Waldwiese

7. Lauf "Rund um Chemnitz" 2016

Geschrieben von Thomas Delling.

07.05.2016 8:08 Uhr 62,45 km 1.005 Hm+ 1.005 Hm- Gruppenlauf

Kopie von IMG 20160507 WA008Der König gibt sich recht volksnah: beim gemeinsamen Zielbier am Kepler-Gymnasium.

Der Lauf "Rund um Chemnitz" hat in letzter Zeit viel Hohn und Spott von mir erfahren müssen. So wurde er u.a. aufgrund seiner "überschaubaren" Distanz und seiner vielen Verpflegungspunkte in die Kategorie "MKL" (Mutter-Kind-Lauf) eingeordnet. Als "ARUCK" (Alleiniger Rund-um-Chemnitz-König) konnte ich mir solch ein Urteil auch erlauben, bin ich doch schließlich der einzige Erdenbürger, der alle bisherigen sechs Läufe metergenau und vollständig abrechnen konnte. Doch dieses Mal wurde mir dieser Hochmut fast zum Verhängnis und ich erlebte einen der schwersten, von mir je absolvierten Ultraläufe.

Das man heutzutage keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen muß um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist bekannt. Dafür sorgen u.a. Wettbüros mit stellenweise unglaublichen Quoten auf allen möglichen Blödsinn. Im Hintergrund wird dann meist etwas nachgeholfen um sicher zu gehen, daß der getätigte Einsatz auch Früchte trägt. Dabei wird, logischerweise, das eher Wahrscheinlichste meist weniger honoriert, wie das Unmögliche. Für das Bestätigen der nichtstattgefundenen Mondlandung durch den Präsident des nordamerikanischen Staatenbundes gibt es nur das 500fache des Einsatzes zurück und trotz dieses geringen Gewinns, beharren die Amis  weiter stur auf "ihrer" Darstellung zu diesem Thema. Wenn man aber fern jeder Realität die Meisterschaft des Leicester City FC vor Saisonbeginn vorhersagte, gibt es für das Setzen eines Pfifferlings gleich 5.000 zurück. Wie es sich um die Gewinnspannen bei Wetten zum sportlichen Thema Nr. 1 der Stadt, dem Lauf "Rund um Chemnitz", verhält, weiß ich nicht. Meine indonesischen Mittelsmänner im Wettgeschäft  machten daraufhin stets "dicht", wenn ich nur die Chemnitz-Umrundung und den eventuellen sportlichen Sturz, des im Vorjahr erstmalig gekrönten Despoten erwähnte. Hier schien es sich um ein ganz heißes Eisen zu handeln, denn wenn man etwas ins Detail geht, tauchen plötzlich Ungereimtheiten auf, bei dieser Sportveranstaltung! Schließlich verlangen Tilo und Siggi pro Teilnehmer nur 15 Euro "all inclusive" (Streckenverpflegung, Mittagessen, Handtuchverleih, usw.) und eine Refinanzierung mittels satter Gewinne aus Sportwetten (die man selbst beeinflussen kann) wäre da nur der logische Umkehrschluß.

Wie dem auch sei! Es verdichteten sich für mich die Indizien, daß hier ein ganz unvorhergesehener Abgang (mit Nachhilfe) des stets souveränen ARUCK im Gange ist. Die Anmeldung zum Lauf verlief diesmal fast fehlerfrei, wenn mal einmal von der offiziellen Einschreibefrist absieht, welche schon vor Ladenöffnung eine Registrierung möglich machte. Stutzig wurde ich jedoch, als ich plötzlich im Anmelderanking, vorbei an allen Burgstädter Vereinskumpanen von Siggi und Tilo, auf Platz 1 der Liste rutschte. Sollte damit etwa ein klares Zeichen Richtung südostasiatische Wettkartelle gesendet werden? Alle meine Nachforschungen dazu verliefen im Sande. Deshalb besann ich mich auf eine noch stärkere Fokussierung auf den sportlichen Teil und lief einige Streckenabschnitte im Vorfeld mehrfach ab. Das Ende vom Lied: einer dieser Sektoren (den ich besonders intensiv trainierte) wurde gänzlich gestrichen. Hatten die Organisatoren etwa Zugang zu meinen "Polar"-Trainingsdaten? Wußten sie, daß ich in der Lage bin, wesentlich schneller ihren Parcours abzulaufen, als im vorgegebenen 6:30er Tempo?

