Waldwiese

19. Burgen- und Landschaftslauf Zschopau 2017

Geschrieben von Ute Herfurt.

 18.06.2017 9:50 Uhr  18 km  375 Hm+  475 Hm- 

Collage Fotor

Schon im letzten Jahr beschlossen wir, auch 2017 beim gemütlichen Sonntagsläufchen durchs Zschopautal mit von der Partie zu sein. Aber erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Thomas folgte lieber der exklusiven Einladung des Trainerteams zu Martin's Abschlussturnier nach Eilenburg. Doch wenigstens kniff Jens nicht und Detlef konnte ich auch noch für einen Start gewinnen.

Thomas studierte die ganze Woche Wander- und Radkarten, denn vor dem Fußballvergnügen sollte wenigstens ein ordentliches Training zu Buche stehen. Dem ursprünglich geplanten "flußbegleitenden Langstreckenlauf von Altchemnitz nach Eilenburg" stand ich gleich skeptisch gegenüber. Er konnte es für mich schön rechnen wie er wollte, es würden trotzdem über 100 km bleiben und diese Strecke läuft man nachts nicht auf unbekanntem Gebiet einfach mal so herunter, vor allem wenn eine Ankunftszeit von 11:00 Uhr in Eilenburg gewünscht wird. Nach einigen Diskussionen kam mir dann der Wettergott zu Hilfe, indem er die Schleusen am Freitag Abend öffnete und dazu ordentliche Windböen über das Land schickte. So entschloss sich Thomas dann doch die Nacht im Bett, anstatt zu Fuß auf dem Weg nach Eilenburg zu verbringen und nahm die letztendlich 118 km per Mountainbike am Samstag früh in Angriff. Im Ilburg-Stadion angekommen, waren nun noch genug "Körner" übrig, um das Ende der Ära des Trainerstabes Mike Kellermann, Uwe Illgen und Rene Glaser nach drei gemeinsamen Jahren mit den 2002ern gebührend zu feiern, ähm zu würdigen. Dabei stand der 8. Platz (von 32 Mannschaften) schon am Sonnabend (mit dem Erreichen des Viertelfinales) fest. Die drei Niederlagen des Sonntags hätten sie da auch getrost mit einem Besuch in der Eilenburger Kiesgrube tauschen können. Somit endete die dreijährige Trainertätigkeit von Mike, Ille und Rene mit einer Niederlage nach Elfmeterschießen im Spiel um Platz 7 gegen Havelstadt Brandenburg - ein nicht so schöner Schlußpunkt!

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 Pöppelmannbrücke in Grimma  Das Ende der Ära von Mike, Ille und Rene.

Ich wurde pünktlich 8:00 Uhr von Jens abgeholt und schon nach 20 min Fahrzeit erreichten wir Zschopau. Das Organisationsbüro in Form einer kleinen Marktbude auf dem Burghof am Dicken Heinrich hatte auch schon geöffnet und so füllten wir flott unsere Anmeldung aus und bekamen gleich noch den Essenbon für die "Pasta Party" im Ziel ausgehändigt. Leider fand sich nur eine übersichtliche Anzahl von Läufern ein und auch die walkenden Männlein und Weiblein schienen im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft. Sind es zu viele Veranstaltungen an einem Wochenende? War zu wenig dafür geworben worden? Ich würde es nicht in Erfahrung bringen, an der Durchführung konnte es nicht liegen, perfekt markierte Strecke, reichliche Verpflegung und bei jeder Gruppe ein Zug- bzw. Bremsläufer.

Der Bus brachte uns 9:00 Uhr von Zschopau nach Wolkenstein und nach kurzer Ansprache von Ullrich Stoll wurden zwei Gruppen gebildet, die 6 min/km und langsamer Laufenden sowie eine Handvoll "Eliteläufer". Der "Burgherr" läutete in standesgemäßer Tracht die Startglocke und 9:50 Uhr setzte sich unser Bummeltrupp in Bewegung. Die kleine Streckenänderung zum Vorjahr aufgrund von Bautätigkeit bemerkte ich beim Laufen gar nicht. Erfreulicherweise blieb die Gruppe auch schön zusammen, zumindest auch nach den ersten Anstiegen noch in Sichtweite.

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 Warten auf den Start ...  ... langsame Gruppe ...  ... schnelle Gruppe

Jens packte frühzeitig die "Dampflok" aus und signalisierte die Berge gehen zu wollen. Früher hätte er gern mit mir die langen langsamen Sonntagsläufe absolviert, um sich bei meinem Tempo etwas auszuruhen. Diese Zeiten wären aber lange vorbei und jetzt würde er nicht einmal mehr mein Wohlfühltempo erreichen. So erzähle ich zwischendurch auch mal mit den anderen Läufern und wenn ich stehenbleibe, um ein paar Fotos festzuhalten, kann er auch wieder aufschließen, wenn ich ihn noch nicht sehe, höre ich die Dampflokgeräusche. Detlef bleibt auch immer im Sichtfeld und zückt auch ab und zu die Kamera. So vergeht die Zeit recht schnell.

