13.08. - 30.08.2026 / 389,1 km / 22.220 Hm+ / 22.897 Hm- / 18 Etappen

Die Pflicht ruft! Der im August 2025 auf der Pogačnik-Hütte hinterlassene Rucksack (des Projekts „Slovenska planinska pot“) wartet auf seine Träger, die ihn in den darauffolgenden Tagen an die Adria schleppen werden. Aufgrund von Starkregen, Nebel und Sturm sowie einer Wetterprognose, die Bergtouren auf „schwarzem Geläuf“ nicht zuließ, mußten Ute und ich im Vorjahr die Slowenische Transversale (von Maribor nach Ankaran) an besagter Hütte abbrechen. Nun erfolgt der Wiedereinstieg ins „Abenteuer Slowenien“ …
13.08.2026 / 8:24 Uhr / 13,94 km / 1.678 Hm+ / 36 Hm-
Dovje (690 m) - Dom Valentina Staniča pod Triglavom (2.332 m)
Wetter: 16°C - 30°C, sonnig (Kot)
Der kürzeste Weg zum Pogačnikov dom na Kriških podih ist der vierstündige Aufstieg von Trenta. Auf diesem sind wir damals zurück in die Zivilisation abgestiegen. Doch die Anreise in diesen Talort ist etwas umständlich und zeitraubend. Daher haben wir einen anderen Plan - natürlich noch mehr Zeit in Anspruch nehmend, wie es die Busanreise nach Trenta verursachen würde. Diese Zeit wollen wir lieber in den Bergen verbringen und haben uns daher für einen erneuten Besuch des Triglavs entschieden.
Bei unserer Alpenüberquerung 2024 von Salzburg nach Triest waren wir dem „Dreikopf“ so nah und doch wurde uns eine Besteigung des slowenischen Nationalsymbols verwehrt - ein Gewitter versperrte uns die Nachmittagstour von der Dolič-Hütte und ich war den Tränen nah, weil mir dieser Berg damit wohl für immer durch die Lappen gegangen schien. Danach beschäftigte ich mich intensiv mit den Schildern zu dieser ominösen „1“, die unseren damaligen Weg an den passierten Berghütten säumten. Die Weitwanderung auf dem SPP mußte also herhalten, um dem Triglav noch eine Chance zu geben.
Im Vorjahr waren wir dann auch oben, weil er Pflichtteil des Höhenweges ist. Im Gewühl der Menschenmenge, die sich täglich dort oben tummelt, fühlte man sich wie auf einem x-beliebigen Bergbahngipfel der Alpen. Das Wetter spielte mit, die Weitsicht war überragend - doch irgendwie beneidete ich die Leute, die schon zum Sonnenaufgang den Berg quasi für sich allein hatten. Dies hatte ich damals beim Blick aus dem Bettenlager der Stanič-Hütte beobachten können. Was lag also näher, dieses Gefühl auch einmal zu spüren?
Die Anreise nach Slowenien erfolgt, wie die letzten Jahre Usus, mit dem Flixbus. Von Chemnitz geht es über Prag nach Bled. Sohnemann Bruno kutschiert uns zum Fernbusterminal, muß natürlich noch eine Tüte Zeit mitbringen, da wir bis zuletzt unsere Siebensachen packen. In Chemnitz abgeladen, heißt es für uns: Warten! Der Bus hat satte 50 Minuten Verspätung und in Prag haben wir nur 95 Minuten Umsteigzeit. Bis Prag verringert sich diese Verspätung nur minimal und der Bus fährt 21:05 Uhr im Busbahnhof „Florenc“ ein. Unser Anschlußbus (nach Triest) fährt planmäßig 21:55 Uhr - wir haben also noch etwas Zeit. Diese nutzen wir, um noch ein paar Getränke für die Fahrt zu kaufen und zu einem Kneipenbesuch (diesen aber vorrangig wegen der WC-Nutzung). Überpünktlich geht es danach weiter und der rasante Fahrstil der beiden Busfahrer drückt die Ankunftszeit in Veldes / Bled von 6:38 auf 6:20 Uhr. Mit dem Linienbus (und Umstieg in Aßling / Jesenice) geht es bis Lengefeld-Meistern / Dovje-Mojstrana.
Im Lebensmittelladen des Ortes decken wir uns danach mit Sofortverzehr und Rucksackproviant ein, tauschen bei einem gemütlichen Frühstück am Olympia-Platz / Trg olympijcev Mojstrana noch die Badelatschen mit den Wanderschuhen. Um 9:45 Uhr starten wir unseren Urlaub dann „richtig“. Die ersten rund acht Kilometer sind unschwer, auf geringer Steigung führen uns Straße oder Forstweg (ebenfalls mit der „1“ gekennzeichnet) zum hinteren Teil des Kot(-tales). Danach wird es anstrengender, dabei erleichtern Eisenstifte und Metallstufen im Fels sowie Stahlseile an der Flanke das Vorankommen. Trotzdem sind wir recht lahm unterwegs. Die Hitze, dazu die schwere Rückenlast (Ute mit 9,3 kg, ich mit 13 kg) und der Neueinstieg in diese Form des Wanderns plus die notwendigen Trink- und Aussichtspausen lassen uns erst kurz vor 15:30 Uhr an der Stanič-Hütte / Dom Valentina Staniča pod Triglavom (2.332 m) „anschlagen“.
Ute macht eine Übernachtung klar, was im Einzugsgebiet des Triglavs nicht selbstverständlich ist. Der Bierbüchsenpreis liegt bei 7,50 Euro - eine Hubschrauberanlieferung ermöglicht diese Preisgestaltung. Das Abendessen besteht aus Makkaroni mit sehr viel Gulasch und einem Schoko-Dessert. Gegen 18 Uhr machen wir es uns im Lager bequem - Nachtruhe, wenn man das so bezeichnen kann. Da es erst 6 Uhr Frühstück gibt, müssen wir 19:30 Uhr unseren „Schlaf“ noch einmal unterbrechen, denn da werden die Lunchpakete (anderthalb Liter Wasser, zwei Äpfel, zwei Wiener Schnitzel mit Käse- und Gurkenscheibe in Weißbrot) ausgehändigt.
Busankunft in Bled / Kleiderwechsel in Mojstrana
Mojstrana vor den Toren der Julischen Alpen
Der Weg durchs Kot ist ebenfalls (zum parallel dazu verlaufenden Vrata) mit der "1" gekennzeichnet
Talschluß mit der Spodnja Vrbanova špica (2.294 m)
Blick zurück zu den Karawanken mit Mittagskogel, Bärenkogel, Frauenkogel und Kahlkogel (v.l.)
Aufstieg zur Felsstufe Debeli kamen

Vrbanova špica (li.) und Rjavina (re.)
Unterhalb des Mala Rjavina (2.530 m)
Mali Triglav (li.) und Triglav (M.)
Valentin-Stanič-Hütte / Dom Valetina Staniča pod Triglavom (2.332 m), rechts davon der Begunjski vrh (2.462 m)
Stanič-Hütte vor dem Rjavina (2.532 m)
Panoramabild mit Triglav (rechts der Mitte)
14.08.2026 / 1:25 Uhr / 15,27 km / 1.572 Hm+ / 1.853 Hm-
Dom Valentina Staniča pod Triglavom (2.332 m) - Pogačnikov dom na Kriških podih (2.051 m)
Wetter: 9°C - 25°C, sonnig (Triglav)
Kurz vor 1 Uhr ist die Nacht vorbei. Im (von Bergschuhen überfüllten) Vorraum packen wir unseren Krempel ein. Eine halbe Stunde später brechen wir auf. Der Weg zum Kredarica (2.540 m), dem Aussichtshügel vor der gleichnamigen Berghütte, ist uns (vom Vorjahr) bekannt und gut ausgezeichnet. Nach nicht ganz einer Stunde durch die Felsenlandschaft des Rz sind wir an der Großbaustelle Triglavski dom na Kredarici (2.515 m). Eine halbe Stunde Aufenthalt gönnen wir uns, stempeln unsere Bücher durch und holen die Helme aus den Kiepen. 2:45 Uhr setzen wir unseren Weg fort - von der Hütte hinab zum Ledeniški preval (2.484 m). Dort geht es in den bestens mit Metall gesicherten Klettergarten hoch zum Mali Triglav (2.738 m). Der Wind weht kalt und intensiv, so daß wir uns bei einer Rast im Windschatten des Gipfelgrates ein paar Sachen mehr anlegen.
Es geht zäh, wenn man das „unten“ angeschlagene „Triglav 1h“ dazu heranzieht. Das diese Zeit sehr optimistisch ist, wissen wir vom Vorjahr. Da war aber der Weg auch hoffnungslos überfüllt und diese Vorgabe nicht zu bewerkstelligen. Nun müssen wir dieses Manko auf unseren fehlenden Schlaf der vorangegangenen zwei Nächte und die nicht statt gefundene Höhenanpassung schieben - egal, wir sind 4:25 Uhr am Ziel. Für einen Sonnenaufgang sind wir viel zu zeitig, doch der „Sechser im Lotto“ (für zehn Minuten allein auf dem Triglav) „mit Zusatzzahl“ (als Tageserste) gehört uns. Wir ziehen uns (aufgrund des kalten Winds) in den Aljazev stolp, dem kleinen eisernen Turm auf dem Gipfel (2.864 m), zurück. So nach und nach erscheinen weitere Berggänger und es beginnt zu dämmern. Die Sonne läßt sich aber noch Zeit. Erst 5:56 Uhr beginnt das Schauspiel, was zu diesem Zeitpunkt ungefähr 25 Leute vom höchsten Punkt Sloweniens aus, verfolgen.
Ein Trupp Holländer scheint Bergpremiere zu feiern, anders kann man dieses laute, nervige und sehr überspitzte Artikulieren nicht einordnen. Zum Glück drängt deren Bergführer (den sie für diese relativ leichte Bergfahrt angeheuert haben) auf eine baldige Rückkehr zur Hütte oder ins Tal. Endlich kehrt wieder Ruhe ein! Auch heute ist die Aussicht wieder phänomenal. Der Urlaub kann getrost so weitergehen. Weitergehen als Stichwort: 6:20 Uhr nehmen wir den teilweise gesicherten und wesentlich ruhigeren Abstieg zur Trglavska škibina (2.655 m). Hier zweigt südöstlich der Gorjanska pot über das Triglavski kot zur Planika-Hütte ab, wir bleiben aber weiter auf dem Kugyweg / Kugyjeva pot, der sich nach Nordwesten im schroffen Fels nach unten bemüht. Auch hier werden verstärkt die Hände benötigt, ein Klettersteigset ist (für uns, obwohl so beschrieben) nicht erforderlich.
Auf 2.500 Metern teilt sich der Weg erneut. Nach rechts biegt der Bamberger Weg / Pot čez Plemenice (auf dem Wegweiser „Plamenice“ geschrieben) ab. Er gilt als sehr fordernd, ist ausgesetzt und mit viel Eisen entschärft. Wir hatten uns im Vorfeld mit dieser Abkürzung (nur zwei Stunden bis zum Luknja-Sattel) beschäftigt, diese nun für uns und unseren noch ausbaufähigen Gesamtzustand aber abgewählt. Zudem haben wir genügend Zeit - es ist ja noch früher Morgen. Wir nehmen daher den leichten Weg zur Dolič-Hütte, der mit eineinviertel Stunde am Wegweiser prangt, um dort eine kurze Getränkepause einzulegen. Doch dann erahnen wir rechterhand zwischen zwei Anhöhen eine Bebauung und vermuten eine Berghütte, die wir einfach nicht auf dem Plan haben. Als diese dann der Hubschrauber, der die Hüttenbelieferung vornimmt, nicht anfliegt, kann es sich aber nur um ein anderes Bauwerk handeln: es ist die Ruine der Triglav-Kaserne „Viktor Emanuel III.“ / Triglavska vojašnica Viktorja Emanuela III. (2.520 m), die als Militärfestung in den 1920-er Jahren von den italienischen Gebirgsjägern erbaut wurde, als dort die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien verlief.
Unser Weg ist ebenfalls mit der „1“ des SPP markiert und beängstigend „leer“. Nur zwei Jugendliche vor uns wählten diese Variante und im Gegenverkehr ist es gut ein Dutzend Leute, welches sich zum Gipfelsturm aufmacht. Von 8:25 bis 9 Uhr pausieren wir an der Dolič-Hütte / Koča na Doliču (2.150 m). Das Büchsengetränk geht hier auch für 7,50 Euro über’n Tresen, die Steinböcke, die hier in den Vorjahren zugange waren, fehlen heute. Vielleicht sind wir dafür auch etwas zu spät. Fünfeinhalb Stunden auf sehr schwierigem Weg (Dreieck mit Ausrufezeichen) sind es nun noch bis zu unserem Wiedereinstiegsort am Krishki podih, zur Fortsetzung der dort 2025 abgebrochenen Transversale. Den Weg sind wir nun schon zweimal gegangen und wissen, daß es nur ein kurzer Abschnitt am Bovški Gamsovec ist, der die Einstufung „schwarz“ beansprucht, der Rest ist relativ leichtes Bergwandern, also eher „blaues“ Gelände. Auf der gut ausgebauten „Militärstraße“ nehmen wir erstmal 650 Höhenmeter mit nach unten, ehe wir zum Luknja (1.766 m) hinauf abbiegen können. Dort gönnen wir uns 11 Uhr eine Pause, ehe es in voller Sonnenbestrahlung auf einem langgezogenen Bergrücken zum Bovški Gamsovec (2.392 m) weitergeht. Da wir uns in diesem Anstieg auch noch ein zweites Mal (mit Blick auf die mächtige Triglav-Nordwand) zur Ruhe gesetzt hatten, sparen wir uns den kurzen Abstecher zum Gipfel (Stempelstelle des SPP), den wir voriges Jahr als letzten Berg unserer Tour abhakten.
Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, als wir 14:35 Uhr die Pogačnik-Hütte / Pogačnikov dom na Kriških podih (2.051 m) erreichen. Als wir uns 2025 hier ins Tal verabschiedeten, konnte man keine 20 Meter weit gucken, heute strahlt die Sonne mit dem Himmel um die Wette. Das jeweilige Erinnerungsfoto am (für solche Anlässe vorgesehenen) hölzernen Bilderrahmen, welches im Vorjahr völlig vernebelt war, erscheint nun bei besten Licht- und Sichtverhältnissen in einem völlig anderen Bild.
Morgen ist Maria Himmelfahrt, der Tag, an dem sämtliche Slowenen auf den Beinen sein werden. Dies hatten wir in unserer groben Urlaubsplanung anfangs gar nicht so richtig auf dem Schirm. Um nicht noch einmal Probleme mit der Hüttenübernachtung zu bekommen, reservierten wir rechtzeitig unsere Schlafplätze (a 21 Euro) im 12-Bett-Lager des Hauses. Das schöne an so einer Vorbestellung sind die 8 Euro Abgabe, die man draufzahlt. Davon fallen allein 5 Euro Reservierungsgebühr an. Für was - daß der Hüttenwirt das Geld schon mal einige Wochen vorher auf seinem Konto hat, egal, ob man dann auch da ist oder nicht? Abzocke, denn das Risiko trägt in diesem Fall (das betrifft nicht alle Berghütten!) einzig der Kunde. Kurtaxe wird überall erhoben - Haken dran! Die Halbpension für 19 Euro p.P. serviert zum Abendbrot (für uns 16:45 Uhr) das slowenientypische Jota - in unserem Fall: Sauerkrautgericht mit ausschließlich Sauerkraut, einem (!) zerschnittenen Wursträdel und einer geviertelten Saatkartoffel. Dazu gibt es noch ein Dessert (Schokokuchen oder Apfelstrudel). Wenigstens ist das Bier (6 Euro, wunschweise auch mit Glas) nicht ganz so preisintensiv, es soll sicherlich die vorhandenen Lücken im Bauch füllen!? Um 18 Uhr suchen wir unser Mehrbettzimmer, mit genügend Sprengstoff (Sauerkraut) im Gedärm, auf - es wird aber eine ruhige Nacht werden.
Erhöhtes Schuhaufkommen in der Stanič-Hütte
Leichter Weg / lahka pot / Easy trail
Schwieriger Weg / zahtevna pot / Difficult mountain trail
Sehr schwieriger Weg / zelo zahtevna pot / Very difficult mountain trail (Passage am Rz)
Kredarica (2.541 m) und Kapela Marija Snezna na Kredarici (2.510 m)
Triglav-Haus am Kredarica / Triglavski dom na Kredarici (2.515 m)
Beginn des Eisenverbaus am Triglav
Wegweiser am Mali Triglav
Wiener Schnitzel am Triglav-Grat
Ute leuchtet (fürs Foto) das Triglav-Fenster (unterhalb des Gipfels befindlich) aus
Tageserste auf dem Triglav (4:25 Uhr)
Das Gipfelpanorama des Triglavs auf fünf Gemälden von Maja Šubic im Aljazev stolp
Blick vom Triglav Richtung Westen: Mišeliski konec bis Zrd
Veliki Ozebnik bis Škrlatica
Dovški kriz bis Rjavina
Hochstuhl bis Blegoš
Rudnica bis Vrh nad Škrbino
Szenario um 5:04 Uhr
5:26 Uhr:Cmir, Begunjski vrh, Visoka Vrbanova špica und Rjavina (im Vordergrund v.l.n.r.)
5:27 Uhr: auf dem Grat ist das Licht einer Stirnlampe erkennbar (Grintovec und Kočna am Horizont, mittig)
Sonnenaufgang 5:58 Uhr

Im Osten geht die Sonne auf ... über dem Rjavina und den Karawanken
Der Triglav wirft seinen Schatten über Velika Tičarica (M.) und Ozebnik (davor)
Der Abstieg zur Dolič-Hütte ist ebenfalls mit der "1" markiert
Abstieg zur Scharte Triglavska škrbina (2.655 m)
Blick vom Kugy-Weg auf Jôf di Montasio, Jalovec und Mangart

Veliki Ozebnik, Jalovec, Mangart, Mojstrovka, Planja, Prisojnik und Razor (v.l.)
Triglav-Kaserne "Viktor Emanuel III."
Koča na Doliču (2.151 m)
Blick von der Dolič-Hütte zu Razor, Pihavec und Bovški Gamsovec

