Waldwiese

12. Bornaer Marathon 2017

Geschrieben von Thomas Delling.

18.11.2017 10:00 Uhr 42,195 km 188 Hm+ 188 Hm- (Gruppenlauf)

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Borna - sportlich gesehen, einer der dunkelsten Flecken auf der persönlichen Landkarte meiner bisher 28 absolvierten Marathonläufe. Marathon ist nun mal in erster Linie das Erbringen von Zeiten, egal ob man da nun untrainiert oder zum Rückwärtslaufen an den Start geht, gleichgültig ob es ein Berg- oder Spaßmarathon ist, völlig unbedeutend ob man als Zug- oder Bremsläufer die Distanz absolviert. Die Zielzeit in der Ergebnisliste ist entscheidend! Die dabei Verwendung findenden Zahlen sind ausschlaggebend für den weiteren gesellschaftlichen Stand des Probanden. Vor rund einem Jahr wurde mir dabei ein weiterer Abstieg auf der marathonspezifisch ausgerichteten Karriereleiter mit einem Ergebnis, beginnend mit einer "5", ganz offiziell attestiert - in Borna!

Diese "5" wurmt! Sie nimmt mir die Würde! Sie brandmarkt mich als Wandersbursche in Sportsachen! Sie ist aus meiner Vita aber auch nicht wieder auszubügeln! Sie steht felsenfest in Stein gemeißelt und symbolisiert somit meinen sportlichen Werteverfall auf das Deutlichste. Mein früherer Trainingspartner pflegte da einen ganz eisernen Kurs: die Marathondistanz ist in jedem Zustand und zu jeder Zeit locker unter vier Stunden machbar, ganz egal ob mit Lungenentzündung oder volltrunken, ob um 3 Uhr nachts oder zwischendurch auf Arbeit zur Mittagspause. Mehrere Selbstversuche dieser Art meinerseits bestätigten seine These, welche er selbst aber nie mit Taten untermauerte. Eine "4" vorndran bedeutete in seinem Kosmos schon die maximale soziale Ächtung! Rechtzeitig hat er dann, nach gerademal sieben Marathonläufen und leicht rückläufigen Ergebnissen, die Reißleine gezogen und ward seit Jahren bei keinem Zweiundvierziger mehr gesehen. Seine erzielten Zeiten (allesamt unter dreieinhalb Stunden) berechtigen ihn trotzdem zu einer Art Moralapostel zu diesem heiklen Thema. Da kann ich mir nun keine weiteren Ausrutscher leisten, sonst bricht dieser Kontakt vollends weg.

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Wie bereits aus der Überschrift hervorgeht, handelt es sich beim "Bornaer-Marathon" (dessen Alleinstellungsmerkmal der orthographisch falsch gesetzte Bindestrich sein dürfte) um einen Gruppenlauf - unterteilt in die Bereiche 3:30, 4:00, 4:30, 5:00 und 5:30 Stunden. Unterschiedliche Startzeiten sollen einen möglichst gemeinsamen Zieleinlauf aller Leistungsgruppen gegen 15 Uhr ermöglichen.

Und wie so oft hat auch hier der Burgstädter Laufverein beim Veranstalter einen Fuß in der Tür. Frank heißt der gute Mann, der sich um alles kümmert, dabei sogar die offizielle Wertung "Sonderlinge" (Radfahren + Laufen) etabliert und natürlich auch uns Zwei wieder zum lockeren Lauf, ääh Plausch mit einlädt. Da alle Burgstädter im Fünf-Stunden-Block gemeldet sind, können wir (als Limbacher) nicht aus der Reihe tanzen und uns einer anderen Gruppe anschließen - das macht man nicht, auch wenn ein damit bevorstehendes Fünf-Stunden-Plus-x-Marathonergebnis wieder mächtig am Selbstwertgefühl nagt. Gute Miene zum unsportlichen Spiel! Wir wollen es uns ja nicht mit unseren Gönnern verscherzen.

