11.04.2014 - 10:00 / 14:00 Uhr - 230,74 km / 6.997 Hm+ / 6.977 Hm-
Dietfurt an der Altmühl: Start- und Zielort des JUNUT, des Jurasteig Nonstop Ultratrail.
"Ganz gleich, ob als Tagestour oder Vollblut-Wanderurlaub - eine Wanderung auf dem Jurasteig wird in jedem Fall zu einer Genußtour...", so die Einleitung im Jurasteig-Wanderführer von Magenta 4. Das klingt natürlich gut - wird also auch gemacht! Nur ist der 230-Kilometer-"Wanderurlaub" beim JUNUT für die volle Jurasteig-Umrundung auf 52 Stunden beschränkt ...
Der Jurasteig ist ein Rundwanderweg durch die Naturlandschaft des Bayerischen Jura. Auf einer Strecke von rund 230 Kilometern verläuft er im stetigen Auf und Ab durch vier Landkreise. Viele Schlösser, Burgen und Klöster säumen dabei seinen Weg über die Anhöhen und durch die Täler von Donau, Altmühl, Naab, Vils, Lauterach sowie Weißer und Schwarzer Laber. Diese Kulisse bietet den Rahmen für den "Jurasteig Nonstop Ultratrail", kurz JUNUT.
Für diesen privaten Einladungslauf ist das Klientel von 115 Läufern aus 10 Nationen regelrecht "handverlesen". Wer hier mitmacht, weiß was er tut, da eine gewisse "Vorbelastung" (im Sinne von Ultralauf-Erfahrung) zwingend erforderlich ist. Trotzdem liegt die Finisherquote bei nicht ganz der Hälfte. Es gibt jedoch die Möglichkeit das Rennen nach 172 Kilometern zu beenden und als Finisher des JUNUT 172 gewertet zu werden.
Groß war die Freude bei Ute und mir, als wir im Herbst von Gerhard Börner die Einladung für den 230er bekamen - für uns aber "läuferisches Neuland", auch wenn wir schon den ein oder anderen längeren Lauf erfolgreich über die Bühne gebracht haben, so ist doch dieser Ultralauf nicht mit denen im Hochgebirge vergleichbar.
Trotz dessen beschlossen wir, diesen Lauf als "Generalprobe" für unsere spätsommerlichen Alpen-Aktivitäten zu sehen. Mit Torsten aus Hermsdorf/Thüringen wollen wir dabei unsere Teamfähigkeit testen und versuchen, dieses Wochenende im Dreier-Gruppenlauf zu verbringen.

Donnerstag, 10. April: Startnummernausgabe und "Briefing" in der "Alten Turnhalle" von Dietfurt.
Am Montag Abend beziehen Ute und ich Quartier in der Pension Schebeske in Dietfurt. Die Zeit bis zum Start am Freitag machen wir uns etwas mit der Gegend vertraut. Das Abwandern der Tillyland-Schlaufe am Dienstag sowie ein 46-km-Eingewöhnungslauf am Mittwoch im Gebiet der Donau bei Kelheim gehören zur stilvollen Vorbereitung auf den JUNUT 230. Am Donnerstag nehmen wir dann Dietfurt etwas näher unter die Lupe, zumal am Nachmittag die Startnummernausgabe und das verbindliche Briefing in der "Alten Turnhalle" stattfinden. Der Abend klingt mit einer zünftigen "Pasta-Party" im Gasthof "Stirzer" aus.
Unsere Taschen mit den wichtigsten Habseligkeiten für die großen Pausen unterwegs (neudeutsch: drop bag) geben wir des Morgens am "Race HQ" ab. Sie werden uns an den Verpflegungspunkten in Matting (km 76,6), Schmidmühlen (km 135,0) und Deining (km 195,6) zur Verfügung stehen. Dann geht es zum nahegelegenen Rathausplatz, wo sich der Start vollziehen wird. Das Medieninteresse an diesem Ereignis ist (verhältnismäßig) groß - der Bayerische Rundfunk und ein Lokalsender werden am Wochenende vom Lauf berichten.

