07.12.2025 / 9:30 Uhr / 42,195 km / 95 Hm+ / 105 Hm- / kein Wettkampf

"Marathon? Oberelbe? Der ist doch im Frühjahr!", "Ja, isser ... aber eben auch im Advent." - so läuft der nun schon (seit Jahren) gängige Dialog ab, wenn man nach seiner Wochenendplanung für den 2. Advent gefragt wird. Zur Richtigstellung: Die Organisatoren des Oberelbe-Marathons veranstalten seit 2014 eine Adventsveranstaltung in Form eines Lauftreffs, bei dem die Originalstrecke des Frühjahrsklassikers in Eigenregie (also ohne irgendwelche Sperrungen, Markierungen und Zeiterfassung) abgetippelt werden kann. Damit dies nicht ganz so eintönig daherkommt, gibt es unterwegs vier Verpflegungspunkte und zum Abschluß ein vorweihnachtliches Beisammensein mit Glühwein und Gebäck.

Die für diesen Oberelbe-Marathon und seine Unterdistanzen (7 km und Halbmarathon) angebotenen 350 Startplätze sind heiß begehrt und dementsprechend schnell vergeben. Da Ute und ich in diesem Jahr das Anmeldedatum völlig verpriemt hatten, landeten wir erstmal auf der Warteliste und rechneten uns daraufhin keinerlei Startmöglichkeit aus. Ein kraft- und zeitraubendes Marathontraining wurde demzufolge hinter bequem-angenehmen Alibi-Läufchen abgelegt - man muß ja nicht schweißtreibender Sporteln, als es die Situation verlangt!
Gilt nur für den OEM-Adventslauf - im Frühjahr kann man selbstverständlich "schneller" unterwegs sein
Vor dem ersten Adventwochenende flatterte dann doch die Nachrückbestätigung ein, für beide, wohlbemerkt. Sich da noch vernünftig auf einen Zweiundvierziger vorzubereiten, ist natürlich etwas zu knapp, denn das sogenannte Tapering ist längst eingeläutet. Die Laufübungen werden dabei stark zurückgefahren und eventuell bestehende Defizite können nun nicht mehr ausgebügelt werden. Also müssen wir uns notgedrungen mit dem vorhandenen Fitnesszustand dieser Aufgabe stellen.
Startvorbereitungen in Königstein
Nun kehrt man ja nicht unbedingt gern an den Austragungsort seines ersten Marathons zurück, wenn man dort regelrecht brutal in die hohe Kunst des Marathonlaufes eingeführt worden ist. Nie wieder wollte ich mir die Strecke von Königstein nach Dresden antun - ab Pirna war der Ofen (hitze-/wärmebedingt) aus, Trab- und Wanderabschnitte wechselten sich nun ab und ein vollbesetzter Biergarten am Wegrand zog das letzte Register eines völlig sinnlosen Tages. Hier sieht mich niemand jemals wieder! Eine generelle Abneigung gegen einen weiteren Marathonlauf gab es aber nicht, schließlich staute sich nach der Premiere viel Verbesserungspotenzial dafür an.
Blick zur Bastei (wie jedes Jahr auch diesmal im Bild festgehalten)
Doch die Zeiten ändern sich! Zwischen diesem "Oberelbe 2008" und dem heutigen "Adventslauftreff 2025" liegen nicht nur 50 Marathonläufe und zirka 20° Temperaturunterschied, sondern auch wesentlich andere Ansprüche an die Zielankuft im Ostragehege. Während Nr. 1 ambitioniert (weil maximal trainiert) stattfand, ist Nr. 51 "Genuß pur", soweit dies (in jener gern verwendeten Form) überhaupt möglich ist. Vom totalen Raubbau an Körper und Gesundheit zum entspannten Läufchen im sorglosen Dahingleiten, im Einklang mit dem Elbestrom - unter dieser (neuen) Voraussetzung sieht man natürlich gern dem erneuten Marathonabenteuer auf dem Elberadweg entgegen.
Unsere Laufgeschwindigkeit und die Fließgeschwindigkeit der Elbe müssen nicht zwingend harmonieren
Mit dem Zug von Dresden nach Königstein und zu Fuß wieder zurück, so sieht der heutige Tagesablauf aus. Nicht zum Laufen benötigte Klamotten kann man am Start abgeben und in Dresden wieder in Empfang nehmen. Die leichte Verspätung der Bahn wird auf die Startzeit umgelegt, somit ist der nachfolgende Zugverkehr schon durch und die Bahnübergänge nach 5,3 und 6,2 Kilometern können ohne Zwangsstop passiert werden. Nach einer Stunde "Wettkampfzeit" ist der erste VP erreicht. Mit Weihnachtsgebäck, Schokolade und Cola wird die (leicht in Richtung Minusbereich tendierende) körperliche Verfassung wieder aufgeputscht und der nächste Abschnitt angegangen.
