Waldwiese

39. Jenaer Kernberglauf 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

17.10.2015 - 11:00 Uhr - 27 km / 460 Hm+ / 460 Hm-

Kopie_von_IMG_20151017_105400Ute und ich auf der 27-km-Runde, Bruno und Martin auf dem Fünfer.

Noch nie stand der Kernberglauf für uns so in den Sternen, wie dieses Jahr. Ute hat seit dem Elbtal-Weinlauf vom vorherigen Wochenende mit Knieproblemen zu kämpfen und ich habe zur Zeit eine stark ausgeprägte Bergauf-Allergie im Bewegungsapparat, welche in Jena äußerst unangebracht ist, da ja doch ein paar Höhenmeter zu bezwingen sind. Bei den Jungs ist wiederum wettkampfmäßige Betätigung seit dem Steinberglauf Anfang Juni auf Eis gelegt, wenn man mal von Brunos Teilnahme am Einsiedler Herbstcrosslauf absieht. Bis Freitagabend herrscht also Unschlüssigkeit im Hause Herfurt-Müller-Delling zum Thema "Jenaer Kernberglauf".

Letztlich wissen Bruno und Martin jedoch von den fußballerischen Möglichkeiten, welche sich rund ums legendäre Ernst-Abbe-Sportfeld und dem Jenaer Universitätssportzentrum bieten. Also sind sie dabei! Allerdings fordere ich dabei schon noch eine Teilnahme am 5-Kilometer-Jedermannslauf, ehe sie sich ihrem Ballsport widmen. Eine runde halbe Stunde haben sie dafür Zeit. Mehr kann ich nun wirklich nicht verlangen, da ich selbst nun nicht gerade mit gutem Beispiel vorangehe und eine Zeit nach der nächsten in den Keller laufe. Ute will zudem nicht nutzlos am Fuße der Kernberge 'rumstehen und entscheidet sich ebenfalls für einen Start - natürlich nicht auf den "stressigen" 15 Kilometern, sondern auch auf der gewohnten großen Runde. Mir persönlich ist mein zu erwartendes schlechtes Ergebnis im "grauen Mittelfeld" mal wieder egal, da ich zur Zeit im Laufsport und dem dazugehörigen Training nicht meinen Lebensmittelpunkt sehe. Ich würde mich schon über eine Zeit von 2:15 Stunden freuen, weiß aber, daß selbst dieses niedrig angesetzte Ziel verdammt hoch für mich liegt.

Bis 10:15 Uhr ist eine Nachmeldung im Organisationsbüro möglich, deshalb ist unser Start in Chemnitz um 9:15 Uhr ganz schön spät, zumal zwischen Meerane und Schmölln noch kurzzeitige Sperrungen der Autobahn, wegen Bauarbeiten angekündigt sind. Ist jedoch nur halb so schlimm und der Verkehrsfluß kommt an besagter Stelle nicht mal ins Stocken. Aber der an irreführende Meldungen gewöhnte Bundesbürger nimmt dies und auch die leicht danebenliegende Wettervorhersage klaglos hin, denn "heiter bis wolkig" ist in meinem Definitionsbereich nun mal keine Waschküchenatmosphäre mit tiefhängenden Wolken, welche sich jeden Moment zu entleeren drohen. Es ist eine Autofahrt im oberen Pulsbereich und eine halbe Stunde vor unserem gemeinsamen Start halten wir dann, trotz des zeitlichen Engpasses, tatsächlich unsere Startnummern in den Händen. Die restlichen Minuten bis 11 Uhr sind mit "organisatorischen" Dingen ausgefüllt und so stehen wir erst zwei Zeigerumdrehungen vor dem offiziellen Startschuß (der sich aufgrund der Freigabe der zu querenden B88 immer nach hinten verlagert) im mit knapp über 1.000 Läufern gefüllten Startblock.

