27.09.2025 / 13:35 Uhr / 21,0975 km / 141 Hm+ / 141 Hm- (Brauereienlauf)
11.10.2025 / 9:48 Uhr / 30 km / 460 Hm+ / 460 Hm- (Weinlauf)

Brauereienlauf! Weinlauf! Fehlt nur noch ein Spirituosenlauf - dann wäre das alkoholische Wochenendprogramm vollzählig. Man könnte sich unter dem Deckmantel des Sports, bestenfalls sogar als Trainingseinheit eines speziellen Lauf- und Ernährungsplans getarnt, ordentlich die Batterie abklemmen, dabei das Alphabet ausdünnen und das danach noch vorhandene Vokabular auf ein Minimum herunterfahren. Doch das ist der falsche Denkansatz, wenn man sich mit den beiden Laufveranstaltungen nur oberflächlich beschäftigt. Denn die Veranstalter wollen den Teilnehmern keine Gedächtnislücken verschaffen, indem sich diese hemmungslos besaufen. Es geht ihnen um sogenannte genußorientierte Läufe mit Volksfestcharakter, die im Gedächtnis bleiben, bei denen die regionalen Spezialitäten (das fränkische Brauwesen bzw. die sächsischen Weine) dem Teilnehmer beim Durchstreifen der jeweiligen Region "geschmacklich" näher gebracht werden sollen. Der Aufwand dafür ist riesig und dementsprechend ist fast jede lokale Institution irgendwie bei deren Durchführung involviert - ein perfektes Tourismusmarketing fernab von Hochglanzprospekten und Werbeanzeigen. Nachfolgend ein paar Notizen zu beiden Werbeveranstaltungen ...
26. - 28.09.2025, Brauereienlauf Fränkische Toskana:

Franken als der Landstrich mit der höchsten Brauereiendichte schreit regelrecht nach einer Laufveranstaltung, bei der das hopfenveredelte Getränk nicht nur im Ziel gereicht wird. Es ist der offizielle Hauptakteur dieses Laufwettbewerbes. Ein Sieg, eine neue persönliche Bestzeit oder eben doch nur der ewige Platz im grauen Mittelfeld spielen dabei eine völlig unbedeutende Rolle. Es geht um das Erreichen des nächsten "Stimmungsnestes" (so werden hier die Verpflegungspunkte genannt) und dessen kulinarische "Bestleistung" in Flüssigform. Der überwiegende Teil der Starter wird sich später an diese Art der Streckenversorgung erinnern, dies seinen Nachfahren in geselliger Runde berichten und dabei in den wenigsten Fällen eine Zielzeit, geschweige denn, eine Plazierung in petto haben.
Die fünfte Ausgabe dieses Bierlaufes nennt sich "Brauereienlauf Nord", d.h. eine nordöstlich von Bamberg gelegene Route grast die Braustätten dieses Gebietes ab. Diese sind auf einem Zehner und der Halbmarathondistanz zu erreichen. Aufgrund der hohen Nachfrage für diese kulinarische Rundreise (rund 1.500 Starter) wird das Teilnehmerfeld in Blöcken auf die Strecke geschickt. Im ungünstigsten Fall (im letzten Startblock beginnend) hat man nur 3:10 Stunden für die bierangereicherte Halbmarathondistanz - dementsprechend sind läuferische Grundkenntnisse von immenser Bedeutung, denn mit alkoholgeschwängertem Wanderschritt zwischen den Brauhäusern ist dies (in der knapp bemessenen Zeit) nicht zu bewerkstelligen.
Diesmal nur Halbmarathon - erst 2026 gibt es wieder die "volle" Distanz mit 17 Brauereien
Am Freitagabend beginnt die Exkursion in die fränkische Braukunst mit einer sogenannten "Kloß mit Soß"-Party. Dafür geht es (vom Start- und Zielort Memmelsdorf) ins nahegelegene Gundelsheim, wo in der örtlichen Turnhalle eine Kapelle den kulturellen Rahmen für die Abholung der Startnummern und das Kloßessen mit erstem Bierkontakt bildet. Die Brauerei Wagner aus Merkendorf verhilft dabei mittels Faßbierausschank einen ersten Vorgeschmack auf den kommenden Tag.
Memmelsdorf - statt 40. Schloßlauf (am 23.11.25) mal Ausdauersport in zweierlei Hinsicht
Der Sonnabend kann ganz entspannt angegangen werden, schließlich startet der sportliche Teil des Wochenendes erst nach dem Mittag. Mit frischem Leberkäs und (sächsischem) Bier wird zum Frühstück die etwas längere Aufwärmphase für den Genußlauf eingeläutet, welche kurz vorm Start noch einmal mit der Brühwurstvariante im Brötchen ausklingt. Den Vormittag dazwischen verdauteln wir uns mit der Besichtigung des Ortes.
Insgesamt drei Startwellen entzerren das riesige Starterfeld
Der für 13:30 Uhr vorgesehene erste Start verzögert sich (aus mir nicht bekanntem Grund) um fünf Minuten. Was normalerweise keinerlei Bewandtnis hat, verringert in Memmelsdorf das (für uns) bestehende Zeitlimit von 3:30 auf 3:25 Stunden, da der Zielschluß für alle Läufer mit 17 Uhr bestehen bleibt. Wir müssen diese fünf Minuten wohl oder übel 'rauslaufen, denn eine Verkürzung der Standzeiten an den VP's wird von uns nicht in Betracht gezogen. Auch die anderen Mitstreiter unseres Blocks scheinen diese Marschroute zu verfolgen, denn bis zum ersten Verpflegungspunkt wird von den meisten Läufern nicht gebummelt.
