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6. Trainingslauf "Rund um Chemnitz" (Ultrarunde) 2014

Geschrieben von Thomas Delling.

31.10.2014 - 7:30 Uhr - 85,6 km / 1.325 Hm+ / 1.325 Hm- (Trainingslauf)

Rund_um_Chemnitz_-_85km-UltraFalls es etwas mehr sein darf, als bei Siggis und Tilos 61er Kult-Runde ...

Endlich ist es soweit! Die "richtige" Chemnitz-Umrundung steht auf dem Plan. Nicht die Mutter-Kind-Tour, die Tilo und Siggi alljährlich im Frühjahr als Gruppenlauf anbieten, sondern die Schleife, die aus Läufern Männer macht und mit 85 Kilometern auch so eine Art "Ultra-Status" besitzt.

Im Herbst 2011 entdeckte ich die oben abgebildete Routenführung um Chemnitz auf einem Schild am Anfang des Leichenweges gegenüber des Freibades in Erdmannsdorf und hatte diese sofort in meinen "Laufplaner" abgespeichert. Es fehlte nur noch der passende Zeitpunkt der Umsetzung, da es in der Woche nach der Arbeit oder nach den Wochenend-Fußballspielen meiner Kinder zeitmäßig bis zum Einbruch der Dunkelheit doch etwas eng werden würde. So blieb der heutige Feiertag für die Ausführung vorbehalten. Da diese Runde keinen Ponyhof- oder Südbalkon-Charakter besitzt, fand ich mit dem amtierenden Landesmeister im 100-Kilometer-Lauf, Sören Schramm, einen erstklassigen Mitstreiter.

Der Start zur etwas längeren Chemnitz-Schleife ist für 7:30 Uhr am Parkplatz Felsendome (dem vierten Verpflegungspunkt vom "Rund um Chemnitz"-Original) mit Sören vereinbart. Eine Bewirtung während unseres Läufchens wird es heute nicht geben, also muß der Laufrucksack inklusive Speis und Trank mit. Es ist bewölkt bei ca. 10°C - das lange Beinkleid und ein kurzes Oberteil dürften ausreichend sein, zumal Wechselsachen ebenfalls im Rucksack auf ihren späteren Einsatz lauern.

Auf der bekannten Streckenführung von Siggi und Tilo steuern wir zuerst den Totenstein im Rabensteiner Wald an. Sören gibt dabei ein für mich ganz schön atem(be)raubendes Tempo vor - 5:00 Minuten für den ersten Kilometer sind mir einfach zu flott. Im leichten Bergauf kann ich deshalb auch nur minimal unseren Dialog mit Wortgruppen "bereichern". Erst ein paar Kilometern später nehme ich intensiver an unserem Gespräch teil, da bei mir nach einer gewissen Einlaufzeit die nötige Luft zum Quatschen vorhanden ist - bin ja schließlich nicht in der Liga wie Sören unterwegs!

Das obligatorische Bild vom Totenstein (483 m) entfällt, da das (zum Fotographieren vorgesehene) Telefon just in diesem Moment "abgestürzt" ist und sich abgeschalten hat. Das ist jetzt nicht allzu tragisch, da dieses Gelände um den Maria-Josepha-Turm von mir bei bisherigen Läufen oder Radtouren schon mehr oder weniger "totfotographiert" wurde. Viel wichtiger ist es, daß das Teil wieder funktioniert, als wir wenige hundert Meter später meinen Vereinskamerad "Glocke" bei frühmorgentlichen "Laufübungen" im Wald überraschen. Da kann ich mir ja auch weiterhin vergeblich die Zähne an ihm ausbeißen (wie zuletzt beim Zschopautallauf), wenn er hier (unter Ausschluß der Öffentlichkeit) Tempoblöcke abspult.

Auf der Stauseelauf-Strecke bis hin zur Autobahn-Anschlußstelle Wüstenbrand laufend, erreichen wir das Waldgebiet Tümmel. Wir orientieren uns anfangs an den gelben Markierungen für unsere Tour. Die Tannmühle lassen wir jedoch aus, damit die Schleife nicht zu lang wird. Blöderweise verpassen wir (ins Gespräch vertieft) einen Abzweig und sehen uns in der Windsiedlung oberhalb Hohenstein-Ernstthal's wieder. Jetzt schmerzen solche Zusatzrunden natürlich noch nicht, da wir gerade erst Warmgelaufen sind, bei Kilometer 60 oder 70 muß soetwas jedoch nicht mehr sein.

