Waldwiese

43. GutsMuths-Rennsteiglauf 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

09.05.2015 - 6:00 Uhr - 72,7 km / 1.817 Hm+ / 1.329 Hm-

IMG_20150509_054342 IMG_20150508_161021

"Wer in der Welt was auf sich hält, der läuft von Eisenach nach Schmiedefeld!"

Es ist wieder einmal so weit. Der Rennsteig ruft und wir müssen notgedrungen hin! Da gibt es dann auch keine Ausreden in Form von Untrainiertheit, körperlichen Gebrechen, Übergewicht oder Unlust. Der Lauf von Eisenach nach Schmiedefeld ist nun mal eine der "lästigen" Pflichten des Jahres, der man nachzukommen hat - eine Kultveranstaltung, die ihresgleichen sucht.  

Unser erster Rennsteiglauf-Anlaufpunkt ist in diesem Jahr das Zielgelände in Schmiedefeld. Das "Schmiedefeld am Rennsteig" natürlich und nicht sein Namensvetter ohne Zusatz, in ca. 40 Kilometern Entfernung. Dort waren wir im Anreisestreß auch schon mal vor ein paar Jahren gelandet. Diesmal geht jedoch alles glatt und wir können am späten Nachmittag auf dem Schmiedefelder Wochenend-Campingplatz mit den Burgstädtern Siggi und Frank, dem Holländer Sven und Tilo, dem Vertragsarbeiter aus Thüringen mit Chemnitzer Wurzeln, die erste Trainingseinheit für den Festzeltbesuch am Sonnabend einläuten. 

Station Nummer zwei ist Eisenach - dort gibt es u.a. die Startnummern. Erster Kritikpunkt sind allerdings die im Rumpeldeutsch verfassten Hinweisschilder mit Aufschriften wie "org.-Büro" oder "Org. Büro". Sicherlich fällt so etwas heutzutage nicht gleich ins Auge - in meinen E-Mails im Spamverdacht bedient man sich jedoch ähnlichem Unfug, indem die "SPARKASE GMBH" nachts 0:43 Uhr wichtige Informationen zu meinen Kontodaten abfragt. Färbt diese Betrugsmasche jetzt also auch schon auf den Rennsteiglauf ab? Wir folgen trotzdem brav diesen Schildern, wie ich auch stets die Verlinkungen der E-Mails weiterverfolge. Und siehe da - alles richtig gemacht! Wir erreichen unbeschadet das "org.-Büro", welches unsere Startnummern in gewohnter Optik bereithält. Zur Erinnerung: im Vorjahr gab es im Halbdunkel der frühmorgendlichen Nachmeldung nur handgeschriebene Zahlen auf schwarz-weiß kopiertem Untergrund. Als wir dies bemerkten, waren die Türen des Nachmeldebüros fest verrammelt und die Täter über alle Berge.

IMG_20150508_184733 DSC09130

Die Startnummer immer schön in gleicher Höhe präsentieren ... auch zehn Stunden später am Start.

Dieser Ärger ist jedoch längst verflogen. Mit den Starterbeuteln nehmen wir nun Kurs Richtung Marktplatz. Dort, wo am nächsten Morgen der Start erfolgt, werden heute Abend die Teilnehmer noch mit Thüringer Klößen, Rotkraut und Gulasch abgefüttert. Außerdem besteht die Möglichkeit mit Bier nachzuspülen. Ein willkommener "Schlummertrunk", bevor wir unterhalb der Wartburg unser Schlafgemach aufsuchen. Dort ist kurz nach 22 Uhr Zapfenstreich, denn nur sechs Stunden später wird uns der Wecker wieder aus den Federn heben.

IMG_20150508_185516 zzzzP1020983-1

Kloßparty am Freitag: Überquellende Teller ...            ... und halbvolle Henkeltöpfe!

