08.08. - 27.08.2025 / 300,4 km / 23.087 Hm+ / 21.316 Hm- / 21 Etappen

Der Slowenische Höhenweg / Slovenska planinska pot ist der älteste Bergwanderweg Europas. Er wurde am 1. August 1953 nach einer Idee von Ivan Šumljak (1899 - 1984) ins Leben gerufen. Seine insgesamt 617 Kilometer mit 37.300 Metern im Anstieg und 37.600 Metern im Abstieg wurden in 43 Etappen unterteilt, die man in 37 Tagen abwandern kann. Diesen Aufwand könne man sogar auf 28 Tage straffen - vier Wochen Dauerwandern, ist das überhaupt möglich? Trotz Bedenken gingen wir mit dieser Zielsetzung ans Werk, merkten jedoch recht bald, daß dies nicht machbar ist und wir uns lieber Šumljaks Ratschlag annehmen sollten: „Geh langsam, mein Freund! Auf diese Weise wirst du viel, viel mehr erleben.“
Bei unserer Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest wurden wir im Vorjahr, beim Teilabschnitt in den Julischen Alpen, auf diesen Wanderweg aufmerksam. Wir staunten nicht schlecht, als wir das Zahlenwerk zu diesem Weitwanderweg genauer betrachteten. Wer tut sich denn so etwas an? Mit dem schroffen Gelände der Julier und dessen Schwierigkeiten (für den Wanderer nach mitteleuropäischer Art) wurden wir damals schon konfrontiert - doch das ist sicherlich nur auf diesem Abschnitt des Weges so, vielleicht der schwierigste Teil der Unternehmung? Was erwartet den Neugierigen auf dem restlichen Gang zur Adria? Literatur zu diesem Thema gibt es nur spärlich, hauptsächlich in Slowenisch, teils in Englisch. Deutschsprachige Führer zum Slowenischen Höhenweg gibt es nicht. Warum auch, wenn fast ausschließlich Einheimische die slowenische Transversale (meist etappenweise) gehen?
Streckenverlauf (entnommen aus "Dnevnik Slovenske planinske poti")
Der Slowenische Alpenverein / Planinska Zveza Slovenije hat für Exoten (wie uns beide) die detaillierte Beschreibung des Bergweges auch in englischer Sprache verfasst. „Slovenian Mountain Trail - From Maribor to the Adriatic Sea“ (ISBN 978-961-6870-41-2 für 27,90 Euro) heißt das Gesamtwerk, welches drei Autoren (Gorazd Gorišek, Mojca Stritar Kučuk, Andraz Poljance) verfasst haben. Mit seinen Informationen zu Hütten, dem Gelände und Gehzeiten, ergänzt durch brauchbare Kartenausschnitte ist dieses Buch ein Muß im Reisegepäck des Bergweggängers - ebenso sollte das „Dnevnik Slovenske planinske poti“-Stempelheft (ISBN 383-005-7330-65-5 für 7,90 Euro) nicht fehlen, da man mit diesem (und den Stempeln von insgesamt 80 Kontrollpunkten) seine Tour (möglichst lückenlos) dokumentiert. Beide Standardwerke bekommen wir (über drei Ecken) vom slowenischen Bergführer Antonio Jeseničnik zugeschickt.
Wanderführer und Stempelheft
Nun sind wir an der Reihe. Als wichtigste Maßnahme für die angestrebte 30-Tage-Wanderung steht die Verringerung des Rucksackgewichtes (zu den Vorjahren) im Vordergrund. Doch wie soll man das realisieren, wenn sich mit Helm und Klettergurt (mit minimalistischer Seilsicherung) noch jeweils zwei (unabdingbare) Utensilien zum gewohnten Wandergepäck gesellen? Eine Streichliste muß nun die unnützen Dinge aussortieren - statt Regenhose und Regenjacke gibt es nur noch ein Regencape mit auf die Reise; auch bei der Anzahl von Socken, Hemden und Hosen wird gekürzt; das zusätzliche Paar Wechselschuhe bleibt auch daheim; nur beim Essen und Trinken wird nichts zurückgeschraubt. So „verschlankt“ sich meine Rückenlast von 19 Kilogramm auf 16,6 und Utes Tornister schrumpft von 12 auf 7,7 Kilogramm.
Pünktlich am Ziel der Flixbus-Fahrt in Maribor
Die Urlaubsan- und Abreise soll mittels Bus erfolgen. Dafür gibt ja die grüngefärbten Busse en masse. Von Chemnitz (Abfahrt am 07.08. um 16:07 Uhr) führt die Route über Dresden und Prag (Ankunft mit 20-minütiger Verspätung um 19:30 Uhr, Weiterfahrt nach Umstieg um 21:10 Uhr) über Wien nach Marburg an der Drau / Maribor (Ankunft 4:38 Uhr - zwei Minuten vor der Zeit). Danach wird das Handgepäck noch im Rucksack verstaut, ein Kaffee aus dem Automaten gezogen und der rund fünf Kilometer lange Fußmarsch zum Ausgangspunkt des Weitwanderweges in Angriff genommen. Die nun folgenden Überschriften zu unseren Tagesetappen (bis zum 27.08.) geben nur die Kilometer und Höhenmeter zum Höhenweg wieder, Extratouren werden im Text erwähnt ;-)
Maribor mit seinem Hausberg, dem Mariborska Pohorje (1.024 m)
08.08.2025 / 6:32 Uhr / 23,08 km / 1.311 Hm+ / 560 Hm-
Spodnje Radvanje (279 m) - Bajgot na Šumiku (1.030 m)
Wetter: 15°C (Maribor) bis 28°C, sonnig
Am Ortsausgang von Maribor befindet sich ganz unscheinbar der Startpunkt des Slowenischen Höhenweges. Im Kreisverkehr der Streliška cesta zweigt der Pot na Okope ab, an dessen Überquerung des Rothweiner Baches / Radvanjske potok markiert in der Gemarkung Unterrothwein / Spodnje Radvanje eine Blechschachtel mit Stempel und „Anmeldebuch“ neben einer Tafel den Beginn der 617 Kilometer langen Bergwanderung. Wir tragen uns ordnungsgemäß ins Buch ein, setzen den ersten Stempel in unsere Bücher, schießen ein Startbild und begeben uns in die Spur. Diese führt kurz darauf (logischerweise) nach oben - als erstes steht das Bachergebirge / Pohorje auf dem Plan. Durch den Wald folgen wir der Knafelc-Markierung (weißer Kreis mit roter Umrandung) mit der „1“. Aloiz Knafelc (1859 - 1937) gilt als Erfinder dieser 1922 eingeführten Wegmarkierung, die zusätzlich angebrachte „1“ steht für den Slovenska planinska pot. Und genau dieser kleine Unterschied wird uns heute noch zum Verhängnis. Bis zum Hausberg Maribors, dem Mariborska Pohorie (1.024 m) mit der Bergstation der Kabinenseilbahn bei Bellevue (1.024 m) und der St. Wolfgangs-Kirche / Sveti Bolfenk, sind wir noch auf dem Originalweg unterwegs, was sich nach einer kurzen Eß- und Trinkpause ändert. Da laufen wir nur dem Knafelc hinterher, achten dabei nicht auf die fehlende „1“. Ein kleiner Umweg über den Cigelnica (1.147 m), mit einem Stichweg zurück zur Mariborska koča (1.068 m), unserer zweiten Stempelstelle, ist dabei noch zu verkraften.
Auf unserem weiteren Weg durch den Wald treffen wir auf eine Gedenkstätte mitten im Wald. Sie ist „Gewidmet allen Opfern, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Bachern ermordet und namenlos verscharrt wurden“, den „Opfern von Willkür und Gewalt: Deutsch-Untersteierer, Slowenen und Angehörige anderer Volksgruppen“ (steht dort in Stein gemeißelt). Hier wurde im Jahr 2007 eins von insgesamt rund 750 Massengräbern, die es in Slowenien gibt, ausgehoben. Es ist ein stiller Zeuge des äußerst brutal geführten Rachefeldzuges der Kommunisten nach dem Ende des II. Weltkrieges gegen Andersdenkende: egal, ob Zivilisten oder Kriegsgefangene; egal, ob Einheimische, Kroaten oder Deutsche; egal, welchen Alters. Eine Informationstafel gibt auf der Rückseite in deutscher Sprache die Erinnerungen eines Geheimdienstangehörigen, der an diesen Massenexekutionen teilnahm, wieder. Er resümiert fast schuldgeladen: „Oh Gott, wohin sind wir nur mit unserem Jungkommunistentum, Partisanentum und unserer Befreiung gekommen!“. Diese politischen und ethnischen Säuberungen (Europas größtes Massengrab mit über 15.000 Hingerichteten vom Mai und Juni 1945 existiert bei Maribor - es ist ein mit Leichen zugeschütteter, fast einen Kilometer langer Panzergraben) wurden jahrzehntelang von Jugoslawien verschwiegen.
An der Raster Hütte / Ruška koča na Arehu (1.250 m), welche neben einer Wiese und der Kirche des Heiligen Heinrichs / Sveti Areh liegt, endet die erste Etappe im Führer. Doch 11:20 Uhr ist nun mal nicht die richtige Zeit das Tageswerk zu beenden. Wir kehren aber bis 12 Uhr ein. Nach der Stempelei unserer Hefte gibt es noch gekühlte Getränke auf Hopfenbasis und den Blick auf eine Karte, welche neben der (an allen Stempelstellen befindlichen) SPP-Tafel angebracht ist. Es ist eine Art Radfahrervariante unseres Tuns, die Slowenische Radtour / Slovenska turnokolesarska pot (STKP), welche sich eine Runde durch Slowenien zur Aufgabe gemacht hat. Die Eckdaten haben es dabei in sich: 1.840 Kilometer mit 52.000 Höhenmetern im Anstieg, 127 Stempelstellen, dazu 60 Berghütten - die Ruška koča ist eine von ihnen.
Wir gehen weiter - und nehmen dabei einen kleinen Umweg über den Zigartov vrh (1.340 m), dem höchsten Punkt der Ost-Bachern. Eine halbstündige Rast am Zusammenfluß der Bäche Majland und Črnava zur Lobnica, bei Bajgot na Šumiku (1.030 m), bringt uns dann aus dem Takt und wir wählen, nach falscher Interpretation unseres englischsprachigen Reiseführers) den falschen Weg. Da steht geschrieben, daß an einem flachen Stück vier Wege abbiegen. Weiter heißt es, „The right path will bring you to the Šumik Falls (difficult trail which is often slippery; be careful!)“ Nun kann man das „right path“ in „richtiger Weg“ deuten, wenn man danach den nächsten Absatz gelesen hätte („To continue the SMT, follow the road …“), würde man es eventuell als Randnotiz sehen und es als „rechter Weg“ interpretieren, der (nur) zu den Šumik-Wasserfällen führt. Da Entfernungsangaben in der Beschreibung fehlen, könnte das „Fortsetzen auf der Straße“ auch erst nach den Wasserfällen noch kommen. „Be careful“, sei vorsichtig! Dies scheint hier eher auf die Zweideutigkeit im Führer gemünzt zu sein als auf das nasse Terrain in Bachnähe. Ein Blick auf das Streckenprofil hätte hier Zweifel aufkommen lassen müssen, da wir uns fortan talwärts bewegen und die tausender Höhenlinie nicht hätten unterschreiten dürfen. Erschwerend kam in der „Klamm“ dann noch das fehlende Funknetz hinzu, um mit Hilfe der digitalen Karte den Fehler hätte korrigieren zu können. Wie dem auch sei, wir sind als Wanderer unterwegs und da können uns so ein paar Zusatzschleifen nicht aus der Bahn werfen, da des Wanderers Ziel bekannterweise der Weg ist, auch wenn es in diesem Fall nicht der Slovenska planinska pot ist.
Mit dem 24 Meter hohen Veliki slap Šumik (mit Stempel am Weg), dem Vernski slap (vom Potok Verna) und dem 9 Meter hohen Mali slap Šumik (nach einer Hängebrückenüberquerung der Lobnica) gibt es nun ein nicht eingeplantes Zusatzprogramm. Wir sind im Naturreservat Šumik / Naravni rezervat Šumik na Pohorju unterwegs. Dieser (seit 1967 geschützte) 15 Hektar große Urwald lässt aufgrund seiner steilen Hänge keine forstwirtschaftliche Nutzung zu. Erst weiter talwärts gibt es noch Reste der einst längsten Wasserrutsche Sloweniens, die zwischen 1838 und 1959 zum Holztransport genutzt wurde, zu erahnen. Die Lobniška ruza (oder Ruška ruza) im Lobnica-Tal versorgte früher die Sägewerke, die sich nun flußabwärts aneinanderreihen: Marinčeva zaga, Zgornja Globokarjeva zaga, Hlebova zaga, Švajgerjeva zaga, Globokarjeva zaga und Hlebič zaga. So ist der monotone Fahrweg bis Maria Rast / Ruše (300 m) nicht ganz so langweilig. Ein Umkehren wäre nun auch sinnlos, da die Entfernung zum Zwischenziel Klopni vrh auf dreieinhalb Stunden (per Wegweiser) angestiegen ist. Von dort kämen noch zwei Stunden bis zur Hütte am Pesken hinzu - da wäre es längst dunkel. Im Ort beginnt nun die Suche nach einer Unterkunft, welche uns nach einem Kneipenbesuch regelrecht in den Schoß fällt, denn die Wirtin vermittelt uns diese recht unkompliziert. Am Ortsausgang Richtung Hollern / Bezena quartieren wir uns im Hotel Veter ein. Der gegenüberliegende Supermarkt sichert zudem die Abendverpflegung ab.
Fazit zum ersten Tag des Urlaubs: Die ersten Blasen zeichnen sich an meinen Füßen ab und der Rücken ist vom Rucksack wundgescheuert. Der Einstieg in den Wanderurlaub ist sozusagen ein Volltreffer. Nach 38 Kilometern zu Fuß wird dem Körper recht intensiv die Marschrichtung für die nächsten Wochen deutlich gemacht: Schwäche wird nicht geduldet und körperlichen Nebenkriegsschauplätzen kann keine Beachtung geschenkt werden.
Informationstafel zum Streckenverlauf am Startpunkt des SPP
Wir sind bereit!
Startpunkt des SPP
Wegmarkierung des SPP: Knafelc mit der "1"
Baumsymbiose / Relikt der Habsburgmonarchie mit Knafelc
Unterwegs
Cigelnica (1.147 m) / Zigartov vrh (1.346 m)
St. Wolfgang und St. Heinrich
Mariborska koča (1.068 m)
Gedenkstätte für die nach Kriegsende stattgefundenen Massenexekutionen
Ruška koča na Arehu (1.250 m)
Veliki slap Šumik / Šumik-Naturreservat
Oberhalb des Mali slap Šumik
09.08.2025 / 8:40 Uhr / 30,25 km / 1.292 Hm+ / 945 Hm-
Bajgot na Šumiku - Grmovškov dom pod Veliko Kopo (1.377 m)
Wetter: 20°C - 28°C, sonnig
Wie bügeln wir den gestrigen Fauxpas am besten wieder aus (ohne noch mehr Zeit zu verlieren)? Ab 5 Uhr läuft deshalb die Tourenplanung im Hotelzimmer. Wir müssen jedenfalls schnellstmöglich zu unserem Ausgangspunkt zurück, der natürlich mitten im Wald liegt. Ein kleines Frühstück gönnen wir uns noch, ehe wir 6:40 Uhr das Hotel verlassen. Wir gehen die vielbefahrene Straße talwärts. Eine leergefressene Keksverpackung haben wir zuvor in ein Anhalter-Schild mit den Aufschriften „Smolnik“ und „Bajgot“ umgewidmet. Erstere Zielangabe verpufft dabei im urbanen Bereich ohne den gewünschten Erfolg. Nach einem größeren Aufstieg durch einen Waldabschnitt biegen wir wieder auf eine geschotterte Forststraße. Ute will es jetzt mit der zweiten Beschriftung versuchen - auf einem Weg, auf dem wir heute sicherlich nicht ein Fahrzeug wahrnehmen werden. Doch da bin ich scheinbar zu pessimistisch rangegangen, denn Ute hat das Schild noch nicht mal richtig in die Hand genommen, da biegt schon ein Toyota-Kombi um die Ecke … und hält an. Zwei Frauen, die in die Pilze gehen wollen, nehmen uns ganz selbstverständlich mit. Wir unterhalten uns mit ihnen über unser Vorhaben, richtige Bergausrüstung und über die Pilzstandorte, die wir schon wahrgenommen haben. Die Fahrt ist kurzweilig und endet für uns (fast) an unserem Aus- bzw. Einstiegspunkt.
Nun wissen wir, was es genau zu beachten gilt: den Zusatz der „1“ zum rotweißen Ring! Nun mustern unsere Augen jede Markierung ganz genau, fehlt die „1“, sind Zweifel angebracht. Doch das kommt öfter vor und wir gewöhnen uns auch daran. Um 10 Uhr haben wir den Klopni vrh (1.340 m) erreicht. Das Einzige, was dabei an einen Berg erinnert, ist der Ameisenhaufen neben dem höchsten Punkt auf diesem bewaldeten Plateau. Die Ameisen haben zudem alles hier im Griff und so sind, neben dem Waldboden, auch der Blechkasten für Stempel und Gipfelbuch fest in deren Hand. Das beschleunigt natürlich unseren Gipfelaufenthalt, da es überall von den kleinen Sechsbeinern wimmelt.
Der weitere Weg führt kurz darauf ins Moor Skrbinsko borove. Richtig unwegsam wird es allerdings erst kurz vor der Hütte am Pesek / Koča na Pesku (1.386 m), wo beim Holzeinschlag und der Holzbringung durch Vollernter- und Rückezugspuren der Waldboden derart umgepflügt wurde, daß sich der SPP in Pfützen und Geäst verliert. Kurz vor 12 Uhr sind wir an der (durch Straßenanbindung) gutbesuchten Hütte, die wir am Vortag noch erreichen wollten. Wir pausieren zum Stempeln, Biertrinken und Klößeessen für eine Dreiviertelstunde, ehe wir uns weiter Richtung Lovrenc-Seen / Lovrenška jezera (1.500 m) aufmachen. Womit wir dabei jedoch nicht rechnen, ist die Menge Leute, die es uns gleichtun bzw. gleichtaten. Am einstöckigen Aussichtsturm der Torfseen ist ein unvorstellbares Gedränge - dabei sitzen sie an jeder freien Stelle im Wald oder streunen in der Gegend herum. Wenn man bisher fast allein im Wald unterwegs war, ist dies ein regelrechter Kulturschock!
Aber es wird auch wieder ruhiger. Zudem kommen nun endlich, die im Führer beschriebenen Heidelbeersträucher ins Spiel, welche Früchte en masse für uns bereithalten. Am Ribniški vrh auch Jezerski vrh (1.537 m) schieben wir 15:30 Uhr, neben dem monumentalen Denkmal für die im II. Weltkrieg gefallenen Bergsteiger, noch eine kleine Eßpause (mit Blick auf die Steiner Alpen) ein, ehe wir zur Ribniška koča na Pohorju (1.507 m) hinabsteigen. Auch hier halten wir uns nur kurz zum Stempeln und Biertrinken auf. Wir wollen weiter - zum höchsten Punkt des Bachergebirges, dem Schwarzkogel / Črni vrh (1.543 m). Nach 20-minütiger Pause machen wir uns 17 Uhr auf die verbleibende Strecke zu unserer ersten Berghütten-Übernachtung und werden bitter enttäuscht. Das Grmovškov dom pod Veliko Kopo (1.377 m) entpuppt sich als Hotel in einem Halligalli-Resort für Ski- und andere Modesportarten. Mit Berghütten-Kategorie III gelistet und dementsprechend teuer, gibt es für viel Geld gerademal das Frühstück mit dazu. Abendbrot (vom reichlich gefüllten Büfett) essen die anderen, wir haben keine Berechtigung dafür. Doch damit tut ihr euch keinen Gefallen, denn am Morgen werden wir uns diese entgangene Kost doppelt und dreifach holen.