Ein weiterer Gegner lauerte zudem im sportlichen Bereich auf mich, denn wem nützt ein Dauersieger, ein Abonnementskönig, ein Serienmeister? Niemandem - weder den Organisatoren, noch den angetretenen Mitläufern. Nichts ist so langweilig, wie ein Sportereignis mit bereits feststehendem Ergebnis! Dies ist bestimmt auch die beste Erklärung, warum der Fußballsport im südpazifischen Inselstaat Vanuatu stagniert. Dort gewann der Tafea FC die ersten 15 Meisterschaften der Port Vila Football League zwischen 1994 und 2008/09 am Stück und hält damit den Weltrekord der Serienmeisterschaften im Weltfußball - das Land  hat es fußballerisch jedoch kein Stück weitergebracht. Genau dieses Szenario erwartet auch die Chemnitz-Runde, wenn nicht endlich der Dauergast und amtierende Streckenkönig schwächelt und kilometermäßig Federn läßt. Ich mußte also auf der Hut sein, denn vorgenannte Mutmaßungen sind definitiv keine Verschwörungstheorien und mit meinen Fakten bestens als solche zu entkräften.

Kopie von DSC01595Das obligatorische Mannschaftsbild vorm Start.

Um sicher zu gehen, daß ich auch die siebente offizielle Umrundung meiner Heimatstadt erfolgreich beenden kann, hielt ich die gesamte Woche über die Beine still, nach dem Motto "Hochlegen statt zu Hochform auflaufen", denn für sportliche Kraftmeiereien ist schließlich der Sonnabend gedacht. Alle Energie galt dem Wochenendergebnis. Topfit, wie zu einem Wettkampf, geht es dann auch an den Start. Dieser findet nun erstmalig am Johannes-Kepler-Gymnasium auf dem Sonnenberg statt. Nach dem Sportplatzgelände des TSV IFA (2010 bis 2013) und der Gaststätte "Zum Jungborn" (2014 und 2015) ist dies nun schon der dritte Ausgangspunkt des Gruppenlaufes. Der Start ist dabei, wie immer, auf 8 Uhr gelegt und beginnt, wie immer, einige Minuten später. Darauf nimmt mittlerweile auch kein noch so unseriöses Wettbüro mehr Einsätze entgegen. Selbst wenn der allgemeine Treff von 7:45 Uhr auf 7:30 Uhr vorverlegt würde, einen pünktlichen Beginn wird man wohl nie auf die Reihe bekommen. Vielleicht ist dies aber auch gar nicht gewollt, denn Pünktlichkeit ist nun mal die "Höflichkeit der Könige" und diesem soll es ja heute an den Kragen gehen. Außerdem ist Siggi als Mathematiklehrer eher ein Verfechter des "akademischen Viertels", welches in Hochschulkreisen eine Verspätung von rund 15 Minuten toleriert. Mir, als ARUCK, weht also schon von Beginn an ein straffer (psychologischer) Gegenwind ins Gesicht.

Um auf den Rundweg um Chemnitz zu gelangen, führt eine kleine Einführungs"runde" vom Kepler-Gymnasium hinunter zur Planitzwiese und weiter in den Zeisigwald. Auf der Forststraße erreichen wir dabei die Zeisigwaldschänke und wenig später sind wir auf dem vertrauten Weg, vorbei am Cotta-Stein, Richtung Dresdner Straße. Es folgt der Bogen durch Hilbersdorf und nach rund 40 Minuten ist der erste Verpflegungspunkt am "Schnellen Markt", einem Waldstück, erreicht. Damit dort alles reibungslos vonstatten geht, haben Heike, Kathrin, Simone und Denise alle Hände voll zu tun. Auch Tilo ist hier wieder anzutreffen. Als Mitorganisator des Laufes war er bei den bisherigen sechs Veranstaltungen stets dabei, allerdings in Laufschuhen. Das ist heute anders: er wurde von oberster Stelle (mittels schwerwiegender Knieverletzung im März) zum Auf- und Abbau des Klapptisches, für das Abstellen der Speisen und Getränke, degradiert. Eine Berufung mit mittelmäßigen Qualifizierungsansprüchen, aber enorm wichtig für den Ablauf am VP. Deshalb ist er auch mit dieser so monoton und primitiv erscheinenden Aufgabe zu einer der tragenden Säulen der heutigen Läuferversorgung aufgestiegen.

