Waldwiese

20. Drei-Talsperren-Marathon Eibenstock 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

19.09.2015 - 10:00 Uhr - 43,549 km / 1.007 Hm+ / 1.007 Hm-

DSC01037Das Profil des Marathons aus der offiziellen Streckenkarte. © Marathonverein Eibenstock

Es ist kurz nach 14 Uhr, gemeinsam mit René stehe ich an der Eibenstocker Ludwig-Jahn-Straße, ca. 400 Meter vor dem Zielbogen. Während sich die vorderen Plätze der Wettkämpfe über 8,5 und 20,4 Kilometer an uns vorbeikämpfen, warten wir geduldig auf die Zielankunft von Ute. Innerlich hoffe ich jedoch, das es noch recht lang bei ihr dauert - schließlich war es ihre Idee, den Drei-Talsperren-Marathon völlig aus der Kalten heraus zu absolvieren. Nun soll jede weitere Minute, die während unserer Warterei und ihrer Quälerei verstreicht, ihr eine Lehre sein!

Es ist der Nachmittag des 26. August und wir sind im französischen Haute Tarantaise unterwegs. Es ist warm, sehr warm und wir haben bei prallen Sonnenschein wettkampfbedingt 2.000 Höhenmeter im Anstieg vor uns, als ich Ute mit meiner Aussage, "Bis zum Jenaer Kernberglauf im Oktober nehme ich an keinerlei Laufwettkämpfen mehr teil.", konfrontiere. Viel zu kräftezehrend ist dieser Abschnitt des TDS und meine daraus ableitende Meinung wohl auch unmißverständlich nachzuvollziehen. Weshalb sich Ute allerdings anderthalb Wochen später über unseren Verein um einen Startplatz in Eibenstock bemüht, erschließt sich mir nicht hundertprozentig. Mein Körper hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Hochlegen der Beine und dem Nichtstun angefreundet, aber ich kann doch wiederum diese "Irre" nicht allein dort ins Verderben laufen lassen. Also registriere ich mich ebenfalls über die Vereinsanmeldung für die Marathon-Distanz.

Nach 2011 und 2013 wird das nun meine dritte Teilnahme auf der längsten Laufstrecke im erzgebirgischen Eibenstock, deren Profilierung von vorn herein keine richtig guten Ergebnisse zuläßt. Seit dem Vorjahr ist der Marathon nun auch noch geringfügig abgeändert, d.h. die Distanz beträgt nun etwas über 43 Kilometer und auch beim Profil wurden zusätzlich ein paar Höhenmeter draufgepackt. Da brauch' ich nun wirklich keine großen hellseherischen Fähigkeiten besitzen um für den heutigen Wettkampf eine neue pS (persönliche Schlechtzeit) zu prognostizieren. Der einzige sportliche Anreiz besteht nunmehr nur im Nichtüberschreiten der Vier-Stunden-Grenze. Das müßte mit einem defensiven Start und dem Finden einer geeigneten Tempogruppe machbar sein. Außerdem ist es ja nur der (unbedeutende) 24. Marathon für mich, da gilt natürlich das Gesamtaugenmerk der (vielleicht im Spätherbst folgenden) Nummer 25, welcher dann wieder eine standesgemäße Vorbereitung und ein vertretbares Endergebnis gebührt.

Nun bietet der Drei-Talsperren-Marathon dem Teilnehmer zwar schon ein paar sehenswerte Ecken im Westerzgebirge, trotzdem verzichte ich auf die Mitnahme des Fotoapparates, damit ich mich während meines "Wenigstens-U4H-Projektes" nicht zu sehr verdautele. Das Finden eines in Frage kommenden Laufpartners gestaltet sich schwierig, da Steffen vom Burgstädter LV (aufgrund bevorstehender "größerer" Aufgaben) nur so um die viereinhalb Stunden laufen will und René von Viktoria Einsiedel mittlerweile in ganz anderen Sphären unterwegs ist.

IMG_20150919_093605Kopieren__2_von_DSC01030Die Vorher-Nachher-Fotos gibt es wenigstens von den Startnummern. Links: davor, rechts: danach.

Nachdem die Radler der 50- und 100-Kilometer-Distanz schon ab 9:45 Uhr bzw. 9:30 Uhr in den Wäldern rund um Eibenstock ihr Unwesen treiben, startet der Marathon, als erste der drei Laufdisziplinen Punkt 10 hinter der Sportgaststätte. Auf den ersten Metern zum Stadtzentrum hinab geht es dabei noch recht flott zur Sache, wird aber spätestens mit Erreichen des Dönitzgrundes erfahrungsgemäß langsamer. Auf rund sechs Kilometern geht es nun sachte bergan. Mit Schulbanknachbar René, CLVer Jörg und mir ergibt sich hierbei ein Trio mit annähernd gleicher Geschwindigkeit. Dabei nehmen wir gern die Vorgaben der führenden Frau (Antje Müller) als Anhaltspunkt für unsere Tempowahl. Bis hoch zum Verpflegungspunkt Spinne (896 m) passieren wir auch die letzten Pedalritter der 50er Runde, die daraufhin kräftig gegenhalten.

