Waldwiese

21. Drängberglauf in Leubsdorf 2016

Geschrieben von Thomas Delling.

23.04.2016 16:10 Uhr 10,6 km 215 Hm+ 215 Hm-

Kopie von IMG 20160423 173006Die Freude über das vor 500 Jahren erlassene Reinheitsgebot für Bier ist nicht zu übersehen.

Normalerweise ist die gesamte Woche der mentalen Vorbereitung auf des langersehnte Bezirksderby zwischen der Fußballregion Erzgebirge und der Bezirkshauptstadt Chemnitz vorenthalten. Die läuferischen Übungseinheiten werden deshalb auch auf ein Minimum zurückgefahren und das Hauptaugenmerk liegt auf der Bekämpfung des stetig steigenden Derbyfiebers. Allerdings ist dem Sonntagskick der dritten Liga der "Tag des Deutschen Bieres" vorgelagert und wo kann man nun mal ungestörter sein Feierabendbier genießen, als im Anschluß an eine Laufveranstaltung?

Deshalb müssen am Sonnabend wohl oder übel noch einmal die Lauftöppen geschnürt werden. Doch bevor es zum wiederbelebten Drängberglauf geht, steht der Ballsport am Vormittag im Vordergrund. Brunos B-Junioren treffen im Kreisligaspiel auf dem FSV Grüna-Mittelbach. Jetzt ist dies eher nicht der ganz große Fußballsport, wenn da nicht die 0:18-Niederlage vom Hinspiel im Grünaer Wiesengrund gewesen wäre. Die Vorzeichen haben sich mittlerweile aber deutlich zu Gunsten der Erfenschlager geändert, auch wenn immer noch der letzte Tabellenplatz mit einem Punkt und 5:82 Toren zu Buche steht. So kommt der FSV als Tabellenvorletzter mit einer 0:16-Empfehlung vom Mittwochsspiel aus Einsiedel auf die Erfenschlager Alm - der erste Saisonsieg ist also möglich, da das prestigeträchtige Zwönitztalderby für Textima nur mit 1:5 verloren ging. All dieses Hoffen nützt am Ende nichts! Das erwartete Spiel "Not gegen Elend" notiert zwar kurz vor Schluß die Torvorlage von Torhüter Bruno zum zwischenzeitlichen 1:1, aber im Gegenzug ist besagter Vorbereiter dann Urheber eines Foulelfmeters. Somit geht das Kellerduell mit 1:2 verloren und nur die Länge der anschließenden Kabinenpredigt des Trainers lässt den persönlichen Zeitplan für Leubsdorf etwas ins Wanken geraten.

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Hinspiel (03.10.15): Software-Ausfall Anzeigetafel Brenzlige Situation vorm Textima-Gehäuse.

Nach dem kurzfristigen gesundheitlichen Ausfall von Ute gelingt es mir mit etwas Überzeugungsarbeit fast gleichwertigen Ersatz für die Veranstaltung am Drängberg anzuheuern. In der Vorwoche hat er noch beim Küchwaldlauf seine wertvollen Erfahrungen, die er in seiner aktiven Zeit angehäuft hat,  am Streckenrand zum Besten gegeben - heute ist er selbst wieder im Laufzwirn unterwegs: Jens Mende. Sein letzter Wettkampf liegt zwar schon ein halbes Jahr zurück, trotzdem scheut er sich nicht, diese Herausforderung "aus der Kalten heraus" anzunehmen. Als Lohn dafür übernimmt er tags darauf Martins Startplatz im Gästeblock des Auer Grotewohl-Stadions, da Martin selbst mit dem VfB gegen Schneeberg ein wichtiges Spiel zu bestreiten hat.

Während der Vormittag noch ohne Niederschlag über die Bühne ging, fängt es pünktlich zur Abfahrt ins Erzgebirge an mit regnen. Somit beschränkt sich das Warmlaufen auch nur auf einige schnellere Schritte vom und zum Fahrzeug, was wiederum mehr Zeit zum Quatschen freisetzt - und diese ist genug vorhanden! Wollte ich doch im Vorfeld die (neue) Strecke komplett ablaufen, was wiederum bei Jens auf Unverständnis stieß, da er somit seinen Mittagsschlaf durch die zeitige Anreise abbrechen mußte. Nun kam aber das naßkalte Wetter dazwischen und die Streckenkunde erfolgt deshalb nur kurz am unüberdachten Aushang am Sportplatz. Bei meinen bisherigen Teilnahmen gab es einen 8,8- und einen 17-Kilometer-Wettbewerb. Dabei wurden eine oder zwei Runden mit Extra-Schleife zwischen Leubsdorf und Eppendorf gelaufen. Nach einem Jahr Drängberglauf-Pause orientiert sich nun die 10,6-Kilometer-Runde an der (ganz) alten Route mit Abstecher Richtung Borstendorf und dem finalem Anstieg von der Flöha zum Sportplatz.

