09.05.2026 / 6:00 Uhr / 73,9 km / 1.867 Hm+ / 1.392 Hm-

"Läufer hat teilgenommen und das Ziel erreicht", mit diesem Vermerk auf der Startnummer, kann man sich im "schönsten Ziel der Welt" zum Rennsteigläufer aufwerten lassen - die Gegenleistung dafür hält sich in Grenzen, bekommt man doch für die Herausforderung "Eisenach - Schmiedefeld" einen halben Tag zur Verfügung gestellt. Man kann demnach, ohne große Gewissensbisse, während des Laufes noch intern auf "Wandern" ummelden - der euphorische Applaus der zahlreichen Zuschauer auf der Zielgeraden und der in Medaillenform überreichte Mammon nach Beendigung des Rennsteiglaufes machen da keine Unterschiede zwischen Bestzeit und Durchgemogle. Ideal für mich, meine Trainingsfaulheit mal wieder "prämieren" zu lassen.
Zum jeweils 16. Mal werden Ute und ich um 6 Uhr vom Eisenacher Marktplatz Richtung Schmiedefeld aufbrechen - zum 10. Mal gemeinsam. Das heißt allerdings auch, daß einer des anderen Probleme während der Tagesaufgabe teilen muß. So wie ich mich erinnern kann, betraf das die letzten Jahre immer wieder Ute, die sich durch mich ausbremsen lassen mußte. Dieses Jahr erfährt diese Konstellation jedoch noch eine erneute Verschärfung.
Busabfahrt 3:30 Uhr
Es ist wie jedes Jahr, die Anreise erfolgt am Freitag Nachmittag. Geparkt wird weit weg vom Schuß, am anderen Ende von Schmiedefeld - dort, wohin man zwar ein paar Zusatzmeter in Kauf nehmen muß, dafür aber seine Ruhe hat. Ganz ohne Trubel geht es aber auch am Freitag nicht und so wird dem Sportplatz mit seinem (auf den Rennsteiglauf maßgeschneiderten) kulinarischen Angebot noch der entsprechende Besuch abgestattet: Wurst und Bier als Grundlage für ein erfolgreiches Finish.
Die Richtung ist klar, das grüne Männel (auf dem Schild) läuft schon gen Schmiedefeld
Die Nacht ist kurz - 2:30 Uhr klingelt der Wecker. Noch zweimal im "Bett" wälzen und dann geht es an die frische Luft. Sternenhimmel und ca. 4°C zwängen in lange Kleidung. Das Fertigmachen für den Tag geht relativ fix, wir sind im Plan. Wir werden wohl deshalb viel zu früh an der Bushaltestelle in Schmiedefeld stehen. Leicht fröstelnd werden wir von einem Bein aufs andere wechseln. Das Theater wollen wir nicht und deshalb gibt es auch eine Lösung. Es taucht ein Problem auf, mit dem wir so nicht gerechnet haben.
Eisenacher Marktplatz, kurz vor 6 Uhr
Vorm Abmarsch zum Bus verriegelt das Auto seine Türen nicht, auch nicht im dritten und vierten Versuch. Dieses Spiel könnten wir nun noch beliebig fortsetzen, haben aber die Zeit nicht dafür. Zudem kann man damit nicht die anderen Nächtigungsgäste auf dem Parkplatz mit ständigem Geblinke und Türengeknalle nerven. Das Fahrzeug muß wohl oder übel "offen" zurückbleiben. Das man es auch manuell hätte verschließen können, fällt uns erst ein, als wir schon die Bushaltestelle erreicht haben. Man hat sich ja schon soooo sehr an die Annehmlichkeiten einer Zentralverriegelung gewöhnt.
Eisenach, Nikolaitor
Der Bus kommt pünktlich und fährt zügig Richtung Eisenach, nur einmal muß er abrupt bremsen, da Rehwild auf der Straße steht. Kurz nach 5 Uhr sind wir vor Ort und genehmigen uns den ersten Toilettenbesuch. Noch ist der Ansturm begrenzt, doch bald darauf treffen weitere Busse mit Läufern ein und es wird eng. Auch bei der Startnummernausgabe sind Wartezeiten normal.
