Waldwiese

Osterlauf "Kilometer Vertikal" im Muldental 2021

Geschrieben von Thomas Delling.

04.04.2021 8:20 Uhr 45,5 km 998 Hm+ 998 Hm- Trainingslauf

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Die Zeit "des Frühlings holden, belebenden Blicks" und der daraus resultierenden Osterspaziergänge nötigt mal wieder den inneren Schweinehund zum Sprung über den eigenen Schatten und zum Einreihen in das "bunte Gewimmel", welches "aus dem hohlen finsteren Tor" entflieht und "sich durch die Gärten und Felder zerschlägt". Als Goethe im Jahre 1806 seinen Bestseller zum Frühlingserwachen schrieb, ahnte er natürlich nicht, daß dies 215 Jahre später eine Anleitung zu einer Art friedlicher Rebellion gegen staatlichen Verordnungsirrsinn darstellen wird.

Da sich Dr. Heinrich Faust mit seinem Schüler Wagner am Ostersonntag auf die Socken machte und mit dem Verlassen seines Studierzimmers erstmalig mit der von ihm gelebten "Stay at home"-Philosophie brach, ist unser Osterspaziergang auch für Sonntag angesetzt - genug daheim die Wände angestarrt und sich der frischen Luft verweigert! Es ist Zeit, sich auf die alten Hausmittel (wie z.B. Bewegung im Freien) zu besinnen, anstatt sich mit der nächsten Zahlenflut von Angst und Unsicherheit zu beschäftigen. Das Wetter entspricht Goethes Vorgaben zum Spazierengehen und die Mannschaftsstärke unserer Unternehmung ist mit drei Protagonisten regelkonform ausgereizt.

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Brauselochtal (o.l.) / Höllmühlenteich (o.r.) / Amerika (u.l.) / Rochsburg (u.r.)

Da mittlerweile auch Spaziergänger eine ziemlich großflächige rechtliche Grauzone abdecken und wir uns diesen kriminellen Auswüchsen aber verweigern, ist unser Osterspaziergang in einen Osterlauf umgedeutet worden. Das hat hauptsächlich mit dem völlig unpolitischen Sporttreiben, wie man es aus früheren Tagen kannte, zu tun. Sicherlich werden Abschnitte des heutigen Tagesprogramms nicht ohne straffen Wanderschritt oder dessen Softvariante des Spazierens zu absolvieren sein - mit nur rund einhundert Trainingskilometern zu Fuß im ersten Quartal des Jahres geht der angestrebte Fünfziger (am Stück) nicht zu leicht von der Hand. Da braucht man sich nun mal keine Illusionen machen!

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Die Zahl "50" habe ich in diesem Jahr bereits zweimal in meinem recht übersichtlichen Trainingstagebuch notieren können - einmal auf Skiern Mitte Februar und einmal auf dem Rennrad vor fünf Tagen nach Feierabend. Doch ohne diese technischen Hilfsmittel könnte es heute eng werden! Normalerweise ständen Ute und ich mitten im Training für den Fünfziger beim Zittauer Gebirgslauf, der Ende April stattgefunden hätte. Doch nach dessen Absage flaute der anfängliche Trainingsfleiß (?) rapide ab und wird so die Grenzen unserer läuferischen Leistungsfähigkeit noch mehr verengen. Darüber spricht man jedoch nicht, sondern man geht davon aus, daß dies von Steffen, dem Initiator des heutigen Laufes hingenommen wird.

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Zwickauer Mulde (o.l.) / Rochlitzer Berg mit Wechselburg (u.l.) / Heinrich-Heine-Park Lunzenau (r.)

In Cossen wird mit leichter Verspätung der Startschuß gegeben. Doch die verlorene Zeit von 20 Minuten kann man ja locker wieder herauslaufen. Über Hohenkirchen und Berthelsdorf gelangen wir anfangs ins Bärenholz hinab zur Zwickauer Mulde. An der Einmündung des Brauselochbaches biegen wir Richtung Heiersdorfer Kläranlage ab und nehmen danach die von zahlreichen BLV-Veranstaltungen regelrecht ausgelatschte Straßenvariante zur Höllmühle. Vorbei am Steinernen Tisch und dem Daniel-Boone-Anwesen biegen wir in das Waldstück Haarth ab und nehmen beim erneuten Erreichen der Mulde den "Rückweg", vorbei am Drachenfels zur Brücke, welche hinüber nach Amerika führt. Über die Zwischenstationen Rochsburg und Lunzenau erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt. Doch der Zeitplan ist schon jetzt gehörig durcheinandergekommen, denn überbewertetes Training und fehlende Fitness fordern ihren Tribut. Dazu kommen noch Zwangspausen, denn man trifft zwangsläufig Personen, mit welchen man früher nach Wettkämpfen die Teesorten des jeweiligen Veranstalters verkostete. Da diese Plattform des Gedankenaustauschs nun schon seit Monaten fehlt, wird dies unterwegs als Trockenübung (also ohne Getränk) nachgeholt. Das kostet Zeit! Doch der Tag ist lang, beziehungsweise: die Tage sind schon wieder länger - eine Stirnlampe wird sicherlich nicht benötigt werden.

