Waldwiese

36. Zschopautallauf Erdmannsdorf 2018

Geschrieben von Thomas Delling.

13.09.2018 18:15 Uhr 8,7 km 75 Hm+ 75 Hm-

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Es ist schon lange dunkel - das Scheinwerferlicht, in dem zuletzt Urkunden und Pokale unter die Besten verteilt wurden, ist längst abgedreht. Nur noch eine Notbeleuchtung sichert den Bierausschank am Erdmannsdorfer Fußballplatz ab und von der Zschopau zieht so langsam die nächtliche Kälte des Flußes herüber. Eine kleine Menschenansammlung in überwiegend blauer Sportkleidung steht jedoch felsenfest, sich an gut gefüllte Plastebecher klammernd, im Eingangsbereich der Sportgaststätte und ignoriert regelrecht gleichgültig die plumpen "Abwerbungsversuche" des Fahrers ihres im "Stadion" vorgefahrenen Vereinsbusses. 

Ja, so schnell lassen sich diese alten Haudegen nicht aus der Ruhe bringen - schließlich war der vorangegangene Teil des "Betriebsausfluges" ins Zschopautal stressig genug! Da will man dann logischerweise nicht auch noch beim Feierabendbierchen hasten, wenn im Protokollteil 1 entweder 4,8 Kilometer auf der kleinen Runde oder 8,7 Kilometer auf dem "langen Kanten" (wie es mehrfach vom Sprecher betont wurde) in möglichst schnellem Schritt abgehandelt werden mußten. Auch wenn dabei beste äußere Bedingungen herrschten und der Streckenführung entlang der Zschopau eine gewisse Bestenlistenfähigkeit nicht abzusprechen ist, wurden diese Fakten nicht von allen Vereinsmitgliedern angenommen und in sogenannte Achtungszeichen umgesetzt. So hatte zum Beispiel Startnummer 323 (der Verfasser dieser Zeilen) ganz offensichtlich große Defizite beim Mitschwimmen im grauen Mittelfeld und lag daher deutlich hinter den eigenen (schon niedrig angesetzten) Erwartungen: anderthalb Minute langsamer als im Vorjahr! Für die demnächst folgenden Verhandlungen zur Vertragsverlängerung beim LV Limbach 2000 wird dieses Ergebnis sicherlich nicht förderlich sein.

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Doch in Erdmannsdorf beginnt bekanntlicherweise der "richtige" Wettkampf erst nach dem offiziellen Wettkampf. Da gibt es für die alten LVLer kein Auslaufen als zusätzliche sportliche Belastung. So etwas kann man schon (zur Straffung des Zeitplanes) gegen Ende des Wettlaufes in die Bewegungsform einbauen - den Körper auf den letzten (Kilo-)Metern allmählich wieder 'runterfahren und damit so ganz nebenbei die erste Phase der Regeneration einläuten. Danach greifen die vereinsinternen Abläufe zur zweiten Phase der aktiven Erholung, als wären sie in unzähligen Trainingseinheiten immer und immer wieder geübt worden, tadellos: Bier holt derjenige, der näher am Bierstand steht und zufällig ein Portemonnaie in der Hand hält - und Bier trinkt derjenige, dessen Körper danach verlangt.

Nun hatte ich ja auch ein gewisses Verlangen nach dieser Art der traditionellen Wiedergutmachung am (vom sportlichen Raubbau gezeichneten) Körper und hatte mir mit Sohnemann Bruno einen Fahrer für die Heimfahrt engagiert. Leider ist dieser ja nun auch nicht auf den Kopf gefallen und hat daher vorsorglich seinen Führerschein daheim gelassen - "vergessen", sozusagen! Vergessen konnte ich deshalb auch meine aktive Teilnahme an "Wettkampf Nr. 2", wobei auch schon mein sportlicher Wettstreit recht "teilnahmslos" in Erinnerung bleiben wird: Gesamtplatz 34 (von nur 79 Startern) und vorletzter Altersklassenplatz (Achter von neun Zieleinläufern in 39:09 min).

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Ganz ohne Teilnahme war allerdings auch wieder einer der "Mitbegründer" der Erdmannsdorfer After-Race-Party-Tradition: Jens Mende. Schon seit Jahren boykottiert er diese Pflichtveranstaltung erfolgreich: extreme Bergexpeditionen, strikter Trainingsplanzwang, vorzeitiger Almabtrieb seiner Hühnerherde - um Ausreden ist er dabei nie verlegen. Diesmal hindert ihn ein Ostseeurlaub. Zu dieser Jahreszeit? Da friert er sich lieber seinen Arsch im eiskalten Meereswasser ab, als im Fachgespräch von Mann zu Mann zu seinen sportlichen Saisonleistungen Stellung zu nehmen. Unbegreiflich! Mal sehen, wie lang sich das die Vereinsführung noch gefallen läßt! Da jedoch Legenden, der Sage nach, nie sterben, wird auch seine Person als Karteileiche weiterhin gehütet und gepflegt, obwohl schon viele Vereinsmitglieder nicht mal mehr seinen Namen fehlerfrei aussprechen können. Vielleicht rütteln ihn ja diese Zeilen wach und er besinnt sich wieder auf ein geordnetes Vereinsleben - wenn schon nicht sportlich ambitioniert mit dem dazugehörigen Küssen des Vereinswappens beim Zieleinlauf, dann wenigstens mit Autogrammstunden für die jüngeren Vereinsmitglieder oder eben Termintreue im Erwachsenenbereich. Mal sehen!

Fazit zum Erdmannsdorfer Zschopautallauf: aufgrund des langgezogenen Ausklangs ein würdiger Saisonabschluß*!

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 * Zumindest für die Sommersaison

 

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