VP 1: Spezerei in Gundelsheim
Zum Einstieg in die fränkische Kulinarik steht gleich ein Klassiker an - das "Aecht Schlenkerla Rauchbier" der "Heller Bräu" Trum GmbH aus Bamberg. Dieses Gebräu erhält sein typisch rauchiges Aroma, indem das Grünmalz (angekeimte Braugerste) bei der Malzbereitung nicht nur getrocknet, sondern über einem offenen Buchenholzfeuer gedarrt wird. Der dabei aufsteigende Rauch veredelt die Gerste zum Rauchmalz, verleiht dem Getränk dadurch seine dunkle Farbe und seinen etwas anderen Geschmack. Dieses untergärige, herbwürzige Märzenbier hat einen Alkoholgehalt von 5,1%. Da jedoch nicht jeder Läufer sofort in die Vollen greifen will, wird zudem das alkoholreduzierte "Bamberger Heinzlein" ausgeschenkt, welches mit nur 0,9% Alkohol nahezu als alkoholfreies Bier durchgewunken wird - als Ersatzflüssigkeit für stilles Wasser oder Iso.
... steh'n wir im Alkohol bis an die Knie ...
Trotzdem sollten an diesem Verpflegungspunkt (Spezerei Gundelsheim) die Speicher gut gefüllt worden sein, denn nun ist erstmal eine längere Durststrecke zu bewältigen. Knapp sieben Kilometer müssen ohne Nachfüllmöglichkeit überwunden werden - diese auch noch größtenteils leicht steigend.
VP 2: Brauerei Wagner in Merkendorf
Die Brauerei Wagner in Merkendorf ist der nächste Gastgeber unseres Rundkurses. Seit 1797 wird hier dem Bierbrauen nachgegangen und diese hohe Kunst derzeit mit elf verschiedenen Bieren auf dem Markt manifestiert. Für die selbsternannten Brauereienlauf-Sommeliers wird vor der Braustätte das 4,7-prozentige Helle zur Verkostung angeboten. Der Gaumen des Bierkenners registriert dabei neben einer milden Bittere eine frische Hopfennote - ein "perfektes Bier für jede Gelegenheit" (wie es vom Brauhaus beworben wird). Da zu diesem Zeitpunkt auch schon über die Hälfte der Distanz zurückgelegt ist, geht der Halbliterbecher noch einmal an den Ausschank - dem Körper entzogene Mineralien müssen hier dringend wieder zugeführt werden.
Fränkisches Brauwesen und Sport
Die nächste Brauerei liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Doch so einfach machen es einem die Initiatoren des Brauereienlaufes dann doch nicht. Ein größerer Bogen durch die Flur von Merkendorf muß für die Halbmarathonstrecke absolviert werden, während die Zehner (deren heutiger Ernährungsplan die Brauerei Wagner nicht berücksichtigte) diese Verpflegung direkt anlaufen.
VP 3: Brauerei Hummel in Merkendorf
Die Brauerei Hummel setzt die Versorgung mit isotonischem Hopfenaufguß fort. Dieser Verpflichtung wird hier schon seit 1556 nachgegangen, seit 1846 zeichnet die Familie Hummel dafür verantwortlich. Neben dem süffigen, urtypisch fränkischem Kellerbier (ungespundet, 5,0% alc.) gibt es Weißwurst, welche für die ursprüngliche Gesetzgebung (wonach die Brühwurst das Zwölf-Uhr-Mittagsläuten nicht mehr erleben darf) natürlich viel zu spät angeboten wird. Doch diesem (seit dem Einsatz entsprechender Kühltechnik aufgeweichten) "Traditionsbruch" sieht man hier entspannt entgegen. Das Hauptaugenmerk liegt bei den Bierbrauern nun mal klipp und klar auf der Einhaltung des Bayrischen Reinheitsgebots von 1516.

Am Ortsausgang passieren die Sportstätte des SV 1950 Merkendorf, die "Richard-Wagner-Arena". Dort gab es zum 75-jährigen Jubiläum im Mai keinen großen Grund zum Feiern, denn mit einem 0:4 in der Relegation gegen das klassentiefere Heiligenstadt wurde der zweite Abstieg in Folge besiegelt. Statt Bezirks- oder Kreisliga ist man nun im Kreisklassefußball angekommen. Dort finden sich die Schwarzgelben allerdings recht gut zurecht und konnten erstmals in der Vorwoche (beim 1:1 in Gunzendorf) nicht als Sieger den Platz verlassen. Davor gab es in acht Spielen acht Erfolge - die Zeichen stehen also klar auf Wiederaufstieg. Vielleicht fließt dann das Kaltgetränk des Sportplatz-Namensgebers wieder unter angenehmeren Voraussetzungen (Aufstiegsfeier- statt Abstiegsfrustbier) in die Kehlen der Merkendorfer Fußballer? Knapp zweieinhalb Kilometer durchs Gelände müssen wir noch durchhalten, um den nächsten Bier-VP in Verkostung zu nehmen.