Mit zwei Minuten "Verspätung" setzt sich das Feld in Bewegung, anfangs ist es tempomäßig noch sehr gemütlich. Erst mit der Querung des ersten Schlammsektors am Ausgang des Stadiongeländes nimmt es auf der breiten Asphaltstraße Fahrt auf. Über die abgesperrte Bundesstraße geht es hinüber Richtung Wöllnitz - alles Teerbelag und nur leicht wellig. Ich lasse mich von der Masse mitziehen und so bin ich doch etwas zu "schnell" unterwegs - muß mich ja schließlich noch Einlaufen, denn ich hatte vor dem Wettkampf keine Zeit mehr dafür. So gehen die ersten drei Kilometer um die viereinhalb Minuten weg und erst im Anstieg zum Wöllmisseplateau durch das Penickental verlangsamt sich mein Schritt. Die 5-km-Läufer haben mittlerweile die Strecke verlassen und am Fürstenbrunnen nach rund fünf Kilometern biegen auch die 15-er ab. Dann wird es erstmalig richtig steil und der Anstieg fordert von mir den "engagierten Wanderschritt" zur ersten Getränkestelle bei Kilometer 6 am Ende eines Holzplatzes. Mit etwas Tee im Mund und auf dem Hemd geht es danach auf einem schmalen, glitschigen Pfad hinab. Nun schlängelt sich der Weg durch die Bäume und erreicht so den Johannisberg - ein Überholen ist dabei nur schlecht möglich, da es oft sehr eng zugeht.

Ich bin aber mit meinem Vordermann zufrieden, er macht bergab und auf der Geraden ordentlich Dampf, ist aber im Anstieg noch schlechter aufgestellt wie ich. Trotzdem bleibe ich brav hinter ihm und werde ihn erst nach Kilometer 11 überholen. Kurz darauf folgt der Verpflegungspunkt "Sommerlinde", wo ich mir ein Stück Banane und einen Tee genehmige. Im weiteren Verlauf fehlt mir jedoch ein adäquater Tempomacher und so tippel' ich große Teile der restlichen Strecke für mich allein dahin. Jetzt fehlt mir auch die Kraft für die Anstiege und ich komme so langsam in den Zweieinhalb-Stunden-Bereich. Das ist schon deprimierend, wenn ich bedenke, daß ich auch schon einmal nach nicht ganz zwei Stunden (1:59:07 h) im Ziel ankam. Das liegt aber schon eine ganze Weile zurück und war damals eins der Ziele, die ich mir unbedingt erfüllen wollte - den Kernberglauf "unter zwei Stunden", ähnlich dem Marathon "unter drei Stunden", zu absolvieren. "Jammer' nicht! Glaub an Dich!" verkündet passend dazu ein Schild bei Kilometer 15.

Die letzte Hoffnung auf ein halbwegs vertretbares Ergebnis liegt nun im langgezogenen Bergab nach der Verpflegung "Steinkreuz" (Kilometer 18). Dort nehme ich mir zwei Becher Iso und einmal Haferschleim. Dabei komme ich bei der Befüllung etwas durcheinander und so klebt es überall unterhalb des Einfüllschachtes. Prompt bekomme ich (schon im Weitermachmodus befindlich) von einer der freundlichen Helferinnen ein Stück Küchenpapier nachgereicht und kam so das Malheur noch vor Ort beheben.

Kopie_von_DSC01189Optimale meteorologische Voraussetzungen für gute Zeiten: 7°C und stark bewölkt.

Auf der Ziegenhainer Horizontale wird nun das Saaletal angesteuert. Auch hier ist auf den teils engen Wegen wieder höchste Konzentration gefordert, denn nasses Laub und darunter versteckte Wurzeln warten nur auf ihren Einsatz als Flughelfer für heraneilende Kernbergläufer. Auf meine Uhr brauch' ich jedenfalls nicht mehr zu achten, denn diese zeigt mir seit dem letzten Getränkestopp an, daß noch Speicherplatz für eine Stunde frei ist. Sicherlich könnte ich mich jetzt mit den Tastenfunktionen meiner Uhr beschäftigen, um wieder "zeitmäßig" auf dem Laufenden zu sein, ich erachte dies' allerdings als nicht mehr relevant für mich und so kümmere ich mich vermehrt um den richtigen Bodenkontakt meiner Füße.

Fünf Kilometer vor dem Ziel wartet (wie gewohnt) der Streckenposten mit der musikalischen Beschallung seines Kofferradios an einer Weggablung. Ich habe allerdings "Pech" und erfahre bei meinem Passieren nur die neuesten Angebote eines Lebensmitteldiscounters, anstatt mit Musik gen Tal verabschiedet zu werden. Der Getränkestelle Rabensberge (4 Kilometer vor dem Ziel) ist noch eine knackige, schmierige Wiesenabfahrt vorgeschaltet und so ist es schwer, punktgenau vor dem Ausschank abzubremsen. Dort gibt es für mich das alljährliche Pflichtbier, welches zwar für den Rest der Strecke ordentlich im Bauch der Quere liegt, aber traditionell eingenommen werden muß.