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Rochlitzer Berg (349 m üNN) mit Friedrich-August-Turm (27 m)

Ein Halbmarathon liegt hinter uns, als ich in Cossen erste und ernsthafte Ausstiegsgedanken äußere. Noch rund 30 Kilometer liegen vor uns - unvorstellbar! Eine längere Ruhephase in Sitzposition lassen die kräftigende Wirkung von Bier, Keksen und Obst in die schlaffe Beinmuskulatur wandern und ein Ausscheiden meinerseits wäre jetzt einfach nur unhöflich. Zum sanften Einstieg in den zweiten Teil des Sonntags geht es tendenziell zur Mulde hinab. Dieser folgen wir nun flußabwärts. Vorm Göhrener Viadukt biegen wir von der bekannten Straßenführung über eine Wiese hinauf nach Obergöhren. Das ist zwar etwas länger und anstrengender, aber nicht so monoton, wie der Asphalt parallel zum Fluß. Erst in Altzschillen (davor jedoch mit herrlichem Weitblick auf Wechselburg und Rochlitzer Berg) treffen wir wieder auf diese Route.

Der Anstieg zum Rochlitzer Berg ist zäh und nur die enormen Menschenansammlungen auf den Wegen zwingen einen immer wieder mal in den Laufschritt zu wechseln, schließlich steht man ja nicht auf einer Stufe mit den Wanderern und ihrem Wohlfühlorbit. Keinen Spaß beim Sporttreiben versteht auch Siggi. Er ist heute wieder auf großer Radrundfahrt und just in dem Moment auf dem Porphyrberg, als wir in die Gasse zum Friedrich-August-Turm einbiegen. Vielleicht hat er für uns noch überschüssige Nahrungsmittel in seinen Satteltaschen? Ich würde mich dann auch um eine Runde Bier des einst sächsischen Hoflieferanten kümmern, das im Schatten des nach dem dritten sächsischen König benannten Bauwerks ausgeschenkt wird. Mit Spendengeldern wurde der Turm 1859 nach vierjähriger Bauzeit fertiggestellt. Es ist ein Denkmal für den bei einem Jagdausflug in Tirol im Jahre 1854 tödlich verunglückten Regenten, der auf den Namen Prinz Friedrich August Albert Maria Clemens Joseph Vincenz Aloys Nepomuk Johann Baptista Nikolaus Raphael Peter Xaver Franz de Paula Venantius Felix von Sachsen hörte.

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Wegweiser in Wechselburg     /     Chemnitz-Fluß kurz vor der Mündung in die Mulde

Die lange Rast am Berg fordert ein Umdenken und Steffen streicht den Normalweg über Rochlitz und damit die 50-Kilometer-Distanz von der Agenda. Beim aktuell fortgeschrittenem Zeitverzug käme die Stirnlampe sonst noch zum Einsatz, wenn sie denn dabei wäre. Die Direttissima, welche steil hinab nach Sörnzig abfällt, spart den recht abwechslungsreichen Bogen zum Schloß Rochlitz ein und nimmt uns so den Zeitdruck. Flußaufwärts von Fischheim beginnend, folgen wir den Windungen der Zwickauer Mulde bis zur Einmündung der Chemnitz. Bis Göritzhain nehmen wir dann dieses Gewässer als unseren Begleiter zur Seite und meistern mit dem langen Anstieg nach Cossen die letzte Hürde dieses Laufes.

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Zu Hause bleiben schützt ... vor bleibenden Erinnerungen an einen schönen Osterausflug!

"Ich höre schon des Dorfs Getümmel, hier ist des Volkes wahrer Himmel. Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!" Auch ohne 50 auf der Uhr nehme ich diesen Feierabend dankbar an. Man muß auch mal mit etwas weniger zufrieden sein! ... also mit weniger Kilometern, aber bei vollem Leistungsumfang!

.. und dann gibt es ein paar Tage später noch ein kleines Jubiläum:

09.04.2011 / 09.04.2021 - 10 Jahre waldundwiesensport.de

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... davon 8.421x  4. Leipziger Wintermarathon 2013
... 7.129x  7. La Petite Trotte á Lèon 2014
... 6.862x  5. Lauf "Rund um Chemnitz" 2014
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