Pirna mit Pyramide und Weihnachtsmarkt
Bevor es wieder ans Strecken-Buffet geht, muß noch das verwinkelte Pirna durchkämmt werden. Damit dies reibungslos vonstattengeht, navigiere ich uns mittels ausgedrucktem Stadtplan über den vorgeschriebenen Kurs. Als ich als Fotograph für ein Trio vor der Pirnaer Weihnachtspyramide fungiere, nimmt Ute den falschen Straßenzug. Doch so weit kommt sie nicht (davon) und unsere Extrameter halten sich demnach in Grenzen.
VP am Ruderverein in Pirna (Kilometer 20)
Am Start der Halbmarathonstrecke (dem VP beim Ruderverein) sind wir dennoch ans Ende der Veranstaltung durchgereicht worden, da viele Läufer sich die Runde durch die Pirnaer Innenstadt nicht antun und gleich auf dem Radweg bleiben. Das ist legitim, weil es der Veranstalter auch als Option anbietet - mit rund 40 Kilometern Distanz hat man dann aber keinen Marathon absolviert. Doch das muß jeder für sich selbst entscheiden.
Heidenau - Blick über die Elbe zu mistelbehangenen Pappeln
Blick zur ehem. Kunstdruck-Papierfabrik Krause & Baumann AG (heute Papierfabrik Glatfelder Dresden GmbH)
"Bohemia DC", ehemals "Elbe-Star"
Am Pirna'schen Versorgungsposten besteht zudem die Möglichkeit, seine Laufschuhe zu wechseln. Dafür steht ein Schuhregal mit den neuen Modellen des Sponsors "Puma" bereit. Man "tauscht" dann bei Interesse (und Wagemut) seine Treter gegen ein passendes Paar aus dem Angebot. Sicherlich werden dabei Beratung und Feststellung der Eignung auf ein Minimum reduziert, was für die verbleibenden 22 Kilometer durchaus Folgen haben kann - denn von nun an ist man auf Gedeih und Verderb seiner Entscheidung ausgesetzt. Erst im Ziel kann man von seinen Qualen (der falschen Schuhwahl) erlöst oder aus dem Runnershigh (des optimierten Laufgefühls) gerissen werden. Dieses Experiment erscheint uns zu riskant, weshalb wir weiterhin Vertrauen in unser "mitgebrachtes" Schuhwerk setzen.
Schloß Pillnitz
VP nach 30 Kilometern in Laubegast
Auch ohne Manipulation am Komfort des Laufgefühls wird unser Schritt zunehmend kürzer, langsamer, schwerer. Der Stecker scheint gezogen und der nächste VP ist wiederum zehn Kilometer entfernt. Bei diesem gab es bei früheren Veranstaltungen zur Stärkung der Willenskraft Eierlikör - doch der Luxus wird uns heute nicht zuteil. Vielleicht sind auch mehrere Becher Cola (in Verbindung mit Schokolade) hilfreicher? Wir versuchen es zumindest mit dieser Variante, welche auch kurzzeitige Besserung vortäuscht - sicherlich nur der Placebo-Effekt, denn die Zwischenzeiten auf der Uhr dokumentieren ein anderes, ein reelleres Bild vom Bewegungsablauf.
Kopfbedeckung Boot
"August der Starke" und das "Blaue Wunder"
VP Blauer Schirm am Blauen Wunder (ganz links im Bild) bei Kilometer 35
Doch Landschaftsläufe (und insbesondere die ohne Wettkampfcharakter) sind ja auch zum Wahrnehmen der Umgebung erdacht worden. Diese längst bei vielen in Vergessenheit geratene "Erfindung" lassen wir nun wieder aufleben und "genießen" die (meist) rechtselbisch am Hang befindlichen Blickfänge. Auch die vorbeischippernden Elbkähne lenken gut vom läuferischen Fiasko ab - und solange die Fließgeschwindigkeit der Elbe (auf unserem Streckenabschnitt bei mittlerer Wasserführung bis 5,5 km/h) unseren Trott nicht überbietet, besteht kein Grund zur Hektik.
Die Elbschlösser Schloß Albrechtsberg, Lignerschloß und Schloß Eckberg (v.l.n.r.)
"Gräfin Cosel" und Schloß Albrechtsberg
Watschelnd statt Laufend gen Dresden
Dresdner Silhouette mit Terrassenufer und Altstadt (Zoom)
Wir sind leider erst hier!