Unser selbstgebasteltes "Anhalterschild"
Wir sind wieder auf der "1"!
Nicht immer steht Bier zur Erfrischung bereit - "Bergwasser" ist jedoch auch nicht schlecht!
Klopni vrh - Ameisenhaufen als natürlicher "Höhengewinn" des Berges
Pesek-Hütte mit Straßenanbindung
Pesek-Hütte / Koča na Pesku (1.386 m)
Im Gebiet der Lovrenc-Seen
Touristen wohin das Auge blickt (Aussicht vom Holzturm auf das Seengebiet)
Jezerski vrh (1.537 m)
Blick zur Ribniška koča na Pohorju (1.507 m)
Schwarzkogel / Črni vrh (1.543 m) - höchster Berg der Bachern
Schwarzkogel-Blick
Schwarzkogel-Blick zum Velika Kopa
Blick zu den Karawanken und Steiner Alpen
Kulturschock für Bergwanderer: Halligalli statt Berghütte
10.08.2025 / 8:15 Uhr / 28,06 km / 1.715 Hm+ / 1.412 Hm-
Grmovškov dom pod Veliko Kopo - Dom na Uršlji gori (1.680 m)
Wetter: 20°C - 34°C, sonnig
Ab 7 Uhr gibt es im Hotel das Frühstück, d.h. nach slowenischer Zeitrechnung, daß 7 Uhr die Frühstücksbelegschaft Dienstantritt hat und sich somit der ausgehungerte Bergtourist noch etwas zu gedulden hat. Mit leichtem Zeitverzug von 15 Minuten geht es dann trotzdem voll zur Sache. Gegessen wird, was nicht bei „3“ vom Teller ist. Nach 45 Minuten ist der Spuk vorbei, jede Pore ist gefüllt, wir rollen ins Zimmer, um uns ausgehfein zu machen. Ein längerer Anstieg eröffnet den heutigen Tag, ehe wir danach größtenteils talwärts unterwegs sein werden. Statt Heidelbeeren bietet der Wegesrand heute fast ausschließlich Him- und Brombeeren für die gesunden Zwischenmahlzeiten an. Nach einem kleinen Zwischenstop auf dem Kremzarjev vrh (1.162 m) legen wir eine etwas längere Pause an der darunter liegenden Berghütte, der Koča pod Kremzarjevim vrhom (1.102 m) ein.
Halb 12 steigen wir nach Windisch-Grätz / Slovenj Gradec (407 m) ab, dessen Ortseingangsschild wir eine Stunde später erreichen. Wir durchqueren den Ort und holen uns in einem kleinen Laden noch Verpflegung für den Weitermarsch (Waffeln, Bier, Wasser). Um 13:20 Uhr verlassen wir die Stadt wieder, es folgen für die nächsten zwei Stunden noch allerhand Ortsteile (meist sind dies aber nur einzelne Bauerngüter). Über 1.200 Meter im Anstieg stehen vor uns, die Wärme drückt dabei zusätzlich aufs Gemüt. Wir pausieren immer mal wieder, so auch für 20 Minuten auf einer asphaltierten Straße (auf der jedoch nur ein Fahrzeug vorbeikam) im Schatten der angrenzenden Bäume - keine 400 Meter später passieren wir eine Kleinstsiedlung (Sv. Rok), wo man an einer mächtigen Sommerlinde hätte stilvoller Rasten können.
Um 15:45 Uhr sind wir am Poštarski dom pod Plešivcem (805 m) angelangt. Hier endet offiziell die dritte Etappe, doch wir wollen noch hoch zum Kalksteingipfel des Ursulaberges / Uršlja gora oder Plešivec (1.699 m), dem östlichsten Berg der Karawanken / Karavanke. Nach einer Dreiviertelstunde Getränkepause machen wir uns auf. Es gibt zwei Möglichkeiten, beide mit der „1“ versehen: über Kozarnico (2:30 Std.) und über Kal (2:45 Std.). Wir wählen natürlich die Dünnbrettbohrervariante. Ausschließlich durch Wald geht es nach oben. Wir kommen dabei an einer Wasserstelle vorbei, wo im Sekundentakt das Wasser von einer Holzleitung in einen Trog tropft - daneben steht eine Emailletasse bereit. Im oberen Teil des Anstiegs biegen wir auf eine steile Forststraße ab, die auch Radfahrer nutzen. Allerdings schieben hier alle ihre Böcke - ein älterer Herr vor uns sein herkömmliches Rad bergauf und im Gegenverkehr eine Familie ihre E-Bikes bergab. Wer’s mag?
Es ist 18:35 Uhr, als wir das Plateau mit dem Ursulaberghaus / Dom na Uršlji gori (1.680 m) betreten. Es gibt ein Zielbier und eine Schüssel Gulasch. Danach beziehen wir unser Zimmer („Plešivec“) und eine Dusche spült den Schweiß des Tages vom Leib. Später frönen wir noch dem Sonnenuntergang, der sich über den Karawanken und den Steiner Alpen / Kamniško-Savinjske Alpe vollzieht.
Grmovškov dom pod Veliko Kopo (1.377 m)
Talblick mit Tagesziel Ursulaberg (am rechten Bildrand)
Krmzarjev vrh (1.164 m)
Koča pod Krmzarjevim vrhom (1.102 m)
Vor der Silhouette des Ursulaberges - unserem Tagesziel
Windisch-Grätz / Slovenj Gradec (407 m)
Slowenisches Holzpolter
Cerkev Sv. Roka (580 m)
Poštarski dom pod Plešivcem (805 m)
Ankunft am Ursulaberghaus mit der Kirche der Heiligen Ursula (1.680 m)
Holzarbeiten am Ursulaberghaus
Ursulaberghaus / Dom na Uršlji gori (1.860 m)
Abendessen

Sonnenuntergang
11.08.2025 / 7:45 Uhr / 17,56 km / 663 Hm+ / 966 Hm-
Dom na Uršlji gori - Dom na Smrekovcu (1.377 m)
Wetter: 18°C - 30°C, leicht bewölkt
Ab 5:30 Uhr schleichen die ersten Leute (aus dem Tal kommend) um die Gebäude. Der Sonnenaufgang vollzieht sich über unserem gestrigen Startort und ist dieses zeitige Aufstehen auf alle Fälle wert. Eine Stunde später gibt es unser erstes richtiges Hüttenfrühstück der Tour: je zwei Spiegeleier mit jeder Menge Speck, dazu Brot und Tee bzw. Kaffee. Bevor wir uns wieder talwärts begeben, statten wir dem Gipfelkreuz des Berges noch einen Besuch ab. Die Sicht ist dabei etwas vernebelt. Danach erfolgt eine Besichtigung der Kirche der Heiligen Ursula, der höchstgelegenen Kirche Sloweniens.
Unser Tempo ist aufgrund der ohne Unterlass drückenden Blasen an den Füßen nicht allzu hoch. Die im Führer angegebenen 2:15 Stunden bis zum Andrejev dom na Slemu (1.086 m) halten wir trotzdem ein und machen von 10:30 bis 11:15 eine längere Pause. Dabei werden die Füße von den Schuhen und Socken befreit und somit den strapazierten Fußsohlen etwas Erholung gegönnt. Vor dem Weitergehen werden die offenen Blasen eingebunden, damit sich der in den Schuhen sammelnde Dreck nicht noch mehr Schaden anrichtet. Drei Stunden sind bis zur nächsten Hütte angeschrieben. Tausende von Ameisen teilen mit uns diesen Weg (oder zumindest Teilabschnitte davon). Himbeeren und Pilze flankieren unsere Route durch den Wald. Trotz einer 20-minütigen Eßpause und einem kleinen Verläufer, sind wir voll im Plan: 14:20 Uhr ist der nächste Etappenpunkt von uns erreicht - Dom na Smrekovcu (1.377 m).
Eine weitere Getränkepause wird eingeschoben und nebenbei die nächste Übernachtung mit dem Telefon gebucht - oder eben auch nicht. Die 3:15 Stunden entfernte Travnik-Hütte hat Montag Ruhetag, Dienstag auch, Mittwoch ebenso und am Donnerstag und Freitag ist sie nicht geöffnet. Bleibt noch das Wochenende - und das ist gerade durch. So steht es zumindest im drahtlosen Informationsportal, namens Internet. Diesen Fakt bestätigen auch die Hüttenleute. und bis zur übernächsten Hütte sind es mindestens fünf Stunden Fußmarsch. Demnach bleibt der Anker unten, unser Schiff wird den angesteuerten Hafen heute nicht mehr verlassen. Es stellt sich zwar nun (wiederholt) die Frage, wie wir durch solche Begebenheiten den vorgegebenen Zeitplan straffen können?
Ab 18 Uhr können wir aufs Zimmer (Familienzimmer mit Wickeltisch!). Warum erst so spät, wenn wir die einzigen Übernachtungsgäste sind? So bleibt wenigstens genügend Zeit, die Füße zu versorgen und den Rucksack zu reparieren (Mach’ du jetzt nicht auch noch schlapp!). Zum Abend gibt es Fleischeintopf mit Gräupchen und Bier. Die Hütte ist recht urig, sie wurde 1933 erbaut und 1942 von Partisanen niedergebrannt. Erst 1951 wurde sie wiedereröffnet und in den Jahren 1976/77 erweitert und renoviert. Seitdem trägt sie ihren derzeitigen Namen.
Tagesbeginn am Ursulaberg
Gipfel des Ursulaberges
Blick vom Ursulaberg
Stempelstelle auf dem Ursulaberg (kein Pflichtstempel des SPP)
In der Kirche der Heiligen Ursula
Fußfreundlicher Wiesenabschnitt / Blick zurück zum Ursulaberg
Andrejev dom na Slemenu (1.086 m)
Verkehrssicherungsmaßnahme der Natur
Mischwald
12.08.2025 / 7:50 Uhr / 21,24 km / 1.413 Hm+ / 1.330 Hm-
Dom na Smrekovcu - Koča v Grohotu pod Radohu(1.460 m)
Wetter: 17°C - 32°C, sonnig
Vor dem Frühstück (ab 7 Uhr, nach slowenischer Sommerzeit 7:15 Uhr) werden die Füße neu verbunden und der Rucksack gepackt. Das Frühstück ist großzügig, denn es gibt zu den liebgewonnenen Spiegeleiern mit Brot auch noch Wurst, Honig und Marmelade. Durch den Wald steigen wir allmählich zur Hochfläche des Komen (1.684 m) auf, stempeln und genießen die Aussicht. Leicht profiliert geht es dahin und 10:35 Uhr sind wir an der Hütte am Travnik / Koča na Travniku (1.548 m) angelangt. Sie ist natürlich geöffnet, denn es sind Ferien und die Kinder helfen beim Austeilen der Getränke. Ärgerlich, wenn die Öffnungszeiten so schwammig publik gemacht werden, da es sich um einen wirklich herrlichen Platz zum Rasten (oder eben Übernachten) handelt. Doch wir müssen weiter. Zuvor werden noch einmal am Rucksack die verschiedenen Gurte justiert, damit dieser sich besser tragen läßt.
Nach zweistündigem Bergauf und Bergab gelangen wir 13:15 Uhr zur Loka-Hütte / Koča na Loki pod Raduho (1.534 m). Sie wurde 1910 erbaut und im II. Weltkrieg von Partisanen angezündet. Danach entstand eine Hütte für forstwirtschaftliche Zwecke, welche 1950 an den Alpenverein ging. Es erfolgten weitere Anbauten und Renovierungen, bis diese Arbeiten 1976 erneut ein Raub der Flammen wurden. Die Wiedereröffnung erfolgte am 10. September 1978. Nach dem üblichen Getränkegedeck (zweimal „Union 0,0% Isotonic“, einmal „Laško 200“) machen wir uns 14 Uhr wieder auf. Der Anstieg zum Raducha / Raduha ist mit realistischen 1:50 Stunden angegeben, die auf der anderen Talseite liegende Berghütte soll dagegen in nur 1:30 Stunden erreichbar sein - was völlig absurd erscheint.
Viele schattenfreie Abschnitte lassen nun die Sonneneinstrahlung so richtig zur Wirkung kommen. Den Gipfel des Durce (1.910 m) lassen wir rechts liegen und biegen zur höchsten Stelle des Felsmassivs ab. Ab und zu werden jetzt auch mal die Hände benötigt, um voranzukommen. Kurz vor 15:30 Uhr stehen wir am Eispickel, der das Gipfelkreuz des Velika Raduha (2.062 m) symbolisiert. Neben dem Genuß des herrlichen Talblicks und dem Abstempeln unserer Unterlagen müssen wir auch die aufdringlichen Dohlen auf dem Gipfel verköstigen. Um 16 Uhr steigen wir wieder ab. Zuerst geht es auf dem Aufstiegsweg Richtung Mala Raduha (2.029 m) zurück, nach dem Abzweigen unter die Nordwand wird es steiler und unwegsamer, zudem ist der Weg mit Eisen gesichert. Die Etappe wird im Führer als blaue Tour („Easy trail“) gelistet, was zumindest dieser Abschnitt in Frage stellt. Mit Erreichen der Hochebene Grohat ist es auf leichtem Gehgelände bis zum Tagesziel nicht mehr weit - 17:25 Uhr erreichen wir die Grohat-Berghütte / Koča v Grohotu pod Raduho (1.460 m). Ein Zielbier erleichtert nun den Einstieg in die notwendigen Dinge, wie Zimmer beziehen, Sachen waschen, Duschen. Danach gibt es das Abendessen, welches aus leckerer, äußerst nahrhafter Bohnensuppe (allerdings mit nur zwei Bohnen) und Wurst besteht. Derweil werden neben der Terrasse von den Hüttenfrauen (abwechselnd) zwölf Kilogramm Zwiebeln (schon seit fünf Stunden) in einem Kessel über dem Feuer durchgerührt - Langeweile ist auf dieser Hütte ein Fremdwort für die „Angestellten“.
Dom na Smrekovcu (1.377 m)
Am Komen (1.684 m) mit Blick zum Raduha
Koča na Travniku (1.548 m)
Fichte am Wegrand
Blick zum Raduha
Koča na Loki pod Raduho (1.534 m)
Anstieg zum Raduha
Gipfel des Raduha (2.062 m)
Wildtierfütterung auf dem Raduha
Abstieg vom Raduha
Koča v Grohotu pod Raduho (1.460 m)
Blick zurück zum Raduha
13.08.2025 / 8:05 Uhr / 16,60 km / 1.386 Hm+ / 1.038 Hm-
Koča v Grohotu pod Radohu - Kocbekov dom na Korošici (1.808 m)
Wetter: 20°C - 32°C, sonnig
Ab 7 Uhr (pünktlich!) gibt es in der Gaststube je drei Spiegeleier mit Brot, dazu Tee und extra noch einen halben Liter Iso. Unser heutiges Etappenziel liegt (laut Wegweiser) 7:30 Stunden entfernt. Los geht es Richtung Motorsägengeräusche, die schon seit dem frühen Morgen durch den Talschluß klingen. Am Steilhang fällt und entastet dabei ein Forstarbeiter hiebreife Fichten - in voller Montur, mit Schnittschutzhose und Helm. Da schwitzt man nur vom Zugucken. Wenige Wegkehren später empfiehlt uns ein Schild, ebenfalls einen Helm aufzusetzen, denn es droht Steinschlag von oben. Um 10 Uhr gelangen wir zum Talgrund, der vielbefahrenen Straße von Leutsch / Luče nach Sulzbach / Solčava, welche sich mit dem Flußlauf der Sann / Savinja (607 m) durch das Tal schlängelt. Vom Oberen Sanntal biegen wir ins Gletschertal Robanov kot ab, an dessen Ende die Felswand des Ojstrica die Blicke an sich reißt. Wir passieren mehrere (zu Unterkünften umfunktionierte) Häusergruppen, eine Einkehr bieten diese jedoch nicht. Deshalb rasten wir außerhalb der Streusiedlung an einer 1912 erbauten Scheune, eine Bank im Schatten lädt dort ganz unkompliziert zum Verweilen ein und ein Wassertrog steht (zum Auffüllen der Flaschen) bereit. Wir verköstigen unsere Rucksackverpflegung, dazu einen Apfel (vom Geschmack her eher eine slowenische Zitrone), den wir unter einem Apfelbaum aufgelesen hatten.
Ein paar Minuten später finden wir dann doch einen offiziellen Verpflegungspunkt - fast am Ende des Tals (900 m) ist eine alte Holzhütte für die Bewirtung der reichlich anwesenden Touristen verantwortlich. Auch wir verfallen dem Charme der Bergwirtschaft und lassen uns noch einmal nieder. Zu einer Wurst-Käse-Platte gibt es noch Bier und Iso. Nach 45 Minuten Völlerei brechen wir 13 Uhr auf. Der bis dorthin mäanderte Touristenstrom kommt jäh zum Erliegen, denn die Geländeform erfordert nun mehr als schick aussehende Sonnenbrillen und nagelneues Bergschuhwerk. Nun kommen verstärkt die Hände zum Einsatz, mittels Stein- und Holzstufen, Stahlstiften und Seilen geht es steil nach oben. Der Anstieg ist recht mühsam, denn auch die Hitze trägt ihren Teil dazu bei. Nach fast anderthalbstündiger Schlängelei durch die Felswand von Zvizgovec (1.870 m) und Velika Zelenica (2.114 m) erreichen wir eine Hochfläche, wo die Molič-Alm / Molička planina mit der Kocbekova koča (1.754 m) und der Cyril-Methodius-Kapelle (1.780 m) unter dem Fels des Mala Ojstrica (2.013 m) erscheint. Über den Paß des Sedelce (1.900 m) müssen wir nun noch, dann ist unser Quartier sichtbar: auf der Weide von Korošica steht die Ruine des abgebrannten Kocbekov dom na Korošici (1.808 m) mit deren davor gelagerten Behelfscontainern. Die erste Hütte auf Korošica wurde 1876 eröffnet und nur fünf Jahre später brannte sie ab. Im Jahr 1882 erfolgte ein Neubau (an der Ruine ist allerdings ein “1912“ vermerkt), der in den Jahren 1969 bis 1973 erweitert und modernisiert wurde. Am 20. Oktober 2017 brannte das 111-Betten-Haus erneut ab, seit 2022 besteht das derzeitige Notquartier mit 16 Betten in Containern. Der Namensgeber der Hütte bei der Molič-Alm (1894 erbaut, 1999 nach Zerstörung durch Lawine Neubau) und dem Quartier auf Korošica ist der Pionier des Bergwanderns, Fran Kocbek (1863 - 1930). Er war Lehrer, Bergsteiger und Autor mehrerer botanischer und alpinistischer Bücher.
