Waldwiese

42. Jenaer Kernberglauf 2018

Geschrieben von Thomas Delling.

20.10.2018 11 Uhr 27 km 460 Hm+ 460 Hm-

Collage FotorKBL2018xxx

Beim Kernberglauf tut sich seit Jahren bei mir in puncto Ehrgeiz nicht mehr viel und meine sportliche "Entwicklung" geht daher auch immer weiter Richtung zweieinhalb Stunden. Eine Zielzeit, welche Ute bis dato stets verfehlte. Warum also nicht den eigenen sportlichen Verfall mit dem Allgemeinwohl verbinden und Ute mit gezieltem Tempovorgaben zu einer neuen Bestzeit in Jena führen?

Die langgeplante Teilnahme steht allerdings bis zuletzt auf der Kippe, da es in Ute's Branche üblich ist, die firmeninterne Weihnachtsfeier schon Ende Oktober abzuhalten. Diese beginnt 16 Uhr in Chemnitz - bei einem Start um 11 Uhr und einer prognostizierten Zielankunft gegen 13:30 Uhr bleibt normalerweise genügend Zeit, um eine zwanglose Heimfahrt zu gewährleisten. Wenn da nicht Ute's ständige Teilnahmeverpflichtungen zu den anschließenden Siegerehrungen wären. Nach den Altersklassensiegen vom Fichtelberg und von Einsiedel sage ich ihr schon mal den nun anstehenden "Hattrick" voraus - was natürlich Gift für den sonst so entspannten Zeitplan wäre. Auch wenn sie diese Vision vehement bestreitet, die Siegerehrung muß zeitlich mit berücksichtigt werden. Schließlich stand Ute bei ihren bisherigen sechs Teilnahmen erst einmal nicht auf dem Podest!

Mit einem durchschnittlichen Tempo von knapp unter fünfeinhalb Minuten pro Kilometer steht die 2:29:59 im Protokoll. Kann Ute dieses Tempo auch durchgehend laufen? Hoffnung machen mir dabei die letzten rund neun Kilometer, welche größtenteils bergab führen. Dort sehe ich Ute's Potential, verlorene Minuten vom anfänglichen Aufstieg zum Kernbergplateau wieder herauszulaufen.

Mit uns steht auch Martin an der Startlinie. Er nutzt sein spielfreies Wochenende zur Teilnahme am 5-Kilometer-Jedermannslauf, der neben den Hauptläufen über 15 und 27 Kilometer, ebenfalls 11 Uhr gestartet wird. Rund 1.200 Läufer bevölkern das Startareal und warten geduldig auf die Freigabe der B88, welche nach wenigen hundert Metern überquert werden muß. Vom Universitätssportzentrum bis Wöllnitz sortiert sich das Feld und Martin kann sich da schon wieder auf die "Heimreise" begeben - er läuft nun die letzten drei Kilometer, wie wir sie nach rund 24 Kilometern noch zu absolvieren haben. Wir biegen jedoch erstmal hinauf ins Pennickental ab. An dessen Ende trennen wir uns am Fürstenbrunnen von den rund 700 Läufern des 15-km-Laufes und nehmen den Stich hoch zur ersten Getränkestelle auf dem Wöllmisseplateau in Angriff. Auf diesem breiten Forstweg hat man für lange Zeit das letzte Mal die Möglichkeit zum Überholen, denn nach einem heftigen Bergabstück folgen die trampelpfadartigen Horizontalwege, welche nur sehr selten ein Passieren zulassen. Wir haben jedoch eine Gruppe von acht Leuten gefunden, deren Tempo wir gern an- und übernehmen.  

Erst kurz vor der Verpflegung bei Kilometer 12 an der Sommerlinde ist etwas die Luft raus und wir verlieren nach dem (vom Umfang her) "zweiten Frühstück" den Anschluß zu unseren Tempomachern. Nach rund 15 Kilometern ist (laut Uhr) der Schnitt schon auf 5:45 Minuten pro Kilometer abgesackt - fast unmöglich diese aufgetürmte Zeit wieder herauszulaufen. Doch wir bleiben dran! Ich laufe dabei zwei, drei Meter minimal schneller vor Ute her, um sie so zu ziehen. Garniert mit dem Hinweis, daß es beim dritten VP auch Bier gibt, gelingt mir diese Motivation bestens. 

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Während sich Ute am besagten VP Steinkreuz nur einen Becher Schwarzbier genehmigt und sofort wieder in die Spur geht, muß ich natürlich noch mit einem zweiten Becher Bier und etwas Cola nachgießen. Schließlich habe ich vom ganzen Motivieren und Kommandieren einen ganz trockenen Hals und den kann ich so nicht mit auf die Schlußetappe nehmen. Wie soll denn Ute dann meine Hinweise verstehen, wenn ich nur noch krächzen kann? Jedenfalls muß ich ganz schön Gas geben, um zu Ute wieder aufzulaufen. Es geht ja mittlerweile bergab und da ist sie im Normalfall etwas schneller als ich. Deshalb übernimmt Ute auf den Gefälleabschnitten die Führungsposition und ich auf den Geraden und minimalen Steigungen. Nebenbei kontrolliere ich immer schön die Angaben auf meiner Uhr und sechs Kilometer vor dem Ziel, weiß ich, daß wir die zweieinhalb Stunden unterbieten werden. Ich sage es nur nicht, damit hier nicht der Schlendrian Einzug hält.

Jetzt macht es richtig Laune Leute einzusammeln und aufgrund des bestehenden Schwungs, der uns zu Tale trägt, überlege ich sogar, diesen Fluß nicht durch die letzte Verpflegungsstation (mit bestehender Schwarzbier-Pflicht!) auszubremsen. Doch das gehört sich nicht! Also ran an die Tränke oberhalb der Kleingartenanlage und der Pflicht Genüge tun! Nun haben wir noch vier Kilometer vor der Brust. Ab der Brückenüberquerung der B88 präsentiere ich dann Ute kilometerweise die ersten Zahlen: die Zwischenzeiten und welchen Schnitt wir nur noch laufen müßten, um unser persönliches Ziel zu schaffen. Dieses Zahlenwerk ist mit relativ viel Luft (für nichtvorhergesehene Ereignisse) ausgestattet ... und das ist vielleicht ein psychologischer Fehler von mir. Denn neben dem Ernst-Abbe-Sportfeld, knapp 700 Meter vor dem Ziel, will Ute dann doch noch ins Gebüsch abbiegen. Mein daraufhin ernst vorgetragenes Veto fruchtet jedoch und so schweben wir schon nach 2:26:03 Stunden (Nettozeit 2:25:49 h) durch den Zielbogen. Wäre ja auch reichlich blöd gewesen, den zuletzt gewonnenen Boden so leichtfertig wieder herzugeben!

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Martin wartet schon geduldig auf uns, er war nach 24 Minuten und 24 Sekunden mit seinem Fünfer als 23. im 154 Läufer umfassenden Feld fertig. Ute wird als 6. Frau Altersklassensiegerin und ich belege Platz 108 von 331 Finishern. Mit Utes Potestplatz wird allerdings die Heimfahrt etwas stressiger, da wir erst weit nach 15 Uhr den Sportplatz verlassen. 

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