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Rosige Aussichten: meinen "Tageszustand" von Anfang an fest im Visier!

Vorbei an der ehemaligen Friedrich-August-Kaserne biegen wir nun in den Ebersdorfer Wald, über die Kohlung und den Sechsruthenwald gelangen wir über die Wiesenvariante nach Draisdorf. Wenige hundert Meter vor der Kläranlage der zweite Verpflegungsstop des Tages. Früher herrschten hier Hektik und Zwietracht im Läuferpulk, denn der "Heinersdorfer Bergsprint" stand kurz darauf auf dem Plan. Diesem Treiben hat Siggi dieses Mal einen Riegel vorgeschoben und das Kräftemessen am kurzen Anstieg neben der Kläranlage für illegal erklärt. Es ranken sich die abenteuerlichsten Geschichten um diesen kleinen Zwischensprint, den in seiner bisherigen Austragungsform nur zwei Personen je dreimal gewinnen konnten. Der Rest des Feldes hatte stets das Nachsehen, wenn es um den Gewinn des imaginären, rotgepunkteten Trikots ging. Mit diesem Teufelskreis aus mangelnder oder viel zu hastiger Ernährung (am vorangegangenen VP um zeitlich keine Einbußen hinnehmen zu müssen) und dem Kampf bis zur totalen Erschöpfung (beim Sprinten) ist nun ein für allemal Schluß! Sicherlich wird dieser sportliche Höhepunkt in Zukunft fehlen, galt er doch auch schon für manch' ambitionierten Anwärter als schleichender Beginn eines DNF, da im Anstieg eben doch zu viele Körner "verbraten" wurden.

Im ganz normalen Gruppentrab schieben wir uns nun erstmals die kleine Hucke hinauf - ohne Wettkampfcharakter und üble Wadenschmerzen im Anschluß! Auf der Originalroute via Kornweg gelangen wir nach Wittgensdorf. Dort steht die ursprüngliche Variante mit der direkten Querung des Heilstättenwaldes auf dem Programm, da der zuletzt gelaufene Umweg Richtung Freibad die Gesamtdistanz nur unnütz verlängern würde. Der Rastplatz am Goetheweg bleibt erhalten, nur wird im Anschluß nicht der Weg am Pleißenbach hinüber zum Crimmitschauer Wald und weiter nach Rottluff gelaufen, sondern eine Abkürzung über Röhrsdorf eingebaut. Damit fällt der altangestammte Verpflegungspunkt "Felsendome" weg und wird durch einen Rastplatz oberhalb der Röhrsdorfer Jack-London-Straße ersetzt. Diesen erreichen wir über den Goetheweg und die Brückenüberquerung der BAB72. Ein schattiges Plätzchen an der ehemaligen Bahnstrecke Limbach - Wüstenbrand schützt dabei vor den schon recht aggressiven Sonnenstrahlen. Jetzt schert mit Siggi allerdings noch der zweite Veranstalter aus! Auch er war im Vorfeld des Laufes nicht vom Verletzungspech verschont geblieben - allerdings beim Versuch, mal wieder "aus der Kalten heraus" Handball zu spielen. Deshalb wird vom Veranstalterduo für die nächste Teilstrecke alle Führungsgewalt in meine Hände gelegt. Als amtierenden König befähigt man mich, den bevorstehenden Abschnitt fehlerfrei bis zum Totenstein zu absolvieren. Das unbekannte Stück bin ich rein zufällig mit Siggi vor zehn Tagen abgelaufen und dürfte deshalb auch keine Probleme bei der Wegfindung darstellen. Doch weit gefehlt! Nach der Unterführung der BAB4 verpasse ich die erste Abbiegung und führe so die Truppe in eine Art Sackgasse. Als ich den Fehler bemerke, ist es mir jedoch zu blöd, alle wieder umkehren zu lassen. Plötzlich taucht neben dem Brunnenbächel ein Trampelpfad in die "richtige" Richtung auf. Meine Rettung! Dieser Weg kommt zwar "oben" in Höhe des Stauseeparkplatzes und nicht "unten" in der Senke auf der Oberfrohnaer Straße an, wird aber von meinen Mitstreitern als sehr reizvoll gelobt. Sie dürfen bloß diesen Verhauer im Gerstenhain nicht ans Veranstalterbüro weitergeben, mahne ich sie, damit man dort meine oft zitierte Orientierungsgabe nicht in Frage stellt und Konsequenzen aus diesem Fiasko zieht. Unerlaubtes Entfernen von der vorgegebenen Strecke - ein Disqualifizierungsgrund? Es würde vielen, die mir kilometermäßig im Nacken liegen, in die Karten spielen.