Generalprobe für "größere" Geschichten. Organisator Gerhard Börner.
Die Pflichtausrüstung beim JUNUT beschränkt sich offiziell nur auf das Mitführen von Mobiltelefon, eigenem Trinkbecher und "Roadbook". Den Rest kann/soll man sich individuell zusammenstellen. Eigene Verpflegung und ein Trinkvorrat sind dabei sehr ratsam, da die 12 VP's zwischen 10 und 28 Kilometern auseinanderliegen werden. Dazu kommt noch Licht für die Nacht und Wechselkleidung für Regen oder Hitze in den Rucksack. Es soll ja schließlich nicht an diesen Kleinigkeiten scheitern! Auf Stöcke verzichten wir diesmal.
Dietfurt - Riedenburg 26,6 km / 943 Hm+ / 959 Hm-
Punkt 10 Uhr schickt der Bürgermeister das Hauptfeld des JUNUT 230 und die Teilnehmer des JUNUT 172 auf die Reise. Vier Stunden später werden die schnelleren Läufer starten, welche eine Zielzeit von unter 47 Stunden anstreben. Der Doppelstart verringert zu lange Besetzungszeiten der Verpflegungspunkte im Schlußteil der Strecke durch die ausnahmslos ehrenamtlichen Helfer von Sportvereinen, Feuerwehr, Gaststätten, usw.
Zwar wurde im Vorfeld stets auf die Schwierigkeit des Jurasteiges aufmerksam gemacht, die ersten Gefahren lauern jedoch schon entlang der Hauptstraße durch die "Sieben-Täler-Stadt". Mehrere Blumenkübel, die den Fußwegrand säumen, sind durch das dichte Läuferfeld erst sehr spät auszumachen. Wer also hier schon "träumt", könnte sich sein DNF schon kurz nach dem Start abholen. Jedoch sind alle Teilnehmer ausgeschlafen genug um diese urbanen Hürden zu meistern. Und kurz darauf biegt der Weg auch in den Wald am Wildensteiner Berg - gerettet! Jetzt kommen die Waldwege, Pfade, Steige und was sonst noch alles so Spaß macht.

Immer entlang des Jurasteiges! Blick vom Roßkopf (479 m) ins Altmühltal.
Wald und Waldrand wechseln sich jetzt ab. Verhältnismäßig steile Anstiege und ebenso steile Abfahrten durch raschelndes Buchenlaub rauben uns die ersten Kräfte. Die Strecke schlängelt sich, ähnlich wie die Altmühl gemütlich Richtung Riedenburg. Nach rund 9 absolvierten Kilometern kurz vor dem Aussichtspunkt Roßkopf treffen der Jurasteig und der Altmühltal-Panoramaweg zusammen. Von nun an zählt für uns bis Kelheim die rot-gelbe Markierung, die gelb-blauen Schilder des Jurasteiges wurden auf diesem Abschnitt eingespart um ein "Beschilderungschaos" zu vermeiden.
Mittlerweile ist unsere Reisegruppe auf vier Personen angewachsen - Holger aus dem südbrandenburgischen Lauchhammer ergänzt seit einigen Kilometern unseren Trupp. Wir bummeln nicht, haben allerdings auch ein Auge für die schönen Dinge am Rande der Strecke, so z.B. der Aussichtspunkt nach dem Aufstieg von Gundelfing oder der Blick von der Drachenfliegerschanze bei Jachenhausen.

Ute, Torsten und Holger genießen die Aussicht. VP Riedenburg: Der Spaß hat erst begonnen.
Nun ist es nicht mehr weit bis Riedenburg. Wir überqueren zum dritten Male die Altmühl und sind kurz darauf am ersten Verpflegungspunkt der Strecke angelangt. "Der Spaß hat gerade erst begonnen!", ist auf einem Schild zu lesen. Der österlich geschmückte Brunnen vor der Tourist-Information dient der Erfrischung und im Inneren des Gebäudes gibt es die liebevoll bereitete Stärkung. Vor dem Eingang ist der Bier- und Colaausschank - was will man mehr? Nach zehn Minuten Aufenthalt machen wir uns jedoch wieder aus dem Staub, wir wollen ja den gerade erst begonnenen Spaß nicht allzulang unterbrechen.
Riedenburg - Kelheim 22,6 km / 808 Hm+ / 820 Hm-
Nach der Ortsquerung zweigt der Weg in den Wald ab und nach einem rund zwei Kilometer langen Abschnitt durch die Buchleite erreichen wir das Naturwaldreservat "Klamm". Hier darf (laut Schild) nur der "geübte Wanderer" rein - wir gehören allerdings auch dazu. Zwischen riesigen, bemoosten Felsblöcken verläuft nun der Pfad. Statt der einheimischen Rotbuchen stehen hier sehr hohe und bestimmt an die 150 Jahre alte (nordamerikanische) Douglasien. Die Inschrift eines Blockes am Wegesrand beantwortet dann auch indirekt die Frage nach dem Alter der Bäume: "Zur Erinnerung an den Revierförster Röhrmüller - Gründer dieser Anlagen 1869".
Der folgende Aufstieg zum höchsten Punkt der Klamm gehört dann zwar nicht zur Strecke des JUNUT, aber zu unserem Kulturprogramm. Eine herrliche Sicht hinüber zur Burg Prunn entschädigt hierbei für diesen kurzen Abstecher. Durch den anschließenden Buchenwald verlieren wir schnell wieder an Höhe und bevor wir den Wald verlassen, wartete noch ein Fotograf im unteren Teil des Abstieges auf uns. Über die Altmühl laufen wir nach Nußhausen, wo wir über eine Steintreppe und später über einen Forstweg die Burg Prunn erreichen.

