Waldwiese

13. ULF (Ultra-Lauf Fichtelberg) 2018

Geschrieben von Thomas Delling.

31.10.2018 6:28 Uhr 57,5 km 1.705 Hm+ 810 Hm- (Trainingslauf)

Collage FotorULF13aaa

Nachdem ich 2017 nicht einen einzigen sportlichen Ausflug zum Fichtelberg unternommen hatte und nun auch das Jahr 2018 ohne diesen Pflicht-Lauf zur höchsten Erhebung Sachsen zu enden droht, springt Sören als treibende Kraft ein. Er nimmt die Zügel in die Hand - er plant die Strecke, organisiert das Drumherum, wirbt Mitstreiter und reformiert dabei einige Dinge! Doch Reformen zum Reformationstags-ULF sind nicht neu ...

Man erinnert sich dabei noch zu gern an den legendären Nacht-ULF von 2012, als Ute, Siggi und ich kurz vor Mitternacht die Unternehmung zum Fichtelberg starteten, um zum Sonnenaufgang unsere Uhren auf Sachsens höchstem Punkt zu stoppen. Damals bremste uns aber jede Menge Schnee aus und wir verpaßten dieses Spektakel auf dem Gipfel. Sören wählt für die diesjährige Ausgabe einen kleineren Rahmen und legt die Startzeit so, daß der Sonnenaufgang vom Aussichtspunkt Pappel zu erleben ist. Doch dazu später.

Geplant ist ein gemeinsamer Start um 6:30 Uhr am Sportplatz in Altchemnitz und immerhin acht Personen haben sich für die Feiertagsbeschäftigung in Sörens Startliste eingeschrieben. Das wir uns dann aber doch nur zu viert am Startort treffen, sagt einiges über die weitverbreitete Ehrfurcht, die dieser Lauf ausstrahlt, aus. Umso besser passen jedoch diese vier Unentwegten auf das Startfoto, welches vor jedem ULF für die Nachwelt erhalten wird.

Der Anstieg über den Pfarrhübel zur Pappel verläuft recht zäh. Mein Rücken ist des Morgens noch nicht auf Betriebstemperatur. Daher fällt es mir auch schwer, dem Schritt des Trios zu folgen. Trotz dieses Ausbremsens und der relativ späten Startzeit (6:40 Uhr) sind wir für das Sonnenaufgangsszenario zu früh am Aussichtspunkt. Der große Planet hängt noch hinter der Dittersdorfer Höhe fest und läßt divenhaft auf sich warten. Zeit genug, die Standbildkameras in Position zu bringen und erste regenerative Rückenübungen in den noch jungen Tagesablauf einzubauen.

Collage FotorULF13bbb

Nachdem das Schauspiel im Kasten ist, wird der Weg über Berbisdorf nach Eibenberg fortgesetzt. Hierbei könnte man den Streckenverlauf über die Klaffenbacher Höhe, am Geiersberg vorbei und durch den Eibenberger Park mit zusätzlichen Höhenmetern und einem minimaleren Asphaltanteil optimieren. Dieser Vorschlag wäre in eine Wiederholung einzubeziehen, schließlich gilt bis zur Kuppe des Eibenberger Anbaus die vorgegebene Straßenführung als Routenvorgabe. Ab dem Aussichtspunkt nimmt der langgezogene Abstieg ins Zwönitztal wieder die natürlichere Variante wahr - dabei muß ich noch etwas rückenschonend mein Tempo drosseln und die Drei vorrübergehend ziehen lassen. Auf dem folgenden Anstieg ab dem Sportplatz Kemtau zum Wassertretbecken im sich anschließenden Wald machen sich dann nur noch meine schweren Beine vom vielen Nichtstun bemerkbar.

Am Schutzhaus des Enderleinweges wird der erste Riegel aus dem im Rucksack mitgeführten Lebensmitteldepot gezogen, denn ein Besuch, im kurz darauffolgenden Gasthaus "Besenschänke" ist nicht vorgesehen. Auch am "Tischl" im Abtwald wird später nur für ein Mannschaftsbild der Lauffluß gestoppt, der danach jedoch mehr als einmal ins Stocken gerät, weil die Technik versagt. Sören hatte sich im Vorfeld seine Streckenidee auf die Uhr gezogen und diese GPS-Vorgaben werden nun auch so von uns abgearbeitet. Leider sind die satellitengesteuerten Angaben in manchen Situationen doch etwas ungenau und wenn dann noch Windbruch und daraus resultierender Forstmaschineneinsatz das vorgegebene Waldwegenetz fast "unsichtbar" macht, kann es passieren, daß der Normalweg in einem Chaos von umgestürzten Bäumen und feuchten Rückegassen endet. Doch nach genau diesen Bedingungen lechzen wir ja - wir müssen schließlich die bisherigen Asphaltabschnitte mit etwas Handfesterem neutralisieren, damit unsere Unternehmung hier nicht als bestenlistenfähiger Straßenlauf durchgeht! 