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Was bin ich froh, diesen Fauxpas so elegant ausgebügelt zu haben. Doch irgendwie gibt es noch eine Bestrafung - einen Ordnungsgong in Form von stechendem Schmerz im linken Oberschenkel. Der Muskel ist wie gelähmt und zwickt mit jedem Schritt mehr. Ein Blick auf die Uhr deutet mir an, daß noch rund 35 Kilometer vor mir liegen und sich ein langer Kampf bis zum Kepler-Gymnasium abzeichnet. Komischerweise hat auch Ute mit Problemen zu kämpfen. Jedenfalls kann ich mir die weitere Führungsarbeit bis zum Totenstein ersparen, da wir uns auf der original Stauseelauf-Runde befinden, die ein Großteil der Teilnehmer kennt. So kann ich mich stellenweise als Seelentröster um Ute kümmern. Immerhin kommt die große Mittagspause auf dem Totenstein-Plateau genau recht. Ute geht zur Physiotherapie in die Freiluftpraxis von Rene Morgenstern und ich lenke mich mit Sandkasten-Spielereien vom persönlichen Dilemma etwas ab. Natürlich gibt es auch wieder das gewohnte Nudelgericht auf der Totenstein-Alm und die Besteigung des Maria-Josepha-Turmes. Zum Mittagsmahl wird alkoholfreies Weizenbier gereicht, welches aus Medizinersicht impotent machen würde. Da ich jedoch großen Durst verspüre und schon zwei Söhne habe, greife ich bedenkenlos zu. Durst ist schließlich schlimmer als Heimweh!

Zehn Minuten vor der Zeit, welche im Roadbook festgeschrieben steht, geht es wieder in die Spur. Bergab fällt es mir nun besonders schwer und der Abstieg nach Grüna hat es nach der langen Pause auch sonst immer in sich gehabt. Mittlerweile zerfällt das Teilnehmerfeld vom Wiesengrund nach Mittelbach immer mehr. Die Lücken werden größer und vorn wird das festgeschriebene 6:30-Minuten-Tempo um fast eine Minute "verfehlt". Es ist jedoch ein Gruppenlauf und kein Wettkampf! Es geht um das gemeinschaftliche Laufen und dabei sollte man auf die Schwächsten im Trupp Rücksicht nehmen und gegebenenfalls auf sie warten. Es wird Zeit beim nächsten Verpflegungsstand ein Machtwort zu sprechen. Es ist ja nicht böse gemeint, aber notwendig!

Von Mittelbach hinüber nach Neukirchen bleibt daraufhin das Teilnehmerfeld auch schön beisammen und kommt fast geschlossen an der Stelzendorfer Luthereiche zum nächsten Imbiß an. Der bestehende Radfahrerkorso von Gunter und Rene wird nun durch Wewe erweitert. Zwar wollte auch Yvonne als weitere Radbegleitung hier "einsteigen", jedoch erscheint sie bis zu unserem Aufbruch nicht. Durch das Heckert-Wohngebiet kämpfen wir uns zum Hutholz(wald) durch, an dessen Ende eine seit Jahren zerstörte Holzbrücke über ein Rinnsal von Bach führt. Im Volksmund wird sie ehrfurchtsvoll "Brücke des Todes" genannt, welche über die "Schlucht der ewigen Gefahr" führt. Der Insider sieht darin Parallelen zum Kultfilm "Ritter der Kokosnuß", welche jedoch "hinken", denn es fehlt der Wächter der Brücke - Jens Mende! Hier ist sein Revier und er hatte eine Kurzaudienz beim Fußvolk angekündigt aber er fehlt. Wenig später passieren wir, in nur wenigen hundert Meter Entfernung, seinen Lebensmittelpunkt im Harthwald. Auf eine telefonisch abgesetzte Anmeldung bei ihm reagiert er (wie immer) nicht.

