Waldwiese

45. GutsMuths-Rennsteiglauf 2017

Geschrieben von Thomas Delling.

20.05.2017 6:00 Uhr 73,5 km 1.867 Hm+ 1.382 Hm-

Kopie von IMG 2467Neu beim Supermarathon: das 73er Kilometerschild.

Der Rummel in Eisenach ist an diesem Maiwochenende besonders groß. Es ist dabei nicht nur die 45. Austragung des GutsMuths-Rennsteiglaufes, sondern auch das 500jährige Luther'sche Reformationsjubiläum, welche das Geschehen im thüringischen Städtchen prägen. Doch was soll dann erst im nächsten Jahr abgehen, wenn Ute ihren zehnten Supermarathon in Folge absolviert? Natürlich nichts, wenn man sich die endlosen Zettel mit Jubiläumskandidaten vom 25. Mal aufwärts bis zur möglichen 45. Teilnahme im Anmeldebüro ansieht! Um bei "Ute's kleinem Jubiläum" trotzdem nichts dem Zufall zu überlassen, nutzen wir die diesjährige Veranstaltung als Generalprobe und machen einen gemeinsamen Erkundungslauf - schließlich gilt es auch, die zusätzlichen (neuvermessenen oder "reformierten") 800 Meter zum bisher gewohnten 72,7er herauszufinden. Damit dann Ute in einem Jahr nicht kneift, muß sie schlaftrunken des Freitagnachts die von mir ausgefüllte Sofortanmeldung für 2018 unterschreiben, welche ich nach unserer Zielankunft am folgenden Tag schnurstracks zum Meldestand bringe ...

Um den im Jahre 1330 erstmals urkundlich erwähnten Rennsteig ranken sich viele Legenden. So sollen sowohl Martin Luther als auch Johann Wolfgang von Goethe Stammgäste auf diesem "Weg auf den Höh'n" gewesen sein. Den Grundstein des Rennsteig-Tourismus legte jedoch Julius von Plänkner, mit der genauen Beschreibung seines Fünf-Tage-Marsches über 167 Kilometer von Hörschel nach Blankenstein im Jahr 1830. Seine damalige (von ihm kartographierte) Route ist auch heute noch für die Rennsteig-Wegführung gültig. Vor rund einhundert Jahren wurde der Rennsteig erneut vermessen, Prof. Johannes Bühring erfasste dabei mit dem Handrad 171.440 Meter.

Der erste "Rennsteiglauf" genannte Wettkampf war ein Lauf vom Schneekopf zum Sportplatz in Schmiedefeld über 10,5 Kilometer im August 1924. Neben mehreren Skiwettkämpfen wurden auch hin und wieder Laufwettbewerbe auf Teilen des Rennsteiges ausgetragen. Erst am 13. Mai 1973 konnte (nach drei Testläufen in den Vorjahren) mit einem 50-Meilen-Lauf von vier Teilnehmern der (heutige) GutsMuths-Rennsteiglauf aus der Taufe gehoben werden. Im Jahr darauf gingen schon 12 Läufer an den Start, von denen (82 Kilometer später) acht im Ziel ankamen. 1975 gab es neben der 82er Distanz (702 Zielankömmlinge) auch eine Strecke über 38 Kilometer (109 Finisher). Von 1976 bis 1981 wurde der Rennsteiglauf offiziell mit 75 Kilometern angegeben. In den Folgejahren variierten die Streckenangaben von 63,8 bis 73,3 Kilometern. Erst von 1989 bis 1991 zog mit 65 Kilometern Länge wieder etwas Konstanz ein. In den nächsten fünf Jahren steht eine Distanz von 66,5 Kilometern in den Ergebnisprotokollen, welche darauf von einer Länge von 76 Kilometern abgelöst wird. In den Jahren 2001 und 2002 einigt man sich auf 74,5 Kilometer, ehe man seit 2003 die geläufige 72,7 nutzt. Nun wurde also die Rennsteig-Wettkampfstrecke neu vermessen - und siehe da: das, was so viele nach Zielankunft vermuteten, ist nun offiziell! Die Strecke war schon immer länger, nun gibt es endlich Gerechtigkeit! Gerechtigkeit der eigenen Leistung gegenüber, die durch die Strecken"verlängerung" in ein ganz anderes Licht rückt und Gerechtigkeit dem eigenen Aufzeichnungsgerät am Handgelenk gegenüber, weil es doch Recht hatte! Mit 73,5 Kilometern wurde zudem eine gute Kombination aus Erstaustragungsjahr (1973 = 73 km) und Reformationsjubiläum (500 Jahre = 500 m) gefunden.

