22.02.2014 - 9:00 Uhr - 55,01 km / 950 Hm+ / 950 Hm- (Trainingslauf)
Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise dienen.
Auch wenn die Olympischen Spiele weitestgehend an mir ohne große Beachtung vorbeiliefen, eine Meldung des Vortages hatte es doch in sich: Doping im Spitzensport! Dabei ist doch bekannt, daß selbst der Breitensport immer öfter zu leistungssteigernden oder schmerzmindernden Mitteln greift, um im Wettkampf bestehen zu können.
Während die deutsche Biathletin aus dem Leistungssportbereich eben auf fernöstliche Nahrungsergänzungsmittel setzt und damit völlig daneben liegt, greift der Volkssportler eben zu Schmerztabletten oder fragwürdigen Regenerationsmitteln. Man bekommt es ja von "oben" vorgelebt! Früher war eben die Zahnpasta verseucht, heute sind die Nahrungsergänzungsmittel nicht ganz unbedenklich. Liegt vielleicht auch an den ellenlangen Transportwegen, auf denen sich dann die Zusammensetzung der guten Sachen zum Schlechten verändert.
Daher greift der schlaue Freizeitsportler auch auf heimische Produkte zurück: Gerstensaft aus lokaler Herstellung, als "Ergänzung" zum kargen Salatgefuttere und Mineralwassergetrinke. Das man damit falsch liegen kann, bewiesen nun auch die Drittliga-Fußballer aus der Bezirkshauptstadt sehr medienwirksam. Der eine nimmt zu viel (beim Kneipenbesuch) und der andere trinkt zu hektisch (bei der Biernominierung) und das mitten im Abstiegskampf! Ute und ich sind da wesentlich maßvoller, wenn wir uns mal ein Bierchen nach oder auch während einer längeren Laufeinheit gönnen.
Für uns Grund genug, auch mal den Chemnitzer Produktionsstätten einen "Besuch" abzustatten - natürlich im Laufschritt und nur mit oberflächlicher Betrachtung der Gebäude von außen.
Anlaufpunkt Nummer 1 wird für uns das Brauhaus in Einsiedel sein. Dort hatte ich zu DDR-Zeiten als Schüler bei der Ferienarbeit meine ersten Schälergroschen verdient und dadurch schon jede Menge positive Eindrücke von der Bierherstellung verpasst bekommen. So saß ich dabei längere Zeit vorm Flaschendurchleuchter, wo dreckige und kaputte Flaschen aussortiert wurden. Ein monotoner Arbeitsprozeß, den ich im Nachhinein als mentales Härtetraining sah. Auch die einschläfernde Wirkung des Hopfens ist mir heute noch in Erinnerung, wenn ich an die Schichten im dunklen Hopfenboden denke.
Der schnellste und bequemste Weg von Altchemnitz nach Einsiedel ist natürlich die Straßenvariante durch Erfenschlag. Doch gerade in den Wintermonaten, wenn es abends zum Trainieren dunkel ist, wird diese Strecke von uns regelrecht überbelastet. Deshalb wird die Route zur "Perle des Zwönitztales" um einige Kilometer und ein paar Höhenmeter über den Steinberg (429 m) und den "Goldenen Hahn" (480 m) bis hin zum Mühlberg (509 m) verlängert um Einsiedel von der Dittersdorfer Flur aus anzulaufen.

Einsiedler Brauhaus - seit 1885. Zum Halbmarathon ein "Einsiedler"!
Eine kleine Schleife Richtung Süden, dann beginnt der Abstieg ins Zwönitztal. Wir bleiben jedoch im Wald und nehmen den Weg durch den Buchenwald oberhalb des Flußes. Von hier hat man fast freie Sicht zum Einsiedler Brauhaus (347 m). Durch die Kleingartenanlage und den Ort arbeiten wir uns über das Schulgelände und die "Siedlung" hoch zum Aussichtspunkt Pappel (450 m).
Von dort geht es durch die Alte Harth auf direktem Weg hinab ins Würschnitztal (325 m). Wir überqueren den Fluß und nehmen den nächsten Anstieg - hoch zum Harthwald (385 m). Die Abkürzung zum Hutholz (374 m), wie wir sie vor drei Wochen gelaufen sind, spart einige Höhenmeter und etwas Zeit ein. Im gleichnamigen Wohngebiet wird an der "Wolgo-Passage" die erste Rast eingelegt. Im Discounter gibt es sogar einheimisches Bier und dieses übertüncht beim Genuß erfolgreich die negativen Gedanken über die soeben errungene Halbmarathonzeit von 2:16 Stunden.
Durch die Plattenbauten nehmen wir weiterhin den Rundwanderweg um Chemnitz. An der Wetterwarte Neukirchner Straße (419 m) ist die Aussicht dieses Mal um einiges besser als zu unserer Totenstein-Umrundung, da ein fast wolkenloser Himmel und Sonnenschein für optimale Fernsicht sorgen.
Dem Straßenverlauf durch Stelzendorf (356 m) weiter folgend, passieren wir das ehemalige Jagdschänkenbad und sind kurz darauf an der zweiten Zwischenstation, der Brauerei in Reichenbrand (323 m) angekommen. Dort biegen wir von der Zwickauer Straße auf den hinter der Brauerei liegenden Radweg ab. Dieser führt entlang des Wiesenbachs und im späteren Verlauf entlang des Kappelbachs durch die Park's Siegmar und Schönau ...