Blick vom höchsten Felsturm der Klamm. "Tatzlwurm" - (zweit-?)längste Holzbrücke Europas.
Durch den Prunner Forst laufend, gelangen wir nach rund 3 Kilometern zum "Tatzlwurm", einer der längsten Holzbrücken Europas. Nach der wiederholten Überquerung der Altmühl, führt der Weg flach Richtung Keltenwall, auf dessen "Rücken" die nächsten Kilometer im Hienheimer Forst verlaufen werden. Vor über 2.000 jahren diente dieser Wall als Schutzmauer für die Keltenstadt Alkimoennis.
In Gespräche vertieft, stehen wir plötzlich an einem Aussichtspunkt hoch über der Donau. Hier geht es definitiv nicht weiter, also sind wir verkehrt! Aber was heißt hier schon falsch? Es öffnet sich uns ein grandioser Ausblick auf das Kloster Weltenburg. Torsten erläutere ich kurz unsere Streckenführung auf der gegenüberliegenden Seite beim vorgestrigen Trainingslauf, ehe wir wieder auf unseren Kurs zurückkehren.
Nun geht es hinunter an die Donau. Im Naturschutzgebiet "Weltenburger Enge" gibt es neben den malerischen Felsformationen auch ab und zu Biberfraß an den ufernahen Gehölzen zu sehen. Außerdem vermittelt eine weit über unseren Köpfen angebrachte Hochwassermarke von 1999 (?) einen Eindruck, welche gewaltigen Dimensionen hier ein Hochwasser haben kann.

Naturschutzgebiet Weltenburger Enge. Verpflegungspunkt Kelheim.
Auf dem Donaudamm kommen wir nach Kelheim, vorbei an der Anlegestelle der Donau-Schiffahrt und durch die Altstadt gelangen wir zum Pavillon der Altmühl-Schiffahrt. Dort ist die nächste Verpflegungsstelle aufgebaut. Zuvor muß ich jedoch noch die etwas ungewöhnliche Frage einiger Passanten beantworten. Neben dem Schild "km 49 - nur noch 181 km" stehend, fragen die doch allen Ernstes: "Ist das hier ein Marathon?"! Ich erläutere kurz die (für sie höchstwahrscheinlich verschlüsselte) Zahlenkombination auf dem Schild und sie nicken mir, dem (für sie) Märchenonkel ungläubig zu.
Kelheim - Matting 27,4 km / 801 Hm+ / 805 Hm-
Nach 20 Minuten Rast brechen wir wieder auf. Es geht erst mal noch entspannt durch die Stadt, wobei wir ordnungsgemäß die StVO beachten. Am Stadtausgang biegen wir auf einen Kreuzgang hinauf zum Goldberg. Zwar hat man wenig später noch einmal einen herrlichen Blick hinüber zur Befreiungshalle, eine Rast legen wir jedoch erst einige Kilometer später auf einem Wiesenabschnitt hinter Kapfelberg ein. Ein schöner Fleck! Hier hat man die Donau unter sich und die letzten Sonnenstrahlen des Tages wärmen zudem noch die schon (leicht) geschundenen Körper.

Ute am Kirchenholz oberhalb von Kapfelberg. Abendbrot mit Blick auf die Donau.
Wenig später ist die Sonne verschwunden und wir können uns schon mal auf die erste Nacht vorbereiten. Dazu gehört auch die Katzenwäsche an einem Brunnen in Bad Abbach. Am Ortsausgang basteln andere Läufer schon ihre Beleuchtung auf den Kopf, wir warten damit noch ein Stück, müssen aber rund einen Kilometer später im Wald die Stirnlampen auch aktivieren.