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Nun gehört ja in jeden Laufbericht zumindest ein wenig Gejammer, wegen Krankheiten oder Wehwehchen, die man seit Wochen mit sich herumschleppt oder, daß man zu wenig trainiert, weil man dies nachweislich nicht konnte. Genau in diese Kerbe will ich nun auch schlagen. Körperlich und gesundheitlich in Topform, fehlt es uns allerdings am langstreckenspezifischen Grundtraining. Zwei, drei längere, ernstzunehmende Einheiten für den Rennsteig dürften uns nicht mit Bestzeit-Ambitionen (7:40:02 h bzw. 6:32:55 h) an den Start gehen lassen. Deshalb gibt es für Ute keine Unter-8-Stunden-Vorgabe von mir, aber die Bedingung, wenigstens nicht das Knapp-9-Stunden-Ergebnis des Vorjahres (8:57:17 h) zu verschlechtern. Insgeheim hoffe ich auf einen Zieleinlauf um die achteinhalb Stunden, auch wenn der Rennsteig-Veteran unserer ehemaligen Trainingsgruppe Altchemnitz/Harthwald, Jens Mende, eine Zielzeit von 7:30 Stunden (augenzwinkernd) fordert. Er würde zu diesem Zeitpunkt (13:30 Uhr) beim sogenannten Ost-Derby Chemnitz gegen Rostock, den zwei herbsten Enttäuschungen seit es Drittligafußball gibt, als Tribünengast im Stadion weilen. Zum Glück hatten wir uns, noch vor Veröffentlichung des Rahmenspielplans der 3. Liga, für den Rennsteig gemeldet. Ich wäre vielleicht Anfang der Spielzeit 2016/17 auf den schmalen Pfad gekommen, dieses Spiel unbedingt sehen zu müssen und hätte dem Rennsteig meine noch jungfräuliche Treue verwehrt. Im Frühjahr zeichnete sich jedoch mehr und mehr die Wertigkeit dieses Spieles ab - "Not gegen Elend beim Skat um einen grau oder dunkelgrau gefärbten Mittelfeldplatz" war zu erwarten und Tüten voller Mitleid wurden zu Hauf an Besitzer mit Eintrittskarte verschenkt. Und da ist Jens als Unterstützer der Gastmannschaft sogar noch eine Stufe tiefer gestellt, als der arg gebeutelte (inflationäres Wortspiel den CFC-Sportdirektor betreffend) Himmelblaue. Sei es drum, großer Sport ist jedenfalls auch von uns beiden nicht zu erwarten.

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Die Anreise erfolgt in den Mittagsstunden des Freitags und so haben wir noch genügend Zeit der tausendjährigen Stieleiche von Nöbdenitz einen Besuch abzustatten. Das Quartier in Eisenach ist das des Vorjahres und liegt unweit vom Markt, dem Start des Rennsteiglauf-Supermarathons. Nachdem wir die Starterbeutel geholt haben, überbrücken wir die freie Zeit bis zur Kloßparty mit dem Verköstigen der thüringischen Schwarzbierspezialitäten. Sven vom Burgstädter Laufverein stößt später noch dazu und wird für eine Nacht das Zimmer mit uns teilen. Während wir nach dem Lauf zurück nach Eisenach müssen, um die zweite Nacht in der Herberge abzusitzen, fährt er nach der Zielankunft von Schmiedefeld zurück in die Heimat. Ohne die Buchung der zweiten Nacht hätten wir allerdings kein Zimmer reservieren können - so sind nun mal die Gesetze zum Rennsteiglauf in der Wartburgstadt!