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Der Start erfolgt in diesem Jahr nicht im Rudolf-Harbig-Stadion, sondern an der nahegelegenen Glück-Auf-Sporthalle. Doch schon nach ein paar Straßenquerungen findet der Kurs auf die vorjährige Streckenführung. Bis zum Bockwitzer See gilt es dabei sich ein-, zweimal der StVO unterzuordnen und Standzeiten bei Ampelregelungen in Kauf zu nehmen. Bei einem Bestzeiten-Marathonlauf unvorstellbar - wir sind aber zum Gruppenlauf hier und haben satte fünf Stunden Zeit. Bei unserer Teilnahme im Vorjahr überquerten Ute und ich nach 5:07:10 Stunden die Ziellinie - also weit nach der vorgegebenen Zeitschranke. Die vereinsinterne Auswertung war daraufhin verheerend. Wir konnten aber auch nicht alle Schuld auf die Burgstädter Sportfreunde abwälzen. Da galt es, sich an die eigene Nase zu fassen. Deshalb ist es diesmal von Nöten, die Burgstädt-Limbach-Gilde (im 28 Teilnehmer umfassenden 10-Uhr-Starter-Feld) beisammenzuhalten und nicht vorzeitig deren leuchtgelb-schwarze Wanderabteilung zu imitieren, sondern durch geschickt eingestreute Motivationshilfen einen Zieleinlauf nahe der 15-Uhr-Marke zu ermöglichen. 

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Die Pausen, welche alle fünf Kilometer vorgesehen sind, können dabei großzügig in Anspruch genommen werden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit für das gesamte Unternehmen ist mit 7:06 Minuten pro Kilometer recht moderat und läßt jede Menge Spielraum für Essen und Trinken. In Neukirchen ist sogar ein zusätzlicher VP zu passieren - dort entledigt sich Borna-Marathon-Immer-Starter Markus Drescher seines diesjährigen Teilnehmerhemdes und hängt es zu deren Vorgängern, standesgemäß auf Kleiderbügeln an einer Hecke aufgereiht. Eine schon kultige Zeremonie! Es gibt heißen Glühwein, dessen Trinktemperatur die Standzeit am Zelt der Familie Drescher um einiges erhöht und so über der vorgesehenen Pausennorm rangiert.

In unserer Truppe ist mit Rene Wallesch aus Schleswig-Holstein auch noch ein etwas intensiverer Sammler von Marathonläufen dabei. Wir kennen ihn von der 2011er Ausgabe des Gruppenlaufes "Rund um Chemnitz". Damals hatte er 826 Zweiundvierziger in seine 100-Marathon-Club-Statistik eingepflegt. Nun ist Nummer 1.240 fällig und tags darauf in Werdau Nummer 1.241! Er erläutert uns auch die weitere Staffelung seiner Läufe, schließlich finden nicht jedes Wochenende zwei machbare Marathons statt.

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Das Wetter hält weiter aus. Es ist zwar frisch aber trocken. Ehemalige, mittlerweile zu Seen umfunktionierte Braunkohle-Tagebaue wechseln sich mit Reliquien aus der Zeit des Braunkohleabbaus am Streckenrand ab. Es fehlt an nichts! Oder doch? Kilometer 35 - der Scharfrichter eines jeden Marathonlaufes. Der oft zitierte "Mann mit dem Hammer" wurde im Vorjahr durch den "Mann auf dem Fahrrad mit den Gepäcktaschen voller Bierflaschen" ersetzt. Eine Person, die in diesem Jahr schmerzlich von uns vermißt wird. Dementsprechend heißt es nun auch: Kein Bier und noch vier! Ohne die leistungsfördernden Elektrolyte aus braunen Halbliterflaschen noch vier Kilometer bis zum Dorfplatz von Haubitz. Dort wartet am Verpflegungspunkt der berühmte (und für die Schlußetappe dringend notwendige) Kasten "Flens", dem während des Laufes schon mehrfach gehuldigt wurde und er somit eine besondere Rolle beim Bornaer Marathon einnimmt. 

