Waldwiese

14. Frostwiesenlauf in Burg-Kauper 2016

Geschrieben von Thomas Delling.

07.02.2016 11:10 Uhr 30 km 15 Hm+ 15 Hm- (kein Wettkampf)

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Aufgrund dieses Aushangs (Wortlaut im Original - Foto davon entfällt aus o.g. Gründen) verzichte ich beim heutigen Bericht auf Originalaufnahmen und verwende stattdessen nur sog. Symbolbilder.

Wir befinden uns auf der Rückfahrt nach Chemnitz, als ich den Wagen plötzlich stoppe. Ute reißt die Beifahrertüre auf und wirft im hohen Bogen die mit den Bildern des heutigen Tages belichtete 36er Filmpatrone in einen der Seitenarme der Spree. Herrliche Landschaftsaufnahmen und teils lustige Schnappschüsse unseres Reise-Trios gehen damit der Nachwelt verloren - ersparen uns aber auch jede Menge Ärger, wenn wir denn später zu unachtsam mit diesen Abzügen umgegangen wären.

Etwas ungewöhnlich war sie schon, die ausliegende (oben abgebildete) Order betreffs der Fotorechte - und auch nicht ganz billig, bei Zuwiderhandlung der selbigen. Für die angekündigten 3.000 Euro Strafe könnte man z.B. zweihundertmal die 30-Kilometer-Frostwiese ablaufen oder rund einhundert Schnappschüsse der brandenburgischen Autobahnpolizei "bestellen", welche am Sonntagmorgen ihr Stativ kurz vor der Ausfahrt Vetschau positionierte. Ich hatte zwar keinen Fototermin mit diesen Typen ausgemacht, weiß aber für die Zukunft, daß ich für die nächsten Überlandfahrten einen ähnlich formulierten Zettel hinter der Frontscheibe unseres Fahrzeuges plazieren werde um zu verhindern, daß diese Fotografien dann "über den privaten Bereich hinaus" verwendet werden.

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Das Frostwiesen-Ideal. Perfekte Ausschilderung der Strecken.

Natürlich sind wir vordergründig zur Körperertüchtigung in den Spreewald gefahren. Neben Ute und mir hatte auch sich noch Siggi für den "langen Kanten" im Biosphärenreservat eingeschrieben. Kleiner Unterschied zu uns: er ist auch wirklich angemeldet, während die nette Frau an der Rezeption vergeblich unsere beiden Namen in den Listen sucht. Da hab ich wohl beim Eintippen der Meldedaten am Rechner ein Detail übersehen und uns so um die attraktiven Frostwiesenlauf-Startnummern gebracht. Die Nachmeldung ist zwar nicht mit einer Bonuszahlung verbunden, berechtigt allerdings nur zu den 08/15-Nummern ohne Veranstaltungsangabe.

Bis zum Start haben wir nun noch genügend Zeit, denn die habe ich ja für teuer Geld auf der Autobahn herausgefahren. Zeit, die wir jetzt zur richtigen Klamottenwahl nutzen können. Dabei ist Ute, mit ihrer Erfahrung von mehreren beendeten Volksläufen, ein unverzichtbarer Ratgeber. Auch wenn die Sonne scheint und das Thermometer fast in den zweistelligen Meßbereich vordringen will, empfiehlt sie auf alle Fälle lange Arm- und Beinkleider - denn gerade auf dem Damm am Nordumfluter wird ein eisiger Wind wehen, so ihre einschüchternde Prognose und auch in den wenigen Waldabschnitten werden wir uns sehnsüchtig an ihre mahnenden Worten erinnern. Es gibt also keine zweite Meinung - "lang" ist Pflicht!

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Frostwiesenlauf, das sind schnurgerade Wege ... ... mit nur leichten Steigungen an Brücken.

Der Start verzögert sich etwas und während die Spannung steigt, fällt der Startbogen in sich zusammen - Stromausfall! Glücklicherweise ist dieser nur von kurzer Dauer und der Durchlauf wird kurz darauf wieder mit genügend frischer Luft versorgt. Auch Addi (bekannt als der Moderator von "Mach's mit, mach's nach, mach's besser") kann nun in seinem Redeschwall fortfahren und das Herunterzählen übernehmen. Der Anfang ist wie immer zäh und das Tempo entspricht einem schnelleren Gehschritt. Nach rund einem Kilometer haben Ute, Siggi und ich dann endlich im Gewühl zueinander gefunden. Und nach nur zwei Kilometern darf sich Ute schon über die ersten Dankesworte wegen ihrer Beratung bei der Zusammenstellung der Kleiderordnung erfreuen. Es ist viel zu warm oder ich bin zu warm angezogen oder ich laufe eben am Limit und schwitze deshalb so sehr. Als dann auch noch nach fünf Kilometern die vorhergesagten Sturmböen am Nordumfluter ausbleiben und dort kaum eine Windbewegung festzustellen ist, brodelt es innerlich noch mehr! Zum Glück gibt es knapp zwei Kilometer später am Verpflegungspunkt "Buschmühle" den heißersehnten Glühwein zur Regulierung der viel zu hohen ("gefühlten") Körpertemperatur. Nach zwei Bechern dieses Traubensaftes nehme ich die Verfolgung zu Ute und Siggi in wesentlich besserer Laune wieder auf. Es geht zurück zum Start-Ziel-Bereich. Der Rundendurchlauf der ersten zehn Kilometer wird dabei mit 59:14 Minuten festgehalten und ohne Aufenthalt geht es nun in die zweite Runde, welche die doppelte Distanz mißt.

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Hervorragend bestückte Verpflegungspunkte! Die Finishermedaille in Eiskristallform.

Auf der zweiten Schleife ist jedoch eine weitere Tempoverschleppung zu verzeichnen, deren Verursacher mit Siggi schnell gefunden ist. Daher müssen wir einen unfreiwilligen Boxenstopp Siggi's nach rund 20 Kilometern nutzen um davonzulaufen. Wir laufen, was die Beine hergeben und drücken den Gesamtbruttodurchschnitt auf den nächsten vier Kilometern von 6:05 auf 5:55 Minuten. Dann kommt wiederum eine "längere" Rast bei einer Verpflegungsstelle und wir beginnen wieder bei über sechs Minuten das interne Ziel "unter drei Stunden" in Angriff zu nehmen. Ein Halt kommt zwar noch, aber die Uhr hat heute keine Chance gegen uns - 2:58 Stunden nach 30,4 Kilometern. Als Lohn gibt es die Medaille in Eiskristallform und nur das Fehlen der ersehnten Spreewälder Gurken als Zielverpflegung, welche die 10- und 20-Kilometer-Läufer schon aufgefuttert haben, trüben das Gesamtbild des Laufes etwas.

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Siggi's Zeit: 3:17:19 h (brutto) Gemeinsame Zielankunft nach 2:58:11 h (brutto).

Trotz fehlender Hauptmahlzeit werden wir für die nächsten Minuten an den Tischen noch fündig - Schokolade und Salzgebäck gibt es nun als Ersatz für die entgangene Spreewaldspezialität. Kurz darauf empfangen wir Siggi im Zielbereich. Für ihn war es nach längerer Schaffenspause der erste Dreißiger und sein kraftvoller Zielsprint ein Hoffnungsschimmer auf bessere Tage.

Schade nur, daß wir alles auf der Strecke angefertigte "Beweismaterial" unseres Spreewaldausfluges auf der Heimfahrt vernichten mußten um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

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