VP 4: Brauerei Göller in Drosendorf
Am Wirtshaus der Brauerei Göller in Drosendorf wird der nun schon recht zähflüssige Lauf komplett ausgebremst - die nächste Bierverkostung steht an. Aus der 160-jährigen Brautradition wird dem Läufer das Helle Lagerbier (11,1% Stammwürze, 4,9% Alkoholgehalt) in die mitgeführten Behältnisse gefüllt. Ein größerer Becher verringert dabei die Intervalle des Anstehens am Ausschank und gönnt dem Körper eine längere Genußzeit des hopfenbetonten, unfiltrierten Hellen.
Professionelle Brauereienläufer und deren aktuelle Trikots
Nach fast dreiviertelstündiger Verkostung müssen wir wieder los. Ein paar Kilometer sind noch zu absolvieren - nach einem längeren Waldabschnitt biegen wir in Memmelsdorf ein und passieren vis a vis den Zielbogen. Doch noch ist es nicht so weit, denn dieser ist noch eine weitere "Bierstation" von uns entfernt.
VP 5: Brauerei Höhn in Memmelsdorf
Im Biergarten des Hotel-Brauerei-Gasthofes Höhn ist der letzte Bierstand der Runde aufgebaut. Es gibt das Hausbräu namens Görchla (fränkische Version des Namens Georg, dem Braumeister), welches die einzige Sorte Bier der Braumanufaktur ist. Die Rezeptur und die traditionellen Arbeitsabläufe werden seit 1783 von Generation zu Generation weitervererbt - der Brauprozeß beginnt mit dem eintägigen Befeuern des Braukessels mit Holz und Kohle und endet nach mindestens achtwöchiger Lagerung. Das Ergebnis dieses historischen Handwerks ist ein naturtrübes unfiltriertes Landbier (Stammwürze 12,8%, Alkoholgehalt 4,9%), welches ausschließlich im Landgasthof (oder eben beim Brauereienlauf) ausgeschenkt wird.
Unser Fokus liegt auf erstgenanntem Getränk
Der letzte Kilometer geht noch einmal an die Substanz, denn die zeitliche Schlinge zieht sich langsam zu. Nur noch wenige Minuten verbleiben uns, um bis zum Zielschluß um 17 Uhr die Runde beendet zu haben. Lange Schritte und keinerlei Ablenkung "von außerhalb" ermöglichen uns dann doch noch ein Finish nach 3:24:16 Stunden (Ute 3:24:17 h) auf Platz 551 (41. M50) und 552 (5. W60) von insgesamt 606 Halbmarathon-Finishern (460 Männer und 146 Frauen). Eine dreiviertel Minute Luft zum "DNF" haben wir - da wäre dann doch noch ein "Kleines" (0,33-er) an der letzten Verpflegung gegangen. Doch dieser Ärger verfliegt schnell, da der Ausschank im Ziel noch sehr großzügig zelebriert wird. Es gibt zwar "nur" das 0,9-prozentige "Heinzlein", welches allerdings geschmacklich einem richtigen Bräu in nichts nachsteht.
Ziel-VP mit Bamberger Heinzlein
Aufgrund der Ausschankintensität am Zielbogen verpassen wir den "Marsch der Athleten" mit der Blaskapelle zur Seehofhalle, wo der Tag mit der Live-Band DisCOVER abschließt. Leider ist dort der "Notizblock" des Autors verloren gegangen, auf dem sich die Details zum Geschehen befanden. Auf die tags darauf getätigten mündlichen Überlieferungen seiner Mitstreiter beruft sich ein seriöser Journalist nun einmal nicht und muß so dieses Kapitel unkommentiert abtun.
"Schlucking for freedom" wurde nicht gespielt - Tagesabschluß "Seehof-Hopfen-Party" mit der Live-Band DisCOVER
Zum Abschluß der Veranstaltung werden die Teilnehmer am Sonntagmorgen noch nach Bamberg gelotst. Dort gibt es einen Frühschoppen und eine Stadtführung. Da wir bei diesem Sonntagsausflug in die "Bierhauptstadt" vor fünf Jahren Probleme bei der Parkplatzfindung hatten, stehen wir etwas eher auf und gehen die siebeneinhalb Kilometer zu Fuß. Nach dem Besuch des "Schlenkerla", wo Weißwurst und Rauchbier in den hungrig-durstigen Magen finden, statten wir noch dem Fränkischen Brauereimuseum (in der ehem. Benediktiner-Klosterbrauerei) einen Besuch ab.
Bamberg - das "Fränkische Rom", zumindest aber die "Bierhauptstadt"
Derzeit gibt es noch zwölf Brauereien in Bamberg
Gast- und Brauhaus zum Ringlein
Brauerei Heller - Wirtshaus zum Schlenkerla
"Aecht Schlenkerla Rauchbier" - eine Bamberger Spezialität
Im Schlenkerla kommt nicht nur das Rauchbier aus dem Kupferkessel, sondern auch die Rauchware
Fränkisches Brauereimuseum auf dem Michaelsberg: 1.000 qm Ausstellungsfläche
Faß oder Flasche? Insgesamt 1.850 Exponate zur Bierkultur warten auf den Besucher.

