Waldwiese

4. Marathonlauf "Kilometer Vertikal / Rund um Einsiedel" 2018

Geschrieben von Thomas Delling.

25.03.2018 9:15 Uhr 45,07 km 1.161 Hm+ 1.161 Hm- (Trainingslauf)

Collage FotorRUE2018

Sonntagmorgen - ein Füßevertreten in etwas längerer Form steht seit noch längerer Zeit mal wieder auf meinem Tagesplan. Selten gab es so ein faules (un-)sportliches Dahinvegetieren, wie in diesem Jahr! Mal sehen, ob ich daher die Koordination der Schrittfolge beim Dauerlauf noch hinbekomme, ebenso die grobe Streckenfindung, denn die letzte Einsiedel-Umrundung liegt nun schon wieder über ein Jahr zurück. Die damalige Variante war zwar mit seinen Abmessungen (42,250 Kilometer mit 1.010 Höhenmetern) nahe dem Ideal eines 1.000er Marathons, hatte jedoch in der Streckenführung noch einige Verbesserungen zu akzeptieren.

Mit Ute und Steffen wage ich daher den Versuch eines "Kaltstarts", im Sinne eines Trainingsauftaktes ohne "Vorleistung", schließlich liegt der letzte Zweiundvierziger schon satte zwei Monate zurück und danach hielt ich meine Beine eben verdammt still. Vielleicht zu still, um aus der Kalten heraus mal wieder eine Marathondistanz bewältigen zu können? Irgendwann im Februar war ich schon einmal fest entschlossen, die etwas modifizierte Strecke des Vorjahres abzulaufen und somit deren neue Daten zu erfassen. Jedoch signalisierte mir meine Uhr schon nach wenigen Kilometern mit einem "schwachen Akku" ihre definitive Unlust, welche mich zum Abbruch der Unternehmung veranlasste. Nun geht es deshalb "zahlenmäßig" ins Blaue, vertikal und horizontal werden sicherlich ein paar Meter dazukommen - aber das sollte uns nicht allzusehr abschrecken!

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Der Auftakt ist klar: von Atchemnitz aus wird der erste anderthalbe Kilometer zur Erwärmung auf flacher Asphaltstrecke bis zum Eingang in den Wasserwerkspark genutzt. Der Belag wird im Anschluß weicher und zunehmend welliger. Entlang dem Zwönitztalweg wird die Stiefelmühle in Erfenschlag passiert und der Fuß des Gutsberges angesteuert. Dort wird der direkte "Aufstieg" neben den ehemaligen Skisprungschanzen gewählt - natürlich weglos durch den Unterwuchs und da das auch noch zu einfach wäre, sorgt das reichlich vorhandene Buchenlaub für permanente Ausfallschritte beim Hinaufkrauchen. Die Zwischenzeiten für diesen Abschnitt sind erschreckend und finden daher hier auch keine Erwähnung - und trotzdem dauert es ewig, bis der Normalpuls wieder erreicht ist.

Auf der Plattenstraße biegen wir Richtung "Pappel" ab, welche wir jedoch kurz vor ihrem Erreichen mit einem Bogen durch den (von Forstmaschinen stark bearbeiteten) Eibischbusch und über den "Panoramaweg" zur Siedlung, noch etwas auf uns warten lassen. Von diesem Aussichtspunkt aus verschwinden wir nun ins Würschnitztal und nehmen den direkten, den steilen Abstieg in der Alten Harth. Vor Erreichen der Bebauung biegen wir allerdings noch hoch zum Bettelmannsweg ab, um unseren Füßen nicht zuviel Asphalt zumuten zu müssen und natürlich, um ein paar vertikale Meter mehr für die Endabrechnung zu sammeln. Der anschließende wellige Pfad endet auf dem Schindlerweg - ganz ohne Schwarzdecke unter den Füßen geht es nun doch nicht! Nach Überquerung der Annaberger Straße wird der nächste Anstieg genommen. Verwinkelt durch den Harthwald nehmen wir nun Kurs auf Klaffenbach. Dort wird der nervige Plattenweg nach Berbisdorf gegen den sanften Waldweg unterhalb des Golfplatzes zum Wasserschloß getauscht. 

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Der Feldweg, welcher nun parallel zur Ortslage Klaffenbachs zum Eisenweg führt, ist auch der "sanfte Einstieg" in den FichtelbergUltra: ein langgezogener und deshalb nur langsam an Höhe gewinnender Streckenabschnitt zum Scheitelpunkt von Würschnitz- und Zwönitztal steht bevor, ehe es über die Bundesstraße 95 hinüber zum Niklasberg geht. Dabei verhindert der Frost im Boden eine zu große Schlammschlacht an den Füßen auf diesem weglosen Sektor, der uns später über eine Wiese hinab ins Zwönitztal nach Kemtau gelangen läßt. Dort wird der Kilometer bis zum Bahnübergang auf dem harten Untergrund der B180 genutzt, um den restlichen Dreck aus dem Profil der Schuhe zu treten, ehe es wieder auf weichem Wald- oder Wiesenwegboden zur Kemtauer Einöd geht, wo eine kurze Erfrischungspause eingelegt wird.

