31.01.2026 / ab 11:30 Uhr / 5 km / 60 Hm+ / 60 Hm- / Doppelstarts
31.01.2026 / ab 12 Uhr / 10 km / 120 Hm+ / 120 Hm- / Doppelstarts

"Ein guter Winter (Nicht zu verwechseln mit Wintersportler!) wird im Sommer gemacht." bedeutet: ein rigoroser Verzicht auf die liebgewonnenen Dinge des Lebens in der warmen Jahreszeit, garantiert demnach einen Winter, wie man ihn von früher kennt. Dafür bleibt der Privatjet des öfteren im Hangar stehen, das sinnlose Umherschippern mit dem Hausboot auf dem Mittelmeer ist auf ein Minimum beschränkt und der Lieblingscoffeur kann nur alle zwei Wochen aus Übersee zum Erstellen des neuesten Strandhaarschnittes in Chemnitz erscheinen - und wenn sich alle an diese einfachen Regeln (der wirksamen Klimabeeinflussung) gehalten hätten, wäre die weiße Pracht, namens Schnee, schon Ende des Vorjahres vom Wettergott über den Erzgebirgskamm abgelegt worden.
"Wettkampfvorbereitung" im Erzgebirgsvorland
Doch ganz so (natur-)gesetzestreu waren dann doch nicht alle und der Wintereinbruch fand deshalb erst im Januar statt. Während nun ein ganzes Land völlig unvorbereitet im weißen Chaos zu versinken droht, der Wetterdienst nicht müde wird, neue Niederschlags- oder Kältewarnungen auszurufen, erfreut sich der Otto-Normalsportler auf die willkommene Abwechslung im Ausdauersport - schließlich wurde der Skisport erfunden, um dem ganzen Ungemach auch ein paar positive Seiten abzugewinnen.
Startnummern und Streckenplan
"Gute Wintersportler werden im Sommer (und im Gebirge) gemacht." Daher braucht man sich auch keine Illusionen machen, wenn man zu einem Skiwettkampf in die Hanglagen des Erzgebirges fährt. Dort trifft man auf ausschließlich gut trainierte Langläufer, die nicht nur zum Kräftemessen untereinander die Bretter an den Füßen haben, sondern täglich (vielleicht sogar auch nachts?). Das ist bei Ute und mir etwas anders, denn nur zwei- bzw. dreimal bot sich uns die Gelegenheit, auf den Latten durch die Flur zu gleiten, oder besser gesagt, zu marschieren. Diese nicht leistungsfördernden "Trainingseinheiten" hatten nämlich mehr den Charakter einer Skiwanderung, mit dem Grundgedanke: Hauptsache, an der frischen Luft!
Doppelstart um 11:40 Uhr
Die Chancen, daß der 103. Schwartenberglauf (Sachsencup) stattfindet, stehen nicht schlecht. Kurz vor Meldeschluß tragen auch wir uns in die Starterlisten über 9 bzw. 18 Kilometer ein. Ein anvisierter Streckentest nach Feierabend fällt jedoch dem eng gestrickten persönlichen Zeitplan zum Opfer. Dann muß es eben auch so gehen - Strecke und Profil sind noch grob in einem der Hinterstübchen vorhanden und die Wettkampfloipe wird sicherlich auch ausreichend markiert sein.
Ute beim Rundendrehen
Der Tag ist trüb und vernebelt, als wir uns mit dem Fahrzeug zum Erzgebirgskamm durchkämpfen. Was uns jedoch sofort ins Auge sticht, sind die fehlenden Hinweise zum Parken und zum Wettkampf selbst, als wir in den Wald zum Gasthof Bad Einsiedel abbiegen. Dort wird es (trotz geringerer Sichtbehinderung) nicht besser: gerade einmal drei Autos stehen auf dem Parkplatz der Schwartenbergloipe, das "Anmeldezelt" ist nur als Metallgerippe durch den Dunst ausmachbar und das für einen Wettkampf notwendige Equipment fehlt vollends. Häää? Hab ich mich etwa im Datum geirrt? Ein Blick ins (durch schwaches Netz recht wacklige) Internet präsentiert uns die Lösung: Verlegung des Schwartenbergklassikers nach Seiffen mit verkürzten Strecken.
Der ist ja immer noch auf der Runde unterwegs!