Was bei einem standesgemäßen Besuch in Franken nicht fehlen darf, ist die knusprig zubereitete Schweineschulter namens Schäuferla. Diesen Gaumenschmaus lassen wir uns im Memmelsdorfer Gasthof "Drei Kronen" zum Abschluß des kulinarischen Wochenendes servieren. Wenn man da, wie Marco, ein Rumpsteak bestellt und mit der Frage "Wie gebraten?" konfrontiert wird, ist die Verwirrung auf beiden Seiten (Gast und Bedienung) groß. Schließlich interpretiert der sächsische Gast die Frage als Gegenfrage zum Gericht, denn Wiegebraten ist in unseren Breiten deren Leberkäs'. Die Antwort kann demnach nur heißen: "Nee, Rumpsteak!" und sorgt folgerichtig bei der Bedienung für Stirnrunzeln. "Wie gebraten?", ihre Nachfrage. Etwas anders betont, kommt diese Frage dann auch beim Gast an: "Medium, bitte!". Geht doch, so groß ist die Sprachbarriere zwischen unseren beiden Sprachen nun auch nicht.
Brauerei und Gasthof "Drei Kronen" in Memmelsdorf
Das Wochenende in der Fränkischen Toskana ist schneller durch als gedacht. Neben der richtigen Einordnung der vielen Gaumenfreuden bereitet mir eine Frage immer wieder Kopfschmerzen: Wie kann man nur auf so einer schwierigen Halbmarathonstrecke so schnelle Zeiten laufen? Für den Gesamtsieg mußte (?) man immerhin eine 1:19:13 zu Papier bringen und der Frauensieg mit 1:33:40 ist auch nicht ohne. Mal sehen, was da im nächsten Jahr auf der Marathondistanz für Zeiten geliefert werden, wenn es am 19.09.2026 zum "Brauereienlauf Süd" in die Spur geht? Die Anmeldung dafür ist ab 01.12.2025 geöffnet.
10./11.10.2025, Elbtal-Weinlauf:

Von der "Fränkischen Toskana" an die "Sächsische Riviera": Nur zwei Wochen später folgt der zweite Teil des alkoholangereicherten Erkundens eines Landstrichs, der neben der geschichtsträchtigen Porzellanherstellung auch die überregional bekannte Winzerei vorweisen kann. Es geht dabei (mit dem Burgstädter Charter-Bus) ins Elbtal bei Meißen, entlang des gleichnamigen Flusses und durch deren rechtsseitig in den Hang gehauenen Weinbergterrassen. Dieses landschaftlich reizvolle Durchbruchstal zieht sich vom markanten Meißner Burgberg bis Diesbar-Seußlitz. In diesem Bereich ist auch der Streckenverlauf des Weinlaufes verankert.

Nun fällt es dem, vorwiegend mit hopfen- und malzangereicherten Produkten groß gewordenen Einsiedler bzw. Chemnitzer sehr schwer, diese liebgewonnene Ernährung umzustellen. Zu einer mit "Weinlauf" titulierten Veranstaltung läßt sich dies allerdings kaum vermeiden - weg vom einfachen isotonischen Durstlöscher, hin zum mondänen Trinkgehabe mit allerhand theatralischer Ritualen. Da muß im Vorfeld des Weingenußes alles im Lot sein. Die Temperatur des Getränkes muß stimmen, Farbe und Geruch des Glasinhaltes müssen harmonieren und nach einem "wönzigem Schlock" muß man in der Lage sein, verschiedene Geschmacksrichtungen aus der vergorenen Flüssigkeit zu interpretieren. Es ist demnach ein Prozedere, welches viel Zeit in Anspruch nimmt und daher auch eine entsprechend hohe Zielzeit heraufbeschwört. Bei insgesamt 18 Weinverkostungsstellen sind 7:15 Stunden Zeitlimit dann aber auch eine Herausforderung, die nicht jeder geübte Läufer bewerkstelligen kann.
VP 1: Weinstube "1. Weinkönigin" Winkwitz - Ausschank von "Elb-Kilometerv 454 / Cuvée Weiß"
Nur ein recht übersichtliches Teilnehmerfeld von knapp 100 Leuten fühlt sich dieser Aufgabe gewachsen - der Großteil der 3.000 Teilnehmer nimmt Vorlieb mit den angebotenen Wanderstrecken von 10, 12 oder 17 Kilometern. Zum Burgberg (der "Wiege Sachsens" mit Albrechtsburg, Dom und Bischofsschloß) muß aber niemand hoch - er dient nur als Blickfang während des alkoholisch-sportlichen Tagesausflugs. Dieser wiederum bremst die 30-km-Läufer das erste Mal nach rund anderthalb Kilometern schon wieder in ihrem Tatendrang aus. Die Weinstube "1. Weinkönigin" eröffnet die Verkostung der Rebensäfte mit einem Verschnitt von Elbling, Weißburgunder, Riesling und Müller-Thurgau. "Ein bunter Strauß an herrlichen Aromen wie Lindenblüte, weißer Honig und Margeriten, begleitet von animierender Leichtigkeit und Saftigkeit.", so die Einordnung des Getränks (11,5% alc.) auf dem Flaschenetikett. Doch da sind die Geschmacksknospen des auf Biersorten geeichten Schlundes wohl noch nicht richtig justiert, denn diese Beurteilung hätte ich auf ein "süffiger Weißwein" abgekürzt. Egal, vielleicht klappt die Wahrnehmung bei Nr. 2 besser.
