Waldwiese

13. Bornaer Marathon 2018

Geschrieben von Thomas Delling.

17.11.2018 10 Uhr 42,195 km 188 Hm+ 188 Hm- Gruppenlauf

Collage FotorBORNA18aaa

Die Endphase der Vorbereitung auf den Heiligabend-Marathonlauf im Chemnitzer Stadtpark ist eingeläutet. Ein letzter scharfer Test steht heute auf der nahezu ebenen Strecke rund um Borna an, zu der uns unsere Wanderfreunde aus Burgstädt eingeladen haben. Leider bestimmen diese auch die Verhaltensregeln für den Tag und so bleibt der Limbacher Delegation nichts anderes übrig, als den Zweiundvierziger mit ihnen zusammen in rund fünf Stunden abzubummeln.

Es ist jedes Jahr das gleiche: entgegen jeder sportlichen Herausforderung wird vom fast einheitlich in leuchtgelb auftretenden Burgstädter Pfadfindertrupp zeitlupenmäßige Bewegung auf der körperlich anspruchslosen Streckenführung mit langen Standzeiten an den Verpflegungspunkten perfekt kombiniert. Das da der Körper nicht auf Betriebstemperatur kommt ist logisch. Die sich (fast ausschließlich) im Stand-by-Modus befindliche Beinmuskulatur wird dabei nach kurzem Trab durch langanhaltende Essens- und Trinkpausen schnell wieder auf ihre Ausgangstemperatur zurückgekühlt. Körper und Geist kommen durch dieses wirre Hin und Her nicht auf einen gemeinsamen Nenner und können somit diese ungewöhnliche Tagesaufgabe im ständigen Stop-and-go nicht einwandfrei zuordnen. Wellness oder Sport? Regeneration oder Trainingsreiz? Eine klare Antwort darauf vermißt man, dürfte aber weitestgehend in Richtung Minimalanstrengung tendieren! 

Collage FotorBORNA18bbb

Nun gut, trotz allem schlechten Gewissens der (eventuell bevorstehenden) physischen Last gegenüber, zwänge ich mich in meinen Läuferzwirn und stehe kurz vor 10 Uhr mit Ute und den Leuchtgelben im Fünf-Stunden-Teilnehmerfeld des 13. Bornaer Marathons, der als Gruppenlauf die Peripherie der Großen Kreisstadt erkundet. Eine halbe Stunde vor uns gingen schon die 5:30-Stunden-Läufer in die Spur und im weiteren Halb-Stunden-Takt nach uns folgen die 4:30-, 4:00- und 3:30-Marathonis. Für alle Teilnehmer ist somit eine (theoretische) Zielankunft von 15 Uhr garantiert.

Zu den 27 Laufenden der Fünfer-Gruppe gesellt sich anfangs ein sage und schreibe 16 Radfahrer umfassender Konvoi! Einerseits handelt es sich hierbei um den üblichen Betreuerstab, aber auch um sogenannte Sonderlinge. Diese Kategorie wurde einst auf Drängen der Burgstädter in das Portfolio dieses Marathonlaufes aufgenommen, damit auch des Laufens nicht mehr Willige auf das Rad umsteigen und so mit dem Radfahrer ihre Tätigkeit wechseln können. Durch diese Innovation konnten schon einige Burgstädter Bewegungssportler ihren Traum vom Marathon-Finish zu Ende träumen und mußten nicht nach Veranstaltungsende völlig entkräftet aus den Straßengräben oder von den Zäunen der Vorgärten eingesammelt werden. Es wird ja schließlich Mitte November auch schneller dunkel und die Zeit für solche Suchaktionen wäre deshalb stets sehr begrenzt. 

Collage FotorBORNA18ddd

Woher kommt diese Voreingenommenheit, welche hier eventuell gegen eine gewisse Spezies herauszulesen ist? Es sind ganz klar die Provokationen, die ich schon in der Umkleide von Burgstädter Seite registrieren muß und somit mich deren Tun genau beobachten und analysieren läßt. "Was sind das für komische Schuhe?", so die mich in Erklärungsnot bringende Frage eines BLVers, der sich (laut Startnummer) Sigfried-Enrico nennt. Dieser Doppelname ist zwar in unserer Gegend sehr geläufig, nur die Schreibweise des erstgenannten Namensteils irritiert dabei etwas - ist aber höchstwahrscheinlich eine Folge der Datenschutz-Grundverordnung und soll (trotz aller Geheimniskrämerei um persönliche Daten) eine Art Alleinstellungsmerkmal in diesem weitverbreiteten Namenskreis symbolisieren. Doch keine Angst, Sigfried-Enrico! Ich kann meinen Namen auch in Laufschuhen tanzen und brauche dafür keine mich bloßstellende Anweisung von oben herab! Meine ultralaufgetesteten Badelatschen sind heute nur mal zum Duschgang mit in Borna - quasi als Regenerationsmaßnahme für deren Material.

