Waldwiese

34. Zschopautallauf Erdmannsdorf 2016

Geschrieben von Thomas Delling.

08.09.2016 18:15 Uhr  8,7 km
75 Hm+
75 Hm-

Kopie von 20160908 190052So schön kann ein Finish beim Zschopautallauf sein.

Nach Erholungsurlaub und damit verbundenem läuferischen Sommerloch ist der Erdmannsdorfer Zschopautallauf eine Art Pflichtveranstaltung, wenn es um den ambitionierten Einstieg in die sportlichen Aktivitäten des Spätsommers und Herbstes geht. Hier gilt es die Grundlage zu schaffen, um bei nachfolgenden Wettkämpfen nicht noch im Trainingsaufbau "rumzueiern". Naja, ist vielleicht etwas übertrieben, diese Texteinleitung, aber der ZTL ist nun mal Pflicht! Punkt Ausrufezeichen!

So richtig gute Zeiten habe ich zwischen Erdmannsdorf und Hennersdorf noch nie erzielt. Deshalb liegt der Fokus dieser Veranstaltung mehr auf "dem Bier danach" und einem möglichst langen Feierabendausklang des Donnerstags am idyllischen Ufer der Zschopau auf dem Erdmannsdorfer Auensportplatz. Der Laufsport wird dort sehr familiär zelebriert und die Leute sind eh stets die selben, außer einem nun altersbedingt ausgeschiedenen ehemaligen Kaderathlet. Dabei rede ich jetzt nicht von Wolfgang (immerhin Platz 2 in der M70), sondern von Jens. Fehlte er im Vorjahr noch entschuldigt, da er an einer Bergexpedition im Karwendel teilnahm, ist er mittlerweile des Sporttreibens müde geworden. Der sogenannte "Firmenlauf" am Vorabend gilt heutzutage schon als Absagegrund des wohl wichtigsten Termins im Laufkalender. Mit dem schönen Begriff "Doppelbelastung" läßt sich allerlei Schindluder treiben und Jens nutzt dieses Vokabular nun auch in inflationärer Art und Weise aus, um Geldbeutel und Beinmuskulatur zu schonen. Dabei hat der Chemnitzer Firmenlauf doch längst den Status eines der größten Chemnitzer Volksfeste erreicht. Die Teilnehmerzahlen steigen stetig und werden wohl in ein paar Jahren die des Chemnitz Berlin-Marathons übersteigen. Der Laufsport wird in großem Maße für Firmenrepräsentation und das Sehen-und-Gesehen-werden mißbraucht und Jens läßt sich, trotz seines gesetzten Alters und der damit verbundenen Weisheit, vor diesen "Werbe"karren spannen - es gibt ja schließlich auch was zu trinken hinterher, mit etwas Glück sogar gesponsert. Der Sport wird im Zentrum von Chemnitz auf minimalistische 4,8 Kilometer Laufstrecke begrenzt. Jens, dafür haben wir uns doch früher gar nicht umgezogen! ... und das ist jetzt Dein "Event", dem Du alles andere unterordnest? Sicherlich habe ich ich auch mal am Firmenlauf teilgenommen - damals war es aber noch Sport und ich war noch zu unerfahren um diese Strukturen des Wirtschaftsmarketings offenzulegen.

In Erdmannsdorf ist die Laufstrecke zwar auch nur geringfügig länger und der Schweiß wird ebenfalls mit Bier bekämpft, aber in einer menschenwürdigeren Form. Alle von mir gestarteten Appelle, Jens zu einem Umdenken zu bewegen, verlaufen ins Leere. Keine Reaktion, kein gar nichts! Er wird seinen Abend trostlos vorm Fernseher verbringen und stets sein Gewissen mit der drohenden Doppelbelastung reinwaschen. Diese wird sich aber hoffentlich auf die doppelte Bier-Degustation beziehen und nicht auf die zwei Warmlaufdistanzen in Chemnitz und Erdmannsdorf. Belastung ist, wenn z.B. der gleichaltrige Peruaner Mario Wilbert Ramos Quispe innerhalb von vier Wochen zuerst den PTL (299,5 km / 25.010 Hm+), eine Woche später den 4K (349,3 km / 23.605 Hm+) und zwei Tage nach dessen Zielankunft den Tor des Gèants (332 km / 24.000 Hm+) erledigt. Danach könnte man wirklich etwas selbstzufrieden die Beine hochlegen, aber nicht nach einem Volksfestbesuch, selbst wenn man da etwas zu tief ins Glas geguckt hat! Das klingt jetzt alles nach etwas angestauten Frust, der raus muß - so ist es auch! Einer der zuverläßigsten ZTL-Teilnehmer kneift plötzlich und das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Die Anreise ins Zschopautal zieht sich etwas, da eine Umleitung für eine Rundfahrt durchs Erzgebirgsvorland einlädt. Erst eine viertel Stunde vor dem Start treffen wir auf dem Sportplatz ein - genug Zeit zur Vorbereitung (mit Startnummernabholung und Toilettengang). Pünktlich zum Startschuß reihe ich mich in das Feld der 8-Kilometer-Runde ein. Während ich mich noch etwas ärgere, so weit hinten das gemütliche Anfangstempo gehen zu müssen, will Ute heute sowieso nur "mitlaufen". Ihr fehlt einfach die Motivation und (vielleicht) auch die Kraft, waren wir doch im Urlaub schon 690 Kilometer zu Fuß unterwegs (425 Kilometer davon in Wettkampfform) und haben dabei immerhin 50.120 positive Höhenmeter mit abgearbeitet. Jedenfalls ist die Distanz heute recht übersichtlich und dürfte nach einer Dreiviertelstunde auch erledigt sein. Auf den geraden Abschnitten komme ich nicht so recht voran und an der Hucke von Hennersdorf passiert noch weniger. Wenigstens bleibe ich im Ziel unter der magischen 40-Minuten-Marke, habe aber mit 39:59 Minuten ein doch recht krampfhaft erzieltes Ergebnis. Ute kommt wenige Augenblicke nach mir in die finale Stadionrunde geschwebt - Altersklassensieg! Was sonst?

