Waldwiese

8. Fettverbrennungslauf des Burgstädter Laufvereins in Heiersdorf 2015

Geschrieben von Thomas Delling.

26.12.2015 - 9:45 Uhr - 10 km / 165 Hm+ / 165 Hm- (kein Wettkampf)

Kopie_von_IMG_20151226_083430"Das Sonnenlicht aktiviert die Fettverbrennung auch noch anders: Schon frühmorgens werden bestimmte Hormone wachgekitzelt, die uns den Tag mit Power beginnen lassen. Das bedeutet natürlich neue Energie für den Organismus. Lebensfreude, Lust auf und Spaß an Bewegung."
(Zitat aus der Frauenfachzeitschrift "freundin")

Kreativ sind sie ja, die Burgstädter Lauffreunde! Da wird ein "Fettverbrennungslauf" vor dem traditionell ausufernten Mittagsmahl des zweiten Weihnachtsfeiertages angesetzt und somit ein gefährliches Spiel mit dem "Vernichten" von noch nicht vorhandenen Körperfetten heraufbeschworen. Wohl dem, der sich da das gesamte Jahr über Fettvorräte im Körper angelegt hat - auch wenn es dadurch optisch grenzwertig ist, im Fast-Dezitonnen-Meßbereich zu Laufsportveranstaltungen zu erscheinen.

Anfang der Woche wurde ich durch einen Zweizeiler im "Burgstädter Anzeiger" ("Bückware" in der Tauraer Tankstelle) auf die Veranstaltung an der Klärnalage Heiersdorf (Welch' zuendegedachter Kalorienkreislauf!) aufmerksam und ich kümmerte mich sofort indirekt um eine Teilnahmeberechtigung bei einem Neumitglied des BLV. Dessen Entscheidungsgewalt konnte jedoch keine unverbindliche Zu- oder Absage treffen. Zeitgleich bekam Ute allerdings eine Einladung von der Chefetage des renommierten Laufvereins für die gesamte Sektion Chemnitz des LV Limbach 2000 zugesandt. Das bedeutete: Ute, Jens und ich hatten eine der begehrten "Wildcards" für den Fettverbrennungslauf erhalten. Aufgrund seiner sportlichen Höchstleistungen im Handball- und Ausdauersport ist der Wert einer solch exquisiten Einladung von Jens schlecht einzuschätzen - so etwas flattert täglich bei ihm ein und da bedarf es schon einer gewissen Überredungskunst von Ute und mir, ihn für diesen dörflich anmutenden Zeitvertreib zu begeistern. Bei unserem jährlich stattfindenden Heiligabend-Lauf in den Harthwald konnten wir ihn aber von der Notwendigkeit eines Besuchs bei diesem Wochenenderlebnis (nach langem zähen Ringen) überzeugen.

Im Verlauf des "gemütlichen Teils" dieser internen Traditionsveranstaltung kamen nämlich beim erweiterten Glühwein-Genuß (getreu dem Motto "Im Wein liegt die Wahrheit") Jens' wirkliche Bedenken zum Vorschein. Er hat zwar erst für den späten Nachmittag, des zweiten Feiertages, einen seiner vielen "gesellschaftlichen Pflichttermine", aber er phantasiert sich mit dem Gedanken an überlange Strecken beim Fettverbrennungslauf, welche im Wettkampftempo von Halbprofis ausgetragen werden, fast in Rage. Gegen unsere sachlich vorgetragene und fachlich fundierte Argumentation hat er letztlich keine Chance und das Endergebnis unserer Unterredung ist amtlich: wir werden zu dritt im Burgstädter Stadtteil Heiersdorf an den Start gehen!

Kopie_von_IMG_20151224_133838weihn2015Echte Vorfreude auf die Exklusiv-Einladung zum Fettverbrennungslauf, als Bonus gibt es Freudensprünge!