Collage FotorULF13ccc

Nach rund einem Kilometer Zusatzbetätigung im Unterholz, pegeln wir uns wieder auf der vorgegebenen GPS-Linie, dem "Rundweg um Auerbach" ein. Dieser Feldweg wird nun ab dem Aussichtspunkt Juchhöh Richtung Ortskern verlassen und danach auf dem alten Bahndamm fortgesetzt. Vor Erreichen der Jugendherberge Hormersdorf biegen wir auf einen Pfad ab, der uns zu den Greifensteinen bringt. Da dort keine Möglichkeit besteht, die mitgeführte Verpflegung aufzustocken, setzen wir unsere Reise gen "Freizeitbad Greifensteine" fort. Vor drei Tagen (beim sonntäglichen Saunabesuch) war hier der erste Wintereinbruch, heute erinnerte nur eine zur Schubkarrenladung zusammengekehrte Portion Schnee oben an den Greifensteinen an diesen Vorboten der kalten Jahreszeit. Rund um das Spaßbad hat mittlerweile der Sommer wieder Einzug gehalten: Sonne satt, Temperatur zweistellig ... und wir haben oberhalb Geyers den ersten Blickkontakt zu unserem heutigen Ziel, dem Fichtelberg.  

Auch im Bereich der Bergstadt läßt sich ein kurzer Abstecher ins Urbane nicht vermeiden, endet jedoch oberhalb der Binge (dem Wahrzeichen Geyers) recht spektakulär. Dort steht man am Rand eines rund 60 Meter tiefen Kraters, welcher durch mehrere Tagesbrüche (Pingebrüche) entstand, die durch die enorme Anzahl an Hohlräumen und Gängen des Berg(raub)baues des 15. bis 18. Jahrhunderts hervorgerufen wurde. Seit 1935 steht dieses Areal unter Naturschutz.

Collage FotorULF13ddd

Am Mittelpunkt des Erzgebirgskreises vorbeilaufend, steigen wir ins Tal nach Tannenberg ab. Und dort kommen wir nun zu Sörens tiefgreifenden Reformen am ULF: unter einer alten Pappel erwartet uns da auf Klapptischen präsentiert, ein reichhaltiges Angebot an Proviant und Sörens Eltern (als Verantwortliche für diese Wohltat) haben dabei an alles Wichtige gedacht. So gibt es Kaffee, verschiedene Geschmacksrichtungen Tee, Iso, Cola, Wasser; dazu Kuchen, Schokoriegel, Salzgebäck, Apfelstücke und gekochte Kartoffeln aus eigenem Anbau. Es liegen sogar Decken auf den bereitstehenden Stühlen aus - und alles für ein wesentlich größeres Teilnehmerfeld gedacht, als wir vier es nun repräsentieren.

Collage FotorULF13eee

Klar, daß Sören stets etwas kurzatmig reagierte, wenn es um die Knappheit der mitgeführten Ressourcen ging. Er vertröstete uns dabei stets auf den Brunnen in Schlettau, wo wir unsere Trinkflaschen mit Wasser auffüllen könnten. Doch das wollte wiederum keiner von uns so richtig als Gegeben ansehen. Mit dem Schramm'schen Verpflegungspunkt hat er natürlich eine gelungene Überraschung parat, die aufgrund ihrer Professionalität auch wohlwollend angenommen wird. Diese "Reform" ist daher in Zukunft nicht reformbedürftig und kann ruhigen Gewissens immer den Wegesrand eines ULF's säumen. Ein großes Dankeschön an Familie Schramm!

Collage FotorULF13fff

Wir ziehen nach gut viertelstündiger Rast weiter, oder besser gesagt, wir "kampfwandern" weiter, wie ein Passant bemerkt. Sicherlich haben wir den einen oder anderen Bissen zu viel intus und das Anlaufen sieht dadurch etwas unrund aus, trotzdem bewegen wir uns schon noch im Laufschritt durch den Ort. Erst als wir außer Sichtweite sind und ein Anstieg die schon geschwächte Beinmuskulatur wieder maximal fordert, nehmen wir den Kampfwanderschritt an. Noch rund ein Halbmarathon liegt vor uns und da gilt es mit den Kräften hauszuhalten.