Kurz nach 16 Uhr empfängt uns der Hüttenwirt als einzige Übernachtungsgäste in seinem Reich, zwei eiskalte Getränke gibt es sofort. Insgesamt 16 Schlafgelegenheiten in zwei sich gegenüberstehenden Containern gibt es zur Auswahl. Dazwischen ist durch eine Überdachung eine Art Aufenthaltsraum entstanden. Gewaschen wird sich an einem Wasserhahn (mit Mini-Spiegel darüber), der sich im Gelände befindet und das „Geschäft“ wird in einem abseitsstehenden Container erledigt. Dabei ist für das Spülwasser selbst zu sorgen. Als Abendbrot gibt es eine Krainer Wurst auf Gräupchen.
Raduha am Morgen
Siebeneinhalb Stunden (Dreieck mit Ausrufezeichen = sehr schwierig)
"Hier herrscht Helmpflicht, Juri!"
Robanov Kot mit der Felswand des Ojstrica am Talschluß
Grundlage für den folgenden Aufstieg vom Robanov-Tal zur Molička-Alm
Bergblick - Talblick
Mühsames Höhenmetermachen bei voller Sonneneinstrahlung
Schattenabschnitte sind Mangelware
Weg zum Sedelce-Sattel (1.900 m), rechts der Ojstrica (2.350 m)
Korošica-Alm (1.825 m)
Behelfshütte aus Containern
Gastraum zwischen den Containern
Wasserstelle (mit Spiegel über dem Wasserhahn) "vorm Haus" und Schlafstätte im Container
14.08.2025 / 6:45 Uhr / 6,40 km / 985 Hm+ / 917 Hm-
Kocbekov dom na Korošici - Kamniška koča na Kamniškem sedlu (1.876 m)
Wetter: 18°C - 33°C, sonnig
Die Nacht im Containerquartier war kalt - ein ungewohnter Kontrast zur Wärmeeinstrahlung tagsüber. Das Frühstück (Eier, was sonst?) gibt es, nach harten Verhandlungen am Vorabend, schon 6 Uhr. Zum Glück texte ich noch mit dem Hüttenwirt über unseren heutigen Tagesplan, denn dieses Gespräch hält noch eine Überraschung parat: so ist neben der Frischauf-Hütte (das wußte ich) auch die Krainer Hütte geschlossen, bliebe nur die Hütte am Steiner Sattel für eine Übernachtung - das wäre viel zu zeitig am Tag. „Hahaha, Kranjska koča zu, Korošica immer offen!“, lobt der Wirt sein Containerdorf in höchsten Tönen. Mal sehen, vielleicht habe ich mich auch verhört und verwechsle jetzt nur die Hüttennamen. Unser erster Anlaufpunkt ist jedenfalls erstmal der Gipfel der Ojstrica (2.350 m). Dafür geht es steil im Felsmeer nach oben, der Wegverlauf ist als „schwierig“ eingestuft. Ein Stichweg zum Berg ist wiederum stellenweise mit stählernen Stiften entschärft. Kurz nach 8 Uhr stehen wir auf dem Prestigeberg. Ein Bergführer und sein Gast verlassen gerade den Gipfel und wir haben ihn für uns allein. Nach genußvollen 20 Minuten Fernsicht gehen auch wir wieder talwärts. Wir biegen nun zum Škarje (2.141 m) ab, der Weg zu diesem Sattel ist teils gesichert - alpines Wandern eben.
Zu Beginn des nächsten Anstieges gibt es mal wieder ein paar Edelweiß am Rand des steilen Pfades zu beäugen. Wir legen später noch ein paar Pausen ein, so z.B. am Lučka Brana (2.244 m). Er liegt auf dem Hauptkamm von Ojstrica und Planjava und ist vom Weg recht einfach in nur drei Minuten zu erreichen. Schwieriger wäre es, über seine beeindruckende Nordwand (Brana bedeutet Mauer) vom Talort Leutsch / Luče auf ihn zu gelangen. Da der Berg die Form eines alten Weibes aufweist, wird er auch einfach nur Baba genannt. Unser zweiter Rastplatz ist ein paar Gratwindungen weiter, rund zehn Minuten Aufstieg vom SPP entfernt - der Ostgipfel des Planjava (2.396 m). Es ist ein wuchtiger Felsklotz, der sich da neben dem Steiner Sattel / Kamniško sedlo niedergelassen hat, seine 1.000 Meter hohe Nordwand, die über dem Logartal / Logarska dolina thront, verleiht ihn zusätzlich den nötigen Respekt. die Aussicht von ihm ist überwältigend. Wir blicken zurück zur Ojstrica, die am Ende des Grates herauslugt. Mit Raduha und Ursulaberg sind weitere Gipfel unserer bisherigen Unternehmung ausmachbar. In der Gegenrichtung leuchtet im Tal die Frischauf-Hütte aus der dichten Bewaldung. Auch der Weg in den Talschluß des Okrešelj-Kars ist erkennbar. Er endet am Sanntaler Sattel / Savinjsko sedlo und wird vom Kaltenberg / Mrzla gora (rechterhand) und den Spitzen der Rinke-Gipfel und des Türkenberges / Turska gora (linkerhand) flankiert. Dieser Anstieg (und der nicht sichtbare Weiterweg zur Krainer Hütte / Kranjska koča) wäre unser heutiger Tagesausklang, doch da macht uns die „Öffnungszeit“ der Hütte einen Strich durch die Rechnung.
Den Abstieg vom Planjava nehmen wir 11:30 Uhr in Angriff. Dieser ist im unteren Teil mit einer exponierten Wandquerung gespickt, welche jedoch ausreichend mit Seilen gesichert ist. Um 12:45 Uhr sind wir am (uns aufgezwungenen) Tagesziel angelangt, der Kamniška koča na Kamniškem sedlu (1.876 m). Die Hütte wird von drei jungen Mädels bewirtschaftet, deren Chefin die Lage zur Öffnung der nachfolgenden Hütten bestätigt. Sie gibt uns den Tip, bis zur Ćeška koča weiterzulaufen, diese liegt jedoch zwei Stunden hinter der (im Umbau befindlichen) Krainer Hütte. Diese zwei Stunden müßten wir dann am nächsten Tag noch dazurechnen. Zudem ist der Normalweg zwischen den Hütten gesperrt, so daß eine schwarze Route gegangen werden müßte. Das ist zwar beim Bergwandern (auf Tagestouren) normal, doch permanent mit unseren Riesenkiepen durchs Gestein hangeln, ist nicht unser „Auftrag“. Eine Alternative wäre die Übernachtung vor Ort, der Abstieg ins Okrešelj und der Klettersteig durchs Turski zleb zum Mali Podi, um von dort (per Stichweg) den Rinka zu machen - dieser Weg ist übrigens auch mit einer „1“ in der Karte vermerkt. Es wäre demnach nicht einmal gemogelt, wenn wir diese Variante gehen würden. Da die geschlossene Hütte trotzdem Stempelstelle des SPP ist, müßten wir diese Aktion im Anschluß an Grintovec und Jezerska Kočna erledigen, deren Verbindungsweg auch schon einige Jahre (wegen eines Felssturzes) gesperrt ist. Es muß also verstärkt improvisiert werden - die Vorgabe der Etappenlängen ist demnach Null und Nichtig. Was wird, wird - wir sind schließlich nicht auf Rekordjagd, sondern im Urlaub!
Der Nachmittag ist dann auch Urlaub im Sinne der landläufigen Auffassung davon: wir sitzen vor der Hütte und lassen uns von der Sonne wärmen, dazu gibt es die heimischen Biersorten (a 3,50 Euro) und später dann das Abendessen (Pasta Bolognese). Ein nur von uns belegtes Vier-Bett-Zimmer ist unser Schlafplatz.

Ruine des Kocbekov dom (1.808 m)
Lučki Dedec (2.024 m)
Ojstrica-Anstieg
Bizarre Felsbildungen am Ojstrica
Ojstrica (2.350 m)
Blick gen Westen: Planjava, Kočna, Grintovec, Skuta, Rinka und das Okrešelj-Tal (v.l.n.r.)
Weg zum Škarje-Sattel
Škarje mit dem Anstieg zum Lučka Brana
Škarje (2.141 m) mit Ojstrica
Edelweiß oberhalb des Škarje (2.141 m)
Lučka Brana oder Baba (2.244 m)
Blick vom Baba Richtung Westen
Planjava-Ostgipfel (2.396 m)
Panoramablick vom Planjava - von West nach Ost (v.l.n.r.)



Auf dem Weg zur Hütte

Steiner Hütte / Kamniška koča na Kamniškem sedlu (1.876 m) mit Planjava (2.396 m)
Hüttenbriefkasten
15.08.2025 / 7:15 Uhr / 12,61 km / 1.638 Hm+ / 1.721 Hm-
Kamniška koča na Kamniškem sedlu - Cojzova koča na Kokrskem sedlu (1.793 m)
Wetter: 18°C - 32°C, sonnig
Ab 6:30 Uhr gibt es in der Hütte Frühstück, welches auf den Berghütten fast ausschließlich aus Eiergerichten zu bestehen scheint. Diesmal sind die Eier gerührt und nicht gespiegelt - schmecken auch in dieser angewandten Form der Kochkunst hervorragend. Zum Brot gibt es zusätzlich die bekannten Kleinstabpackungen von Marmelade und Hönig, was völlig ausreicht. Eine Tasse Tee spült das Ganze runter. Wir begeben uns nach dieser Grundversorgung hinab ins Okrešelj. Der Steig ist gut gesichert, zudem sind etliche Stufen in den Fels gehauen worden. Halb 9 erreichen wir die Frischauf-Hütte / Frischaufov dom na Okrešlju (1.396 m). Die Hütte ist nach dem Erschließer der Steiner Alpen, Johannes Frischauf (1838 - 1924) benannt und nach einer Komplettzerstörung durch Brand, im Wiederaufbau. Für das Tagesgeschäft steht ein Kiosk bereit, an dem auch der Hüttenstempel fürs Buch ausliegt. Nach einer halben Stunde Pause machen wir uns mit aufgefüllten Trinkflaschen auf den Weiterweg. Vom vielbegangenen Wanderweg zum Sanntaler Sattel biegen wir recht bald in den steilen Pfad zum Turski zleb ab. Anfangs im Zickzack über Geröll und durch Latschenkieferbewuchs mündet der Weg in eine Rinne. Dort ist die Kleiderordnung neu herzustellen - Gurt und Helm kommen dazu. Ein Klettersteig führt nun an der Felswand rechterhand mühsam durch den steinigen Einschnitt. Erst 11:20 Uhr steigen wir aus dieser Schlucht aus. Vor uns liegt bald darauf ein größeres Plateau, von dem wir nun den Stichweg zum Rinka gehen. Wir gehen demnach den SPP, wie wir in in Gegenrichtung von der Krainer Hütte gekommen wären. Vor uns liegt nun die Gipfelschar: Kleiner Rinka / Mala Rinka (2.289 m), Steirer Rinka / Štajerska Rinka (2.374 m), Kärntner Rinka / Koroška Rinka (2.433 m) und Krainer Rinka / Kranjska Rinka (2.453 m). Wir gehen der Markierung nach und diese weist uns nach links, zum höchsten der vier Gipfel. Geradeaus zum Kriz, dem Koroška Rinka, ist keine Markierung erkennbar (dort ist aber unsere Stempelstelle). Doch weil die Zeit im Nacken sitzt, überprüfe ich die Begebenheiten nicht noch einmal und wir gehen den etwas längeren Weg auf den westlichsten der Gipfel. Nun ziert eben dieser Farbabdruck unsere SPP-Dokumentation - läßt sich nun nicht mehr ändern. Bis 13 Uhr verweilen wir auf der Krainer Spitze und blicken dabei ehrfurchtsvoll hinüber zum Skuta, der sich wuchtig und scheinbar uneinnehmbar für Wandersleute wie uns präsentiert. Doch das Gewimmel auf dessen Gipfel beweist nun mal das Gegenteil.
Zurück zum Abzweig, noch eine Mulde gequert und ab geht es in den Fels des Skuta. Der Steig ist sehr direkt, vermeidet dabei größtenteils Passagen zum Erholen und führt daher auch recht schnell nach oben. Diese Fast-Direttissima wird durch Stahlstifte im Fels unterstützt und auf dem kurzen Grat hinüber zum Gipfelaufbau ist ein Handlauf aus Seilen angebracht. Kurz nach 15 Uhr sind wir am Ziel - allein auf dem Skuta (2.533 m). Wir nehmen uns Zeit für die grandiose Aussicht, essen etwas und trinken den Großteil unserer Wasservorräte. Schließlich geht es nun nur noch bergab (zumindest fast nur bergab). Die Schwierigkeiten der Tagestour sind auch überstanden, der Talweg ist fast nur Latschgelände - sehr händeschonend. Den Abzweig auf den Štruca (2.457 m), der vom Hauptweg in zehn Minuten auf leichtem, aber unmarkierten Weg erreichbar wäre, schenken wir uns. Wir haben auch ohne dessen Besteigung genug gesehen.
Es ist bereits 17 Uhr, als wir am Pavel-Kemperle-Biwak / Bivak Pavla Kemperla (2.104 m) vorbeikommen. Es ist ein moderner Bau, der nach dem slowenischen Bergsteiger und Chronisten Pavel Kemperle (1905 - 1980) benannt wurde. Im Inneren bietet er acht Personen Platz zum Schlafen - für uns keine Option, denn eine Stunde später sind wir schon bei unserem angedachten Schlafplatz. Die Zois-Hütte am Kankersattel / Cojzova koča na Kokrskem sedlu (1.793 m). Jetzt kommt aber erst das böse Erwachen. Die Hütte ist ausgebucht! Tata! Volle Punktzahl, denn die Hütte liegt am Fuße des Grintovec und heute haben die Österreicher und Slowenen Feiertag. Nicht irgendeinen Feiertag, nein, Maria Himmelfahrt - und da sind Kind und Kegel auf Achse.
Doch Ute und der Hüttenwirt finden eine Lösung: Ute schläft in Zimmer 12 (im Zehn-Bett-Zimmer), ich in der 10 (im Zwölf-Bett-Zimmer). Für die Folgenacht wird sich die angespannte Situation wieder entschärfen und wir beide werden in einem Raum schlafen können. Zwei Übernachtungen sind von uns eingeplant, um die Sperrung des SPP-Abschnittes am Grat zwischen Grintovec und Jezerska Kočna (Felssturz) zu umgehen. Diese Etappe ist als schwarze Tour mit 6:30 bis 9 Stunden Gehzeit angegeben. Die Umleitung über das Dolci-Kar (nach Besteigung des Grintovec) nimmt demnach noch mehr Zeit in Anspruch. Diese Variante ist zudem aufgrund der Witterungsbedingungen nicht an einem Tag umsetzbar. Mit dieser Vermutung werden wir recht behalten. Doch erstmal gibt es Abendbrot! Für mich doppelt, denn zwei Krainer Würste machen nun mal nur halb satt, also gibt es das gleiche Gedeck noch einmal.
Sonnenaufgang am Planjava
Gut begehbarer Steig ins Tal
Noch ist es angenehm schattig
Frischaufov dom na Okrešlju (1.396 m) im Wiederaufbau
Behelfskiosk an der Frischauf-Hütte
Sanfter Anstieg im Okrešelj
Turski zleb
Turski zleb (Ausweichweg mit der "1")
Blick zurück ins Turski zleb
Anstieg zum Kranjska Rinka
Krainer Rinka / Kranjska Rinka (2.453 m)
Blick vom Krainer Rinka zum Skuta
Blick vom Krainer Rinka zum Ojstrica (li.), Planjava (M.) und Brana (re.)
Blick zum Kärntner Rinka / Koroška Rinka (li.) und Steirer Rinka / Štajerska Rinka (dahinter, Bildmitte)
Weg zum Fuß des Skuta, über dessen linke Flanke der Aufstieg erfolgt
Aufstieg durch die Felswand
Gipfel des Skuta (2.532 m)
Am Gipfelkreuz des Skuta
Abstieg über das Veliki podi, vor dem Klotz des Dolgi hrebet (2.473 m)
Bivak Pavla Kemperla (2.104 m)
Zoishütte (1.793 m) vor dem Kalska gora (2.047 m) / Wegsperrungen wegen Erdrutsch od. Felssturz
16.08.2025 / 8:15 Uhr / 5,36 km / 754 Hm+ / 754 Hm-
Cojzova koča na Kokrskem sedlu - Grintovec (2.558 m) und zurück
Wetter: 30°C, sonnig; ab Mittag Bewölkung mit Starkregen und Gewitter, Temperaturabfall
Um 6 Uhr ist die Nacht beendet, kurz darauf blinzelt die Sonne um die Ecke des Mali vrh (1.935 m) und in der Gaststube wird das Frühstück serviert: zwei Wiener Würste (die hier logischerweise „Frankfurter“ heißen - man will ja schließlich niemanden aus der näheren Umgebung provozieren) mit Brot, dazu eine Tasse Tee.
Vor uns ist nun schon eine regelrechte Völkerwanderung zum Grintovec (2.558 m) aufgebrochen, der wir uns (mal nur mit Handgepäck) anschließen. Der Weg ist einfach und 10 Uhr genießen wir das Gipfelglück im Menschenmeer - ab 11 Uhr plötzlich menschenleer. Erste Wolken ziehen auf, doch wir haben genug gesehen, u.a. auch den für morgen angedachten Weg durch das Dolci-Kar und den zerklüfteten Aufbau des Kočna-Stocks, der nur vage Vermutungen zum Wegverlauf zuläßt. Wir steigen 11:15 Uhr wieder ab und sind eine anderthalbe Stunde später an unserer Unterkunft.
Wir waschen unsere Klamotten und wollen zum gemütlichen Teil des Tages übergehen, als es anfängt zu tröpfeln. Der Himmel färbt sich immer dunkler und ein erstes Donnergrollen tönt von Kočna und Grintovec. Der Regen wird stärker und kurz darauf geht er in Bindfäden über. Wenn wir die Etappe nicht geteilt hätten, würden wir jetzt im Kar zwischen beiden Bergstöcken herumeiern - notfalls hätten wir dort zum Bivak v Kočni (1.952 m) aufsteigen müssen, welches nur acht Betten hat und wir sicher nicht die einzigen Interessenten gewesen wären. Auch die Zois füllt sich zunehmend mit völlig durchnässten Berggängern, im Gastraum wird es langsam eng.
Nun gilt es noch, den nächsten Tag abzusichern. Deshalb kontaktiere ich den Hüttenwirt und er zeigt mir auf der großen Karte im Eingang seine Varianten auf, um den Seeländer Kotschna / Jezerska Kočna zu besteigen. Doch da reden wir scheinbar immer wieder aneinander vorbei. Meine Route über Dolci lehnt er ab, versucht mir die Überschreitung der Langkofelscharte / Mlinarsko sedlo zur Tschechischen Hütte / Ćeška koča einzureden, von der wir dann zum Kočna aufsteigen sollen. Da würde man hochzu sehen, was einem beim (erfahrungsgemäß schwierigeren) Abstieg erwartet. Ich sage ihm, daß es manchmal ganz gut ist, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt.
Weil die Krainer Würste am Vorabend so gut waren, gibt es das gleiche Gericht auch heute für mich in doppelter Ausführung - einmal nachmittags und einmal zum Abendbrot. Um 20:40 Uhr ist Nachtruhe im Lager, gegen 23 Uhr kommt dann noch ein Schwung und die Bude ist voll.