VP 2: Gaststätte "Karpfenschänke" Zadel - Ausschank von "Elb-Kilometer 454 / Cuvée Rosé"
Nur ein paar Schritte später ziert der nächste Stand den Elbradweg. Vom gleichen Winzer (Weingut Schloß Proschwitz / Prinz zur Lippe GmbH & Co. KG Kellerei und Vertrieb aus Zadel) wird diesmal ein roséfarbener Cuvée (aus Regent, Spätburgunder und Dornfelder) eingeschenkt. Auch bei zwei-, drei- oder viermaliger Kostprobe (11,5% alc.) erschließt sich mir nicht, wie man hier Aromen wie Walderdbeere (also nicht das Sonderangebot aus Spaniens Sonne im Supermarktregal) und Orangenblüte (Wer ißt denn die Blüten von Apfelsinen?) geschmacklich herausfiltert. Doch wenn es so geschrieben steht, wird es schon stimmen. Gesprächsthema am Stand ist aber nicht die getätigte Weinprobe sondern das bestehende Fußballvereinsdefizit im Elbtal. Denn in diesem Landstrich scheint es nur einen Verein zu geben - den aus der nächstgrößeren Stadt: "Zwei gekreuzte Hämmer oder waren es Schwerter (?) und ein großes "D" ...", (naja, so in etwa) schwirrt mir ein alter Stadiongesang durch die leicht beschwipsten Gehirnwindungen. Wie viel besser ist da das (bis 1997 eigenständige) Einsiedel aufgestellt, welches immerhin zwei eigenständige Fußballvereine vorweisen kann: die im Ligaspielbetrieb agierende "Spielvereinigung Viktoria 03" und den im Januar 1989 gegründeten "Alkoholischen Fußballclub Kellerbar Einsiedel", der sich bei einstigen Ortsmeisterschaften zum Favoritenschreck mauserte? Die Trikotträger dieser Vereine (mit offensichtlichem Bekenntnis zur Einsiedler Brau- und Ballsportkunst) stehen dem wackeren Weinausschenker (mit Bezug zum Dresdner Zweitligisten) zum freundschaftlichen Fußballfachgespräch gegenüber.
VP 3: Gasthaus "Zum Zuessenhaus" Kleinzadel - Ausschank von "Elb-Kilometer 454 / Cuvée Rot"
Zurück zum Wein und dessen besonderer Magie! Auch nach zurückgelegten fünf Kilometern ist der "Elb-Kilometer 454" noch nicht beendet. Am dritten VP gibt es die Weinprobe dessen in roter Mischung (12,5% alc.) der Rebsorten Regent und Spätburgunder. Das zweifelsohne satt wahrnehmbare Rot wiederspiegelt die gesamte Geschmackspalette roter Früchte. Diese Beurteilung erscheint mir nachvollziehbar, doch der Geschmacksfokus liegt beim VP "Zuessenhaus" ganz klar auf dem angebotenen Essen. Brötchen mit Käse, Ei, Hackepeter oder Blutwurst, dazu Wiener Würstchen - alles vertraute Geschmacksrichtungen, aus denen man keine Frucht- oder Sonstwasnoten herausfiltern muß. So einfach könnte doch auch das Weintrinken sein? Warum muß denn da alles komplizierter gemacht werden, als es ist? Klar, schwenken wir auch unsere Gläser, führen sie erst zur Nase und danach an den Mund, nicken fachmännisch das Geschmackserlebnis ab und kommentieren es (für die Umstehenden) nur in schwülstigen Wortfetzen verständlich - man will ja schließlich nicht (negativ) auffallen.
VP 4: Landgasthof und Hotel "Zum Roß" Seußlitz - Ausschank von "Elb-KIlometer 454 / Cuvée Weiß"
Weitere fünf Kilometer vergehen (im Laufschritt), ehe es wieder etwas Flüssiges für den ausgetrockneten Rachen gibt. Der "454-er" ist dabei immer noch present, diesmal wieder als weißer Cuvée. Auch hier steht Mineralwasser bereit, um die Weinverkostung geschmacklich neutralisieren zu können - Hokuspokus, der in "unseren Breitengraden" (also im Brauereienumland von Chemnitz) eher untypisch ist. Da greift man doch lieber zum nächsten Bräu. Auf der Terrasse des Landgasthofes und Hotels "Zum Roß" in Seußlitz werden u.a. auch leckere Muffins feilgeboten, bei denen man natürlich gern dreimal zugreift. Für mich der kulinarische Höhepunkt dieser Genußrunde.
Diesbar-Seußlitz: Beginn der 17-km-Wanderstrecke
Nach knapp zwei Stunden Wettkampfzeit sind die ersten 13 Kilometer, allesamt flach, geschafft. In Diesbar-Seußlitz erfolgt der Übergang vom Bestenlistenkurs in die "Berge", die Weinberge. Nun wird es zunehmend schwieriger, die in der Weinlauf-Vorbereitung erstellten Zeitpläne umzusetzen. Das Streckenprofil gleicht nun dem einer Alpenüberquerung. Zwar werden beim folgenden Auf und Ab nicht annähernd so viele Höhenmeter gemacht, wie im Gebirge - doch die Wirkung des Alkohols greift nun entscheidend ins Geschehen ein. Jetzt werden die Beine von Haus aus schwerer und die extreme Dichte, der noch zu passierenden Weinstationen fördert dieses Dilemma geradezu.
VP 5: Diesbar-Seußlitz - Ausschank von "Zeitlos / Weiß"
Daher muß am Eingang zum Schloßpark noch einmal kräftig zugelangt werden. Es gibt Kuchen in mehreren Varianten. Ob zu einer dieser Leckereien überhaupt ein Wein zu empfehlen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Der trockene 2024-er "Zeitlos" (11,0% alc.) aus der Weinkellerei Jan Ulrich, ein Verschnitt aus Müller-Thurgau und Johanniter, wirbt mit "frisch, spritzig und leicht fruchtig" - passend demnach zumindest zum Apfelkuchen.