Oberhalb der Zschopau laufend, gelangen wir nach Schlettau. Dort ist eine Durchquerung des Schloßparks Pflicht, wo u.a. mit der Schloßlinde eine rund 400 Jahre alte Winterlinde zu bestaunen ist. Sie ist mit ihren rund sieben Metern Stammumfang eine der dicksten Linden im Erzgebirge. Mit diesem kulturellen Abstecher erhöht die reformierte Streckenführung definitiv die Qualität des Laufes. Der von Sören angesprochene Brunnen im Stadtkern von Schlettau, an dem er den Wassernachschub festmachte, ist jedoch furztrocken. Das wäre ihm, trotz aller streckenbaulichen Neuerungen, nicht zu verzeihen gewesen, wenn er diesem Fauxpas nicht mit dem VP in Tannenberg vorgebeugt hätte.

Collage FotorULF13ggg

Von Schlettau aus wird in großem Bogen über Walthersdorf führend, der Firstenweg angesteuert. Er bringt uns nun bis fast zum Ziel. Mittlerweile wird es auch zeitlich ganz schön eng, wenn wir den 15:35-Uhr-Bus von Oberwiesenthal nach Chemnitz schaffen wollen. Demnach wollen wir uns ja wenigstens eine kurze Auszeit auf dem Gipfel gönnen und nicht gleich nach unserer Ankunft wieder hinab zur Bushaltestelle hasten.

Collage FotorULF13hhh

Um dem ganzen Trott wieder etwas an Schärfe zurückzugeben, wird auf der Gifthüttenstraße in der dünnen Luft der 1.000er Höhenmarke kurzerhand eine Bergwertung ausgeschrieben. Steffen wird diese gewinnen, da es zwei Personen überhaupt nicht frequentiert und Person Nr. 3 sich auf den ersten Metern dieser Passage ins Nirvana läuft (immerhin 3:30er Schnitt laut Uhr!) und so zum Ende hin kräftemäßig kapitulieren muß. Er wird dann auch der letzte Teilnehmer auf dem Gipfel sein, da der finale Anstieg unter dem Skilift nicht mal mehr einen gewöhnlichen Kampfwanderschritt hergibt. 

Collage FotorULF13iii

Die letzten hundert Meter auf das Plateau sind dann ein einziger Kampf gegen die tiefstehende Sonne, welche aggressiv die Sicht nach vorn versperrt. Vielleicht ist es auch besser, denn so sehen wir das Dilemma erst als wir oben sind: höchstwahrscheinlich neuer Zuschauerrekord auf dem Gipfel, dazu hundertprozentige Auslastung der vorhandenen Parkplätze. Wir haben regelrecht zu tun, uns nicht im Menschenwirrwarr zu verlieren. Was jedoch wenig später passiert. Sören ist vor dem Gipfelfoto urplötzlich verschwunden ... kurze Ratlosigkeit! Dann taucht er mit seinen Eltern wieder auf. Sie haben auch die Zielverpflegung des diesjährigen ULF übernommen! Diese befindet sich im hinteren Teil des Fichtelberges am Ausstieg des Reitsteigweges. Dort ist das Gewühl nicht ganz so dolle und das Ambiente für das unverzichtbare Sturzbier und das dazugehörige Wurst- und Obstangebot regelrecht romantisch und ruhig - mit einer Fernsicht bis in die Leipziger Tieflandsbucht. 

Collage FotorULF13jjj

Erstmals müssen wir auch nicht nach Oberwiesenthal absteigen - dies übernimmt Sörens Vater mit dem Wagen. Komfort pur, sozusagen! Reformen an die man sich gewöhnen kann. Nur die Busfahrt nach Chemnitz bleibt wie eh und je. Vielleicht hat sich ja der Fahrpreis wieder nach oben reformiert (Viererkarte für 28 Euro)? Keine Ahnung, dafür liegt die letzte Busrückfahrt schon zu lang zurück.

Definitiv ein gelungener ULF! Reformator Sören hat uns heute in kleinem Kreis neue Möglichkeiten der Gestaltung des Trainingslaufes zum Fichtelberg aufgezeigt. Mal sehen, welche sich davon auf Dauer durchsetzen. Jedenfalls hat ihm auch das Wetter bestens in die Karten gespielt und die für den Morgen angekündigte Orkanwarnung blieb ein heißer Luftzug. Der größte Dank gilt allerdings der Familie Schramm für die liebevolle Betreuung!

Full Review William Hill www.wbetting.co.uk