomas (LV Limbach 2000)
2013   Schramm, Sören (Chemnitzer LV Megware)
2014   Schramm, Sören (Chemnitzer LV Megware)
2015   Schramm, Sören (Chemnitzer LV Megware)

Ehrentafel "Vorbildliches Kollektiv der Pausenversorgung":

Beyer, Simone (Wittgensdorf)
Kozlik, Kathrin (Chemnitz)
Hennig, Heike (Chemnitz)

Bilder "Rund um Chemnitz"

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