Cojkova koča na Kokrškem sedlu / Zoishütte am Kankersattel (1.793 m)
Sonnenaufgang am Kankersattel
Der Felssturz zwischen Grintovec und Kočna hat es noch nicht auf die SPP-Tafel (vor der Hütte) geschafft
Aufstieg zum Grintovec mit Tagestourenrucksack
Der Schatten des Grintovec am Fels des Kočna, ganz links der Storzič
Anstieg über den bequemen Streha-Weg
Das Phänomen des menschenleeren Grintovec' (2.558 m)
Unsere treuen Begleiter
Blick zum Bergstock des Kočna
Blick zur Zois-Hütte
Gewitter über Kočna und Grintovec zur Mittagszeit
17.08.2025 / 7:00 Uhr / 6,93 km / 963 Hm+ / 1.214 Hm-
Cojzova koča na Kokrskem sedlu - Češka koča na Spodnjih Ravneh (1.542 m)
Wetter: 22°C, stark bewölkt; abends Regen
Halb 6 geht es aus den Federn. Das wichtigste Thema zum Tag ist die Wettervorhersage. Diese ist gar nicht so schlecht, denn bis zum Mittag soll es trocken bleiben. Wir können also unsere Tour, so wie ich sie mir vorgestellt habe, gehen. Da muß aber dann auch alles klappen, doch schon beim Frühstück klemmt die Säge und unsere Bestellung ist irgendwie untergegangen. So bekommen wir unsere Teller erst wesentlich später. Da die zwei Würstchen am gestrigen Morgen nicht so magenfüllend waren, schwenken wir auf das konventionelle Frühstück um: Brot, Butter, Honig, Marmelade, Käse und Thunfisch.
Bevor wir in die Spur gehen, demonstrieren zwei Steinböcke vor dem Gebäude noch ihre Fähigkeiten des Bergsteigens. Da können wir natürlich nicht mithalten und müssen uns weiter mit „unserem Trott“ durch die Berge schieben. Wir steigen Richtung Grintovec auf und biegen am Wegweiser „Dolci Jezerska Kočna (zahtevna pot) 2:30 h“ (2.015 m) nach links ab. Von nun an sind wir allein unterwegs und werden (bis auf ein paar Gämsen und Steinböcke) niemanden mehr auf unserem Tagesausflug begegnen. An der nächsten Wegkreuzung (8:30 Uhr) könnten wir noch über die besagte Biwakschachtel abbiegen und weiter auf schwarzem Weg, eventuell Klettersteig (?), über den Rücken des Kočna zum höchsten Punkt des Bergstocks gelangen. Wir entscheiden uns für den Weg durchs Kar. Dieser ist anfangs sehr angenehm zu gehen, wird aber zunehmend steiler und im Gesteinsschutt unterhalb des Felsgrates haben wir zu tun, voranzukommen. Zwei Schritt vor, einer zurück. Dies wird erst im Fels besser, wo wir uns mit Hilfe der Hände nach oben hangeln.
Um 9:40 Uhr haben wir den Grat an der Seeländerscharte / Dolška škribina (2.279 m) erreicht. Wir biegen in den Gipfelanstieg ab und entledigen uns noch unserer schweren Rückenlast. Ein kleiner Rucksack, in dem die Stempelutensilien untergebracht sind, tut es auch. Wenig später wäre unser Rückenkoffer sowieso recht hinderlich geworden, denn eine Kriechstelle über eine Platte im Fels läßt geradeso Personen (ohne zusätzlichen Anbau - vorn wie hinten) passieren. Wir halten die Szene im Video fest und kommentieren: „Komoot würde dazu schreiben: Strecke enthält Abschnitte, auf denen sie ihren Körper über Steine schieben müssen.“ Danach folgt noch leichtere Kletterei im brüchigen Gestein und wir sind 10:20 Uhr am Gipfel angelangt. Der Ausblick ist überwältigend aber auch die immer stärker werdende Bewölkung nötigt Respekt ab. Daher stempeln wir uns nach 15 Minuten auch schon wieder vom exklusiven Panoramablick aus. Laut Gipfelbuch wäre heute schon ein „Gast“ auf dem Kočna gewesen - von der Češka koča aus. Dorthin müssen wir jetzt absteigen, rund 1.000 Höhenmeter Schlängelei durch Rinnen und Bänder des Nordgrats liegen vor uns (und von oben erhöht die dunkler werdende Wolkendecke den Druck). Der Steig durch die Felszacken ist mit sehr viel Eisen abgesichert und nach anderthalb Stunde wechseln wir in den Gesteinsschutt des oberen Ravni-Kars / Zgornje Ravni.
Der anstrengendste Teil des Abstiegs ist damit geschafft. Wir gehen noch bis zu einem kleinen Plateau und gönnen uns (auch wenn die Bewölkung immer noch mit Regen droht) eine fast einstündige Pause mit herrlichem Talblick. Um 14:15 Uhr nehmen wir auf einer Holzbank vor der Češka koča (1.542 m) platz. Die Übernachtung ist kein Problem, da nur zwei weitere Personen diese Option nutzen. Das „Monument von lokaler Bedeutung“ ist die älteste Berghütte Sloweniens, die ihren Ursprung und Charakter bewahren konnte und wurde am 26. Juli 1900 (als Böhmische Hütte) feierlich eröffnet. Sie ist (bis auf Toiletten und Küche) nahezu im Originalzustand (einem typisch böhmischen Bauernhaus nachempfunden) erhalten. Natürlich gibt es hier (neben den einheimischen Gerstensäften) auch böhmisches Bier (Kozel, Staropramen) - man kauft eine Flasche am Tresen und tauscht diese danach am Brunnen vorm Haus gegen eine gekühlte Variante des eben erworbenen Produkts. Das dies nicht immer so reibungslos funktioniert, erzählte uns die Wirtin am Abend in einem längeren Gespräch über das moderne Hüttenleben. Zu Maria Himmelfahrt war auch an ihrer Hütte Ausnahmezustand (allein über 100 Einträge im Hüttenbuch) und die Kontrolle über den Bierbrunnen nicht zu gewährleisten. Bei der abendlichen Inventur fehlten zehn Flaschen (a 5 Euro). Das Abendbrot (Hühnchensuppe und Pflaumenstrudel) gibt es schon 17 Uhr, weil der Koch am Abend im Tal noch was vorhat.
Gradi graben zum Dolci (zahtevna pot / schwieriger Weg)
Wegweiser unterhalb des Kars (Spodnji Dolci)
Zgornji Dolci mit dem Grat zwischen Grintovec und Kočna
Unterhalb Dolška škribna: Wer von beiden ist denn nun der bessere Kletterer?
Dolška škribina (2.317 m)
Blick zurück ins Obere Dolci-Kar / Zgornji Dolci
Kriechstelle über eine Platte zu Beginn des Stichweges zum Jezerska Kočna
Der Kamm der Steiner Alpen mit Grintovec, Dolgi hrebet, Štruca, Skuta, Rinka, Ojstrica und Planjava (v.v.n.h.)
Der brüchige Gipfelaufbau des Jezerska Kočna (mittig die Madonnenstatue)
Gipfelbuchkassette und Stempelstelle (etwas) unterhalb des Gipfels
Seeländer Kotschna / Jezerska Kočna (2.540 m)
Blick vom Jezerska Kočna zum Kokrska Kočna (2.474 m)
Blick auf den Weg vom Gipfel zum Sattel. Im Querband des unteren Felsklotzes erahnt man die Kriechstelle.
Abstieg ins Obere Ravni-Kar
Abstieg (rückwärts)

Abstieg zur Hütte
Zgornjie Ravni und die Felswand zwischen Grintovec und Kočna
Spodnjie Ravni
Češka koča na Spodnjih Ravneh (1.542 m)
Tschechische Hütte - tschechisches Bier
Getränkekühlschrank neben der Hütte

Gaststube der Tschechischen Hütte
18.08.2025 / 8:30 Uhr / 12,39 km / 604 Hm+ / 1.426 Hm-
Ćeška koča na Spodnjih Ravne - Gostišče Kanonir (720 m)
Wetter: 15°C - 25°C, bedeckt; bewölkt
Um 4 Uhr haben wir ausgeschlafen und machen uns Gedanken über den heutigen Tagesablauf, denn wir müssen uns noch um den fehlenden Stempel der Krainer Hütte kümmern. Zudem ist die kommende Übernachtung noch nicht klar. Ab 7:30 Uhr gibt es Frühstück, wobei wir beide angebotenen Varianten bestellen: je zwei Spiegeleier mit reichlich Schinken und Brot; dazu den Brotkorb mit Butter, Schmelzkäse, Thunfisch und selbstgemachter Pflaumenmarmelade.
Mit kleinem Rucksack erledigen wir die ausstehende Stempelstelle. Da der Normalweg „Zrelo“ zur Krainer Hütte gesperrt ist (zudem ziemlich ausgesetzt in den Felsen gehauen), weichen wir auf den Slowenischen Weg / Slovenska pot aus, welcher im Mittelteil als Klettersteig durchs Gestein führt und in einem Zickzack durch Latschenkiefern am Lastenaufzug der Berghütte endet. Dort wird gebaut, allerdings nur von einer Person. Er managt auch die Versorgung von vorbeikommenden Wanderern mit Getränken. Ob er diese von seinem Deputat abzweigt oder ob dies ganz offiziell geschieht, interessiert uns nicht so zwingend. Man hätte vielleicht sogar vor der Hütte (hinter den schützenden Baumaterialien) oder auch in der Hütte sein Nachtquartier aufschlagen können. Wer hätte uns denn hier spätabends wegjagen wollen - der Bauarbeiter hätte es sicherlich nicht getan. Die Hütte wurde übrigens erst 1977 errichtet - als Trainingsstützpunkt der jugoslawischen Skinationalmannschaft, weil man auf dem benachbarten Gletscher unter dem Rinka noch bis in den Sommer hinein der Skiabfahrt frönen konnte. Auf gleichem, ab- und aufsteigenden Weg machen wir uns nach 20-minütiger Pause wieder auf. Um 11:15 Uhr sind wir wieder an der Tschechenhütte, die wir 11:30 Uhr talwärts verlassen.
Auf felsigen Passagen geht es (u.a. auch auf einer Holzstiege) am Hang des Špegovec gemütlich hinab. Mit Erreichen des Waldes vermittelt einem das über den Weg verschlungene Wurzelwerk der Bäume ein Gewimmel aus Schlangen (Kača), daher der Name Kačji Rob für diesen Abschnitt. Imposant ist zudem der Blick auf die Felsgiganten, die nun hinter uns liegen. Aber auch eine mächtige Sommerlinde am Weiler Marof (1.035 m) zieht unsere Blicke an, ebenso ein im Unterholz (auf 980 m) zwischen Marof und Makek verunfallter Schichtholz-Lkw. Voll mit Holz beladen und komplett in seiner Funktion zerstört, wartet dieser (im völlig unzugänglichen Gelände) bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf seine Bergung - wenigstens ist er mit einer Stahltrosse und mehreren Schlupfen gegen eine weitere Talfahrt gesichert.
Nach sieben Tagen in den Bergen nehmen wir 13 Uhr wieder Kontakt mit der „Zivilisation“ auf: wir biegen in Oberseeland / Zgornje Jezersko (880 m), dem nördlichen Ortsteil des Bergsteigerdorfes Seeland / Jezersko, ein. Als erster Anlaufpunkt muß die örtliche Information herhalten, da wir noch keinen Schlafplatz für die Nacht haben, erst danach wird der Lebensmittelladen von uns kontaktiert. Die Pause im Ortskern zieht sich über zwei Stunden - Ute kann in dieser Zeit auch ein Quartier außerhalb des Dorfes klarmachen. Das/die Codewort(gruppe) lautet dabei: „Wir kommen zu Fuß, von der Češka koča“ - aus „Nein.“ wird daraufhin „Ja.“. Das Quartier liegt zudem auf unserer weiteren Route und nimmt damit ein paar Kilometer von der morgigen Etappe von der Uhr.
Wir folgen der Kanker / Kokra talwärts und stehen 16 Uhr in Kanonir (720 m) vor der Pension von Marija Jokič. Es ist die Unterkunft, von der die Wirtin der Češka koča schwärmte (uns aber keinen Übernachtungsplatz vermitteln konnte). Nach einem freundlichen Empfang durch die Chefin, geht es ab unter die Dusche. Die Klamotten und Schuhe werden zudem durchgespült und auf dem Balkon der Trocknung übergeben. Dann ist endlich Zeit für den Biergarten des Hauses - man kommt unweigerlich nicht drumherum, für diese Unterkunft Werbung zu machen, denn das Ambiente stimmt, von der Herzlichkeit bis hin zu Kulinarik (mit einem Preis-Leistungsverhältnis von vor 20 Jahren).
Mit "Handgepäck" zur Stempelstelle Krainer Hütte
Zur höher gelegenen Hütte geht es anfangs bergab
Wegsperrung des Zrelo-Steigs
Slowenischer Weg zwischen Tschechischer und Krainer Hütte
Slovenski pot / Slowenischer Weg - mehr Steig als Weg
Baustelle Kranjska koča na Ledinah / Krainer Hütte (1.700 m)
Mögliche Schlafstellen: die Stempelstelle hinter dem Betonpflasterstapel oder der Gang in der Hütte
... an Wasser hätte es auch nicht gemangelt
Abschied von der Češka koča
Abstieg ins Tal (diesmal ist der Handlauf aus Holz)
Kačji rob - "Schlangenweg" im Wald
Wegweiser im Wald
Große Linde in Marof (1.035 m)
Verunfallter Schichtholz-Lkw
SPP-Tafel in Zgornje Jezersko (880 m)
Gostišče Kanonir (720 m)
19.08.2025 / 8:45 Uhr / 14,37 km / 1.536 Hm+ / 1.133 Hm-
Gostišče Kanonier - Dom pod Storzičem (1.123 m)
Wetter: 18°C - 26°C, sonnig
Das Frühstück reiht sich nahtlos an das gestrige Biergartenerlebnis. Der Tisch in der Gaststube ist allerdings viel zu klein, für das, was uns aufgetischt wird: Wurst, Käse, Honig, Eier, Joghurt, Äpfel, Birnen und Marmelade - zu jedem Produkt nennt uns Marija den jeweiligen Erzeuger „aus der weitläufigen Nachbarschaft“. Aufs Brot kommt zudem Margarine, welche nach hausgemachter Butter schmeckt. Nur der Kaffee und der Saft sind „nicht von hier“. Wir sollen uns auch noch Brot mit Wurst oder Käse für unterwegs einpacken. Wir quatschen mit ihr über Gott und die Welt und vergessen dabei fast unsere Tagesaufgabe.
Gemütlich werden die ersten Höhenmeter auf breitem Fahrweg im Tal gemacht. Am Talschluß von Jekarica geht der bequeme Fußweg in einen, nun etwas steiler werdenden Waldpfad über, der ab der unbewirtschafteten Praprotnikova koča (1.380 m) anspruchsvoller wird. Am Sattel des Bašeljski vrh (1.630 m) können wir 11:15 Uhr noch nicht zum Storschitz abbiegen, denn wir müssen noch auf 15-minütigem Stichweg zum Planinski dom na Kališču (1.534 m). Dort liegt der Stempel Nr. 28 für unsere Beweisführung parat, zudem gibt es noch zwei Büchsen Iso für den Sofortverzehr. Um 12 Uhr nehmen wir nun von der Hütte den Gipfelanstieg in Angriff. Über dem Sattel wird die Sache etwas anspruchsvoller. Es geht stellenweise in den Fels und ab und zu sind Stellen mit Eisen gesichert. Wir drängen uns 13:30 Uhr durch das Gatter, welches den Gipfelaufbau des Krainer Storschitz / Storzič (2.132 m) vor Schafen und deren Hinterlassenschaften schützt. Eine Stunde verweilen wir bei bester Fernsicht neben dem Gipfelkreuz. Der Abstieg über Skarjev rob beginnt in einer steil nach unten ziehenden Geröllmulde. Auf dem anschließenden Bergrücken verflacht sich der Pfad etwas, um danach durch Latschen und später durch Laubwald wieder an Fahrt zu gewinnen.
Um 16:30 Uhr sind wir an unserer Unterkunft, dem Dom pod Storzičem (1.124 m), welches 1951 eröffnet wurde. Zum Abendbrot wird Schweinebraten (drei dicke Scheiben), Sauerkraut, und Bratkartoffelklöße mit Soße aufgetafelt, zum Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes wird Kozel-Bier serviert - genächtigt wird im Vier-Bett-Zimmer. Die Berghütte der Kategorie II hat fast Hotelcharakter.
Am "Ende des Weges" wartet der Storzič
Jekarica
Planinski dom na Kališču (1.534 m)
Storzič von Kališče aus gesehen
Aufstieg zum Storzič
Krainer Storschitz / Storzič (2.132 m)
Gipfelkreuz des Storzič
Blick zum Stock des Kočna, dahinter (etwas höher) der Grintovec
Abstiegsvariante über Skarjev rob
Was erwartet uns demnächst? Ute macht sich schon mal mit der alpinen Zukunftsmusik vertraut.
Skarjev rob
Blick zurück zum Storzič
Storschitz-Haus / Dom pod Storzičem (1.123 m)
Gastraum der Hütte
20.08.2025 / 8:10 Uhr / 19,12 km / 1.693 Hm+ / 1.338 Hm-
Dom pod Storzičem - Koča na Dobrči (1.478 m)
Wetter: 15°C, bedeckt; 28°C bewölkt
Ein ausgiebiges Frühstück (drei Spiegeleier, Brot, Honig, Marmelade, Wurst und Tee) läutet ab 7 Uhr den Tag ein. Der heutige Tagesplan steht noch nicht ganz fest - entweder wir haben eine anderthalbe Etappe vor der Brust oder wir gehen nur bis zum nächsten Talort. Die Wettervorhersage (für die nächsten fünf Tage) ist derart schlecht, daß man dort die Segel streichen müßte. Doch noch ist es nicht soweit. Wir arbeiten uns langsam durch Wald und über Wiesen hoch zum Tolski vrh (1.715 m), den wir 9:45 Uhr für eine halbe Stunde Pause in Beschlag nehmen. Zu diesem Zeitpunkt sind wir noch knapp unter der Wolkendecke, welche sich immer mehr verdunkelt. Um 11 Uhr an der Koča na Kriški gori (1.471 m) sind wir dann schon mittendrin im Einheitsgrau. Diese Hütte wäre das Ende der 13. Etappe (im SPP-Führer „Kališče - Kriška gora“) gewesen, ist aber erst seit heute wieder offen. Wir sind die einzigen Tagesgäste. In der Unterhaltung mit dem Hüttenwirt stößt man zwangsläufig auf das Wetter und da hat auch er keine guten Prognosen zu bieten. Er warnt uns vor ergiebigen Regenfall am Nachmittag - da wären wir im Aufstieg zum Dobrča. Das wäre auf dieser Seite noch nie lustig gewesen. Wir sollten lieber auf seiner Hütte bleiben, meint er augenzwinkernd. Wir kämen sowieso wieder zurück, wenn wir nicht bei den Marines wären. Er lacht herzlich über seine getätigte Einschätzung, während wir uns (nach halbstündiger Pause) für die anstehende Talfahrt bereit machen.
