Waldwiese

3. Jahresabschlußmaßnahme im Waldstadion Limbach-Oberfrohna 2016

Geschrieben von Thomas Delling.

31.12.2016 10:00 Uhr 10 km 60 Hm+ 60 Hm-
     5 km 30 Hm+ 30 Hm-

 

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Das Ziel stets vor Augen: Jens' Fokus liegt voll und ganz in seiner Aufnahme in die LVL-Ruhmeshalle.

Einst zog er seine sportliche Erfolgsspur durch ganz Europa! ... oder zumindest durch einen verdammt großen Teil von Europa. Besser gesagt, mir kam es immer so vor, daß er dies tat - wenn ich ihn von seinen "Schlachten in Laufschuhen" erzählen hörte. Doch seit einigen Jahren ist es um den sympathischen Herrn im besten Läuferalter recht ruhig geworden. Kaum einer nimmt noch Notiz von seinen Auftritten bei Wettkämpfen. Stellenweise wird er dort nicht mal mehr gegrüßt! Eine wirklich unerträgliche Situation, welche er, Jens Mende, am letzten Tag des Jahres endlich geraderücken will.

Als er sich Anfang des Monats gegen die Einladungen von sämtlichen etablierten oder nun wieder neu aufkeimenden Silvester-Laufveranstaltungen entschied und sich in die Teilnehmerliste von Limbach eintrug, ahnte niemand seinen ambitionierten Plan. Dabei hätte man durchaus stutzig werden müssen, als sich sein monatlicher Trainingsumfang fast verdreifachte! Erste Früchte erntete er, als er beim Heiligabend-Schnuppermarathon als Erster den Lauf beendete und zwei Tage später in Heiersdorf seine Form mit einem starken Fast-Zehner bestätigte. Nun soll endlich seine Krönung folgen! Und wo gelingt so etwas besser, als bei einem "Heimspiel" im Waldstadion, der Trainings- und Wettkampfarena seines LV Limbach 2000?

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Noch nie hatte ich Jens so entschlossen erlebt, wie an diesem Tage. Zielstrebig steuert er den Limbacher Sportplatz mit seinem Wagen an und auch bei seiner Vorbereitung auf den Lauf läßt er sich durch nichts beirren. Monate des Daseins als Mauerblümchen liegen nun hinter ihm - heute ist der Tag der Abrechnung! Heute zeigt er sein wahres Können! Als der Startschuß fällt, tummelt er sich im hinteren Drittel des Feldes, während vorn die jungen Wilden das Treiben verrückt machen. Doch Jens kennt das Geschäft - er kennt sich und seine Stärken. Er wird zuschlagen, wenn die anderen schwächeln.

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Gekonnt verwickelt er seine Konkurrenten in belanglose Gespräche und wägt dabei, von ihnen unbemerkt, seine Chancen ab. Seine immense Erfahrung spielt er nun immer mehr aus - volle Konzentration, minimale Gesprächsbeteiligung, Laufen auf der Ideallinie. Es kommt, wie es das Drehbuch vorgibt: Jens kann im scharfen Endspurt die Lorbeeren des Sieges davontragen - völlig verdient, wie sich hinterher alle einig sind. Und während er auf den Schultern seiner geschlagenen Vereinsmitglieder in den Sanitärtrakt des Waldstadions getragen wird, findet fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit die zweite Runde der 10-Kilometer-Läufer statt. Es sind vielleicht eine Handvoll, die sich abseits des Trubels noch einmal auf den Kurs begeben - Marathonis, Ultras, also die ganz Harten.

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Sicherlich hat sich Jens diesen Erfolg hart erarbeitet und der daraus resultierende Personenkult ist nur allzu verständlich. Doch nüchtern betrachtet, ist die "Jahresabschlußmaßnahme" des LV Limbach 2000 kein Wettkampf - nicht mal vereinsintern! Es ist das letzte sportliche Füßevertreten im alten Jahr. Da gibt es keine Streckenlängenvorschrift vom DLV oder künstlich aufgebauten Erfolgsdruck durch Verwandte und Bekannte! Es gibt nur warme und kalte Speisen, sowie heiße und gekühlte Getränke. Wer laufen will, läuft! Wer nicht laufen will, säuft!

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Es scheint auch keine Ruhmeshalle des LVL zu geben. Zumindest hat sie noch kein Vereinsmitglied jemals gesehen - vielleicht weil sie verschlossen ist und nur wenige Vorstandsmitglieder wissen, welcher Schlüssel die Pforte dazu öffnet.

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Der persönliche Jahresrückblick fällt mal wieder nicht zu euphorisch aus. Nur 3.197 zurückgelegte Laufkilometer verfehlten das Viertausender-Ziel deutlich. Bei insgesamt 108 Läufen bedeutet dies einen Durchschnitt von 29,6 Kilometern pro Trainings- oder Wettkampfeinheit. Die "erstiegenen" 68.328 vertikalen Meter entsprechen der 211fachen Besteigung des kompletten Eiffelturms (da ein Großteil dieser Höhenmeter ja auch in Frankreich erlaufen wurden). Während alle Wettkämpfe von Zehn über Halbmarathon, Marathon bishin zum Rennsteiglauf allesamt eher unbefriedigende Ergebnisse verbuchten, kann ich mit dem Erreichen meiner gesetzten Ziele beim 24-Stundenlauf in Basel (201,308 km), sowie dem Finish beim Südtirol Ultra (121 km) und dem PTL (299 km) zufrieden sein. Außerdem konnte ich meinen Titel als "Alleiniger Rund-um-Chemnitz-König" unter großen Schmerzen verteidigen ...

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