Der Speiseraum in der alten Villa ist ab 4:30 Uhr geöffnet. Das Frühstück ist reichlich und so füllen wir uns mit Eiern, Kaffee oder Tee, sowie Wurst- und Honigbrötchen auf, wohlwissend, daß es heute noch mehrere kleine Stehimbisse geben wird. Gegen 5:20 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Start. Es sind rund zwei Kilometer bis zum Marktplatz. Wir beobachten unterwegs, wie ein paar Supermarathonis in ein Taxi steigen. Sind wir etwa so spät dran? Natürlich nicht, denn wir sehen sie auch wieder aussteigen - vielleicht 800 Meter von ihrem Zustiegsort entfernt. Das hat sich doch mal richtig gelohnt - für die Langstreckenläufer und für den Taxifahrer (sonnabends früh halb sechs) erst recht!

Im Gewühl der hunderten Schaulustigen und offiziell 2.211 Starter des Supermarathons treffen wir auf Gunter, Siggi, Tilo, Frank und Sven. Wir flachsen noch ein wenig herum, was die sportlichen Ziele am heutigen Tage betrifft. Das Ute und ich heute (in Sachen ambitionierter Wettkampf) "ernst" machen wollen, glaubt dabei keiner so recht. Erst als ich die einlaminierten Zettelchen mit den Durchgangszeiten unserer jeweils drei besten Rennsteiglaufergebnisse präsentiere, wechseln die Gesichtsausdrücke in staunend-zustimmende Nickerei. Wir überlassen heute nichts dem Zufall - auch wenn im sog. "Roadbook", dem "Kleinen Wanderheft" von 1959, dieser Abschnitt auf dem Kamm des Thüringer Waldes mit drei Tagen veranschlagt ist, berufen wir uns doch lieber auf unsere einst erzielten Zeiten. Ute hat die Splits der Zielzeiten von 7:40, 7:54 und 8:13 Stunden bei sich, ich habe mir die heute unrealistisch erscheinenden Zwischenzeiten von meinen 6:32er, 6:34er und 6:45er Ergebnissen eingepackt.

Der Hubschrauber kreist kurz vor sechs wie gewohnt über dem Eisenacher Marktplatz. Im Startblock vor mir steht Roger vom Einsiedler Skiverein. Wir unterhalten uns nur kurz, denn nach dem sechsmaligen Läuten der Glocken wird heruntergezählt.

Dann gehts los! Zuerst nur im Wanderschritt, dann etwas schneller und das Lückenspringen beginnt. Natürlich nicht zu flink, da mir sonst ein "ungemütlicher Vormittag" droht. So hatte es Wewe in seiner letzten Grußbotschaft an uns Rennsteigläufer vermittelt. Bei Ute und Siggi sollen nur die Knochen ihren Dienst verrichten, um Sören und Tilo mache er sich derweil "keine Sorgen" und Yvonne bekommt ein "Toi, toi, toi" mit auf den Weg. Er wünscht uns allen einen "guten Lauf", also keinen "Spaß", wie es in der "Spaßgesellschaft" gang und gäbe ist. Auf den Unsinn dieser Floskel (Soll ich etwa permanente Lachkrämpfe bei einem Wettkampf haben?) hinweisend, konnte ich beim gestrigen Bier Siggi erfolgreich auf meine erzkonservative Seite ziehen. Berichtete er mir doch noch vor dem Start von einem skandalösen Vorfall beim Frühstück in seiner Pension. Da hat doch wirklich ein Läufer "Viel Spaß beim Lauf!" gewünscht! Siggis Reaktion war richtigerweise ungläubiges Kopfschütteln sowie ein energisch vorgetragenes "Viel Erfolg!". Für Spaß ist schließlich nach dem Zieleinlauf noch genügend Zeit.

DSC09125 DSC09193

Rennsteiglauf-Hinweisschilder "im Spamverdacht".        Unverzichtbar: das Rennsteig-Roadbook.