Sonnenuntergang bei Poikam. VP in der Feuerwehr von Matting.
Gegen 21 Uhr erreichen wir das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Matting. Hier stehen zum erstenmal unsere Taschen mit den Wechselklamotten. Hier könnte man sich nun komplett umziehen, ich konzentriere mich jedoch vorerst um die für mich wichtigeren Angelegenheiten. Dazu gehören die Feierabendflasche Bier und die deftige Kost vom Buffet. Erst später lasse ich mich von Ute zum Umziehen überreden, aber nur "obenrum". Das Elend in den Schuhen bleibt erstmal noch verborgen, obwohl sich schon seit langem erste Blasen bemerkbar machen.
Die Stimmung im Verpflegungspunkt ist locker. Neben dem Kamerateam des Lokalfernsehens läßt sich auch der Bürgermeister des Ortes blicken und sucht interessiert das Gespräch mit den Teilnehmern. Auch Gerhard Börner ist kurz vor Ort und verabschiedet das Filmteam bis zum nächsten Tag. Wir verabschieden uns kurz darauf auch, denn 21:50 Uhr geht unsere "Fähre" ...
Matting - Schönhofen 9,7 km / 456 Hm+ / 352 Hm-
Ute, Torsten und Holger warten vor dem Gebäude schon geduldig auf mich. Ich kam allerdings in dem Gewühl im Inneren der Bleibe nicht an meine Tasche (die ich noch abgeben mußte) und ließ somit unsere Reisegruppe unnötig in der sternenklaren Nacht frieren. Jetzt müssen wir uns aber beeilen, denn jetzt kommt der interessanteste Teil der Runde - die "Donau-Überquerung mit Schlauchboot", wie es im Roadbook geschrieben steht.
Ein Feuerwehrmann begleitet uns deshalb hinunter zum Fluß, dort warten seine Kameraden mit einem Motorboot bereits auf uns. Jeder bekommt eine Schwimmweste übergezogen und mit vier Fahrgästen und zwei Besatzungsmitgliedern ist der Kahn auch ausgelastet. Ein weiterer Läufer muß deshalb am Ufer auf die nächste Fuhre warten. Es geht aber wie am Schnürchen. Mit voller Fahrt wird das gegenüberliegende Ufer angesteuert und die Läufer-Ladung gelöscht. Wenige Augenblicke später ist das Boot im Dunkel der Nacht wieder verschwunden und wir hören nur noch die Motorgeräusche.

"Eine Bootsfahrt die ist lustig!" Im Naturfreundehaus bei km 86,3
Wir sind im Naturschutzgebiet "Mattinger Hänge" angelangt, eine große Schleife entlang der Donau um den Dacherlfelsen herum bringt uns wieder in den Wald. Jetzt ist mehr und mehr Torsten gefragt. In kniffligen Situationen muß er nun mit dem GPS-Gerät den rechten Weg finden. Was für ihn jedoch Routine darstellt und wir so ohne großen Zeitverlust durch Wegsucherei unterwegs sind. Fast zu schnell. Und so kommt es, daß wir das am Wegrand liegende Naturfreundehaus "Alpiner Steig" fast überlaufen.
Dort ist unser nächster Verpflegungspunkt, wo wir eine halbe Stunde bei Kaffee und Obst rasten. Das Verlassen der warmen Stube fällt kurz vor Mitternacht natürlich schwer.
Schönhofen - Pielenhofen 14,9 km / 476 Hm+ / 571 Hm-
Es folgt eine weitere Etappe ohne große Sehenswürdigkeiten bei Nacht. So bleibt die Überquerung der Autobahn noch dunkel im Gedächtnis hängen, ebenso die Räuberhöhle am Wegrand im Etterzhausener Wald. Der Rest der Strecke verläuft langgezogen durch endlos scheinende Waldabschnitte. Nur selten queren wir mal eine Lichtung oder eine Wiese.

Navigator Torsten gibt den Weg vor. Klosterwirtschaft in Pielenhofen.
Unser nächster Anlaufpunkt ist die Klosterwirtschaft des Zisterzienserinnenkloster in Pielenhofen. Kurz nach 2 Uhr betreten wir die Gaststube. Es gibt zusätzlich zum gewohnten Ernährungsprogramm warme Suppe. Nur das überall im Gebäude beworbene "Weltenburger Bier" vermisse ich. Während meine Mitstreiter versuchen die Pausenzeit mit kurzem Schlaf zu nutzen, habe ich am Telefon zu tun. Ich wollte es den gesamten Lauf über im Rucksack lassen um mich damit nicht zu veratteln, doch genau das passiert jetzt immer häufiger.
Daheim wird auf dem "Liveblog" des Veranstalters unser Vorankommen verfolgt und über das Telefon per SMS oder WhatsApp kommentiert. Da laß' ich mich natürlich nicht lumpen und schreibe höflich zurück. Das kostet jedoch Zeit, aber ich will den Leuten auch die Härte der ganzen Geschichte vor Augen führen und berichte davon, daß wir uns hauptsächlich von Moos, Baumrinde und Flechten ernähren würden, dazu gäbe es etwas Donauwasser zum 'runterspülen. Leider entlarven mitgelieferte Bilder von uns den Schwindel. Ich würde viel zu fett aussehen! Na gut, einen Versuch war es ja wert.
Pielenhofen - Dallackenried 11,5 km / 321 Hm+ / 358 Hm-
Nach einer dreiviertel Stunde geht es für uns weiter. Über die Naab-Brücke laufend, verschwinden wir bald darauf im Pielenhofer Wald. Anfangs kommen uns beim Anstieg zum Pielenhofer Berg zwei Läufer entgegen, welche den Verpflegungspunkt in der Klosterwirtschaft "verpasst" hatten. Eine Registrierung in den jeweiligen Punkten ist allerdings Pflicht um nicht aus der Wertung genommen zu werden.
Durch das Naturwaldreservat "Naabrangen" führt ein Pfad weiter nach Kleinduggendorf, von dort auf ein Plateau. Eine Bank lädt hier zum Verweilen ein. Der Blick ist hierbei auf die symetrisch angeordnete Straßenbeleuchtung von Duggendorf gerichtet. Zwar nicht der ganz große Brüller, aber ein "Erlebnis", welches nicht jeder in seiner Vita vorweisen kann.

