Waldwiese

7. Einsiedler Herbstcrosslauf 2016

Geschrieben von Thomas Delling.

16.10.2016 10:35 Uhr 10,59 km 240 Hm+ 238 Hm-

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Wenn ich im Jahr 2059 beim 50. Einsiedler Herbstcrosslauf an der Startlinie stehe, will ich auf alle Fälle zu dem Personenkreis gezählt werden, dessen Mitglieder an allen 49 zuvor stattgefundenen Veranstaltungen teilgenommen haben. Doch schon zur siebten Auflage scheint dieses epochale Projekt zu scheitern. Durch das wechselhafte Wetter hole ich mir auf Arbeit eine Erkältung ab - also richtig heftig, mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit und Gliederschmerzen. Deren Scheitelpunkt am Freitag zieht die Absage am 40. Jenaer Kernberglauf nach sich und für tags darauf in Einsiedel wird es für mich auch keine andere Variante geben.

Zwar versuche ich, mit übermäßigen Genuß von Salbei, Ingwer, Honig und Zitrone (meist in Teeform) dem Infekt entgegenzuwirken. Das Übel wird zwar damit langsam in die Knie gezwungen, hat aber Geduld und somit ist am Sonntagmorgen der Herbstcross endgültig ad acta gelegt. Zuschauen statt Mitlaufen, vernünftig sein statt etwas übers Knie zu brechen!  Ich leihe mir für meine nun ungewohnte Freizeitgestaltung im Einsiedler Wald noch schnell eine Spiegelreflexkamera aus, damit ich wenigstens ein paar verwertbare Bilder vom Wettkampf schießen kann, denn das Wetter präsentiert sich anfangs doch recht grau und nicht so sonnig, wie es die Wetterfrösche vorhergesagt hatten. Nur mit Ute mache ich mich auf den Weg nach Einsiedel, während Bruno noch seine Knieverletzung als Entschuldigung vorschieben kann und Martin zum Fußball-Landespokalspiel nach Plauen unterwegs ist. Der Andrang am ehemaligen Pionierlager ist wie immer groß, wenn der Skiverein zum Crosslauf lädt, aber im hinteren Teil des Parkplatzes findet sich schon noch eine Lücke für unser Gefährt. Alles wie immer. Schade, daß ich heute nicht mitlaufen kann und mir so dieser Zehner irgendwann mal fehlen wird. Es muß sich jedoch jemand kurzfristig meines "Problems" angenommen haben und die Geschichte vom "7. Einsiedler Herbstcrosslauf" nimmt so ganz unerwartet einen neuen Lauf.

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Notrufzentrale Mende (112) - Delling (110) Ute (mit Geburtsdatum) und Willy (113)

Während Ute und ich an der Startnummernausgabe der Dinge harren, taucht plötzlich aus dem Nichts unser ehemaliger Mitstreiter Jens auf. Auch er hat, wie wir, die um einen Euro billigere Voranmeldung genutzt und will nun vom Zehner auf die fünf Kilometer ummelden. Geht's noch? Die Frauenstrecke? Ich lege Protest ein und kann ihn letztendlich von seinem Vorhaben abhalten. Ich werde nach langem Überzeugungsgespräch als sein Begleitläufer starten, habe eben bloß kein Laufequipment dabei. Zum Glück habe ich mich des Morgens für den sportlichen Schlabberlook entschieden und keine Jeans mit Annorak aus dem Schrank gewühlt. So habe ich wenigstens eine lange Sporthose und ein Baumwollhemd (ging in früheren Zeiten ja auch!) an, darüber noch eine Weste, damit ich unterwegs nicht friere. Eine persönliche Bestzeit ist heute nicht von Jens zu erwarten und da ist die Gefahr des Auskühlens nicht allzu abwegig. Mental scheint er sich jedoch bis zum Start gesammelt zu haben, schließlich muß er nun doch die doppelte Distanz absolvieren. Er wird es schaffen, auch wenn die Streckenführung durch den Einsiedler Wald nicht gerade sehr einfach daherkommt. Doch hier war früher mal sein Laufrevier, also ist er bestens mit der Materie vertraut und unsere Startnummern 110 und 112 geben zudem zusätzliche Sicherheit - sind wir doch damit in den Rang des Ansprechpartners Nummer 1 gehoben, wenn es irgendwo Probleme gibt.