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Nun sind es noch rund drei Kilometer bis zum Ziel. Es ist aber auch nicht mehr viel Zeit. Ich mahne unsere Gemeinschaft, doch ein paar Braunkohlebriketts draufzulegen, damit wir im (für uns vorgesehenen) zeitlichen Rahmen bleiben. Antworten wie "Schneller als voriges Jahr bist du sowieso!" oder "Das wird eh wieder über fünf Stunden!" zählen dabei für mich nicht. Diese kontere ich notgedrungen mit der Greif'schen Trainingsplan-Endbeschleunigung. Wer noch kann, zieht mit - wer nicht, hat Pech gehabt. Ute kennt die Ersthaftigkeit meines Geschwafels und zieht bedingungslos mit. In unserem unmittelbaren Schatten folgen noch zwei "Gelbe". Der Rest scheint sich aufzugeben!

Es gelingt uns auch fast eine Punktlandung. Nach 4:59:25 Stunden werden Ute und ich eine halbe Minute vor der offiziellen Zielankunftszeit von 15 Uhr ins Protokoll aufgenommen. Aber auch die Burgstädter weisen diesmal eine wesentlich bessere zeitliche Koordination auf und bestechen stellenweise mit noch zielgenaueren Zeiten.

Ich will mit der "niedrigen" 4:59er Zielzeit aber zufrieden sein. Schließlich habe ich (zusammen mit Ute und Rene) beim diesjährigen Leipziger Wintermarathon bewiesen, daß wir sogar zu dritt und mit energischem Schlußspurt in der Lage sind, auf den Punkt genau im Ziel einzulaufen. Mit 3:59:59 Stunden gelang dies im Januar recht eindrucksvoll, wenn auch sportlich nicht so ruhmreich behaftet. Beim Barcelona-Marathon 2010 querte ich nach 2:59:52 Stunden die Ziellinie - hatte damit aber noch genügend Luft zum Klassiker 2:59:59. Damals war ich deswegen aber auch nicht traurig, sondern nahm diesen Umstand sogar gern in Kauf, da ich damit die Bestzeit meines o.g. Marathonlauf-Mentors um eben jene sieben Sekunden unterbot. Nun versucht sich ja alle Welt noch an dieser ominösen 1:59:59-Marke. Vielleicht sollten sie da auch einfach nur eine bestimmte Personengruppe des LV Limbach 2000 befragen, die sich mit knappen Zieleinläufen unter der jeweiligen Stundenbarriere auskennt oder man rennt eben weiter wild und planlos, sprich ohne Aussicht auf Erfolg, drauflos? 

Marathonläufer:
Herfurt, Ute LV Limbach 2000 4:59:25 h
Delling, Thomas LV Limbach 2000 4:59:25 h
Zieger, Jochen Burgstädter Laufverein 4:59:41 h
Kleinert, Sven Burgstädter Laufverein 4:59:43 h
Steinert, Steffen Burgstädter Laufverein 5:00:06 h
Irmscher, Jeanette Burgstädter Laufverein 5:03:16 h
Sonderwertung, Run & Bike:
Eder, Enrico + Schubert, Sonja Burgstädter Laufverein 4:59:49 h
Kindlein, Frank + Vogel, Uwe Burgstädter Laufverein 5:00:09 h

Der Marathon-Tag klingt im Foyer der Glück-Auf-Sporthalle bei Kaffee und Kuchen oder Bier und Bockwurst aus - Zeit, um nochmal Danke zu sagen, und zwar bei allen, die am Gelingen des Laufes beteiligt waren. So wurden auch die Burgstädter von mir dezent mit dem nötigen Nachdruck darauf hingewiesen, sich über ihren städtischen Anzeiger bei den beiden Teilnehmern vom LV Limbach 2000 für ihre "guten" Zielzeiten zu bedanken, wenn das Thema "Bornaer Marathon" in deren Wochenblatt abgehandelt wird. Ich hoffe, dieser "Hinweis" ist auch angekommen.

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