Waldwiese

23. Steinberglauf Erfenschlag 2017

Geschrieben von Thomas Delling.

02.06.2017 18:30 Uhr  10,286 km  265 Hm+  265 Hm- 
6,945 km  178 Hm+  178 Hm- 
3,603 km  90 Hm+  90 Hm- 

 Collage Fotor steinberg2017

Es ist Freitagabend, kurz nach 22 Uhr - vor dem mittlerweile verschlossenen Sportplatz in Erfenschlag stehen vier Mitglieder des LV Limbach 2000. Während sie noch mitten in der Wettkampfauswertung stecken, zeigt sich am Horizont ein scheues und nur in der Dämmerung zu beobachtendes Lebewesen - der "Trojanische Hase", ein Gebilde aus Bäumen und Büschen am Einsiedler "Aussichtspunkt Pappel". Bei unserem nächtlichen Ausflug zum Fichtelberg im Oktober 2015 konnten Ute, Siggi und ich diese Kreatur (die im Film "Ritter der Kokusnuß" überregionale Bekanntheit erfuhr) das erste Mal in freier Wildbahn erleben und somit deren Mythos am Leben erhalten. Ist diese nun nichtalltägliche Erscheinung als besondere Anerkennung für die Schrittmacherdienste des "Hasen" mit der Nummer 97 beim 2017er Steinberglauf zu deuten oder steckt gar mehr dahinter?

Vor zehn Jahren, im Juni 2007, verlagerte sich meine sportliche Aktivität vom Wiesenball- zum Laufsport. Zehn Jahre (gelegentliche) Balltreterei ohne Kreuzbandunterstützung, im Anschluß an fast zwanzig Jahre Fußball ohne körperliche Schäden, machten diesen Schritt notwendig. Mit dem Steinberglauf in Erfenschlag bot sich dabei die passende Gelegenheit zum Einstieg in diesen Wettkampfsport. Untrainiert und planlos gab es damals eine ordentliche Lehrstunde in Sachen "Einteilen der vorhandenen Kraft auf die verbleibende Distanz". Doch die Zeiten haben sich geändert! Damit meine ich jetzt nicht nur die Zielzeiten, welche beim Steinberglauf von mir erzielt wurden. Mittlerweile habe ich da mein anfänglich träges Niveau (55:14 min bei der Premiere) schon wieder erreicht. Zum zehnjährigen Jubiläum gibt es deshalb auch keine Hatz meinerseits auf den persönlichen Streckenrekord (44:38 min), sondern Nachhilfe bei den engsten Familienangehörigen. 

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 Starterfeld des 2017er Steinberglaufes  Ute hilflos im Umfeld schnellerer Läufer

Da wäre Martin, der sich heute mal mit dem Abspulen von zwei Runden vertraut macht. Bei der Wärme natürlich für einen "Nicht-Läufer" kein Kavaliersdelikt. Doch er weiß seinen Vater beratend und tempovorgebend zur Seite und Volkssportlauf-Urgestein Jens (dem sein individueller Trainingsplan eine Laufteilnahme "verbietet") stimmt zudem mehrfach ein Hohelied auf den "besten Begleitläufer, den es gibt", an. Nicht jeder könne so variabel sein und sich dem Trott des anderen anpassen. Er muß es ja wissen, schließlich habe ich ihn in seiner Abtrainierphase schon so manches Mal sicher zu den Zielbögen von Erdmannsdorf, Einsiedel oder dem Küchwald begleitet. Nicht zu vergleichen mit den "gemeinsamen" Läufen aus seiner aktiven Zeit! Damals, so die von Jens gestreute Legendenbildung, wartete er stets (fast schon mit Auskühlungserscheinungen und leichten Verkrampfungen kämpfend) am Eisentor zum Erfenschlager Sportplatz auf mich, um einen gemeinsamen Zieleinlauf zu inszenieren. Diese tollen Gesten über die Jahre hinweg habe ich natürlich nicht vergessen, zumal ich damals jede leichte Schwächung von Jens für meinen persönlichen Vorteil nutzte. Ja, da war ich ein Schwein! Ich hatte folglich auch keine Gewissensbisse, egal ob bei "Rund um Chemnitz", dem Rennsteiglauf, dem Trail Verbier-St. Bernard oder den Marathonläufen in London oder Barcelona - wenn Jens nicht mehr folgen konnte, war ich eben weg!