Dementsprechend bierernst nehme ich (in Wewe's vorgeschriebenen moderaten Tempo) den Anstieg zum Burschenschaftsdenkmal. Spaß haben die wenigsten Teilnehmer, zumindest nicht hier, wo man sportlich ambitioniert zur Sache geht. Am Ende des Feldes sieht das schon wieder ganz anders aus - da geht es nicht um Bestzeiten, da geht es um ein Ankommen im Zeitlimit von 12 Stunden und um "viel Spaß" auf der Strecke. Letztlich ist es jedem selbst überlassen, wie er seinen Lauf gestaltet. Ich will heute unter sieben Stunden ankommen, da ist für Spaß definitiv kein Platz! Punkt! Aus!

Die ersten siebeneinhalb Kilometer bis zum Einbiegen auf den Rennsteig liege ich nur minimal über dem vorgegebenen Schnitt. Der mit Kinesioband zugekleisterte Rücken muckert nicht und die Beine fühlen sich gut an - ich bin also guter Dinge. An den ersten beiden Verpflegungen am Waldsportplatz (km 6,9) und Ascherbrück (km 12,6) habe ich mir nur einen Becher Wasser, zum ins Gesicht gießen, genommen. Warum kurz darauf jedoch Zweifel am selbstgesteckten Ziel aufkommen, weiß ich nicht? Ich hinke (bei Kilometer 15) zwar meinem Zeitplan gering hinterher, habe mich aber kräftemäßig noch nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Nach 17 Kilometern überholt mich der Skilanglauf-Weltmeister a.D., Axel Teichmann. Er ist locker unterwegs und ich kann mich so noch zwei Kilometer in seinem Windschatten schonen. Im Vorjahr kam er erst nach 27 Kilometern und blieb am Ende knapp unter sieben Stunden. Sind es diese Fakten, die mich jetzt mürbe machen? Auf einmal schmerzt auch der Rücken und ich werde automatisch langsamer. Gute Nacht, hochgestecktes Ziel!

Es bliebe ja noch die Möglichkeit, auf Ute an einer Verpflegungsstation zu warten, um danach den Rest der Strecke gemeinsam zu bestreiten. Jetzt fehlen mir allerdings die Informationen zu Utes Fitneßzustand. Bin ich ihr dann ein Klotz am Bein, weil es bei ihr richtig gut läuft oder endet es mit einem Wandertag, weil bei ihr nichts geht?

An der Glasbachwiese (km 18), wo früher eine Zeitmeßmatte lag, hatte ich mit einer Stunde und 36 Minuten schon zehn Minuten Rückstand auf meine Zettel-Vorgaben. Mal sehen, was da auf dem Großen Inselsberg (km 25,5 / 913 m üNN) die Uhr für mich bereit hält? Es zieht sich ewig bis ich Gewißheit habe und der Schock sitzt tief - 2:26 Stunden, also 20 Minuten mehr als damals! Selbst im vorigen Jahr war ich vier Minuten "schneller" und es endete mit katastrophalen 7:25 Stunden Laufzeit in Schmiedefeld. Da der steile Abstieg hinab zur Grenzwiese (km 26,9) keine großartige Verbesserung der Zeit in Aussicht hält und der Rücken im Bergab immer mehr schmerzt, steht meine Entscheidung fest: Ich werde an der Ebertswiese (km 37,5) den Unfug beenden und auf Ute warten. Was soll ich mich hier auf Teufel komm' raus für eine letztendlich inakzeptable Zielzeit schinden? Und dann kommt Ute (wie beim Spreewald-Marathon) ein paar Minuten nach mir im Ziel an. Vielleicht auch ein paar Minuten vor mir ...

rsl2015c rsl2015d

Mit wohldosiertem Schritt zur Ebertswiese, damit die Wartezeit auf Ute nicht zu lang wird.

