Waldwiese

6. "covid-variantenangepasster" Heiligabend-Marathonlauf im Chemnitzer Stadtpark sowie Harth- und Pfarrwald 2021

Geschrieben von Thomas Delling.

24.12.2021 8:32 Uhr 15,6 km 335 Hm+ 335 Hm- Gruppenlauf

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"Ja, is denn heut koa Weihnachten?" - diesen leicht abgewandelten Spruch des Kaisers, vernahm man schon am Heiligabend vor einem Jahr vermehrt rund um den Stadtparkteich. Nach dem erneuten Ausfall des morgendlichen Heiligabend-Marathonlaufes in diesen Gefilden dürfte sich dies nun noch weiter verstärkt haben. Doch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens entsprechen grob denen von 2020 und machen daher an diesem Ort einen gemütlichen Jahresausklang mit sportlicher Betätigung nahezu unmöglich.

Erschwerend käme hinzu, daß mit dem Ablassen des Stadtparkteiches eine wichtige Stütze im Hygienekonzept des Laufes wegbrechen würde. Wo sollten sich denn dann die durchgeschwitzten Athleten reinigen? Etwa am bereitgestellten Desinfektionsmittelspender? Nein, das würde wiederum das minimale Budget sprengen. Schließlich ist das Rundendrehen hier privat organisiert und wird nicht durch die Fördermitteltröge der "Hauptstadt von 2025" über Wasser gehalten. Dieses infrastrukturelle Fiasko zwingt demnach zum Umdenken.

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Abgelassener Stadtparkteich "sprengt" Hygienekonzept!

Im hinteren Teil des Stadtparkes sowie im angrenzenden Harth- und Pfarrwald, wo kaum noch Sonnenlicht durch die Enge der Bäume auf den Waldboden fällt, die Infrastruktur unwegsamer wird und die heimische Fauna dem Menschen zahlenmäßig weit überlegen ist, soll wenigstens eine Art Ersatzveranstaltung zur Bestenlistenhatz am Ascota-Center stattfinden. Die Marathondistanz fällt für diesen sich anbahnenden Geländelauf natürlich aus - schließlich ist der Vormittag kein Gummiband und die zur Verfügung stehende Zeit von rund vier Stunden wäre in dieser unwirtlichen Gegend mit seiner üblen Streckenbeschaffenheit schnell aufgebraucht. Daher kann nur an der Streckenlänge massiv gefeilscht und modifiziert werden, um alle relevanten Faktoren berücksichtigen zu können.

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Weihnachtliche Gaben ... weihnachtliches Traben

Omikron heißt das neue Schlagwort, mit dem man umfassend aus Funk und Fernsehen konfrontiert wird. Es ist nicht nur der 15. Buchstabe des griechischen Alphabets, es ist auch der Name der aktuellen Mutation des Virus, welche man derzeit durchs Dorf, resp. um den Globus treibt. Es gibt sicherlich schönere Voraussetzungen für das Weihnachtsfest, aber mit einer Regierung im Nacken, welche uns in dieser noch so schwierigen Zeit weiter konsequent an die Hand nimmt und uns wie kleine Kinder sicher durch den Schlammassel führt, dürfte dies ja nun wirklich nicht auch noch mit Murren und Bockigkeit quittiert werden. Man schränkt sich ein, ist schließlich ein Akt von Gehorsam - neudeutsch: Nächstenliebe! Daher muß man am Heiligen Abend auch nicht zwingend einen Zweiundvierziger laufen - corona-variantenangepasste 15 Kilometer (#omikron) reichen da vollkommen aus. Man will ja schließlich nicht sich oder gar das "System" überlasten.

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Pfähle am Weg ... Pfähle auf'm Weg

Der lästige "Mann mit dem Hammer" von Kilometerpunkt 35 eines jeden Marathonlaufes wird mittels Streckenverkürzung eingespart und kann sich so anderweitig (am besten "systemrelevant") nützlich machen. Doch die personellen Sparmaßnahmen gehen noch einen Schritt weiter und kürzen auch das Starterfeld ein, schließlich gibt es (für diesen Ansatz) sogenannte Kontaktbeschränkungen im Bereich von Freizeitaktivitäten. Essen und Trinken am Streckenrand sind dagegen im vollen Umfang erlaubt, sogar alkoholische Getränke dürfen unter freien Himmel zu sich genommen werden (was vor einem Jahr noch strikt untersagt war). Es ist demzufolge alles schon fast wieder so wie (ganz) früher. Für die Bebilderung dieses Textes konnte ich noch ein paar Freiwillige um mich scharen, welche sich nach den Maßgaben der Hygienevorschriften ablichten ließen.

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Sonniger Ausblick auf 2022 ... oder die gleiche Scheiße wie 2021?

Die 7,8-km-Runde für diesen morgendlichen Ausritt orientiert sich am ehesten am Geist eines Trimm-dich-Pfades: ständig wechselnde Stationen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, welche ein flottes Vorankommen nicht gewährleisten, sind Programm. Eine gewisse Trittsicherheit und Schwindelfreiheit müssen für diesen Parcours zwingend vorhanden sein! Schließlich lauern ekliger Schlamm, fließendes Wasser, querliegende Bäume, glitschige Knüppelpfade und groblöchrige Asphaltstraßen auf die Probanden. Die Schwierigkeiten im vertikalen Bereich sind da regelrecht eine herbeigesehnte Abwechslung.

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Weiße Weihnacht am ersten und zweiten Feiertag!

Zwei fast identische Rundenzeiten von 57:19,7 und 57:21,3 Minuten, nur unterbrochen von einer kleinen Stärkungspause von 19:38 Minuten, untermauern die gleichmäßige Taktung der Unternehmung, meiseln aber auch 2:14:19 Stunden für 15,6 Kilometer auf die Uhr! Ein kompletter Marathon hätte vermutlich den gesamten Tag in Anspruch genommen.

Die üblichen statistischen Daten zur Veranstaltung (Ausnahme Wetter: 5°C, bedeckt, anfangs ganz leichter Nieselregen) sind sicherlich irgendwo im Darknet oder über diverse OnlyFans-Accounts abrufbar - hier aufgeführt würden sie nur ein Sicherheitsrisiko für die Teilnehmer darstellen.

Spätabends erbarmt sich dann sogar noch Frau Holle und legt der Landschaft für die Feiertage ihr weißes Gewand über - ein Hauch von Weihnachtsflair wabert dann also doch noch durch den Stadtpark (wenn auch die obigen Aufnahmen nicht von dort stammen).

Der 7. Heiligabend-Marathonlauf im Wo-auch-immer findet am 24.12.2022 statt.

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