Waldwiese

21. Steinberglauf in Erfenschlag 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

05.06.2015 - 18:30 Uhr - 10,287 km / 265 Hm+ / 265 Hm-

Kopie_von_sbl2015Eine Runde: 3.603 m / 90 Hm+, zwei Runden: 6.945 m / 178 Hm+ und drei Runden: 10.287 m / 265 Hm+.

Der Erfenschlager Steinberglauf ist so eine Art stiefmütterlich behandelter Geheimtip in Läuferkreisen. Er kommt mit wenig Werbung und kaum Medienpräsenz aus. Sein Ableben wird stets für das folgende Jahr vorhergesagt oder vermutet und trotzdem findet er immer wieder statt. Wer es gern etwas familiär mag, der ist beim Klassiker im Chemnitzer Süden Stammgast und belebt so die Veranstaltung von Jahr zu Jahr neu.

Die persönlichen Vorzeichen für die Pflichtveranstaltung stehen jedoch nicht gut, hab' ich mir doch am vorangegangenen Wochenende aus Holland eine Erkältung mitgebracht. Martin weilte dort zu einem internationalen Fußballturnier in Den Helder und ich war dabei als Zuschauer schutzlos dem rauhen Nordseeklima ausgesetzt. Zusätzlich nutzte ich dort die spielfreie Zeit bis zur sonnabendlichen Bierentschlackungskur für eine erste läuferische Standortbestimmung nach dem 48-Stundenlauf von Gols. Diese fiel nicht gerade befriedigend aus, weil auf meiner knapp 32-Kilometer-Runde nur ein 5:29er Schnitt auf der Uhr stand. Die höchste dabei erklommene Bergspitze wurde mit 11 Metern über Seehöhe erfaßt und der wellige Kurs hatte insgesamt nur 150 Höhenmeter zu bieten. Was sollte da nur sechs Tage später (zielzeitmäßig) beim Steinberglauf werden?

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Martin mit dem VfB gegen West Brom Albion 0:2. Den Helder - Callantsoog und zurück: 2:53 Std.

Ich benötigte also dringend ein Alibi, denn jeder Läufer hat eine Entschuldigung parat, wenn es um etwas geht und er aber nicht so recht kann oder will. So z.B. Wewe, da hat sein Verein schleunigst eine Art Gegenveranstaltung (Stundenpaarlauf) ins Leben gerufen, um ihn vor den Strapazen in Erfenschlag zu schützen. Auch Jens hat sein biblisches Alter vorgeschoben, um nicht im direkten Duell die drei Runden absolvieren zu müssen - zwei würden es schließlich auch tun. Zwar habe ich Ute fälschlicherweise für die 10,287 Kilometer angemeldet, statt für die, für sie üblichen 6.945 Meter. Sie radelt aber am nächsten Tag mit Lauffreunden die rund 150 Kilometer von Limbach zum Fichtelberg und zurück. Deshalb will sie nur gaaanz pomalo laufen und ein gemeinsamer Wettkampf mit ihr ist mir daher zu langsam. Martin läuft wie immer nur eine Runde, daher klappt es auch mit ihm nicht. Bruno läuft zwar zwei Runden und dann, wie krieg ich dann die dritte Runde noch tot? Etwa Besenläufer machen, wie Ute vorige Woche beim Limbacher Marktlauf? Da hätte ich wenigstens die Kilometerschilder aufstellen müssen, die ich dann in dieser letzten Runde hätte einsammeln und mitbringen können.

Das wird aber alles nichts, da ich zwischen der Streckenmarkierung am späten Nachmittag und dem geplanten Schilderstellen kurz vor dem Wettkampf einfach zu viel Zeit verquatscht habe. Als letzte Hoffnung bleibt nun nur noch Jens. Er ist noch nicht gemeldet und die Vorstellung von Ute und mir besteht darin, ihn für drei Runden umstimmen zu können, die wir dann zu dritt im allgemeinen Wohlfühltempo zurücklegen. Dieser Optimismus wird jedoch zerschlagen, als er in Zivil mit dem Rad am Erfenschlager Sportlerheim eintrudelt.

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Sonne satt und 28°C am Steinberg. Ungeduld im Startblock.