Der Weg durch den Wald ist steil, wir klettern aus den Wolken nach unten. nehmen noch die Aussicht vom Felsvorsprung des Velika Mizica (976 m) auf den Talort mit. Dort schlängelt sich gerade eine Kreuzotter durch das Gras, ist aber für ein Foto viel zu schnell verschwunden. Um 13 Uhr sind wir im Zenrum von Neumarktl / Trzič (510 m) angekommen. Ohne Plan irren wir durch die Stadt, finden dann aber doch den örtlichen Lebensmittelladen, in dem wir uns mit Lebensmitteln (Schokolade, Waffeln, Kekse, Tomaten) und Getränken (Iso, Wasser, Erdbeer-Trinkjoghurt) neu aufstellen. Bleibt nun noch der Gang zur Information, denn Ute hat die Übernachtung auf der Dobrča-Hütte storniert und ein Quartier für die Nacht fehlt demzufolge. Das wäre kein Problem, da gibt es hier genügend, entschärft man im Fremdenverkehrsbüro dieses Problem. Beim Wetter machen sie uns auch keine zu große Hoffnung: heute Abend kommt es dicke, morgen ebenfalls und tags darauf ist ab Mittag wieder Wanderwetter. Da könnte man zum Dobrča aufsteigen. Wir brauchen demnach für zwei Nächte ein Quartier - finden aber nichtmal für einen Tag eine Übernachtung. Da auf Utes Stornierungs-E-Mail von der Hütte auch keine Reaktion erfolgt, schickt sie eine zweite Nachricht hinterher, mit der Bitte um zwei Betten für die nächsten zwei Nächte.
Nach dem ganzen Hickhack machen wir uns 15:15 Uhr auf den Weg nach oben. Ein steiler, aber angenehmer Weg im schattigen Wald addiert schnell die Höhenmeter in die digitale Aufzeichnung. Das Wetter bleibt stabil und völlig vom Schweiß durchnäßt erreichen wir kurz nach 18 Uhr die Koča na Dobrči (1.874 m). Zwei junge Mädels schmeißen hier den Laden (machen dabei nur das nötigste) - nur 22 Betten stehen in der kleinen Hütte zur Verfügung. Es ist daher alles minimalistisch gehalten: kleine Schlafräume mit maximaler Ausnutzung der Stellflächen für die Doppelstockbetten, kleiner „Sanitärtrakt“ mit noch kleinerem Waschbecken, Zugang zum Obergeschoß durch den Tresen und einen Teil der Küche. Nur beim Abendessen wird in anderen Dimensionen agiert - da steht auf einmal ein Teller mit Kartoffeln, einem halben Kilogramm Sauerkraut und einer riesigen Scheibe Kassler (aus der ein geschäftstüchtiger Wirt locker drei Portionen gezaubert hätte) auf dem Tisch. Kurz vor 21 Uhr ziehen wir uns in unser Fünf-Betten-Zimmer(chen) zurück. Nur noch zwei Österreicher werden (in einem anderen Zimmer) die Nacht auf der Hütte verbringen.
Dom pod Storzičem
Im Wald unter dem Fels des Psica
Auf dem Schlußanstieg des Tolsti vrh
Tolsti vrh (1.715 m) mit Blick zum Storzič
Talblick vom Tolsti vrh
Die Wolken kommen immer tiefer
Koča na Kriški gori (1.471 m)
Das 11-Uhr-Bier präsentieren ein Wanderer und Salewa, mit Talblick vom Kriška gora (1.471 m)
Gipfelfahne des Kriška gora (1.471 m) / Fichtenwuchs auf dem Weg ins Tal
Aussichtspunkt Velika mizica (976 m)
Wegweiser
St.-Josefs-Kirche / Sv. Jozef in Neumarktl / Trzič
Anstieg zum Dobrca
Lovska koča na Dobrči (1.475 m)
Koča na Dobrči (1.478 m)
Tagesausklang
21.08.2025 (wetterbedingter Ruhetag)
Wetter: 14°C, bedeckt, Regen; mittags Gewitter
Nachdem es in der Nacht schon ordentlich geregnet hat, hält auch der neue Tag nichts besseres bereit. Das Tal ist wolkenverhangen und vor der Hütte ist der versprochene Dauerregen im Gange. Die beiden jungen Österreicher werden nach dem Hütten-Frühstück (bestehend aus: zwei Eiern, Brot, Marmelade, Honig, Wurst, Thunfisch und Tee) wieder ins Tal absteigen, wir werden eine Schaffenspause einlegen. Die nächste Etappe ist im Schlußdrittel mit „schwarz“ versehen, was wir uns bei solchem Wetter nicht antun müssen. So haben wir genügend Zeit, die durchschwitzte Wäsche (am Miniwaschbecken) zu säubern. Leider gibt es in der nicht vorhandenen Hüttenbibliothek nur zwei Bücher (davon ein Roman in deutscher Sprache) und unser Zeitvertreib besteht daher aus Kartenspielen. Das Gewitter zur Mittagszeit (inklusive „gespannter“ Atmosphäre am hütteneigenen Funkmast) nimmt uns dann alle Zweifel unserer selbstauferlegten Zwangspause. Das hohe Niveau des Abendbrots vom Vortag kann beim besten Willen nicht gehalten werden, und so gibt es diesmal eine Art Pichelsteiner Eintopf mit Brot. Als Nachtisch wird ein großes Stück Heidelbeertopfen serviert.
Blick aus dem Zimmerfenster kurz vor 8 Uhr
... eine Stunde später
Wir bleiben lieber in der Hütte ...
... auch wenn der Kamin nicht an ist, ist es hier gemütlicher
Obergeschoß und Schlafraum
Große Wäsche im kleinen Waschbecken
Schlafraum = Wäscheboden
Abendessen
22.08.2025 / 9:15 Uhr / 11,76 km / 1.221 Hm+ / 1.274 Hm-
Koča na Dobrči - Dom pri izviru Završnice (1.425 m)
Wetter: 13°C - 22°C, bedeckt/bewölkt
Der Blick aus dem Hüttenfenster ist nicht zu vielversprechend, daher zögern wir die morgendlichen Rituale etwas hinaus. Doch wir müssen unsere Reise fortsetzen. Nach ausgiebigem Frühstück machen wir uns auf. Der Wolkenvorhang bleibt glücklicherweise dicht und so werden nur die Füße vom durchweichten Boden naß. Es geht im Auf und Ab unter verhältnismäßig vielen umgestürzten Bäumen hindurch. Völlig unerwartet wird es im Mischwald am Vrh Luz (1.202 m) richtig steil und unwegsam - bergauf stellt das stark über den Pfad verzweigte Wurzelwerk kein Problem dar, nur in der Gegenrichtung (im Abstieg) ist diese glitschige Rutschpartie sicherlich der blanke Horror. Kurz nach 11 Uhr vernehmen wir Maschinengeräusche: Ein Kettenbagger schiebt dabei einen Geländewagen, mit Hinterrad-Plattfuß (unter der Schneekette), vor sich her. Eine Wegbiegung später sind wir an der Alm Preval / Koča na Prevali (1.311 m), wo wir uns für zwei isotonische Getränke kurzzeitig niederlassen.
Um 11:25 Uhr brechen wir wieder auf. Über 700 Meter Höhendifferenz gilt es auf steilem Pfad durch den Wald am Begunschitza / Begunjščica zu bewältigen. Auch Kühe nehmen die ersten hundert, zweihundert Höhenmeter dieses Anstieges noch als Weidefläche mit. Man fragt sich nur, wie diese (wesentlich schwereren) Geschöpfe dies meistern - jedenfalls stehen sie „muhend“ vereinzelt zwischen den Bäumen am Steilhang, während uns der Schweiß vom Körper rinnt. Der finale Weg zum höchsten Punkt führt auf freiem Gelände über den runden Grat des Bergrückens. Um 13 Uhr erreichen wir den Veliki vrh (2.060 m). Wir stempeln (unsere Nr. 33 im Heft) und genießen die Aussicht: unter uns das Laibacher Becken, dazu der markante See von Veldes / Bled; die Julier ohne Gipfelaufbauten (weil die Bewölkung diese verhüllt); rückblickend der Storschitz und der Kočna (leider auch in Wolken), vor uns der Hochstuhl, der demnächst von uns beehrt wird. Da uns jedoch ein heftiges Lüftchen um die Nase weht, sind wir nach 15 Minuten wieder auf den Beinen. Wir passieren nach einer halben Stunde den Abzweig, der ins hintere Zelenica-Tal führt. Dorthin führt der schwarze Teil der heutigen Route durch die Nordwestflanke des Bergstocks. Wir müssen uns aber erstmal um die nächste Stempelstelle kümmern, die ein paar Minuten (und 200 Höhenmeter unterhalb) auf der Südseite liegt.
Kurz nach 14 Uhr lassen wir uns im Außenbereich des Roblekov dom na Begunjščici (1.657 m) nieder. Die Hütte ist nach einem Pionier des Bergsteigens, Hugo Roblek (1871 - 1920), benannt. Sie wurde 1933 eröffnet und zehn Jahre später von Partisanen niedergebrannt. Von Bergsteigern wurde die Berghütte 1946 neu errichtet und in den Jahren 1975, 1987, 1993 und 2005 modernisiert. Sie wurde 2017 zur besten Berghütte Sloweniens gewählt. Bis 15:15 Uhr rasten wir und leeren die Vorräte aus dem Rucksack. Da uns zu viele dunkle Wolken durch die Gegend ziehen, uns somit ein Regenabstieg über den „Klettersteig“ im Fels erwarten könnte, wählen wir die Variante durchs Završnica-Tal. Diese ist zwar etwas länger und mit mehr Höhenmetern bestückt, scheint aber angenehmer zu bewältigen zu sein. Geröll erwartet uns im steilen Abstieg trotzdem - aber auch die „1“ taucht (allerdings nur einmal) als Wegmarkierung auf. Im Tal angelangt, versüßen massig Himbeeren den angenehmen, nun folgenden Anstieg.
Am oberen Ende der Smokuška-Alm gelangen wir 16:20 Uhr zum Dom pri izviru Završnice (1.425 m). Die Berghütte der Kategorie II ist nach der Quelle des Završnica-Baches benannt, die sich in Hüttennähe befindet. Sie wurde 1952 als vom Militär betriebene Grenzhütte zu Österreich erbaut. Sie trug den Namen Karavla, hieß später Dom Janeza Rezarja und Planinski dom Iskra. Seit 1996 wird sie von der Alpenvereinssektion Scheraunitz / Zirovnica bewirtschaftet. Das Hüttenzeichen beinhaltet die (1966 von Vlado Ravnik am Vertatscha / Vrtača entdeckte) alpine Rarität des Hybrids von Zwerg- und Zoisglockenblume, die Vrtačaglockenblume (Campanula x vrtacensis).
Da es bis zum Etappenziel nur noch 25 Minuten sind, wollen wir nur stempeln und unseren Mineralienhaushalt etwas aufpeppen, entschließen uns aber zum Bleiben. An der Hütte ist verhältnismäßig viel Betrieb, der sich nach und nach Richtung Planinski dom na Zelenici auflöst. Wer weiß, was uns an dieser Hütte (für die wir keine Reservierung haben) erwarten wird. Daher nehmen wir die nun wohltuende Ruhe des Završnice-Hauses in Anspruch, in dem wir die einzigen Übernachtungsgäste sein werden. Für das Abendmahl werden Krainer Würste mit speckhaltigem Sauerkraut und Brot aufgetischt. Im Anschluß befassen wir uns mit der Problembehebung an Utes Telefon (einem wichtigen Bestandteil der Hüttenreservierungen), was nur teilweise gelingt. Im Gastraum ist allerhand Bergliteratur verfügbar, u.a. eine etwas „gebrauchte“ Ausgabe (ohne Bucheinband) eines 1984 erschienen Führers zum SPP - verkäuflich ist dieses Exemplar (Vodnik po Slovenski planinski poti) auf Nachfrage meinerseits leider nicht. Die Aufmachung des Büchleins ist ähnlich der bekannten AV-Führer und mit interessantem Kartenmaterial ergänzt.
Blick aus dem Zimmerfenster zum Veldeser See
Koča na Dobrči am Morgen
Wurzelpfad
Viele Baumhindernisse auf der Transversale
Rücketraktor Timberjack 208D mit Schneeschiebeschild
Planina Prevala (1.311 m)
Bergsteiger-Kühe am Begunjščica
Endlich wieder Sonne!
Der Schatten im Wald war doch nicht so schlecht!
Blick zurück zur Preval-Alm (Bildmitte vorn) und zum Dobrča (vor der Wolke)
Aussichtsreiche Wegführung über den Begunschitza
... Begunschitza-Bergrücken
Veliki vrh (2.060 m)
Im Hintergrund der Hochstuhl / Stol
Blick zum Veldeser See
Abstieg Richtung Strednji vrh (1.979 m)
Roblekov dom na Begunjšči (1.657 m)
Blick zum Hochstuhl ("Höhepunkt" der morgigen Etappe)
Ohne Kommentar!
Slovenska planinska pot - Ausweichroute / Wegweiser im Tal
Blick zum Veliki plaz (Smokuški plaz) des Begunjščica
Smokuška planina
Dom pri izviru Završnice (1.425 m)
23.08.2025 / 8:30 Uhr / 22,64 km / 1.598 Hm+ / 1.441 Hm-
Dom pri izviru Završnice - Koča na Golici (1.582 m)
Wetter: 10°C - 21°C, bedeckt; nachmittags Regen, Graupel, Gewitter
Punkt 6 Uhr endet die Nacht und auch heute haben wir (aufgrund des miesen Funknetzes) wieder mal keine Chance, das Wetter für den heutigen Tag zu eruieren. Ab 7:30 Uhr wird erst das Frühstück im Gastraum serviert. Es gibt Rührei, jede Menge Wurst, Schinken und Käse; dazu Marmelade. Nur das Brot ist staubtrocken, was uns doch stark verwundert, denn der hüttenbezogene Werbeprospekt öffnet das Kapitel „Aus unserer Küche“ mit den Worten „… duftet es am Morgen nach frisch gebackenem Brot …“. Nun sättigt bekannterweise trockenes Brot wesentlich besser, was aufgrund der übermäßig angebotenen Zutaten nicht erforderlich gewesen wäre.
Von der Hütte wären es nun drei Stunden bis zum Hochstuhl / Stol, dem heutigen Tour-Höhepunkt. Doch wir müssen erstmal unsere Faulheit des gestrigen Tages korrigieren, indem wir den Stempelpunkt des Planinski dom na Zelenici (1.536 m) anlaufen. Um 9 Uhr haben wir diesen Pflichtteil (mit der zusätzlichen Einnahme leistungsfördernder Flüssignahrung) hinter uns gebracht. Noch 3:30 Stunden weist nun der Richtungspfeil an der Hütte für den höchsten Punkt der Karawanken aus. Auf leichtem Geläuf, durch das scheinbar größte Himbeeranbaugebiet Sloweniens hindurch, sammelt der Weg die ersten Steigungsmeter. Diese werden jedoch recht unsanft über einen steilen (mit Stahlstiften und Seilen gesicherten) Felsabschnitt genommen. Nun blicken wir in ein steiniges Kar, so lange wir dies noch können, denn so nach und nach hüllt uns Bewölkung ein. Der Weg wird wieder steiler und endet im recht brüchigen Gestein der Hochstuhl-Westwand. Nach „Durchsteigung“ dieser, sind es noch ein paar Minuten bis zum Gipfel. Dieser ist komplett von den Wolken eingeschlossen, als wir ihn kurz vor 12 Uhr in Beschlag nehmen. Nur ein paar Bergenthusiasten genießen ebenfalls den Blick ins Graue. Das Gipfelbuch, welches sich am höchsten Punkt in der Stahlkassette befindet, ist komplett abgesoffen - wenigstens der Stempel (daneben) funktioniert. Ein Gipfelkreuz gibt es ebenfalls - es befindet sich ein paar Meter tiefer (am Ausstieg des Klettersteigs, welcher von österreichischer Seite nach oben kommt). Durch die Sichteinschränkung hätten wir es fast übersehen.
Wir wechseln über eine Einsattelung und den Kleinstuhl / Mali Stol (2.198 m) zur Preschern-Hütte / Prešernova koča na Stolu (2.174 m). Die Hütte trägt den Namen des slowenischen Dichters France Prešeren (1800 - 1848) und wurde 1909 erbaut. Bei den Kämpfen am Hochstuhl wurde sie am 20. Februar 1942 von Partisanen niedergebrannt. Die Grundmauern dienten 1966 als Fundament für einen Neuaufbau, der später mehrfach vergrößert und modernisiert wurde. Wir nehmen im Gastraum Platz und gönnen uns für satte 7 Euro pro Büchse den Lohn (auf Hopfenbasis) für unseren Gipfelaufstieg. Wir kommen mit drei Österreichern und einem Bozener ins Gespräch. Erstmalig während des Urlaubs erkennt jemand (einer der Österreicher) unsere sächsische Herkunft an unserem Dialekt, wobei der „Italiener“ sogar Chemnitz kennt. Das hat aber nichts mit irgendwelchen Erfolgen der Marketingabteilung unserer Stadt zu tun, sondern beruht auf der Tatsache, daß seine Frau aus unserer Gegend stammt. Chemnitz bleibt also weiterhin der „graue Fleck“ auf internationalem Parkett - auch wenn man uns daheim gern suggeriert, mit dem Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ (Sloweniens Görz / Goricia trägt 2025 ebenfalls diesen Titel) den Nabel der Welt darzustellen. Ich bin beruhigt, sehe mich in meiner Einschätzung zum permanenten Kulturhauptstadt-Rummel bestätigt - zumal in unserem gesamten Slowenien-Urlaub nicht eine Person die „Weltmarke“ Chemnitz kennt. Danke, werte Slowenen und Gäste! Danke, Kulturhauptstadt GmbH!
Die Pause in der warmen Hütte war lang und erst 13:15 Uhr setzen wir unseren Weg fort. Anfangs nehmen wir die falsche „1“ talwärts (Richtung Valvasorjev dom pod Stolom). Da werde ich stutzig, sollte der Weg nicht oben am Kamm entlangführen? Also zurück zum Ausgangspunkt, wo in westlicher Richtung ein Wegweiser (wegen des Nebels) von uns übersehen wurde. Dieser weist die Golica-Hütte mit fünf Stunden Gehzeit aus. Wir sind dementsprechend flott, denn die Wegbeschaffenheit gibt es her und trotzdem haben wir am nächstfolgenden Wegweiser 15 Minuten Zeitverzug. An der verfallenen Hütte unterhalb des Bärensattels / Medvedjak (1.696 m) machen wir eine zehnminütige Eßpause. Es fängt an zu regnen und unsere Regencapes kommen zu ihrer Premiere. Der Regen ist jedoch „harmlos“.
