Waldwiese

Muldental-Vatertagsrunde 2017

Geschrieben von Thomas Delling.

24.05.2017 9:30 Uhr 45,6 km 792 Hm+ 792 Hm- (Trainingslauf)

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Die sogenannten Vatertagsrunden zu Christi Himmelfahrt haben ja schon eine lange Tradition. Dieser will man sich nun auch als minimalistischer Freizeitsportler nicht grundsätzlich verwehren und sucht daher seine "eigene" Art der Umsetzung. Die vollalkoholisierte Bollerwagentour aus pubertierenden Jugendtagen scheidet dabei völlig aus und so bleibt nur die etwas schnellere Variante des langsamen, langen Dauerlaufs durch die heimatlichen Gefilde.

Glücklicherweise ist dieser Tag in Sachsen auch wirklich richtig "frei", denn entgegen dem deutschlandweiten Trend hat der Freistaat, als einziger Landesverband, seinen Fußball-Landespokalsieger schon am Vorabend ermittelt (1. FC Lok Leipzig gegen Chemnitzer FC 1:2). Die restlichen 20 Verbandspokal-Endspiele finden jedoch am Feiertag statt. Der "Finaltag der Amateure" wird dann auch in Konferenzschaltungen ab 12:30 Uhr im GEZ-Fernsehen übertragen - dafür wurden auch die Anstoßzeiten der Finals auf 12:45 Uhr (7 Spiele), 14:45 Uhr (6 Spiele) und 17 Uhr (7 Spiele) sehr "männertagsfreundlich" aufgeteilt. Eine "Flurbereinigung" (im Sinne von weniger Männertagsrunden in Wald und Flur) findet deshalb aber nicht statt, denn wer guckt sich, in und um Chemnitz, schon Spiele wie Hansa Rostock (3. Liga) gegen den MSV Pampow (6. Liga), Sportfreunde Dorfmerkingen (7. Liga) gegen die Stuttgarter Kickers (4. Liga) oder VfR Hausen (7. Liga) gegen den FC Rielasingen-Arlen (6. Liga) an? Auch für mich entfällt somit der unbedingte Informationszwang, wenn es um den Ausgang der Fußballspiele geht und daher ist der Kopf "frei" für die angesetzte sportliche Betätigung.

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 Startaufstellung  Höllmühle

Kurzfristig wurde Steffens Muldentaltour mit der "Besteigung" des Rochlitzer Berges für die Überbrückung der freien Stunden des Donnerstags ins Auge gefaßt. Die stark limitierte Resonanz auf dieses Angebot mußte  nun eine Gesetzeslücke halbwegs schließen, damit Steffen nicht nur mit mir allein die Vatertagstour bestreiten muß. Deshalb durfte auch Ute die Laufschuhe für diese Unternehmung schnüren, schließlich ist sie Mutter von zwei Vätern und das dürfte nun auch der engstirnigste, alkoholisierte Vatertagstraditionalist als Mitnahmegrund anerkennen müssen.

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 In den dunklen Wäldern Amerikas.  Sachsens schönster Biergarten.

Als Start- und Zielpunkt wird der Spielplatz, nahe der Kläranlage in Heiersdorf, festgelegt. Schließlich ist dies der Ausgangspunkt mehrerer sportlicher Höhepunkte unter Federführung des Burgstädter Laufvereins, der mittlerweile (Gerüchten zufolge) zu einem reinen Wanderverein verkommen sein soll. Auf der Helsdorfer Straße laufend, steuern wir zuerst den Höllteich mit dazugehöriger Gaststätte an. Schon auf dem Weg dahin ist am Waldesrand ein erster Verpflegungspunkt im Aufbau begriffen - wie wir später erst erfahren, hat diesen Steffen nicht für unsere Tour eingerichtet - er ist einzig und allein (?) der Zwischenversorgung von Männertagsgesellschaften vorbehalten. Auch an der Höllmühle ist der Parkplatz maximal ausgelastet und der Grill um die Ecke im Hochfahrmodus begriffen. Noch brauchen wir keine Stärkung, schließlich sind wir ja erst losgelaufen. Es ist aber gut zu wissen, solche Art Trümpfe am Streckenrand postiert zu haben.

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 Rochsburg  Lutherweg  Märchenwiese

Entlang des Johannesbachs gelangen wir durch die Harth hinab zur Zwickauer Mulde, nehmen die Brücke zur Flußüberquerung und den Anstieg nach Amerika. Nach einiger Zeit auf recht anspruchsvollen Pfaden gelangen wir über die Schaukelbrücke unterhalb der Rochsburg zu "Sachsens schönstem Biergarten", wie es der Moderator bei unserer Ankunft lauthals verkündet. Blöd nur, daß Steffens Kumpels (die etwa zeitgleich mit uns in Heiersdorf gestartet sind) schon vor Ort ihre ersten Gläser Bräu leeren und natürlich einige Spitzen für uns parat haben. Wir gönnen uns auch jeder ein großes Bier, ehe es hinauf zur Burg geht. Dort hole ich mir den Stempel für mein Buch und ein paar Fotos später traben wir weiter Richtung Lunzenau. Auf dem Lutherweg gelangen wir dabei zur Märchenwiese, wo wir die uns (von rastenden Männertagstrupps) angebotenen Schnäpse leider ausschlagen müssen, damit wir auch weiterhin einen klaren Kopf behalten. Die Wegfindung ist zwar nicht allzu schwer und mit Steffen haben wir zudem einen erstklassigen Reiseleiter dabei, aber wir sind ja erst im Anfangsstadium unserer Runde und schwere Beine kommen später ganz von allein.