Meine Läuterung zu diesen schändlichen Vorkommnissen kam spät und so bin ich seit zwei Jahren fast ausschließlich nur noch im karitativen Modus unterwegs - mal für Ute hier, mal für Jens dort und nun eben für Martin. Sicherlich ist es für mich (als bodenständigen lokalen Fußballinteressenten) verstörend, einen Läufer zu begleiten, der sich mit einem Hemd eines Fußballmillionärs kleidet. Vielleicht sollte ich diesen Fakt auch nicht überbewerten und nur meiner Mission nachkommen und die lautet klipp und klar: "Zielzeit U40"! Außerdem brauche ich ja wieder Martins Hilfe beim "Heiligabend-Marathonlauf", wo er im Vorjahr zusammen mit Bruno unverzichtbare Arbeit am Verpflegungspunkt im (19fach zu durchlaufenden) Zielbereich leistete. Da gilt es jetzt schon, Pluspunkte zu sammeln und so ein Abhängigkeitsverhältnis herzustellen.

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 2009: Bruno und Martin im Ziel  2010: gemeinsam mit Jens im Ziel

Der Lauf mit Martin gestaltet sich dann weitgehend unkompliziert. Ein zügiges Tempo, welches auch für mich völlig ausreichend ist, nimmt er anstandslos an! Beim Rundendurchlauf bekommt er zur besseren Abkühling auch noch meinen Wasserbecher von mir ausgehändigt - Hasen sind nun mal Wasserträger oder zumindest Wasserüberreicher, wenn sie es schon nicht mitschleppen müssen. Auf der zweiten Runden "verlieren" wir nur rund eine Minute, was den Regularien unseres mündlichen Vertrages entspricht und so ist Martins Zielzeit von 38:14 Minuten im angestrebten Bereich. 

Während sich Martin auf die letzten 150 Meter Richtung Ziel verabschiedete, galt es für mich, mit einer leichten Tempoverschärfung, Ute einzusammeln. Dies gelingt mir rund einen Kilometer später im Wald, oberhalb des am 31. Mai 1931 eröffneten Erfenschlager Freibades, welches nun, nach langem Hickhack mit der Stadt und dreijähriger Schließzeit, vom Erfenschlager Bürgerverein in Eigenregie wieder flott gemacht werden soll. Flott ist Ute schon lange nicht mehr, schon gar nicht, wenn es bergauf geht. Und bergab ging es auch schon schneller. So haben alle Schrittmacherdienste meinerseits keinen Sinn und Ute wird im Frauenranking noch einen Platz nach hinten gereicht. Doch diese Tatsache läßt sich leicht mit fehlendem Training begründen und diesen Ausrede-Joker ziehen wir nun mal ganz instinktiv nach ihrer Leistung. 

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 "Hase" für Martin in Runde eins und zwei ...  ... dann noch eine Runde für Ute.

Ein paar Wasserbecher später finden wir uns wieder auf der Strecke ein, um diese von den Kilometerschildern zu bereinigen. Erst danach können wir in die Wettkampfauswertung, welche beim LV Limbach 2000 sehr akribisch durchgeführt und so Garant für die stets hohen Leistungen zu sein scheint, einsteigen. Martin hat sich zu diesem Zeitpunkt schon nach Hause abgesetzt - ihm ist diese Form des "Nachbetrachtens und Fehlerabstellens", meist noch mit sportmedizinischen Begriffen garniert, zu langatmig und so bleibt dieser Teil der Veranstaltung Ute, Jens, Micha und mir (bis zum bitteren Ende) vorenthalten. Die Jugend eben! Denken es geht auch ohne! Dabei trifft das T-Shirt von Zeitnehmer Roland Wieser den Nagel auf den Kopf. Es publiziert die (in olympische Ringe projezierten) gelebten Regeln von Gerd's Riege (SV Einheit Bräunsdorf), "Gerdi's 5 goldene D": Dampf, Dauerlauf, Dresche, Druck und Drill.