Beim Passieren der Holzhütte Belska planini Svečica (1.682 m) schlägt das Wetter plötzlich um. Einsetzender Starkregen geht wenig später in Hagel über und genau über uns entlädt sich ein Blitz mit scheppernden Krachen. Wir rennen zur Hütte zurück, um uns unter dem Vordach unterzustellen. Wir werden von zwei älteren Leuten hereingebeten und bekommen Schnaps und heißen Tee von ihnen. Eine Bezahlung dieser „Sofortmaßnahme“ bzw. „Hilfsaktion“ lehnen sie ab. Wir besprechen mit ihnen die verbleibenden zwei Stunden Wegstrecke zur Golica-Hütte, denn diese müssen wir irgendwie optimieren. Das Gewitter ist nach 45 Minuten durch, der Regen hat deutlich nachgelassen - 16:30 Uhr bedanken wir uns höflich und brechen auf. Im Stechschritt geht es bergab, der Himmel hellt nach und nach auf und vor uns erkennen wir in größerer Entfernung unser Tagesziel am kahlen Hang des Kahlkogels / Golica (1.836 m). Wir nehmen einen etwas längeren, dafür einfacheren Weg mit ein paar Höhenmetern mehr. Daher können wir auch über eine halbe Stunde herauslaufen, was uns auf dem (fast parallel verlaufenden) Original nicht gelungen wäre. Kurz vor 18 Uhr erreichen wir die Kahlkogelhütte / Koča na Golici (1.582 m), ohne noch einmal eingeweicht worden zu sein.
Eine Reservierung für die Hütte haben wir nicht, doch das spielt keine Rolle, denn wir werden die einzigen Übernachtungsgäste (im Sechs-Bett-Zimmer untergebracht) sein. Abends werden Krainer Würste bzw. Bohneneintopf aufgetischt und wir unterhalten uns recht lange mit dem jüngeren der beiden Hüttenwirte. Er erzählt von seinen Klettereien im Eis und zeigt uns seine dabei erworbenen Verletzungen. Das Wetter vor der Tür ist bestens - der Hochstuhl in der Ferne strahlt im Abendsonnenlicht, nur die Julischen Alpen wollen ihren Wolkenvorhang nicht ablegen.
Talblick von der Hütte - die tiefhängenden Wolken sind wieder da
Planinski dom na Zelenici (1.536 m)
Himbeerplantage oberhalb Zelenica / Blick in den Talkessel Šija (1.693 m)



Orlice-Kar / Wiederherstellung eines Steinmännchens
Hochstuhl / Stol (2.236 m), Stempelstelle und Gipfelbuchkassette
Gipfelkreuz und Grenzstein (unterhalb des höchsten Punktes)
Vom Kleinstuhl / Mali Stol (2.198 m) zur Hütte
Prešernova koča na Stolu (2.174 m)
Der SPP führt über den Grat, das Valvasorjev dom ist eine Ausweichroute
Einzig nach Norden (Österreich) gibt es etwas Tal zu Gesicht
Noch ist es trocken
Belski planini (1.700 m) mit unserer Schutzhütte für das Gewitter
Sofortmaßnahme der Hüttenleute
Belska planini Svečica (1.682 m) - im "normalen" Regen brechen wir wieder auf
Blick zum Kahlkogel / Golica
Wegweiser zur Kahlkogelhütte
Kahlkogelhütte / Koča na Golici (1.582 m)
Als einzige Gäste auf der Hütte
Abendlicher Talblick von der Hütte
Hochstuhl ohne Bewölkung
Sloweniens bester Eishockeyspieler Anze Kopitar mit dem Stanleycup an der Koča na Golici (14.07.2014)
24.08.2025 / 8:15 Uhr / 18,51 km / 799 Hm+ / 1.740 Hm-
Koča na Golici - Hostel Špajza Mojstrana (641 m)
Wetter: 5°C - 25°C, bedeckt, windig; nachmittags sonnig
Um 6 Uhr endet die Nacht. Durch das Schlafzimmerfenster ist der Triglav zu sehen. Aufgrund seiner Höhe ist er der einzige Berg der Julier, der sein Haupt über der Wolkendecke erhebt. Das Frühstück ist recht karg, besteht aus einer „halben Portion“ mit Brot und Butter, dazu etwas Honig, Marmelade und Leberwurst, dazu eine Tasse Tee. Zu Beginn unserer Etappe steht der Stichweg zum Kahlkogel / Golicia (1.836 m) an. Mittlerweile ist die Bewölkung auch schon über diesen Abschnitt hergefallen und wir sind größtenteils in dieser grauen „Suppe“ unterwegs - dies wird sich auch für längere Zeit nicht ändern. Halb 9 sind wir auf dem Gipfel angelangt. Nur in Richtung Österreich reißt der Wolkenvorhang kleine Sichtlücken für uns auf, der Rest um uns ist im Einheitsgrau „unsichtbar“. Die Gipfelrast beträgt daher nur 15 Minuten.
Am südlichen Teil des Gipfelplateaus erinnern eine Tafel und die noch vorhandenen Grundmauern an die ehemalige Kadilnikova koča na Golici. Sie entstand 1905 als „Antwort“ der gekränkten Slowenen auf den Bau der Deutschen Hütte am heutigen Standort der Kahlkogelhütte. Diese wurde 1892 vom D.u.Oe.A.V. erbaut, nach dem I. Weltkrieg in Untere Hütte / Spodnja koča umbenannt und am 13. Juni 1943 (zusammen mit der Kadilnik-Hütte) von Partisanen niedergebrannt. Während die am Gipfel befindliche, nach dem Bergsteiger und Wohltäter (er steuerte das Vermögen von 7.000 Kronen zum Hüttenbau bei) Franc Kadilnik (1825 - 1908) benannte Hütte nicht wieder aufgebaut wurde, beschloß man 1979 auf dem Fundament der ehemaligen Deutschen bzw. Unteren Hütte einen modernen Neubau. Dieser wurde zwischen 1982 und 1984 realisiert und zum 60-jährigen Sektionsjubiläums am 3. Juni 1984 feierlich eröffnet.
Ab 9:10 Uhr setzen wir unsere Tour an der Hütte fort. Wir schultern nun unsere schweren Rucksäcke, die wir für den Golica im Gastraum zurückgelassen hatten. Es pfeift ein recht frischer Wind und alles ist wolkenverhangen. Die Wege sind glitschnaß und von Schafen und Kühen zertrampelt - wenigstens gibt es heute wieder Himbeeren en masse. Die Wegfindung ist trotz guter Ausschilderung an manchen Stellen schwierig, weil die Sicht zu eingeschränkt ist. Am Hang des Hahnkogel / Klek (1.753 m) übersehen wir die spärliche Bodenmarkierung und folgen irrtümlich einem Trampelpfad talwärts. Die fehlende weitere Markierung macht uns stutzig und läßt uns umkehren. Am Rosenbachsattel / Rozca (1.586 m) fehlt die Markierung bis zum Rosenkogel / Hruški vrh (1.776 m) ganz. Der unmarkierte Pfad folgt jedoch dem slowenisch-österreichischen Grenzverlauf, biegt allerdings (laut Kartenmaterial aus dem Führer) im letzten Drittel dieses Teilabschnitts von der Grenzlinie linkerhand ins (slowenische) Gelände ab. Nun tappen wir ganz schön im Dunklen (Grau) - Weg, Pfad, Wildwechsel: immer wieder muß die vorgefundene Situation neu bewertet werden. Unser Gespür ist erstaunlicherweise recht gut, denn 11:30 Uhr sind wir am Rosenkogel angelangt, wo nur eine hölzerne Kleinstausführung einer Kapelle (Kapelle des Hl. Isidor / kapelica sv. Izidorja) zu finden ist. Sicherlich ist dies auch ein schöner Aussichtsberg, nur eben nicht heute.
Wenig später, man glaubt es kaum, findet man wieder einen Wegweiser, zudem mit der „1“ (1.740 m / „Dovje 2h 30 min“). Man sieht weiterhin die Hand vor Augen kaum. Ute hat die Kälte, der Wind und das beschwerliche Vorankommen auf den zerlatschten Kuhweiden schon ordentlich zugesetzt, als plötzlich „am Bildrand“ mehrere Personen auftauchen. Bei genauerem Hinsehen werden zudem Gebäudeumrisse sichtbar. Wir erreichen pünktlich zur Mittagszeit die Alm Planina Dovška Rozca (1.652 m). Wir gesellen uns zu den Wanderern, bestellen heiße Getränke (Tee und Kaffee) und bekommen noch (sicherlich als Sofortmaßnahme gegen Utes katastrophalen Zustand) drei Stücken warmen Apfelstrudel serviert. „Geschenkt!“, so die kurze Ansage zum nicht eingeplanten Mittagsmahl. Halb eins steigen wir (sichtlich erholt) ins Tal ab. Rund 1.000 Höhenmeter geht es runter, teilweise recht steil durch den Wald. Die Bewölkung reißt nach und nach auf und so kommen wir sogar bei unserer Talfahrt ins Schwitzen.
Um 14 Uhr erreichen wir das Bergsteigerdorf Lengenfeld-Meistern / Dovje-Mojstrana (640 m), welches durch die Wurzener Save / Sava Dolinka getrennt ist. Vom Karawankenkamm (Dovje) wechseln wir mit der Flußseite in die Julischen Alpen (Mojstrana). Nun fehlt uns nur noch ein Quartier für die Nacht, welches nach intensiven Bemühungen von Ute, gleich neben dem Slowenischen Alpin-Museum / Slovenski planinski muzej dingfest gemacht wird. Ein Acht-Bett-Zimmer in einem Hostel ist unsere Bleibe (u.a. mit zwei Australiern, die seit vier Monaten durch die Balkanländer radeln). Wir duschen, waschen unsere Klamotten und besuchen das Museum, welches in anderthalb Stunde abgehakt ist. Interessante (historische) Ausstellungsstücke sowie Film- und Tonbeiträge zur Alpingeschichte Slowenien sind dort zu begutachten. Der Abend klingt in der hosteleigenen Pizzeria aus. Während an den Nachbartischen der Durchschnittstourist an der Größe der servierten Italienertorte kapituliert, genehmigen wir uns gleich drei der belegten „Wagenräder“. Da staunt selbst die Bedienung nicht schlecht. Gäbe es hier einen „Walk of Fame“, würden unsere Namen dort verewigt, so bleibt uns nur der mündlich verliehene Heldenstatus bei den Wirtsleuten.
Stichweg zum Golica (ohne Rucksack)
Kahlkogel / Golica (1.834 m)
Eintrag ins Gipfelbuch
Blick auf die österreichische Seite des Kahlkogels
Das könnte man auf der slowenischen Seite sehen
Standort der ehemaligen Kadilnik-Hütte am Kahlkogel-Gipfel
Kadilnikova koča (Bild aus der Gaststube der Koča na Golici)
Wenig sehen, tut man viel
Im Wald ist die Wegführung meist "klar"
Vorbildliche Markierung auf dem Boden (sogar mit der "1")
Auch hier kommen keine Zweifel an der Wegführung auf
Rosenkogel / Hruški vrh (1.776 m)
Endlich mal wieder ein Wegweiser!
Planina Dovška Rozca (1.652 m)
Abstieg nach Dovje - das Wetter spielt nun auch mit
Slowenisches Alpin-Museum / Slovenski planinski muzej
Ausstellungsstücke im Museum
Hüttenstempelsammlung von August 1939
Historische Triglav-Stempel
Unser Quartier (neben dem Museum): Hostel Špajza
Vorspeise
Nachtisch
25.08.2025 / 7:00 Uhr / 16,76 km / 1.727 Hm+ / 36 Hm-
Hostel Špajza Mojstrana - Dom Valentina Staniča pod Triglavom (2.332 m)
Wetter: 4°C - 10°C, leicht bewölkt
Ab 5:30 Uhr versucht Ute für die nächsten zwei Tage die Übernachtungen „am Triglav“ zu buchen, nachdem dies am Vorabend mit einer Reservierung auf der Kredarica-Hütte (immerhin bei 350 Betten) krachend per Portal und E-Mail-Anfrage gescheitert war. Zur Auswahl gibt es noch drei weitere Hütten, die aber auch nicht an mangelnden Interesse zu leiden haben. Nach einer Stunde Schwerstarbeit am Telefon (Hüttenportal, mit Vorkasse) ist der Triglav gesichert. Für heute Abend ist das Stanič-Haus und für den Folgetag die Dolič-Hütte als Schlafplatz gesichert.
Bevor wir uns ins Vrata-Tal aufmachen, müssen wir noch dem örtlichen Supermarkt (im unteren Teil Mojstranas) einen Besuch abstatten, der am gestrigen Sonntag geschlossen hatte. Die dringend benötigte Weg- und Sofortzehrung besteht aus Wasser, Cola, Kaffee, Trinkjoghurt, Iso sowie Waffeln, Croissants und Schokolade. Um 8 Uhr passieren wir das Bergsteigermuseum, von dem es (auf dem Wanderweg entlang der Triglavska Bistrica) 3 bis 3:30 Stunden bis zum Aljez-Haus (dem Ausgangspunkt der Triglav-Unternehmungen) sind.
Unweit des Ortsausgangs treten wir in der 840 Quadratkilometer großen Triglav-Nationalpark / Triglavski narodni park ein. Die vor uns liegenden, rund zehn Kilometer mit knapp 350 Metern im Anstieg, sind trotz etlicher Straßenabschnitte, recht kurzweilig. Vor einem der wenigen Wohnhäuser informieren mehrere "Ausstellungsstücke" über das Wirken des slowenischen Berglaufpioniers Franci Teraz (* 1963). Nach knapp der Hälfte der Strecke passieren wir den Peričnik-Wasserfall an der gleichnamigen Hütte (750 m). Kurz darauf verläuft der Weg unter den (einst vom Bach in den Stein gefressenen) Felsüberhängen, sogenannten Galerien, entlang. Um 10 Uhr erreichen wir das Aljaz-Haus / Aljazev dom v Vratih (1.015 m). Wir holen uns hier nur unseren Stempelbeleg und sind kurz darauf im Anstieg zur Triglav-Nordwand / Triglavska severna stena. Sie gehört mit ihren Abmessungen von 3.000 mal 1.500 Metern zu den größten Wänden der Ostalpen, an deren Rand wir uns heute nach oben mogeln müssen. Anfangs folgen wir dem gemütlichen Weg Richtung Luknja, welcher bald darauf über das Bachbett zu besagter Wand führt. Der Ausschilderung Prag (slowenisch für Schwelle) folgend, steigen wir in die Touristenvariante der Nordwand ein. Es geht natürlich steil (aber immer ausreichend gesichert) nach oben, zwischendurch ist dieses Vertikal mit einer gemütlichen Querung kurzzeitig entschärft. Der Helm ist mittlerweile auf dem Kopf und vor einem (vielleicht 15 bis 20 Meter hohen) „Kamin“ legen wir uns zusätzlich den Gurt um die Hüften. Drei Kroaten (die wesentlich jünger und durchtrainierter als wir sind) tuen es uns gleich, verlieren aber im weiteren (leichteren) Aufstieg deutlich mehr Zeit. Ab dem Zusammentreffen mit dem Tominškova pot wird der Weg zum Gehgelände, unter der Felswand des Begunjski vrh (2.461 m) wartet ein angenehmer Geröllabschnitt.
Um 14 Uhr sind wir an unserem Alternativquartier, mit der Adresse Triglavska cesta 94 angekommen. Die Stanič-Hütte / Dom Valentina Staniča pod Triglavom (2.332 m) liegt eine Stunde vor der Kredarica-Hütte, dem Tagesziel von Etappe 19 im Führer. Die nach Valentin Stanig (1774 - 1847), einem slowenischen Geistlichen und Bergsteiger (u.a. Erstbesteigung der Watzmann-Mittelspitze) benannte Hütte wurde am 30. Juni 1887 als Deschmann-Haus eröffnet. Karl Deschmann (1821 - 1930) war u.a. Naturwissenschaftler und Präsident der Sektion Krain des D.u.Oe.A.V., die den Bau der Hütte umsetzte. Nach dem I. Weltkrieg bekam das Haus den Namen Stanigs. Es wurde nach umfangreichen Erweiterungen am 25. August 1963 (also vor genau 62 Jahren!) neu eröffnet. In den Jahren 1964 bis 1970 erfolgten weitere Modernisierungsarbeiten und 1989 wurde es für einen neuen Schlafsaal aufgestockt.
Wir haben genügend Zeit und könnten jetzt noch einem der umliegenden Berge einen Besuch abstatten. Doch wir beobachten lieber das Treiben am gegenüberliegenden Triglav und die Betreuung einer Gruppe des JDAV neben der Hütte. Ab 17 Uhr wird das Abendessen ausgeteilt - für uns gibt es Gulasch mit Spaghetti, als Nachtisch Eierkuchen mit Nutella. Um 17:45 Uhr geht es für uns in die Falle. Wir haben in einem Zwölf-Bett-Zimmer die Fensterplätze (mit Blick zum Triglav) ergattert. Wir quatschen noch, da das Telefon im Gang noch an der Ladesäule hängt. Doch 19:45 Uhr gehen dann die Lichter (zumindest bei uns beiden) aus.
Am Ortsausgang von Mojstrana (ins Vrata-Tal)
Triglav-Nationalpark / Triglavski narodni park
Peričnik-Wasserfall / Slap Peričnik
Galerie oberhalb der Triglavska Bistrica
Aljazev dom v Vratih (1.015 m) mit dem Triglav
Blick vom Vrata-Tal auf die Nordwand des Triglavs
Nein! Über Prag? Da sind wir doch herzu mit dem Bus durchgefahren.
Jetzt müssen auch die Hände wieder verstärkt ins Geschehen eingreifen
Eine stabile Kopfbedeckung gegen Steinschlag ist ratsam
Ute "im Vorstieg"
Blick zurück ins Vrata-Tal
Im oberen Teil des Prag-Weges
Über dem links befindlichen Grün stößt der Tominškova pot auf den Prag-Weg
Blick zum Luknja-Sattel
Tominškova pot + cez Prag / Abzweig zum Dom Valentina Staniča oder zur Kredarica
Tagesziel erreicht!
Dom Valentina Staniča pod Triglavom (2.332 m)
Abendessen
Sonnenuntergang am Triglav
26.08.2025 / 7:15 Uhr / 7,70 km / 782 Hm+ / 963 Hm-
Dom Valentina Staniča pod Triglavom - Koča na Doliču (2.151 m)
Wetter: 8°C - 15°C, sonnig; nachmittags bedeckt
Heute steht nun endlich die Besteigung des Triglav an, welche wir im Vorjahr (aufgrund eines Gewitters) sausen lassen mußten. Das Wetter meint es diesmal richtig gut mit uns, denn es sind keinerlei Wolken am Himmel sichtbar - diese meteorologische Vorgabe dürfte im Normalfall bis zum Gipfelerfolg Bestand haben. Kurz nach 5 Uhr habe ich schon die ersten Stirnlampenlichter auf dem Gipfel und dem Grat wahrgenommen, trotzdem ist in der Hütte noch keine zu große Aufbruchstimmung wahrzunehmen. Erst ab 6:30 Uhr wird das Frühstück serviert, welches die meisten Übernachtungsgäste mit ihrer Halbpension bezahlt haben. Für uns gibt es Rührei mit Schinkenstreifen und Brot, dazu die obligatorische Tasse Tee. Ab 7 Uhr ergießt sich dann auch von der Stanič-Hütte der Strom der Triglav-Ersteiger. Der Steig zum Triglavhaus (Kredaricahütte) / Triglavski dom na Kredarici (2.515 m) ist laut Wegweiser mit einer Stunde auf sehr schwierigem Weg (Dreieck mit Ausrufezeichen) angeschrieben. Man läuft jedoch ganz bequem und hat nur am Felsendurchbruch nach dem Rz (2.538 m) eine etwas weglose Passage, welche jedoch mit genügend Eisen abgesichert ist.