Also wird kontrolliert die Maschinerie heruntergefahren. Wobei dafür nicht allzuviel Dampf abgelassen werden muß - hab' ja sowieso fast gestanden, zumindest kam es mir so vor. Ich nutze die Verpflegungspunkte jetzt etwas intensiver und verfalle immer mehr in eine Art Wandertempo.

Nach dem Versorgungspunkt Possenröder Kreuz (km 33,6) überhole ich dann Petra. Sie ist heute "wandernd" auf dem Rennsteig unterwegs und wollte nach uns (Teilnehmern von "Rund um Chemnitz") gezielt Ausschau halten. Ein paar Fotos und ein kurzer Dialog folgen. Ich erzähle ihr dabei meine Geschichte und falls sie von Ute noch überholt wird, soll sie ihr sagen, daß ich an der Ebertswiese auf sie warte.

Ich habe es wirklich nicht eilig. War ich beim Anstieg zum Inselsberg noch 317. (von einem Passanten gezählt), geben die offiziellen Zeitnehmer bei meinem Überlaufen der Meßmatte bei Kilometer 37,5 eine 500 an den Sprecher weiter. Ich "stürze" mich umgehend auf das breitgefächerte Buffet an den verschiedenen Ständen. Jetzt gönne ich mir auch den Luxus, von dem so manch' Rennsteigläufer schwärmt. Der leckere Haferschleim ist mir dabei ja geläufig, aber Wiener habe ich hier noch nie getestet. Dazu das große Getränkeangebot - es verkürzt die Wartezeit auf Ute ungemein. Auch wenn ich mir zwischendurch von den Sanitätern eine Decke holen muß (um nicht auszukühlen) und Petra (zeitlich) ein ganzes Stück vor Ute die Ebertswiese erreicht, habe ich jetzt doch so einen klitzekleinen Funken "Spaß" an der Freßorgie - (noch) nicht am Wettkampf!

Ein Grauen wird dagegen das Weiterlaufen werden, denn der Magen hat mittlerweile seine Füllgrenze erreicht und die von ihm noch geforderte sportliche Aktivität wird darunter zu leiden haben. So kommt es dann auch, als wir zeitgleich mit Roger vom Skiverein und Torsten, mit dem wir zusammen den JUNUT und den PTL bestritten haben, den großen Verpflegungsposten verlassen. Es geht erstmal etwas bergan - Zeit um wieder Tritt zu fassen und ein paar kurze Gespräche mit ihnen zu führen. Danach läuft Utes Bewegungsapparat wieder an und ich ziehe nach - und siehe da: es geht wieder! Das Tempo ist natürlich etwas verhaltener und dadurch wesentlich angenehmer.

zzzzP1030038-1Rennsteigtypisches Begleitgrün.

Der nächste Getränkepunkt (Neue Ausspanne - km 40,8) ist nicht allzu weit und wieder gebe ich mir das "volle Programm". Sicherlich ist es nicht förderlich, wenn es einen danach kilometerlang aufstößt und das Verlangen, die Büsche aufzusuchen, wächst. Es gehört aber zu diesen vielzitierten "Rennsteig-Erlebnisläufen", von denen ich nun auch mal einen zelebriere. Ins Gebüsch muß zudem nur Ute! Das kostet Zeit und schwer erkämpfte Plätze, aber wir haben ja noch genügend Strecke, dies wieder gerade zu rücken. Den Marathon passieren wir gemeinsam nach 4:33 Stunden und so langsam mache ich mir um unsere Zielzeit erste zarte Gedanken.