Kopie von DSCN1817Alles synchron! Nur der Radfahrer "tritt" aus der Reihe.

Dafür stößt Yvonne am nächsten VP in Harthau zum Tross. Es folgt der lange Anstieg zum Aussichtspunkt Pappel und das Feld zieht sich, aufgrund der Leistungsunterschiede, sehr weit auseinander. Am Scheitelpunkt von Würschnitz- und Zwönitztal sammelt sich der Pulk wieder, ehe es hinab zum Wassertretbecken im Niedereinsiedler Wald geht. Dort wartet neben dem obligatorischen Kaffee- und Kuchengedeck auch Tilo mit seinem (kostenlosen) Handtuchverleih auf potentielle Kneippkur-Kunden. Die gibt es reichlich und auch ich betäube den mittlerweile starken Schmerz im Oberschenkel mit einer Erfrischung im kalten Wasser. Für den Anstieg auf dem Lehmgrubenweg hoch zur (alten) Zschopauer Straße ist diese Methode der Pausengestaltung sehr hilfreich, nur eben nicht sehr lang anhaltend und so sticht und hämmert es Richtung Adelsbergturm fleißig weiter im Gebein. Es ist aber nicht mehr weit bis zum Ziel und ein Aufgeben kommt nicht in Frage. Mittlerweile hat sich auch Ute wieder etwas erholt und kann ganz gut Schritt halten. Dafür "steigt" kurz nach der Verpflegungsstation auf dem Adelsbergturm-Parkplatz ein (namentlich hier nicht genannter) Kandidat ins Begleitfahrzeug - Muskelkrämpfe signalisierten ihm das Ende der sportlichen Betätigung.

Aufgrund des fast sommerlichen Wetters wird in diesem Jahr die Variante durch das Biotop dem Eubaer Radweg vorgezogen. Dort wartet noch ein giftiger Anstieg, der Rest ist Genußlaufen auf Trampelpfaden oder über Wiesenabschnitte. Am Ende dieses Sektors, am Ortseingang von Chemnitz-Adelsberg, gibt es noch einmal eine zusätzliche Beköstigung, da sonst der letzte Abschnitt mit dem Prädikat "Unterversorgt" der Veranstaltung einen Makel aufgesetzt hätte. Nun sind es, aufgrund der Start- und Zielverlagerung, noch etwas über drei Kilometer. Dem bekannten Weg durch den Zeisigwald, vorbei an beiden früheren Start- und Zielorten, folgt ein Mix aus Neubaugebiet und Kleingartenanlagen. Mit Frank laufe ich, mit rund einhundert Metern Abstand, am Ende des Feldes - so hat es uns zumindest Radmelderin Yvonne verklickert und auch mindestens drei Personen, die sich hinter schützenden Gartenzäunen aufhielten, bestätigten spöttisch, daß wir Zwei die Bummelletzten sind. Beim letzten Sammeln für eine geschlossene Zielankunft fehlt allerdings noch eine Person. Zum Glück ist seit dem Wassertretbecken Stefan aus Berlin ebenfalls als Radbegleiter unterwegs und hat sich dem (namentlich hier gleichermaßen nicht genannten) Nachzügler angenommen. So ist kurz darauf ein Zieleinlauf im Pulk gegeben und nachdem das erste Zielbier (früher gab es mal "Finisher-Bananen"!) veratmet wurde, folgt auf dem Schulhof die offizielle Krönung des alten und neuen "Alleinigen Rund-um-Chemnitz-König's" - kurz: ARUCK. Demütig empfange ich den "Ritterschlag" von Tilo und Siggi, denn noch nie habe ich mich bei einem Gruppenlauf so gequält. Jetzt weiß ich auch, wie es ist, wenn man hinterherlaufen muß und keine Lücken durch kurzes Anrucken wieder schließen kann. Umso mehr freue ich mich über meine weiterhin "blütenreine Weste", die alle bisher möglichen Kilometer beinhaltet. Auf eine königliche Ansprache verzichte ich dennoch, da viele Teilnehmer schon zum Duschen im Schulgebäude verschwunden sind.