Um in der Beschleunigung des Stoffwechsels schon mal eine solide Vorarbeit zu leisten, entscheide ich mich für eine Anreise zu Fuß, während Ute und Jens mit dem Auto nachkommen werden. Gegen 7 Uhr verlasse ich das Haus und quere auf fast menschenleeren Straßen die Stadt. Den kleinen Umweg durch das Chemnitztal kann ich mir heute zeitlich nicht erlauben, da ich ja gemütlich unterwegs sein will. Also wird der Weg durch den Küchwald über Wittgensdorf zum Taurasteinturm gewählt - das ist landschaftlich reizvoller und man kann zudem beim Laufen auf den Feldwegen ungestört mit dem Mobiltelefon "arbeiten" (chatten). Durch Burgstädt erheitern mich dann die leicht verstörten Blicke einiger weniger Passanten, welche sich meine kurzen Beinkleider im (meteorologischen) Winter nicht erklären können. dabei sind es fast 10°C und nur der Wind sorgt etwas für Abkühlung.

An der Brückenbaustelle Burkersdorfer/Heiersdorfer Straße treffe ich zeitlich rein zufällig auf die Chemnitzer Fahrgemeinschaft. Schnell wird mir ein Energiegetränk durch die offene Seitenscheibe des Wagens gereicht, damit ich auch die restlichen Meter noch unbeschadet bestreiten kann. Nach 25,5 Kilometern Wegstrecke erreiche ich den Treffpunkt termingerecht kurz vor 9:30 Uhr.

Kopie_von_DSC01229Kopie_von_DSC01236Der Stern von Bethlehem Untertürkheim mit dem Schweif aus München zeigt den Weg durch Chemnitz.

Der Parkplatz am Spielplatz der nahegelegenen Kläranlage ist bereits rappelvoll und weitere Fahrzeuge stoßen fleißig im Minutentakt hinzu. Ich muß mich regelrecht bei den anwesenden Sportlern entschuldigen, daß ich meinen Wagen daheim "vergessen" habe. Es wird toleriert - mehr nicht! Schließlich wollte man ein imposantes Bild des versammelten Fuhrparks auf der angrenzenden Weide schießen, welches jedoch nun abgesagt werden muß. Alternativ dazu versammeln sich die Aktiven zum Gruppenbild auf den Spielplatzaufbauten, kurz darauf fällt der imaginäre Startschuß zur Fettvernichtung.

Kopie_von_IMG_20151226_093914Vorher-Nachher-Bilder dokumentieren die Fettverbrennung.

Das Tempo ist moderat, weil jeder über seine Weihnachtsbescherung berichten muß, die bei jedem natürlich um einiges größer ausfiel, als bei seinem Vorredner. Bisher leer ausgegangen ist allerdings Tilo - nicht bei der weihnachtlichen Geschenkeflut, sondern bei "seinem" Verein! Noch immer muß er auf die leuchtende Vereinskleidung verzichten, obwohl er gleichberechtigt Mitgliedsbeitrag bezahlt. Mit einem ähnlichfarbigen Laufhemd (Rennsteig-Supermarathon in hellgrün) versucht er trotzdem seine Verbundenheit zum neuen Arbeitgeber zu demonstrieren. Es wirkt wie ein billiger Abklatsch und der Außenstehende erkennt den Unterschied natürlich sofort. Seine Kleidung wäre aber schon im Versand, wird ihm immer wieder versichert. Zuletzt gab es da Probleme beim Namensaufdruck in Bangladesh. Da wurde mit "Tiro" der klassische, asiatische R-L-Aussplachefehlel versucht zu korrigieren.