Diesbar-Seußlitz
Die ersten Höhenmeter sind immer die schwierigsten! Diese Feststellung erfährt beim Erklimmen der Stufen zum Gartenhaus Heinrichsburg eine Fortsetzung. Unser Quartett, zuletzt nur noch als Trio unterwegs, ist weiter geschrumpft und so ziehen Marco und ich als Letzte des Feldes (welches nun auch die 17-km-Wanderer mitsichführt) zum nächsten VP.
VP 6: "Goldkuppe" - Ausschank von "Rotling"
Auf der "Goldkuppe" ist nicht mehr so viel los. Das Gros hat diesen Punkt längst hinter sich gelassen und so bleiben für uns noch die leidigen "Aufräumarbeiten". Das Diesbar-Seußlitzer Weingut Lehmann stellt seinen 2024-er Rotling (12,0% alc.) zur Verkostung bereit. Es ist ein "frischer und lebendiger Wein", hergestellt aus roten und weißen Trauben, passend "zu leichten Salaten, gegrilltem Fisch, Käse und Obst". Da der Fischgrill schon abgebaut und die Käsetheke leergefuttert ist, müssen es die en masse bereitliegenden Äpfel richten, um die "vorgeschriebene" geschmackliche Symbiose zwischen Essen und Getränk zu manifestieren.

VP 7: "Reiterhof Radewitz" - Ausschank von "Cuvée Lößnitzburg" und "Blauem Spätburgunder"
Kaum wieder in Tritt, wartet die nächste Weintränke am Wegesrand. Der Reiterhof Radewitz hat dabei gleich zwei Rebensäfte zur Auswahl: die Edition IV des Cuvée Lößnitzburg (12,0% alc.), bestehend aus Müller-Thurgau, Weißburgunder und Traminer und den Blauen Spätburgunder (12,5% alc.) von Vincenz Richter. Letzterer ist leicht säuerlich und vereint die Aromen von Him-, Brom-, und Waldbeeren.
VP 8: "Brummochsenloch" - Ausschank von "Zeitlos Weiß"
Auch wenn wir mittlerweile einige Wanderer überholt haben, taumeln wir dem Feld noch mit gehörigem Abstand hinterher. Am Brummochsenloch, oberhalb des Weinguts von Jan Ulrich wird dessen Weißwein-Cuvée "Zeitlos" zur Verkostung gereicht. Bei früheren Veranstaltungen gab es hier stets Federweißer - doch das ist sicher schon zwei, drei Jahre her.
VP 9: "Jägerheim Löbsal" - Ausschank von "Theresa Cuvée"
Mit der imaginären "roten Laterne" räumen wir "gut aufgefüllt" den VP, der sich in "Auflösung" befindet. Seit 7 Uhr sind dessen Betreiber für die Weinversorgung der Läufer und Wanderer auf den Beinen - und trotzdem warteten sie geduldig auf uns Schlußlichter, um uns ihren Traubensaft zu offerieren. Ein paar vertikale Meter später treffen wir noch rechtzeitig am gutbesuchten Jägerheim in Löbsal ein. Hier bietet die Weinkellerei Tim Strasser ihren vorjährigen Cuvée Theresa (11,5% alc.) an. Dieser süffige Verschnitt der Rebsorten Sauvignon Blanc und Müller-Thurgau ist nach der Urgroßmutter des Winzers benannt, die einst den Grundstock für Rothes Gut legte.
VP 10: "Winzerhof Golk" - Ausschank von "Federweißer"
Ein etwas längerer Weg durch den Wald endet im Winzerhof Golk, der mit seiner recht guten Fernsicht zu punkten weiß. Das sonst hier vorgefundene Publikum ist schon recht ausgedünnt und die traditionelle Menschenschlange vor dem Suppenausschank besteht aus immerhin zwei Personen. Doch nach heißer Suppe ist es mir nicht, denn hier wird Federweißer ausgeschenkt. Der aus weißem Traubenmost hergestellte (und immer noch gärende) Saft enthält zwischen 4 und 11% Alkohol, entsprechend dem Fortschritt der alkoholischen Gärung. An Stand Nr. 10 der Verkostungskette ist es dem Otto-Normal-Sommelier allerdings nicht mehr möglich, dieses Gärstadium genau zu ermitteln. Die starke Süße des Glasinhaltes läßt jedoch einen frühen Zeitpunkt des Reifeprozesses vermuten und ist daher auch nicht kompatibel mit dem zuvor angebotenen Suppengericht.
VP 11: Neumühle - Ausschank von "Kerner / Halbtrocken"
Nach dem zähen (weil mit Wanderern verstopften) Abstieg durch den Weinberg Herrenberg ins Tal, gelangen wir recht bald zur nächsten Weinverkostung. Doch diese findet ohne uns statt, da der dafür bereitstehende Kerner (11,0% alc.) vom Weingut Henke aus Sörnewitz schon restlos "ausgetrunken" ist.