Rund 100 (der eben mühselig erkämpften) Höhenmeter werden nun binnen kurzer Zeit im "freien Fall" nach Carlsfeld wieder hergegeben. Dort wartet schon ein größeres Begrüßungskomitee und im Gegenanstieg durch den Ort wähnt man sich (stimmungsmäßig) im graubündner Spina (K78) oder in Sassa im Aostatal (Tor des Géants). Mit dem nimmermüden Geläut von Kuhglocken werden da den Läufern Beine gemacht und am Ende des Dorfes gibt die Kapelle der ortsansäßigen Feuerwehr noch das Steigerlied zum Besten. Natürlich fehlt auch die farbliche Gestaltung des Straßenbelages mit Botschaften für die Radfahrer und Läufer á la L'Alpe d'Huez (Tour de France) nicht! Trotzdem ist es schön, wenn man diesen Teil hinter sich gebracht hat und nun am höchsten Punkt der Strecke (917 m) wieder ein Verpflegungspunkt wartet. Nach rund zehn Kilometern ist die erste (der drei) Talsperren erreicht - in nicht ganz einer Stunde Laufzeit, so die Ansage von René. Dabei wollte ich heute mal ganz ohne Zwischenzeiten und somit ohne Zeitdruck laufen und mir das endlose Hochrechnen der Zielzeit ersparen und nun kommt René mit der ersten Angabe zu diesem Thema. Aufgrund der Ungenauigkeit seiner Aussage entfällt jedoch der sonst bei mir übliche "mathematische Teil des Marathons" und das Gespräch untereinander schwenkt wieder in die Streckenkunde des Drei-Talsperren-Marathons ab. Bisher war ab der Staumauer der rechts abbiegende Weg nach Weitersglashütte Usus, seit 2014 wird nun wieder Richtung Carlsfeld zurückgelaufen, von wo es unterhalb des Brückenberges nach Wildenthal weitergeht.

An der dortigen Verpflegung zerreißt unsere Gruppe kurz, aber beim Einbiegen auf die "Originalstrecke" sind wir wieder beisammen und gehen im Verbund den folgenden Anstieg zum Großen Stern (808 m) an. Die Gespräche werden dabei kürzer bis ganz eingestellt, aber nicht weil wir schon alles erzählt haben. Nein, die "Luft" wird langsam alle und so zerfällt unser Trio im anschließenden leichten Bergab zur nächsten Labestelle, welche sich oberhalb der Talsperre Sosa befindet. Hier gibt es dann erstmal "Mittag" - fast das gesamte Repertoire an angebotenen Getränken und der obligatorische Becher Haferschleim werden dabei von mir verköstigt. Jörg benötigt hier jedoch etwas mehr Standzeit und so mache ich mich nur mit René wieder auf die Socken. Meinem Schwächeln am kurzen Anstieg nach der Staumauer folgt jedoch eine ganz passable Abfahrt zum Verpflegungspunkt an der Rektorbrücke (568 m). Dort trifft die Wegführung auf die Halbmarathon-Strecke und während wir uns am Stand die Becher reichen, zieht auch noch die zweite Frau an uns vorbei.

Kopie_von_IMG-20150919-WA003Kopie_von_IMG-20150919-WA007Der Wanderer von Neidhardtsthal.                             4:30-Zeitläufer Steffen mit Ute.
© René Morgenstern

Mit geringen Abstand zu ihr nehmen wir kurz darauf die Verfolgung auf. Auf dem flachen Abschnitt Richtung Blauenthal können wir auch gut Schritt halten - im (mir unbekannten) Anstieg elf Kilometer vor dem Ziel ist jedoch mein Pulver verschossen. René bekommt von mir die "Rennfreigabe" und während er konsequent die Verfolgungsjagd aufnimmt, bereite ich mich schon mal moralisch auf einen längeren "Wandertag" vor, obwohl die neue Streckenführung bei Weitem nicht so kraftraubend wie ihr Vorgänger ist. Man hört nun auch schon den Stadionsprecher von Eibenstock, welcher jedoch, durch den Umweg über Neidhardtsthal, noch eine knappe Stunde entfernt sein wird. Der Abstieg nach Wolfsgrün gelingt trotz einer "steilen Abfahrt" (als Hinweis für die Radfahrer) recht gut, dafür ist der Straßenabschnitt zum tiefsten Punkt der Strecke (474 m) wieder der "persönliche Scharfrichter". Wandern ist angesagt - tellerflacher Asphalt und trotzdem komme ich nicht voran und werde von einigen Läufern eingesammelt. Bis zum Verpflegungspunkt kurz vor der Staumauer der Talsperre Eibenstock schleppe ich mich noch, dann gibt es reichlich Cola (auf die ich normalerweise beim Wettkampf verzichte) und ich versuche nun noch einmal eine etwas schnellere Variante. Diese wird jedoch am kurzen Anstieg nach der Talsperre wieder ausgebremst. Dabei lasse ich Jörg von hinten auflaufen und wir einigen uns auf noch ein paar Meter Wanderschritt, bevor wir uns den restlichen vier Kilometern widmen.