Ein letzter Motivationsschub wartet rund sieben Kilometer vor dem Ziel, am "Blauen Wunder". Dort gibt es heiße Suppe und die übliche weihnachtliche Kulinarik. Doch davon werden die Beine nicht mehr schneller und wir müssen nun ganz tief unten im Trickkistenregal wühlen. Bezugnehmend auf Carmen Goglins gewöhnungsbedürftigen Lachadventskalender (wo täglich eine neue oder ältere Form des zwanghaften Lachens präsentiert wird) erfinde ich kurzerhand das "Marathonlachen", welches in der groben Unsportlichkeit mündet, sich über (noch) langsamere Läufer lächerlich zu machen: "Guck mal da, ein Halbmarathonläufer! Der ist noch schwächer als wir - Ha, Ha, ha, ha, ha!" oder "Wir haben schon wieder einen Kilometer geschafft - Ha, Ha, Ha, Ha, Ha!". Diese Form der Motivation stelle ich jedoch bald wieder ein, da sich Utes Lachsalven in Grenzen halten.
Die fehlende Carolabrücke
Die Kilometer auf den Elbwiesen Richtung Dresden ziehen sich jedes Mal. Doch es war schon schwieriger, denn da peitschte uns bei eiskaltem Wind der Regen ins Gesicht, daß man scharfkantige Hagelkörner vermutete (und hatte damit eine "Ausrede" fürs "späte Ankommen"). Heute weht kein Lüftchen, die Temperatur ist angenehm und trotzdem kommt uns die Dresdner Altstadt nur langsam entgegen. Das Problem der schon "vorgerückten Stunde" für eine Zielankunft müssen wir bei uns suchen. Wobei diese Ursachenforschung recht schnell abgeschlossen ist und mit der unprofessionellen Vorbereitung begründet werden kann.
Zieleinlauf an der Ballsportarena
"Irgendwann" ist es dann doch so weit! Die Zielgasse ist keine 30 Meter lang, trist und grau, auch jubelnde Zuschauer fehlen, zudem vermisst der Ankömmling die letzte Anfeuerung durch einen Stadionsprecher - egal, endlich geschafft! Uhr aus, Zielgetränk fassen, ein Foto vom Erreichen des Zielbogens anfertigen lassen und ab unter die Dusche!
Der noch gemütlichere Teil der Laufveranstaltung im VIP-Raum der Ballsportarena
Nach all dem Genuß auf dem Elbradweg wird es noch gemütlicher. Im VIP-Raum der Ballsportarena ist dafür weihnachtlich eingedeckt. Neben dem adventgemäßen Versorgungsstandard, welcher Gebäck, Stollen und Glühwein beinhaltet, gibt es noch die normalen Läufergetränke sowie Eierlikör und Bratwurst. Die Teilnehmerurkunde wird mit Werbegeschenken zur Finisher-Weihnachtsbaumkugel ausgeteilt - eventuell während des Laufes aufgetretene Schmerzen und Ungereimtheiten sind da längst vergessen, weil die vielen schönen Momente einer solchen Veranstaltung dann doch überwiegen. Danke, für diesen 2. Advent!
Mitbringsel aus Dresden - Urkunde und Weihnachtsbaumschmuck
Zum Abschluß noch die Zahlenspielerei von COROS, welche einem mit allerhand Flunkerei versorgt und somit bei Stange hält. Da stehen doch tatsächlich nach diesem "Genußlauf" zwei neue "Rekorde" ("Jahresbestzeiten") zu Buche: Halbmarathon (2:10:44 h - da sind die meisten Marathonsieger schon unter der Dusche!) und Marathon (4:45:42 h - Christian Seiler wäre da kurz vor dem Zieleinlauf beim seinem Rennsteiglauf-Rekord über eine 30 km längere und "hügligere" Strecke)! Dazu wird mir eine Lauffitness bescheinigt, welche es ermöglicht, den (nächsten) Marathon in 4:21:27 Stunden zu beenden. Sicherlich ist dies nun kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen - doch jeden noch so kleinen Fortschritt nimmt der Wiedereinsteiger gern zur Kenntnis, auch wenn es noch ein langer Weg ist (länger als die 42,195 Kilometer), um mal wieder einen Lauf dieser Größenordnung zufriedenstellend abhaken zu können.
Die COROS-Aufzeichnung lügt nicht: neuer Rekord! (siehe Vermerk rechts oben)
waldundwiesensport.de wünscht ein Frohes Fest und besinnliche Feiertage!