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 "Trojanischer Hase" (neben der Lampe)  "Hase" (Tempomacher) für Martin und Ute

Statistische Anmerkung (da ich meinen ersten Steinberglauf noch im Dress des SSV Textima absolvierte): Wie am 31. August 1946 (siehe Zeitungsausschnitt) standen im internen Vergleich beim diesjährigen Steinberglauf elf Sportler des ausrichtenden SSV Textima Chemnitz (gegründet am 22. Mai 1875 als "Turnverein Erfenschlag") elf Sportlern gegenüber, die für die "Handschuhstadt" Limbach an den Start gingen. Während damals ein kräftegleiches 3:3-Unentschieden in die Statistik einging, gestaltet sich die Interpretation des läuferischen Vermögens schon etwas schwieriger. So legten die Erfenschlager im Schnitt 7,187 Kilometer zurück, während die Gäste mit 7,552 absolvierten Kilometern pro Nase etwas mehr an Strecke unter die Füße nahmen. In der durchschnittlichen Gesamtplazierung konnte hingegen der Heimvorteil mit Platz 18,54 zu Platz 20,72 klar für den SSV Textima genutzt werden. "Nun gut! Einigen wir uns auf Unentschieden!" - um in den Worten des oben erwähnten Ritter-Epos' zu sprechen.

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Ergebnisse Steinberglauf:

3,6-km-Lauf (männlich)     20 Teilnehmer
1. Adam, Lukas  Chemnitzer LV Megware  1. MU14  15:05 min 
2. Bretschneider, Florian  SSV Textima Chemnitz  1. Männer  15:32 min 
3. Richter, Simon  SSV Textima Chemnitz  2. MU14  15:33 min 
  Mende, Jens LV Limbach 2000 DNS  
3,6-km-Lauf (weiblich)    10 Teilnehmerinnen
1. Richter, Flavia  SC Chemnitz Triathlon  1. WU14  17:31 min 
2. Trautmann, Lucie  Chemnitz  2. WU14 18:39 min 
3. Spieckermann, Sophia  Chemnitzer LV Megware  3. WU14 20:03 min 
6,9-km-Lauf (männlich)      16 Teilnehmer  
1. Trommler, Holm  Großhartmannsdorf  1. Männer  30:20 min 
2. Voigt, Attila  Einsiedler Skiverein  1. MJ  32:16 min 
3.  Eifert, Erik  SG Adelsberg  2. Männer  32:27 min 
14.  Müller, Martin  LV Limbach 2000  3. Schüler  38:14 min 
6,9-km-Lauf (weiblich)      17 Teilnehmerinnen   
1.  Förster, Carmen  Großhartmannsdorf  1. W30/35  32:56 min 
2.  Gründler, Anne  SG Adelsberg  1. W20  34:27 min 
3.  Türke, Christiane  SG Adelsberg  1. W40/45  36:00 min 
10,2-km-Lauf (männlich)      40 Teilnehmer     
1. Seidel, Stefan  SG Adelsberg  1. M20  39:26 min 
2.  Wendritsch, Patrick  SG Adelsberg  1. M30/35  40:31 min 
3.  Schaarschmidt, Thomas  Chemnitzer LV Megware  2. M30/35  41:17 min
33. Delling, Thomas  LV Limbach 2000  3. M40/45  57:07 min 
10,2-km-Lauf (weiblich)     3 Teilnehmerinnen    
1.  Lösch, Christiane  USV Jena / OL  1. W20  55:31 min
2.  Rother, Anne  CPSC Budo  1. W30/35  56:52 min 
3.  Herfurt, Ute  LV Limbach 2000  1. W50+  57:08 min 

... mit drei Urkunden, welche jeweils den 3. Platz ausweisen, können wir uns nach getaner Arbeit wohlwollend gegenseitig die Schultern klopfen. Das es sich dabei um die jeweils letzten Plätze in der angegebenen Kategorie handelt, ist nicht unbedingt erwähnungspflichtig. Ob jedoch Ute oder Martin einen "Hasen" wie mich noch einmal engagieren werden, steht in den Sternen (welche über dem "Trojanischen Hasen" oberhalb des Zwönitztales funkeln) ...

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Drei mal drei! Dreimal der letzte Platz der jeweiligen Kategorie.
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