Oberhalb des Luknja-Sattels (1.766 m)
Der Triglav (re.) und seine steinerne Mauer im oberen Vratatal
Rjavčeve Glave, Rjavčeve Glave (juzni vrh), Begunjski vrh, Rz, Kredarica und Triglav
Alpenedelweiß / Abstieg vom Bovški Gamsovec
Abstieg vom Bovški Gamsovec zum Sattel Dovška vratca (2.176 m)
Kriz (2.410 m), Dolkova špica (2.591 m), Škrlatica (2.740 m) und Stenar (2.501 m)
Der Razor (re.) ist unser morgiger erster Anlaufpunkt
Pogačnikov dom na Kriških podih (2.050 m), darüber Planja und Razor (re.)
So endete der SPP 2025 für uns (li.) ... nun scheinen die Voraussetzungen für eine Fortsetzung besser zu sein (re.)
15.08.2026 / 6:40 Uhr / 9,89 km / 970 Hm+ / 1.401 Hm-
Pogačnikov dom na Kriških podih (2.051 m) - Poštarski dom na Vršiču (1.620 m)
Wetter: 15°C - 28°C, sonnig (Mlinarica)
Die lange „schwarze“ Etappe zum Werschetzpaß / Vršič steht als Fortsetzung des Höhenweges vor der Tür. Sie beinhaltet mit dem Razor (2.601 m) und dem Prisank (2.547 m), den fünft- und zehnthöchsten Berg Sloweniens und ist mit 10 bis 11:30 Stunden Gehzeit angesetzt. Ab 5:30 Uhr räumen wir den Schlafsaal (vergessen dabei allerdings unsere Mini-Taschenlampe) und sind pünktlich 6 Uhr am Frühstückstisch. Es gibt Brot mit Eiern und Schinken, dazu Tee. Die viereinhalb Liter Wasser für unterwegs holen wir uns aus dem Wasserhahn - das macht bei einem Hütten-Literpreis von 5 Euro so gut wie jeder. Mit zwei Salzburg-Triest-Wanderern unterhalten wir uns über deren Streckenabschnitte. Sie wollen heute, nach Erreichen der Dolič-Hütte, den Triglav besteigen. Das wollte ich damals auch, doch das Wetter ließ es nicht zu. Sie haben heute allerdings das „Glück“ eines wolkenfreien Himmels und das des Feiertags. Es wird demnach richtig eng werden auf dem Dach Sloweniens.
Wir starten 6:40 Uhr von der Hütte. Zwei Stunden bis zum Razor sind in der Hütte angegeben. Das ist Utopie, da der Weg zum Planja-Sattel schon über eine Stunde in Anspruch nehmen wird - so die Bergab-Erfahrung dieser Passage von 2024. Es geht anfangs ein paar Meter hinab, danach folgt der Anstieg in die Schutthänge des Razors, zwei Felsstufen und ein längeres Felsband werden unter Zuhilfenahme von Eisenstiften oder Stahlseilen überwunden. Dinge, die die, sich im Gestein tummelnden Gämsen nicht benötigen. Am Planja-Sattel / Sedlo Planja (2.349 m) biegen wir in den Südhang des Razors ein, vorbei an einer Höhle, gelangen wir auf weiterem Geröll, welches uns nur ein langsames Vorankommen beschert, zu einer Scharte. Jetzt geht es in den Gipfelaufbau, teils brüchiger Fels aber auch Schutt erfordern volle Konzentration. Nun wartet noch ein (vielleicht 15 Meter hoher) "Kamin". Er ist bestens mit Seilen und stählernen Fußtritten gesichert. Danach sind es nur noch ein paar Höhenmeter auf dem Grat zum Gipfel. Selbst der kühnste Pessimist hätte nun nicht erwartet, nach nur 1:57 Stunden (und das auch noch mit unseren großen Rucksäcken) auf dem Aussichtsberg zu stehen. Wir sind Nr. 2 und 3 des Tages und für zehn Minuten allein hier oben. Danach füllt es sich zusehend und wir verschwinden 9 Uhr wieder. Sicherlich könnte man die grandiose Aussicht auch noch länger genießen, doch um Staus an den Schlüsselstellen im Abstieg zu vermeiden, machen wir los. Außerdem haben wir ja noch genügend Weg vor uns - aber auch die Option des Teilens dieser Etappe schwebt immer noch im Raum. Die Entscheidung dazu soll am Talschluß des Mlinerca / Mlinarica fallen.
Wir gehen zurück zur Planja-Scharte und nehmen den uns bekannten Weg Richtung Vršič. An der Razor-Nordwestwand schlängeln wir uns nun peu a peu, erst durch Schutt, danach durch Fels talwärts. Ein Gegenanstieg über eine rund 40 Meter hohe Felsplatte komplettiert die anspruchsvolle Wegführung. Am Mlinarica-Talende angekommen, rasten wir am Abzweig (2.008 m) zum Jubiläumsweg / Jubileina pot, der (in älteren Karten ebenfalls mit der „1“ verzeichnet) zum Prisank führt. Diese Klettertour ist teilweise ausgesetzt und hat stellenweise Klettersteigcharakter. Was uns genau erwartet, können wir nur erahnen, denn selbst das geschulte Auge verliert die Streckenführung recht schnell in den Hängen dieses Felsklotz’.
Wir bleiben demnach auf dem derzeitigen Original, pausieren noch einmal lange im Wald, bevor die „1“ nach rechts ins weglose Gelände abbiegt. Da hat sich also in den letzten beiden Jahren nichts geändert - erst führt der imaginäre Weg einen Hang mit hüfthohem Grasbewuchs hinauf und verliert sich später im Unterholz der Latschenkiefern. Vor zwei Jahren stocherten wir uns diesen Abschnitt in der Gegenrichtung talwärts. Ute hatte damals eine Begegnung mit einer Kreuzotter, die sich in diesem unbegangenen Stück recht sicher (vor Menschen) wähnte. Doch wir müssen hier nicht hoch, heute zumindest nicht. Unser Entschluß die Etappe zu teilen, steht fest - vordergründig, weil wir noch keine Übernachtung sicher haben und diese dann bei einer zu erwartenden Ankunftszeit von 19 oder gar 20 Uhr auch nicht mehr bekommen würden.
Das Posthaus am Werschetz / Poštarski dom na Vršiču (1.688 m), als die erste von drei Übernachtungsmöglichkeiten, erreichen wir 14:35 Uhr. Ute macht zwei Nächte im 20-Betten-Lager fest und wir lassen den Tag gemütlich ausklingen: Bier im Glas (5,50 Euro), Bett beziehen, Duschen, Abendbrot (Suppe, Geflügel mit Reis, Dessert) und natürlich der 3:1-Derbysieg der Himmelblauen in Liga 4 vor immerhin 13.101 Zuschauern. Da wir uns in einer Berghütte der slowenischen Telekom befinden, sichert eine sehr gute Netzabdeckung sogar nachträgliche Bewegtbilder dieses Fußballkampfes störungsfrei ab. Das ist und bleibt eine Ausnahme - sowohl beim Thema Funkempfang in den Bergen als auch überstrapaziertes Nutzen des mobilen Endgerätes. Es ist Urlaub und da kann der (nicht unbedingt notwendige) Telefongebrauch ruhig etwas in den Hintergrund treten. Noch vor 20 Uhr gehen „unsere Lichter“ aus, der Schlafsaal füllt sich nachts noch etwas, ist aber nur zur Hälfte belegt.
Hüttenfrühstück / Zeittabelle für die umliegenden Berge
Aufstieg zum Razor (rechtes Bild am Horizont), unterhalb des Planja-Sattels
Kriški podi 30 (2.435 m) - Höhle im Fels des Razors
Kurze steile Klettersteigpassage - Ersatz für den durch Felssturz gesperrten Normalweg
Blick zum Triglav und seinen "Untertanen"
Blick über den Planja (links der Bildmitte) zum Bavški Grintavec (rechts oben im Bild)
Jalovec, Mangart, Mojstrovka und Prisojnik (v.l.)
Mangart und Mojstrovka
Blick vom Sedlo Planja zum Prisojnik (re.)


Noch ein wenig ausruhen ...
.. denn jetzt geht es hier mittig (auf der Platte links der Rinne) hoch
Warten auf den "Nachstieg"
Gut begehbar!
Aussicht mit Dach überm Kopf (Bildmitte: Bavški Grintavec)
Mlinarica
Blick von Na Robu zurück zum Razor
Jalovec und Mojstrovka
Zugewachsener Weg um den Sovna glava
Poštarski dom na Vršiču (1.688 m) vor Mala Mojstrovka (2.333 m) und Šitna glava (2.079 m)
Prisojnik (2.547 m)
Was soll man unter so ein Bild schreiben?
Damit die Erholung keine 96 Stunden in Anspruch nimmt: Abendessen am Werschetz
16.08.2026 / 8:52 Uhr / 7,89 km / 1.008 Hm+ / 1.008 Hm-
Poštarski dom na Vršiču (1.620 m) - Prisojnik (2.547 m) u. zurück
Wetter: 15°C - 23°C, sonnig, bedeckt (Vršič)
Heute muß der Nachholer vom Vortag, die Besteigung des Prisang / Prisank (Prisojnik) erledigt werden. Die Nacht im Lager war wie eine Schicht im Sägewerk. Ich hatte das Glück, gleich neben dem Sägegatterführer (er und sein Kompagnon hatten Ohrstöpsel) zu liegen. Naja, wenigstens eine meiner Arbeit artverwandte Tätigkeit, die da durch den Saal dröhnte - da will ich mich mal nicht aufregen. Ab 7 Uhr ist das Frühstücksbuffet eröffnet. „All you can eat“ steht auf dem Speiseplan des mittlerweile auf Sparflamme heruntergefahrenen Körpers. Er widersteht dieser Versuchung auch nur ganz schlecht und sündigt - was reingeht, geht rein! Ein fataler Einstieg in das Tagesgeschehen.
Kurz vor 9 Uhr (denn wir haben ja nur rund sechs Stunden Gehzeit vor uns) starten wir Richtung Mlinarica. Bis zum Eichstrich gefüllt, habe ich mehr mit der Wiederherstellung einer Art Wohlgefühl im Verdauungstrakt zu tun, als daß ich die aufgenommene Energie des üppigen Frühstücks in Kraft für die Beine umwandeln kann. Wie ein 601-er Trabant, der die ersten Kilometer mit gezogenem Choke fährt, sich vom fettigen Kraftstoffgemisch labt und nicht aus dem Knick kommt. Es qualmt gewaltig, mehr passiert nicht. Erst, als sich der letzte Buffetgang den Weg ins Freie bahnt, ist die größte körperliche Belastung am Wegrand abgelegt. Ute, vom stark abgelasteten Rucksack beflügelt, zieht (zumindest bildlich) gnadenlos davon. Egal!
Der Weg ist uns teilweise bekannt, führt anfangs recht gemütlich an hunderten Alpenedelweiß vorbei in die südlichen Schutt- und Felsabschnitte des gewaltigen Massivs. Dort müssen dann verstärkt die Hände zu Hilfe genommen werden - nichts Schwieriges, aber kraftzehrend. Zu meinem Erstaunen stelle ich unterhalb des Gipfels fest, daß die offizielle Gehzeit (trotz „offenem Choke“) von uns um eine halbe Stunde unterboten wurde. Kurz vor 11:30 Uhr stehen wir am hölzernen Behelfskreuz des Prisank und der Rundumblick ist überwältigend. Alle Berge, die wir schon vom Triglav oder Razor gesehen haben, präsentieren sich uns erneut - nur einer nicht, der Großglockner. Er ist von der heranziehenden Wolkenfront (Gewitter ist vorhergesagt) bereits verhüllt.
Wir bleiben eine Stunde auf dem Gipfel, die letzte Viertelstunde gehört er uns (mal wieder) ganz allein. Für den Abstieg nehmen wir den, im Führer beschriebenen Weg (Grabenski pot), der am großen Prisank-Fenster vorbeiführt. Er ist als solches nicht (mehr?) mit der „1“ markiert und definitiv anspruchsvoller, als der Aufstieg. Uns kommen sogar noch mehrere Berggäste entgegen - bei acht von zehn fragt man sich, wie sie es bis „hierher“ geschafft haben, so ängstlich, wie sie auf dem teils ausgesetzten Grat agieren. Nach einer Stunde Kraxelei, bei der nur spartanisch Metallhilfen zur Verfügung standen, erreichen wir das Prednje okno, das größte natürliche Felsfenster Sloweniens. Es befindet sich am oberen Rand der Prisank-Nordwand und ist rund 80 Meter hoch und 40 Meter breit. Ein Klettersteig kommt in diesem Loch von unten zu uns herauf , ist aber kein Bestandteil unseres heutigen Aufgabenbereichs - auch wenn es Ute anders sieht.
Für uns geht es regelrecht einfach über den Gladki rob weiter. Auch hier flankieren wiederum hunderte Edelweiß den Wegrand. Kurz nach 15 Uhr sind wir wieder im Quartier. Am Abend entlädt sich noch ein Gewitter über Kronau / Kranjska Gora - am Paß bleibt es aber trocken. Zum Abendbrot gibt es eine Suppe (die man sich, wie am Vortag, mehrfach holen kann), dazu Spaghetti Bolognese sowie einen Eisbecher als Nachtisch. Mit zwei Frauen teilen wir uns den 20-er Schlafsaal. Nachtruhe 20:30 Uhr - und es bleibt ruhig, denn das mobile Sägewerk hat einen anderen Einsatzort und draußen ist das Gewitter durch.
Slovenska pot
Slovenska pot am Fels
Slovenska pot im Fels
Zadnji Prisank, Razor und Triglav zur Linken, Bavški Grintavec und Jalovec zur Rechten
Gipfel des Prisojnik, dahinter Jalovec (li.) und Mangart (re.)
Blick vom Prisojnik zum Monte Sart, Veliki Ozebnik, Jalovec und Jôf di Montasio (v.r.n.l.)
Pelc-Kette, Jalovec, Mojstrovka-Kamm (v.L., im Vordergrund), Mangart und Ponca-Gebirge (re., im Hintergrund)
Der Triglav überragt alle: Cmir, Rjavina, Rjavčeve Glave, Stenar, Kriz, Begunjski vrh, Razor und Planja (davor, v.l.)
Die Wand des Razors und der Talschluß des Mlinarica, in dessen Schutt der (gestrige) Abstieg erkennbar ist
Panorama, links beginnend mit dem Jalovec bis zum Triglav am rechten Bildrand
Klitzekeines Felsenfenster am Prisank



Abstieg über den Westgrat (Grebenska pot)
Bavški Grintavec (li.), Pelc-Kette, Jalovec (re. der Mitte) und Mangart (re.)
Oberhalb des großen Felsenfensters

Prednje okno (2.250 m)
Gladki rob und Edelweiß
20-Betten-Lager
17.08.2026 / 8:29 Uhr / 12,69 km / 1.468 Hm+ / 1.024 Hm-
Poštarski dom na Vršiču (1.620 m) - Zavetišče pod Špičkom (2.064 m)
Wetter: 12°C - 18°C, bedeckt, teilweise Regen (Soča)
Ab 5 Uhr ist die Nacht vorbei. Die gute Netzanbindung wird für gewisse Telefondienste genutzt, denn so oft hat man diese Möglichkeit nicht. Ab 7 Uhr im Speiseraum das gleiche Spiel des Vortages - viel hilft viel. Der Magen ist gefüllt, das Tagesprogramm wird leichter. Wir gehen hinab zum Werschetzpaß (1.611 m), dem höchsten Straßenpaß Sloweniens. Dort finden gerade Bauarbeiten an der Zufahrt zu den Hütten Tičarjev dom und Poštaski dom statt. Der Kioskbetreiber am vielbefahrenen Paß öffnet gerade, doch wir haben keinen Bedarf. Vier Stunden stehen vor uns. Es geht an den Hängen der Moistroka / Mojstrovka durch Nadelwald bergauf, bergab. Leichter Regen ist unser Begleiter, der unter dem Schirm der Bäume jedoch kaum beim Wanderer ankommt. Er ist allerdings für den weiteren Tagesablauf wegweisend, denn eine Besteigung des Jalouc / Jalovec verbietet sich bei Nässe und so werden wir nur zur Hütte am Spitzchen / Zavetišče pod Špičkom (2.064 m) gehen.
Ein etwas steilerer Anstieg zur Hütte folgt am Ende der Baumgrenze. Auf rund 1.900 Metern Seehöhe entdeckt Ute eine schwarze Kreuzotter (auch Höllenotter genannt). Sie ist rund 40 cm lang und sehr schnell vom Weg unter das Gestein am Rand verschwunden. Ich registriere einen kleinen, hölzernen Notfallschrank am Wegesrand, gefüllt mit Papiertaschentüchern, Riegeln und Schnaps - doch wir sind gut in Schuß und müssen diese angebotene Hilfe nicht in Anspruch nehmen.
Nach dreieinhalb Wanderstunden sind wir 11:45 Uhr an der Hütte. Die Hüttenwirtin meint, der Jalovec wäre heute nicht mehr machbar. Sturm und Regen würden derzeit über dem Berg festhängen, jedoch kein Gewitter. Mittlerweile ist auch um die Hütte herum alles zugezogen. Es wäre (für die kommenden Tage) Regen gemeldet und sie die Hütte am nächsten Tag schließen und ins Tal absteigen. Da guckt man sich erstmal ein bißchen blöd an. Wie geht es nun für uns weiter? Das Winterquartier der Hütte wäre offen. Doch bei Regen (mehrere Tage) das Notlager in Anspruch nehmen, um (zu einem gängigen Zeitpunkt) den Stempel vom Jalovec zu holen? Nein, so viel Zeit haben wir dann auch nicht!
Man gibt uns nun noch eine Chance. Wer auch immer das ermöglicht hat? Danke! Um 13 Uhr reißen Löcher in den weißen Vorhang am Ozebnik. Noch zögern wir. Doch 13:15 Uhr machen wir uns auf. Vom Tal kommen noch ein paar Hüttengäste, die unser hektisches Verhalten registrieren. Mit Kleinstrucksack (Stempelzeug, Helm, Gurt und Wasser) geht es los. Die vorhandene Bewölkung gibt uns scheinbar nicht zu viel Zeit. Fünf Stunden hin und zurück, sagt der Wegweiser, zweieinhalb Stunden pro Weg. Wir sind flott. Bei der Umgehung des Veliki Ozebnik (2.480 m), kommen auf dessen Ostseite die ersten Stahlseile und Eisentritte zur Anwendung (allerdings an einigen Stellen, wo sie gar nicht notwendig sind). Wir gewinnen schnell an Höhe, Hände und Beine laufen zur Höchstform auf. Ab der Scharte Jezerca (2.390 m) nimmt die Kraxelei richtig Fahrt auf. Linkerhand das tiefe Loch der Schlucht Loški zleb und schräg über uns wartet der wolkenverhangene Gipfel, ein paar Minuten noch über den ungesicherten Südgrat und wir sind nach 1:22 Stunden oben. Der König der Julier (nicht nur für mich der formschönste Berg) trägt standesgemäß eine eiserne Krone. Das Bezwingen des Jalovec ist als sehr schwierig eingestuft, ein Klettersteigset wäre obligatorisch, ist aber (auf der Route des SPP) unbrauchbar, da sich die Schwierigkeit einzig auf die Ausgesetztheit am Grat (ungesichert, mit schwindelerregenden Tiefblicken) und die damit verbundene absolute Trittsicherheit bezieht.
Eine Viertelstunde verweilen wir auf dem Gipfel. Nur eine Person hat sich heute (vor uns) im Gipfelbuch verewigt. Ab und zu geben die Wolken Teile der Umgebung frei, doch wir wollen unser Glück nicht überstrapazieren, denn von der Mojstrovka kommt es schwarz daher. Der Abstieg dauert bei leichten Felsklettereien erfahrungsgemäß länger und so sind wir „erst“ 16:10 Uhr wieder an der Hütte (1:31 Stunden für den Abstieg).
Der Gastraum hat sich, während unserer Abwesenheit, mit sieben Belgiern gefüllt. Ab 17 Uhr geht Starkregen nieder und es gewittert. Wir haben also die uns gegebene, relativ kurze Zeitspanne genutzt, um unseren (vor allem meinen) Traum von der Besteigung des Jalovec auszuleben. In der Vorbereitung auf unsere ganze Unternehmung, gelang es diesem markanten Berg (der zudem das Wappen des Slowenischen Alpenvereins ziert), mir gegenüber den größten Respekt aufzubauen.
In einem Artikel über die Julischen Alpen im Jahrbuch des D.u.Oe.A.V. von 1909 beschreibt Josef Aichinger den „Jaluz“ wie folgt: „Von allen Gipfeln der Julischen Alpen zeigt keiner eine so schroffe Form, wie der um wenige Meter niedrigere Nachbar des Manhart, der prächtige Jaluz. Da er aber ähnlich wie der Triglav sich scheu in die innersten Winkel entlegener Täler zurückzieht und auf keinem Wege leicht zu besteigen ist, wird sein Name nur selten genannt. Man kann ihn, ohne den anderen Gipfeln etwas zu nehmen, die kühnste Berggestalt der Julischen Alpen nennen, und wer in der Kühnheit der Gestaltung den Maßstab für die Schönheit eines Berges findet, mag ihn getrost als deren schönste Felszinne bezeichnen. Wie ein schlank emporgeschossener Kristall mit scharfen Kanten und Ecken ragt seine feine Spitze aus dem Hintergrunde des Planizatals auf, und von wo immer man ihn betrachten mag, stets behält er seine schneidige, abgerissene Form, nirgends zeigt er eine wunde Stelle, die ihn zugänglich erscheinen läßt. Und doch wurde er schon von allen Seiten her bestiegen! Zuerst von Mittelbreth aus der tiefen Schlucht der Koritniza über die steile Wand, die wir vom Predil aus bewunderten, dann aus der hinteren Trenta, bis es gelang, ihn von seiner Nordseite aus der Planiza zu fassen und von der Voß-Hütte her auf Umwegen zu beschleichen. Mag man ihm von was immer für einer Seite beizukommen suchen, stets wird er sich als ein strenger, abweisender Geselle erweisen, der nicht für jedermann geschaffen ist.“
Wir hätten die Besteigung auf den folgenden Morgen verschieben können, dann aber auch nicht gewußt, wie gnädig das Wetter mit uns ist und hätten sicherlich nicht so entspannt schlafen können, wie es uns nun vergönnt ist. Doch zuvor genießen wir noch, beim Kartenspiel, die gemütliche Hüttenatmosphäre bei gedimmten Lichtverhältnissen, im teils mit Stirnlampen ausgeleuchteten Gastraum. Zum Abendbrot gibt es Sauerkrautsuppe mit Wurst und Büchsenbier.
Negativer Tageshöhepunkt: die Sohlen meiner slowenischen Bergschuhe lösen sich nach rund 50 km mit 5.600 Hm+ Laufleistung - damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Am nächsten Tag, in Trenta, wäre die Möglichkeit (natürlich würde dies einen Extratag in Anspruch nehmen), mit dem Bus entweder nach Kronau oder Flitsch / Bovec zu fahren, um sich um Ersatz zu kümmern. Doch das ist zu vage …
Blick zum Travnik (2.378 m), Velika Mojstrovka (2.369 m) und Mala Mojstrovka (2.333 m)
Bavški Grintavec (2.347 m)
Trenta-Tal
Abkürzung zum Jalovec über das Mali Kot - der SPP führt aber über die Hütte Zavetišče pod Špičkom
Notfallration am Wegesrand
Wegmarkierung
Blick zum Spitzchen / Špiček (2.194 m)
Špiček mit der darunter befindlichen Hütte

