30.03.2014 - 6:45 Uhr - 74,17 km / 1.570 Hm+ / 1.570 Hm- (Trainingslauf)
Die Sonne am Sonntagmorgen!
Die 25. "Lößnitzer Runde" steht für heute auf dem Plan des ambitionierten Freizeitsportlers. Bloß was soll ich untrainiert und mit 89,9 Kilogramm Netto-Gewicht bei einem Wettkampf? Beim Handicaplauf am vorherigen Wochenende wäre mir wenigstens das Gewichtsproblem positiv angerechnet worden, jedoch wäre meine noch nicht hundertprozentig auskurierte Fußballverletzung als nicht meßbares "Hindernis" außen vor geblieben. Also gibt es für mich erstmal kein "Kräftemessen" mit Sven & Co., sondern "sanfte" Wiedereingliederungsläufe.
Für Sonntag habe ich Ute (nach zwei nicht ganz so optimalen Trainingseinheiten in der Woche) meinen langen Lauf angekündigt, sie weiß bloß nicht, wohin ich mich denn "austobe". Sie vermutet die x-te Fichtelbergtour und liegt damit komplett falsch, denn ein sog. Spontanbesuch bei Ute's Wettkampf ist ja auch nicht schlecht und so habe ich mir gedanklich schon eine Runde nach Lößnitz zurechtgelegt: hinzu über den Eisenweg und heim durchs Zwönitztal.
Da ja mein Körper zur Zeit über genügend Reserven verfügt, lasse ich das Frühstück vorm Trainings-Ultra großzügig weg. Es gilt ja auch, an der Gewichtsreduktion zu arbeiten. Eine Flasche Wasser, eine Banane und je zwei Riegel und Gels packe ich mir aber dennoch in den Rucksack - für den "kleinen Hunger zwischendurch"! Da das Thermometer des Morgens noch eine "neutrale" Null zeigt, kommen noch Jacke und Wechselhemd zu den Naschereien. Man weiß ja nie, was beim Ausflug ins raue Erzgebirge für Überraschungen auf einen warten.
Doch schon nach wenigen Metern angestrengten Laufens kann ich die vorsorglich mitgeführte Mütze vom Kopf nehmen. Vom Zwönitztal über Berbisdorf ins Würschnitztal nach Klaffenbach werden die ersten 10 Kilometer abgehakt. Sportlich ist mein Tun natürlich nicht allzuhoch angesiedelt, aber es geht ja erstmal ums "Rantasten"! Da ist die von mir (im internen Laufduell) überholte Katze in Adorf schon ein kleiner Achtungserfolg.

Gipfelerfolg am Morgen! Fichtelberg (bei Jahnsdorf) Morgentoilette an der Quelle des Forzbachl's
Kurz darauf ist mit dem Erreichen des Fichtelberges auch der einzige Gipfelerfolg des Tages zu verzeichnen. Allerdings handelt es sich dabei nur um die Geländeerhöhung bei Jahnsdorf und nicht um das Original bei Oberwiesenthal. Also folgt kein großer Aufenthalt zwischen Sendemast und Ahornbaumgruppe und ich mache mich wieder runter auf die Umgehungsstraße, welche am Gasthaus "Morgensonne" vorbei, zum Eisenweg führt.
Nach einer kurzen Erfrischungspause an der Quelle des Forzbachl's kommt dann auch Leben in den bisher noch menschenleeren Wald: zwei Radfahrer, die nach Lößnitz wollen, fragen nach dem Weg. Von hinten "drücken" eine eben von mir überholte Joggerin und ein weiterer Sonntagsläufer und an der Tabakstanne kommen mir die ersten "Nordischen Spaziergänger" entgegen.
Oberhalb von Brünlos verlasse ich dann das mir bekannte Terrain und vertraue jetzt auf meinen groben Orientierungssinn. Ein paar (unnötige) Ecken und Schlaufen durch das Zellerholz und den Heiligen Wald laufend, lassen mich an einem Tierheim wieder ans Tageslicht kommen. Querfeldein über eine Hucke erreiche ich Mitteldorf. Dort folgt der öde Straßenabschnitt an der B169 mit dem nervenden Anstieg in Gablenz. An der Waldschenke, unterhalb des Katzensteins, biege ich in den Wald. Laut Wegweiser liegen noch 4 Kilometer bis zum LR-Verpflegungspunkt "Grünaer Lücke" vor mir.
Jetzt wird es langsam knapp, denn 10 Uhr starten die Läufer an der Erzgebirgshalle in Lößnitz und ich will ja vor ihnen am höchsten Punkt der Strecke sein. Einen Bach nutze ich jedoch noch um mich frisch zu machen, dann noch ein, zwei Biegungen durch Wald und Flur und ich kann mein "Ziel", die beiden Hochbehälter am Hartensteiner Wald schon sehen.