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Die Nacht ist, wie immer, kurz! Der Wecker schellt um 4:15 Uhr, obwohl ich schon mindestens eine Stunde wach bin. Das Frühstück besteht aus einem Butterbrötchen und etwas Wasser. Der Rennsteiglauf ist ja bekannt für seine fürstliche Bewirtung und der will ich nun nicht schon am frühen Morgen vorgreifen. Die Zeit bis zum Start um 6 Uhr vergeht recht schnell. Das Ritual ist immer gleich - der Hubschrauber kreist über dem Markt und kurz vor sechs beginnt der Countdown. Diesmal haben wir uns in die erste Hälfte des Feldes gezwängt. Man übernimmt zwar zwangsläufig den vorgegebenen Gruppentrott, hat aber später bei den ersten Einengungen keine zu langen Standzeiten, wie sie der hintere Teil der rund 2.200 gestarteten Läufer hat.

Der Himmel ist wolkenverhangen und das Thermometer erreicht gerade so den zweistelligen Meßbereich. Es herrschen also optimale Bedingungen - Bestzeitenwetter, hätten wir früher gesagt. Doch diese Ambitionen hegen wir heute nicht, denn auch die Erinnerung daran, wann ich denn das letzte Mal zur Verbesserung einer persönlichen Rekordmarke unterwegs war, ist sehr trübe. Heute will ich zudem Ute nicht mit meinen ständigen Hochrechnungen zur zu erwartenden Zielzeit nerven und lege mir daher ein absolutes Schweigegebot (in dieser Sache) auf. Gerechnet wird deshalb trotzdem, nur die Ergebnisse bleiben geheim! So stelle ich auch meine Uhrenanzeige so ein, daß ich die Kilometrierung nicht angezeigt bekomme, sondern nur Gesamtzeit und erklommene Höhenmeter. Meine Rechengrundlage bilden nur die ab Kilometer zehn in Fünferschritten aufgestellten Schilder des Veranstalters. Da sich bei meiner achten Teilnahme nun auch das bevorstehende Höhenprofil im Kopf eingebrannt hat, sind mir eventuell mögliche Zeitreserven bestens bekannt und steigern so den Optimismus auf ein verträgliches Finish.

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Für die reichlichen Verpflegungspunkte wollen wir uns auch die dafür nötige Zeit nehmen. Schließlich ist es blöd, wegen ein paar Sekunden Zeiteinsparung, beim Essen zu hetzen oder vielleicht in der Eile ein wichtiges angebotenes Nahrungsmittel zu übersehen. Außerdem hat Ute zur Zeit eine stärker ausgeprägte Bergan-Schwäche, welche wir mit schnellerem Wanderschritt zu kompensieren versuchen. Im ersten Drittel der Strecke, bis zum Großen Inselsberg bei Kilometer 25, ist der Großteil der 1.867 zu bewältigenden Höhenmeter eingebaut. Danach wartet nur noch der steilere Waldabschnitt bei Kilometer 42 als sehr kräftezehrende Partie auf uns. Der höchste Punkt der Strecke, Plänckners Aussicht am Großen Beerberg bei Kilometer 62, ist dann wieder einer der gemächlicheren Anstiege. Wir werden demzufolge bis zum Inselsberg, insbesondere in dessen Gipfel"sturm", vermehrt das Rennsteiglied ("Ich wand're ja so gerne am Rennsteig durch das Land ...") anstimmen können - natürlich ohne "Beutel auf dem Rücken und Klampfe in der Hand". Wobei verhältnismäßig viele der Teilnehmer auf einen Rucksack während des Laufes nicht verzichten. Warum eigentlich? Das Netz der Grundversorgung beim Rennsteig ist nahezu überproportioniert und stellenweise reißt die nächste Verpflegungsstelle den gerade den Beinen eingeimpften Lauffluß unnütz auseinander.