Burschenschaftsdenkmal
Mit dem Herunterzählen des Countdowns, entschließen wir uns noch für einen jeweils zweiten Toilettenbesuch. Der Andrang vor den "Hütten" hat (logischerweise) stark abgenommen und so ist die Wartezeit (nach dem Startschuß) nahezu null. Danach sind wir körperlich wesentlich erleichtert und immer noch stehen unzählige Läufer hinter dem Startbogen, um auf die Strecke gehen zu können. Über zwei Minuten nach den ersten Startern, nehmen wir (quasi als Letzte) die Verfolgung auf. Diese wird durch die Massen recht schnell ausgebremst. Stehen, Gehen, Laufen, Springen - so gestalten sich die ersten fünf Kilometer.
VP Waldsportplatz (km 6,9)
Der erste VP, kurz vor Erreichen des Rennsteigs, wird von uns ignoriert, um gewonnenen Boden nicht gleich wieder zu verlieren. Der Rennsteig bietet danach auch viel mehr Platz und es läuft ganz gut. Doch nicht lange. Schon nach zehn Kilometern macht sich meine Waden- und Oberschenkelmuskulatur unangenehm bemerkbar. Lange Schritte werden zur Unmöglichkeit, kleines Getippel macht die Waden hart. Die Ziehung dieses Hauptgewinns ereilt mich ziemlich früh am Tag. Was soll da noch passieren? Erstmal nicht viel. Ich versuche, diese Misere zu überspielen, was natürlich nicht gelingt. Ute nach vorn wegzuschicken (weil sie wesentlich besser drauf ist), gelingt mir ebenfalls nicht.
Wolkenloser Himmel bei 9°C
So schiebe ich die Bugwelle mit den "negativen" Sekunden und Minuten schon viel zu zeitig vor mir (oder besser gesagt: vor uns) her. Das bremst zusätzlich (mental) aus und geht später unweigerlich in den Stundenbereich über. Der Große Inselsberg markiert mit rund 25 Kilometern Wegstrecke das erste Drittel des Laufes und somit den ersten Faktor für eine zu errechnende Zielzeit. Vor zwei Jahren sind wir hier mit 3:11 Stunden drüber und konnten auch das zweite (km 50) und dritte Drittel (km 73,9) mit je 3:11 Stunden erledigen. Das war zwar keine Heldentat, dafür aber schön gleichmäßig.
Gleich sind 15 Kilometer auf der Uhr - ein Fünftel der Wegstrecke
Diese Konstanz wird uns heute nicht passieren, da eine Besserung des Vorankommens nicht in Sicht ist. Mit 3:10:56 Stunden bleiben wir knapp unter unserem persönlichen Minuswert, wissen jedoch, daß wir höchstwahrscheinlich eine "10" ins Ziel tragen werden. Vielleicht hätte ich den, im Anstieg von einem Läufer verlorenen Biergutschein (der an jeder Startnummer, für die sofortige Mineralienzufuhr im Ziel, befestigt ist) aufheben sollen, als kleines Extra-Trostpflaster für die Ankunft in Schmiedefeld? Nein, auf Kosten anderer die eigenen Defizite "schöntrinken", das will ich dann auch nicht. Vielleicht nimmt ihn jemand mit, bei dem es noch unrunder, als bei mir, läuft?

Der Rennsteiglauf ist übrigens eine Veranstaltung, bei der man überversorgt wird. Insgesamt 14 Verpflegungsstellen säumen den Wegrand und an manchen Streckenabschnitten ist deren Abstand viel zu kurz. Angeboten wird querbeet: Obst, Schokolade, Riegel, Wurst-, Speckfett-und Süßkramschnitten, Schleim, Brühe, Cola, Apfelschorle, Tee, Wasser und Bier. Selbst wenn man an den reichlich gedeckten Tischen nicht voll zuschlägt und sich nur auf das Nötigste beschränkt, hat man zu tun, das Gluckern im Bauch bis zum nächsten VP in den Griff zu bekommen. Meine Frage wäre jetzt: Wozu braucht man beim Rennsteiglauf einen Rucksack? Na hoffentlich nicht, um sich damit den Wocheneinkauf am Montag zu sparen, weil allerlei Lebensmittel im Überfluß ausliegen. Eine Trinkblasen"pflicht" scheidet ebenfalls aus, da man (vor allem bei diesen perfekten Wetterbedingungen) kein Durstgefühl "zwischendurch" entwickeln kann.