Die gelaufenen Kilometer sind mit roter Farbe am Wegrand aufgesprüht, aber Jens hat schon Tunnelblick und nimmt kaum etwas von der Landschaft wahr. Die "schnelle Truppe" überholt uns heute erst auf dem Straßenabschnitt in Scharfenstein, im letzten Jahr waren wir schon im Wald am kleinen Bächlein fällig. Wasser medium und still, geviertelte Äpfel und Bananenstücke werden nach dem Anstieg im Burghof Scharfenstein gereicht. Die schnellen Männer gehen schon wieder in die Spur, kurz darauf zieht auch unsere Truppe los. Wir warten allerdings noch, weil Jens sich noch stärken muss. Ein weiterer Läufer erreicht den Burghof mit den Worten: "Ich bin der Drittletzte". Es ist noch so viel Obst übrig - die Damen an der Verpflegung beschließen, dies ins Ziel zu transferieren.

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Wir verlassen als Sechsergruppe die Gemäuer, während die letzten beiden Läufer den Torbogen passieren. Recht gemütlich geht es abwärts und Jens verkündet seine Meinung, dass nun doch keine größeren Anstiege mehr kommen. Oh doch, entgegne ich, da kommt noch ein ganz langgezogener Abschnitt! Als Motivator würde ich nichts taugen, meint Jens. Delle wäre da besser geeignet, er würde sich perfekt anpassen, ob langsam oder schnell und den zu absolvierenden Weg ins sanftere Licht rücken. Dabei bin ich doch stolz, dass ich mich so gut an die Strecke erinnere und nun soll ich hier einen vom Pferd erzählen. Nö, da muß er durch und der Anstieg kommt auch. Selbst, dass Detlef und ich rückwärts tänzelnd laufen, kann Jens nicht mehr aus seiner Komfortzone locken. Anstiege werden konsequent gegangen! Detlef lichtet die Wegweiser ab und ich versuche mich mit "Bliemelbildern" wie man so schön sächsisch sagt. Vor uns gehen die walkenden Damen und drücken sich fast ins Gebüsch, um uns ja genügend Platz zum ungehinderten Durchlaufen zu lassen - das würde ich mir bei manchem Wettkampf wünschen.

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 Burg Scharfenstein  Fingerhut (Digitalis purpurea)  Zschopau

Den zweiten Imbiss (Jägersruh) gibt es heute nicht, dass wurde uns aber bereits in Wolkenstein am Start mitgeteilt - die Verpflegung in Scharfenstein ist auch ausreichend für die Streckenlänge. Ich lese Jens ab und zu mal die gelaufenen km vor, aber er kontrolliert auch auf seiner Uhr. Inzwischen scheint sein Gehirn auch wieder ausreichend durchblutet zu sein, denn er kann auch noch mit Wissen aus dem Vorjahr glänzen - 101 m hoch sei der Schornstein, erklärt er Detlef. So haben wir es nämlich im Vorjahr vom Schlussläufer erfahren, als uns der Wald ausspuckte und wir den letzten Straßenabschnitt unter die Sohlen nahmen. In diesem Atemzug erklärte Jens auch gleich, sobald wir den Schloßgarten erreichen, würde er spazieren. Detlef und ich rollten in lockerem Laufschritt weiter, der Schloßgarten ist zwar kein Labyrinth, aber irgenwie geriet ich aus dem Sichtfeld von Detlef, kurz darauf fand er mich aber im Laubengang. Ein paar Stufen noch hoch und runter, über den Parkplatz und schon applaudierten die Gäste im Burghof, während wir uns die obligatorische Wasserflasche griffen und den finalen Anstieg auf der Wendeltreppe bis ins obere Drittel im Laufschritt angingen. Erst im oberen Bereich der kleinen steilen Holzstiegen verfielen wir in den Gehschritt. 

Jens "erschien" auch irgendwann nach 1:59 h und mußte sich sammeln. Er wäre völlig am Ende und hätte gar nicht mehr gewußt, wie gut Mineralwasser schmecken würde. Ein paar Schnappschüsse von uns und in die Landschaft, bevor wir wieder abwärts steigen. Die letzten Läufer erreichen nun auch, stolz über das Geschaffte, die Aussichtsplattform. Der Chef vom Trakehnerhof persönlich serviert uns ein wohlschmeckendes Nudelgericht und nun lassen wir uns auch ein kühles Bierchen schmecken. Als Nachtisch kann man auf das transferierte Obst zurückgreifen, oder sich angesichts der Temperatur mit einem leckeren Eis abkühlen. Gleichzeitig werden die Teilnahmeurkunden ausgeteilt und alle Anmeldungen wandern in eine rote Box, aus welcher dann die kleine Glücksfee die Gewinner zieht.

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 Ute - 1:56 h  Detlef - 1:56 h  Jens - 1:59 h

Den Hauptpreis, eine gute Flasche Weißwein, gewinnen wir nicht! Jens ist das Losglück aber wieder hold und er bekommt ein Handtuch - wie im Vorjahr. Die Bodybutter darf dieses Mal der drittletzte Läufer von Scharfenstein mit nach Hause nehmen. Die kann man dann auf's Brot schmieren, falls die richtige Butter mal alle wird, meint er lächelnd. Trotz der netten musikalischen Umrahmung fanden nur sehr wenige Zuschauer den Weg in den Burghof.

Es ist dem Veranstalter nur zu wünschen, dass beim 20. Burgen- und Landschaftslauf das Feld der Läufer und Walker wieder etwas größer wird, die Sponsoren erhalten bleiben und der Wettergott weiterhin die Sonne über Schloß Wolkenstein, Burg Scharfenstein und Zschopau's Dicken Heinrich (Schloß Wildeck) strahlen läßt.

 

Bilder vom Burgen- und Landschaftslauf:

 

... Bilder von Eilenburg:

 

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