Schwarze Kreuzotter
Zavetišče pod Špičkom (2.064 m)
Der Weg zum Jalovec (im Schuttfeld rechts unten) führt um den Veliki Ozebnik


Gipfelgrat des Jalovec
Gipfelgrat des Jalovec'
Kleine Fotopause ...
Blick ins Koritnicatal / Loška Koritnica
Mangart (2.679 m) mit "Wolkenmütze"
Unterhalb des Gipfels mündet der Klettersteig vom Tamarhaus auf den Weg
Die Krone des Königs der Julier (zur besseren Lesbarkeit gespiegelt)
1:22 statt 2.30 Stunden für den Aufstieg / Nr. 2 und 3 des 17.08.26 im Gipfelbuch
Die Krönung des Slowenischen Höhenweges
Nur um die Aussicht ist es nicht so gut bestellt (Blick zum Mangart)
Abstieg vom Jalovec (mit Helm!)
Abstieg vom Jalovec
Fürs Schuhwerk eine Nummer zu groß - der Jalovec
... noch ein paar Minuten, dann holen sich Regen und Gewitter "ihren Tag" zurück
Schlafsaal unterm Dach
18.08.2026 / 8:07 Uhr / 21,03 km / 1.521 Hm+ / 1.514 Hm-
Zavetišče pod Špičkom (2.064 m) - Zasavka koča na Prehodavci (2.071 m)
Wetter: 9°C - 25°C, sonnig (Soča)
Um 6 Uhr geht es aus den Federn, denn der Sonnenaufgang wartet nicht. Danach gibt es das Frühstück: Brot und Tee (von Haus), Wurst und Käse (aus dem Rucksack). Kurz nach 8 Uhr verlassen wir die Hütte talwärts über Staro Utro (1.570 m) und Planina Trenta (1.380 m). Beim Parkplatz am Suhi potok (960 m) überholt uns die Hüttenwirtin, als wir gerade unsere Rucksäcke neu einsortieren. Wenig später (man staune) kellnert sie in der Hütte an der Sontigquelle / Koča pri izviru Soče (884 m). Naja, wie mehrere Tage Regen sieht es nicht aus und die angeblich fehlenden Lebensmittel (die sie im Tal besorgen müßte) konnten wir bei der Vorratshaltung auf der Hütte auch nicht feststellen. Sie hätte da ruhig ehrlich mit uns sein können. Es ist nur blöd für die, die heute eine verschlossene Berghütte vorfinden werden.
Der Sontig / Soča / Isonzo entspringt ein paar Gehminuten oberhalb der Hütte aus dem Fels. Er erlangte im I. Weltkrieg durch seine zwölf Isonzo-Schlachten, die sich über 29 Monate (von Juni 1915 bis Oktober 1917) zogen, traurige Berühmtheit: über eine Millionen Gefallene, Verwundete und Vermisste hatten die Kriegsparteien Italien, Österreich-Ungarn sowie das Deutsche Reich zu beklagen. Heute plätschert das typisch smaragdgrüne Wasser talwärts. Wir würden nun gern unseren Füßen die Wohltat eines Bades gönnen, doch diese Pause können wir uns nicht leisten. Wir haben Termine! Zuerst gehen wir zur Stempelstelle des Julius-Kugy-Denkmals / Kugyjev spomenik (773 m). Kugy (1858 - 1944) stammte aus Görz (dem heutigen Gorica) und gilt als Erschließer der Julischen Alpen. In Trenta (620 m) müssen wir unbedingt eine mögliche Mittagspause des Lebensmittelladens umgehen. Daher drängt die Zeit. Das Fußbad muß weiterhin warten - 11:45 Uhr sind wir am Trenta-Market, dem einzigen Geschäft des Ortes, welches durchgehend von 7:30 bis 19:30 geöffnet hat.
Wenn schon die Treter keine Verwöhneinheit bekommen, dann wenigstens der Magen: Bier, alkoholfreie Getränke, Wurst, Waffeln, Hörnchen - alles in Etappen, gut portioniert und aufeinander abgestimmt. Zwischendurch schafft Ute unsere (nun nicht mehr benötigten) Helme und Gurte (die wir gar nicht nutzten) zur Post. Diese gibt es in Trenta natürlich nicht, Postgut wird daher im Informationszentrum des Triglav-Nationalparks / Informacijsko izobrazevalno središče TNP Dom Trenta (626 m) entgegen genommen. Völlig unkompliziert wird daraufhin im Gebäude ein passender Karton gesucht, unser Bergequipment verpackt und ordentlich mit Klebeband verschnürt. Beim Bezahlen gibt es allerdings einen Haken, denn die „Postfrau“ kann das Porto nicht genau festlegen. Das bestimmt der „richtige“ Postmann, der das Paket zum Weitertransport hier abholen und dann verwiegen würde. Zehn Euro wären aber zu viel, fünf reichen, wenn nicht, würde das die Trinkgeldkasse regulieren. Anmerkung dazu: 15,34 Euro werden später in der Kasse fehlen, wie wir dem Beipackzettel unseres Paketes (nach dem Urlaub) entnehmen können.
Die Pause am Laden zieht sich. Eine junge Frau aus Hamburg setzt sich zu uns, sie will an der Soča und weiter bis Kroatien wandern. Ihr Rucksackgewicht: 17 kg: Da haben wir es jetzt etwas leichter! In der Trenta-Information hätten wir nun nur noch gern eine Übernachtung. Doch da macht uns der Mann am Schalter keine großen Hoffnungen. Er telefoniert noch ein paar Möglichkeiten durch, doch damit ändert sich unsere Lage nicht. Der Ort ist komplett ausgebucht! Letzte Möglichkeit ist die nächste Berghütte unserer Tour. Dort ist zwar auch alles voll, aber für zwei Deutsche, die die Transversale gehen, findet sich noch ein Notschlafplatz, ggf. auf dem Fußboden.
Nun müssen wir zum x-ten Mal in den Lebensmittelmarkt, schließlich wollen wir unsere Flaschen noch mit Getränken auffüllen, bevor es dann tagelang nur noch Wasser geben wird. Kurz nach 14:30 Uhr verlassen wir Trenta. Vier Stunden Fußmarsch mit knapp 1.500 Metern Höhenunterschied stehen uns bevor, weil wir die „1“ über Zadnjica gehen und nicht den leichteren und eine Stunde kürzeren Weg nehmen, den der Mann von der Info empfohlen hat. Dieser konnte unsere Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen. Der Aufstieg ist zäh, anfangs auf breitem Forstweg, dann Zickzack durch den Wald, etwas steiniger und zur Hütte hin auf ehemaligem, gut ausgebauten Militärweg. 18 Uhr sind wir da - Zasavska koča na Prehodavcih (2.071 m).
Die Büchse Bier ist wieder für 7,50 zu haben und das Abendessen, bestehend aus einer Suppe mit Brot, für 14 Euro! Das Dessert, welches stets zum Abendmahl gehört und jeder andere Gast ganz selbstverständlich zu seinem Essen dazubekommt, wäre extra. Aha! Ne blödere Antwort hatte die Hüttenwirtin wohl nicht parat. Aber wir sind ja weiterhin auf ihre Gnade angewiesen, schließlich haben wir noch keinen Schlafplatz. Diesen kann sie uns erst zuweisen, wenn klar ist, wer noch kommt und wer nicht. Da es nun auch ordentlich regnet, sind die Hüttenankömmlinge völlig durchgeweicht. Um 21 Uhr bekommen wir dann grünes Licht: Bett 5 und 6 im 50-Betten-Raum. Ne halbe Stunde später sind wir in diese „Fischbüchse“ einsortiert. Bis 22 Uhr gibt es noch nerviges, mit Pfeifton unterlegtes Geflüster unter Einheimischen - da hätten sie sich lieber mal laut unterhalten.
6 Uhr: Blick zu Mojstrovka (li.), Prisojnik (re. der Mitte) und Razor (re.)
Sonnenaufgang 6:25 Uhr

Morgentoilette mit dem Regenwasser des gestrigen Abends
Pelc nad Klonicami (2.442 m)
Blick vom hinteren Trenta-Tal zum Flitscher Grintoutz / Bovški Grintovec (2.347 m)
Blick vom Trenta-Tal zu Prisank (M.), Razor und Planja

Koča pri izviru Soče (884 m)
Julius-Kugy-Denkmal (775 m)
Der Blick von Julius Kugy ist auf den Jalovec gerichtet - er hatte demnach unsere gestrige Bergfahrt unter seiner Aufsicht
Trenta: Lebensmitteleinkauf und Verschicken der Helme und Gurte in die Heimat
Zadnjiski dol
Wasserstelle im Zadnjiski dol / Vodni vir (1.219 m)
Blick zum Luknja-Sattel
Oberhalb des Passes Čez dol
Ehemalige Militärstraße

V.l.n.r.: Ozebnik (vorn), Prisank (hinten), Planja, Razor ("bewölkt"), Splevta, Kriski rob und Skrlatica (re. neben Ute)

Zasavka koča na Prehodavci (2.071 m)
19.08.2026 / 6:37 Uhr / 21,68 km / 778 Hm+ / 1.464 Hm-
Zasavka koča na Prehodavci (2.071 m) - Planinski dom na Krnskih jezerih (1.385 m)
Wetter: 16°C - 27°C, bewölkt (Triglavskih jezerih)
Kurz vor 6 Uhr aus dem Doppelstockbett, bevor das große Erwachen stattfindet. Das Frühstück fällt für uns aus, die haben gestern ihr Geld mit uns gemacht. Um 6:30 Uhr geht es in die Spur. Es geht ins Sieben-Seen-Tal hinab. Dieser Weg ist uns von vor zwei Jahren noch bestens bekannt. Damals machten wir am nierenförmigen See / Jezero v Ledvicah (1.830 m) Pause und bemerkten erst zum Ende der Rast, daß wir neben Edelweiß gesessen hatten. Heute gilt unsere Aufmerksamkeit den Salamandern, die (nach der regnerischen Nacht) zu Hauf auf dem Weg präsent sind und nicht von uns ertreten werden wollen. Aber auch ein paar Gämsen und ein Steinbock laufen uns vor die Linse, denn noch ist der oft begangene Weg nicht überlaufen.
An der Sieben-Seen-Hütte / Koča pri sedmerih Triglavskih jezerih (1.683 m) holen wir unser Frühstück nach. Auch wenn es für einen Wochentag eher untypisch ist, kurz vor 9 Uhr schon Bier zu trinken, gönne ich mir eine Büchse dieses Motivationsschubes. Dazu gibt es für jeden ein riesiges Stück Blaubeerkuchen und so sieht das Gedeck (auf dem Tisch vor der Hütte) gleich viel freundlicher aus. Die Blicke der in Scharen von der Hütte loswandernden Leute sind damit nicht mehr ganz so fragend. Nach einer ausgiebigen Rast setzen wir unsere Reise zum Komna-Haus / Dom na Komni (1.520 m) fort, wo die heutigen Touren 28/29 enden. Ute hat sich, beim Versuch, dort eine Übernachtung zu sichern, einen Korb geholt. Die 108 Betten der „Hotelanlage“ sind schon belegt.
Wir müssen also noch die „30“ anhängen. Doch zuvor nehmen wir auf der Terrasse noch unser Mittagessen ein. Während die durchgeschwitzten Sachen auf dem Geländer trocknen, gibt es Gräupchen und Krainer Würste. Wir haben genügend Zeit, denn unser Nachtquartier ist mit zweieinhalb Stunden ausgeschrieben. Etwas näher befindet sich noch die Bogatin-Hütte / Koča pod Bogatinom (1.513 m), bei der wir allerdings nur kurz zum Stempeln verweilen. Die Hütte wurde 1932 auf den Fundamenten eines österreichisch-ungarischen Feldlazaretts gebaut, welches einst die Verwundeten der Krn-Kämpfe ärztlich versorgte. Weitere Grundmauern der einst über 20 militärisch genutzten Baracken sind auf dieser Alm verstreut. Zudem erinnert ein Kriegerdenkmal an die Gefallenen des I. Weltkrieges.
Auch der weitere Weg ist mit Andenken aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und der Grenzziehung nach dem Rapallo-Vertrag versehen. Am Bogatin-Sattel / Bogatinsko sedlo (1.803 m) steht noch die Ruine eines 1934 errichteten Außenpostens der italienischen Finanzpolizei und rund 160 Höhenmeter weiter talwärts prägen die Gebäude und Ruinen der 1930 erbauten Cesare-Battisti-Kaserne / Kaserna za Lepočani das Bild am Wegrand. Sie war einst ein Hauptstützpunkt des Alpenwalls, des hiesigen Grenzabschnitts zwischen Italien und Jugoslawien (damals noch SHS-Staat, "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen"). Seit 1943 verfällt dieser Kasernenkomplex und nur die Mauerreste überlebten das raue Bergklima.
Ein kleiner Stichweg (vorbei an einem Kuh- und Hühnerstall in Kombination auf der Planina Duplije) bringt uns zum Ende des Tages zur Hütte an den Krn-Seen / Planinski dom na Krnskih jezerih (1.385 m). Es ist 15:45 Uhr und wir gehen direkt zum Abendbrot über: Flecke für mich, Ričet für Ute, dazu ein Pudding-Dessert (hier wieder gewohnt im Preis inbegriffen) und die obligatorische Büchse Hopfensud (6,- Euro). Die Übernachtung war uns hier sicher, Ute konnte im voraus zwei der 168 (!) Schlafplätze im 21-Betten-Zimmer dingfest machen. Nur 20 Übernachtungsgäste verteilen sich auf dieses Überangebot. Durch die schlechte Wetterprognose bleiben eben die Gäste aus, meint der Hüttenwirt.
Da dieser auch noch der „beste Schumakker Sloweniens“ ist, nimmt er sich meiner ramponierten Latschen an. Man ist bei solchen Äußerungen ja von Haus aus skeptisch, doch er kann diese glaubhaft rüberbringen.
Gastraum der Prehodavci-Hütte
Preisliste Hüttenfrühstück
Der Triglav lugt aus den Wolken (re.)
Immer wieder eine Augenweide - der Jalovec
Zeleno jezero (1.988 m), dahinter Zadnji Vogel (2.327 m) und Velika Zelnarica (2.320 m)
Alpensalamander
Steinbock
Velika Zelnarica (2.320 m) und Brda (2.169 m) flankieren den Jezero v Ledvicah (1.831 m)
Sieben-Seen-Tal

Sieben-Seen-Hütte / Koča pri Triglavskih jezerih (1.685 m)
Frühstück
"Bitte nehmen sie ihren Müll mit" (oder beauftragen sie telefonisch ein Entsorgungsunternehmen dafür)
Dvojno jezero