VP 12: Zadel - Ausschank von "Scheurebe-Weißwein"
Auch am darauffolgenden Ausschank ereilt uns dieses Schicksal. Die feinherbe Scheurebe (12,0% alc.) der Weinwerkstatt Meißen ist komplett ausgeschenkt. Daher verzichten wir auch auf einen längeren Aufenthalt in Zadel und ziehen weiter. Damit wir aber nicht vollends dehydrieren, hat Marco eine Flasche Lübzer-Industriebier käuflich erworben, welche wir uns auf dem, von leichter Frustration gezeichneten Weiterweg teilen. Danke, Marco!
VP 13: "Funkturm" - Ausschank von "Elbkilometer 454 / Cuvée Weiß"
Auf der Freifläche am Funkturm angekommen, erleben wir das gewohnte Bild der Vorjahre, denn eine überlange Menschenansammlung vor dem Verpflegungsstand scheint hier Usus zu sein. Wir sind demnach wieder "mittendrin" im Geschehen, haben durch kontinuierlich-disziplinierte Beinarbeit und taktischer Verhaltensweise an den vorangegangenen Verpflegungen den Sprung ins Mittelmaß des Teilnehmerfeldes geschafft. Auch hier ist unser gegebener Sportsgeist größer als Hunger und Durst und hält uns somit von einem weiteren Stop ab. Zwar gibt es hier wieder leckeren Kuchen, doch dafür Vordrängeln? Nein! Das gibt es bei fairen Sportsleuten nicht! Der 454-er in Weiß wird zudem zum dritten Mal auf der Runde angeboten und unsere Geschmackssinne haben dessen Bukett von VP 1 und 4 noch bestens in Erinnerung.
VP 14: "Rottewitz" - Ausschank von "Vin de Saxe / Trocken"
Dafür ist der nächste Ausschank "Rottewitz" ein Ort des Verweilens - das Weingut Vincenz Richter füllt nun mit seinem Vin de Saxe (12,0% alc.) unsere schon ausgetrockneten Gläser. Der Weinexpertise zu diesem Sächsischen Landwein kann man entnehmen, daß die dafür verwendeten Sorten Burgunder, Müller-Thurgau und Kerner am 10.10.2021 vom Meißner Kapitelberg (145 m üNN) durch selektive Handlese dem Rebstock entnommen wurden. Nach der Gärung im Edelstahltank erfolgte am 01.12.2022 die Abfüllung in Ein-Liter-Sachsenflaschen, welche mit VinoTwist-Drehverschlüssen "verkorkt" wurden. Nun geht das alles wieder retour - von der Flasche ins Glas und über den Umweg durch den Körper in flüssiger Form zurück in den Weinberg, aus dessen Boden eine neue Traubenlese diesen Kreislauf fortsetzen wird.
VP 15: "Knorre" - Ausschank von "Müller-Thurgau"
Es geht nun sachte dem Ende entgegen. Am VP Knorre könnte man dieses Ende via Abkürzung um einiges schneller herbeiführen. Doch noch ist Platz im Ränzlein und der Geschmackssinn lechzt nach neuen Abenteuern. So kommt der 2023-er Müller-Thurgau (12,0% alc.) der Sächsischen Winzergenossenschaft Meißen gerade recht und überzeugt als "unkomplizierter Wein, mit dem sich der Tag ausklingen lässt" (so die Produktinformation der Genossenschaft). Vor ein paar Jahren ließ mich mein damaliges Schuhwerk an der Talstraße im Stich und ich mußte die restlichen fünf Kilometer barfuß absolvieren. Warum sollte man da heute den Tag hier ausklingen lassen, wenn alle anderen Begleitumstände bestens sind?
VP 16: "Bocksberg" - Ausschank von "Elb-Kilometer 454 / Cuvée Rosé"
Der Anstieg zum VP Bocksberg wird zwar nur noch im schnellen Wanderschritt genommen, doch trotzdem schieben wir uns im "Gesamtklassement" (der Wanderer) immer weiter nach vorn. Wir werden also auch bei den verbleibenden Versorgungsstellen auf eine Bewirtung mit Rebensaft hoffen können. Der rosafarbene Verschnitt des 454-ers ist noch vom zweiten Stop des Tages in geschmacklicher Erinnerung (Orangenblüte!) und hilft nun beim ungezwungenen Schwingen (oder zumindest Wippen) des Tanzbeines (resp. Standbeines), denn traditionell spielt an diesem VP die Meißner Gartenband "handgemachte" Werke verschiedener musikalischer Genres. Zu unserer Überraschung treffen wir an der Tanzflächenbegrenzung unsere Mitstreiter der ersten Etappen vom Elbradweg wieder. Tja, ein Weinlauf wird nicht auf den ersten Kilometern, sondern hintenraus entschieden. Da scheinen Marco und ich die wesentlich besseren Karten in petto zu haben und daher nur noch Koordinationsprobleme einen internen "Sieg" gefährden könnten.
VP 17: Schloß Proschwitz - Ausschank von Weinproben
Wieder nervt beim Verlassen des Getränkestützpunktes ein Hinweis zur Wahrnehmung einer Abkürzung zum Ziel. Doch dann würde man auch die beiden besten Streckenpunkte umgehen. Die Tourismus-Marketingkampagne hätte damit kolossal versagt. Der Schloßpark von Schloß Proschwitz ist Gastgeber des nächsten Weinausschankes. Dort werden hauseigene Weinproben dem Verkoster eingeschenkt. Marco ist zu diesem Zeitpunkt etwas zurückhaltender, denn unsere beispiellose Aufholjagd (nun haben wir auch den Großteil unserer Burgstädter Businsassen wieder) hat Spuren hinterlassen. Zudem fällt das obligatorische Mannschaftsbild auf der Treppe an der Rückseite des Schloßes einer Hochzeitsfeier zum Opfer. Deshalb geht auch die zentrale Ordnung etwas verloren, jeder kämpft von nun an für sich allein. Während ich zum x-ten Mal (bei größtenteils weiblichen Stalkern) eine Personenverwechslung (Ich bin weder Mickie Krause noch Ikke Hüftgold!) richtigstellen muß, hat sich der Schloßhof von meinen Mitstreitern bereits geleert.