Auch nachts sollte man sich eine Pause gönnen ... ... und die Aussicht genießen.
Es ist 5:15 Uhr und wir sind am 6. VP der Runde in Dallackenried angelangt. Das örtliche Feuerwehrhaus bietet uns dabei Unterschlupf. Bei unserem Eintreffen brechen gerade die vier Stunden nach uns gestarteten Oliver Schoiber und Jörg Burgstahler auf. Weitere Läufer der "schnellen Truppe" des 14-Uhr-Starts betreten kurz nach uns den Raum. Wir verfallen deshalb aber keineswegs in Hektik, denn wir liegen gut in unserem selbstgesteckten Zeitplan.

Im Feuerwehrhaus der FFW Dallackenried versucht sich Ute im Fünf-Minuten-Schlaf.
Deshalb versucht sich Ute auch im Kurz-Schlaf auf einer bereitstehenden Liege, während wir drei Männer etwas Ruhe im Sitzen suchen. Der Geräuschpegel im Raum ist jedoch für eine ausgedehnte Nachtruhe nicht förderlich und so bleibt es wohl bei etwas Sekundenschlaf für unser Team.
Dallackenried - Schmidmühlen 22,3 km / 697 Hm+ / 627 Hm-
Auch hier fällt der Übergang von der wohligen Wärme des Raumes in die kalte Morgenluft schwer. Es ist 6 Uhr und der neue Tag beginnt. Heute soll es richtig warm werden, so die Wetterprognose. Also müssen wir noch so viel Kilometer wie möglich am kühlen Morgen abspulen.
Durch Wald und Flur geht es nun hinab ins Tal der Vils. Der Morgentau bei einer Wiesenquerung sorgt dann auch für nasse Schuhe. Ist natürlich genau das, was meine blasenverquollenen Füße noch brauchen. Bei der nächsten Rast in Schmidmühlen werde ich wohl nicht um eine Fußpflege drumrumkommen. Aber auch Torsten hat mit Blasen an den Füßen zu kämpfen, Holger hat mittlerweile größere Knieprobleme nach einem nächtlichen Sturz und Ute muß ihre Schmerzen im Fuß unterdrücken. Es könnte optimaler laufen, aber wir wollen ja nicht jammern.

Im Vilstal bei Rohrbach. Das Rathaus von Schmidmühlen.
Von 9:40 Uhr bis 10:50 Uhr nutzen wir den Verpflegungspunkt beim SV Eintracht Schmidmühlen um uns ein wenig zu regenerieren. Nach absolvierten Telefondienst kümmere ich mich um meine Füße. Die Blasen schneide ich mit der Fingernagelschere auf, desinfiziere sie und mißbrauche das (für Rücken oder Knie) mitgeführte Kinesiotape zum Abkleben der Schadstellen. Zwei Paar Socken kommen darüber, damit ein Teil der Reibung zwischen den Socken hängen bleibt. Dann gönne ich mir eine große Kartoffel mit viel Salz, dazu ein Weizen- und ein "normales" Bier.
Ute nutzt die Zeit u.a. zum Duschen und Torsten verzieht sich in den Ruheraum zum Schlafen. Eine Massage wird auch angeboten, aber die brauchen wir jetzt noch nicht. Denn wir sind auch so wieder gut beieinander. Beim Verlassen des Fußballplatzes begleitet uns ein Fernsehteam, welches auch schon unsere Ankunft filmte.
Schmidmühlen - Hohenburg 14,7 km / 395 Hm+ / 346 Hm-
Vom Vilstal wechseln wir jetzt ins Tal der Lauterach. Über den Blaugrundgraben erreichen wir eine Hochfläche. Nach dem Überwinden des höchsten Punktes des Streckenabschnittes in Winbuch geht es über Griesgraben und Brunntal zurück ins Lauterachtal. An dessen Hängen führt der Pfad Richtung Hohenburg. Stets die gleichnamige Burgruine auf der gegenüberliegenden Talseite im Blick, passieren wir kurz vor Erreichen des nächsten Versorgungspunktes die Wallfahrtskirche Stettkirchen.
Die Markierung führt nun über die Leitplanke, der zu querenden Straße, hinunter zum Sportplatzgelände des TuS Hohenburg.