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 Göhrener Viadukt  Rast im Anstieg zum Rochlitzer Berg

Der Heinrich-Heine-Park am Ortseingang von Lunzenau ist mir noch von einer dort stattgefundenen Bezirks-Crosslauf-Meisterschaft bekannt, Ute und Steffen erinnern sich da eher an die legendären Parkfeste zur DDR-Zeit. Bevor wir die Kleinstadt auf der anderen Muldenseite wieder verlassen, passieren wir noch Groß-Mützenau mit Kofferhotel und Prellbock-Gaststätte. Immer in Ufernähe unterwegs, gelangen wir zum Göhrener Viadukt. Hier war bei unserer 2015er Trainingsrunde mit den Burgstädtern der erste VP eingerichtet. Die Lebensmittelkiste von Sven suchen wir jedoch vergeblich! Sicherlich hätte er sein (entschuldigtes) Fehlen am heutigen Tag mit dem Hinterlegen von Speis und Trank ausgleichen können - es hätte ihm niemand von uns übel genommen. Es folgt der Straßenabschnitt nach Altzschillen, der später in Höhe Wechselburg auf einen Waldweg übergeht. Die Szenerie bestimmen nun wieder wesentlich mehr Leute, welche zu Fuß (an Land) oder zu Floß (auf der Mulde) unterwegs sind. Dabei ist der Kampf der Floße mit der Naturgewalt Wasser (welches viel zu wenig vorhanden ist!) der interessanteste, weil lustigste Teil des Rahmenprogramms. Etwas ruhiger ist es dann im Aufstieg zum Rochlitzer Berg. Nur ein paar vorbeiziehende Mopedfahrer hinterlassen im oberen Teil beim Passieren eines engen "Laubenganges" viel dicke Luft im Geäst.

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 Friedrich-August-Turm  Das Gipfelbier vom Rochlitzer Berg (353 m üNN)

Das Plateau des Rochlitzer Berges ist dann wieder sehr gut besucht, schließlich besteht eine direkte Verkehrsanbindung zum Objekt und von dieser wird auch reichlich Gebrauch gemacht. Die nächsten drei Halbe Liter wandern nun in unsere (von den Abgasen der Simson-Gang) ausgetrockneten Kehlen, ehe wir den Turmaufstieg in Angriff nehmen. Die enge Wendeltreppe auf den 28 Meter hohen Friedrich-August-Turm verursacht, vor allem beim Abstieg, ein leichtes Schwindelgefühl. Mit einem grandiosen Weitblick im Gepäck machen wir uns nun vom höchsten zum tiefsten Punkt der Schleife auf - auf der Trassenführung des Rochlitzer Berglaufes, über die Zwischenstation Schloß Rochlitz, gelangen wir erneut zum Muldeufer und treten nach 25 Kilometern Wegstrecke den Rückweg an.

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 Blick vom Schloß Rochlitz auf die Mulde  Tiefster Punkt der Strecke: 161 m üNN

Der Sörnziger Weg nimmt nun flußaufwärts die ersten Höhenmeter durch den Wald zum Mordfleck und weiter bergab zur Schaukelbrücke von Sörnzig nach Fischheim. Das Angebot des anliegenden Biergartens können wir dabei getrost verwerfen, da wir uns lieber die Augen sattsehen: unterschiedlich stark betankte Jugendliche starten von Fischheim mit dem Schlauchboot in ihre nächste Männertagsetappe. Der Wasserstand ist wiederum zu niedrig und nicht alle Bootsinsassen kennen ihre Aufgaben. Lustig, wenn man da nur zugucken muß!

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 Huhu!  Prost!

Auf unserem Weg durch den Schloßpark Wechselburg bekommen wir von einer Vier-Mann-Unternehmung mit vier Kästen Bier im Gepäck eine Flasche Gerstensaft angeboten, welche wir (freundlicherweise) auch nicht ablehnen können. Ohne Schloßbesuch, wegen der "Bierfahne", setzen wir unseren Lauf zur Chemnitzmündung in die Zwickauer Mulde fort. Bis Göritzhain sind wir nun im Chemnitztal unterwegs und nach 40 Kilometern gibt es noch einen kleinen Zwischenstop bei Steffen in Cossen. Danach ist es nun nicht mehr weit: durch Hohenkirchen und Berthelsdorf gelangen wir in die Amtsmannkluft, wo uns der gleichnamige Felsen eine spektakuläre Aussicht auf die Mulde unter uns bietet. Im Naturschutzgebiet "Um die Rochsburg" wird im Brauselochtal der letzte Anstieg der Runde zum Ausgangspunkt genommen.

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 Hohenkirchen  Brauselochtal

Eine landschaftlich sehr schöne Tour wird nun noch bei Nascherei und Vatertagsgetränken in der Schutzhütte des Spielplatzes ausgewertet. Die Beine sind mittlerweile etwas schwer, dafür gab es aber keine Getränkeunfälle mit säuerlichem Geruch von körperunverträglichen Stoffen in der Nase, welche sich gern im Brustbereich bei intensiven Männertagsveranstaltungen absetzen. Steffen, ein großes Dankeschön für die sinnvolle Freizeitgestaltung mit bewußtseinserweiternden Segmenten, in Form von uns unbekannten Flecken dieser Gegend!

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