Kurz vor 8 Uhr erreichen wir das riesige Gebäude unterhalb des Kredarica (2.539 m), welches derzeit noch (an)gebaut wird. Über 300 Betten stehen hier zur Verfügung, allerdings ist diese Hütte permanent ausgebucht - so auch für den kompletten nächsten Monat. Während ich die Stempelei unserer Utensilien im Innenraum übernehme, legt Ute schon mal die Helme und Hüftgeschirre für den Gipfelanstieg parat. Währenddessen kreist über der Hüttenbaustelle ein Hubschrauber, der nicht nur Staub aufwirbelt, sondern auch meinen bereitliegenden Helm vom Tisch weht.
Um 8:15 Uhr stürzen wir uns ins Getümmel, schließlich will jeder Slowene den Triglav in seiner Vita mit unterbringen - die technischen Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gegeben, denn alpine Fertigkeiten sind beim Bezwingen kaum von Nöten und Gefahren wurden durch übermäßige Sicherungen nahezu ausgeschlossen. Wie schrieb Josef Aichinger (1855 - 1919) im Jahrbuch des D.u.Oe.A.V. von 1909 so passend: „Und doch mußte es sich dieser königliche Berg gefallen lassen, daß die Menschen seine glatten Wände in eine Steintreppe verwandelten und seinen schmalen Grat mit Eisenstangen und Drahtseilen dermaßen bespickten, daß poesielose Leute den Vergleich mit einem Stachelschwein wagen konnten. Hier ist nicht der Ort, für oder gegen derartige Versicherungsanlagen Stellung zu nehmen, Tatsache ist es, daß ein früher nur wenigen zugänglicher, schwieriger Berg jetzt Tausenden eröffnet ist, denen es ehedem unmöglich gewesen wäre, seinen Scheitel zu erreichen. Ob dieser Gewinn die Verletzung seiner Ursprünglichkeit rechtfertigt, das ist eine Streitfrage, die jeder nach seinem Geschmack entscheiden mag. Mag das Urteil wie immer ausfallen, so wird doch keiner unserer Sektion Krain die Bewunderung für die großartigen Weganlagen versagen dürfen, durch die sie das Triglavgebiet erschlossen hat.“
Es geht hinab zum Kredaricasattel, um kurz darauf in den Klettersteig einzubiegen. Hier wurde wirklich nicht mit Metall gespart, man könnte demnach auch entsprechend schnell die steil nach oben gehende Route nehmen - wenn nicht so ein Gedränge herrschen würde. Sicherheit geht nun mal vor und das sollte man anderen auch zugestehen. Unsere minimalistischen Klettersteigsets tragen wir zur Zier nach oben - benutzt haben wir diese Zusatzsicherung nicht, da wirklich alle schwierigeren Stellen bestens verdrahtet wurden. Über den Rücken des Kleinen Triglav / Mali Triglav (2.725 m), wo die Route von Panika nach oben zieht, welche wir für den Abstieg verwenden werden, geht es nun ausgesetzt, aber gut mit „Handlauf“ gesichert dem Gipfel entgegen. Der weitläufige Gipfelaufbau, an dessen höchster Stelle (2.864 m) seit 1895 der Aljazturm / Aljazev stolp steht, ist gut besucht. Es ist 9:30 Uhr und wir stehen auf Sloweniens Nationalsymbol. Für das Gipfelbild vor dem Blechturm muß man anstehen, beim Gipfelstempel läuft es da entspannter ab. Das Wetter ist optimal und gewährt uns einen phantastischen Rundblick - das wäre uns am Vortag nicht passiert. Nach einer Stunde Pause steigen wir wieder ab. Es läuft recht zäh, doch wir akzeptieren die Situation geduldig. Wir nehmen nun den Abstieg an der Südseite und registrieren gegenüber im Anstieg vom Kredaricasattel einen riesigen Stau - die Truppe vom JDAV klickt sich da mittels Klettersteigset nach oben. Für einen, nach uns absteigenden älteren Slowenen kommentiere ich das Schauspiel mit „Hillary Step“ (dem berüchtigten Staupunkt unterhalb des Mount-Everest-Gipfels). Er muß herzhaft lachen und meint „Exactly.“ Auf unserer Abstiegsroute ist da bei weitem nicht so viel los und wir erreichen 12 Uhr die ehemalige Maria-Theresien-Hütte bzw. Alexandrov dom, die heutige Planika-Hütte / Dom Planika pod Triglavom (2.401 m).
Für eine anderthalb Stunde faulenzen wir auf der Wiese neben der Hütte, leben von unserer Rucksackverpflegung und dem 7-Euro-Hütten-Bier. Mittlerweile sind Wolken aufgezogen, in die sich der Triglav zurückgezogen hat. Unser weiterer Weg führt nun südwestlich um den Šmarjetna glava (2.358 m) herum zur Dolič-Hütte / Koča na Doliču (2.151 m), welche wir 14:45 Uhr erreichen. Hier haben wir schon einmal im Vorjahr genächtigt und eins sticht dem aufmerksamen Betrachter sofort ins Auge: die Außen-Plumpsklo haben neue Holztüren. Sonst scheint alles beim Alten geblieben zu sein - das Bier stabil bei 7 Euro und die Schlafplätze werden ab 16 Uhr zugewiesen, zudem gibt es so gut wie kein Wasser.
Wir unterhalten uns auf der Terrasse der Hütte mit dem Niederländer Luuk und der Mexikanerin Alejandra, die eine Dreiviertelstunde nach uns die Unterkunft erreichen und ebenfalls den SPP machen, ihn aber wesentlich lockerer interpretieren. Sie lassen schwere Abschnitte aus und wollen das Ganze nur grob absolvieren. Beide hatten wir schon an unserem zweiten Tag (Pesek-Hütte) gesehen und auf dem Krainer Storschitz mit ihnen kommuniziert. In der voll besetzten Gaststube lotsen wir zum Abendbrot (für mich gibt es zwei Krainer Würste mit reichlich Senf und Brot, dazu einen Eierkuchen; Ute entscheidet sich für Eintopf mit Brot und zwei Eierkuchen) Melissa und Jack aus Singapore an unseren Minitisch, weil sie keinen Platz mehr finden. Auch mit ihnen kommen wir schnell ins Gespräch und erfahren, daß Jack u.a. beim Atacama Crossing (250 km) in der gleichnamigen chilenischen Wüste teilgenommen hat. Er hat allerdings ein ernsthaftes Schuhproblem, welches der Hüttenwirt zu lösen versucht. Er kann unmöglich mit seinen Latschen, die mittels mehrlagigem Paketklebeband die Schuhsohlen am übrigen Schuhtorso fixieren, den Triglav besteigen wollen. Ein „Desaster“, meint der Hüttenwirt und händigt ihm (leihweise) ein paar neue Treter aus. Der Abend klingt mit kurzweiliger Unterhaltung aus und um 20:45 Uhr ist Zapfenstreich im voll belegten Sechs-Bett-Zimmer.
Der Triglav empfängt die ersten Sonnenstrahlen
Eines der wenigen Bilder, die heute vom Triglav geschossen werden ;-)
Auf dem Weg zur Kredarica, im Hintergrund der Rjavina (2.532 m)
Das Wetter gibt die Vorlage zum Gipfelerfolg
Am Rz sind genügend Sicherungen verbaut
Voller Tatendrang
Blick zum Razor (Bildmitte) - Bestandteil des Slowenischen Höhenweges
Mali Triglav (li.) und Triglav (re.)
Nicht jeder kommt hier zu Fuß hoch
Triglavski dom na Kredarici (2.515 m)
Hütte im Umbau
Blick von der Kredarica nach Osten, auf die bisher von uns durchstreiften Gebirgszüge
Einstieg in den Aufstieg / Blick zurück zur Kredarica
Wegfindung einfach gemacht
Fenster im Triglav-Fels unterhalb des Gipfels

Der Grat ist stellenweise recht breit
Der Schlußanstieg am Grat
Triglav (2.864 m) mit Aljazev stolp und Gipfelstempel auf der verschlossenen Kassette (ohne Gipfelbuch)
Mit uns ein ehemaliger Europapokalteilnehmer und derzeit ambitionierter Viertligist "ganz oben"
Zum Glück gerät der Gipfel auch bei größerem Interesse nicht an seine Kapazitätsgrenze
Jol di Montasio, Veliki Ozebnik, Jalovec, Mangart, Visoka Ponca, Prisank, Razor, Bovški Gamsovec und Dolkova špica (v.l.n.r.)
Bovški Gamsovec, Dolkova špica, Škrlatica, Veliki Oltar (in Wolke) und Dovški kriz (v.l.n.r.) über dem Vrata-Tal
Vrata-Tal (li.) mit Cmir (Bildmitte), Begunjski vrh und Visoki Vrbanova špica (re. daneben) und Rjavina (ganz re.)
Rjavina, Rz, Kredarica und Mali Triglav (vorn v.l.)


Blick ins Soča-Tal (re. der Bildmitte)
Abstieg zur Planika-Hütte (Bildmitte)
Talblick: li. von Ute der Cmir (2..393 m) und der Begunjski vrh (2.461 m), re. der Rjavina (2.532 m)
Wolken ziehen auf (und erleichtern somit den "Abschied" vom Gipfel)
Am Mali Triglav biegen wir ins Zgornja Ledina ab
Blick hinüber zum "Hillary Step" der Normalroute von der Kredarica-Hütte
Ein Handlauf erleichtert den Gang nach unten
Dom Planika pod Triglavom (2.401 m)
Die Wolken drücken nun schon auf die Planika-Hütte
Weg zum Dolič-Sattel
Mit Steinen verzierte Wiese am Šmarjetna glava
Dolič-Sattel (2.164 m): Beschilderung des Triglav Trail Runs vom Wochenende
Koča na Doliču (2.151 m)
Speisekarte in der Dolič-Hütte
Preislisten
Abendstimmung an der Dolič-Hütte
27.08.2025 / 8:15 Uhr / 9,06 km / 907 Hm+ / 1.008 Hm-
Koča na Doliču - Pogačnikov dom na Kriških podih (2.050 m)
Wetter: 7°C - 16°C, bewölkt; mittags sonnig; abends bedeckt, Regen
Für die nächsten Tage hält der Wetterbericht nichts Gutes für uns bereit. Eventuell kommt heute Abend schon die Regenfront oder doch erst morgen ab dem Mittag. Ein Abbruch unseres Höhenweg-Abenteuers scheint nicht mehr zu vermeiden. Für heute steht mit der Überschreitung des Bovški Gamsovec’ eine (teils) schwarze Tour an, weiter ginge es mit Razor (schwarz) und Prisank (schwarz). Allesamt bei Nässe (dazu noch Gewitter) unmöglich machbar. Wir könnten nun über den Luknjasattel nach Mojstrana absteigen, um bei einer Fortsetzung der Wanderung dort wieder einzusteigen. Wir könnten aber auch die Etappe ganz normal zu Ende gehen, um bei Schlechtwetter nach Trenta ins Tal gehen. Bestenfalls gelänge uns noch am Folgetag (bei Trockenheit) das Absolvieren des Razors und ein Abstieg bis ins Mlinarica-Tal, ab dem es bis zum Werschetzpaß / Vršič nicht mehr allzu schwer (und auch bei Regen machbar) wäre. Den Prisank müßte man dann separat von einer der Hütten am Werschetz aus machen (wenn wir wieder neu in den Kurs einsteigen).
Doch erstmal der Reihe nach: ab 5 Uhr machen sich die ersten Triglav-Gänger bereit, wir können aber noch eine Mütze Schlaf nachschieben, denn 7 Uhr gibt es erst das Frühstück, welches hier nicht zu üppig ausfällt. Ein Rührei ohne Speck garantiert zwei Scheiben Brot, mit Speck nur eine Scheibe - wir entscheiden uns daher für die doppelte Brotration. Eine Tasse Tee rundet das karge Mahl ab. Man kann aber nachbestellen: eine Scheibe Brot (die Größe ist dabei willkürlich) kostet einen Euro, 20 Gramm Butter immerhin zwei Euro, der Kaffee zwischen 3 und 3,50 Euro und der Liter abgekochtes Regenwasser 4,50 Euro. Wenigstens ist der obligatorische Fototermin mit Steinbock und Gams vor der Hütte (noch) nicht gebührenpflichtig. Ebenso der Blick auf die bizarre Wolkenschicht, die sich unter uns im Tal festhält.
Auf dem für militärische Zwecke angelegten Weg gehen wir talwärts, um danach zum Luknjasattel / Luknja sedlo (1.758 m) aufzusteigen. Punkt 10 passieren wir die Scharte zwischen Triglav- und Škrlatica-Gruppe. Wir pausieren nicht, da uns hier ein recht ordentlicher Wind um die Ohren pfeift, und biegen in den Anstieg zum Bovški Gamsovec nach links ab. Kurz nach uns werden drei Burschen auf der Gegenseite den Triglav in Angriff nehmen. Er ist auf dem Wegweiser am Paß (Bambergweg, über Plemenice) mit fünf Stunden angeschrieben. Während unseres Aufstiegs beobachten wir die drei und fragen uns ständig in welchem der Bänder es für sie weitergeht. Die Größenverhältnisse machen dabei den Reiz für den Betrachter aus - drei Männeln, kaum wahrnehmbar, und dann diese monströse Wand, an deren Rand sie agieren! Bald haben wir sie aus unserem Blickfeld verloren. Doch wir haben mit uns selbst genug zu tun. Der Aufstieg ist verhältnismäßig leicht und nur im oberen Teil mit „hellrot“ (etwas schwierig) zu bewerten, und doch kommen wir nur langsam voran.
Eine anderthalb Stunde nach dem Luknja stehen wir (allein) auf dem Bovški Gamsovec (2.392 m) und genießen die Rundumsicht - alle hohen Berge (Pihavec, Planja, Razor, Stenar, Kriz, Cmir, Begunjski vrh, Rz, Triglav, Kanjavec, u.v.a.) sind dabei sichtbar. Vom Trentatal zieht jedoch immer stärker werdende Bewölkung nach oben. Nach einer Stunde Gipfelrast steigen wir ab. Eine kurze „schwarze“ Passage ist mit Stahlgriffen bzw. -tritten gesichert und eine Engstelle durch den Fels wird nur durch die Rucksackbreite interessant. Das hier viele Steinböcke unterwegs sind, wissen wir vom Vorjahr. Auch heute sehen wir sie gelangweilt in der Gegend herumliegen. Einer von ihnen ist dann mal so nett und präsentiert sich uns äsend am Wegesrand. Ab dem Paß des Dovška vratca (2.180 m) kennen wir den Weg wieder, da wir ihn 2024 in der Gegenrichtung gingen. Auf der Kriška-Alm tummeln sich zudem wieder allerhand Paarhufer an der Salzleckstelle und 13:45 Uhr stehen wir vor unserer Bleibe für die kommende Nacht - die Pogačnik-Hütte / Pogačnikov dem na Kriških podih (2.050 m). Sie ist benannt nach dem Leiter der Alpenvereins-Wirtschaftskomission Joze Pogačnik (geb. 1927), der beim Bau der damaligen Radovljiski dom pri Kriških jezerih mit seinem außergewöhnlichen Wissen als Berater mitwirkte. Auf dem Weg zur Eröffnung der Hütte starb Joze Pogačnik am 7. Oktober 1951 im Mlinarica-Tal. So wurde die Entscheidung getroffen, die Hütte nach ihm zu benennen.
Mittlerweile hat die aufziehende Bewölkung auch die Hütte komplett gefressen. Wir verziehen uns daher nach dem Feierabendbier ins Innere. Beim Hüttenbucheintrag werden wir fündig, denn am 28.08.2024 ist unsere vorjährige Tour vermerkt, welche wir morgen (also genau ein Jahr später) in der Gegenrichtung (mit dem Zusatz Razor- und eventuell Prisank-Besteigung) erledigen müßten - wenn sich da nicht das Wetter so querstellen würde. Für die nächsten drei Tage ist Regenwetter vorhergesagt, da können wir den Wetterbericht drehen und wenden, wie wir wollen. Auch massig ausliegende Bergliteratur (in slowenischer Sprache) hilft uns nur bedingt weiter. Aus dem Standardwerk des PZS zu den östlichen Julischen Alpen („Julijske Alpe - Vzhodno od Soče in Pišnice“ - ISBN 978-961-6870-73-3) können wir uns wenigstens detaillierter über die zu erwartenden Schwierigkeiten am Razor und Prisank informieren.
Pünktlich zum Abendessen (Spaghetti Bolognese, dazu Apfelkuchen) setzt 18:30 Uhr Regen ein - damit ist der Plan mit dem Razor so gut wie zu den Akten gelegt. Hoffnung macht einzig der straffe Wind vor der Hütte, der die regenverursachenden Wolken weg- und das Gestein trockenbläst. Im gutbesuchten Gastraum herrscht generell Ratlosigkeit, was die nächsten Tage betrifft. Bergbesteigungen (der Weg zum Pihavec ist sowieso gesperrt) verbieten sich regelrecht - bleibt nur der Abstieg ins Tal. Nach welcher Seite wir diese traurige Option wählen, wollen wir morgen früh entscheiden. Wir ziehen Bilanz und so habe ich (laut unserer Coros-Aufzeichnungen) folgende Zahlen (seit dem 08.08., 4:45 Uhr) zu bieten: 625.063 Schritte ergeben 319,85 Kilometer mit 23.303 Höhenmetern im Anstieg, dabei wurden 72.445 Kilokalorien verbrannt. Um 21:15 Uhr begeben wir uns ins Schlafgemach, indem wir auch schon im Vorjahr genächtigt hatten: das Zehn-Betten-Zimmer „Planja“, welches nur einen freien Platz aufweist.
Frühstück oder "unterlassene Hilfeleistung"?
V.l.n.r.: Doppelgipfel Planja, Razor, Pihavec und Bovški Gamsovec
Weil's so schön ist, gleich noch einmal der Talblick
Abstieg von der Dolič-Hütte
Aufstieg zum Luknja bedeutet (anfangs) Abstieg gen Trenta
Aufstieg zum Luknja auf einem alten Militärweg
Blick zum Doppelgipfel des Kanjavec
Aufstieg zum Bovški Gamsovec
Blick zur Nordwand des Triglav
Gipfel des Bovški Gamsovec (2.392 m), im Hintergrund der Razor
Blick vom Bovški Gamsovec zum benachbarten Pihavec
Blick zu Planja (li.) und Razor (re.)
Abstieg vom Bovški Gamsovec
Gut gesicherter Abstieg - bei dem es trotzdem eng werden kann
Abstieg zur Scharte Dovška vratca
Steinbock
Im Abstieg von der Scharte Dovška vratca zur Pogačnik-Hütte
Gut besuchte Salzleckstelle unterhalb der Hütte
Pogačnikov dom na Kriških podi (2.050 m)
Gastraum der Hütte (auf dem Gemälde Joze Pogačnik)
Innovative WC-Türverriegelung
Abends vor der Hütte (im Hintergrund ist der Lastenaufzug erahnbar)
28.08.2025 / 9:30 Uhr / 14,08 km / 280 Hm+ / 1.536 Hm-
Pogačnikov dom na Kriških podih - Kehre 49 nahe Kugyjev spomenik (794 m)
Wetter: 5°C - 15°C, bedeckt, morgens Regen
Kurz vor 6 Uhr ist die Lage vor der Hütte noch unklar, in welche Richtung das Wetter heute ausschlägt. Es ist „bewölkt“, sprich man kann seine Hand erblicken, wenn man sie nah genug vors Gesicht hält. Kurz darauf ist dann auch die letzte Hoffnung weg, denn Regen trommelt gegen die Hüttenfenster. Damit hat sich der Gang ins Tal über den Dovška vratca für uns erledigt, da dort einige Felsstufen zu überwinden sind. Bleibt nur noch der unbekannte Weg nach Trenta, für den sich letztendlich alle anwesenden Hüttengäste entscheiden werden. Die Frage ist nur: Wann?