Selbst beim Wandern zum Inselsberg eine schlechte Figur
Der Laufrucksack als Aufbewahrung für die Wechselkleidung wäre eine Option, doch die durchgeschwitzte Windjacke o.ä. kann man sich auch um die Hüfte binden. Ebenso übertrieben finde ich das Mitführen von Stöcken. Die Strecke ist größtenteils gut laufbar und kein unwegsamer Pfad, auf dem man die Absicherung durch Gehhilfen benötigt. Beim Auf- und Abstieg am Inselsberg könnten sie nützlich sein - doch diesen Sektor übersteht man auch ohne. Letztendlich muß jeder für sich selbst entscheiden, wie und mit welchem Equipment er den Rennsteig zu meistern pflegt. Es gibt immer Fragen, die einen beschäftigen - z.B.: Warum hat der fürs Laufen bezahlt und wandert?
Wandern ist auf dem Rennsteig nicht grundsätzlich verboten, so wie Laufrucksäcke und Stöcke sich auch immer mehr bei dieser Veranstaltung durchsetzen. Für den Anflug zur Ebertswiese (dem distanzmäßigen Scheitelpunkt der Strecke) kann es aber keinen Wanderschritt (für Ute und mich) geben, denn dort wartet Petra mit dem Fotoapparat auf unseren Durchlauf. Da kann man nicht angeschlendert kommen, da muß man wenigstens so tun, als wolle man Rennsteigläufer werden. Es gelingt. Vor Jahren hatte uns Petra mal vor der Schmücke (km 64,9) aufgelauert. Damals grüßte sie auf einem Bettlaken den "dicken König" (ein intern ausgelobter, durch längeres Laufen erworbener Titel) - dieser König ist (im Laufe der Jahre) eher noch dicker geworden und schneller erst recht nicht.

Nach 4:46 Stunden ist die Matte an der Ebertswiese überquert. Ein langer Tag nimmt weitere Konturen an. Ein Becher Schleim, 'ne Wiener und drei Becher Vita-Cola müssen reichen. Bier gibt es erst beim nächsten VP. Dieser ist bei Kilometer 40,4 (Neue Ausspanne), als letzte Stärkung vor der Marathon-Distanz (die am Fuße eines weiteren sehr steilen Anstiegs liegt). Die Uhr registriert 5:30:65 Stunden für 42,195 Kilometer - da sind die ersten Rennsteigläufer schon geraume Zeit im Ziel. Die 50-km-Marke wird von uns erst über eine Stunde später (nach 6:35 Stunden) erreicht - zu diesem Zeitpunkt war ich 2010 und 2012 ebenfalls schon im Ziel. Heute sind erst zwei Drittel geschafft und eine Tempoverschärfung nicht in Sicht.
VP Ebertswiese (km 36,9)
Am Grenzadler in Oberhof könnte man (müsste man) den Spuk beenden, doch so weit haben wir noch nie gedacht. Mit 7:16:32 Stunden wird unsere Ankunft quittiert und von den Zuschauer mit Applaus sogar honoriert. Ab neun Stunden muß man dort aussteigen, wird separat gewertet und kann sich von einem der vielen Busse, die nun die Transfers zu den jeweiligen Startorten abspulen, abholen lassen. Wir sind heute nicht so für Asphaltwege und nehmen daher standesgemäß die "Abkürzung" durch den (Thüringer) Wald - nicht ganz ein Halbmarathon liegt nun noch vor uns.
Der Zug in den Armen ist da, nur die Beine wollen nicht! / Ute und der Holzmichel ("Ja, lebt noch!")
"Genieße das Leben, das du dir ausgesucht hast", so oder so ähnlich ist es auf einem der Plakate der Zuschauer zu lesen, die einem regelmäßig entgegengehalten werden. Stimmt, man macht das hier freiwillig, ohne Zwang und Widerworte werden nicht geduldet. Die Vorzüge des Zuschauens habe ich in der Rennsteiglauf-Vorbereitung oft genug genossen, als sich Ute derweil beim Drängberglauf oder in Oederan abquälte. Da saß ich auf der "Sonnenseite des Lebens", hilt das "Leiden" der Vereinskameraden im Bild fest, heute bin ich selbst dran mit Leiden - doch das habe ich mir selbst so ausgesucht.
