Waldwiese

10. Einsiedler Herbstcrosslauf 2019

Geschrieben von Thomas Delling.

13.10.2019 10:35 Uhr 10,59 km 240 Hm+ 238 Hm-

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Zum zehnten Male veranstaltet der Einsiedler Skiverein den Herbstcrosslauf unterhalb von Mühlberg und Dittersdorfer Höhe. Zum zehnten Mal gehe ich dabei an den Start des Zehners. Bei Ute ist es zwar auch die zehnte Teilnahme, aber erst die neunte "Langdistanz", weil ihr bei der Premiere 2010 ein Start auf der 10-km-Strecke "verweigert" wurde - für Frauen sei diese Doppelrunde angeblich zu heftig und daher von einem Start abzuraten. 

Mittlerweile sind Frauen auf dem Zehner ganz normal, viele von ihnen sind sogar schneller als ihre männlichen Konkurrenten und einem ehemaligen Haudegen (Zitat aus den Herbstcross-Anfangsjahren: "Einsiedel ist immer Pflicht!") ist nun dieser lange Ritt für einen Sonntagmorgen zu erbarmungslos. Denn dieser deckt schonungslos Defizite in der Vorbereitung und Lebensweise auf und deshalb bleibt er dann lieber weit weg vom Geschehen. Er streichelt dann lieber die für den Eigenbedarf benötigten Frühstückseier mit Hingabe aus den glücklichen Freilandhühnern im eigenen, großzügig angelegten Geflügelparadies. Diese Möglichkeit der Ablenkung, wie Jens sie als Ausrede pflegt, habe ich allerdings nicht und muß mich notgedrungen der Verantwortung stellen.

Weichgespülte 5 Kilometer wären sicherlich heute auch ausreichend, schließlich lehrte schon das Vorjahr auf grausame Weise, wie unerbittlich einem der großspurig gelebte Vortag auf die (eh schon bleischweren) Füße fallen kann. Nicht etwa der Röhrgrabenlauf in Ehrenfriedersdorf oder der Zwickauer Haldencross (als Bezirksmeisterschaft im Crosslauf) sorgen dabei für schweres Gebein - nein, der Genußlauf im Elbtal mit dem kulinarischen Erlebnis der Ernteverkostung aus den durchstreiften Weinbergen.

Schweißtreibend ist daher schon die Anreise mit dem Fahrrad - nur wenige Kilometer sind es bis Einsiedel, aber der Schlußanstieg zum ehemaligen Pionierlager gleicht dabei dem gefürchteten Passo Tremalzo. Null Freuden, dafür aber auch keine Fliegen und ein Panama interessiert in so einer Situation sowieso nicht. Wichtig bei dieser Art Betätigung ist das Herabsetzen der Blutalkoholkonzentration, damit mir diese nicht als schmerzlindernd im Wettkampf ausgelegt und so mit den verbotenen Narkotika der WADA-Verbotsliste gleichgesetzt wird. Doch dafür sind diese Strapazen zu gering ... der größere Brocken Anstrengung wartet allerdings noch nach 10:35 Uhr auf mich.   

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Mit dem Positionieren im hinteren Teil des Startblocks beginnt die selbst auferlegte Tortur. Während vorn leichtfüßig vom unteren Parkplatzareal, vorbei am Spalier der Zuschauer im Rundendurchlauf in den angrenzenden Wald getänzelt wird, habe ich schon auf den ersten Metern Mühe, Anschluß zu halten. Die ersten Wellen im Streckenprofil sind dabei noch als regelrechtes Geschenk zu betrachten - im (ersten) Anstieg zur Wettinhöhe hört aber der Spaß auf: schwerfälliger Spaziergang bei stark gekrümmter Körperhaltung. Die sportliche Note meiner Fortbewegung bleibt nun komplett auf der Strecke. Vielleicht gibt es oben, unterhalb der Dittersdorfer Höhe zur Abwechslung (und zum Jubiläum) mal Rückenwind!? Fehlanzeige! Der Abstand zu meinen Vorderleuten wächst und wächst.

Während sich Jens in diesem Moment mit hochgelegten Beinen das zweite Morgenbierchen gönnt und still in sich hineinlächelt, leide ich! Ich mache mir so meine Gedanken. Wieso? Weshalb? Warum? Niemand hätte es den Verantwortlichen des Einsiedler Skivereins übel genommen, wenn sie zur Feier des Jubiläums ihre stark profilierten Runden auf die teils tellerflachen Straßen des Einsiedler Ortskerns verlegt hätten. Bestzeiten zum Zehnten wären der Dank gewesen. Nächstes Jahr hätte man ja wieder in den Wald ausweichen können - bis dahin hätte auch ich genügend Zeit, um für diese speziellen Anforderungen zu trainieren. Ich ertappe mich dabei allerdings der Notlüge, denn sicherlich wäre es besser, auch in den Folgejahren nur noch "flach" durch Einsiedel zu laufen - keine Anstiege mehr, weder bei der Anreise noch zum Wettkampf!  

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Runde 2 gehe (schleiche) ich mit rund 150 Metern Rückstand auf Ute an - "gefühlte" fünf Minuten Zeitdifferenz. Heute hat sie mich wenigstens nicht überholt, wie im Vorjahr, das war viel deprimierender! Aber Runde 2 ist eben Runde 2 ... da wird aus dem Langsam kein Schnell und aus dem Kraftlos kein Bergeversetzen. Nur noch ins Ziel retten! Dabei sammle ich sogar noch Ute an der Wettinhöhe ein und nehme ihr im Zielsprint zwei Zehntel Sekunden ab - so steht es später zumindest im Protokoll. Erstmals gibt es für mich jedoch kein Zielbier, wie stets in Einsiedel von mir "gelebt". Zu unberechenbar scheint mir die Reaktion meines Magens auf diese Getränkeart. Aber sonst ist alles wie immer: Ute muß zur Altersklassensiegerehrung vor auf's Podest und die Skifahrer aus Einsiedel können sich zurecht ein weiteres Mal für ihre gelungene Veranstaltung auf die Schulter klopfen, während Jens nach einem ausgiebigen Mittagsmahl zum verdienten Mittagsschläfchen ansetzt.

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Zehn Herbstcrossläufe im Überblick:

    Ute Herfurt Thomas Delling
Datum Teilnehmer Zielzeit Platz AK-Pl.     Zielzeit Platz AK-Pl.
24.10.10 20*/35 27:09,0 min* 6.* 1. F41*     47:03,0 min 6.  1. M31
23.10.11 45 55:09,3 min 27. 2. Frau     46:52,0 min 7.  4. M40
14.10.12 48 55:09,2 min 36. 1. Frau     48:08,3 min 18. 4. M40
13.10.13 55 57:40,4 min 46. 2. Frau     49:50,9 min 22. 7. H41
12.10.14 49 54:43,2 min 29. 1. Frau     50:33,7 min 17. 7. H41
04.10.15 45 56:26,4 min 35. 2. Frau     52:11,1 min 20. 6. H41
16.10.16 45 58:02,6 min 36. 2. Frau     1:04:00,7 h 40. 14. H41
15.10.17 77 58:48,4 min 62. 1. W50     50:58,0 min 28. 8. M40
14.10.18 66 54:36,2 min 41. 1. W50     55:14,6 min 43. 6. M40
13.10.19 87 58:33,8 min 60. 1. W50     58:33,6 min 59. 12. M40

* 5 km

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