Nur noch eine steile "Rutsche" haben die Organisatoren jetzt zu bieten, danach ist man wieder in Sicherheit, denn der urbane Bereich hat einen wieder und es geht fast ausschließlich auf asphaltierten Wegen Richtung Ziel. Die einzige Gefahrenquelle ist die Holzbrücke über die B88, wo ein langsamerer Schritt empfohlen wird, da die Holzplanken sehr rutschig sind. Es sind nur noch drei flache Kilometer, aber ich komme nun gar nicht mehr voran - ungefähr zehn/zwölf Mann ziehen an mir noch vorbei, ehe ich das Universitätssportgelände erreiche. Bruno und Martin unterbrechen kurz ihr Fußballspiel und stehen dann brav für den Vater Spalier. Ihre Anfeuerung bewirkt allerdings nur wenig und so schleiche ich nach 2:22:09 Stunden Bruttozeit (2:21:54 h netto) über die Ziellinie, das macht einen Schnitt von 5:15 min/km - derzeit mein Maximum.

Kopie_von_DSC01190Kopie_von_IMG_20151017_103545Siegerehrung: Ute holt Silber in ihrer Altersklasse.      Startnummer 7007 holt sich Gesamtplatz 77.

Kurz nach mir kommt auch Gunter vom Chemnitzer Postsportverein von seinem Kernberg-Ausflug zurück und während wir uns noch über die heutigen Gegebenheiten unterhalten, nähert sich auch schon Ute dem Ziel. Wie immer wird sie sich später bei der Altersklassen-Siegerehrung eine Medaille abholen - das gewohnte Bild also. Bruno und Martin haben auf dem Fünfer nur das Nötigste getan. Martin überquerte als Gesamt-37. und 32. der Männerwertung nach 27:20 Minuten die Ziellinie und Bruno wurde im Feld der 104 Teilnehmer Gesamt-74. und 46. im Männerklassement mit einer Zeit von 32:12 Minuten. Bedeutet: alles im vorgesehenen Rahmen bei den Buben, denn ich habe heute die größte Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzuweisen und daher keine Kritikberechtigung an deren Leistungen vorzubringen. Vielleicht lag es heute bei mir an der Startnummer? Denn die "7007" hatte ich auch schon 2008 bei meinem zweiten Marathon in Berlin - geplante Zielzeit "unter drei Stunden", Ergebnis: 3:06:51 Stunden. Eine Diskrepanz von sieben Minuten - damals wie heute! Deshalb: Augen auf beim Startnummernkauf!


Ergebnis 27 km - Männer:   253 Zieleinläufe

1. Lösch, Sören (USV Jena / Orientierungslauf) - 1. M - 1:47:23 h
2. Ludewig, Heiko (LTV Erfurt) - 1. M40 - 1:49:54 h
3. Heisch, Philipp (SG Adelsberg) - 1. M30 - 1:51.33 h
4. Ratzka, Patrick (SV Turbine Hohenwarte) - 2. M30 - 1:53:35 h
5. Hausmann, Frank (X-Runners Jena) - 1. M35 - 1:54:15 h
6. Greiner, Daniel (SV Sömmerda) - 3. M30 - 1:54:38 h

76. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 11. M40 - 2:21:54 h

Ergebnis 27 km - Frauen:    46 Zieleinläufe

1. Tuch, Carolin (Chemnitzer LV Megware) - 1. W - 2:09:29 h
2. Lammers, Kim (Jena) - 2. W - 2:22:46 h
3. Peltre, Tina (Medletik Sports Team) - 1. W35 - 2:24:15 h
4. Alles, Kathleen (X-Runners Jena) - 2. W35 - 2:25:32 h
5. Rudorfer, Carola (Rennsteiglaufverein) - 1. W50 - 2:26:58 h
6. Hanft, Judith (Zatopeks Erben) - 1. W40 - 2:28:04 h

9. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 2. W50 - 2:34:29 h

Kopie_von_DSC01195Letzter Zieleinlauf nach 4 Stunden, 9 Minuten und 9 Sekunden Nettozeit.

Fazit: Ein Laufklassiker, der durch seine sehr abwechslungsreiche Streckenführung an den Hängen der Jenaer Kernberge und durch das familiäre Flair an den Verpflegungsständen eine Pflichtveranstaltung bleibt, egal ob man dafür die "Trainingsnormen" erfüllt hat oder nicht!

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