Blick ins Tal der Lauterach. Verpflegungspunkt beim TuS Hohenburg.
Das Tabellenschlußlicht der A-Klasse Süd, Amberg/Weiden ist wiederum ein erstklassischer Gastgeber. Der Vereinskneipenwirt bietet zusätzlich zur Verpflegung noch Bockbier an. "Das brauchst Du jetzt!", meint er, als er mir das Glas überreicht. Ich frage nicht groß nach dem Warum, sondern genieße einfach das Gebräu, dessen Marke ich nicht mehr weiß. Einmal im Jahr könne man schon mal auf Bockbier zurückgreifen, so würden sie es hier auch handhaben - dann aber richtig! Das geht bei mir natürlich nicht. Nach 20 Minuten Rast müssen wir auch schon wieder weiter.
Hohenbug - Habsberg 22,7 km / 833 Hm+ / 578 Hm-
Auf der Etappe nach Habsberg passieren wir den nördlichsten und an der Wallfahrtskirche "Maria Heil der Kranken" auch den höchsten Punkt der gesamten Jurasteig-Runde. In Hohenburg und Allersburg zermürben uns die viele Schlaufen und die nicht abnehmen wollenden Kilometer-Angaben auf den Wegweisern. Dazu kommt noch das "Zerbrechen" unserer Vierer-Gruppe. Holgers Knieschmerz läßt ein Bergablaufen nicht mehr zu. So zerreißt unsere Truppe immer öfterer. Wir sind aber schon so lang zusammen unterwegs, doch Holger will, das wir unser eigenes Tempo laufen.

Der angenehme Anstieg nach Flügelsbuch. Der qualvolle Anstieg zur Kirche Habsberg.
So kommt es, das uns Holger ab Flügelsbuch vorerst nicht mehr folgen kann und wir schließlich nur noch zu Dritt die Strecke meistern. Erst hinter Utzenhofen schließt er wieder zu uns auf. Sein Jahreshöhepunkt ist der JUNUT nicht, daher beendet er den Lauf am Diözesanjugendhaus Habsberg und wird als Finisher der 172er Distanz gewertet.
Auch im zweiten Teil der "Etappe" nimmt der Jurasteig weiterhin viele Umwege, welche zusätzlich die noch nötigen Höhenmeter bringen.
Kurz vor 18:30 Uhr werden wir im Speisesaal des Kirchen-Hauses auf dem Habsberg von der Zeitnahme erfaßt. Die Schuhe werden gelüftet und die Bänke im hinteren Teil des Raumes zum Ausruhen genutzt. Nach einer fast anderthalbstündigen Pause setzen wir uns wieder in Bewegung.
Habsberg - Deining 23,2 km / 440 Hm+ / 604 Hm-
Wir sind maximal regeneriert und kommen deshalb in der hereinbrechenden Dunkelheit schnell voran. In Unterwiesenacker müssen wir unsere Scheinwerfer auf den Kopf setzen. Weit und breit ist kein anderer Läufer, bzw. kein anderes Licht auszumachen. Von weitem sehen wir schon die Beleuchtung der Autobahn-Raststätte "Jura", in deren Nähe wir die BAB3 unterqueren werden.
Von hinten taucht plötzlich eine Lampe auf, es ist Dieter Ladegast, mit dem wir einen weiteren Abschnitt unserer Strecke absolvieren. Es gibt viel zu erzählen und die Nacht ist damit nicht so langweilig. Kurz vor Oberbuchfeld muß Torsten mal wieder die Batterien am GPS-Gerät wechseln, was zwar wieder etwas Zeit kostet, aber Torstens Navigationskünste sind für uns Gold wert. Dieter verabschiedet sich nach weiter vorn und wir sind wieder "unter uns".