Komna-Haus / Dom na Komni
Dom na Komni (1.520 m)
Hüttenreservierung während der Mittagspause
V.l.n.r.: Mahavšček (2.005 m), Bogatin (1.977 m) und Srednji vrh (1.874 m)
Planina na Kraju mit der Bogatin-Hütte (1.513 m) und dem Kozlov rob (1.630 m)
Informationstafel am Wegrand: Seilbahnstation auf der Planina na Kraju
Koča pod Bogatinom (1.513 m)
Blick zurück: Planina na Kraju und die Grundmauern der ehem. Militärsiedlung
Bogatin-Sattel / Bogatinsko sedlo (1.803 m)
Überreste einer italienischen "Finanzwache" am Sattel
Grenzstein von 1920 am Sattel (Grenzvertrag von Rapallo zwischen Italien und dem SHS-Staat)
Ruinen der Cesare-Battisti-Kaserne (1.618 m)
Steinerene Zeugen des italienischen Alpenwalls, die Überreste der Battisti-Kaserne
Wegweiser an der Planina Duplije (1.370 m)
Planinski dom pri Krnskih jezerih (1.385 m)
21-Betten-Zimmer
20.08.2026 / 7:17 Uhr / 26,06 km / 1.451 Hm+ / 1.521 Hm-
Planinski dom na Krnskih jezerih (1.385 m) - Koča na planini Razor (1.315 m)
Wetter: 9°C - 13°C, bedeckt, Regen, Gewitter (Krn)
Das Hüttenfrühstück gibt es 6:30 Uhr, das Buffet ist klein aber fein: Zitronentee, dazu frisches Brot, Butter, Marmelade, Honig, Cornflakes mit warmer Milch sowie die obligatorischen Rühreier. Elf Stunden stehen heute auf dem Plan. Zuerst geht es auf dem Stichweg zurück zur Planina Dupije (1.371 m) und weiter zum Krn-See / Krnsko jezero (1.390 m), der 4,5 Hektar groß und bis zu 18 Meter tief ist. Ab der Planina na Polju (1.530 m) geht es ins Gestein. Der Weg windet sich erst gemächlich, dann immer intensiver werdend zur Krn-Scharte / Krnska škrbina (2.058 m). Für heute sind Regen und Gewitter vorhergesagt, doch bisher pfeift uns nur ein heftiger Wind um die Nasen, es ist aber trocken. Die Wolkendecke zieht sich dann auch noch mehr auseinander und so können wir vereinzelte Talblicke erhaschen. Es noch 20 Minuten bis zum Gipfel des Krn (2.244 m), den wir 9:40 Uhr erreichen.
Der Krn und dessen mit Bunkern, Tunneln und Schützengräben versehene Bergkette gehörten im Ersten Weltkrieg zu einem hart umkämpften Gebiet mit immensen Verlusten an Mensch und Material. Mit einem nächtlichen Handstreich am 15./16. Juni 1915 eroberten die italienischen Elite-Alpini-Bataillons „Exilles“ und „Susa“ den Gipfel, der von ungarischen „Honved“-Einheiten gehalten wurde. Erst am 25. Oktober 1917 konnte dieser gegen die erbitterte Gegenwehr der Bersagleri (ital. Elite-Infanterie) von der 50. Infanteriedivision zurückerobert werden. Nach Ende des Krieges und Festlegung der Rapallo-Grenze gehörte der Krn (durch permanenten Artilleriebeschuß hatte er ein paar Meter an Höhe eingebüßt) zwischen 1920 und 1947 (wieder) zu Italien - nun offiziell Monte Nero genannt. Am 15. September 1928 wurde an der Stelle, an der der Unterleutnant Alberto Picco bei der Erstürmung des Gipfels fiel, ihm zu Ehren ein monumentales Denkmal, zugleich auch als Schutzhütte (Rifugio Alberto Picco) fungierend, geweiht. Dieses wurde 1951 eingeebnet und die heutige Berghütte Gomiščkovo zavetišče na Krnu (2.182 m) darauf errichtet. Sie ist nach dem einheimischen Berghüttenplaner Ervin Gomišček (1920-1950), benannt, der bei seiner Arbeit am Krn tödlich verunglückte.
Nach einem kurzen Gipfelaufenthalt, steigen wir zur Hütte ab und pausieren dort für eine halbe Stunde. Hier wird die Büchse Bier oder Radler für 8 Euro angeboten. Da kommt nicht der ganz große Durst auf, auch wenn wir jetzt noch für acht Stunden bevorstehende Wegstrecke den inneren Flüssigkeitshaushalt anpassen sollten. Es ist schon 10:30 Uhr und wir müssen uns etwas sputen. Es geht zurück zum Sattel und weiter um den Batognica (2.164 m) herum. Dieser hatte an einem Tag (21. Juli 1915) so einen hohen Blutzoll (532 Tote, 1.072 Verwundete, 63 Vermißte) zu verzeichnen, daß die Italiener ihn Monte Rosso (Roter Berg) tauften. Am Wegrand sind die Relikte dieser Zeit zu kleinen Haufen zusammengetragen und die Sammlungen ziehen sich weiter über Prag (2.058 m) und Peski (1.972 m): verrosteter Stacheldraht, Nägel, Granatsplitter, Türschlösser, Schaufelblätter, stark verwitterte Holzpfähle sowie Granatenblindgänger. Auch das Plateau von Peski war umkämpft. Dort steht ein pyramidenförmiges, steinernes Denkmal, welches den „in den Kämpfen am Krn gefallenen Helden der XV. Gebirgsbrigade“ gewidmet ist.
Auf diesem Weg durch die Historie fängt es an zu kübeln und ein heftiges Gewitter gesellt sich dazu. Die Schritte werden schneller und das Rumpeln verzieht sich relativ schnell aus unserem Wirkungsbereich. Wir haben noch einmal Glück gehabt, denn einen Unterschlupf gibt es hier weit und breit nicht. Ab dem Paß Prehodci (1.635 m) schlängelt sich der Pfad entlang der Bergkette von Bogatin, Vrh Planje, Tolminski Kuk und Tolminski Migovec. Ein Talblick ist uns nur selten vergönnt, und wenn, dann sehen wir, wie die Sonnenstrahlen wenigstens das Tal beglücken.
Der Weg zieht sich (20,4 km allein vom Krn bis Planina Razor) und ist einsam (wie so oft). Daher wissen die 17 Gämsen auch gar nicht was los ist, als wir zwei Gestalten sie auf einmal in ihrer Ruhe stören. Flux sind sie die steilen Hänge vom Weg hinauf geklettert und beäugen nun von oben unseren Transit durch „ihr“ Gebiet. Wenig später pausieren wir, schleppen ja die Salami und das Brot nicht umsonst mit. Zudem werden die Regencapes zum Trocknen ausgebreitet. Die dunkelgrauen Wolken begleiten uns zwar weiterhin, doch sie verschonen uns.
Von weitem haben wir eine größere Hütte wahrgenommen, welche unmittelbar an unserem Weg liegen muß - doch weit gefehlt, die Planina Dobrenjščica (1.386 m) wird kurz vor ihrem Erreichen mit einer sehr steilen Passage umgangen. Auf alten Karten ist die Wegführung der „1“ noch direkt über das Almgelände verzeichnet, nun treffen beide Varianten erst weit nach dem Gebäude wieder aufeinander. Da treffen wir auch noch einmal auf die schwarzgefärbte Variante der Kreuzotter, die vor uns über den Weg huscht. Das Schwarz hilft ihr übrigens, schneller die Wärme der Sonne aufzunehmen - eine Methotik, die heute definitiv im Aschgrau des Tages verpufft. Ein paar Bergecken weiter Richtung Tagesziel, hatten wir vor zwei Jahren (beim Abstieg vom Globoko-Paß) auf ungefähr der gleichen Meereshöhe eine richtige Kreuzotter aufgeschreckt. Sie war wesentlich größer und hatte die für sie typische Musterung in rotbraun.
Rotbraun sind dann auch die Kühe, durch deren Koppel wir die letzten Meter zu unserer Herberge nehmen. Es ist 17 Uhr, als wir die Koča na planini Razor (1.835 m) erreichen. Statt acht Stunden haben wir nur sechseinhalb benötigt. Es gab allerdings unterwegs auch wenig zu sehen (Fernsicht), womit man hätte die Zeit totschlagen können. Zum Glück stimmte unser Zeitmanagement auch diesmal, denn eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen setzt Regen ein und es gewittert.
Die Hütte mit ihren 100 Schlafplätzen ist Kategorie II und wesentlich billiger, als die vorangegangenen I-er, denn die Büchse Mineralienaufguß gibt es schon für 5 Euro. Zum Abendbrot gibt es Suppe, Spaghetti Bolognese und ein Dessert, bestehend aus Hefeknödel mit zerlassener Butter und Zucker. Mit uns sind noch vier Portugiesen über Nacht auf der Hütte. Sie haben sich für je zwei Zweibettzimmer entschieden, wir nächtigen zu zweit im 10-er Lager unter’m Dach. Das Prasseln des Starkregens wiegt uns gegen 21 Uhr in den Schlaf.
Krn-See / Krnsko jezero (1.388 m)
Aufstieg zum Krn-Sattel / Krnska škrbina / Lovska koča na Polju (1.530 m)
Krnska škrbina (2.058 m)
Krn im Schlußanstieg
Krn im Schlußanstieg
Blick vom Krn; v.l.n.r.: Veliki Peski (2.110 m), Vrh nad Peski (2.176 m), Mali Peski (2.063 m / 2.035 m) und Batognica (2.164 m)
Gipfel des Krn (2.244 m)
Krn-Hütte / Gomiščkovo zavetišče na Krnu (2.178 m)
Abgerissene Alberto-Picco-Hütte / Neubau der Krn-Hütte
Wettervorhersage in der Krn-Hütte
Krnska škrbina (2.058 m)

Blick zum Vrh nad Peski (2.176 m)
Überbleibsel des Ersten Weltkrieges am Wegesrand

Peski (1.972 m): Denkmal für die Gefallenen der 15. österreichisch-ungarischen Gebirgsbrigade


Tristesse über dem Tal ...
... "botanischer Lichtblick" am Wegesrand
Kurze Ruhepause für Mensch und Material (Regenumhänge)
Wackelige Angelegenheit, namens "Holzsteg"
Weggabelung in der Nähe der Dobrenjščina-Alm
Nischenkapelle Madonna degli Alpini / Kapelica Matere Bozje Hudem Klancu (1.541 m) mit Stempel

Planina na Kalu (1.487 m)
Blick zurück zum Tolminski Migovec (1.882 m)
21.08.2026 / 7:39 Uhr / 14,92 km / 1.493 Hm+ / 973 Hm-
Koča na planini Razor (1.315 m) - Dom na Črni prsti (1.835 m)
Wetter: 10°C - 17°C, bedeckt, Regen (Črna prst)
Ab 6:30 Uhr gibt es Frühstück: 2 Spiegeleier, genügend Brot und Tee. Kurz nach 7:30 Uhr gehen wir unsere letzte, als schwer eingestufte Etappe an. Es wäre eine großartige Tour mit einem Rundumblick ohne gleichen, auf teils spektakulären Abschnitten des Bergrückens von Vogel, Rodica und Črna prst. Doch das alles bleibt uns verwehrt, denn die Sicht beträgt Null! Es ist, wie eine Art Waschtag, bei dem man nicht aus der grauen Waschküche kommt. Mehrfache Kleiderwechsel, teils nicht ganz ungefährliche Abschnitte, dazu starke Windböen und auf den letzten Kilometern wurde der Regen auch noch richtig heftig. Das alles auf der Etappe, die man sich bei Nässe verkneifen solle, da einige Abschnitte ausgesetzt und nicht spaziergängerfreundlich gesichert sind.
Zum Warmwerden geht es erstmal 650 Meter hoch. Es ist angenehm kühl und der nächtliche Regen tropft noch von den Bäumen. Grau bestimmt die Grundstimmung des Wetters, doch wir sind gut gelaunt. Unterhalb des ersten Aussichtspunktes Vogel (1.922 m) sind wir durchgeschwitzt und ein Wechsel der Oberbekleidung von Nöten. Mehr als unsere Hefte auf dem Gipfel abstempeln (9:20 Uhr), brauchen wir nicht, man sieht sowieso nichts. Im Anschluß wird der Steig anspruchsvoller. Es geht im stetigen Wechsel bergauf und -ab. Aus Pfad wird Fels, der mit den üblichen metallenen Hilfen gesichert ist. Ab und zu gibt uns ein Wegweiser die Gewißheit, noch richtig zu sein, denn die Orientierung ist in diesem Dunst schon längst dahin.
Um 12 Uhr erreichen wir den Rodica (1.966 m). Während Ute sich über den Proviant aus dem Rucksack hermacht und uns ein kleines Mittagessen beschert, stemple ich unsere Bücher durch. Zwei davon vergesse ich allerdings, und zwar die wichtigsten: die chronologische Beweisführung unserer Transversale im offiziellen Stempelbuch erhält somit eine Lücke. Das bemerke ich erst am Abend, als ich die Stempel der Hütte einpflege. Ärgerlich! Läßt sich nicht ändern! Nun hatten wir sowieso nicht vor, unsere vollständig gestempelten Hefte an den Slowenischen Alpenverein nach Laibach / Ljubiljana zu schicken, um sie gegen das entsprechende Wanderabzeichen „einzutauschen“. Das Heft ist einfach aussagekräftiger.
Auf dem weiteren Weg nehmen wir noch ne ordentliche Husche mit und der Wind bläst gefährlich vom Tal über den Kamm. Der gesamte Tag ist wirklich kein Genuß und wird 14:40 Uhr an der Hütte unterhalb des Črna prst (1.844 m), dem Dom Zorka Jelinčiča na Črni prsti (1.835 m) vorerst beendet, doch das Wetter legt noch einen Zahn zu: 14:45 Uhr Starkregen, 14:50 Uhr Gewitter. Alles richtig gemacht und eben nur auf dem Rodica etwas länger pausiert, um uns vorrangig auf ein flottes Vorankommen zu konzentrieren. Wir waren den gesamten Tag allein unterwegs - zwei Schnecken (eine mit und eine ohne Haus) sowie zwei Salamander trafen wir an, dazu säumten hunderte Edelweiß unseren Weg.
Die Hütte liegt über dem Tal der Fetsche / Bača, zum Bergsteigerdorf Baška grapa gehörend, das mit dem Slogan „Unberührte Natur und warmherzige Menschen“ wirbt. Den Titel eines Bergsteigerdorfes tragen mittlerweile 44 Gemeinden im Alpenraum. Die Aufnahmekriterien, um in dieses internationale Netzwerk beitreten zu können, sind streng. Dabei ist das Leben im Einklang mit der Natur Grundvoraussetzung, was in diesem, einst unzugänglichen Gebiet durch die Ansiedlung Tiroler Bauern begann. Sie breiteten sich über die steilen Hänge des tief eingeschnittenen Tales aus und ließen so viele kleine Siedlungen entstehen. Eine deutsche Sprachinsel entstand, welche (aufgrund ihrer „Isolation“ von der Außenwelt) bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine mittelalterliche Form des Pustertaler Dialekts bewahren konnte - Familien- und Flurnamen zeugen noch heute davon.
Zwei junge Leute bewirtschaften die Berghütte. Sie haben allerdings mehr mit sich selbst zu tun, sind äußerst wortkarg, faul, regelrecht unfreundlich. Sicherlich ist es ärgerlich, wenn an so einem verregneten Tag noch zwei Leute hier übernachten wollen und somit der private „Fernsehabend“ nicht in gewohntem Umfang stattfinden kann. Dieser fällt natürlich nicht aus, dafür muß aber alles andere drumherum vernachlässigt werden. Der nasse Dreck wird auf dem Fliesenfußboden nur breitgewischt. Haken dran! Abendbrot für die zwei ungebetenen Gäste: Teller, zwei warmgemachte (!) Würste drauf, ein Teelöffel Senf und ein halber Teelöffel Petersilie (?) darüber gestreut. Suppe? Dessert? Heute mal nicht! Bis 19 Uhr wissen wir immer noch nicht, wo wir schlafen sollen. Vielleicht müssen wir gleich im unbeheizten Gastraum nächtigen? Dieser hängt mit unseren glitschnassen Klamotten voll. Uns sagt ja keiner der zwei, wo wir sie sonst hinhängen sollen. Derweil wird im Nachbarraum der nächste Film „gestreamt“. Diesmal einer zum Lachen. Naja, wenigstens haben die einen schönen Tag. Wir freuen uns für die beiden.
Wenn ich etwas partout nicht will (z.B. Hüttenwirt spielen), dann muß es jemand anderes machen. Wie würde Ivan Anderle reagieren, wenn er von dieser gelebten Unlust wüßte. Er hatte 1959 maßgeblichen Anteil am Um- und Wiederaufbau dieser Hütte (Warum trägt sie nicht seinen Namen?), gründete den lokalen Alpenverein (1957) und war Organisator des ersten slowenischen Berglaufes (1970): von Podbrdo zur Hütte am Črna prst - 6,3 km mit 1.320 Hm+, seit 2007 trägt dieser Lauf seinen Namen (Gorski tek Ivana Anderleta na Črno prst).
Gegen 20:45 Uhr gehen wir, als einzige Übernachtungsgäste, ins 18-Betten-Lager. Wir haben mal wieder freie Platzwahl und eine Etage tiefer wird man unser Verschwinden gar nicht registriert haben, bei solch’ spannenden Filmvorführungen.
Planina Razor
Blick ins Tal von Tolmein
Verlaufen nicht möglich - der Grat gibt den Weg vor
"Aussichtsberg" Vogel (1.922 m)
Wäschewechsel im Gipfelbereich
Der Weg zum Rodica ...
...ist als schwierig gekennzeichnet (Dreieck) ...
... und wechselt ständig zwischen bequemen und anspruchsvollen Abschnitten
Rodica (1.966 m)
Stempel(abdruck) des Rodica - alles mögliche damit abgestempelt, nur die SPP-Dokumentation nicht
Gestocher im Nebel
Der Blick ins Tal ist uns verwehrt, trotzdem ist die Laune blendend.
Ist das etwa schon die Hütte?
Ja, sie ist es!
Dom Zorka Jelinčiča na Črni prsti (1.835 m)
Gaststube als Trockenraum / Wohlschmeckende Würste - doch das ist kein Verdienst des "Sternekochs"
Das gesamte Lager für uns allein - mal wieder!
22.08.2026 / 7:46 Uhr / 16,26 km / 1.130 Hm+ / 1.380 Hm-
Dom na Črni prsti (1.835 m) - Dom na Poreznu (1.585 m)
Wetter: 7°C - 17°C, bedeckt, teilweise Regen (Podbrdo)
Mit 7°C vor der Hütte geht es in den Tag. Etwas Talsicht ist vorhanden, die Bergwelt jedoch in Wolken. Das „Dobro jutro“ zu erwidern, fällt den Hüttenleuten schwer. Für 6:30 Uhr ist das Frühstück vereinbart, wird aber erst 15 Minuten später serviert. Das im Gästebuch herumposaunte Gute-Küche-Essen will ja auch standesgemäß zubereitet werden. Das servierte Tablett enttäuscht uns dabei nicht: 6 Scheiben etwas altbackenes Brot, Butter, Honig, Marmelade (in den hotelüblichen Plaste-Kleinstverpackungen) und Tee. Für eine Berghütte ist so etwas üblich und akzeptabel, doch dann bitte auch keine überdimensionierte Lobhudelei, was die Koch- und Küchenkunst betrifft.
Unser erstes Ziel ist 7:45 Uhr der Gipfel über der Unterkunft. Dessen Besuch haben wir, wegen des Wetters, auf heute verschoben. Die Sicht, zum Vortag, ist sicherlich nur gering besser. Kurze Wolkenlücken und ein messerscharfer Blick geben in weiter Ferne Triest frei. Auch wenn der Horizont total verschwommen ist, reden wir uns ein, hinter der Stadt das Mittelmeer zu erkennen. Ja, klar, das isses! Wir sind felsenfest davon überzeugt, heute die Adria gesehen zu haben. Um 8 Uhr steigen wir von der Hütte ins Tal. Wir müssen zum gegenüberliegenden Pursen / Porezen, nehmen dafür aber eine 15 Kilometer lange Schleife in Angriff.
Anfangs ist der Steig schwierig, da die Steine und Felsen recht rutschig sind. Wir sammeln unterwegs noch den Kobla (1.493 m) mit seinem Grenz- als Gipfelstein auf. Auch auf dem Vrh Bače (1.273 m), eher ein Paß als ein Vrh, steht noch eine Ruine aus jener Zeit, als dieses Gebiet militärisch abgeschirmt war. Die Grenzziehung des Rapollo-Vertrages nahm hier, am Übergang von der Oberkrain / Gorenjska zum Küstenland / Primorska vielen Slowenen ihre Heimat, indem sie durch diesen Akt Italien (Julisch-Venezien) zugeordnet wurden. Auf die zunehmend äußerst brutal durchgeführte Italienisierung Mussolinis formierte sich Widerstand, welcher ebenfalls nicht zimperlich zu Werke ging. So drehte sich diese Gewaltspirale immer weiter - endete schließlich in den Massenexekutionen nach Kriegsende.
Stetiger Begleiter auf dem Talweg ist zudem die Markierung des Bergmarathons / Gorski maraton štirih občin (40,6 km / 3.100 Hm+), der durch eine recht anspruchsvolle Streckenführung glänzt. Weiter talwärts stoßen wir auf unregelmäßig am Wegrand verteilte Keramik-, Holz- oder Papphasen. Sie werben für den vom örtlichen Tourismusverein ganzjährig veranstalteten „Skok na Kup“, bei dem der Hausberg von Podbrdo, der Kup (1.046 m), so oft wie möglich (über verschiedene Zeiträume) bezwungen wird.
Ein Wegweiser kurz vor dem offiziellen Etappenziel „Petrovo Brdo - koča“ wurde durch eine Eingravierung von „5 min“ auf (korrekte) „0,5 min“ aktualisiert. Ein steiler Hang führt daraufhin zur geschlossenen Berghütte von Petersberg / Petrovo brdo (803 m). Diese Hütte, die in einer der vielen Streusiedlungen Baška grabas, an einer vielbefahrenen Straße liegt, erreichen wir 11:35 Uhr. Daß sie nicht geöffnet ist, wußten wir. Später erfahren wir, daß man sich eine Übernachtung in dieser Baude, hätte im Vorfeld telefonisch klarmachen können. Doch wir haben nicht die Absicht, unseren Tag hier zu beenden. Ein Getränk oder ein kleiner Imbiß wäre allerdings nicht schlecht gewesen. So müssen wir auf unseren Rucksackinhalt zurückgreifen und den Durst mit Brunnenwasser stillen.
Da ich derzeit eine Lauf, in Sachen „in die Scheiße greifen“, habe, kommt nach dem gestrigen Weisheitszahn-Ausbruch beim Wurstessen, nun auch noch „Zeckenbefall“ auf meinem Rücken dazu. Noch nie (!) hatte ich in meinem Leben eine Zecke aufgegabelt, und nun steckt ein etwas größeres Exemplar dieser Spezies tief an meiner Wirbelsäule fest. Zum Glück kann Ute mit Alkoholtupfer und Pinzette das Vieh rückstandslos aus meiner Haut operieren. Glück gehabt, schließlich gelten nicht Bären oder Schlangen in Slowenien als die (für den Menschen) gefährlichsten Tiere, sondern Zecken.
Nach einer Stunde Pause brechen wir wieder auf. Ein recht angenehmer Weg führt uns die rund 800 Höhenmeter durch Buchen- und Fichtenwald nach oben. Zwischendurch regnet es und es gibt reichlich Gegenverkehr - steuern wir hier etwa den „zweiten“ Triglav an? So viele Leute, wie heute, haben wir in der gesamten letzten Woche nicht gesehen. Wir sind 14:30 Uhr an der Hütte (1.585 m). Der Empfang ist herzlich, wir lassen unsere Kiepen in der Hütte zurück und statten dem Porezen (1.630 m) einen Kurzbesuch ab. Wenn die Sicht nicht so eingeschränkt gewesen wäre, hätte man den u.a. den Triglav (aber auch Grintovec und Krainer Storschitz) am nördlichen Horizont erspähen können. Doch dieses Glück wird uns heute nicht zuteil.
Der Nachmittag vergeht schnell: schon mal die angebotenen Krainer Würste probieren, das Glas Bier für 3,50 Euro kann auch nicht als Einzelfall geltend gemacht werden, warm duschen, Tagebuchnotizen und Gespräche mit den Hüttenfrauen in bestem Schulenglisch. Die Hüttenbelegschaft wechselt wöchentlich und am morgigen Sonntag findet das Bergsteigertreffen ihrer Sektion statt. Daher ist etwas Mehrarbeit von Nöten, doch für einen Schwatz nehmen sich die Frauen gerne Zeit - ein völlig anderes Bild zur vorhergehenden Berghütte.
Abends werden uns Sauerkrautsuppe (Jota), gefüllte Teigtaschen (Idrijski zlikrofi) mit Heidensterz (Ajdovi zganci) und Tomaten-Gurken-Salat serviert - keine Industrieware, allesamt in der Küche „handgemacht“. Wir sind, trotz der Großveranstaltung am Folgetag, die einzigen Übernachtungsgäste und bekommen ein Zweibettzimmer mit Balkon. Nachtruhe um 20:45 Uhr.
7°C - es ist regelrecht frisch am Morgen