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M70 über 4,8 km M30 über 8,7 km W50 über 8,7 km

Um einen fließenden Übergang zur Regeneration herzustellen, hat "Rund um Chemnitz"-Mitorganisator Tilo (bei dem ich ebenfalls mein Geld für die Dauer des Laufes zu günstigen Konditionen anlegen konnte) bereits einen "Drei-Zylinder" (Wortschöpfungs© Tilo Kozlik), also drei frischgezapfte Bier, für uns bereitstehen. Dadurch geht keine, in dieser Phase der Soforterholung wichtige Zeit verloren, wie wenn man sich erst noch mit verschwitzter Sportkleidung in die Schlange, der am Bierstand wartenden Zielankömmlinge, einreihen müßte. Unter diesen fast leistungssportähnlichen Bedingungen macht mir mein Ergebnis natürlich ein klitzekleines schlechtes Gewissen, aber darum geht es in der anschließenden Auswertung sowieso nicht. Diese wird zudem ständig durch nach vorn gerufene Siegerehrungsberechtigte unterbrochen und verlängert sich daher bis in die dunklen Abendstunden. Da wird dann auch mal Tilos Fahrrad benötigt, um die im Schaukasten angeschlagenen Ergebnislisten zu entziffern. Durch Drehen des Vorderrades wird auf etwas altertümliche Art und Weise, mittels eines Dynamos, Strom und damit ein Lichtstrahl erzeugt, welcher uns die Listen studieren läßt. Natürlich sind wir auch wieder die letzten Gäste, die das Terrain verlassen. Als Abschiedsgeschenk gibt es noch eine Gratis-Roster für den Heimweg - damit wir nächstes Jahr auch wiederkommen oder alternativ als Bonus für die bisherige regelmäßige Teilnahme.

Dieser Zschopautallauf ließ es an nichts fehlen, mal abgesehen von meiner ausbaufähigen Zielzeit. Im Gegensatz zu den Vorjahren war seitens der SG Erdmannsdorf dem stets auftauchenden Engpaß an Rostern, Steaks und Bier vorgebeugt worden und bis zum letzten Gast konnte "für das leibliche Wohl gesorgt" werden, wie es gern in der Volksfestsprache genannt wird. Ich hoffe, Jens hat seine falsche Entscheidung (dem ZTL fern zu bleiben) bitter bereut, indem er die "Doppelbelastung" nicht angenommen hat, denn diese hat er bei seinem Herbsthöhepunkt, dem Elbtal-Weinlauf auch - mit Weingesaufe und einer Distanz, die er mittlerweile nur noch vom Hörensagen kennt ...

Ergebnis 8,7 km:

Männer: 61 Teilnehmer
1. Mayerhöfer, Felix DJK Dasswang 1. M30 29:48 min
2. Flegel, Christian SG Adelsberg 1. M20 30:41 min
3. Kämpf, Michael Chemnitz 1. M40 31:15 min
4. Hofmann, Marco SV Einheit Bräunsdorf 2. M30 31.19 min
5. Seidel, Stefan SG Adelsberg 2. M20 31:24 min
6. Weiß, Thomas Einsiedler Skiverein 3. M20 32:18 min
33. Delling, Thomas LV Limbach 2000 7. M40 39:59 min
Frauen: 20 Teilnehmerinnen
1. Gründler, Anne SG Adelsberg 1. W20 37:27 min
2. Sippel, Simone TSG Oederan 1. WU18 37:39 min
3. Gasch, Janine Chemnitzer LV Megware 1. W35 40:47 min
4. Rabenhold, Jenny Einsiedler Skiverein 1. WU20 41:10 min
5. Wetzel, Katrin Chemnitzer LV Megware 2. W20 41:26 min
6. Hamann, Christina TSV Falkenau 1888 2. W35 42:36 min
8. Herfurt, Ute LV Limbach 2000 1. W50 43:16 min
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