Feuchtwiese an der Weißen Laber bei Siegenhofen. Der 1. FC Deining lädt zur Rast!
Die Streckenführung ist wesentlich einfacher, als die vorangegangenen Abschnitte. Auch sind jetzt wesentlich mehr Bäche oder Quellen (zum Erfrischen) am Wegesrand, welche man auf den ersten zwei Dritteln des JUNUT völlig vermißte, wenn man mal von den großen Flüßen absieht. Aber wir bewegen uns jetzt im "Land der tausend Quellen", wie das Tal der Weißen Laber auch genannt wird.
Wir nähern uns langsam der nächsten Verpflegungsstation. Jedes größere Licht muß doch nun Deining sein! Aber Torsten hat ja das Kartenmaterial stets vor der Lampe und vertröstet uns mal um mal. Erst Arzthofen, dann Seligenhofen und dann ... Endlich! Deining! Auch gleich noch der Fußballplatz, dort soll ja unser Anlaufpunkt sein. Aber laute Musik dringt aus der dazugehörigen Baracke, da kann doch kein Schlafraum dran sein! Also weiter!
Kurz darauf gibt es jedoch Entwarnung, im Halbdunkel der Straßenbeleuchtung zeichnen sich die Konturen eines weiteren Sportplatzes ab, dazu geben die Reflektoren des VP-Hinweisschildes zusätzliche "Sicherheit".
Fünf Minuten nach Mitternacht sind wir in der Sportlergaststätte angelangt. Unsere Taschen stehen vor der Tür bereit und wir können uns eine weitere Verschnaufpause gönnen. Mit Jin Cao wartet der JUNUT-Sieger der letzten beiden Jahre auf die Sportler. Er ist verletzungsbedingt in Riedenburg ausgeschieden und ist hier nun das "Mädchen für alles". Er begrüßt die Neuankömmlinge in seiner stets freundlichen Art, bietet Getränke an und steht als "Koch" in der Küche.
Bis 1:30 Uhr wollen wir pausieren. Jeder teilt sich seine Freizeit selbst ein. Während Ute und Torsten zum Schlafen gehen, gönne ich mir ein Bier, dazu Makkaroni mit Beafsteaks, außerdem habe ich ja noch genug auf dem Telefon zu schreiben. Am Stammtisch wird noch ein zünftiger Skat gekloppt, das Vereinsleben pulsiert hier also noch weit nach Mitternacht. An der Wand hängen die üblichen Bilder mit Eckpunkten der Vereinsgeschichte: imposante Bilder zur Platzweihe 1954, dazu noch der ein oder andere verblichene Abzug von irgendeinem Pokalsieg. Dazu komme ich mit einem Einheimischen ins Gespräch über Ultraläufe in der Schweiz. Langweilig wird es mir daher nicht.
Deining - Holnstein 19,9 km / 541 Hm+ / 600 Hm-
Die Startzeit 1:30 Uhr kann letztendlich nicht gehalten werden, aber kurz vor 2 Uhr geht es dann weiter. Es geht raus aus dem Ort und es beginnt zu regnen. Es ist ein "angenehmer" Regen, der uns nicht weiter stört. Wir laufen zudem größere Waldabschnitte und da schützt uns zusätzlich das Dach der Bäume. Der Jurasteig glänzt auch auf diesem Teil wieder mit vielen Extra-Ecken und Zusatzschleifen.
Nach einer Stunde im Gelände sind allerdings die Akku's in unserer Truppe schon nur noch halbvoll. Der Kräfteabbau nimmt jetzt schon beängstigende Formen an. Wir müssen uns unterhalten, damit wir uns ablenken und nicht einschlafen. Doch was gibt es denn noch zu berichten, wenn tagsüber schon alles erzählt wurde. Witze? Fehlanzeige, nicht ein einziger gelingt dem blutleeren Kopf! Also schleppen wir uns weiter mehr schlecht als recht durch Wald und Flur. Zwischendurch häufen sich zwar die kurzen Erholungspausen, aber unser Zeitpolster ist groß genug. Wir werden es bis 14 Uhr ins Ziel nach Dietfurt schaffen!

Das ist die Originalstrecke - kein Verhauer! Felsenschänke Holnstein - letzter VP der Strecke
Mit dem Hellwerden nehmen wir die letzten Biegungen und Anstiege nach Holnstein. Ein Schild für den Straßenverkehr zeigt zwar nur noch einen Kilometer an, wir nehmen jedoch die doppelte, oder gefühlt dreifache Distanz unter die Füße. Eine Baustelle versperrt auf den letzten Metern den Weg zur Felsenschänke, unserem letzten Verpflegungspunkt auf der Jurasteig-Runde. Es ist 6:15 Uhr als wir den kleinen, gemütlichen Raum in dem alten Gemäuer betreten.