Das 5-km-Schild erreiche ich 9:45 Uhr. Verpflegungspunkt "Grünaer Lücke"
Kurz nach 10 Uhr, 3:25:55 Stunden nach meinem Start, stoppe ich nach 34,94 Kilometern meine Uhr. Es ist 10:23 Uhr als die Begleitfahrräder mit dem Führenden vorbeikommen. Dann geht es Schlag auf Schlag, die Abstände zwischen den Läufern werden immer kleiner und den ein oder anderen erkenne ich auch im Gewühl der Massen. Das Teilnehmerfeld präsentiert sich von "angestrengt verkrampft" über "locker lächelnd" bis "erschöpft dahinkriechend". Ein Glück, daß ich heute nur zuschaue, das tut bei Weitem nicht so weh, wie selbst Sport zu treiben.
Endlich kann ich mit abgedroschenen Läuferparolen so manchem (noch) befreundeten Läufer motivierend unter die Arme greifen. Bei Ute verkneife ich mir das jedoch und feuere sie "anständig" an. Die Zeit bis zum zweiten Rundendurchlauf der Halbmarathonis verkürze ich mir mit dem vorgezogenen Mittagessen. Eine Banane und etwas Wasser reichen heute vollkommen aus, bin ja schließlich hier nicht zur Mast!

Gegen solche Athleten hätte ich z. Zt. keine Chance! Ute als viertplazierte Frau bei Kilometer 15.
Ich positioniere mich am Anfangs- und Endpunkt der zusätzlich zu absolvierenden Wendestrecke. Durch die Gespräche der anwesenden Feuerwehrleute erfahre ich auch vom Startnummernchaos, welches durch die ungewöhnlich hohe Anzahl der Nachmeldungen zustande kam. So gibt es statt der roten, auch noch blaue und grüne Nummern, das Registrieren der Durchläufe wird für die Helfer dadurch nicht einfacher. Aber auch einer aufsteigenden Rauchsäule im nahen Grüna gilt bei den Floriansjüngern mehr Beachtung, als dem sportlichen Treiben am Verpflegungspunkt.
Ute begleite ich in ihrem Wettkampf noch ca. einen Kilometer die Plattenstraße nach Lößnitz hinab, dann biege ich an einem Feldrain ins Tal. Dort stehe ich wenig später an der B169 am Anfang des Lößnitzer Berges. Das Laufen auf dem Bankett ist an der vielbefahrenen Straße nicht so prickelnd, daher verschwinde ich kurz darauf in den angrenzenden Wald.
Am Schießstand der "Privillegierten Schützengesellschaft Affalter" angelangt, bekommt "der junge Wandersmann" neben einem Bier zum Sofortverzehr noch eine Cola für unterwegs und die Streckenbeschreibung bis Dorfchemnitz mit auf den Weg. Der alte Bahndamm, in der Verlängerung des Schießstandes, bringt mich parallel zur Hartensteiner Straße verlaufend nach Affalter. Dort biege ich in den Streitwald ab und erreiche über den Wanderpfad "Historische Schieferbrüche" die Lutherlinde am Jägerhaus. Sie ist das "vermutlich älteste Lebewesen im (ehemaligen) Landkreis (Stollberg)" - gepflanzt 1583.

Dieser alte Bahndamm führt mich nach Affalter. Kriegerdenkmal am Huthübel (587 m üNN)
Der schmale Brettmühlensteig führt nach Niederzwönitz. Im Ort entscheide ich mich jedoch gegen die mir zum größten Teil bekannte Zwönitztalstrecke und begebe mich in den langgezogenen, äußerst sanften Anstieg Richtung Günsdorf/Hormersdorf. Die Route über die Wiesen und Felder, am Ehrenmal auf dem Huthübel vorbei, ziehe ich der Ortslage Hormersdorf vor. Der folgende Waldabschnitt zum Naturbad Gornsdorf fällt mir schwer, obwohl es meist leicht bergab geht. Das Fehlen des Sonntagsbratens macht sich langsam unangenehm bemerkbar. Also setze ich mich auf einen Baumstumpf und ziehe das Vesper zeitlich etwas vor. Jetzt sind die Gels und Riegel dran, mit Bachwasser verdünnt, wird die Mahlzeit etwas magenfreundlicher gestaltet und schon kann ich wieder etwas kraftvoller die Beine durch den Tann schlenkern.
In Gornsdorf angelangt, empfängt mich sonntäglicher Fußball-Lärm. Auf dem Sportplatz am Volkshaus spielt der örtliche Vertreter gegen die Auswahl aus Buchholz. Über die sportliche Wertigkeit dieser Veranstaltung läßt sich sicherlich streiten, ist aber bei meinem Tun ebenso! Großer Sport sieht nunmal anders aus. Als wir hier noch mit unserer dritten Mannschaft kickten, gab es noch keinen Kunstrasen und der Gegner trat nach der Halbzeit nicht mehr an! Da hatten sich angeblich zu viele Spieler in der ersten Hälfte "verletzt" - Schade, denn wir führten mit 6:0 und hätten gern unser Ergebnis noch ausgebaut. Aber lang, lang ist es her!
Und wie es der Teufel so will, grüßt mich kurz darauf ein Radfahrer. Es ist ein Mitstreiter aus meiner damaligen Einsiedler Fußballzeit. Wir haben uns viel zu erzählen und so wird der langweilige Straßenabschnitt doch ganz annehmlich.