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 Am Fuße der Wettinhöhe (465 m)  Jens mit Sichtkontakt zum Vordermann

Natürlich nehmen wir im Startblock die hinteren Plätze war und können so das Feld schön von hinten kontrollieren. Das gelingt jedoch maximal die ersten einhundert Meter, denn danach ist die Lücke schon so groß gerissen, daß der Sichtkontakt zur Spitzengruppe verloren gegangen ist. Der Sprecher schickt uns mit den Worten "... Hauptsache, es kommen alle wieder gesund im Ziel an ..." in den angrenzenden Tann. Und genau so stelle ich mir es auch vor: gesundheitlich noch leicht angeschlagen loslaufen und gesund den Lauf beenden - wenn dies so eintreten würde, wäre ich rundum zufrieden. Da kann dann auch die erzielte Zeit egal sein, zumal unser Tempo nun wirklich nichts mit wettkampforientiertem Laufen zu tun hat. Ich nehme dieses Gehoppel aber gern an, da ich dadurch kaum eine Belastung spüre und wir uns so gepflegt unterhalten können. Das ist zwar eine Sache die man sich bei einem Wettkampf verkneifen sollte, aber hier im Wald hört und sieht das ja niemand. Es gibt aber auch viel zu berichten, so z.B. vom Elbtal-Weinlauf, den Jens in der Vorwoche zum dritten Mal erfolgreich beenden konnte. Das sind immerhin 30 Kilometer durch die Weinberge zwischen Meißen und Seußlitz und der Erlebnisfaktor ist bei siebeneinhalb Stunden Laufzeit (wegen der vielen Verpflegungsstationen) auch verdammt hoch. So vergeht die Zeit fast wie im Fluge, auch wenn wir heute wesentlich länger auf der Strecke sind, als gewöhnlich. 

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 Glockengeläut an der Lärchenallee (515 m)  Rundendurchlauf

Nach 31:30 Minuten haben wir die erste Runde geschafft und entgehen damit nur knapp einer Überrundung durch den Ersten der 5-km-Läufer, welche zehn Minuten nach uns gestartet sind. Für Runde 2 prognostiziert mir dann Jens eine noch langsamere Zeit, womit er letztendlich auch recht behalten soll. Weit über eine Stunde sind wir insgesamt unterwegs. Hand in Hand (wie man so schön sagt) überqueren wir gemeinsam unter dem (hoffentlich nicht ernstgemeinten) Applaus einiger Zuschauer die Ziellinie. Auch wenn es durch diese Aktion Parallelen zum olympischen Marathonlauf von Rio gibt, werden wir konstruktiver Kritik jederzeit offen gegenüberstehen, unser Handeln jedoch nicht bereuen. Ute und Willy sind zu diesem Zeitpunkt längst geduscht und stehen gelangweilt im Zielbereich herum. Von ihnen spricht kaum jemand, obwohl sie wesentlich schneller als wir waren - dank unseres medienwirksam inszenierten Zieleinlaufes. Trotz aller Anfeindungen (bezogen auf meine Unvernunft) schmeckt sogar das Zielbier, welches zwar den heute erzielten Trainingseffekt schmälert, den Gesundungsprozess hingegen fördern würde.

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 Noch 150 Meter!  Noch 15 Meter!

Auch wenn ich heute meine 2011 aufgestellte Streckenbestzeit von 46 Minuten und 52 Sekunden mit über 17 Minuten "meilenweit" verfehlte, bereue ich meine Teilnahme am Einsiedler Herbstcrosslauf nicht - sichert sie mir doch weiterhin einen lückenlosen Stammbaum in den Ergebnislisten dieser sehr gut organisierten Laufveranstaltung.

 

Ergebnis 10 km:

Männer:    42 Teilnehmer
1. Eigner, Florian Einsiedler Skiverein 1. M21 40:53,1 min
2. Schwebe, Felix Einsiedler Skiverein 2. M21 41:54,6 min
3. Weiß, Thomas Einsiedler Skiverein 3. M21 42:38,2 min
4. Semmler, Georg SV Großwaltersdorf 1953 4. M21 44:54,9 min
5. Rabenhold, Lukas Einsiedler Skiverein 5. M21 45:25,9 min
6. Berthold, Ronny ATSV Gebirge/Gelobtland 1. M31 45:45,7 min
21. Mende, William Chemnitz 2. M31 51:10,6 min
38. Mende, Jens Chemnitz 9. M51 1:04:00,7 h
38. Delling, Thomas LV Limbach 2000 13. M41 1:04:00,7 h
Frauen:   3 Teilnehmerinnen
1. Küttner, Franziska SG Adelsberg 1. AKF 51:07,3 min
2. Herfurt, Ute LV Limbach 2000 2. AKF 58:02,6 min
3. Korb, Jana Chemnitz 3. AKF 1:08:47,5 h

 

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Siegerehrung "Altersklasse M31-40" Siegerehrung "Allgemeine Klasse Frauen"

Beim "Kuchenaufkauf" für die heimische Kaffeetafel fiel mir noch eine Publikation zum 90. Gründungstag des Einsiedler Skivereins in die Hände, mit einem Bild, aufgenommen im Februar 1985 in der Nähe der heutigen Wettkampfstrecke. Leider wurde dieser Schnappschuß seitenverkehrt abgebildet - daher gibt es hier das Original für alle Interessierten:

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... ganz rechts ist dabei auch der Autor des obigen Artikels zu erkennen. Schon damals ein sicherer Garant für hintere Plazierungen.

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