Collage FotorBORNA18zzz Fotor

Und dann ist da noch Tilo (ein Chemnitzer im Sold Burgstädts), oder besser gesagt: ... ist da eben kein Tilo! Alle Burgstädter wußten es, nur uns Limbachern wurde es vorenthalten. Umrundung des Hainer See's ... Kilometer 35 oder so in etwa ... der (beim Marathon an dieser Stelle übliche) "Mann mit dem Hammer" wurde dort einst von Tilo, dem Radfahrer mit den Satteltaschen voller Bier, durch seine Zwischenmahlzeit mit flüssigen Elektrolyten stilvoll vertrieben. Auf diese mentale Unterstützung baue ich auch diesmal - doch vergebens! Meine Rufe nach Tilo in die umliegenden Sanddornbüsche am Wegesrand bleiben ungehört und werden von den anwesenden Burgstädtern mit einem hämischen Lachen quittiert. Sie sind auf diese Situation eingestellt, ich nicht! Ich muß meinen Körper noch weitere rund drei Kilometer vertrösten, denn erst in Haubitz gibt es den langersehnten Kasten Hopfensaft.

Collage FotorBORNA18ccc Fotor

Zu guter Letzt ist es Steffen, der mich am einzigen Anstieg der Runde und dem daraus resultierenden Bergsprint (wie einige Tage vorher am Fichtelberg) regelrecht pulverisiert und mich mit dieser Provokation maximal zur Weißglut bringt. Mit solchen Kraftmeiereien füllen sie dann wieder ihr ortsansäßiges Amtsblatt und klopfen sich noch wochenlang gegenseitig über ihre Dominanz am Berg auf die Schultern. Aber im Großen und Ganzen sind es ganz nette Kerle, die Burgstädter! Ich muß allerdings meinen erhöhten Kraftaufwand vom Sprint und die daraus resultierende Schwäche im nachfolgenden Streckenabschnitt mit vorgetäuschten Stops zum Fotografieren der Landschaft kaschieren - peinlich! Das zermürbt, das schreit nach Rache - da diese sportlich nun mal nicht gelingt, überlasse ich der Tastatur des Rechners die Revanche! 

Collage FotorBORNA18uuu

Zur Veranstaltung selbst noch ein paar Worte: entlang der Überbleibsel des einstigen Braunkohle-Abbaus führt die Route zu den ehemaligen (nun gefluteten) Tagebauen und zu Denkmälern der darin verschwundenen Ortschaften. Die Zeit zwischen den Sehenswürdigkeiten verbringt man meist mit Laufen (ca. 7-Minuten-Schnitt), Essen (Süßkram und Deftiges), Trinken (Glühwein, Bier, Cola, Tee, Kaffee, Iso und Wasser) oder Quatschen (am besten Marathon-Latein). Selbst endlos erscheinende fünf Stunden sind dabei recht kurzweilig und verlangen daher nach einer Wiederholung im folgenden Jahr. Gemeinsam mit Siggi und Steffen beenden Ute und ich diesen Marathonlauf nach 4:53:48 Stunden - nicht ganz so perfekt wie 2017, als mit einer Zielzeit von 4:59:25 Stunden eine Art Punktlandung gelang. Da hätte in Haubitz auch noch ein Glühwein mehr hinter die Binde gepaßt! Trotzdem kein Beinbruch - für die nächste Teilnahme wird dieser Variante des Zeitmanagements natürlich die volle Aufmerksamkeit geschenkt.

Collage FotorBORNA18xxx Fotor

Zu guter Letzt noch ein Dankeschön in Richtung Burgstädter Laufverein: Danke Sonja, daß ich deinen After-Race-Bockwurst-Gutschein (unkompliziert und ohne die im Vereinsclinch nötigen Formalitäten) erhalten habe und diesen (jetzt ein Dank an den Veranstalter VSV '77 Borna) in ein Gratis-Bier umwandeln konnte. Danke Heike, daß du für mich bei diesem gemeinsamen kulinarischen Ausklang der Veranstaltung den Platz einräumtest, der mich nicht dazu nötigte, auf einer unblauen Bank sitzen zu müssen. 

Lieber Burgstädter LV! Ist (nach diesen Zeilen) eine Teilnahme meiner Person an eurem Einladungslauf am zweiten Weihnachtsfeiertag überhaupt noch möglich oder könnt ihr den Schutz solcher Klartext-Schreiberlinge nicht mehr garantieren?  

Full Review William Hill www.wbetting.co.uk