Nach der zweiten "durchgemachten" Nacht: viel Leben steckt nicht mehr in diesen drei Typen!
Wir einigen uns auf eine kurze Schlafpause. Dazu kommt es aber nicht so richtig, denn kurz darauf unterbricht eine laute Frauenstimme unseren "Schönheitsschlaf". Es ist die Begleiterin eines Läufers und sie erzählt und erzählt! Na gut, dann nicht! Gibt es eben wieder keinen Schlaf! Vielen Dank der Frau für die Anfeuerung an der Strecke, aber hier hätte es der "Anfeuerungsrufe" nicht mehr bedarft. Daher kümmern wir uns um das leibliche Wohl, nur Torsten ist so "knülle", das er von dem Ganzen nichts mitbekommt und sogar geweckt werden muß.
Holnstein - Dietfurt 15,3 km / 285 Hm+ / 356 Hm-
Gegen 7 Uhr wird das letzte Teilstück in Angriff genommen. Am Anfang führt der Weg hinauf in den Wald, wo die ersten zwei Kilometer zu absolvieren sind. Der "Rest" spielt sich fast ausschließlich rechts und links der Weißen Laber ab.

Nur noch 15,9 Kilometer ... Steinbrücke bei Unterbürg.
Die Legende besagt jedoch, das kurz vor Erreichen Dietfurt's der Jurasteig noch einmal nach "oben" abbiegt. Genauso kommt es dann auch, die Kirche des Ortes ist bereits gut zu erkennen und der Weg führt auch geradewegs auf sie zu. Wir müssen aber noch den Osthang des Kreuzberges hoch. Auf dem QiGong-Weg, parallel zum Tal verlaufend, kommen wir gut beschattet nach Dietfurt.
Ein paar kleine Gassen sind noch im Bergab zu bewältigen und schon kommen wir in die Nähe des Zieles an der "Alten Turnhalle". Beifall von bereits im Ziel angekommenen Läufern und einigen wenigen Zuschauern, sonst ist alles sehr anonym. Die Treppen hoch in den Vorraum der Sporthalle und durch die Tür ins "Race HQ". Auf der Türschwelle befindet sich die Ziellinie. Zuerst gibt es aber das Finisher-Foto, dann wird die Uhr nach der Zeit "gefragt": 48 Stunden und 15 Minuten - das sind dreidreiviertel Stunden vor dem Zeitlimit!

Die originellste Ziellinie der Welt. Jurasteig in 2 Tagen und 15 Minuten.
Jetzt könnte man ja erstmal verpassten Schlaf nachholen, es gibt aber noch so viel zu bequatschen. Das langersehnte Zielbier, die Dusche und das Rumdösen in der Mittagssonne - alles ist wichtiger als der notwendige Schlaf. Der setzt dann jedoch gnadenlos im "Gasthaus zur Post" ein ...
Fazit:
Es ist schön, wenn man es geschafft hat. Einen Riesenanteil daran haben sicherlich die vielen Helfer rund um das Organisationsteam von Gerhard Börner. Ein großes Dankeschön gebührt ihnen! Sie opferten ihre Freizeit für unsere!
Auf eine Aufzählung unserer "körperlichen Schäden" verzichte ich hier.
Ergebnis JUNUT 230 - Männer:
1. Burgstahler, Jörg (SV Rohrbach) - 33:07 h
2. Schoiber, Oliver (PVT Witten) - 35:30 h
3. Janthur, Christoph (Runningteam Spatenhai) - 38:59 h
3. Winkelmann, Sven (LG Donatus Erftstadt) - 38:59 h
5. Kaufmann, Rolf (TV Attendorn) - 39:30 h
6. Knacksterdt, Achim (Bretzelwetzer Mainz) - 40:36 h
6. Frenz, Michael (LG Mauerweg Berlin) - 40:36
24. Hentsch, Torsten (SV Hermsdorf) - 48:15 h
24. Delling, Thomas (LV Limbach 2000) - 48:15 h
Ergebnis JUNUT 230 - Frauen:
1. Schwede, Bianka (Düsseldorf) - 40:42 h
2. Kresse, Nicole (Hersbruck) - 41:23 h
3. Tille, Kristina (TV Attendorn) - 42:26 h
4. Bäuerlein, Monika (LT Karlsruhe) - 45:24 h
4. Scheunemann, Petra (LC Olympia Wiesbaden) - 45:24 h
6. Schlegel, Sabine (Neu-Ulm) - 46:01 h
7. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 48:15 h
Veranstalterseite: www.junut.de
Zum vom Veranstalter geschalteten "Liveblog" geht es hier!
Bilder vom JUNUT