Kopie von RUCP1070324 1 Kopie von RUCTilo 

Hier meine ursprünglich vorgesehene Rede an die Teilnehmer und Helfer: "Ihro Durchlaucht, von Gottes Gnaden König der Chemnitzer Umrundung, sowie dreifacher Meister beim Erklimmen des Heinersdorfberges möchten hiermit Dank sagen an alle am heutigen Tage Dabeigewesenen. Ein besonders herzlicher Dank soll die gar überaus fleißigen Versorgungsmaiden Heike, Kathrin, Simone und Denise ereilen. Desweiteren begehret Tilo die Dankesschuld für sein unermütliches Auf- und Abbauen des wohlwichtigen Klapptisches aus Sinsheimer Fabrikation. Auch die uns auf ihren Stahlrössern begleitenden Laufburschen und  -weiber a.D., Gunter, Rene, Wewe, Yvonne und Stefan gebührt ein Dankeswort von oberster Stelle. Den Wirtsleuten vom Totenstein danket der königliche Magen und das Management in persona Siggi und Tilo höchstselbst (und zum zweiten Male hier erwähnt) nimmt mein ehrwürdiges Dankbarkeitsgefühl für ihre vorzügliche Veranstaltung entgegen. Terima kasih untuk penerimaan taruhan, yang tidak mengkonfirmasi penggulingan raja. Terima kasih atas kesempatan taruhan tinggi." (Der letzte Teil der Rede ist eine, im schlechten indonesisch formulierte Danksagung an meine südostasiatischen Strohmänner im Wettgeschäft, die doch noch eine hochdotierte Wette zum Thema ARUCK für mich äußerst gewinnbringend plazierten.)

Der Tag klingt wenige Meter vom Kepler-Gymnasium entfernt, in einer griechischen Gastwirtschaft aus. Und wenig später erreichen die Teilnehmerurkunden via E-Mail die Probanden. Dabei ist Tilos Post sicherlich die hochwertigste von allen, hat er doch einen Klapptisch als Piktogramm neben seine Läufersterne plaziert bekommen.

Noch etwas Statistik zu sieben Chemnitz-Umrundungen:

1. Lauf 24.04.2010 15 Läufer 61,30 km 1.030 Hm+
2. Lauf 07.05.2011 19 Läufer 61,49 km 1.100 Hm+
3. Lauf 28.04.2012 26 Läufer 61,30 km 1.023 Hm+
4. Lauf 11.05.2013 33 Läufer 61,90 km 1.030 Hm+
5. Lauf 03.05.2014 27 Läufer 62,80 km 1.030 Hm+
6. Lauf 25.04.2015 23 Läufer 61,60 km 1.035 Hm+
7. Lauf 07.05.2016 24 Läufer 62,45 km 1.005 Hm+

Die kilometerfleißigsten Teilnehmer:

1. Delling, Thomas LV Limbach 2000 428 km 61 61 61 61 61 61 62
2. Beyer, Siegfried Burgstädter LV 384 km 61 61 61 61 61 38 41
3. Herfurt, Ute* LV Limbach 2000 367 km   61 61 61 61 61 62
  Pella, Juliane SG Adelsberg 367 km   61 61 61 61 61 62
  Spillecke, Antje LAC Erdgas Chemnitz 367 km   61 61 61 61 61 62
  Spillecke, Jörg LAC Erdgas Chemnitz 367 km   61 61 61 61 61 62
7. Kozlik, Tilo Burgstädter LV 347 km 61 61 42 61 61 61  
8. Schramm, Sören Chemnitzer LV Megware 306 km     61 61 61 61 62
9. Kindlein, Frank Burgstädter LV 261 km 11 33   33 61 61 62
10. Lau, Ina LT Nordkreuz Berlin 184 km       61 61   62
  Lau, Mathias LT Nordkreuz Berlin 184 km       61 61   62
12. Bergmann, Heike LG Nord Berlin Ultrateam 183 km 61   61   61    
  Naumann, Annett DLRG Leisnig 183 km     61 61 61    
  Schreiber, Dirk DLRG Leisnig 183 km     61 61 61    
15. Blumtritt, Ute LV Limbach 2000 169 km         61 54 54

* Ute hat den 1. Lauf komplett als Radbegleiterin zurückgelegt und damit auch alle möglichen Kilometer "sportlich" absolviert.

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