Da Seiffen gleich um die Ecke ist, ist diese Änderung nicht allzu tragisch. Das Fahrzeug parkt nun noch näher an der Strecke, als es beim ursprünglichen Start- und Zielort gestanden hätte. Die Abholung unserer Startunterlagen geht auch relativ fix. Wir haben nun (ca. 9:30 Uhr) nur noch viel zu viel Zeit totzuschlagen, denn Utes Start ist 11:40 Uhr und ich gehe erst 12:06 Uhr und 30 Sekunden auf die Strecke. Diese besteht aus einer 1,8-km-Schleife, welche Ute dreimal und ich sechsmal zu absolvieren habe.
Veranstaltungsende - die letzte Zielankunft des Tages
Das Abfahren der Strecke vor dem Wettkampfbeginn ist recht lehrreich, aber auch deprimierend. Die Skier sind stumpf, jedoch für die Spitzkehre nach der ersten Abfahrt zu flott - Bodenkontakt das Resultat. Ach, was wäre die Originalstrecke doch um Längen besser! Doch diese war zum Zeitpunkt der finalen Entscheidung, ob der Schwartenberglauf stattfinden kann oder nicht, noch nicht mit genügend Schnee versehen. Daher wurde das Angebot der "Sportwelt Preußler", den Traditionslauf auf deren Loipen abzuwickeln, angenommen. Dafür mußten die ausgeschriebenen Strecken verkürzt, der Wettkampf aber nicht abgesagt werden.
Siegerehrung der Altersklasse 4 (m/w)
Der Wettkampf entwickelt sich für mich, wie befürchtet. Eine halbe Minute vor dem letzten Doppelstart des Tages in der Spur, übernehme ich nach erneuter "Vermessung" der ersten Spitzkehre die "Rote Laterne". Dies fällt nicht sonderlich auf, da die Zehn-Kilometer-Läufer noch komplett ihre Runden drehen - nur meine Körpersprache, mit vorsichtigem und kraftlosen Dahinruscheln verrät den sportlichen Außenseiter. Sei's drum, für meine letzte Runde habe ich die stark abgenutzte Loipe für mich allein. Nur die Streckenposten tun mir leid, denn schon mehrere Stunden stehen sie im ekligen Grau und notieren Startnummern für die korrekte Rundenerfassung. Nun warten sie nur noch auf mich, um danach die Streckenmarkierung abzubauen. Im Ziel entschuldige ich mich für mein spätes Erscheinen, es gibt noch einen heißen Tee, der meine "moralische Gesamtsituation" nicht grundlegend verbessert.
Urkunden und Holzski-Pokal
Doch es kommt noch dicker, denn beim Schwartenberglauf sind die ersten sechs Plätze einer Altersklasse siegerehrungsberechtigt. Da die Altersklasse 3 nur sechs Teilnehmer aufgeboten hat, müßte ich ebenfalls mit nach vorn. Doch als "Veranstaltungsende", als abgeschlagener Letzter zu einer Ehrung gehen und damit den sportlichen Wert der anderen Teilnehmer mindern? Nein, das gehört sich nicht! Ute ist zwar auch Letzte ihrer Altersklasse, aber eben auch Erste - denn nur wer da ist, kann auch gewinnen (und die Urkunde für "Siegerehrungsverhinderte" abholen)!
Mitbringsel vergangener Schwartenbergläufe
Ein aschgrauer Tag mit einer in diesem nichts nachstehenden sportlichen Leistung ist damit aber noch nicht zu Ende. Beim Einstieg ins Fahrzeug fährt es mir ordentlich durch den "verlängerten Rücken" - eine prognostizierte Steißprellung, hervorgerufen durch den derben Aufschlag in Runde 1. Ich habe ja mit allen möglichen körperlichen Einschränkungen gerechnet, nur nicht damit, nach einem Schneegeruschel nicht mehr richtig sitzen zu können. Was soll's, tags darauf kann ich diese (nun ungewohnt schmerzhafte) Tätigkeit ganztägig auskosten, denn die Regionalmeisterschaften des Leichtathletik-Nachwuchses im Chemnitzer Sportforum stehen an. Da Ute als Trainerin ihre Schützlinge dort betreut, werde ich mir den Tag wohl auf den Zuschauerrängen um die Ohren schlagen und mein Sitzverhalten in den Plasteschalen der Tribüne testen, gegebenenfalls sogar verbessern: "Schlechte Streckenvermesser werden in der Halle besser gemacht!" - schließlich warten die Langstrecken des Schellerhauer Kammlaufs, des Kammlaufs Mühlleithen - Johanngeorgenstadt und des Karlslaufs in Gottesgab noch auf den untalentierten Skiakrobaten und diese skifahrerischen Herausforderungen sollten zumindest sturzfrei über die Bühne gehen.