Es folgt ein längerer Asphaltabschnitt durch Wüstenbrand, auf dem Landgraben nach Mittelbach und weiter Richtung Leukersdorf. Dort biegen wir auf halber Strecke auf den Fürstenweg, einen Feldweg, ab. Er soll uns nach Neukirchen bringen, was nach hundert Metern aber schon wieder hinfällig ist. Das Gebiet ist großräumig mit Jägern verseucht, welche eine Drückjagd (die "schonendere Form der Treibjagd) auf dem angrenzenden Feld durchführen. Wir werden gebeten uns einen anderen Weg zu suchen, da Querschläger unseren Laufspaß vermiesen könnten.

Wir begeben uns also wieder auf die Straße und durchqueren anschließend Leukersdorf. An dessen westlichen Ende beginnt der Neukirchner Wald, den wir nicht auf der Straße durchlaufen wollen. Bei unserer Wegsuche am Steinbruch kommt uns glücklicherweise ein Läufer entgegen, der uns ein Stück Richtung Jahnsdorf, am Schwarzen Felsen vorbei, mitnimmt.

Kopie_von_IMG_00003875Kopie_von_IMG_00003886Am Totenstein beim Training erwischt: Ralf Glöckner.  Auf dem Gipfel des Fichtelbergs (bei Jahnsdorf).

Danach beginnt wieder mir geläufiges Terrain. Durch Jahnsdorf und die Umgehungsstraße schlängeln wir uns hoch zum Fichtelberg (468 m). Es ist noch recht trüb und somit ist die (sonst grandiose) Sicht etwas eingeschränkt. Als wir auf der Wiese wieder "talwärts" laufen, kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und wird uns nun die nächsten Stunden treu begleiten. Den Asphalt-Bogen über das Gasthaus "Morgensonne" schenken wir uns und laufen etwas kürzer durch den Wald hoch zum Eisenweg (534 m).

Jetzt geht es flach auf dem Höhenweg zwischen Würschnitz- und Zwönitztal Richtung Burkhardtsdorf. Am Ortseingang, oberhalb des Schüngel-Stadions gönnen wir uns eine kurze Rast. Ein Apfel, ein Müsliriegel und etwas Wasser sorgen für neuen Schwung auf dem folgenden Abschnitt durch den Ort. Wir nehmen die kürzeste Route zwischen Bahnlinie und B180 nach Kemtau, wo wir am ehemaligen Gasthof den Anstieg zum Kemtauer Wald teilweise im Gehschritt nehmen, um Kräfte zu sparen. Vorbei am Kalkofen gelangen wir auf dem Kemtauer Weg zum Gasthaus "Linde" in Weißbach. Nach einigen hundert Metern entlang der B180 biegen wir (nach 42,2 Kilometern) auf die Plattenstraße (später Eisenstraße), welche nach Gornau führt.

An einer Windkraftanlage am Wegesrand ist dabei folgender Spruch zu lesen: "Gott gibt dem Müden Kraft und Stärke dem Unvermögenden". Wir bräuchten aber nur etwas Wasser für unsere fast leeren Trinkflaschen und das bekommen wir bei Sören's Onkel, der an unserer Streckenführung wohnt. In Gornau biegen wir auf den Wanderweg "Rund um den Heidberg", streifen Witzschdorf nur kurz und nehmen den Kammweg nach Kunnersdorf. Am 1930 auf der Hahnhöhe (451 m) von Chemnitzer Pfadfindern errichteten Blockhaus folgt eine weitere "größere" Rast.

Auf dem Weg des Zschopautallaufes und durch das Pfarrholz gelangen wir nach Erdmannsdorf. Dort wasche ich mir am Startpunkt des Drahtseilbahnlaufes im Schwarzbach meinen Schweiß und meine Salzablagerungen vom Körper, während Sören die gehobenere Variante der Erfrischung im WC der Talstation der Drahtseilbahn nimmt. Auch ich suche diesen Ort des Luxus' noch auf, werde aber aufgrund meiner vom Bachwasser durchtränkten und ständig tropfenden Mütze kritisch von den anwesenden Touristen beäugt.

Kopie_von_IMG_00003904Kopie_von_IMG_00003908Witzschdorf heißt Sören willkommen!                         ... auch Sven kniet sich für's kmspiel.de 'rein!

Ein Wanderweg zwischen dem Zschopau-Fluß und der B180 läßt uns zum Freibad Erdmannsdorf gelangen. Dort biegen wir auf der anderen Straßenseite auf den Leichenweg. Hier war der Ideengeber für den heutigen Lauf, das Schild mit dem 85-Kilometer-Rundwanderweg, einmal an einem Baum befestigt. Wer weiß, wem dieses Holzschild zuwider war, so daß er es entfernen oder zerstören mußte.