Jetzt haben wir alle Zeit der Welt, um unser Frühstück zu genießen. Es gibt Scrambled Eier (wie es im Vorjahr ein Gast so schön formulierte - und diese besondere Form des Denglisch bleibt natürlich hängen) mit Brot, dazu nehmen wir Kaffee und je eine Isotonic-Büchse. Derweil hat das Wetter noch eine Schippe draufgelegt und pocht nun mit aller Vehemenz (durch Starkregen und Sturm) auf einen Abbruch unserer Unternehmung. Wir haben es verstanden, warten nur noch einen günstigeren Moment zum Talmarsch ab.
Halb 10 tauchen wir (gut verpackt) im Nebel vor der Hütte ab. Ein wirklich sehr bequemer Weg führt uns nun durch die Wolkenschicht (laut Wegweiser in vier Stunden) nach unten. Ab und zu kann man dabei schon den Talgrund erblicken. Der Regen wird weniger und im Zadnjica-Tal / Dolina Zadnjica treffen wir wieder auf die Knafelc-Markierung mit der „1“. Doch dieser Abschnitt (zur Zasavska koča na Prehodavcih) ist erst nächstes Jahr dran und ein Einsteigen in die Runde verbietet sich einfach für uns, da wir alles der Reihe nach abwandern wollen. Ab hier sind die alpinen Abschnitte der Transversale geschafft, die Wanderungen werden dann wieder mehr Wandern als Klettern sein. Luuk und Alejandra nutzen diese Option, verpassen dadurch allerdings die richtig anspruchsvollen „Wanderungen“ der Razor-Prisank-Gruppe und den „very difficult trail“ auf den Jalovec. Doch das ist Zukunftsmusik für uns.
Nach drei Stunden Abstieg versorgen wir uns im Trentaer Tante-Emma-Laden / majhna trgovina z mešanim blagom (624 m) mit Grundnahrungsmitteln zum Sofortverzehr. Im gegenüberliegenden Nationalparkmuseum / TNP Dom (SPP-Stempelstelle Nr. 51) holen wir uns keinen Stempel sondern nur die finalen Auskünfte zum zweimal täglich nach Kronau / Kranjska Gora fahrenden Bus ein (die grobe Planung dafür hatte Sohnemann Bruno von daheim getätigt). Dabei muß man genau wissen, wo der Bus auch hält, denn nicht überall stehen Buswartehäuschen dafür bereit. Mit etwas Glück ist ein Fahrplan vor Ort angebracht - mehr nicht. Um 16:01 Uhr fährt demnach der Bus in Trenta (Wo auch immer genau?) ab, um 16:10 Uhr würde er in der Nähe des Kugy-Denkmals / Kugyjev spomnik (SPP-Stempelstelle Nr. 50) halten. Mittels Karte und sehr gutem Deutsch erklärt uns der Rezeptionist des Museums den Haltepunkt, den wir in anderthalb Stunden Fußmarsch erreichen würden - es ist die Kehre 49 (von insgesamt 50) der Paßstraße über den Vršič.
Auf dem Sontig-Weg / Soška pot nehmen wir nun wiederum den SPP in Gegenrichtung unter die Füße, dabei geht es neben dem geschichtsträchtigen, glasklaren Gewässer des Sontigs / Soča flußaufwärts. Traurige Berühmtheit erlangte der Fluß unter seinem italienischen Namen (Isonzo) und der damit in Zusammenhang gebrachten zwölf Schlachten während des I. Weltkrieges. Kurz vor 15 Uhr erreichen wir das Julius-Kugy-Denkmal (823 m), von dem es nur noch wenige Meter auf der naheliegenden Paßstraße talwärts zu unserer Bushaltestelle sind. Und siehe da, die Haltestelle liegt genau in der Spitzkehre Nr. 49. Ein DIN-A-4-Blatt (geschützt in einer Prospekthülle) an einem Holzpfahl nimmt die letzten Zweifel - es ist der Busfahrplan. Eine Stunde haben wir nun noch Zeit, um uns frischere Klamotten anzuziehen und den Rucksackinhalt neu zu sortieren.
Pünktlich, auf die Minute, hält ein Mercedes-Kleinbus. Für (nur) 3,50 Euro pro Nase nimmt uns dieser auf einstündiger, kurvenreicher und nicht gerade fahrzeugschonender Fahrt ins gegenüberliegende Tal mit. Die Paßstraße wurde in den Jahren 1915 und 1916 von russischen Kriegsgefangenen als Nachschubweg für die Isonzoschlachten gebaut. Heute ist der Scheitelpunkt der Straße der höchste befahrbare Gebirgspaß Sloweniens. In Kranjska Gora angekommen, buchen wir für die nächsten zwei Nächte ein Hotelzimmer, füllen die leeren Ecken im Magen auf und beobachten weiterhin das Wettergeschehen am Razor und Prisank.
Endlich mal ein Wetterbericht der stimmt (Wetter-App iPhone)
Hüttenliteratur für den morgendlichen (wetterbedingten) Zeitvertreib
Ein "letzter Blick" - die Frisur sitzt!
Zum Glück wurde irgendwann einmal die Wegmarkierung erfunden
Hier müssen wir wieder in den SPP einsteigen - hoffentlich mit besserem Startbild!
Getrübter Talblick
Die Wolkendecke reißt auf
Abstieg nach Trenta
Kostengünstige slowenische Art der Felssicherung
Im Zadnjica-Tal treffen wir wieder auf den Slovenska planinska pot
Bergblick vom Nationalparkmuseum Trenta
Soča
Soška pot
Julius-Kugy-Denkmal (823 m)
Bushaltestelle (Fahrplan am Holzpfahl) an der Kehre 49 (794 m)
Kehre 49 der Paßstraße
29.08.2025 („Urlaubstag“ I)
Wetter: 15°C - 23°C, bewölkt, abends Regen und Sturm, nachts Gewitter
Unsere Entscheidung (die uns wahrlich nicht leicht gefallen ist) gibt uns recht, während im Tal teilweise die Sonne scheint, bleibt die besagte Bergkette im Grau der Bewölkung verhüllt. Regen und auch ein schweres Gewitter (welches sich in der Nacht bis vor die Hoteltür zieht) sind dort außerdem zu verorten. Wir mischen uns unter die Taltouristen, faulenzen und kaufen schon mal neues Schuhwerk für den erneuten Anlauf an der Pogačnik-Hütte. Unsere arg, vom scharfkantigen Gestein ramponierten Schuhe haben ihren Lebensabend erreicht und mit dem einheimischen „Alpina Tropez“ (der in seiner Verarbeitung einen recht robusten Eindruck hinterläßt) scheint ein (hoffentlich) würdiger Nachfolger gefunden zu sein.
Was-man-bei-schönem-Wetter-sieht-Tafel in Karanjska Gora
Detail der Tafel (9 = Razor, 10 = Prisank)
Der Bildausschnitt in der Realität
30.08.2025 / 10:05 Uhr / 38,00 km / 844 Hm+ / 978 Hm-
Kranjska Gora (824 m) - Kočna (690 m)
Wetter: 15°C - 23°C, bewölkt, nachmittags Regen
Heute steht der Quartierwechsel nach Veldes / Bled an. Nach überstandener Herausforderung am Frühstücksbüfett dauteln wir unsere Verweildauer im Hotel bis 10 Uhr ab. Danach machen wir uns Richtung Ortsmitte auf, von wo Busse nach Bled fahren. Doch darüber haben wir uns noch nicht so genau erkundigt, wann dies vonstattengeht. Unterwegs fragen wir uns: „Warum wandern wir nicht, wenigstens bis Aßling / Jesenice?“ Stimmt! Das hätte uns auch schon eher einfallen können. Die Jacke kommt in den Rucksack, die Badelatschen bleiben am Fuß. Es geht auf dem Radweg, der ehemaligen Bahnstrecke von Tarvis nach Laibach flach (unmerklich bergab) dahin. Wir passieren das Denkmal des mehrfachen slowenischen Radsportmeisters und fünfachen RAAM-Siegers (Race Across America) Jure Robič (1965 - 2010), zudem Stempelstelle der Rad-Slowenienrunde (762 m). In Mojstrana biegen wir, der Beschilderung Richtung Jesenice folgend, in die Hänge der Karawanken bei Dovje ein. Der steinige Fahrweg nimmt nun jede Windung im Gelände mit und schraubt sich so immer weiter nach oben. Am Scheitelpunkt (1.220 m) angekommen, beginnt es zu regnen, falsch, zu schütten. Die Regencapes müssen wieder raus, nur das Laufen in den Badeschuhen wird nun etwas rutschig. Doch auch diese Koordination ist schnell erlernt, denn das Schuhwerk packe ich nicht noch einmal aus dem Rucksack! Wir kommen auch an der Stelle vorbei, wo Jure Robič 2010 bei einem Unfall verstarb, als er bei einer Trainingsrunde mit einem Fahrzeug kollidierte. Durch weitere Geländekurven bedingt, erreichen wir erst 16:45 Uhr die Ortslage von Jesenice (580 m). Da sind die Busse Richtung Bled schon alle durch. Wir verkneifen uns (aus Zeitgründen) auch den Gang zum Supermarkt und nehmen die Straßenführung nach Slovenski Javornik (530 m). Über die Sava Dolinka und unter der Autobahn durch, geht es steil nach oben. Wir gelangen auf die Straße, welche Richtung Bled führt. Bis zum Ortseingang von Kočna (690 m) quälen wir uns, dann wird die Aufzeichnung beendet. Ein Caddy hält, eine Slowenin hat Erbarmen und nimmt uns bis Spodnje Gorje mit, von dort fahren uns zwei andere Slowenen noch bis zur Haustür unseres (auf uns wartenden) Quartiers. Nach einer kurzen Einweisung in die Ferienwohnung ziehen wir nochmal los, um die Wochenendverpflegung abzusichern - 19:30 Uhr können wir dann endlich die Beine hochlegen und „Urlaub spielen“.
An der Sava Dolinka bei Gozd Martuljek
Jure Robič: Gedenktafel (bei Gozd Martuljek) und Gedenkstein am Unfallort
Radweg auf der alten Eisenbahnbrücke
Blick nach Dovje-Mojstrana
Juliana Trail im Regen
Wieder an den Hängen der Karawanken unterwegs
Sportanlage in Planina pod Golico
Blick von Planina pod Golico zum Kahlkogel
Triglavski dom in Jesenice
Entlang der 452
Stauwehr an der Sava Dolinka
31.08.2025 („Urlaubstag“ II)
Wetter: 18°C - 24°C, sonnig
Heute fällt uns regelrecht die Decke auf den Kopf - so ungerecht kann Urlaub sein! Gestern hätten wir im Normalfall noch ein Drittliga-Fußballspiel besucht, wenn nicht diese ungeplante Wegverlängerung durch die Karawanken dazugekommen wäre. Im Stadion Igrišče na Zagi von Radmannsdorf / Radovljica standen da ab 17 Uhr die Mannschaften von NK Lesce und NK Tolmin zum Kampf um Punkte in der 3. Liga West / 3. SNL Zahod gegenüber. In Tolmin hatten wir im Vorjahr schon ein Fußballspiel knapp verpasst, als Tolmin in der 2. Liga gegen NK Dekani 0:1 verlor. Diesmal kommt es noch ärger und ein 0:3 steht aus ihrer Sicht zu Buche. Für den heutigen Abend könnte man in die Landeshauptstadt Laibach fahren, wo ab 20:15 Uhr die Erstligisten NK Olimpija Ljubljana und NK Maribor in der ersten Liga aufeinandertreffen. Doch das wird uns "im Gesamtpaket" (mit der anschließenden Heimfahrt) zu spät. Da wir aber auch für den Abreisetag (an dem unser Bus erst 23:45 Uhr fährt) noch ein paar Anlaufpunkte zum Zeitvertreib brauchen, schlendern wir heute nur mal um den Veldeser See / Blejsko jezero (475 m).
Blick über den See zum Hochstuhl (li.) und zum Begunschitza (hinter der Burg)
Blick auf die Marienkirche und den Hochstuhl
Terrassenblick zu Storzič (re.), Kočna (li. daneben ganz hinten) und Dobrča (re. der Bildmitte)
01.09.2025 („Urlaubstag“ III)
Wetter: 16°C - 23°C, leicht bewölkt
Als kulturelle Höhepunkte müssen heute der Bleder Sportplatz und eine Besichtigung der Veldeser Burg / Blejski grad herhalten. Wobei es in dem markanten Gemäuer, 139 Meter oberhalb des Sees, für saftige 18 Euro Eintritt verhältnismäßig „wenig Burg“, dafür „reichlich Konsum“ (Gaststätten und Souvenirläden) zu sehen gibt. Im Ort ist zudem ein Treffen irgendwelcher Weltverbesserer, nerviges Martinshorngeheule und permanente Polizeihubschrauber-Rundflüge bestimmen den Tagesablauf in der Touristenhochburg. Wir ziehen uns an einen etwas ruhigeren Ort zurück, wo wir den späten Nachmittag mit dem Blick auf Kočna, Storzič, Dobrča, Begunjšča, Stol und Golica verbringen. Erinnerungen an die Tage „dort oben“ (die nun schon eine Weile zurückliegen) werden aufgefrischt. In der Dämmerung gehen wir noch einmal an den See. Die ehrenwerten Kongressteilnehmer werden peu a peu in Limousinen und reichlich Eskorte nach Hause gefahren. Die zahlreichen Gitterabsperrungen werden zurückgebaut und der Ort gehört nun wieder den Touristen. Auf einer Bank in Seenähe beenden wir unseren Urlaub bei Büchsenbier und Keksen, mit Blick zu illuminierten Burg - soviel Romantik muß bei all den Entbehrungen der vorangegangenen Wochen möglich sein.
Burgaußenanlage
Historische Burgansicht (Ausstellungsstück im Burgmuseum)
Burgblick zur Insel mit der Marienkirche
Blick zur Marienkirche (nochmal ohne die zwei Gesichter)
Burggang*innen
Relief der Julischen Alpen (Ausstellungsstück im Burgmuseum)
Ruine in Bled
Kremšnita, der Mercedes unter den Cremeschnitten
Das Auf-der-Burg-brennt-noch-Licht-Bild
02.09.2025 (Abreise)
Wetter: 10°C - 15°C, bedeckt
Seit 21:45 Uhr (des Vortages) sind wir an der örtlichen Bushaltestelle, 23:15 Uhr kommt die E-Mail mit der Ankündigung der Verspätung des Flixbus’ aus Triest. Er hat 68 Minuten Zeitverzug, welche dann auf eine Ankunft von 1:32 Uhr nach oben korrigiert wird. Letztendlich fährt der Doppelstockbus erst 1:48 Uhr (mit 123-minütiger Verspätung) vom Hof. Über diese Rückfahrt könnte man allein ein Buch schreiben. In der Kurzfassung: durch die fast vierstündige Verspätung (Umleitung, Polizeikontrolle in Budweis, Grenzkontrolle) zum Umstieg in Dresden (14:40 statt 10:55 Uhr), ist natürlich der Anschlußbus weg. Neue Buchung, neuer Bus - halbe Stunde Verspätung bei der Abfahrt summieren sich zu 45 Minuten „obendrauf“ in Chemnitz. Mit Zwischensprint schaffen wir gerade so noch unseren Zug. Kurz vor 19 Uhr sind wir endlich daheim.
Bei der Geräumigkeit des Busses kann die Fahrt ruhig auch mal länger dauern
Statistik:
Gesamtschritte: 743.779 (Ute 719.808)
Gesamtdistanz: 391,53 km
Gesamtanstieg: 24.662 m
Verbrauchte Gesamtenergie: 80.310 kcal (Ute 50.393 kcal)
Tiefster Punkt: Marburg / Maribor (263 m)
Höchster Punkt: Triglav (2.864 m)
Passierte Gebirgsgruppen: Bachergebirge, Karawanken, Steiner Alpen, Julische Alpen
Bestiegene Berge: 40
Passierte Berghütten: 43 (+ ein Biwak)
Bierkonsum: (diese Statistik existiert, ist aber unter Verschluß)
Fazit:
Mit 43 der insgesamt 80 Stempelbelege kehren wir heim, distanz- und höhenmetermäßig ist ebenfalls rund die Hälfte geschafft. Mit Ojstrica, Grintovec und dem Triglav haben wir drei slowenische Prestigeberge bestiegen - doch waren es auch die schönsten auf unserer Reise? Der Klopni vrh mit seinem Ameisenhügel als Gipfelkreuz wird uns sicherlich nicht wegen seiner Aussicht (die er aufgrund der Bewaldung gar nicht hatte) in Erinnerung bleiben, sondern eher das penetrante Agieren der „Waldpolizisten“, die diesen Gipfel scheinbar für sich allein besitzen wollen. Rinka, Skuta und natürlich der Kočna in den Steiner Alpen hatten aufgrund ihrer Kletterpassagen ihren Reiz. Der Jezerska Kočna forderte mit seinem brüchigen Fels und der Ausgesetztheit im Grat ein bleibendes „Denkmal“ - dazu kam noch die herrliche Einsamkeit während dieser gesamten Tagestour. Ähnlich der Bovški Gamsovec, den wir für uns allein hatten und der zudem einen phantastischen Blick zum Felsklotz des Triglav gewährte. Man sollte generell die Bergtouren nicht nach dem Bergnamen klassifizieren, auch unbekanntere Erhebungen haben ihren Reiz. Der (komplette) Slowenische Höhenweg ist für uns definitiv nicht in 28 Tagen machbar, das haben wir schon ziemlich zeitig aufs Auge gedrückt bekommen. Kurzfristige Umplanungen wegen Hüttenschließungen und das Problem der Sperrung am Grat zwischen Grintovec und Kočna bremsen nunmal aus - und da ist das Wetter noch nicht mit einbezogen. Von den rund 9.500 Finishern, die der SPP seit 1953 zu verzeichnen hat, ist der Großteil selbstverständlich Slowenen. Doch selbst von denen haben wir keine wahrgenommen, die den Weg nach unserer Interpretation gehen - also hintereinanderweg. Man traf sie meist nur an den verschiedenen Stempelstellen, wo sie (während einer Tagestour) fehlende Stempel in ihrem Heft ergänzten. Da es keine zeitliche Begrenzung für das Stempelsammeln gibt, ist dies natürlich legitim - entspricht aber nicht dem Urgedanken Ivan Šumljaks. Insgesamt ist die (bisher von uns absolvierte) Transversale als recht anspruchsvoll zu bewerten (und da sind Razor, Prisank und Jalovec noch nicht mal mit einbezogen). Wir werden also am noch schwierigeren Teil wieder einsteigen müssen und sehen was dann auf uns zukommt …