Auch wenn wir das angebotene Verpflegungssortiment nicht zu reichlich testen und damit nicht maßlos die Dinge am jeweiligen Stand verspulen, kommt irgendwann unterwegs der Punkt, wo nichts mehr in die Lücken des Magens hineinzupassen scheint. So lassen wir auch eine Getränkestelle von insgesamt 14 an der Strecke befindlichen Versorgungspunkten aus. Ein absolutes Muß ist jedoch das Köstritzer Schwarzbier, welches an der Sommerwiese (km 59) erstmals angeboten wird. Es wäre ja nicht erwähnenswert, wenn nicht gerade Ute (die irgendwo zwischen Platz 75 und 85 in der Frauenwertung herumschwimmt) dort als erste Frau (die sich ein Bier bestellt) vom Schankwirt für diesen Umstand lautstark geehrt wird. Ute hat also schon mal einen Spitzenplatz sicher! Die selbstgebastelte Bierwertungsmedaille werde ich ihr nachreichen, verspreche ich ihr zur weiteren Motivation.

Bis zum Ziel kommen danach mit der Schmücke (km 64) und Kreuzwege (km 69) noch zwei Bierstände, wo wir noch einmal mehr Zeit (als üblich) liegen lassen. Zeit, die wir auf den letzten rund 20 Kilometern zu Hauf herausgelaufen haben. Es geht ja nun nur noch größtenteils bergab oder geradehin. Auch wenn manche der Überholten sich ein zähneknirschendes "Jetzt kommen die jungen Leute vorbei, die wir anfangs am Berg haben stehen lassen!" über die Lippen pressen, ist das nur die halbe Wahrheit. Wenn Ute dann sogar noch als "junges Mädel" in die Beobachtungsgabe der etwas langsameren Herren eingeht, ist dies doch der Schmeichelei zuviel. Ute ist mittlerweile dreifache Oma und keine "Weibliche Hauptklasse" mehr und muß sich hier jeden Meter selbst erkämpfen! Auch ich muß nun der Kamera das ein oder andere Motiv vorenthalten, denn unser Tempo hat doch recht angezogen und ein ständiges Auflaufen (nach einem Fotostop) zu Ute fällt mir immer schwerer.

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Wir biegen in die Gartenanlage ein. Das ungewohnte 73er Schild weist somit verbleibende 500 Meter aus. Gleich ist er wieder vorbei, der Rennsteiglauf - unser Rennsteiglauf, der ja nur die Generalprobe für nächstes Jahr darstellte. Schön, wie jeder der vorangegangenen Jahre! Optimales Laufwetter, mit teilweise guter Sicht,  ließ uns die Sache wieder (den Umständen entsprechend) leicht von der Hand gehen. Am Vorabend gab es noch Regengüsse mit örtlichem Hagelschlag, vor zwei Tagen konnte man sich bei 30°C ohne zu schwitzen kaum drehen - all' das blieb uns erspart! Der Rennsteig präsentierte sich, bis auf ein paar Pfützen, in bestem Zustand. Das Ganze, abgerundet durch hervorragende Bewirtung durch stets freundliche Helfer und begleitet von musikalischem Beiwerk (Kapelle am Possenröder Kreuz, Saxophonspieler am Rondell), war wieder (s)eine Reise wert. Zu allem Glücksgefühl, so kurz vor dem Ziel, gesellt sich nun auch noch eine (für Trainingsfaule) recht akzeptable Zeit. Ohne einen antreiberischen Zwischenton von mir, zu diesem Thema, schweben wir nach nicht ganz achteinhalb Stunden unter Schmiedefelds Zielbogen ein. Das interne (also mein) Zeitziel ist somit erreicht. Ute freut sich, weil sie diese Zeit in ihrem Zustand nicht für möglich gehalten hat. Nach meinem peinlichen Scheitern beim JUNUT Anfang April, als meine Trainingsquantität bei weitem nicht ausreichte, freue auch ich mich über den Moment. Natürlich bekommt Ute meine Finishermedaille, als Ersatz für den "1. Platz der Frauenwertung am Köstritzer-Stand Sommerwiese", von mir mit umgehangen. In diesem Jahr schaffe ich es nur nicht, mich noch einmal an der Strecke zu postieren, um anderen Läufern den Weg ins Ziel mit Beifall zu bedenken. Ein Gespräch hier, ein Getränk da und natürlich das schwierige Einholen der Informationen zum Saisonhalali in Liga 3 und Liga 1.