VP 18: "Winkwitzer Hübel" - Ausschank von "Elbkilometer 454 / Cuvée Rot"
Der Winkwitzer Hübel, als letzter Ausschank auf der Strecke, ist dem eines großen Finales würdig. Der Nachhall beschränkt sich dabei nicht nur auf die Wahrnehmungen in Bezug auf den getesteten Wein (wiederum Cuvée Rot des Elb-Kilometers 454) sondern auch auf die abschließenden (hochintelligenten) Dialoge mit Hinz und Kunz vor der herrlichen Kulisse der Albrechtsburg. So kommt man u.a. mit der Alten Melberten a.D. (also in Zivilkleidung) ins Gespräch, trifft die Weinprinzessin des Vorjahres, die wiederum einen Fototermin eines weiblichen Fans mit Mickie Krause (oder Ikke Hüftgold?) arrangiert, welcher diesem Selfiewunsch gern entgegenkommt und ohne jegliche Starallüren fließend sächsisch spricht, weil man ihn dadurch in dieser Region besser versteht. Wenn einem also (kurz vor Schluß) so viel Harmonie entgegenschlägt, kann man von einem guten Abgang (im Umgangston des Weinsommeliers) sprechen.
Weinlauf-Fahrkarte mit Start-, Zwischen- und Zielzeit
Auf dem Weg ins Tal nach Meißen ist das Zeitlimit für die 30 Kilometer längst abgelaufen. Es geht nur noch darum, möglichst aufrecht laufend den Zielbogen (mittig) zu "treffen". Ein Kleingärtner bietet am Wegrand selbstgemachtes Sauerkraut (und war da etwa auch noch Schnaps dazu?) an, damit der Aufräumprozeß im Magen schon mal gestartet wird. Eine Stunde, elf Minuten und neun Sekunden nach dem offiziellem Zielschluß schließt sich für mich (als Letzter unserer Reisegruppe) der Kreis vorm Festzelt in Meißen. Das Finisherbier gibt es bei Marco. Über dessen Marke kann ich jetzt (aufgrund der einsetzenden Dämmerung und der völligen Überlastung meiner Geschmacksnerven) keine verlässlichen Angaben tätigen und auch auf die Sensorik muß ich verzichten. Als Flaschentrinker (weil Marcos Camper keine Zapfanlage besitzt) erübrigt sich der Umweg des Biers über das Glas. Somit entfallen schon einmal die optischen Wahrnehmungen, die das Bier beim Eingießen bedient: Eines Wasserfalls gleich stürzt sich die goldgelb-schimmernde Muhre ins Glas, wo ein sich windender Strudel eine Blume erschafft, welche nur mit wild sich aufbäumenden Rasierschaum zu vergleichen wäre, usw. usf. - das alles braucht man jetzt nicht, denn wichtig ist, daß der Flascheninhalt dem Körper Gutes tut.
Festzelt - Party vom Abendrot (oberes Bild) bis zum Sonnenaufgang (unteres Bild)
Dieses Spiel kann man im Festzelt dann ungebremst fortsetzen. Doch will (oder kann) man das wirklich? Will man sich mit dieser Undiszipliniertheit all' die schönen Tageserlebnisse von der Festplatte nehmen? Damit dies nicht passiert, ist die Rückfahrt mit dem Burgstädter Bus für 20 Uhr angesetzt. Das klingt zwar verdächtig nach Spielverderberei, ist jedoch der gesetzlichen Einschränkung, der Lenk- und Ruhezeit des Busfahrers, geschuldet. Fazit dieser Marketingveranstaltung: Sport und Alkohol können so schön harmonieren, wenn der Rahmen dafür gegeben ist - und dies schaffen die Organisatoren, Helfer und Sponsoren jedes Jahr wieder vortrefflich. Danke dafür!
Datenvergleich Brauereienlauf / Elbtal-Weinlauf auf COROS
Bleibt nun nur noch die Hoffnung auf einen sogenannten Spirituosenlauf, welcher z.B. durch das Erzgebirge, mit Einbindung der Destillen von Lauterbach (Lautergold), Crottendorf (Grenzwald) oder Schlettau (Hermann Uhlig), führen könnte. Dann wäre die anfangs erwähnte Triologie des alkoholischen Genußlaufes perfekt. Ein neuer Hype wäre geboren, man könnte damit neue Zielgruppen für das Laufen begeistern und die Laufsportgruppe von René's "SV Viktoria 03" (Gibt es die überhaupt noch?) würde Konkurrenz von einem "Alkoholischen Laufverein Einsiedel" bekommen. Noch ist dies alles Zukunftsmusik - doch auszuschließen ist es definitiv nicht. Der 22. Elbtal-Weinlauf findet am 03.10.2026 statt, die Anmeldung dafür öffnet Anfang des neuen Jahres.