Von der Kleinstsiedlung Kamerun am Zwönitzfluß (Kilometer 22) geht es nun auf stellenweise vereisten Wegen zum Aussichtspunkt Burgstein und weiter zur Waldsiedlung Kalkofen. Mittlerweile droht auch ein Mitglied unserer Marathon-Expedition kräftemäßig wegzubrechen. Doch hier in dieser Gegend läßt man niemanden zurück! Schließlich sitzt, nach alter Überlieferung, im (zum Fels verwandelten ehemaligen Schloß) Burgstein noch der Schloßherr mit seinen Saufkumpanen fest und wartet sehnsüchtig auf die "Begnadigung" Gottes, welcher ihn einst für sein ausuferndes Lotterleben in den Fels sperrte. Und gerade jetzt, wo der Frost dem Boden entweicht, weiß man nie, ob deren kriminelle Energie zu einer Selbstbefreiung aus dem (eventuell bröckelnden) steinernen Joch ausreicht und sie darauf ihrem Unmut an allem und jeden auslassen werden. Daher ist es für uns einfach sicherer, im Verbund weiterzulaufen und das Tempo dem schwächsten Glied des Trios anzupassen.

Leider hat in Weißbach der Bäcker am Netto-Markt seit gut anderthalb Stunden geschlossen, sonst hätte man dort bei Kaffee und Kuchen etwas neue Kraft tanken können. So bleibt uns nur die Aussicht auf eine "Zwischenmahlzeit" im Gasthaus unterhalb der Dittersdorfer Höhe. Doch bis dahin sind es schon noch ein paar Kilometer und noch mehr Höhenmeter: der Filialweg führt nun nach Dittersdorf und im sanften Gegenanstieg wird der Mühlberg erklommen. Eine handvoll Schnee vertreibt dabei aufs erste das unangenehme Magenknurren, ehe es weglos durchs Brombeergestrüpp zur ehemaligen Mühlbergschanze hinab geht. Die einstige 45-Meter-Holzschanze, welche 1961 eingeweiht wurde, verfiel in den 1970er Jahren zusehend und der Sprungbetrieb auf ihr wurde daraufhin eingestellt. Das Bild von Schanze und hölzernem Jury-Turm habe ich aus Kindheitstagen noch in Erinnerung - heute ist davon nichts mehr zu sehen. Dafür ist hier der Blick auf Einsiedel am schönsten und genau deshalb habe ich diese Schlaufe zusätzlich in unsere Runde eingebaut! 

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Nun gilt jedoch alles Augenmerk dem alsbaldigen Erreichen unseres Verpflegungspunktes. Der Weg hinüber zur Dittersdorfer Höhe ist stellenweise recht schlammig, aber die Wiesenquerung kurz vor der Gaststätte kratzt schon mal den gröbsten Dreck von unseren Schuhen, so daß (rein optisch) einer Bewirtung nicht im Wege steht. Der Aufenthalt weitet sich dann doch ganz schön aus - dem ersten Bier folgt ein zweites, welches mit einem dritten Glas noch neutralisiert werden muß. Danach ist aber gut mit dem Saufgelage, schließlich endeten hier im Umkreis solche Aktionen (wie bereits erwähnt) auch gern einmal mit dem Einschluß im Felsgebilde, wenn es zu ausschweifend wurde.

Die Dittersdorfer Höhe bietet heute nicht die ganz große (gewohnte) Fernsicht auf Fichtel- und Keilberg im Süden, sowie Rochlitzer Berg im Norden, daher kann ich mir die Ausführungen für meine Gäste auch sparen. Zumal es jetzt auch heißt, verlorenen Boden wieder gut zu machen. Wir nehmen den zivilisierten Weg zum Campingplatz und biegen auf einen Trampelpfad entlang der B174 ab, der uns an der Brücke unterhalb der Ruhebank-Siedlung auf die alte Bundesstraße gelangen läßt. Nach der Lärchenallee nehmen wir direkt Kurs auf die Weggablung Drei Buchen oberhalb des Fischzuchtgrundes. Über die Wettinhöhe steuern wir nun die Einsiedler Talsperre an. Es folgt ein längerer Anstieg quer durch den Wald hinauf zum Gasthaus Goldener Hahn. Ein paar hundert Meter auf der alten B174 läuten schließlich den angenehmen "Nachtisch" ein. Es gibt kaum noch Steigungen und der Lehmgrubenweg hinab ins Zwönitztal ist zudem "vom Eise befreit" und damit bestens zum Ausrollen geeignet. 

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Vom Wassertretbecken am Fuße des Einsiedler Niederwaldes hinüber nach Erfenschlag schlängelt sich nochmal ein enger Pfad durch den Wald. Bevor es dann auf die letzten beiden asphaltierten Kilometer geht, gibt es beim Sohnemann daheim am Steinberg noch einmal eine kurze Trinkpause - schließlich müssen die übrig gebliebenen Biere vom vortägigen 1.000-Kilometer-Autobahn-Ritt zum Fußball-Drittliga-Abstiegskampf Lotte gegen Chemnitz (3:1) auch noch an den Mann gebracht werden, ehe sie womöglich in seinem Keller in Vergessenheit geraten.

Letztendlich schlägt die verbesserte Form der Einsiedel-Umrundung mit 45 Kilometern und 1.160 Höhenmetern zu Buche. Diesmal gibt es aber als Finisher-Geschenk für Steffen nun wahrlich nicht noch ein Bier (wie es beim letzten Gastspiel des Burgstädter Laufvereins zur Einsiedel-Runde üblich war), sondern einen Teller Spaghetti mit Pesto und Rucola - als allererste "Erste Hilfe" für eine bessere Regeneration.  

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