DSC01497Entsprechend des derzeitigen Trainingszustandes blieb mir nur die Einordnung in "Startblock C" (3.v.l.).

Nach einem halben Jahr Kurzstrecken-Wettkampf-Abstinenz und keinerlei Trainingseinheiten mit erhöhtem Puls, bleibt mir nur die Einordnung in die hinteren Reihen des Starterfeldes, denn es gibt ja nichts schlimmeres, als später ständig überholt zu werden. Nachdem der Gesamtleiter Armin Flade das Rennen freigegeben hat, quillt der Pulk langsam vom Sportplatz auf die Borstendorfer Straße. Dort ist es breit genug um sich nun im Feld zu positionieren. Bis hoch zum altbekannten Abzweig auf den Feldweg, der oberhalb von Leubsdorf verläuft, habe ich mit Marco und Philipp noch zwei Plaudertaschen an meiner Seite. Der eine will sich jedoch ohne Unterhaltung weiter vorn plazieren und Philipp will zum Quatschen weiter vor, da er den Start etwas verpriemt hat und sein Gesprächspartner in der Spitze mitläuft. Marco verabschiede ich dabei mit den Worten: "Jetzt kommt der Mende!", weil just in diesem Augenblick der 5-Kilometer-Lauf gestartet wird und nichts einem engagierten Sportler mehr Beine macht, als die Angst, den druckvollen Atem von Jens im Nacken zu spüren. Zwar wird er uns auf dem Kurs gar nicht mehr begegnen, da der Fünfer nur eine Wendestrecke auf der Borstendorfer Straße mit Umkehr in Leubsdorf-Kolonie ist. Dies' kann ich Marco aufgrund seiner panikartigen Flucht nicht mehr mitteilen. 

Den Wendepunkt der 5-Kilometer-Strecke laufen wir nun von der gegenüberliegenden Seite auf einem langgezogenen Bogen an und biegen kurz davor in den Langen Grund hinab. Auf dem Vogelherdweg und der Alten Kohlenstraße passieren wir Borstendorf nördlich und stets bergab Richtung Mühlholz. An der Flöha geht es kurz darauf profiliert an der Marbacher und der Priemsmühle zum letzten Anstieg. Der Rest der Strecke zieht sich übers Feld und durchs Gewerbegebiet zum Sportplatz. Dort komme ich nach 48 Minuten ins Ziel - natürlich als abgeschlagener Letzter unserer Biertrinkgesellschaft. Nun heißt es, hurtig die verschwitzten Sachen zu wechseln, damit die Kollegen nicht noch länger warten müssen. Beim Biergenuß stellt sich dann auch heraus, daß Jens den Fünfer gar nicht gewonnen hat! Er war nur "unterwegs" - wie ich! Er landete auf Altersklassenplatz 6 - wie ich und in der Gesamtwertung erreichte er Platz 46 - wie ich (nur eben "mal zwei").  Marco und Jens Braune (über 5 km) holen sich jeder den 4. Altersklassenplatz ab und Bruno ist als einziger Starter logischerweise auch Sieger der AK U18 auf dem Fünfer.

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Genußläufer Ambitionierter Freizeitsportler Unverwüstliches Zugpferd

Der Drängberglauf gefiel durch einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Rundkurs. Sicherlich war dabei der unprofilierte Straßenlaufschuh auf manchem nassen Wiesenabschnitt oder schlammigen Waldweg etwas grenzwertig, aber ich hätte mir ja bloß zu Beginn die aushängende Karte etwas genauer anschauen müssen. 

Ergebnis 10,6 km:   64 Männer und 21 Frauen im Ziel

1. Seidel, Stefan SG Adelsberg 1. M20 39:28 min
2. Gähler, Marek fresschen24.de 1. M35 40:26 min
3. Zieger, Christian SV Einheit Bräunsdorf 1. M30 43:33 min
4. Leibelt, Philipp Hetzdorfer SV 1990 2. M20 43:33 min
5. Richter, Thomas Chemnitzer LV Megware 1. M45 43:41 min
6. Beyreuther, Jan SSV Geyer 2. M30 43:46 min
16. Reimann, Marco Laufgruppe Nord 4. M45 46:31 min
22. Delling, Thomas LV Limbach 2000 6. M45 48:00 min
         
1. Schönherr, Claudia TSV 1872 Pobershau 1. W30 47:24 min
2. Gründler, Anne SG Adelsberg 1. W20 48:51 min
3. Stein, Annett TSV Elektronik Gornsdorf 1. W40 52:16 min
4. Ehnert, Jenny TSV 1872 Pobershau 2. W20 53:01 min
5. Kutschki, Tina Chemnitzer LV Megware 3. W20 53:28 min
6. Türke, Christiane SG Adelsberg 2. W40 55:02 min

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