Privatbrauerei Reichenbrand - seit 1874 Braustolz-Brauerei - seit 1868
... direkt zur Braustolz-Brauerei in Kappel (302 m), wo wir ihn nach dem Firmengelände verlassen und durch eine Kleingartenanlage zur Westkampfbahn weiterlaufen. Über den Stadtteil Kaßberg (320 m) wird an der Limbacher Straße für die zweite größere Pause ein Supermarkt angelaufen. Hier gibt es jedoch nur Bier in Plasteflaschen. Deshalb weichen wir auf ein Getränk mit wichtigen Spurenelementen, wie Nicotinsäureamid und Panthothenat aus. Es verklebt zwar etwas den Rachen, aber es hilft haushalten und die Vitamine B6 und B12 sind zu unserer Beruhigung auch drin.
Weiter stadteinwärts im Komplex der Ermafa-Passage gab es mal das "Friedrich's Brauhaus". Das es seit zwei, drei Jahren nicht mehr existiert, wußte ich gar nicht! Jetzt ist in diesem Gebäudeteil ein weiterer Supermarkt untergebracht.
Über den Kaßberg machen wir uns Richtung Innenstadt, vorbei an der Hartmannhalle, wo ich den morgigen Tag beim Hallenfußball verbringen werde. Die über die Chemnitz führende Bierbrücke (295 m) ist dann, aufgrund seines Namens, wieder ein Fotomotiv für uns.

Ehemals Friedrichs Brauhaus. Die Bierbrücke über die Chemnitz.
In der recht belebten Innenstadt (297 m) bietet sich nur kurz die Chance eines menschenfreien Schnappschusses vom Turm-Brauhaus. Die dortige Gastronomie spielt sich heute drinnen ab, obwohl die äußeren Bedingungen Lust auf einen "Biergarten"-Stop machen würden. Den hätten wir bestimmt auch eingelegt, so aber laufen wir weiter Richtung Tietz.
Da Ute heute keine Bäume ausreißen will, trennen sich hier unsere Wege. Sie wird durch den Stadtpark die Heimreise antreten und nach 4:43 Stunden (netto, also ohne die zwei Pausen) und 45 Kilometern ihren Trainingslauf beenden. Ich will noch der ehemaligen Germania-Brauerei einen läuferischen Besuch abstatten und begebe mich deshalb Richtung Adelsbergstraße.
Später weiche ich dann auf die Augustusburger Straße aus und erreiche das teilweise verfallene Brauereigelände (343 m), in dessen vorderem Teil sich heute ein Getränkemarkt befindet. An der Front des zugewachsenen Gebäudeteils entdecke ich sogar noch eine Skulptur von Gambrinus, dem König, der das Bierbrauen erfand.

Turm-Brauhaus - seit 2004 Ehem. Germania-Brauerei - 1869 bis 1978
Jetzt habe ich auch diese alte Braustätte abgehakt, wohlwissend das es bei Weitem nicht alle (ehemaligen) Chemnitzer Brauereien waren, die wir heute angelaufen sind. Zum Abschluß der Tour will ich mir noch ein Gekühltes auf dem "Dach von Chemnitz", dem Adelsbergturm (509 m), gönnen. Dafür muß ich aber erstmal "meilenweit" halb im Straßengraben der Augustusburger Straße weiterlaufen. Beim Abzweig Breitenlehn (445 m) kündigt ein Wegweiser noch 2 Kilometer bis zum Adelsberg an. Da muß ich aber rund 40 Höhenmeter die Straße abwärts um mich kurz darauf den Adelsbergweg wieder hoch zu quälen.
Durch das schöne Wetter ist der Parkplatz unterhalb des Turmes voll belegt. Hier kann man eben noch bis vor die Tür des Ausflugszieles fahren! Dementsprechend gut besucht ist auch die Gaststätte und das Bier dauert deshalb auch eine gefühlte Ewigkeit. Das Hinterspülen des Gerstensaftes ist dann in wenigen Augenblicken geschehen und ich begebe mich gut gelaunt auf die restlichen rund 9 Kilometer.

Ein "Braustolz" im Adelsbergturm bei km 46,2. Eindeutig zu viel des Guten!
Wie der frühere Adelsberg-Berglauf, nur entgegengesetzt, steuere ich den Stadtteil Adelsberg (400 m) an. Jetzt sind es nur noch zwei kleinere Steigungen, ehe es über Reichenhain (340 m) nach Altchemnitz (320 m) zurückgeht, wo ich nach 5:29:52 Stunden Laufzeit meine Uhr stoppe.