Das obligatorische Altersklassen-Bild / Der Forstwirt und die Forstwirtschaft
Für neue Kraft ("Rennsteig-Power") konnte man zudem auf entgegengestreckten Pappen einen aufgemalten Button berühren. Doch da habe ich wohl nicht richtig gedrückt, denn einen inneren Schub konnte ich bis Schmiedefeld (leider) nicht registrieren. So blieb es beim weiteren Dahingetümpel - das Ziel auf dem Schmiedefelder Sportplatz mußte warten, noch lange warten. Ein Zwischenziel (wo erstmals eine Zeit genommen wurde) ist der höchste Punkt des Rennsteiglaufes am Großen Beerberg (974 m üNN). Nach 8:27 Stunden erfreuen wir uns dort am aufgeschütteten Schnee - wenn Kinder spielen, sind sie gesund.
Schneereste auf dem Großen Beerberg
Wenige Meter weiter ist das zwischenzeitliche Abtriften in die Kindheit ad acta gelegt, denn dort wird nur Ü18 bedient. Ohne Ausweisvorlage nimmt man mir hier die Volljährigkeit ab, da ich sicherlich körperlich gezeichnet, wie ein 70-jähriger an der Bar vorstellig werde. Im Vorjahr hatte ich Whisky-Cola probiert, der diesmal vom kostümierten Vorposten gar nicht ausgerufen wurde. Also lasse ich mir einen Gin-Tonic eingießen, der selbstverständlich nur als Kostprobe gereicht wird. Den großen Durst müssen die verbleibenden Versorgungen an der Schmücke (km 64,9) und den Kreuzwegen (km 69,3) absichern.
Gin-Tonic am Großen Beerberg
Zweimal gönne ich mir noch je eine Flasche Schwarzbier. Die Zielzeit interessiert nun überhaupt nicht mehr. Warum auch? Das schöne am späten Ankommen ist die Fragestellung - da heißt es dann nicht: "Und? Wie lange hast'n gebraucht?", da wird man gefragt: "Und? Hast'es geschafft?". Nach positiver Antwort, kommt dann ein "Das is doch de Hauptsache." zurück. Klingt erstmal nicht schlecht, ist aber sportlich kein Ruhmesblatt. Zudem sind wir auch noch nicht da.
"Diesen Weg auf den Höh'n bin ich oft gegangen ..." (oberhalb Mordfleck)
Es ist ein Jammer! Das Wetter passt, die Freundlichkeit an den VP's, die Landschaft ... alles großartig - nur die "148" will nicht in die Gänge kommen. Ute kann seit geraumer Zeit auch schneller neben mir herspazieren, als ich in meinem Laufgschritt zu tippeln vermag. Das frustriert maximal - äußern darf ich diesen Mißstand schon lange nicht mehr, denn eine Verbesserung der Situation wird dadurch auch nicht heraufbeschworen. Trotzdem geistern die Zahlen "von einst" durch den Kopf und diese sind so weit entfernt - Zwischenzeiten, die wir bei vorherigen Rennsteigläufen locker zurücklegten, erscheinen heute als Spitzensport. Doch wir sind nur Wanderer, von denen einer nicht mal mehr den Kopf für die Schönheiten der Gegend heben kann.

Dafür konzentriert dieser sich mehr auf das Schuhwerk und die Wadentattoos, der ihn Überholenden. Eingemeiselte Statistiken zu absolvierten Marathonläufen finden sich dort ebenso wieder, wie das Rennsteiglogo, welches in den meisten Fällen nur aufgemalt ist. Bei den Schuhen dominieren die Modelle von Salomon und Hoka. Aber auch völlig neuwertige Schuhe, also mit keinerlei Gebrauchsspuren versehen, dazu frischgewaschene Strümpfe, die bis dato kein bißchen Staub aufgenommen haben, werden registriert. Und es sind verdammt viele Beine, die nun durch den Fokus huschen ...