Črna prst (1.844 m)
Blick über die Hütte ins Tal von Baška grapa
Es gibt wahrlich bessere Aussichten ...
Blick über das Tal zum Tagesziel Porezen (Bildmitte)
Freier Blick zurück zur Hütte
Die Črna-prst-Hütte verschwindet wieder im Nebel
Aufstieg zum Krevl (etwas abseits des SPP's)
Krevl (1.515 m): Blick zu Rusni vrh (1.786 m) und Črna prst (1.844 m)
Über den Krevl führt die Marathonstrecke des Podbrdo-Trailrunning-Festivals
Kobla (1.493 m)
Ausschilderung des Berg-Marathons des Podbrdo Trailrunning Festivals
Aussichtspunkt (1.266 m) nahe des Vrh Bače (1.273 m): Wolken verhüllen den Porezen
Blick aus einer Ruine aus der Zeit des Alpenwalls / Vallo Alpino
Bizarres Machwerk der Natur

Hasen werben für den Skok na Kup
30 Sekunden bis zur Hütte
Petersberg / Petrovo brdo mit dem (geschlossenen) Planinski dom (803 m)
Aufstieg zum Porezen (im Mischwald)
Aufstieg zum Porezen (im nahezu kahlen Gipfelbereich)
Vogelbeerbewuchs in der ehem. italienischen Kaverne (Biška kaverna) unterhalb des Porezen
Gipfelaufbau des Porezen mit dazugehöriger Berghütte
Koča na Poreznu (1.585 m)
Ausblick von der Hütte: Theorie (unten) und Praxis (oben)
Porezen (1.630 m) - höchster Berg des Berglands von Kirchheim / Cerkljansko hribovje
Gastraum der Porsen-Hütte
23.08.2026 / 8:23 Uhr / 17,21 km / 827 Hm+ / 1.444 Hm-
Dom na Poreznu (1.585 m) - Planinska Koča na Ermanovcu (968 m)
Wetter: 8°C -25°C, bewölkt, sonnig (Porezen)
Um 6 Uhr müssen wir aus dem Bett, denn 7 Uhr gibt es das übermäßige Frühstück (Brot, Butter, Marmelade, Honig, Leberwurst sowie Tee oder Kaffee). Kurz darauf schneien die ersten „Bergläufer“ aus dem Tal in der Gaststube ein - der eine gönnt sich ne Cola, der andere ne Büchse Bier und nen Kurzen, dabei ein Plausch mit der Wirtin und wieder ab ins Tal. Nach und nach treffen weitere Gäste zum sonntäglichen Frühschoppen oder zu erwähntem Bergsteigertreffen ein. Sie kommen uns scharenweise entgegen, als wir kurz vor 8:30 zu unserem Talweg (über den Porezen) aufbrechen.
Vom Gipfel geht es steil bergab, wir passieren Bunkeranlagen und ein felsiger Abschnitt im Wald bringt uns nach Pölland / Poljane (510 m). Ein „blauer Weg“ bedeutet in Slowenien nicht, daß man auf gutausgebauten Forstwegen dahinflaniert. Dementsprechend langsam stochern wir uns mit den Stöcken talwärts. Wir lesen gut erhaltenes Fallobst von der Wiese und gehen oberhalb des Karstbaches Cerknica nach Unter Sankt Thomas / Dolenji Novaki (512 m). Dort ist als nächste Stempelstelle ein sogenanntes Partisanenhospital (537 m) ausgeschrieben. Dieser Anlaufpunkt existiert seit 2007 nicht mehr, weil ein Unwetter den Gebäudekomplex zerstörte. Daraufhin erfolgte Wiederaufbauversuche wurden durch heftige Regenfälle 2023 wieder zunichte gemacht. Der Stichweg in die Pasica-Klamm ist vom Wasser des Čerinščici weggespült und deshalb verbarrikadiert. Zum Stempeln müssen wir daher noch einmal zurück in den oberen Ortsteil, wo in einem Briefkasten (mit Knafelc-Markierung) der Stempel hinterlegt ist. Der Zusatzwegweiser dahin gibt 100 Meter an - dort befindet sich nur die Absperrung der Zuwegung. Erst das handschriftlich hinzugefügte „300 m na kozolcu“ („auf der Heuleiter“) bestätigt unsere Annahme, diesen Punkt an einem Unterstand von landwirtschaftlichen Gerätschaften (unwissend) schon passiert zu haben.
Nach einem kurzen Straßenabschnitt, bei dem man (anhand eines gewaltigen Erdrutsches auf der Gegenseite des breiten Tales) die Kraft der Naturgewalten beängstigend vor Augen geführt bekommt, geht es erwartungsgemäß wieder ins Gelände, und dies geschieht auf einem extrem steilen (Fahr-?)Weg. Als dieser wieder flacher wird, lädt eine große Linde mit Holzbank und -tisch zu einer Rast mit Aussicht ein. Wir blicken zurück auf die bisher zurückgelegte Etappe, gönnen den Füßen die notwendige Frischluft und minimieren die Rucksackvorräte.
Wir haben genügend Zeit und nehmen daher auch noch einen zweiten Panorama-Aussichtspunkt mit, der sich, oberhalb der Laniščar-Bauerngüter (945 m), kurz vor unserem Tagesziel befindet. Der Blick geht bis zu den Karawanken, den Julischen Alpen und die Berge der tags darauf zu absolvierende Etappe. Wir befinden uns auf einem rund zwei Kilometer langen Stichweg zur Ermanov-Hütte / Planinska koča na Ermanovcu (968 m). Diese hat eine Straßenanbindung und man hört sie schon von weitem. Auf dem Gelände der „Berghütte“ ist das gesamte Wochenende über ein Fest und sämtliche Zuwegungen (und teilweise auch die Wiesen) sind hoffnungslos zugeparkt.
Um 15 Uhr treffen wir ein und bekommen ein Zweibettzimmer zugewiesen. Wir duschen, waschen die Klamotten und setzen uns danach zu den Feierwütigen, von denen allerdings niemand zur vorgetragenen Volksmusik tanzt - und dabei wird gleich zweimal (einmal auf Utes Wunsch hin) von der Kapelle der „Schneewalzer“ gespielt. Das könnte man sich beim musikalischen Schmiedefelder Rennsteigausklang nicht erlauben. Wir trinken Bier (im Haus 3,- / außerhalb 3,50 Euro für den gezapften Halblitertopf) und essen schon mal was Unveganes (Ćevapčići). Ab 18 Uhr gibt es auf der verglasten Hüttenterrasse das Abendmahl, bestehend aus Nudeln mit handgemachter Bolognese und einem Salat. Zwei junge Leute schmeißen hier den Laden und sind trotz der immensen Belastung durch die Feierlichkeiten stets freundlich. Sie entschuldigen sich für die „Unannehmlichkeiten“, die wir durch die Musik und den Menschenauflauf hätten - doch dieser kulturelle Tapetenwechsel stört uns nicht. Wir sind froh, ein Dach über dem Kopf und eine „warme Mahlzeit“ bekommen zu haben - da stellt man keine zu großen Anforderungen. Ab 20 Uhr ist das Festzelt (welches sich direkt vor unserem Schlafzimmerfenster befindet) leergefegt und der Abbau beginnt. Davon bekommen wir aber nur sehr wenig mit, da wir einfach zu müde sind.
Eingeschränkter Panoramablick vom Porezen
Abstieg vom Porezen




Bunkeranlagen beim Abstieg vom Porezen
Keine Süntelbuchen, sondern witterungsbedingter Krummwuchs bei Rotbuchen
Talblick nach Kirchheim / Cerkno
Zusätzlich zum Knafelc mit "TV" (für "Transversale") markiert
Knafelc mit der "1"

Abstieg nach Pölland / Poljane
Weg nach Unter Sankt Thomas / Dolenji Novaki mit der Pasica-Klamm
Der Weg in die Pasica-Klamm ist gesperrt
Die verlegte Stempelstelle "na kozolcu"
Rastplatz mit Aussicht unter einer mächtigen Linde
Blick zurück zum Porezen
Feuerholzwand

Panoramablick von oberhalb der Laniščar-Bauerngüter
Italienische Kaverne (1.025 m)
... Stempelstelle anderer Wanderwege
Grenzstein der Rapollo-Grenze in Podlanišče (1.001 m)
Zugeparkte "Berghütte"
Planinska koča na Ermanovcou (954 m)
Zimmer mit Festzeltblick
Zustand der Bergschuhe und ein Hinweis zur Schuhreparatur am Mehrbettzimmer in der Hütte
Abends an der Hütte
24.08.2026 / 8:30 Uhr / 32,19 km / 1.461 Hm+ / 1.611 Hm-
Planinska koča na Ermanovcu (968 m) - Koča na Hleviški planina (818 m)
Wetter: 14°C - 30°C, sonnig, bewölkt (Idrija)
Heute steht ein etwas längerer Wandertag vor der Tür. Von den rührigen Hüttenleuten wissen wir, daß die nächste Hütte (Hleviška planina) geschlossen ist. Normalerweise hat sie geöffnet, so wird es zumindest auf der Internetseite des Alpenvereins publiziert. Es gibt allerdings ein Notquartier, im Vier-Bett-Winterlager mit Wasser und Strom. Was will man mehr? Für uns vollkommen ausreichend, wir müssen nur im Talort (der unterhalb der Hütte liegt) genügend Proviant horten, da uns im Notbehelf niemand ein Abendbrot oder Frühstück zubereiten wird.
Das Frühstück auf der Ermanovec-Hütte ist jedenfalls so üppig, daß wir erst 8:30 Uhr in die Spur gehen (können). Die Übernachtung mit Halbpension wird hier (in der teuersten Hüttenkategorie III) mit nur 40 Euro berechnet. Das kostete auf vielen billigeren Hütten allein das Essen.
Wir gehen die 2 km des gestrigen Hinweges zurück und biegen danach Richtung Bevkov vrh ab. Auf der Straße laufend, gelangen wir nach Kladje (787 m), wo wir (weiter auf Asphalt) Richtung Cerkjanski Vrh abbiegen. Im dortigen Weiler Na Ravan (880 m) ist die Ausschilderung etwas undeutlich. So kommt es, daß wir den ausgeschriebenen Radweg nehmen und nicht den weiteren Weg über die Wiese. Der Bogen zieht sich deshalb etwas länger - die fehlende Markierung deutete so etwas an und der Bevkov vrh (1.051 m) wird somit von der anderen Seite angesteuert. Die Stempelstelle an der kleinen Kapelle (1.025 m), die dort zur Aussicht einlädt (weil der höchste Punkt bewaldet ist), erreichen wir (trotz Umweg) 10:25 Uhr und damit in der vorgegebenen Zeit.
Auch die nächste Stempelstelle auf dem Sivka ist mit einem kleinen Umweg verbunden. Der Stempel (idrijsko-Cerkljansko planinska pot) dafür kommt verdächtig zeitig - am Bauerngut Likar / pri Likarju (862 m), welches im „Schatten“ des Likarjeva Sivka (950 m) liegt. Eine Fehldeutung des Knafelc führt uns danach (fälschlicherweise) zum Vodičarjeva Sivka (977 m). Doch der (für uns relevante) Sivka (1.008 m) versteckt sich etwas westlicher davon, in einem Waldstück. Um 13:15 Uhr stempeln wir am Gipfelstein unsere Bücher und essen Mittag. Eine Frau stempelt kurz darauf ebenfalls ihr Heft ab. Es wäre ihr letzter, noch fehlender Stempel (der im Vorjahr hier nicht ausgelegen hätte) in 30 Jahren Dokumentierung ihrer Variante des SPP. Ob’s stimmt? Sie überholt uns später auf dem langen Straßenabschnitt talwärts. Sie hat das einheimische GO-Nummernschild (für Görz / Nova Gorica) am Fahrzeug. Das macht ihre Geschichte nicht glaubhafter. Egal, muß jeder selbst entscheiden, wie er sich die Transversale „zurechtstempelt“. Man kann fehlende Stempel auch mit aussagekräftigen Fotos ersetzen - dann sollte man aber auch das dafür (nur wenige Meter weiter) abgeparkte Auto mit einem Bildbeweis einsenden.
In Öden / Ledine (790 m) gibt es außer einem Brunnen nur eine geschlossene Weinstube. Im Nachbarort Raspoth / Ledinske Razpotje (705 m) haben wir an der Herberge „Fortuna“ ebenfalls kein Glück, denn es ist ebenfalls geschlossen. Ein unabgeschlossener Kühlschrank mit allerhand Bierflaschen steht im überdachten Außenbereich des Etablissements - doch wir bleiben brav und trotten weiter. Es wird nun wieder unwegsam und es geht steil nach oben, danach das gleiche Spiel bergab. Wir haben vom Raufnk (454 m) eine gute Sicht auf Idria / Idrija (326 m), die Stadt durch die unsere Route führt. Dort gäbe es u.a. einen „Intersport“, wo ich mich nach neuem Schuhwerk umsehen könnte. Doch will ich das überhaupt? Will ich die Verkäufer in dem Sportgeschäft ernsthaft mit dem Wohlgeruch meiner Latschen betören? Wir müßten den Laden erst ausfindig machen, würden zudem viel Zeit einbüßen, um dann auch einen entsprechend gleichwertigen Ersatz zu finden? Nein, mein Vertrauen gilt weiterhin meinen Tretern, auch wenn die Sohlen immer luftiger werden.
Über einen weiteren kleinen Umweg erreichen wir 16:30 Uhr die Stadt. Der Weg ist gut ausgezeichnet und führt direkt an einem „Mercator“ vorbei. Diesen besuchen wir dreimal. Schrittweise holen wir uns genügend Lebensmittel und immerhin neun Liter Getränke. Der Abend und der nächste Morgen müssen abgesichert werden, da unser Quartier nicht bewirtschaftet ist: Waffeln, Studentenfutter, Hörnchen, Käse, Wurst, Brot, belegte Bemmen, Bier, Cola, Radler und Wasser. Ein Teil davon landet gleich im Kröpfchen, der Rest wandert in die Rucksäcke. 17:45 Uhr beginnt der steile Anstieg in der Stadt. Eine anderthalbe Stunde sind für die bevorstehenden 500 Höhenmeter angeschrieben. Doch aufgrund der langen Pause und der guten Verpflegung, ist wieder Zug auf der Kette und wir erreichen die Hütte an der Hleviška-Alm / Koča na Hleviški planini (815 m) schon um 18:45 Uhr.
Kein Mensch befindet sich an der Hütte. Wir beziehen (nach einer Großwäsche am Brunnen) unseren Schlafraum an der Stirnseite des Gebäudes, waschen unsere Sachen, stempeln, trinken Bier und laden die Uhren und Telefone an der Außensteckdose - das Abendbrot fällt aus, dafür haben wir uns im Tal zu sehr gemästet. Das Licht geht für uns um 20:15 Uhr aus.
Hüttenfrühstück XXL
Die Hütte am Morgen - ohne Fahrzeuge
Stempelstelle des Bevkov vrh - der höchste Punkt befindet sich in der Nähe des Hochspannungsmastes (li.)
... unterhalb des Bevkov vrh
Ein großer Stammumfang eines Baumes bietet genügend Platz für Wegmarkierungen
Stempelstellen des Sivka: Idrijsko-Cerkljanska planinska por (li.) und Slovenska planinska pot (re., auf dem Gipfel)
Sivka (1.008 m)
Öden / Ledine (790 m)
Grenzstein (?) im Wald
Raufnk (454 m)
Zurückgebauter Schornstein von 1872 (lt. Tafel gingen zwischen 1968 und 1978 tägl. 30 kg Quecksilber "in die Luft")
Idria / Idrija (326 m)
Anderthalb Stunde von Idria bis zur Unterkunft
Koča na Hleviški planina (815 m)
Winterlager mit vier Betten
25.08.2026 / 7:59 Uhr / 31,23 km / 1.749 Hm+ / 1.325 Hm-
Koča na Hleviški planina (818 m) - Koča na Čavnu (1.242 m)
Wetter: 8°C - 19°C, bedeckt, teilweise Starkregen (Vojsko)
Eine entspannte Nacht liegt hinter uns, doch 5:30 Uhr setzt (der angekündigte) Regen ein. Die auf dem Geländer zur Trocknung aufgehängten Sachen müssen ins Schlafgemach. Bis 8 Uhr regnet es sich ab. Wir trauen der Sache natürlich nicht und starten mit Regencape. Das Einheitsgrau des Morgens verschluckt die ausgeschilderte Aussicht auf die Julischen Alpen ebenso, wie der dichte Wald die Gämse (ein Reh hat nicht so einen fetten Arsch), die vor uns davonhuscht. Auf der Hleviška planina (908 m) wartet ein „Snapcomat“, ein ausgehöhlerter Baumstamm mit Schnapsflasche und -glas. Und am langen Straßenabschnitt, der ab der Kapelle von Kočeše (948 m) wieder Monotonie verspricht, ist historische Seilkrantechnik zur Holzbringung in Wort und Bild dargestellt.
In der Streusiedlung Woischach / Vojsko (1.077 m) pausieren wir von 10:45 bis 11:30 Uhr an einem Getränkeautomaten, der etwas abseits der Route (gut ausgeschildert) an der örtlichen Feuerwache steht: Hörnchen, Nougat, Kekse, Cola und Wasser ziehen wir uns für den Sofortverzehr. Wir verlassen das Idria-Hügelland / Idrijsko hribovje. Das Straßengelatsche bleibt.
Vorbei an einem Steinbruch (900 m) zieht der Fahrweg gemächlich nach oben. Regen setzt ein, doch es scheint nur ein Test zu sein, um zu sehen, wie schnell wir reagieren können. Als wir uns umgezogen hatten, hörte es auf zu regnen. Als es in den Gipfelbereich des Golak geht, der Weg steiler wird, öffnet sich der Himmel erneut. Diesmal ist es kein Test, sondern straffer Landregen. Die Sicht ist zudem stark eingeschränkt. Wir kämpfen uns durch die nassen Latschenkiefern und als der „unmarkierte“ Srednji Golak (1.480 m) passiert ist, gibt es eine schöne Wutrede meinerseits, weil ich die Stempelstelle vermisse. Man sieht nichts! Es zweigt aber auch kein weiterer Weg durchs Gebüsch ab. Das Bild vom Gipfel habe ich (aus dem Führer) anders in Erinnerung. Aber es geht auch schon wieder bergab. Also sind wir doch schon über den höchsten Punkt gegangen? Es regnet in Strömen und die Zuhilfenahme der GPS-Funktion des Telefons scheitert an der Nässe. Einzig die am Wegweiser angeschriebene Zeit, nährt die Hoffnung, doch noch auf dem Mali Golak (1.495 m) zu landen.
Letztendlich ist alle Aufregung umsonst - zum Glück! Es ist noch eine Viertelstunde bergab und bergauf, dann sehen wir das erhoffte Bild des nur minimal von Kiefernbewuchs freigelegten höchsten Gipfels des Bergzuges Ternowaner Wald / Trnovski gozd. Der Regen gönnt sich eine Pause, in der wir ungestört davon, unsere Hefte stempeln können. Mit der Aussicht wird es nichts, wir können auf der Metallscheibe des Gipfelsteins nur nachlesen, was wir alles nicht sehen: den Krn, Triest und die Adria, natürlich den Triglav und den Slavnik. Wir steigen zur Golak-Hütte / Iztokova koča pod Golaki (1.260 m) ab, die geschlossen ist. Für eine Eß- und Trinkpause machen wir es uns auf den Stufen vor der Hütte bequem. Der weitere Bergabweg ist durch „frisch“ umgestürzte Bäume blockiert. Doch noch unwegsamer wird es, als wir auf eine, mit Grobgestein neu „planierte“ Forststraße kommen. Diese führt nun wieder bergan und der Regen erinnert sich an uns (Was auch immer wir ihm getan haben?). Es kübelt ohne Unterlaß, der Anstieg ist längst zum Bach mutiert und an den Bäumen läuft das Regenwasser am Stamm herunter, als hätte man über ihnen Feuerwehrschläuche installiert. Das Telefon und seine Video- und Bildfunktion ist dementsprechend eingeschränkt und es funktioniert nur nach einem, mit voller Inbrunst vorgetragenem Appell - schließlich kann der überdimensionierte, hohle Bergahorn nicht ohne ein Bild am Wegrand stehen gelassen werden.
Obwohl die Transversale neu ausgezeichnet wurde, erliegen wir dem Irrglauben, noch über den Veliki Modrasovec (1.355 m) zu müssen. Es ist ein kleiner Umweg, der sich bei schönem Wetter, wegen der Aussicht lohnt. Doch heute kann man nicht einmal den Stempel (keine Pflicht für den SPP) für die Unterlagen nutzen, so sehr schüttet es. Die Regenbekleidung hat auch schon längst ihren Dienst versagt und die Schuhe quillen über. Man könnte meinen, der Tiefpunkt ist erreicht. Doch noch sind wir nicht an der Hütte! Wir wissen, daß dort niemand auf uns wartet. Es gäbe angeblich ein Notquartier, doch das ging nicht ganz hundertprozentig aus dem Telefonat mit den Hüttenwirten hervor. Wir sind gespannt, schlimmer kann es fast nicht mehr kommen.
Drei Pferde in einer Koppel empfangen uns 18:35 Uhr vor der Koča Antona Bavčerja na Čavnu (1.242 m). Sie sind ebenfalls nicht zu beneiden. Wir nähern uns dem Gebäude und alle Türen sind verschlossen. Die letzte Chance, die Tür mit der Aufschrift „WC“, und siehe da - offen! Es geht in einen Vorraum, der auf einer Seite mit leeren Gasflaschen verbaut ist. Die Tür zum WC ist geschlossen. Doch neben den Gasflaschen führen Eisenklammern (wie bei einem Klettersteig) auf den Dachboden. Bingo! Zwischen allerhand Bauholz sind insgesamt sieben Matratzen verteilt. Wir können unser Glück gar nicht fassen. Mit etwas Mühe hieven wir unsere Siebensachen nach oben. Der Raum wird nun mit dem Aufhängen unserer glitschnassen Klamotten und Schuhen wohnlicher gemacht. Eine Büchse „Kozel Lager“ für beide beendet um 20 Uhr unseren Tag. Bis 22 Uhr trommelt der Regen weiter aufs Dach, doch das ist uns egal. Wir haben unser Bett und sind rundum zufrieden.
Hleviška planina (908 m)
Historische Seilkrantechnik
Woischach / Vojsko (1.077 m): Futterautomat für Wanderer
Sägewerk in Vojsko
Baum frißt Tafel