Bis auf diesen Makel gibt es beim Burgstädter Laufverein nichts zu kritisieren. Man achtet auch stets auf gesunde Ernährung und kaum ein Mitglied benötigt deshalb diesen Fettverbrennungslauf. Wer schon einen "Einundzwanziger" am Vortag hinter sich gebracht hat, spricht logischerweise nicht vom Bewältigen der Halbmarathondistanz, sondern von Verbrauch eines Kastens plus der dazugehörigen Gratisflasche (weil die ursprünglich zur Verkaufsförderung gedachten Bierkrüge schon vergriffen waren). Zum Glück konnte ich bei diesem Thema fachlich mithalten, da ich durch meine Zuträger erfuhr, daß "bereits 53 Flaschen Bier täglich den Kalziumbedarf eines erwachsenen Menschen decken" (Quelle: fb.com/junq.official) - Kalzium spielt nun mal eine große Rolle im menschlichen Körper: Knochenaufbau, Muskeltätigkeit, Herzrhythmus, Stoffwechsel, ... ein Thema, welches auf keinen Fall vernachlässigt werden sollte!

Kopie_von_IMG_20151226_101129Kopie_von_IMG_20151226_101635Badewetter an der Höllmühle                                     Kurvenreicher Kurs am Johannesbach

Einer der bei dieser Diskussion schon nicht mehr mit von der Partie war, ist Jens. Er hätte zwar mit qualifiziertem Fachwissen diesen Themenbereich erweitern können, ist aber aufgrund seiner ausgeprägten "Ultra-Allergie" auf die Kurzstrecke abgebogen, welche zwar auch den Kurs hinunter zur Zwickauer Mulde nimmt, jedoch den Bogen über den Höllteich ausspart. Nach 9,86 Kilometern ist daher für uns Langstreckler die Schleife am Parkplatz wieder geschlossen. Für viele Läufer Grund genug, die "Zehn" mit willkürlich gewählten Schlaufen auf Straße und Spielplatz noch voll zu machen. 

Erst danach kann eine seriöse Auswertung der Fettverbrennungsdaten erfolgen. Bei Jens liegen darüber jedoch keine verlässlichen Zahlen vor, da er nur mit einer "normalen" Armbanduhr unterwegs war. Mit süffisantem Lächeln und Blick auf seinen Adoniskörper verweist er auf den "Porsche, der ein Porsche bleibt - egal wie lange er in der Garage stand". Stimmt, und so bleibt der Vergleich von Utes 16% Fettanteil der 459 verbrannten Kilokalorien zu meinen 11% Fettanteil von 997 verbrannten Kilokalorien - ergibt ein 73 zu 107 kcal, was wiederum bedeutet: Ute hat bei einer Stunde lockerem Dauerlauf sagenhafte 7,9 Gramm und ich habe immerhin 11,5 Gramm reines Fett vernichtet! Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann und sofort mit ein paar Leckereien belohnt werden muß.

Kopie_von_IMG_20151226_125616Kopieren__2_von_IMG_20151226_125616"Ein Porsche bleibt ein Porsche - egal wie lange er in der Garage stand." (Jens zu seinem Fitnesszustand)

Die nächsten zwei Stunden werden daher mit dem Auffüllen der (teilweise) restlos geleerten Speicher genutzt. Es gibt alles, was sich ein glücklicher "Finisher" nach einer erfolgreichen Zielankunft wünscht: roten und weißen Glühwein, Bier, Tee, Schnaps, Eis, selbstgebackene Plätzchen, Mandarinen und Kuchen. Zum Glück ging das kurzfristige "Ausladen" der Gäste für das ursprünglich daheim geplante Mittagessen so unkompliziert über die Bühne, sonst wäre jetzt richtiger Streß aufgekommen. 

Kopie_von_DSC01250Kopie_von_DSC0124825,5 km (250 Hm+) in 2:25:39,1 h = 95,3 kcal/km    10,1 km (165 Hm+) in 59:26,0 min = 96,7 kcal/km

Wiederum eine wunderschöne Laufepisode in meinem Leben - der Dank gilt dem Burgstädter Laufverein, der völlig unkompliziert und ohne Berührungsängste uns "Limbacher" an einer seiner qualitativ hochwertigen Veranstaltungen mit teilhaben ließ.

P.S.: am Fall "Tiro" bleibe ich dran - bis er seine Vereinszugehörigkeit mit der dafür bestimmten Kleidung bestätigt bekommt!


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