Ein verheerender Fitnesszustand würde es ihm nicht ermöglichen unserem Laufschritt zu folgen, schon gar nicht in Runde drei. Zum Glück bietet sich René zum lockeren Lauf an. Mit ihm habe ich jahrelang die Schulbank geteilt und im Nachwuchsbereich die Fußballplätze des Kreises oder Bezirkes zertreten. Er ist von Klaffenbach zu Fuß angereist und nun bereit mir krankenpflegerische Hilfsstellung beim Laufen zu geben.

Insgesamt 111 Teilnehmer verzeichnet der diesjährige Steinberglauf, deshalb ist der Startbereich auch eng zugestellt. Wir suchen uns unsere Plätze im hinteren Drittel, von wo aus auch Bruno, Martin und Ute starten. Eine kurze Ansprache vom Vereinsvorsitzenden zu den Streckenbesonderheiten folgt, ehe der Lauf eröffnet wird. Zäh zieht sich nun der Pulk am Sportplatz vorbei auf die Straße hinab ins Tal. In sehr moderatem Tempo trabe ich mit René zum tiefsten Punkt der Runde. Hinauf zum ehem. Freibad werden die Zügel etwas gestrafft und wir arbeiten uns im Feld etwas nach vorn.

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Klare Anweisungen auf der Strecke. Roter Pfeil: Fichtelberg-Staffellauf.

So ca. bei Kilometer 1,1 (oberhalb der Kleingärten und des Bades) habe ich bei meiner Streckenmarkierungsrunde am Nachmittag eine Kreuzotter entdeckt. Ehe ich jedoch meine Standbildkamera fürs Beweisfoto gezückt hatte, war sie durchs Unterholz entwischt. Ich hinterlasse daher ein Schlangenzeichen auf dem Weg, dazu stelle ich eine (dort gefundene) leere Schnapsflasche ab. Jetzt beim flotten Vorbeilaufen fehlt mir allerdings die Luft, um meinem Hase diese mysteriöse Symbolik zu erläutern.

Auf dem langgezogenen Waldweg folgen ein paar (von schwerer Forsttechnik) aufgewühlte Abschnitte, sonst präsentiert sich die Runde in einem einwandfreien Zustand - nahezu "bestenlistentauglich"! Gut, der knackige Anstieg zum Feld nimmt etwas Fahrt heraus, aber das kann man auf der gegenüberliegenden Seite des Schusterberges (429 m üNN) wieder egalisieren. Ich muß heute zum Glück keine persönliche Steinberglauf-Bestleistung (bisher 44:38 Minuten aus dem Jahr 2011) abliefern, bin ja schließlich noch rekonvaleszent.

Die erste Runde verläuft bei mir noch relativ entspannt. Gemeinsam nehmen wir beim Rundendurchlauf das angebotene Wasser zum Normalisieren des staubtrockenen Halses. Der Duft gebratener Schnitzel, der uns etwas unterhalb der Getränkestelle in Runde eins empfing, ist mittlerweile gewichen. Hat sich etwa Jens dieser delikaten Sache angenommen? Nein, denn er wartet oben am Berg auf die geschundenen Seelen, um sie abzulichten und mit markigen Sprüchen zuzutexten.

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Bruno bei seinem 10. Steinberglauf ... ... Martin ist das neunte Mal dabei.

Die dritte Schleife vergeht ohne besondere Vorkommnisse, außer der Tatsache, daß René (wie schon in der zweiten Runde) oben am Steinberg Stehversuche unternehmen muß, damit ich wieder auf seine Höhe komme. Der Rest wird dann kontrolliert zu Ende gebracht, natürlich mit einer nochmaligen Erfrischung 150 Meter vorm Ziel, welches wir dann gemeinsam durchlaufen. Mit 53 Minuten und 28 Sekunden meine zweitschlechteste Zeit bei meiner neunten Teilnahme - das ist heute jedoch zweitrangig, da ich im Anstieg doch meine körperliche Schwächung noch deutlich spürte.