Jörg schlägt dabei ein straffes Tempo an, denn die vier Stunden sind mittlerweile in greifbare Nähe gerückt. Eine kleine Unterbrechung unseres flotten Dahingleitens gibt es nur noch an der letzten Wasserstelle, rund zwei Kilometer vor dem Ziel. Bei mir verursacht dieser kurze Halt vermutlich nach weiteren rund 500 Metern verhärtete Waden, so daß ich Jörg ziehen lassen muß. Doch der Schlußanstieg zu den Badegärten war auch sonst stets für eine zünftige Wanderpartie vorbehalten, somit entsteht mir hier kein zu großer Zeitverlust.

Oben wartet schon René, der mich noch bis zum Stadioneingang begleitet. Eine halbe Runde auf Tartan und der Stadionsprecher empfängt mich mit den Worten "... das wird noch deutlich unter vier Stunden! Herzlichen Glückwunsch zu dieser Marathonleistung, hier bei uns in Eibenstock ...". Das dies' meine schlechteste Marathonzeit ist, kann er nicht wissen - trotzdem freue ich mich natürlich über seine Ansage. Letztendlich hatte ich ja auch von vorn herein nichts anderes erwartet.

Kopie_von_IMG-20150919-WA004Kopie_von_IMG-20150919-WA012Marathon sicher unter 14 Stunden! Bei Ute und Steffen dauert es eine halbe Stunde länger.
© René Morgenstern

Bei Ute hätte es nun wirklich noch etwas länger dauern können, damit sie "lernt" und ihre Anmeldung bitterlich bereut, aber sie hat ja Steffen zur Seite gestellt bekommen und der läuft nun mal seine viereinhalb Stunden nach Plan. Somit kommt Ute sogar noch in den Genuß einer Altersklassenehrung, welche sie sich jedoch schenken muß, da ihre Enkelin schon geduldig auf ihre Abholung zum gemeinsamen Restwochenende wartet. 

Der 20. Drei-Talsperren-Marathon bleibt trotz unserer schlechtesten Marathonzeiten in guter Erinnerung - ideales Wetter, sehr gute Verpflegung, landschaftliche Eindrücke und vorbildliche Organisation sind letztlich mehr wert, als eine Zeit, nach der sowieso niemand fragt.


Ergebnis Marathon - Männer:    71 Teilnehmer

1. Zander, Holger (Läuferbund Schwarzenberg 90) - 1. M40 - 3:00:36 h
2. Vogt, Sven (Polizeidirektion Chemnitz)* - 1. M30 - 3:07:33 h
3. Bähr, Micha (Blau-Weiß Bürgel) - 2. M40 - 3:10:09 h
4. Schramm, Sören (Landgericht Chemnitz) - 1. M35 - 3:18:59 h
5. Muhl, Konrad (SUKU GmbH) - 2. M30 - 3:23:39 h
6. Gerber, Stephan (Landestalsperrenverwaltung) - 3. M40 - 3:25:56 h

17. Morgenstern, René (SV Viktoria 03 Einsiedel) - 4. M45 - 3:42:07 h
23. Grindemann, Jörg (Chemnitzer LV Megware) - 5. M50 - 3:56:01 h
24. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 5. M40 - 3:56:41 h
39. Steinert, Steffen (Burgstädter LV) - 9. M50 - 4:29:40 h

Ergebnis Marathon - Frauen:   9 Teilnehmerinnen

1. Schmidt, Hella (Jena) - 1. W20 - 3:43:35 h
2. Müller, Antje (LFV Oberholz) - 1. W45 - 3:47:04 h
3. Pella, Juliane (SG Adelsberg) - 1. W35 - 4:01:19 h
4. Türke, Christiane (Landesamt für Steuern und Finanzen)* - 2. W35 - 4:04:41 h
5. Lenk, Cathleen (Team Outfit im SV Sachsen 90 Werdau) - 1. W30 - 4:16:18 h
6. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 1. W50 - 4:29:40 h

* Sächsische Behördenmeister im Marathon

Veranstalterseite: Drei-Talsperren Marathon

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