Rast zwischen Hormersdorf und Gornsdorf. Vom Eisenweg hinab nach Klaffenbach.
Über Meinersdorf begebe ich mich wieder hoch zum Eisenweg. Auf dem Parkplatz, wo heute Morgen gerade mal ein Fahrzeug stand, stehen jetzt zwanzig - dementsprechend groß ist auch das Begängnis. Ich bleibe bis zum Klaffenbacher Kirchweg auf dem "Höhenweg", dann geht es für mich wieder runter ins Würschnitztal. Der Flüssigkeitsvorrat im Rucksack neigt sich dem Ende entgegen und deshalb plane ich schon mal den finalen Streckenverlauf nach seiner Getränkeverfügbarkeit. Der Sportplatz Klaffenbach fällt dafür schon mal aus, da kein Spielbetrieb zu vernehmen ist.
Wäre noch die Tankstelle in Harthau, da hätte ich zwar keine Höhenmeter mehr zu absolvieren, aber dafür nur noch Asphalt unter den Füßen. Da gibt es aber noch den sicheren Verpflegungspunkt bei Kilometer 71 im Harthwald. Dafür nehme ich "gern" die Steigung zum Wald in Kauf. Ein erfahrener Rennsteigläufer betreibt dort einen "Bierstand". Er weiß, daß Läufe über 70 Kilometer weh tun können, auch wenn sie nicht zu schnell vorgetragen werden. Dieser Posten wird wegen seiner familiären Atmosphäre von Läufern und Nichtläufern in höchsten Tönen gelobt, wenn der Betreiber anwesend ist. Heute ist er allerdings nicht da!
Da bleibt mir nichts anderes übrig, als die restlichen 3 Kilometer völlig unterhopft zu Ende zu bringen! Doch auch diese schwierige Situation meistere ich für mich zufriedenstellend. Auch wenn das "Tempo" rückzu etwas gelitten hat, bin ich rundum mit mir im reinen, da das Knie nicht muckert und sich nur distanzbedingte Verschleißerscheinungen zeigen. Die Uhr hat für den Rückweg 39,23 Kilometer in 4:29:40 Stunden aufgezeichnet. Das ist zwar mit einem Schnitt von 6:53 Minuten pro Kilometer eine Minute langsamer als nach Lößnitz, aber immer noch im akzeptablen "Wiedereingliederungsbereich"!
Bilder der "25. Lößnitzer Runde 2014"
Ergebnis "25. Lößnitzer Runde" Halbmarathon - Männer: 93 Teilnehmer
1. Nitzsche, Sebastian (Aschaffenburg) - 1. M30 - 1:16:45,2
2. Harz, Sebastian (SV Hermsdorf) - 2. M30 - 1:17:30,5
3. Hein, Carsten (Sport.Werk.Net) - 3. M30 - 1:20:30,8
4. Holesch, Stephan (LC Jena) - 1. M20 - 1:22:48,3
5. Dani, Jörg (LV Limbach 2000) - 1. M45 - 1:23:07,6
6. Seidel, Stefan (SG Adelsberg) - 2. M20 - 1:24:36,9
Ergebnis "25. Lößnitzer Runde" Halbmarathon - Frauen: 10 Teilnehmerinnen
1. Tuch, Carolin (Chemnitzer LV Megware) - 1. W20 - 1:30:00,9
2. Jacob, Anja (Klingenthal) - 1. W35 - 1:33:38,3
3. Herold, Mandy (Chemnitzer LV Megware) - 2. W35 - 1:46:46,0
4. Herfurt, Ute (LV Limbach 2000) - 1. W50 - 1:49:39,1
5. Herzog, Anja (LB 90 Schwarzenberg) - 1. W40 - 1:53:41,0
6. Clark, Allison (Crimmitschau) - 2. W20 - 1:55:22,9