Das Mobilfunknetz auf dem Schmiedefelder Sportplatz ist dem Ansturm der Informationsflut von hier nach da und umgekehrt nicht so recht gewachsen und so entwickelt sich die Suche nach vertrauenswürdigen Quellen recht langwierig. Letztendlich können Chemnitzer Laufkollegen das Problem beheben, nachdem selbst die Einheimischen nicht mal das Endergebnis ihres abstiegsbedrohten FC Rot-Weiß Erfurt (4:1 gegen Sonnenhof Großasbach) benennen konnten und nur das Prinzip der Hoffnung ("... die müßten/müssen gewonnen haben ...") äußerten. In Chemnitz lief es dann ähnlich einseitig ab - 2:0-Sieg der Hausherren gegen total überforderte Rostocker. Dies bestätigen mir dann auch die Augenzeugen Jens (als Vertreter Hansa Rostocks) und Sohnemann Bruno (als CFC-Dauerbeobachter). Wenn es um nichts mehr geht, klappt es plötzlich auch wieder mit einer (für Drittliganiveau) ansprechenden Leistung. Fast wie bei uns - denn auf dem 9-km-Abschnitt von der Schmücke ins Ziel haben wir, trotz jeweils ausgiebiger Pause an den letzten beiden Verpflegungen, unsere von Mikatiming prognostizierte Zielzeit um sieben Minuten verbessert.

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Und dann ist ja noch das Festzelt. Ein absolutes Muß! Doch leider müssen wir zurück nach Eisenach und unsere letzte Transfermöglichkeit ist der Bus 19:30 Uhr. Deshalb gilt es die Zeit davor intensiv zu nutzen. Doch wenn man nicht schon ab 15 Uhr reservierenderweise im Zelt verweilt, bedeutet dies, sich selbst um Bänke und Tische zu kümmern. Diese werden scharenweise aus allen Himmelsrichtungen des Sportplatzgeländes zusammengetragen um sich dann mannschaftsintern daran häuslich einzurichten. Zwei, drei Rennsteiglieder und andere festzeltrelevante Hits erleben wir noch mit den Rennsteigläufern des Chemnitzer LV Megware (darunter Junior-Cross-Siegerin Sanna Schramm), ehe wir uns zur Busreise nach Eisenach aufmachen. Schade, daß da keine "spätere" Lösung von Seiten des Veranstalters gefunden wurde.

Nun hat sich ja die Fußball-Bundesliga ein paar klitzekleine Entscheidungen bis zuletzt aufgehoben. Wer geht in die Relegation? Wer darf noch "nach" Europa? Der Rest war schon vorher ausgespielt. Und genau in dieser Phase der Entscheidungsfindung stehen wir (noch sitzplatzsuchend) im überfüllten Zelt. Der Rest ist filmreif. Während sich eine Familie völlig entspannt komplett in HSV-Tracht umzieht (weil ihre Lieblinge kurz vor Spielschluß die Relegationsteilnahme an Wolfsburg abgaben), dreht ein paar Meter weiter ein Fan theatralisch gekonnt in Szene gesetzte Pirouetten um die Tischgarnitur. Warum und für welchen Verein er dies tut, verrät er dem neutralen Beobachter nicht. Dafür ist, wenige Meter weiter, ein Aufschrei "Iinteernaatiooonaahaal" und eine entsprechende Jubelszene klar dem 1. FC Köln zuzuordnen, da diese nächste Saison iinteernaatiooonaahaal spielen werden. Der verhältnismäßig kurze Abstecher ins Festzelt hat sich also gelohnt. 