Wenig später kommt uns Wintermarathon-Mannschaftsmitglied Sven Wewetzer auf dem Leichenweg entgegengehoppelt. Auch er hat einen Laufrucksack geschultert und ist somit bereit für große Taten. Ein kurzer Plausch schließt sich an und bald darauf trennen sich unsere Wege schon wieder, da Sven (dem kmspiel.de verpflichtet) noch ein paar Kilometer "schrubben" will. Wir haben davon schon jeder 57 auf der Uhr stehen - eine Zahl bei der Wewe nur abwinkt, daß er am Abend aber "nur" 28,5 Kilometer anzubieten hat, ist schon etwas mager.

Durch das Waldgebiet Struth gibt es vielerlei Möglichkeiten um nach Niederwiesa zu gelangen. Wir nehmen einen der Hauptwege und verpassen den vorgesehenen Abzweig. Das ist hier aber nicht so schlimm, da mehrere Wege und Rückegassen den Wald zerteilen. Mittlerweile sind wir dem großen Spaziergängertrubel auch entkommen und nehmen eine der vielen Schneisen Richtung Nordwesten. Im fast unwegsamen Gelände stehen dort drei Personen rauchenderweise an einem Bach. Was die dort machen? Keine Ahnung! Vielleicht wurden sie auch von übergeordneter Stelle für uns dort "abgestellt", denn meine Frage nach der "Richtung nach Niederwiesa" beantwortet der Herr mit Hund so, als hätte er nur auf diese Frage gewartet.

Etwas wacklig überqueren wir anschließend den Bach und erreichen kurz darauf die Weihnachtsbaumplantage gegenüber der "Alten Bierstraße". Diese führt direkt in den Ort, wenn es denn die Bierbrücke noch gäbe. Ein Brückengerüst ist jetzt an deren Stelle aufgebaut und bringt uns sicher über die B173. Wir nehmen die Talstraße, laufen hoch zum Sportplatz und gelangen auf der Bräunsdorfer Straße zum "Liederweg" an der Zschopau. Unterhalb des Schloßparks zweigen wir auf dem Fischergäßchen steil bergauf nach Lichtenwalde ab.

Kopie_von_IMG_00003921Kopie_von_IMG_00003926Die alte Bierbrücke nach Niederwiesa gibt es nicht mehr, dafür Lichtenwalde auch noch nach 2005!

Um das Schloß herum ist jede Menge los, deshalb machen wir nur schnell ein Foto und ich lese die angekommenen Nachrichten auf dem Telefon: u.a. ist Ute mit ihrer Radtour (nach Markersbach zum Oberbecken) schon fertig, steht da geschrieben. Wir haben erst 69 Kilometer weg und müssen uns daher etwas beeilen. Durch den Ort, an einer mächtigen 300 Jahre alten Stieleiche vorbei, gelangen wir zur Postmeilensäule an der Wettinhöhe (331 m) und laufen weiter zur B169, welche uns in den Chemnitzer Stadtteil Ebersdorf bringt.

Die dortige Stiftskirche hatte ich erst vor drei Wochen zusammen mit Ute im Laufschritt "besucht", deshalb laufen wir auch nur durch das Kirchengelände hindurch und sind kurz darauf auf dem Stiftsweg, der uns nach Glösa führt. An der Bahnlinie Chemnitz-Riesa biegt der Rennsteig zur Kinderwaldstätte ab. Am gleichnamigen Straßenschild stehen genau 72,8 Kilometer auf der Uhr. Da der Rennsteiglauf mit offiziell 72,7 Kilometern angegeben wird, wäre das natürlich ein (Beweis-)Foto wert. Nur gelingt es mir nicht, die Zahlenangaben auf der Uhr und das in ca. zweieinhalb Metern Höhe befindliche Straßenschild auf ein Bild zu bannen. So muß ein paar Meter weiter, auf Höhe des Haltepunktes "Kinderwaldstätte" das "Rennsteig"-Schild an einem Gartentor für das Foto herhalten.

An der Corinthstraße biegen wir auf die Originalstrecke von "Rund um Chemnitz", überqueren die A4 und nehmen danach aber den Weg über die Wiesen nach Draisdorf und nicht (wie bei der 2013er und 2014er "Runde") die Sechsruthenwald-Passage. Am Gasthof an der B107 ist (für mich) eine kurze Bierpause eingeplant, jedoch macht der griechische Betreiber der Gaststätte erst eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen die Pforten zum "Pausenraum" auf. Da habe ich eben Pech gehabt, außerdem wird es bald dunkel und da schadet es nicht, wenn wir noch ein paar Meter mehr im Hellen erledigen können.