Anstieg zum Mali Golak
Ölspur
Srednji Golak (1.480 m)
Mali Golak (1.495 m) - höchster Berg des Gebirgszuges Ternowaner Wald / Trnovski gozd
Gipfelbuch und Stempelstelle - gibt ja sonst nichts zu sehen!
Golak-Hütte / Iztokova koča pod Golaki (1.260 m)
Trotz Ablauföffnungen an den Schuhen steht das Wasser in den Socken / "frische" Windwurfpassagen beim Abstieg
Regenwasserbach und Bergweg in einem / hohler Bergahorn am Wegrand
Bergahorn von innen
Veliki Modrasovec (1.355 m)
Neben der verschlossenen Toilettentür geht es ins Baustoff- und Holzlager, wo auch Schlafmöglichkeiten vorhanden sind
Luxus pur! Man braucht so wenig, um glücklich zu sein.
26.08.2026 / 7:54 Uhr / 22,77 km / 852 Hm+ / 1.459 Hm-
Kočna na Čavnu (1.242 m ) - Col (635 m)
Wetter: 16°C - 34°C, sonnig (Col)
Die Wolken haben sich abgeregnet, so daß 4:30 Uhr (das halbe Bier wollte wieder raus) Sternenhimmel über unserem Quartier thront. Ein Rucksackfrühstück wird vor der Hütte aufgetischt und 8 Uhr geht es in ziemlich feuchten Schuhen wieder in die Spur. Der Fahrweg der Hütte und später ein Pfad durch den Wald führen uns bergab. In Beilenstein / Predmeja (883 m) wird an einem Brunnen (dessen unterschiedliche Staatsanhörigkeit in Stein gemeiselt ist: Avstrija 1916, Italija 1936, Jugoslavija 1989, Slovenija 1992) die Morgentoilette nachgeholt. Noch ein paar Meter Straße und wir biegen auf eine Art Panoramaweg (Pot po robu) ab. Er führt über das Karstplateau, welches sich 700 bis 800 Meter über dem Wippachtal / Vipava erhebt. Mehrere kleinere Gipfel säumen dabei den Weg, dazu das zwölf Meter hohe und sieben Meter breite Felsenfenster von Otlica / Otliško okno (790 m), welches ebenfalls einen schönen Talblick beschert. Der höchste Punkt des Plateaus ist der Sinji vrh (1.002 m), der über einen Stichweg, ab Kolk / Kovk (840 m) auf einer Straße zu erreichen ist. Der Stempel befindet sich an der gleichnamigen Pension (970 m), die zwar offiziell geschlossen wäre, uns aber eine Batterie Getränke und je eine Portion Teigknödel (Štruklij) bereitstellt. Eine Stunde genießen wir die Sicht Richtung Adria und gehen 13 Uhr wieder zurück auf die Hochebene.
Noch ein Berg, der Kovk (961 m) stellt sich uns beim Weg ins Tal, entgegen. An dessen Basis eine Absprungfläche für Drachenflieger unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Erst nach 16 Uhr sind wir in Riesenberg / Col (635 m), dem Talort des Javornik (auf dem die heutige Etappe enden würde). In einem kleinen Lebensmittelladen wird zuerst der Magen und der Rucksack aufgefüllt. Danach wird sich um die Nacht gekümmert. Ute ruft bei den Wirtsleuten der Javornik-Hütte an. Doch diese ist (heute) unbewirtschaftet. Man könne auf Bänken und Tischen, die vom Haus überdacht werden, schlafen. Das ist uns dann doch zu abenteuerlich. Ute bemüht daraufhin "booking-com" und sichert die Nacht in der einzigen (?) Gostilna des Ortes ab. Miloš und Marta erwarten uns bereits, als wir eine Stunde nach der Buchung vor Ort aufschlagen. Nach einem einstündigen Begrüßungsbier geht es endlich unter die Dusche. Die Klamotten landen komplett in der Waschmaschine und das Abendbrot besteht aus Chips und Bier. Kurz vor unserer Nachtruhe 20:30 Uhr landen noch zwei Radfahrer in der Pension.
Willkommen auf der Čaven-Hütte
Koča Antonia Bavčerja na Čavnu (1.242 m)
Die Brauerei Lasko grüßt die Wanderer (Pozdravljeni planinci), wir grüßen mit "Kozel" zurück

Naravno Okno-most, 20 Meter vom Weg
"Natürliche Fensterbrücke" / Naravno Okno-most
Beilenstein / Predmeja (883 m)
Das Wasser fließt und fließt - die Erbauer der Wasserversorgung in den Bergen ...

Blick ins Wippachtal / Vipavska dolina und Haidenschaft / Ajdovščina

Dolski maj (913 m)
Pot po Robu
Karstlandschaft des Ternowaner Hochlandes / Trnovski planota
Blick zum Sinji vrh (1.002 m)
Otliško okno (790 m)
Blick ins Wippachtal / Vipavska dolina
Penzion Sinji vrh (970 m)
Blick von der Terrasse der Pension am Sinji vrh

Stahlblauer Mannstreu
Unbenannter Aussichtspunkt (844 m)
Kragulic (897 m)
Kovk (961 m)
"Pfad am Rand" / Pot po Robu
Col: Tante-Emma-Laden
27.08.2026 / 7:38 Uhr / 33,01 km / 1.534 Hm+ / 929 Hm-
Col (635 m) - Vojkova koča na Nanasnu (1.240 m)
Wetter: 17°C - 27°C, sonnig (Col)
Es ist wieder Sternenhimmel, als ich 4:30 Uhr komoot nachtrage und eine grobe Tagesplanung vornehme. Ein langer Tag steht ins Haus, da zur heutigen Etappe noch der Nachholer zum Javornik erledigt werden muß. Nach dem Frühstück (Eier, Brot, Marmelade) verlassen wir die Bleibe Richtung Minimarket: Dort wird die Tagesration vervollständigt und 8 Uhr nehmen wir die von gestern „liegengebliebenen“ rund 8 km mit 700 Hm+ in Angriff. Es läuft sich recht gut und 9:45 Uhr sind wir an der Pirnatova koča na Javorniku (1.156 m). Unser Nachtquartier (die „überdachten Bänke und Tische“) wären auch windgeschützt gewesen. Die gläserne Veranda am Haus hat auch eine Steckdose und über einen Kanister Wasser hätten wir auch verfügen können.
Zum Stempeln unserer Utensilien hängen wir unsere völlig durchschwitzten Hemden vor der Hütte auf. Der Javornik (1.240 m) ist kein Bestandteil des SPP, aber nur 15 Minuten entfernt. Dort wartet ein dreistöckiger hölzerner Turm (ein etwas größerer Jägerstand), tausende fliegende Ameisen, zwei Stempel und fast keine Sicht auf uns. Daher ist der Abstecher auch nur kurz und wir gehen zurück zur Hütte, von der wir 10:30 Uhr zur Tagesetappe aufbrechen. Diese ist bis Nanos mit 6:30 Stunden angegeben. Nach einer halben Stunde bergab, taucht ein Wegweiser auf, der bis Nanos 7:15 Stunden anbietet. Verwunderung, aber keine Panik!
Kurz nach 12 Uhr landen wir in Sonnenblick / Podkraj (786 m), wo gerade die Orts-Pizzeria öffnet und uns so die Möglichkeit der Mineralienzufuhr (3,- pro Halbliterglas) aufdrängt. Um unsere Rucksackverpflegung wollen wir uns (bei passender Gelegenheit) ein paar Kilometer später kümmern. Doch diese Möglichkeit (die einer Bank o.ä.) kommt einfach nicht. Zehn Kilometer fast ausschließlich Asphalt- oder Forststraße ohne einen Rastplatz. Wir sind mittlerweile im Weiler Nanos-Abram (900 m), dort liegt rechterhand die (geöffnete) Furnalovo zavetišče pri Abramu. Sie ist im SPP-Führer noch als Stempelstelle beschrieben aber im Stempelbuch nicht mehr gelistet. Wir ersparen uns den Abstecher dahin, weil dort der typische kraftfahrzeugunterstützte Imbiß stattfindet. Wir begeben uns noch aus der Siedlung, setzen uns in den angrenzenden Wald und haben dort wenigstens unsere Ruhe, um eine größere Pause abzuhalten. Zeit, mal wieder die Schuhe genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Hälfte der Sohlen ist mittig ab. Die Chance, sie noch bis zum Meer zu führen, schwindet. Ich kann nur an ihren Sportsgeist appellieren: 90 Kilometer sind es doch nur noch, danach bekommt ihr eine Wohlfühlbehandlung beim Schuster in Altchemnitz. Er hat schon vielen meiner Latschen wieder Leben eingehaucht. Haltet durch; verdammt noch mal!
Wir erreichen 16:45 Uhr die Vojkova koča na Nanasnu (1.240 m) und sind die einzigen Übernachtungsgäste. Ute hatte diese Übernachtung gestern reserviert und der Wirt ist daraufhin in der Hütte geblieben und nicht nach Feierabend ins Tal. Es gäbe sowieso noch genügend für das Wochenende vorzubereiten, da kommt die Zwangsübernachtung des Wirts auf seiner Hütte nicht so ungelegen. Zum Abendbrot gibt es Gräupchen mit magerer Wurst und Frischgezapftes. Unser Schlafzimmer ist ein Sechs-Betten-Lager.
Col: Gostilna Travnik
Javornik-Hütte / Pirnatova koča na Javorniku (1.156 m)
Wäscheleinennutzung vor der Javornik-Hütte
Javornik - und der Blick von Ute auf die Javornik-Hütte
Panoramablick vom Javornik
Zwei Hohlköpfe an einem hohlen Baum
Blick zum Sovič (1.256 m)

TAM 150 (Tovarna Automobilov in Motorjev Maribor) der slowenischen Streitkräfte im zivilen Einsatz (Wassertank)
Sonnenblick / Podkraj (786 m)
Vojkova koča na Nanasnou (1.240 m)
Nanos (1.240 m)
28.08.2026 / 8:01 Uhr / 28,71 km / 850 Hm+ / 1.691 Hm-
Vojkova koča na Nanasnu (1.240 m) - Mattavun (399 m)
Wetter: 17°C - 30°C, sonnig (Vipava)
Zum Frühstück gibt es eine sehr wursthaltige Eiervariante mit Brot. Der Hüttenwirt versteht sein Handwerk. Um 8 Uhr verlassen wir seine Baude Richtung Pleša (1.262 m), dem höchsten Punkt des Nanos. Es geht vorbei an den weithin sichtbaren, seit 1953 in Betrieb befindlichen Sendeanlagen, die 1991 (im 10-Tage-Krieg) Ziel jugoslawischer Luftangriffe waren. Unser Weg führt weiter nach Nordwesten, zur exponiert am Hang des Nanos-Hochkarstplateaus befindlichen Kirche des Hl. Hieronymus / Cerkev svetega Hieronima (1.018 m). Danach wendet sich der Steig wieder Richtung Süden. An der schroffen Wand des Nanos-Massivs nimmt er ohne große Umwege das Tal ins Visier.
Wir gelangen zum Verkehrsknotenpunkt am Sattel von Präwald / Preval na Razdrtem (600 m), wo die Schnellstraße H4 in die Autobahn A1 mündet. Der Paß ist zudem Wasserscheide von Mittelmeer und Schwarzem Meer, zieht die Linie zwischen Alpen (Nanos) und Dinarischem Gebirge (Wippacher Hügel / Vipavska brda) und ist der Übergang vom Wippachtal / Vipavska dolina ins Adelsberger Becken / Postojnska kotlina.
In der gleichnamigen Gemeinde (Razdrto) hat der örtliche Lebensmittelladen scheinbar schon längere Zeit geschlossen, nur der angrenzende Campingplatz würde eventuell diese Versorgungslücke schließen können. Doch das wäre uns zu zeitaufwendig, da spekulieren wir mal lieber auf den etwas größeren Ort, der noch vor uns liegt. Im Waldabschnitt gibt es zudem massig Brombeeren und „in der Zivilisation“ auch Pflaumen.
In Senosetsch / Senozeče (553 m) liegt etwas abseits der Strecke ein Laden, dort gibt es Getränke (bis zum Abwinken), Pistazienhörnchen und Erdnußschokolade. An einem Brunnen (Zgornji kal), fast am Ortsausgang gelegen, können wir uns zudem etwas erfrischen. Danach verschwinden wir wieder im Wald. Der Velika Vrmščica (1.027 m), auf dem gleichnamigen Bergzug, ist unser nächster Anlaufpunkt. Dieser einsame Aussichtsberg ist mit 1:45 Stunden veranschlagt. Um 13:15 Uhr sind wir (mal wieder) die einzigen Gäste auf dem Buckel mit dem steinernen Sockel und der Marmorbank. Die Sicht ist etwas eingetrübt, doch unsere Tour läßt sich gut mit den Silhouetten abgleichen, da ist im Norden der markante Nanos sichtbar, im Osten lugt der Javornik hervor und im Süden wartet der Slavnik geduldig auf unser Erscheinen (am nächsten Abend, hoffentlich).
Nach 45-minütiger Rast folgt der lange Abstieg, bei dem wir ein Gebiet passieren, wo vor Bären gewarnt wird. Wir haben glücklicherweise, außer Brom- und Himbeeren, keine gesehen. Ein Kriechtunnel unter der Eisenbahnlinie bringt uns wohlbehalten zurück in die bewohnten Gebiete. Es folgt der Flugplatz von Waatsche / Letališče Divača (430 m) und die spektakuläre Prinzessin-Stephanie-Aussicht / Štefanjio razgledišče (447 m) auf die Einsturzdolinen und den 164 Meter tiefer, im Fels verschwindenden Fluß Reka. Es ist 16:45 Uhr und wir befinden uns im Besuchermagnet der Höhlen von St. Kanzian / Škocjanske jame, ein von hunderten Touristen eingenommenes Gebiet und Stempelstelle des SPP. Es gibt auch die dazugehörigen Freßtempel, doch diese sollen den ausgehungerten Höhlenbesuchern vorbehalten bleiben. Wir begnügen uns mit dem Trinkwasser-Brunnen am Parkplatz. Dort pumpe ich mindestens einen anderthalben Liter kaltes Wasser in meinen dehydrierten Körper, was mit einem Nasenbluten von ihm beantwortet wird.
Während ich die Bewachung der Rucksäcke übernehme, macht sich Ute auf, um ein Quartier in Mattaun / Matavun (399 m) zu ergattern. Es wird nicht das billigste sein, doch Dusche und gewaschene Wäsche sind auch nicht schlecht. Eine dazugehörige Gartenbar, wo es selbstgemachtes Speiseeis und Bier vom Faß („Villacher“) gibt, sorgt für einen entspannten Feierabend. Dieser ist für drei Vespa-Fahrer aus der Steiermark nicht ganz so harmonisch, als sie nach ihrem Feierabendbier ihr Zimmer („Vrba“) in Beschlag nehmen wollen. Das ist nämlich schon an uns vergeben und bezogen. Doch dieses Kommunikationsproblem von Vater und Sohn bei der Zimmervergabe ist relativ schnell gelöst.
Tee sowie Wurst und Eier
Pleša (1.262 m) mit seinen weithin sichtbaren Sendeanlagen
Kirche des Hl. Hieronymus (1.018 m), dahinter der Loziška Tura (863 m)
Abstieg nach Razdrto
Nanos vom Höhenzug Wippacher Hügel / Vipavska brda (Vrhe), oberhalb Razdrtos aus gesehen
Kalksteinbruch Präwald / Kamnolon Razdrto