Kaum habe ich den ersten Trinkbecher am Hals, kommt auch schon Ute ins Ziel geschwebt - nach gerade einmal 55:04 Minuten. Sie ärgert sich, daß sie für ihre Verhältnisse viel zu schnell unterwegs war und ich ärgere mich darüber, daß man bei dieser geringen Zeitdifferenz auch hätte den Lauf zusammen bestreiten können. Jetzt schiebt sich auch Jens wieder ins Geschehen, denn es gibt ja jede Menge auszuwerten. Dies wird dann etwas später an den Stehtischen der neu hergerichteten Steinberg-Alm bei der obligatorischen Bierspülung geschehen, allerdings auch mit ein paar kritischen Anmerkungen meinerseits.

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Sekundenbruchteile entscheiden - Fotofinish Frauensieg auf der Königsdistanz: Ute

Bei der Siegerehrung gibt es dann das gewohnte Bild für Ute: Platz 1 auf der "Königsdistanz", denn die Chemnitz-Cup-Wertung der Frauen sah (wie immer) nur zwei Runden vor. Auch Martin holt sich eine Urkunde plus Medaille für den dritten Platz in seiner Altersklasse ab. Er hätte heute normalerweise Fußballtraining gehabt, hat aber für den Steinberglauf frei bekommen. Nach der 2:5-Niederlage bei Dynamo Dresden am Vorabend ist der Staffelsieg für seine Fortuna sowieso nur noch theoretisch möglich und der morgige Auftritt beim Tabellenletzten in Großenhain ist nur Formsache. Trotzdem sollte er heute zügig, aber nicht an der Kotzgrenze dieses Ersatztraining absolvieren. Die 3,603 Kilometer beendete er nach 21:38 Minuten auf Platz 17. Bruno mußte sich bei seinem Jubiläumsstart (Nummer 10!) erstmals über zwei Runden durchbeißen und kam nach 47:07 Minuten als 36. und Altersklassenvierter wieder auf dem Sportplatz an.

Gemeinsam mit Michael, dem Gesamtsechsten, repräsentieren Ute und ich bis 22 Uhr die Farben des LV Limbach 2000 am Imbiß und sind somit wieder die letzten Gäste des Abends. Ein schöner Abend mit etwas sportlicher Betätigung geht somit stilvoll zu Ende. Der einzige Wermutstropfen war das Fehlen der Steinberglauflegende Jens (9 Teilnahmen von 2005 bis 2013) zum läuferischen Kräftemessen. Er hat sich allerdings zu seiner Ehrenrettung als Laufpate für Utes Enkelin im kommenden Jahr bereiterklärt. Dann gilt es für ihn, die kleine Mia auf der 250-Meter-Runde zu bespaßen ...

Ergebnis 10,2 km - Männer:    40 Teilnehmer

1. Lösch, Sören (LAC Erdgas Chemnitz) - 1. M20 - 39:34 min
2. Seidel, Stefan (SG Adelsberg) - 2. M20 - 40:09 min
3. Thomae, Enrico (SG Adelsberg) - 1. M30 - 40:24 min
4. Müller, Christian (LG Südkärnten - AUT) - 1. M40 - 42:32 min
5. Schramm, Sören (Chemnitzer LV Megware) - 2. M30 - 43:36 min
6. Gasch, Michael (LV Limbach 2000) - 3. M30 - 44:23 min

22. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 6. M40 - 53:28 min
23. Morgenstern, René (SV Viktoria 03 Einsiedel) - 7. M40 - 53:28 min

Ergebnis 10,2 km - Frauen:    3 Teilnehmerinnen

1. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 1. W50+ - 55:04 min
2. Göderle-Odenwald, Jutta (SG Adelsberg) - 1. W40 - 1:10:52 h
3. Göderle, Ruth (LC Altis Krappfeld - AUT) - 1. W30 - 1:10:52 h

 

Das Beste zum Schluß:

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Der renomierte Sportfotograph Jens Mende und sein heutiges Meisterwerk - ein spektakuläres Spiel aus Licht und Schatten sowie Selbstportrait und Sportfotographie.

... schon während des Laufes erkannte ich die Genialität, die in Jens' Vorhaben steckt: die perfekte Wahl des Standortes am Waldesrand, wo das Dunkel der Bäume und die starke Sonneneinstrahlung über dem Feld eine solche Lichtspielerei erst möglich machen, gepaart mit der größenmäßig bescheidenen Selbstverewigung auf diesem Meilenstein der Fotographierkunst.

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