Herbert Roth statt Cordula Grün: Gedenkstein am Borstenplatz (879 m üNN)
Am Ende gelingt sogar noch eine Art Zielsprint. Wow, noch locker unter zwölf Stunden! Meine Medaille (für die Zielankunft) hänge ich gleich noch Ute mit um. So ein Ding um den Hals spazieren zu tragen, finde ich nach diesem Tagesablauf etwas albern. Es muß ja auch nicht jeder gleich mitkriegen, daß ich mich wieder unter die Rennsteigläufer gemogelt habe. Ganz mieses Kino, also Schwamm drüber! Ohne Halsbehang (aber mit Startnummer am Kittel) wird man zwar fast als Aussetziger betrachtet, als so ne Art "Aussteiger von Oberhof" (wobei man dort, m.E., auch 'ne Medaille bekommt), doch das ist so von mir gewollt.
Dublin? Schmiedefeld!
Das Schlimmste dieser Zielankunft tritt aber erst später zutage. Das allen Ankömmlingen zustehende Zielbier gibt es nur noch in der alkoholfreien Variante. Jetzt wird mir einiges klar. Der bei Kilometer 23 "verlorene" Biercoupon war gar keine Schußlichkeit, kein Versehen. Der Läufer wußte um die Situation in Schmiedefeld und hat sich nur seiner Last entledigt - diese als Köder für gierige Sportfreunde ausgelegt. Ich wäre fast dieser Verlockung einer zweiten Flasche Zielbier erlegen, hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt schon mächtige Probleme mit dem Beugeapparat, so daß ich mich voll und ganz auf die weitere Fortbewegung (als auf meine zusätzliche Zielverpflegung) konzentrierte. Wie enttäuscht wäre ich wohl gesesen, wenn ich nicht so gehandelt hätte. Nach dem schweinchenrosa Finisherhemd zum 50. Lauf, ist dieser eklatante Fehltritt erst der zweite ernsthafte Fauxpas, den ich den Organisatoren des Rennsteiglaufes ankreiden muß.
Geschafft!
Der Nachmittag zieht sich - Zeitlupe schon auf der Strecke, nun ist auch danach alles wie gelähmt. Nach dem Duschen müssen wir notgedrungen zuerst zum Parkplatz, um nach dem Fahrzeug zu sehen. Unterwegs gabeln wir Steffen auf, der Richtung Festivitäten unterwegs ist. Der etwas längere Fußmarsch wird durch die angeschlagenen Waden, Knie und Oberschenkel nicht kürzer oder schneller. Ablenkung (und Hoffnung) schwirrt durch die Rübe: "Steht denn der Volkswagen Cahaddy noch, Cahaddy noch, Cahaddy noch?". Entwarnung beim ersten Sichtkontakt: "Ja, er steht noch, er steht noch ... weiterhin unverschlossen da.". Jetzt kann man auch mal den Schlüssel probieren, und siehe da, die Tür läßt sich ganz einfach, nach herkömmlicher Weise verriegeln. Einem Festzelt- bzw. Festhallenbesuch steht daher nichts im Wege - zuerst gibt es aber noch richtige Biere aus der Kühlbox, als Ersatz für die entgangene Zielbelohnung.
Das Drama der Zielverpflegung in einem Bild
Irgendwie ist heute nicht mein Tag. Ute und Steffen geht es (fast) genauso. Rambazamba auf Bänken und Stühlen im "Festzelt". Medaillenbehangene Partygänger lassen die Sau raus (die sie tagsüber sicherlich nur halbseiden forderden). "Hey, wir woll'n die Eisbär'n seh'n.", dröhnt es aus tausend Kehlen - und ich bin mir sicher, keine fünf Prozent der "Sänger" wissen die Endplazierung der "Eisbären" in der Meisterschaft, geschweige denn, nur einen Namen aus deren Reihen. Ja, in was für einer Meisterschaft? Das ist doch ein Lied, welches die Zustände in den zoologischen Gärten anprangert und indirekt die Freiheit für die "Könige auf dem ewigen Eis" fordert, oder? Kann sein, daß es auch Trophäenjäger vor sich hersummen, wenn sie die Eisbären (vor ihrer Flinte) sehen wollen? Egal, der Saal singt mit und so geht das mit wilden Gestiken bei anderem Liedgut weiter. Das ist heute nicht meins - bevor deshalb noch (neben der verschlissenen Beinmuskulatur) der Kopf abschaltet, geht es "heim".