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Der Sonntagmorgen ist dem Spaziergang auf die Wartburg vorbehalten. Wir entscheiden uns dabei, entgegen der bisherigen Variante, für die Nach-dem-Frühstück-Besteigung und bereuen dies schon ein wenig. Wie schön war unser damaliger Lauf mit Siggi und Tilo, als wir oben die ersten Besucher waren, denen das eichenhölzerne Tor geöffnet wurde? Diesmal ist von dieser Burgidylle nichts zu spüren. Kleinbusladung um Kleinbusladung wird vor dem Eingang zur Wartburg ausgekippt. Menschenmassen und Andrang überall. Entschädigend wirkt dabei nur die tolle Fernsicht.

Zum Glück habe ich für unsere Heimreise nicht auf einen frühmorgendlichen Umweg in die Messestadt  Leipzig bestanden, wo Martin mit dem VfB beim Landesligadritten 1. FC Lok antrat. Mit 0:6 kam man dort unter die Räder! Warum sollte dort auch etwas Außergewöhnliches von Seiten des VfB passieren, schließlich gelang dies in der Vorwoche durch einen souveränen 2:0-Sieg bei Budissa Bautzen. Damit wurde der Klassenerhalt fest gemacht und so weitere Kraftmeiereien vermieden.

Unsere Sofortanmeldungen für 2018 liegen übrigens auf den Schreibtischen der Organisatoren zum Zuordnen der Startnummern parat. Hoffentlich fallen diese nicht wieder so hoch aus, wie in diesem Jahr - 179 und 103. Beides immerhin Primzahlen, die man (laut Mathematikkrösus Siggi) haben muß, um erfolgreich im Wettkampf bestehen zu können. Warum erschließt sich mir zwar nicht, aber "erfolgreich" waren wir schon ein bißchen - auch wenn es schon bessere "Zeiten" für uns auf dem Rennsteig gab. Schließlich ist das Finishershirt mit seiner Schlichtheit an Informationen für mich das bisher Beste in meiner jetzt achtteiligen Kollektion und wird sicherlich im Status "Lieblingshemd" einen hohen Gebrauchswert erfahren.

Ergebnis Supermarathon:

Männer:  1.671 im Ziel / 57 ausgeschieden
1. Merrbach, Frank LG Nord Berlin 1. M30 5:18:53 h
2. Willbrandt, Maik BMW-DHfK Leipzig 2. M30 5:27:19 h
3. Latzko-Fünfstück, Christoph LG eXa Leipzig 1. M35 5:32:54 h
4. Collet, André Aachener TG 1. M45 5:35:59 h
5. Wiessner, Enrico LG Nord Berlin 3. M30 5:36:29 h
6. Bubel, Nils LG Nord Berlin 4. M30 5:39:26 h
775. Delling, Thomas LV Limbach 2000 170. M45 8:27:34 h
Frauen:  393 im Ziel / 13 ausgeschieden
1. Albrecht, Melanie Team Salomon GER 1. WHK 6:18:01 h
2. Förster, Basilia Neuried 1. W35 6:26:11 h
3. von Opel, Sonja Pullach 1. W40 6:41:38 h
4. Keßler, Nicole JK Running / Globetrotter 2. WHK 6:41:38 h
5. Bonnaire, Beate VfL Dresden-Bühlau 1. W50 6:50:55 h
6. Müller, Annette LG Nord Berlin 1. W30 6:55:44 h
80. Herfurt, Ute LV Limbach 2000 15. W50 8:27:36 h

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