Bisher haben Utes Zettel-Zwischenzeiten minutengenau gestimmt. Wir müßten also auf eine Zeit unter acht Stunden orientieren, auch wenn ein Zwischenergebnis von ihr nur die 8:13er Zielzeit des Vorjahres brachte. Also rechne ich wieder alle möglichen Varianten durch. Ute mag es vielleicht gar nicht gern hören, aber wir können ja erstmal dranbleiben, obwohl wir immer noch "knapp" über der Acht liegen. Den 50. Kilometer haben wir nach 5:28 Stunden in der Tasche - es ist demzufolge eng, zumal noch zwei kleinere und der langgezogene Anstieg zu Plänckners Aussicht (974 m üNN) folgen. Aufgrund der unangenehmen "Magenverstimmungen" will ich zudem mal eine der Verpflegungen auslassen, damit ich während des Laufens nicht ständig dieses Rumpeln im Bauch habe. Es gelingt mir nicht, da an der Getränkestelle "Gustav-Freitag-Stein" (km 51,2) zusätzlich Bier im Angebot ist. Ich gönne mir daher einen Becher, während sich Ute mit Jörg aus Grüna unterhält. Er sieht nicht gut aus und will eventuell am Grenzadler aussteigen.

zzzzP1030104-1Kilometer 54,7 - Grenzadler: alles neu, nur die Aussteigmöglichkeit (mit Wertung) ist erhalten geblieben.

Kurz darauf treffen wir zudem auf Roger. Bei ihm lief es wieder besser und so schloß er zu uns auf. Nur im "bergab" kann er dann nicht mehr mithalten und so verabreden wir uns zum Mahl an der "Ausstiegsmöglichkeit" Grenzadler (km 54,7). Dort sieht, im Vergleich zu den Vorjahren, alles anders aus und durch die Umbauten ist daher eine kleine Streckenverlegung notwendig. Nach 5 Stunden und 56 Minuten überqueren wir hier die Zeitmeßmatte. Auf meinem Zettel sind für diesen Punkt Zeiten von 4:41 und 4:49 Stunden notiert. Ich weiß das jedoch zu gut, um mich vergewissern zu müssen. Jetzt zählt nur noch Utes "Zeitplan" und der steuert weiterhin auf die 8 Stunden und 13 Minuten für Schmiedefeld hin - minutengenau! Unser Vorsprung auf Roger ist an der Verpflegung trotzdem schon zu groß, so daß wir uns schon wieder aus dem Staub machen, bevor er im anrückenden Feld die nun moderne Labestelle erreicht.

Eine kleine Hucke ist es nun noch bis zur Sommerswiese (km 58,4). Danach zieht es sich ewig bis hinauf zum Großen Beerberg (980 m üNN) mit dem höchsten Punkt der Strecke - Plänckners Aussicht.

Da ich heute zum ersten Mal mit GPS-Aufzeichnung am Arm startete, fielen mir die manchmal etwas ungenau gestellten Kilometer-Schilder stärker auf, als ich es sonst nur vom Hörensagen kannte. Besonders groß werden die Unterschiede aber erst gegen Ende der Tour. So steht das 60-km-Schild einen Kilometer zu zeitig und wirft somit meine gesamte Rechnerei über den Haufen. Sicherlich sind Abweichungen auf solchen Distanzen normal und der Lauf verändert ja auch nur minimal seine althergebrachte Streckenführung, mich bringt diese Differenz allerdings kurz aus der persönlichen Zielzeitplanung.

Trotz aller Rechnerei mit zweierlei Maß, gelingt es uns, die Schmücke (km 64) nach 7:04 Stunden zu erreichen. Wir haben den Plan von Ute um ganze zehn Minuten gestrafft und steuern nun ihre 7:54er Zielzeit an. Jetzt kommen die langgezogenen Bergab-Passagen - Utes Spezialität! Wir nehmen also ordentlich Fahrt auf, die Uhr pendelt sich nun "unter 5 Minuten" ein - sogar bis 4:08 oder 4:15 geht der Schnitt auf manchem Streckenabschnitt 'runter. Das macht richtig Spaß! Obwohl es so etwas im Wettkampf bei mir ja nicht gibt - aber ständig zu Überholen, das hat schon etwas.