Die Routenführung der Chemnitz-Umrundung von Siggi und Tilo soll uns nun bis nach Rabenstein bringen. Da wäre als nächster Höhepunkt der "Heinersdorfer Bergsprint®" an der Kläranlage. Fünf Austragungen hat es hier schon um das rotgepunktete virtuelle Trikot des Bergkönigs im Rahmen des offiziellen "Rund um Chemnitz"- Laufes gegeben. Sören konnte sich dabei 2013 und 2014 in die Siegerliste eintragen, ich habe mit drei Siegen (2010, 2011 und 2012, dazu ein 3. Platz 2013 und "Vize" 2014) knapp die Nase vorn. Heute wäre sozusagen das "Duell der Giganten" möglich, ohne die lästige Konkurrenz derer, die uns bisher nur die Ideallinie "verstopften" und am Ende diesen Sprintversuch auf dem Rest der Strecke bitter büßten. Heute ist aber auch "Ultra", da kann man sich keine Sperenzchen erlauben. Da gilt es hauszuhalten und nicht auf "dicke Hose" zu machen. Mit keiner Silbe denkt auch nur einer von uns daran, jetzt und hier "die Sau 'rauszulassen". Wir gehen daher friedlich nebeneinander den kurzen, knackigen Anstieg zum Heusteig und verzehren lieber noch einen Riegel o.ä.

Kopie_von_IMG_00003930Kopie_von_IMG_00003931Am Bahnhof "Kinderwaldstätte" sind 73 km geschafft.   Der tiefste Punkt der Runde: Draisdorf (280 m).

Im Heilstättenwald von Wittgensdorf geht dann so langsam das Tageslicht aus, es ist jedoch nur leicht bewölkt und so kann der Mond einen Teil der Beleuchtung übernehmen. Denn wie es nun mal so ist, tummelt sich in unseren Rucksäcken allerlei Wechselzwirn und Proviant; eine Stirnlampe ist allerdings nicht dabei. Wir erreichen wenig später die am Einkaufsparadies "Chemnitz Center" gelegenen amerikanischen Schnellimbißbuden "Burger King" und "KFC", sie sind unsere einzige zusätzliche Verpflegungsmöglichkeit (zum Feiertag) auf der Runde. Die Nachfrage nach den leckeren Fleischbrötchen ist dort immens, für uns jedoch kein Thema hier zu ankern.

Der Weg hinüber zur A4 ist relativ gut ausgeleuchtet, Probleme gibt es nur unter der Autobahnbrücke, wo es stockdunkel ist. Wir scheuen uns vor dem nun anschließenden Feldweg hinüber nach Rottluff und wollen lieber auf dem Parallelweg an der A72 im Scheinwerferlicht der uns entgegenkommenden Fahrzeuge zur Limbacher Straße laufen.

Als erstes müssen wir dazu aber den Pleißenbach überwinden - das geschieht an der Böschung der Autobahnbrücke. Danach folgt ein rund 500 Meter langer Korridor zwischen dichten Buschwerk mit Schlamm und wassergefüllten Rinnen, ehe wir auf eine gemähte Wiese und kurz darauf auf unseren anvisierten Weg kommen. Dort blenden uns zwar ständig die vorbeirauschenden Autos, dafür können wir aber zum Ende unserer Unternehmung wieder etwas Fahrt aufnehmen. Natürlich machen wir uns auch Gedanken, wo man denn die fehlenden Kilometerchen bis zur 100er Distanz noch 'ranhängen könnte, selbst auf die Gefahr hin, daheim mit der Zwangsjacke empfangen zu werden.

Nach zehneinhalb Stunden kommen wir gegen 18 Uhr wieder bei unserem Ausgangspunkt an. Keinen Meter weiter! Keine 86 Kilometer noch vollmachen; erst recht keine 100! Uhr aus! Basta! Ja, ich habe bei meinem "Glauchauer Herbstultra" am Sonntag aus dem (kleinen) Fehler des Extralaufens gelernt ...

Kopie_von_DSC08187Kopie_von_DSC08188Kopie_von_IMG_00003932Trotz hohem Energieverbrauchs wurde die einzige "Einkehrmöglichkeit" in Röhrsdorf ausgelassen.

Während des Laufes hielt ich mich mit knapp drei Litern Getränk "über Wasser", davon anderthalb Liter "Overstims Hydrixir Antioxydant", einem Liter Leitungswasser pur und einem drittel Liter "mixxed up"-Energiegetränk. Dazu aß ich unterwegs zwei Äpfel, sowie vier 25-Gramm-Müsliriegel der Marke "Kornmühle" (Achterpack für 89 ct.) und einem 40-Gramm-Riegel "Natural Energy Cereal" von PowerBar. Nach dem Lauf half eine Banane über den ersten "kleinen Hunger" hinweg. Sämtliche Wechselsachen blieben bei mir unberührt im Rucksack liegen, aber besser man hat, als man hätte - Stichwort: Stirnlampe! Alles in Allem ein wunderschöner Ausflug mit Sören bei bestem Laufwetter.

Sörens Seite: www.schrambo.blog.de



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