Koper (bei Debeli rtič) ist in etwa das Ziel und die Schuhe wollen wohl überhaupt nicht mehr?
Aufstieg zum Velika Vremščica
Velika Vremščica (1.027 m)
Blick zurück zum Nanos-Stock
Gipfelstein des Velika Vremščica
Warnhinweis Bärengebiet

Beeren statt Bären / harmlose Mittelmeerstabschrecke
Keine der Höhlen von St. Kanzian / Škocjanske jame, sondern nur eine Eisenbahnunterführung
Prinzessin-Stephanie-Aussicht (447 m)
Die Höhlen von St. Kanzian / Škocjanske jame und deren Stempelstelle
SPP-Tafel in Mattaun / Matavun (399 m)
29.08.2026 / 9:11 Uhr / 25,39 km / 1.070 Hm+ / 451 Hm-
Mattavun (399 m) - Tumova koča na Slavniku (1.018 m)
Wetter: 19°C - 30°C, sonnig (Divača)
Da sitzen wir nun frisch geduscht auf der Terrasse der Kategorie-III-Hütte auf dem Slavnik, dem Triglav von Istrien - vollgefressen mit Riesenportionen Gulasch und Beiwerk, dazu Apfelmohnkuchen sowie Union-Bier und blicken zur Adria. Vor uns, in weiter Ferne, die Landzunge, welche die Häfen von Triest und Koper trennt. Auch die (2022 festgesetzte) weltgrößte Segelyacht (143 m lang und 100 m hoch) liegt noch im Golf von Triest vor Anker. Dieses von Italien beschlagnahmte Schiff eines russischen Oligarchen hat einen geschätzten Wert von 530 Millionen Euro und verschlingt jährlich 10 Millionen Euro Unterhaltungskosten, die zum Erhalt der Yacht notwendig sind - eines der vielen klassischen Eigentore auf der Bühne der Sanktionierungen Rußlands. Doch das nur so am Rande.
Für den Strandgang liegen noch 33 Kilometer vor uns - es werden sicherlich mehr. Das Wetter soll uns für diesen letzten Abschnitt recht sonnig und warm zur Seite stehen. Heute jedenfalls hielt sich die Sonne sehr bedeckt, trotzdem war es eine mühsam erkämpfte Etappe. Das Frühstück im Haus ist außergewöhnlich gut: Weinbeeren, Pflaumen, Feigen, Pfirsiche, Tomaten, Gurken, Käse, Wurst, Oliven, Olivenöl, Butter, Marmelade, Honig, Müsli, Eier, Brot und Hörnchen, dazu Kaffee oder Tee. Vieles aus dem Sortiment ist „vor der Haustür“ geerntet. Man muß sich vom „08/15“ abgrenzen, wenn man in das Geschäft des Tourismus eindringen will, erzählt uns der Hausherr, der diese Unterkunft („Hiša Bzga“) auf der Brandruine eines alten Hauses errichtete.
Unser heutiger Tag wird uns wieder sehr einsam durch die Wälder des Brkini-Hügellandes / Brkini führen. Bis zum Weiler Podgrad pri Vremah (550 m) ist die Wegführung klar, kurz danach verliert sie sich und ist an Abzweigen nicht klar erkennbar. Der Weg ist zwar neu nachmarkiert worden, was allerdings sehr spartanisch und an nicht zwingend relevanten Punkten erfolgte. An den Kreuzungen sind (bei genauem Hinsehen) die von den Bäumen entfernten Knafelc-Punkte schwer erkennbar. Nützt alles nichts - unser Weg kommt am Stempeltisch von Artvische / Artvize (790 m) raus. Es ist die höchstgelegene Siedlung des Brkini.
Danach verläuft die Transversale meist auf der Straße oder in Sichtweite zu ihr, im nahen Wald. Das Wandern macht dabei keine Probleme, nur die Aufdringlichkeit der Fliegen nervt. Wir ziehen uns daher Tücher bis weit übers Gesicht, mit nur kleinen Sehschlitzen. Wir sehen wie Idioten aus - doch das kriegt keiner mit, wir sind ja allein unterwegs. Es geht bergab und mit Markovščina (573 m) liegt wieder eine größere Ortschaft auf unserer Linie. Eine Einkaufsmöglichkeit bietet die Siedlung nicht, dafür ist an der Transitstraße Rijeka-Triest ein Wirtshaus („Gostilna Baša“), in dem wir flüssige Mengen- und Spurenelemente erneuern. Nun (13:15 Uhr) steht nur noch der finale Anstieg zum Slavonik / Slavnik auf dem Programm. Da man diesen markanten Punkt des Karstgebietes Tschitscher Boden / Čičarija schon eine Weile vor der Linse hat, dürfte da nichts mehr schiefgehen.
Eine breite Forststraße führt (laut Karte im Führer) bis weit an den Gipfel heran. Die Streusiedlung Skadanščina (575 m) wird auf Umwegen durchquert und dabei muß es wohl passiert sein - wir wählen die falsche Slavnik-Markierung. Dies geschieht, wenn der Fokus auf einmal einem anderen Problem gilt, dem der stornierten Hüttenreservierung: Ute macht (aus welchem Grund auch immer) die mobilen Daten vom Funktelefon an und erhält prompt eine E-Mail, welche 10 Uhr an sie gesendet wurde. Die Übernachtung für heute Abend (am 24.08. per E-Mail klargemacht und am 25.08 noch einmal bekräftigt) ist annulliert, weil sie diese nicht bis vorgestern (!) noch einmal schriftlich bestätigt hat. Nun wird dieses Mißverständnis mittels erneutem E-Mail-Verkehr aus dem Weg geräumt. Es ist zudem der einzige Tag (Sonnabend zu Sonntag), an dem die Hütte eine Übernachtung anbietet.
Wir finden uns auf dem Umweg über Hrepelje (646 m) und Planina Jegno (745 m) wieder - laufen daher den Berg von der falschen Seite aus an. Wir sind kurz nach 16 Uhr an der Slavnik-Hütte / Tumova koča na Slavniku (1.018 m) und stehen kurz darauf am höchsten Punkt (1.028 m) hinter dem Gebäude. Wie gewohnt, sind wir auch heute die einzigen Übernachtungsgäste, auch wenn es für die Szenerie des Sonnenuntergangs noch ein paar Leute, zu Fuß oder mit dem Kfz. nach oben treibt.
Naklo: Baum in Stützmauer / Kirche St. Mavricij
Stempelstelle in Artvize
Entfernte Markierung und Markierung mit Statistikteil
Blick zum Tagesziel, dem Slavnik
Slivije (575 m)
Sv. Rok in Skadanščina
Gipfelanstieg zum Slavnik von der falschen Seite (dem SPP-Beginn des Folgetages)
Gipfelstein des Slavnik / Üppiges Abendessen auf der Slavnik-Hütte
Sonnenuntergang über dem Golf von Triest
30.08.2026 / 7:55 Uhr / 38,96 km / 808 Hm+ / 1.813 Hm-
Tumova koča na Slavniku (1.018 m) - Debeli rtic (13 m)
Wetter: 20°C - 31°C, sonnig (Ankaran)
Es ist ein enttäuschendes Ende einer langen, teilweise recht kräftezehrenden Wanderung. Wir haben zum Abschluß keine Blaskapelle oder irgendeinen slowenischen Minister am Ziel erwartet, doch so, wie es sich abspielte, ist diesem großartigen Weitwanderweg nicht würdig. Die letzte Tafel des SPP wartet, hinter Büschen gut versteckt und ohne Stempel (das steht aber schon mal so im Führer) auf die Bezwinger dieser über 600 Kilometer langen Reise. Der Track in unserem Begleitbuch endet sogar schon rund einen Kilometer eher - dort, wo man sich den letzten fehlenden Stempel holen soll. Das ist im Führer nicht so, sondern stark verklausuliert, beschrieben. An der Rezeption des „Hotels Arija“ läge dieser Stempel aus.
Doch dort erwartet uns Ankömmlinge die pure Hochnäsigkeit. Sicherlich riecht man nach einer Tagestour bei 30°C nicht nach Rosen oder Veilchen, doch dieses Gehabe ist genau nach meinem Geschmack, nachdem wir schon das Wegende suchen mußten. Mein Kloß im Hals wird auch nicht kleiner, als sich dieser Schnösel hinterm Tresen anmaßt, er könne uns die Bücher abstempeln. Nein, das machen wir schön selbst! Bisher sind alle Stempel von uns ins Buch gedrückt worden, da hat sich niemand anderes rangedrängelt und das bleibt auch so! Außerdem gibt es auch noch weitere Lektüre, wo der Abdruck reingehört. Daß er unsere Übernachtungsanfrage mit einem „Fullbooked“ erwidert, ist verständlich. Wenn ihm aber Personen unseres Schlages zu wider sind, frage ich mich, warum dieses Hotel einen so wichtigen Stempel des SPP inne hat? Dann soll doch das Ding woanders liegen oder am Eingang befestigt werden, wie es auf den Berghütten der Fall ist. Dann würden Leute, wie Ute und ich, seine ehrenwerte Kundschaft nicht mit dieser ungewollten Anwesenheit belästigen.
Er hätte sich bestimmt auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wäre ihm ein „Glückwunsch!“ (in welcher Sprache auch immer) über die Lippen gerutscht. Da kam auf der Slavnik-Hütte am Morgen wesentlich mehr Zuspruch. Ab 7 Uhr saßen wir beim XXL-Frühstück auf der Terrasse und diese füllte sich zusehend mit (meist älteren) Berggängern. Einer von ihnen erkundigte sich nach unserer Tour und wünschte, obwohl er nach eigenen Angaben der deutschen Sprache nicht mächtig wäre, „Kommt gut an!“ - das motiviert! Der Herr Rezeptionist von Debeli rtic war dagegen nur auf unser alsbaldiges Verschwinden erpicht.
Kurz vor 8 Uhr brechen wir auf. Wir strahlen (noch) mit dem (vor dem Frühstück) auf dem Slavnik erlebten Sonnenaufgang um die Wette. Es geht gemächlich bergab. Wenige Höhenmeter abseits des Weges befindet sich ein Aussichtspunkt, von dem man das Ziel und die grobe Streckenführung im Blick hat. Der bald darauf erreichte Talort Prešnica (460 m) hat zwar genügend Parkflächen für die Slavnik-Besucher zu bieten, jedoch keinen Laden o.ä. Auch in Petrinje (420 m) ist keine Einkaufsmöglichkeit vorhanden, jedoch ein Trinkwasserbrunnen.
Wir überqueren den Autobahntunnel Predor Kastelec. Von diesem Bauwerk einmal abgesehen, ist das Gebiet des Triestiner Karsts / Kras sehr „löchrig“: Karsthöhlen durchziehen en masse den steinigen Untergrund. Zu einer dieser Höhlen weist ein Schild am Wegesrand. Das Golgatha-Motiv (der drei Kreuze) läßt die Socerbska jama za Vrhom (424 m) als Kriegsgräberstätte erahnen. Die 60 Meter tiefe Höhle wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs die unwürdige Grabstätte für (von Tito-Partisanen) exekutierte Triester. Dieses Massengrab wurde 1992 von der Kommission für verborgene Gräberfelder / Komisija Vlade RS za reševanje vprašanje prikritih grobišč bestätigt, wie es auf dem trostlos neben der abgesperrten Höhle stehenden Holzkreuz vermerkt ist.
In einer weiteren Höhle befindet sich die einzige unterirdische Kirche Sloweniens - die Heilige Höhle / Sveta jama (428 m). Auf einer Informationstafel findet sich folgender Text: „Sie ist 44 Meter tief und 231 Meter lang. In der Eingangshalle befindet sich die einzige unterirdische Kirche Sloweniens. Einer Legende zufolge lebte der junge heilige Servulus nach seiner Bekehrung zum Christentum zwei Jahre lang als Einsiedler in dieser Höhle. Christen verehren ihn als Märtyrer, da er im Jahr 283 oder 284 vom Statthalter von Triest wegen seines Glaubens hingerichtet worden sein soll. Die Höhle wurde später zu einem beliebten Wallfahrtsort, in dem bis zum Zweiten Weltkrieg jedes Jahr am 24. Mai (Tag des Heiligen Servulus) Messen abgehalten wurden. In die Eingangshalle dieses einzigartigen Sakralraumes führt eine Treppe, an deren Seite sich ein Stalagmit mit eingemeißeltem Weihwasserbecken befindet. Früher stand in der Halle ein steinerner Altar, der dem Märtyrer Servulus aus Triest gewidmet wurde. Die Graben in der Höhle erstrecken sich über zwei Ebenen, die obere ist trocken, in der unteren fließt ein Bach.“
Rund 300 Meter weiter befindet sich das ehemalige Schloß Sankt Serff / Grad Socerb (431 m). Ein paar Touristen tummeln sich dort, doch wenig später wird es auf dem Parkplatz ziemlich eng. Eine Vespa-Rundfahrt macht Station und die von ihrer Anfahrt ausgezehrten Motorrollerfahrer haben nun die Möglichkeit, sich an ihrem abgesperrten Stand mit Getränken und Essen zu stärken. Derweil hat Ute andere Sorgen, denn ihr kleiner Zeh ist von einer Blase „verschluckt“ und bedarf einer Behandlung. Ein Lindenblatt („lindert“ den Schmerz!) wird der Socke beigelegt und wird dem Effekt der erwarteten Analgesie auf dem Rest der Strecke gerecht. Das Kastell ist verschlossen, beherbergt höchstwahrscheinlich eine Gaststätte, so zumindest unsere Wahrnehmung von außen.
Wir müssen von der Ruine weiter ins Tal absteigen. Dabei führt uns ein Hohlweg nach unten, der auch für die wackeren Pedalritter der Slowenien-Runde / Slovenska turnokolesarska pot (1.840 km / 52.000 Hm+) ausgezeichnet ist. Er ist mit seiner Grobkörnigkeit selbst für Wanderer eine Herausforderung und wird für Radler (vor allem, wenn deren Gefährt noch mit dem notwendigen Gepäck versehen ist) erst recht interessant, als noch ein Baum der Quere liegt.
In Osp (16 m) gibt es neben der Kirche des Hl. Thomas / Cerkev sv. Tomaza einen Campingplatz. Die dazugehörige Gastwirtschaft ("Pri Vovku") sichert unsere dringend benötigte (gut beschattete) Mittagspause ab: 1x Bier + 4x Iso. Um 13 Uhr ziehen wir weiter. Es geht bergauf, die letzte große Hucke im Streckenprofil wartet auf uns. Vom Golo brdo (120 m) hat man einen wunderbaren Blick auf die Felswände Velika stena, Babna und Srnjak, die das Sportklettergebiet hinter Osp zu seiner Berühmtheit verhalfen. Sloweniens (mit 1.065 m) längste und (mit 87 m) höchste Autobahnbrücke (Viadukt Črni kal) schließt sich dem Ausblick rechterhand an. Doch wir haben den höchsten Punkt des Anstieges noch nicht erreicht. Von einem höher gelegenen Aussichtspunkt erblicken wir zudem den Slavnik am Horizont und können die heutige Route im gebotenen Panorama nachvollziehen.
Der Tinjanski hrib (374 m) neben der Kirche des Hl. Michael / Cerkev sv. Mihaela (370 m) ist Stempelstelle und Rastplatz für uns. Wir füllen unsere Wasserflaschen wieder auf und sind nach einer halben Stunde wieder unterwegs. Es geht Richtung Italien. In Škofije (109 m) ist noch ein Teil der Morgan-Linie / Morganova črta (per Bronzetafel) erhalten, die von 1945 bis 1954 den heiklen Konfliktpunkt zwischen Triest (Italien) und Istrien (Jugoslawien) markierte. Die Ortsnamen und Hinweisschilder sind ab nun zweisprachig (slowenisch / italienisch), schließlich gehörte dieser Landstrich vom 15. September 1947 bis zum 5. Oktober 1954 zum Freien Territorium Triest, einer konstitutionellen Republik, die unter amerikanischer, britischer und jugoslawischer Verwaltung stand. Im anschließenden Waldabschnitt nach Hrvatini / Crevatini (160 m) ist zum Sonntagnachmittag ein älterer Mann damit beschäftigt, die Abschläge auf dem Wanderweg wieder herzustellen. Wir unterhalten uns kurz mit ihm und loben seinen Enthusiasmus, da sein Tagwerk die Arbeit mehrerer Leute vermuten läßt.
Kurz vor 17 Uhr sind wir in Ankaran / Ancarano (18 m), wo wir bei einem Bäcker unsere Euphorie mit Iso und Bier begießen. Noch 50 Minuten bis Debeli rtic / Punta Grossa sind auf dem Wegweiser angemalt. Den Stempel vom Ort (Nr. 78 im „Begleitheft“) finden wir nicht. Ich dachte, er ist irgendwo am „Straßenrand“ zu finden - war er aber nicht! Ich werde später im Führer nachlesen, daß er sich in der „Korta-Bar“, einer Cocktailbar (!), die sich unweit des von uns besuchten Bäckers befindet, am Tresen zu ergattern ist.
Entlang der Straße verlassen wir Ankaran. Es geht noch einmal ein paar Meter nach oben, eine Wohnsiedlung für Besserbetuchte und ein Weinberg folgen. Wir passieren das Bushäuschen (am Ende der Track-Markierng im Führer) und laufen schnurgerade durch einen weiteren Weinberg. Die dunklen Trauben hängen noch an den Stöcken, doch eine Kostprobe ist tabu - anders als beim „herrenlosen“ Feigenbaum am Nachmittag, den wir für eine Zwischenmahlzeit abernteten. Wir sind 18 Uhr am Ende der Ankaran-Halbinsel (die Italiener nennen sie Muggia-Halbinsel) angelangt. Ein Pfahl, an dessen oberen Ende der Knafelc prangt, steht dort. Dahinter fällt das Gelände 13 Meter zum Meer ab. In der Baumgruppe zwischen Pfahl und Abhang ist kein Hinweis auf das Ende des SPP zu finden.
Ute meint, er Pfeil unter der letzten Wegmarkierung (nach links) führt vielleicht dorthin. Doch in diese Richtung erkenne ich nur ein geschlossenes Eisentor - diesen Weg können wir uns also schenken. In der anderen Richtung kommt aber auf den nächsten 500 Metern auch nichts. Die schon nicht mehr vorhandene Stimmung sinkt weiter. Also zurück und zum Eisentor gehen! Dort stehen seitlich, hinter einem Busch, zwei Tafeln, von denen eine das Ende der Transversale markiert. Dieser Schlußpunkt ist ähnlich unspektakulär gehalten, wie der Beginn des Weitwanderweges in Spodnje Radvanje, nahe Maribor. Es ist daher dann doch ein standesgemäßes Finale, denn der SPP verläuft oft weit entfernt von der öffentlichen Wahrnehmung - so soll es dann auch das Ziel nicht anders manifestieren. Wir sollten uns daher nicht beschweren. Am Holzrahmen der Tafel ist zudem ein Stempel angedeutet, bei dem die entsprechende Stempelplatte aber fehlt. Den Beweis unseres Finishs holen wir uns im Hotel Arija (wie anfangs beschrieben).
Nun fehlt uns nur noch eine Bleibe für die Nacht (oder, die nächsten Nächte). Da "booking-com" keinen Unterschied zwischen schwitzendem Wanderer und geruchsneutralem Normalo macht, ihn ja nicht riechen kann, bemüht Ute nun am Telefon dieses Buchungsportal. Es geht straff auf 19 Uhr zu und die Zeit läuft uns so langsam davon. Die im Vorfeld von uns favoritisierte Ferienwohnung in Ankaran ist nämlich weg. Wir hätten sie auch nicht buchen können, da wir unsere Ankunftszeit für deren Übergabe an uns, nicht hätten genau benennen können. Da wäre noch die „Villa Andor“ - Ute hat sie während unseres Hinweges, linkerhand liegend, wahrgenommen. Sie ist preislich natürlich nicht so günstig, aber sie ist unsere letzte Chance. Würden wir uns persönlich dort vorstellen, gäbe es das eine freie Zimmer mit Sicherheit auch nicht mehr, da wir ungeduscht und in „Arbeitssachen“ vorsprechen würden. Also gibt Ute flink die notwendigen Daten ein und macht die Übernachtung(en) wasserdicht.
Wir kehren in die Nobelsiedlung Ankarans zurück und jetzt erinnere ich mich auch wieder an die Hotelanlage. Mir ging auf dem Hinweg eben der noch fehlende Stempel nicht aus dem Kopf - kommt er nun noch oder nicht? Wir biegen in den rund 50 Meter langen Weg zum Gebäude, der Villa Andor, ein. Rechterhand befindet sich der Parkplatz des Hauses, auf dem sich definitiv keine Kleinwagen befinden. Ein etwas älterer Walker kommt uns mit einem bunten Oberteil entgegen. Die Botschaft auf dem Hemd: „fuck off“, mehr nicht! Gilt dieses offen zur Schau getragene „Verpiss’ dich!“ uns? Man könnte es so deuten, denn als wir an der Rezeption stehen und geduldig warten, interprediert man zwangsläufig diese Aussage in den Blick der Empfangsdame. Doch sie hat keine Chance, uns diesen Wunsch mit auf den Weg zu geben.
Nach den Formalitäten geht es schnell aufs Zimmer: Fenster auf, Schuhe aus und aufs Fensterbrett sortiert. Der Blick geht über ein Ziegeldach zu einer Wärmepumpe und einen Lüftungsschacht - zum Glück haben wir in den vorangegangenen Tagen und Wochen bessere Aussichten gehabt und müssen uns nun nicht an diesem Ausblick sattsehen. Duschen und Wäsche waschen, Ersatzzwirn ran und runter in den Garten des Etablissements. Vom eingedeckten Tisch werden wir zu einem Tisch am Rand vertrieben. Wir bestellen uns jeder ein Bier. Nun der nächste Tiefschlag, denn die Gastronomie ist hier gewöhnlich „weinbasiert“ und es gäbe keine „großen“, also 0,5-er Bier. Ich platze innerlich! Letztendlich muß ich aber lachen, denn, wer braucht zum Durstlöschen kleine Biergläser? Bekommen wir jetzt die berühmt-berüchtigten Kölsch-Stangen vorgesetzt, die Meßzylindern von 100 oder 200 ml entsprechen? Oder haben die hier nur Weingläser? Fragen, die uns doch noch das Lächeln ins Gesicht zurückbringen.
Dann die Überraschung! Halblitergläser mit unfiltriertem „Union“-Bier werden serviert. Vielleicht war die Kellnerin bei „groß“ auch auf „eine Maß“ aus und interpretierte das Halbliterglas als „klein“. Egal, zumal dieses (uns bisher unbekannte Produkt) geschmacklich wesentlich besser „verwöhnt“, als die normale „Union“-Büchsennahrung! Wir wiederholen diesen Vorgang noch zweimal, das Eis zwischen Gast und Gastgeber beginnt zu tauen und das „Du“ der Belegschaft scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Tag, machen wir uns, als Touristen verkleidet (Badelatschen, frischgewaschene Klamotten, kleiner Rucksack) auf nach Ankaran. Wir müssen uns den noch fehlenden Stempel holen. Die „Korta-Bar“ liegt ca. 100 Meter vom SPP entfernt, ein Schild davor weist sie auch als Stempelstelle des Höhenweges aus - nur ist dieses nicht von der Streckenführung aus erkennbar, da sich ein vollbelegter Parkplatz dazwischen befindet. Die Cocktailbar ist schon am (Montag-)Vormittag gut besucht, die Betreiber haben alle Hände voll zu tun, händigen aber freundlich den Stempel an uns aus. Im Nachbargebäude der Bar befindet sich übrigens die Touristeninformation des Ortes. Dort hätte man den Stempel (ganztägig zugänglich) neben der (videoüberwachten?) Eingangstür anbringen können. Was soll’s, wir haben ihn und damit ist das Kapitel abgeschlossen.
Wir werden unsere vollgestempelten Hefte (den fehlenden Stempel könnten wir mit Bildern vom Rodica dokumentieren) nicht an den Alpenverein nach Laibach einsenden. Dann hinkt zwar deren Statistik zur Transversale etwas, doch so, wie wir sie gemacht haben (wenn auch über zwei Jahre gestreckt), machen sie nur die allerwenigsten Slowenen. Wie sie sich ihren Triglav-Gipfelerfolg an dem übermäßigen Eisenverbau an dessen Grat ermogeln, sammeln sie diese Stempel „nicht hintereinander“ (also auf dem dafür gedachten Weg), sondern einzeln. Das ist so nicht verboten, aber nicht Sinn und Zweck der Sache. Dazu sind einige Stempel auch gut mit dem Kfz zu „erwandern“, was ebenfalls so angenommen wird. In so einer Statistik muß man nicht geführt werden.
Sonnenaufgang vom Slavnik betrachtet
Wer soll denn das alles essen?
Morgendlicher Blick aufs Meer, rechts der Cigan (988 m)
Kurzer Gegenanstieg ...
... wird mit einer wunderbaren Fernsicht belohnt (773 m)
Pfarrkirche des Hl. Sebastian in Petrinje / Cerkev Sv. Boštjana v Pretrinjah (420 m)
Socerbska jama za vrhom (424 m) - einer der vielen Orte der Kriegsverbrechen durch Partisanen (nach Kriegsende)
Triestiner Karst
Sveta jama (422 m)
Grad Socerb (429 m)
Blick vom Parkplatz neben der Burg auf Triest
Ja, auch die Radfahrer der Slowenien-Runde müssen hier runter ...
... für Wanderer schon recht anspruchsvolles Geläuf - vollbepackte Fahrräder dürften hier an ihre Grenzen stoßen
Abstieg nach Osp
Breg nad Ospom (112 m): Nur noch viereinhalb Stunden bis Debeli rtic
Zehn Minuten Fußmarsch später: fünf Stunden bis Debeli rtic
Osp und seine Felswände / Osapska stena (li.) sowie die Kirche des Hl. Thomas / Cerkev sv. Tomaza (li.)
"Pri Vovku": hier hätte der SPP auch enden können
Blick zum Slavnik und zu Sloweniens höchster Autobahnbrücke
Kirche des Hl. Michael / Cerkev sv. Mihaela in Tinjan (370 m)
Spodnje Škofije (109 m). Tafel zur Erinnerung an die Morgan-Linie / Morganova črta
Spiegelselfie
Blick zurück zum Slavnik und zum Tinjanski hrib
Blick von Hrvatini auf Triest
Blick vom Gazel / Gasello (79 m) auf Koper / Capodistria