Jetzt bin ich mir sicher, die "Sieben" steht! Kleine Zweifel kommen nur noch auf, als nach 69 Kilometern erst das 68er Schild am Baum prangt. Dieser eine Kilometer "Rückstand" nimmt bis zum Ziel nun nicht mehr ab und so wird die Uhr in Schmiedefeld 73,79 Kilometer anzeigen. Am letzten VP der Strecke, nach offiziell 68,2 Kilometern (Kreuzwege), gönne ich mir noch zwei Becher Schwarzbier, während Ute schon weiterläuft. Daher benötige ich schon eine kleine, ungewollte Tempoeinheit, um zu ihr aufzulaufen.

zzzzP1030133-1 zzzzP1030137-1

Nur noch 1,7 Kilometer!                                   Zielgasse: Marathon links, Supermarathon rechts.

Gemeinsam gehen wir nun die verbleibenden drei/vier Kilometer an. Bei Ute ist jedoch der Dampf 'raus und ich muß ganz schön motivierend eingreifen, damit wir nicht die gewonnenen Minuten und Plätze wieder viel zu schnell hergeben. Es ist müßig, aber wir kommen dem Ziel immer näher und irgendwie schaffen wir es Hand in Hand auf die Zielgerade. Ich finde diese Ankunft, trotz meiner "Verspätung", wie immer genial. Nur Ute kann das heute nicht so recht genießen, sie hat mit sich zu kämpfen. Kurz vor der Zielmatte werden wir zwar noch überspurtet, aber das ist uns nun auch egal - für Ute gibt es mit 7:55:33 Stunden die drittbeste Rennsteiglaufzeit. Ich liege erwartungsgemäß (durch die Nettozeit) hinter ihr, da ich in Eisenach etwas eher über die Startlinie gelaufen bin. Das bringt mich nun wieder einmal in Erklärnot, da Ute (wie von mir im Vorfeld orakelt) die bessere Zeit von uns zweien auf der Urkunde stehen hat.

IMG_20150509_180908 IMG_20150509_193844

Während im Festzelt die Post abgeht ...                      ... herrscht "dicke Luft" über Schmiedefeld.

Danach lassen wir es langsam ausklingen. Alles spielt sich nun im Zeitlupentempo ab, aber nicht, weil nichts mehr geht, sondern weil wir uns mal keinen Druck machen. Überall lauern Gesprächspartner und so dauert es, bis wir zum "Lager" der Burgstädter auf dem Campingplatz hoch über Schmiedefeld stoßen. Dort folgt die Laufauswertung mit all' seinen Höhen und Tiefen bei Flaschenbier und Plastebechersekt. Die Fortsetzung folgt danach im Festzelt. Unsere benötigten Tisch- und Sitzgarnituren organisieren wir uns aus einem Nachbarzelt, da alle Plätze (wie immer) schon belegt sind.

Die Szenerie im Zelt braucht man hier nicht näher erläutern, denn die dürfte hinreichend bekannt sein. Gegen 22 Uhr haben die Knochen ihre Ersatzbewegung weg und wir machen uns auf nach Eisenach.

Ergebnis Supermarathon - Männer:   1.719 im Ziel

1. Jurkschat, Wolf (GutsMuths-Rennsteiglaufverein) - 1. M40 - 5:41:45 h
2. Lynas, Matthew (GutsMuths- Rennsteiglaufverein) - 1. M45 - 5:43:44 h
3. Blasbichler, Josef (SG Eisacktal - ITA/Südtirol) - 2. M45 - 5:44:58 h
4. Biehl, Marcus (TuS Eintracht Bielefeld) - 3. M45 - 5:45:51 h
5. Bärtschi, Ruedi (Adelboden - SUI) - 1. M50 - 5:47:05 h
6. Kranixfeld, Hannes (MSC Rogner Bad Blumau - AUT) - 2. M40 - 5:48:57 h

500. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 95. M40 - 7:55:40 h

Ergebnis Supermarathon - Frauen:   361 im Ziel

1. Hempel, Kristin (KS Sportsworld) - 1. W30 - 6:16:50 h
2. Ahrendts-Konold, Silke (LT Herbrechtingen) - 1. W45 - 6:26:23 h
3. Giesen, Britta (Laufwerk Hamburg) - 1. W40 - 6:33:25 h
4. Josten, Bianca (---) - 2. W30 - 6:44:01 h
5. Beckmann, Angela (TV Weiher) - 2. W40 - 6:47:47 h
6. Schichtl, Kathrin (Asics Frontrunner - AUT) - 3. W30 - 6:52:49 h

50. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 9. W50 - 7:55:33 h

 

10.05.2015 - 7:30 Uhr - Wartburg Skyrace - 1,48 km / 155 Hm+ / 2 Hm-

Die Nacht ist kurz und die Beine schreien des Morgens regelrecht nach Bewegung. Getreu dem Motto "Nach dem Wettkampf ist nicht vor dem Wettkampf, sondern da steht die Kür ins Haus!" ist für den Sonntag der gemeinsame Lauf zur Wartburg angesetzt - so als gemütliches Ausklingen des Wochenendurlaubes. Wenn, ja wenn es da nicht vor zwei Wochen diese Disbalance beim "Heinersdorfer Bergsprint" gegeben hätte. Daher wurde im Vorfeld der sonntäglichen Aktivität schon gemunkelt, daß das Organisatorengespann des "Rund um Chemnitz"-Laufes nun im thüringischen Eisenach mit einer ähnlich gelagerten Kraftmeierei diese Ungereimtheiten vom Tisch haben wolle und kurzerhand einen "Ersatzwettbewerb" veranstaltet.

DSC09160 DSC09161

Warum gerade diese beiden hier "Station" machen?    ... danach zerfällt das Feld in vier Teile!

Es gibt also so eine Art "Sternmarsch" zum Fuße der Wartburg. Dummerweise ist unser Quartier nur rund 500 Meter vom Treffpunkt entfernt. Siggi und Tilo können sich dagegen auf der vierfachen Distanz zur Wartburgallee "warmlaufen" ... Um es etwas abzukürzen: Ja, es ergab sich eine wettkampfähnliche Situation an den bewaldeten Hängen der Wartburg - erst gemeinsamer Trab im moderaten Tempo bis zur Eselstation und dann jeder für sich "als gäbe es kein Morgen mehr". Es gab auch einen souveränen Sieger, der es sich leisten konnte, seine (sich redlich mühenden) Verfolger beim Sturm auf die Veste noch zu fotografieren. Die Legende berichtet da allerdings von dringend benötigten Ruhepausen für seine schmerzenden Beine, welche er mit dem Ablichten der Konkurrenz nur überspielen wollte. "Nur" 14 Minuten und 38 Sekunden nach dem Start schlug er am (noch verschlossenen) Eichenholztor der Burg an ...

DSC09169 DSC09166

Die Wartburg und ihre frühmorgendlichen Bezwinger.

Nach dem obligatorischen Burgrundgang mit Stempeleintrag ins Buch verflüchtigen wir uns wieder ins Tal, denn ab 9 Uhr wird in der Pension das Frühstück serviert. Ute und ich besetzten kurz darauf die letzten zwei freien Stühle im Eßraum der Villa, neben acht Personen mit Supermarathonhintergrund (erkennbar an den Finisher-Shirts). Sie haben später beim Aufstehen deutlich erkennbare Defizite in ihren Bewegungen. Liegt dies nun am zu vielen Essen oder an mangelnder Bewegung? Wir haben unsere Pranzer-Hemden eben zur Wartburg ausgeführt und da bestimmt eine bessere Figur abgegeben!

Full Review William Hill www.wbetting.co.uk