"Läufer hat teilgenommen und das Ziel erreicht"
Nach 98.468 Schritten (lt. COROS) endlich in der Horizontalen, endlich die Beine hoch und gerade sein lassen. Endlich ist der Haken auch an diesem verkorksten Tag dran. Der Sonntag wird wieder besser, kann ja nicht noch schlechter werden. Es gab Zeiten, da haben wir die Nächte um den Rennsteiglauf in Eisenach verbracht und sind sonntags im Laufschritt hoch zur Wartburg. Das klingt momentan wie eine Provokation. Nie kämen wir auf die Idee, solch' jugendlichem Tatendrang Beachtung zu schenken.
Hölzerne Figuren unterhalb des Schneekopfes
Nach dem Frühstück brechen wir zu unserer Rennsteiglauf-Wanderung Nr. 2 auf. Diesmal sind es nur 17 Kilometer, sportlich noch unambitionierter, als am Vortag - das Ziel, der Schneekopf (978 m üNN). Die zweithöchste Erhebung des Thüringer Waldes erlebte eine wechselhafte Geschichte - vom Türkenwarnfeuer (1664) über militärische Nutzung (1938 bis 1994), baumlos seit einem Orkan (1946), mit unterschiedlichen Aussichtstürmen und Berghütten. Der heutige, steinerne Aussichtsturm, der 2008 eröffnet wurde, übersteigt mit seiner Aussichtsplattform (1.001 m üNN) als einziger "Punkt" die 1.000-Meter-Marke in Thüringen. Dementsprechend ist auch die Fernsicht, bei der u.a. auch der Große Inselsberg am Horizont auftaucht. Dort hat man bereits ein Drittel des Rennsteiglaufes geschafft ... in Wirklichkeit hat man dort noch gar nichts vollbracht, wenn man sich die Distanz zwischen beiden Bergen mal näher betrachtet. Der Schneekopf liegt ungefähr anderthalb Kilometer nördlich vom Rennsteiglauf-Kilometer 63.
1.000-Meter-Marke im Schneekopf-Turm
Zum traditionellen Ausklang eines jeden Rennsteiglaufes steht nur noch das Bockwurstessen an der Agip-Tankstelle in Ilmenau auf dem Programm. Vier oder fünf Stück habe ich da einst mal verdrückt - heute sind es gerade einmal zwei Würste. Auch in dieser Disziplin besteht großer Nachholebedarf. Doch dafür ist nun wieder ein Jahr Zeit, Zeit mal wieder für längere Strecken richtig zu trainieren und Zeit, die Eßgewohnheiten zu verbessern. Der "Hunger", mal wieder ein richtiger Rennsteigläufer zu sein, kommt eben nicht erst vor Ort - der muß gezielt über die Monate aufgebaut werden.
Aussichtsplattform des Schneekopfturmes
Rennsteiglauf-Statistik, 53. Ausgabe:
Meldungen: 18.801
Starter: 15.831 (aus 28 Nationen)
Finisher: ?
Supermarathon-Meldungen: 2.195
Supermarathon-Starter: 1.814
Supermarathon-Finisher: 1.682 (1.329 m, 353 w)
Supermarathon-Aussteiger in Oberhof: 103 (78 m, 25 w)
Ute:
10:11:29 h netto, 10:13:59 h brutto, Platz 1.294 gesamt, Platz 243 weiblich, Platz 14 Ak
16x Eisenach-Schmiedefeld, insg. 1.172,4 km in 140:55:37 h (pB 7:40:02 h)
Thomas:
10:11:29 h netto, 11:13:59 h brutto, Platz 1.293 gesamt, Platz 1.051 männlich, Platz 129 Ak
16x Eisenach-Schmiedefeld, insg. 1.173,6 km in 136:03:39 h (pB 6:32:55 h)
Rennsteiglied