Schnurgerade durch den Weinberg zum Ziel
Debeli rtic (13 m)
Die Adria - 13 Meter unter uns
Der Steilhang verhindert den ersten Kontakt mit dem Mittelmeer
Die letzte Tafel unserer Wanderung
Gezeichnet von einer langen letzten Etappe
Unsere Route im Überblick (Ausschnitt von der Tafel am SPP-Endpunkt)
Hotel Arija - Stempelstelle Nr. 79 (Unbedingt Dresscode beachten!)
Blick aus dem Hotelzimmer - beim Hinauslehnen erblickt man sogar das Meer
Villa Andor
Olivenbaum im Garten der Villa Andor
Stempelstellen-Hinweisschild, welches vom SPP aus nicht zu sehen ist
Korta-Bar in Ankaran - der "übersehene" Stempel wird nachgeholt
Stempelhefte und SPP-Führer
Das gesamte Projekt des Slovenska planinska pot ist wirklich mit viel Glück verbunden. Machten es 2025 die kurzfristigen Umplanungen, wegen Wegsperrungen oder Hüttenbautätigkeit, für uns spannend, so kann man den diesjährigen Erfolg der Wanderung dem stark ausgedünnten Übernachtungsangebot zuschreiben. Das langanhaltende Schlechtwetter zog glücklicherweise im Vorjahr einen zwischenzeitlichen Schlußstrich, denn mit dem Wissen von heute, hätten wir uns an den folgenden Etappen und der Übernachtungs-„Infrastruktur“ aufgerieben. Wir hätten die Unternehmung dann höchstwahrscheinlich komplett abgebrochen. So ging es aber mit neuem Elan (und bei bestem Wetter) weiter. Wir bemerkten rechtzeitig, daß Übernachtungen auf manchen Hütten, in gewissen Zeiträumen, überhaupt nicht möglich sind. Beginnend mit der Tatsache, in Trenta keine Bleibe bekommen zu haben, verschoben sich die nachfolgenden Quartiere so, daß es „maßgeschneidert“ für uns weiterging. Die Öffnungszeiten der Hütten harmonierten größtenteils mit unserem Tagesprogramm. Danke, wer auch immer die Zügel für diese „Zufälle“ in der Hand hielt!
Statistik SPP 2026:
Distanz: 389,1 km
Höhenmeter im Anstieg: 22.220
Höhenmeter im Abstieg: 22.897
Anzahl Schritte: 644.057 (Thomas), 629.267 (Ute)
Energieaufwand: 70.212 kcal (Thomas), 46.250 (Ute)
Passierte Gebirgsgruppen: Julische Alpen, Dinarische Alpen
Tiefster Punkt: Debeli rtic (13 m)
Höchster Punkt: Triglav (2.864 m)
Bestiegene Berge: 40
Niedrigster Berg: Gazel / Gasello (79 m)
Passierte Berghütten: 26
Statistik SPP 2025 und 2026:
Distanz: 689,5 km (2 Etappen doppelt gegangen)
Höhenmeter im Anstieg: 45.307
Anzahl Schritte: 1.349.075 (Ute), 1.387.836 (Thomas)
Energieaufwand: 96.643 (Ute), 150.522 kcal (Thomas)
Bestiegene Berge: 76
Passierte Berghütten: 62
Passierte Gebirgsgruppen: Bachergebirge, Steiner Alpen, Karawanken, Julische Alpen, Dinarische Alpen
Den Rest unseres Urlaubs verbummeln wir am Meer und seinen Uferbebauungen. Während sich Ute zu zwei längeren Schwimmeinheiten (einen und drei Kilometer) in der Adria aufraffen kann, belasse ich es beim Eintauchen der Füße in der salzigen Brühe. Tags darauf setzten wir per Bus auf die andere Seite der Bucht über - nach Koper / Capodistria. Dort gibt es neben der Altstadt-Besichtigung auch noch den internationalen Seehafen, der unsere Aufmerksamkeit erzwingt sowie das obligatorische Tingeln durch die Geschäfte der Stadt. In einem Antiquariat krame ich mir einen Führer zur slowenischen Bergtransversale heraus - es ist zwar nicht das 1978 erschienene Standardwerk (welches auch auf zwei Berghütten unserer Tour auslag), sondern ein 1982-er Almanach der Kirchen, die diesen Weg säumen.
Den Abreisetag verbringen wir in Triest / Trieste / Trst, wohin uns, von Koper aus, ein Bus für "schmale" 4,40 Euro pro Person bringt - grenzüberschreitend, wohlgemerkt, nicht nur bis in die nächste Tarifzone, wie es bei uns daheim gehandhabt wird. Wir sind ab Mittag in der Hafenstadt und bummeln wahllos durch die Straßen und klappern ein paar Geschäfte ab. Der große Tatendrang ist verflogen und an die Menschenmassen müssen sich Körper und Geist erst wieder gewöhnen.
Die Heimfahrt wird mal wieder spannender, als anfangs erwartet, denn der Flixbus Triest - Kopenhagen (der uns bis Dresden mitnimmt) startet schon ein paar Minuten vor der Zeit (21:10 Uhr). Doch dieser Vorsprung ist bis Prag ins dunkelrote Minus gekippt, denn verstopfte Straßen unterstützen nun mal nicht den anvisierten Zeitplan. Eine längere Grenzkontrolle tut ihr übriges und aus 1:45 Stunden Umsteigzeit in Dresden werden zehn Minuten Verspätung. Ärgerlich, weil der Anschlußbus Breslau - Straßburg (Abfahrt 12:40 Uhr) ebenfalls zu spät in Dresden ankommt, aber vier Minuten vor unserer Nase davonrollt. Zum Glück fährt wenige Minuten später (13:07 Uhr) der Bus Berlin - Mährisch Ostrau ebenfalls über Chemnitz und hat zudem noch freie Kapazität. Das Umbuchen geschieht vor Ort. Der Rest der Reise gestaltet sich stau- und streßfrei. Der Umstieg vom Bus in die Bahn ist ebenfalls großzügig geregelt, so daß wir nach 18 Stunden Heimreise um 15:20 Uhr daheim sind.
Der Arsch ist maximal plattgesessen und die Beine brauchen mal wieder ne Ausarbeitung. Ein bißchen Bewegung würde ihnen gut tun - und was liegt da näher, als 18 Uhr beim 41. Erdmannsdorfer Zschopautallauf an der Startlinie zu stehen? Beim 8,7-km-Hauptlauf holt sich Ute den Altersklassensieg, während ich gerade noch so, aufrecht torkelnd, die Ziellinie passiere. Überlebt, das Sitzen im Bus war anstrengender, Haken dran, mehr nicht - da war der Spaziergang durch Slowenien doch wesentlich angenehmer. Ute wird tags darauf beim Gassenlauf (eher ein Berglauf) in Großrückerswalde wiederholt antreten und dort ihre neu erworbene Bergtauglichkeit unter Beweis stellen (=Altersklassensieg). Mir tun da als Anwesender vor Ort bloß vom Zugucken die Beine weh.
Ankaran - Blejska Kremšnita heißt hier Zagrebška rezina
Mittelmeer-"Strand" von Ankaran-Valdoltra
Endlich die Füße ins Wasser! (Ankunft am Mittelmeer / m) / Endlich wieder Schwimmen (Ankunft am Mittelmeer / w)

... und wieder ein Sonnenuntergang - erneut "im Meeresspiegel"
01.09.26: Ausflug nach Koper / Capodistria (Stadion Športno rekreativni center Bonifika des FC Koper)
Brunnen Da Ponte und Prešeren-Platz / Da Pontejev vodnjak in Prešernov trg
Palast Barbabianca / Palača Barbabianca (li.), Schusterstraße / Čevljarska ulica (re.)
Antiquariat-Fund: Kirchen und Kapellen am SPP / Innenstadt-Fund: "Kulturhauptstadt 2025 - Chemnitz"-Vandalismus
Muda-Tor / Vrata Muda
Containerschiff "Brisbane Express": 335 m lang, Eigengewicht 146.078 to, Ladekapazität 14.170 TEU
Herrliche Platanen oberhalb des Hafens
Alter Olivenbaum (li.) und mächtige Platane (re.)
Alte, hohle Platane
02.09.26: Triest - der obligatorische Mittelmeerkontakt (wie 2024)

Militärische Verwaltung erwünscht: Freies Territorium Triest (1947 - 1954)
Canal Grande
"Segelboothafen" Triest
Teatro Romano di Trieste
Palazzo della Luogotenenza austriaca
Abendstimmung vor Triest, rechts die festgesetzte 530-Millionen-Euro-Yacht
"Fernbusterinal"in Triest - unser Flixbus fährt vor (das Gebäude)
Das Kapitel Slowenien ist damit für uns durch - wobei: einige links liegengelassene Berge der Julischen Alpen würde ich gern noch zu meiner Vita hinzufügen. LEPOTA GORA TO JE SLOVENIJA - JALOVEC PA KRANJ GORA! steht mit roter Farbe auf einem Felsen Richtung Jalovec geschrieben: "Die Schönheit der Berge, das ist Slowenien - Jalovec und Kranjska Gora!" Dem stimme ich natürlich zu, auch wenn Sloweniens Bergwelt wesentlich mehr an Sehenswerten zu bieten hat. Damit dies auch noch lange so bleibt, hoffe ich, daß niemand meinen Reisebericht als Aufforderung zu einem Besuch der slowenischen Berge interprediert. Dieser stiefmütterliche Dornröschenschlaf, der dieser Gegend obliegt, tut ihr mehr gut, als daß er schadet. Der Massentourismus, wie in den anderen Kalkalpen üblich, ist hier nahezu unbekannt - Bergbahnen und riesige Skigebiete: Fehlanzeige! Dementsprechend "handverlesen" ist auch das Publikum, welches diese Großartigkeit der Abgeschiedenheit und Ruhe zu schätzen weiß. Zum Protzen, Flanieren, Sehen und Gesehenwerden hat der Mensch schon genug andere Berggruppen zerstört - diese halbwegs heile Welt in Slowenien sollte er nicht auch noch bekehren!





